Biblische Balladen I

Alfred Mignon · Kapitel 5 von 8

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Biblische Balladen I

Kain Abel

 

Der Adam war ein braver Mann.

Die Bibel hat das gern zitiert.

Er nahm sich seiner Eva an,

war ganz auf sie als Frau fixiert.

Natürlich, fehlt's an andern Fraun.

Nach ihnen lohnt's nicht auszuschaun.

Dann kommt es, wie es kommen muss;

Verhütung war nicht angesagt:

Als Ersterfolg vom Lusterguss,

neun Monat hat's Eva geplagt,

es stellt sich ein ein Sohnemann.

An Kain Mann sich erfreuen kann.

Die Eltern mühten sich gemeinsam

und ließen nicht im Lieben nach.

Drum blieb der kleine Kain nicht einsam.

Ein weit'rer Knab den Schoß durchbrach. Der Abel komplettiert's Quartett.

Das fand der Kain zunächst noch nett.

Der Abel kriegt nach Kinderjahren

den Job als Hirte, was ihm passt.

Der Kain hat seinerseits erfahren,

dass Ackerbau bringt mehr als Last.

So hatte jeder sein Einkommen

und zahlte Steuern, auch die frommen.

Beim Opfern brachten beide Männer

dem Allerhöchsten was so geht:

der Abel Tiere, echte Renner,

der Kain Gemüse, wie es steht.

Doch hatt' der Boss 'nen leichten Schlag: nahm lieber Fleisch an diesem Tag.

Kain wurde auf den Höchsten sauer.

Das merkte der. Das ist ja klar.

Wenn du bedröppelt guckst auf Dauer,

dann sieht das, der vertraut dir war.

»Verbirg den Blick nicht stramm vor mir«, sagt Gott, »sonst kommt was hoch in dir!«

Der Kain wollt aber weiter grollen.

Er hat den Zorn genährt, gepflegt.

Das hätt' er besser lassen sollen,

bald wär' die Sache beigelegt.

So potenziert sich halt Verdruss

und wieder kommt's, wie's kommen muss.

Zu einer Flurschau lädt der Bauer

den Bruder ein. Sie seh'n herum

wie's wächst. Doch liegt schon auf der Lauer der Kain und bringt den Abel um,

kaum dass sie auf dem Acker sind;

verscharrt hier seiner Mutter Kind.

Der Schöpfer sucht nach Bruder Abel.

Er fragt den Kain: »Wo steckt der nur?«

Der senkt den Blick zu seinem Nabel

und tut als sucht' er nach 'ner Schnur.

»Was geht mich der an?«, fällt ihm ein.

»Sollt' ich mein's Bruders Hüter sein?«

»Weil Abels Blut zum Himmel schreit«,

so spricht der Richter zu dem Mann,

»hast du ab jetzt nur schwere Zeit.

Das Blut, das in den Acker rann,

verhindert, dass du länger bleibst,

zuhause Landwirtschaft betreibst.

Dort, wo du künftig baust und ackerst,

wird dir das Land zu schaffen machen.

Egal, wie viel du schwitzt und rackerst,

es bringt mehr Disteln dir als Lachen.

Du opferst Nerven, Zeit und Kraft,

die Arbeit bleibt, nur du bist g'schafft.

Als Flüchtling ziehst du um die Welt,

ein heimatloser Mordgeselle,

bist ohne Wohnung, haust im Zelt;

wer will, vertreibt dich von der Stelle.

So straft dich deine eigne Tat.«

Recht teuer schien da guter Rat.

»So strafst du, Herr? Hab doch Erbarmen!« Zerknirscht greint rum der Killer Kain.

»Mach mich nicht ganz zum gottlos Armen. Lass mich bei dir geborgen sein;

sonst schlägt mich tot, wer es nur will!«

Gott greift nach Kain und der wird still.

»Ich zeichne dich, weil du mir frommst.

Wer sich an dir vergreift, zahlt teuer.

Mein Schutz geht mit, wohin du kommst.

Du bist für mich wieder ein Neuer.

Ertrage Missachtung und Spott,

auch in die Fern gehst du mit Gott!«