Aus der Jugendzeit

Eduard Mörike · Kapitel 31 von 34

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Aus der Jugendzeit

Auf einer Wanderung.

 

In ein freundliches Städtchen tret' ich ein,

in den Straßen liegt roter Abendschein.

Aus einem offnen Fenster eben,

über den reichsten Blumenflor

hinweg, hört man Goldglockentöne schweben,

und eine Stimme scheint ein Nachtigallenchor,

daß die Blüten beben,

daß die Lüfte leben,

daß in höherem Rot die Rosen leuchten vor.

 

Lang' hielt ich staunend, lustbeklommen.

Wie ich hinaus vors Tor gekommen,

ich weiß es wahrlich selber nicht.

Ach hier, wie liegt die Welt so licht!

Der Himmel wogt in purpurnem Gewühle,

rückwärts die Stadt in goldnem Rauch;

Wie rauscht der Erlenbach, wie rauscht im Grund die Mühle!

Ich bin wie trunken, irregeführt, —

o Muse, du hast mein Herz berührt

mit einem Liebeshauch!