Biblische Balladen I

Alfred Mignon · Kapitel 1 von 8

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Biblische Balladen I

Schöpfung - die zweite

 

Als Gott der Herr die Erde machte,

da war sie erst noch kahl und leer:

Ein unbepflanzter, feuchter Acker,

vom Tau, vom Dunst, von Tropfen schwer.

Kein Vogel sang, kein Fischlein schnappte, kein Halm, kein Zweig, kein Mensch war da in dieser Ödnis, dieser Brache.

Doch Gottes Plan die Zukunft sah.

Der Töpfer griff sich Ackererde

und formte einen Gärtnersmann,

dem baute er dann einen Garten,

den dieser nun beackern kann.

Der Mensch trägt in sich Schöpfers Atem. Gott hat ihn damit hoch begabt.

So weht in jedem Erdenschnaufer

etwas, das Gott zuvor gehabt.

In Eden pflanzte Gott dem Männchen

die schönsten Bäume aller Art

mit leckren Früchten in den Kronen,

so dass ihm großer Reichtum ward.

Inmitten dieser wunderbaren

Oase stellte Gott sich auf

den Baum des Lebens und der Kenntnis

von Gut und Böse - Fluch darauf.

Die Alten suchten Gottes Garten,

das Eden, diesen Schatz von Land, wo Gold und Edelsteine liegen,

wo allen Lebens Wiege stand,

im Reich der Ströme und Gewässer,

denn die sind so von Segen reich:

Der Pischon, Gihon, Tigris, Eufrat,

die quellen aus dem Garten gleich.

»Ich setze dich in meinen Garten,

als meinen Bauern, Lehensmann.

Bewahre mir den Schatz aufs Beste.«

So sagte Gott die Pflicht ihm an.

»Von deiner Hände Arbeit leben

kannst du in diesem Paradies,

kannst essen, was an Frucht und Blattwerk dir meine Großmut überließ.

Doch von den beiden innern Bäumen,

lass deine Finger weg: Die nicht!

Die Frucht ‚Erkenntnis’ wird dich töten,

wenn deine Hand vom Baum sie bricht.«

Noch war der Mann allein auf Erden.

Gott fand, das sei nicht ideal.

So bot er ihm aus den Geschöpfen

als Partner an die Qual der Wahl.

Das was der Herr an Tieren schuf,

das brachte er zu seinem Mann,

damit der, den er auch geschaffen

sie je und je benennen kann.

Die Viecher traten auf in Paaren,

da fiel dem Namensgeber auf,

dass ihm ein Gegengoldstück fehlte.

Kommt Zeit, kommt selbst ein Mann da drauf.

Sein Schöpfer senkt ihn in Narkose,

für ne OP, zur Rep'ratur,

entnimmt dem Schläfer eine Rippe,

die braucht der nicht, die stört da nur.

Daraus formt Gott ne kesse Biene,

die seinem Mensch' gefallen soll.

Der wird bald wach, sieht diese Schöpfung und findet, was er wahrnimmt, toll:

»Du passt zu mir wie Brust zu Keule.

Für mich bist du ein echter Schatz.

Boah, du durchziehst längst meine Träume.« Die Frau kriegt ihren ersten Schmatz.

Die beiden hängen aneinander,

da passt kein Blatt mehr zwischen rein.

Was jung Verliebte eng verbindet,

das ist nicht krank, das muss so sein.