Biblische Balladen I

Alfred Mignon · Kapitel 7 von 8

PDF-Seiten

Biblische Balladen I

Lot

Gott selbst geht nach Sodom in Menschengestalt, das Elend, der Jammer treibt um.

Den Schöpfer lässt Seufzen und Stöhnen nicht kalt. Er plant drum ein mächtiges, flammendes Halt. Wer dort sich nicht ändert, kommt um.

Zwei Männer sind Boten des ewigen Herrn. Sie richten den Blick auf die Stadt.

Und Lot, der hier wohnt, lädt die Fremden sehr gern zu sich ein, bietet Schutz für die Nacht, die nicht fern. Will sie bergen mit dem, was er hat.

Die Gesandten tun so, als sein sie abgeneigt: Sie wolln diese Nacht draußen verbringen. Doch der Gastgeber tief bis zur Erde sich neigt und es drängt sie sein Mund, der beredet verschweigt, was hier droht und er kann sie bezwingen.

Nach dem Abendbrot rottet sich Volk vor dem Haus. Alle wollen ihr Mütchen sich kühlen.

Aber Lot, echter Gastfreund, der wagt sich hinaus. Ungehemmt sagt die Meute: Die Fremden gib raus! Sie solln unsere Lust an sich fühlen.

Das könnt ihr nicht wollen. Ihr seid wohl verrückt. Das sind Gäste, die stehn unter Schutz.

Meine Liebsten, mein Leben, was mich auch beglückt ist mir weniger Wert. Tödlich wär ich bedrückt, böt mein Haus nicht als Burg ihnen Trutz.

Hergelaufener Schiss, willst du König hier sein? Hört euch doch diesen Schwätzer nicht an! Wir sind längst schon der allergemeinste Verein.

Unser Herrscher muss grausam, gewalttätig sein. Nur als Killer kommt der bei uns dran.

Und bevor noch die Raser den Gastgeber töten, zieht Gott selber den Lot schnell ins Haus. Hier soll fremdes Blut nicht mehr den Erdboden röten, kein Missbrauchter mehr schreien in Ängsten und Nöten. Dieses Trauerspiel läuft deshalb aus.

Für die Städte kann Gnade nicht länger mehr gelten. Obwohl Gott, wo's nur geht, darauf zielt.

Doch bei Sodom - Gomorra hilft's nicht, nur zu schelten. Nur mit drohen schafft da keiner bessere Welten. Gnadenlose wie die ham verspielt.

Eine Chance gibt es nur für Familie und Leute, die mit Lot jetzt vertrauen auf Gott.

Wer hier flieht, nichts wie weg von der grausigen Meute und dem Herren gehorcht, wird auch nicht mit zur Beute, für den Tod. Also weg und zwar flott.

Die Verlobten der Töchter, die Lot extra fragt, er hat trotz der Gefahr sie gesucht,

wollen nicht fort von Sodom. Sie haben gesagt: Du machst Witze. Was hat dir den Schreck eingejagt? Nein, wir bleiben. Was soll eine Flucht?

Ja, Lot selber verzögert, schaut sich zu lange um. Morgen naht und sie sind noch vor Ort.

Die Gesandtschaft packt zu. Es ist ihr längst zu dumm. Gleich wird’s Tag und noch immer treibt ihr euch herum. Wir ziehn euch an der Hand mit uns fort.

Vor der Stadt weist der Himmel den Lot, seine Frau und zwei Töchter zur Zuflucht hinauf.

Das Gebirge sei sicher, wer dort Schutz suche schlau. Doch möcht Lot unter Menschen, er weiß ja genau: In Gemeinschaft fällt leichter der Lauf.

Dass der Lot dahin zieht, rettet Zoar, die Stadt. Sie wird nicht mit vom Höchsten gebannt. Dass ein Mensch, eine Gruppe den Fürbitter hat, breitet Segen aus, macht manche Rauigkeit glatt. Sonst wär mehr noch als jetzt schon verbrannt.

Als der Tag grad erwacht, schickt der Himmel sich an, fällt den Städten im Tal auf das Haupt.

Das Verderben in kosmischer Wucht stürzt heran, flutet mächtig vernichtend auf alles und dann bleibt kein Herz und kein Halm überhaupt.