Das heilige Donnerwetter. Ein Blücherroman

Adolf Paul · Kapitel 14 von 28 · Teil 3/4

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Das heilige Donnerwetter. Ein Blücherroman

12 Das heilige Donnerwetter

Dieses Kapitel ist lang und deshalb in 4 Teile geteilt.

Kaiser Alexander antwortete statt seiner.

„Der Kaiser Napoleon wird Mitteilungen familiärer Art gemacht haben“, sagte er ablenkend.

„Ihrer Majestät der Kaiserin Marie Louise geht es doch gut?“ wandte er sich dann direkt an den Kaiser Franz.

„Wollen das beste hoffen!“ antwortete dieser trocken und blickte dann vollkommen teilnahmslos über das Feld hinaus, wo es jetzt anfing immer lebhafter zuzugehen.

„So, jetzt geben’s mir halt an Überblick, Kutschera, wie [pg 335]vorgestern alles richtig zugange ist!“ befahl er dem Feldmarschalleutnant. „Mir ist’s noch nicht ganz klar!“

Kutschera legte los und gab seinem Herrn in kurzen Umrissen zu wissen, was dieser am ewig denkwürdigen Sonnabend, dem 16. Oktober, miterlebt und größtenteils übersehen hatte.

Und Kaiser Franz ließ es ins eine Ohr hinein, durchs andere Ohr hinaus und dachte dabei an das letzte Gesuch, das er noch an seinem lieben Schreibtisch zu erledigen gehabt hatte, ehe er ins Feld ging. Es war das Gesuch einer Postmeisterswitwe gewesen um Niederschlagung ihrer rückständigen Steuern. Das hatte der Kaiser abgelehnt. Denn Steuer muß sein. Wo käme der Staat sonst hin, wenn all die kleinen Leute auf einmal kämen und von ihren Steuern befreit sein wollten!? Sie mußte zahlen wie ein jeder. Aber, in einem Anfall von Großmut hatte der gute Kaiser dem abschlägigen Bescheid eine Zuwendung von zweihundert Gulden aus seiner Privatschatulle beigefügt.

Zweihundert – das war entschieden zuviel gewesen! Hundert hätten es auch getan! Über den Satz ging er sonst nicht hinaus! Dabei müßte es bleiben! Das gäbe sonst Unsummen, die zum Fenster hinausflogen, bei den Tausenden von täglichen Gesuchen!

Während der gute Kaiser solchermaßen über seine Postmeisterswitwe meditierte, fuhr sein lieber, getreuer Kutschera in seinem Vortrag fort und setzte ihm die Stellungen der Franzosen auseinander, die man am sechzehnten angegriffen hatte. Denn die fing man jetzt allmählich an im Hauptquartier zu kennen, nachdem man sich zwei Tage lang die Köpfe gekratzt hatte!

Drüben im zerschossenen und halb abgebrannten Dorfe Wachau, wo jetzt der Prinz Eugen von Württemberg mit seinen Franzosen und Russen stand, hatte Napoleon seine Hauptarmee unter dem Befehl von Murat gehabt. Der rechte Flügel unter Poniatowski war weit zurückgebogen am Pleißefluß entlang bis Connewitz, der linke unter Macdonald von hier, am Colmberg, bis in die Gegend von Klein-[pg 336]Pößna. Das Dorf links, zwischen dem Colmberg und Wachau, war Liebertwolkwitz. Zwischen den beiden Dörfern, am Galgenberg, hatte Napoleon sein Biwak gehabt – –

„Ein ga–anzer Kerl, mei Schwiegersohn!“ sagte Kaiser Franz näselnd. Er fand es zwar nicht gerade fesch, aber doch verteufelt überlegen, gerade am Galgenberg zu biwakieren.

Dann fing er wieder an zusammenzurechnen, wie viele Tage er keine Gesuche um Unterstützung erledigt hatte – wie viele Gesuche pro Tag –, wie viele Gulden pro Gesuch, und multiplizierte und addierte und kam zu einer erklecklichen Summe an ersparten Geldern – erspart bloß dadurch, daß er nicht zu Hause am Schreibtisch geblieben war. Und er wurde immer zufriedener mit dem Leben im Felde, das ja sonst nicht seinem Geschmack entsprach.

Dabei ging die Schlacht am sechzehnten in Kutscheras Vortrag weiter, während ihre heutige Fortsetzung vor den nichtssehenden Augen des Kaisers weitertobte. Dieser bekam sie also doppelt, aber genoß sie nur einfach, da ja der heutige Schlachttag noch nicht zum Vortrag befohlen und demgemäß eingerichtet und für den Allerhöchsten Gaumen genießbar gemacht worden war.

„Am sechzehnten,“ sagte Kutschera näselnd und die Worte langsam und gemächlich ans Allerhöchste Ohr schleifend, „am sechzehnten fing also Prinz Eugen von Württemberg den Kampf mit achtundvierzig Kanonen an. Von hier aus, vom Colmberge, wo wir jetzt sind, antwortete Napoleon mit einer Kanonade aus hundert Geschützen.

In drei Kolonnen gingen wir vor – in der Mitte, wie gesagt, Prinz Eugen gegen Wachau, links von ihm, drüben, mit seinen Preußen und Russen Kleist gegen Markkleeberg, das dort weiter links an der Pleiße liegt, während unsere Leute unter Feldmarschalleutnant Klenau den Colmberg hier nahmen und Liebertwolkwitz stürmten.

Freilich mußten wir aus allen drei Stellungen gleich wieder heraus, nahmen sie aber noch einmal ein und gingen schließlich wieder zurück.

[pg 337]

Die Franzosen waren ja in der Übermacht mit 138 000 Mann, gegen die wir nur 70 000 aufbieten konnten. Denn Fürst Schwarzenberg selbst war drüben weiter links zwischen der Pleiße und der Elster mit 30 000 Mann unter Meerveld vorgegangen und hatte den Feldmarschall Graf Gyulai noch nördlich zwischen den beiden genannten Flüssen vorgeschickt, bis Lindenau, um die einzige Rückzugsstraße Napoleons nach Westen auf Weißenfels abzuschneiden. Na, der Fürst wäre wieder da. Drüben in den Sümpfen war kein rechtes Fortkommen für ihn. Heute haben wir also seine Armee mit hier und außerdem die Reservearmee Bennigsens. Der Kronprinz von Schweden rückt auch noch nordwestlich von der Stadt in die Schlachtlinie, nördlich steht Blücher, der Ring ist also um den Franzosenkaiser geschlossen, er kann nicht heraus, er muß erdrückt werden –“

„Der Gyulai soll zurückgehen!“ kam es dann plötzlich mit ungewohnter Schärfe von Kaiser Franz.

Kutschera fuhr zurück.

„Majestät – das hieße doch dem Kaiser Napoleon die Rückzugsstraße öffnen!“

„San’s mei Truppen, oder san’s net?“

„Gewiß sind sie es –“

„Na, denn sofort einen Adjutanten zum Fürsten Schwarzenberg senden! Der Fürst soll sofort Gyulai mit seiner Truppe aus Lindenau zurückziehen!“

Kutschera verbeugte sich. Der Adjutant wurde expediert.

„Nun erzählen’s weiter!“

Kutschera erzählte dann den weiteren Fortgang der vorgestrigen Schlacht, wie Klenau und Gortschakow mit dem rechten Flügel zurückgehen mußten – wie Kleist mit dem linken standhielt, wie dagegen das Zentrum unter Prinz Eugen durchbrochen wurde, als Murat mit achttausend Reitern zur Attacke vorstürmte – wie die französische Reiterei fast bis zum Wachberge hinter Güldengossa vorgedrungen war, wo die Monarchen an d e m Tag ihren Hügel hatten, und wie sie allesamt gefangengenommen worden wären, [pg 338]wenn nicht Orlows Kosaken und die russische Gardekavallerie den Franzosen in die Flanke gesaust wären und sie vertrieben hätten.

„Mei Pferd!“ rief dann Kaiser Franz plötzlich. „Schauen’s a mal wieder nach, lieber Kutschera, ob’s auch paratsteht? Und schauen’s auch nach der Bedeckung!“

Kutschera beruhigte den Kaiser darüber.

„Am Sonntag auf dem Wachberg war i je net dabei!“ sagte der Kaiser. „Aber heute bin i da. Und es kann ja net schade!“

Dann versank er wieder in Gedanken und fand es gar anheimelnd, dazu das Rattern der Flintenschüsse von drüben zu hören. Und Kutscheras langsames Dahererzählen wirkte so ungemein beruhigend dabei – ganz wie wenn man beim Sturm und Unwetter daheim in der warmen Stube sitzt und den Hagelschauer gegen die Scheiben peitschen hört, während im Ofen das Feuer knistert und Großmutter eine gruselige Geschichte erzählt.

Gruselig genug war es ja zugegangen.

Um vier Uhr nachmittags hatte Napoleon bereits den Sieg in der Tasche gehabt, die Angriffe der Verbündeten waren gänzlich zurückgeschlagen, er ließ schon in Leipzig die Kirchenglocken Sieg läuten, befahl Marmont, der nördlich von der Stadt stand, zur Unterstützung herbei und wollte so die Niederlage der Verbündeten vollenden.

Da traf Schwarzenberg von seiner verunglückten Expedition zwischen der Pleiße und der Elster in Wachau ein und brachte die Schlacht zum Stehen. Und von drüben kam Marmont, der sehnsüchtigst Erwartete, nicht. Vielmehr wurde er bei Möckern von Blücher festgehalten und tüchtig zermürbt. Als Napoleon abends am Galgen biwakierte, hatte sich also das Blatt gewendet und Fortuna bereits gegen ihn entschieden, obwohl von den Türmen Leipzigs das Siegesgeläute noch zu hören war. Am nächsten Tag kämpfte er dann nicht wieder, am nächsten Tag verhandelte er, und das war gut. Denn so hatten die Verbündeten Zeit, die [pg 339]Ankunft der Reserven Bennigsens und der Armee des Kronprinzen von Schweden abzuwarten.

„Es war ja auch Feiertag!“ sagte Kaiser Franz, der ein frommer Herr war und auf Sonntagsruhe hielt.

„Drüben bei Blücher fingen die Preußen aber trotzdem wieder an und schlugen sich, bis ihnen der Fürst Schwarzenberg den Kampf untersagte“, fuhr Kutschera fort.

Der Kaiser blickte schnell auf und winkte seinen lieben, getreuen Kutschera näher. – Ganz nahe mußte der Feldmarschalleutnant kommen und sich so tief herabbeugen, daß sein Herr ihm ins Ohr flüstern konnte.

Mit einem verschmitzten Seitenblick auf Friedrich Wilhelm, der ganz teilnahmlos in seinem Stuhle saß und ins Leere starrte, flüsterte dann der Kaiser rasch die paar Worte:

„Saupreißen, verfluchte!“

Und Kutschera schmunzelte und nickte Einverständnis. Der Kaiser versank nach dieser Kraftäußerung wieder in behagliche Gedanken. Er freute sich darüber, wie gut er den gestrigen Sonntag zu gebrauchen gewußt hatte. Denn er wäre gern auf die Waffenstillstandsbedingungen Napoleons eingegangen und hätte schon seine Vorschläge angenommen, wenn dabei sein Österreich nur ein paar Provinzen mehr und Preußen ein paar weniger bekommen hätte!

Nun, das könnte noch werden!

Noch war nicht aller Tage Abend! Käme sein Schwiegersohn mit heiler Haut davon, dann – nun – wozu wäre er sein Schwiegersohn? Es ginge ja auch so, in aller Gemütlichkeit und ohne Krieg! – Er hatte es ja schon schriftlich von Napoleon in der Tasche – –

Der Kaiser schmunzelte.

Wie gut, daß der brave Meerveld, der mit Napoleon persönlich so gut stand, sich gestern so geschickt gefangennehmen ließ! Das war alles, was nötig war! Napoleon hatte ihm gleich sein Herz ausgeschüttet und ihn schon am nächsten Tag mit Vorschlägen und mit dem Brief geschickt. Und der Brief, der enthielt nicht nur die geheimen Versprechungen [pg 340]an Österreich, der enthielt auch die Bedingungen – Gegendienste, die verlangt wurden. – –

Der Kaiser fuhr auf.

„Hat man dem Gyulai schon befehlen lassen, von Lindenau zurückzugehen?“ fragte er scharf.

„Zu Befehl! Es sind zwei Kuriere an ihn abgegangen!“

„Hoffentlich krepieren’s net alle beide unterwegs?“ sagte der Kaiser. „Es ist sehr wichtig, Kutschera, sehr wichtig, daß Gyulai den Befehl erhält! Mei Schwiegersohn ist ein ganzer Kerl! Man darf ihn net zur Verzweiflung bringe, dann könnte es uns übel gehe. Man muß ihm goldene Brücken baue. Aus Deutschland muß er wohl raus. Aber sein Reich drüben in Frankreich soll er behalte dürfe. Nun, was denn?!“

Und er schielte rasch nach Alexander hin, der im eifrigen Gespräch mit Fürst Wolkonsky dastand und lächelnd mit den Schultern zuckte.

Ob der Kaiser Alexander ihm das wohl wiedervergelten täte, wenn diese Schlacht fehlginge, was ja schon sein könnte? Ob der’s ihm heimzahlen würde, daß er nach der unglücklichen Schlacht bei Austerlitz gleich einen Separatfrieden mit Napoleon machte und sich verpflichtete, die verbündete russische Armee außer Landes zu schicken? Ob der Zar nun seinerseits i h n im Stich lassen würde? Ganz war dem jungen Menschen doch nicht zu trauen!

Kaiser Franz stand auf und ging zu seinem lieben Vetter Alexander hin. Auch der König von Preußen trat hinzu.

Der König war jetzt mit einer Frage geladen und kaute sich bereits die Worte zurecht.

Er nahm den Arm Alexanders und zog ihn zur Seite.

Er hatte ausgerechnet, daß Napoleon schon am sechzehnten hätte kapitulieren müssen, wenn Bernadotte mit der Nordarmee und die Reservearmee Bennigsens rechtzeitig zur Stelle gewesen wären. Man hätte dann annähernd dreimal hunderttausend Mann beisammen gehabt, gegen die Napoleon keine zweihunderttausend aufstellen konnte. Man hatte also eine erdrückende Übermacht.

[pg 341]

Und trotzdem ging’s nicht recht vorwärts. Die Meldungen bestätigten, was man auch von hier aus mit eigenen Augen sehen konnte, daß die Österreicher, die auf dem linken Flügel unter Hessen-Homburg von Markkleeberg gegen Connewitz vorgingen, gegen Poniatowskis Polen nicht recht vorwärts kamen. Und gegen die Hauptmacht Napoleons bei Probstheida, gerade vor ihnen, konnten Preußen und Russen unter Kleist und Barclay de Tolly auch keine nennenswerten Fortschritte aufweisen, trotz allem Aufwand an Pulver und Blei – von ihrem Heldenmut nicht zu reden. Da kommandierte aber auch Napoleon selbst, und unter ihm Angereau, Victor, Lauriston, Murat, also lauter kriegserprobte Leute. Der König war besorgt.

Er blickte trübe in den Pulverqualm hinein, der über der Ebene lag und aus dem immerfort Blitze herausschossen, vom scharfen Aufbellen der Geschütze begleitet.

Die Trompeten schmetterten, das Gewehrfeuer prasselte wie Hagelkörner an die Fensterscheiben, das Rattern der Trommeln, das Wiehern der Pferde, das Schreien der Sterbenden, das Rasseln der Fuhrwerke, alles vereinigte sich zu einem einzigen ohrenbetäubenden Gedröhn, das über der Gegend lag.

Dann und wann zerriß der Wind die Pulverwolke, und marschierende Truppen, vorspringende Schützenschwärme –, galoppierende Reitermassen kamen zum Vorschein und verschwanden wieder in dem Qualm.

Über dem Ganzen der herrlichste Sonnenschein, der das bis gestern herrschende Regenwetter abgelöst hatte.

Gegen mittag wurde bei den Franzosen eine gewisse Nervosität merkbar. Man schien einen Sturm zu planen, um sich Luft zu schaffen.

Eine Vorwärtsbewegung kam aber nicht zustande. Rückwärts ging es auch nicht. Der ganze Ring der französischen Truppen südlich um Leipzig herum, gegen den die Verbündeten anstürmten, stand noch fest und ohne Wanken da, soweit das Auge vom Colmberg aus blicken konnte.

Die Unruhe drüben deutete also darauf, daß bei den [pg 342]Franzosen von den Schlachtfeldern nördlich und östlich von Leipzig irgendwelche Nachrichten eingegangen waren. Ob günstige oder ungünstige, ob’s Ansturm oder Rückzug gäbe, würde sich bald zeigen.

Endlich liefen auch auf dem Monarchenhügel Meldungen ein.

Im Nordosten hatte Langeron mit seinen Russen Ney und Marmont aus Schönefeld an der Parthe auf die Vorstädte von Leipzig zurückgeworfen.

Im Osten griff endlich Bernadotte ein. Seine Preußen unter Bülow hatten Paunsdorf gestürmt und Reynier, der es verteidigte, bis unter die Mauern Leipzigs gejagt.

Dann traf von Bennigsen im Süden die Meldung ein, Holzhausen wäre genommen und Macdonald zurückgetrieben. Dreitausend Sachsen und einige Schwadronen württembergischer Reiterei wären von Napoleon abgefallen.

„Die Nervosität drüben deutet also auf Rückzug!“ sagte Kaiser Alexander. „Er hat genug. Er wird die Schlacht abbauen! Wollen nachhelfen!“

Und dann gab er Befehle. Die Adjutanten flogen in alle Richtungen, es kam bald wieder Bewegung in das Ganze –, mit lautem Hurra wurde von allen Seiten wütend gegen das französische Zentrum Probstheida angestürmt, aber umsonst.

Der Feind wich nicht und wankte nicht.

Es galt für ihn den Rückzug zu sichern. Auf der von Kaiser Franz freigegebenen Straße über Lindenau hatte Napoleon bereits Bertrand nach Weißenfels vorausgesandt, um Brücken über die Saale zu schlagen. Und jetzt, bei beginnender Dämmerung, fingen die französischen Kolonnen schon an, sich über den Ranstädter Seitenweg aus der Stadt hinauszuschieben, und schlüpften so allmählich Regiment für Regiment aus dem feuerspeienden Ring heraus, den die verbündeten Truppen um sie geschlagen hatten.

Napoleon gab also die Schlacht verloren.

Freudestrahlend galoppierte Schwarzenberg mit der Siegesnachricht heran. Und die drei Monarchen sanken bewegt [pg 343]in die Knie und dankten inbrünstig dem Himmel für den Sieg, den ihnen ihre Völker mit ihrem Blut und Aufopferung von Leben und Gesundheit erstritten hatten. Sie schoben somit dem Himmel diese Tat zu und waren alsdann der Pflicht überhoben, ihren Völkern dafür zu danken.

Die Völker hatten einfach ihre verfluchte Pflicht und Schuldigkeit getan. Die konnten dann, nach glücklich beendigter Löwenjagd und Erlegung des Wildes, wieder an die Kette gelegt werden, damit sie kein Unheil anrichteten und nicht am Ende jetzt, nachdem sie Blut geleckt und die Freiheit von fremder Tyrannei erstritten, auch noch der heimischen los und ledig sein wollten.

Drüben hinter Probstheida, an der Tabaksmühle, saß in der Dämmerung müde und zusammengebrochen der gefallene Herr der Welt am Biwakfeuer.

Um ihn herum wankte alles. Sein ganzes Werk – der stolze Bau seines Weltreiches, von keiner inneren Notwendigkeit getragen, von seinem Ehrgeiz nur und durch die Macht seiner gewaltigen Persönlichkeit zusammengekittet, drohte zusammenzustürzen. Stück für Stück bröckelte es bereits ab und würde am Ende ihn selbst unter seinen Trümmern begraben.

Und was bliebe davon übrig?

Der Fluch der Geknechteten, der Ruhm unsterblicher Heldentaten –, Verarmung, Entvölkerung, Hunger und Elend überall, wo er seinen Fuß hingesetzt hatte. Kein Funken Liebe schlug ihm entgegen aus dem ganzen Rund seines Riesenreiches, kein menschliches Gefühl des Dankes, nur kühle Bewunderung und unermeßlicher Haß.

Wer Haß sät, erntet Haß. Rücksichtslos waren seine Schläge auf die Völker niedergesaust, hatten Gutes und Schlechtes miteinander niedergerissen und Neues dafür aufgebaut! Aber auch das nur mit Gewalt! Gewalt war der Anfang, Gewalt das Ende.

Ob er wohl aus dem Chaos sich noch ein Stück des Ganzen retten und dort wieder anfangen könnte, Neues zu schaffen?

[pg 344]

Ob er wohl würde anders als bisher walten können? Sich selbst umschaffen?

Er schüttelte den Kopf. Die Lippen zogen sich zu einem spöttischen Lächeln zusammen. Er blieb, der er war. Noch war nicht alles verloren, noch war auf eine Wendung des Glücks zu hoffen! – –

Eine Granate schlug sausend in das Biwakfeuer und überschüttete ihn mit glühenden Kohlen und Asche. Das Feuer erlosch.

Er fuhr auf.

Die Nacht sank. Der Lärm der hinsterbenden Riesenschlacht legte sich allmählich. Ringsumher flammten die Biwakfeuer der verbündeten Gegner auf.

Er befahl seinen Wagen, warf sich in die Ecke und gab Berthier Befehl, den allgemeinen Rückzug anzuordnen. Selbst wollte er noch im Hotel de Prusse in Leipzig ein paar Stunden ausruhen und dann nach Weißenfels vorausfahren, nachdem er sich vom König von Sachsen verabschiedet hätte.

Die Rheinbundtruppen unter Macdonald und die Polen Poniatowskis sollten bleiben, die Stadt verteidigen und den Rückzug der Franzosen sichern. Dazu waren sie gut genug.

Am nächsten Morgen drangen die Verbündeten in Leipzig ein. Zuerst die Königsberger Landwehr durch das Grimmaische Tor. Dann Blücher an der Spitze seiner russischen Regimenter in die Hallesche Vorstadt. Yorcks halb aufgeriebenes Korps, das durch seinen entscheidenden Sieg bei Möckern das Schlachtenglück zugunsten der Alliierten gewandt hatte, durfte, zum großen Leidwesen seiner tapferen Preußen, nicht am Schlußsturm auf die Stadt teilnehmen.

Es war nach Halle vorausgeschickt worden, um dort die Saaleübergänge zu besetzen, eine Maßnahme, in der der alte Isegrim nichts als eine Niedertracht Gneisenaus sah, dessen Annäherungsversuch er schnöde abgewiesen hatte. Er hatte Gneisenaus Glückwünsche zum Siege bei Möckern mit einer schroff abweisenden Bemerkung beantwortet. Worauf Gneisenau sich zu der Äußerung verstieg: „mit Yorck verträgt [pg 345]man sich am besten, wenn man mit ihm verfeindet ist!“ und ließ seinerseits nichts daran fehlen.

Mit dem üblichen Gepränge und Tamtam hielten der Kaiser von Rußland und der König von Preußen ihren Einzug in die eroberte Stadt. Kaiser Franz blieb – wohl aus Familienrücksichten – der Siegesfeier fern. Der besiegte Franzosenkaiser hatte ihm wohl wiederholt die vernichtendsten Niederlagen und die beschämendsten Friedensbedingungen aufgenötigt. Aber – er war halt sei Schwiegersohn geworde! Und – man konnte ja net wisse!

Der Einzug der beiden anderen Monarchen war dafür um so eindrucksvoller.

Überall, wo ihre Kavalkade durchkam, lagen Tote und Verwundete. Pferdekadaver, zerbrochene Lafetten, Pulverkarren und Marketenderwagen sperrten fast die Straßen. Die Glocken läuteten, die Häuser flaggten, aus allen Fenstern ertönte Freudengeschrei und begeistertes Winken. Hurrarufe, Böllerschüsse und der Gesang der einziehenden Regimenter mischten sich mit dem Gestöhn der Sterbenden und den Hilferufen der Verwundeten.

Auf dem Markt vor dem ehrwürdigen Rathaus war große Parade, Beglückwünschung der Monarchen, Belohnung der nicht gefallenen Helden, Beförderungen, Ordenssegen und Gnadensonne. Ein jeder bekam, was sein Herz begehrte, und alles schwamm in Wonne.

„Die zwei großen und schönen Tage sind verlebt,“ schrieb Blücher an seinen Freund Bonin, „den 18. und 19. Fihl der große Coloß wie die Eiche vorm Stuhrm, er der große Tiran hat sich gerettet, aber seine Truppen sind in unsern henden. Poniatoffsky wurde Blessirt und ist ertrunken, man glaubt Angerau desgleichen, Rennie und Lauriston sind gefangen, der erste ist Blessiert, den 19. wurde zu ende des kampffes Leipzig mit Stuhrm und großer uf Opffrung genomen, man wollte Leipzig in brand schißen ich wider setzte mich die Russischen Batterien und sie durften nur mit kugell Schißen. –

an meiner seitte drank die Russische Infanterie zu erst in die Stadt, an der anderen seitte die braven Pomern, es [pg 346]wahr ein kampff ohne gleichen, 100 Canonen sind in Leipzig genomen, unsere monarchen, daß heist der ostreische, der Russische kaiser und unser könig haben mich uf öffentligen margte gedankt Alexander drückte mich ans HErtz.“

Und an sein Malchen schrieb der zum Generalfeldmarschall Beförderte, „als Frau Feldmarschallin mußt du nun anstendig leben und sey nur nicht geizig und laß dich was abgehen! – – mit die ordens weiß ich mich nun kein Raht mehr ich bin wie ein alt kutsch Perd behangen, aber der gedanke lohnt mich über alles, daß ich derjenige wahr der den übermütigen tihrannen demütigte.“

Alles jubelte, alles feierte in den überschwenglichsten Ausdrücken den Fall des Kolosses, der solange wie ein Alp auf das Leben der Völker gedrückt hatte.

Der Triumph war teuer erkauft, viel zu teuer, wenn man bedenkt, wie viele Tausende von Menschenleben bei größerer Entschlußfreudigkeit und geringerer Unzugänglichkeit der Regierungen hätten gespart werden können.

Leipzig spie wie ein Vulkan Verwundete in alle Richtungen hinaus, wie der amtliche Bericht eines Arztes sagte. Tausende von Verwundeten wurden nach Halle und anderen angrenzenden Städten von den Schlachtfeldern um Leipzig gebracht. In Leipzig selbst lagen mindestens zwanzigtausend von allen Nationen.

In dumpfen Spelunken, wo kaum zu atmen war, in Kirchen und Schulen, wo der Oktoberwind durch die scheibenlosen Fenster kälteschauernd heulte, lagen die Kranken aufgeschichtet wie die Heringe in ihren Tonnen, alle noch in ihren blutigen Gewändern, ohne Hemden, Bettücher, Decken, Strohsäcke, geschweige denn Bettstellen erhalten zu können.

„Keine Nation ist bevorzugt, alle gleich elend beraten, und dies ist das einzige, worüber sie sich nicht zu beklagen haben“, schreibt derselbe Berichterstatter.

Aufgelaufene, brandige Glieder, gebrochene Arme und Beine, die weder in die richtige Lage gebracht noch geschient und auch nicht amputiert werden konnten aus Mangel an Heilgehilfen und an allen Hilfsmitteln – Kinnbacken[pg 347]krampf, Starrkrampf, Lähmungen überall – keine Wärter, keine Hilfe, das war der Dank für geopfertes Leben und Gesundheit. Wer nicht aufstehen konnte, mußte im eigenen Unrat faulen.

Im Hofe der Bürgerschule ein Berg aus Kehricht und Leichen, die nackend lagen und von Hunden und Raben angefressen wurden – –

Heldentod nach Heldenleben.

 

*

 

Schrum tsim tsim –

schrum tsim tsim –

kratzten die Fiedler lustig und beherzt ihren Bässen, Bratschen und Kniegeigen die ersten drei Schläge des Viervierteltakts ab, daß die Wände wankten und die Kronleuchter klirrten. Der Kapellmeister schlug mit Wucht hinterdrein und hielt seine ungestüm vorwärtsstürmenden Musikanten zurück, was er nur konnte, um das richtige altväterlich gezirkelte Zeitmaß herauszubringen.

Tram taram taram taramta

ramtam tara rara

ramtam tara rara

ramtam – – – – –

zwitscherten und näselten Flöten und Klarinetten. Ihre Töne trippelten hübsch brav neben der altbekannten Melodie einher, die die Primgeiger mit flottem Saltarello in duftigen Umrissen über die Saiten warfen.

Mit unbewußter Grazie, schüchtern und zaghaft, wie wenn ein unschuldiges junges Mägdelein die Fußspitzen züchtig unter dem schützenden Saum ihrer Röcke hervorstreckt, um, die Erde kaum berührend, elfenhaft dahinzuschweben – so präzise, gezirkelt und genau bemessen hüpften die Töne prickelnd hervor, kitzelten die Tanzlust bei alt und jung und brachten den ganzen Saal in Bewegung.

[pg 348]

Schrum tsim tsim –

schrum tsim tsim –

Männlein und Weiblein gaben sich die Hände, drehten sich im Kreis, wiegten sich, neigten sich, chassierten nach links, chassierten nach rechts, figurierten, grüßten, lachten, scherzten, vom Licht der tausend Kerzen überflutet, von unzähligen Spiegeln ins unendliche vervielfacht.

Soweit das Auge sehen konnte, Quadrille an Quadrille, streng nach der Regel in ihren Bahnen beharrend und doch in lebhafter Grazie auf dem glatten Parkett lustig und leicht hin und her gleitend.

Bunte Uniformen und schneeweiße Schultern schoben sich zierlich aneinander vorbei. Es war ein Weben, ein Schweben, ein Trippeln, ein Trappeln, ein Klirren von Sporen, ein Blitzen und Funkeln von Sternen und Geschmeiden, bezauberndes Lächeln auf holden Gesichtern, blendende Perlenzähne hinter purpurnen Lippen, zum Beißen und Küssen gleich verlockend, in tiefgründig träumenden Märchenaugen blitzschnelle Abwehr, wenn verstohlenes Drücken und zärtliches Flüstern in heißem Ansturm zu rauben suchte, was erst nach Sitte und Brauch in langer Belagerung erobert werden wollte.

Auf der Estrade an der Längswand stand der König von Preußen mit seinem getreuen Knesebeck und anderen Bevorzugten und blickte zerstreut in das bunte Getriebe.

Ein Lächeln lag über den sonst so griesgrämigen Zügen, und er lauschte belustigt auf die bissigen Bemerkungen, womit das Gefolge meuchlings die Tanzenden bedachte. Ihm bot sich aber auch ein seltsames Schauspiel dar.

Auf dem Ehrenplatz vor dem Thronsessel bewegten sich vier Paare, um die herum sich in achtunggebietendem Abstand ein Ring von Zuschauern gebildet hatte.

Verliebt wie ein junger Leutnant, charmant und geschmeidig, tanzte da Blücher mit dem schönsten Mädchen im ganzen Saal –, ihm gegenüber auf steifen Beinen, würdevoll und ernst, sein alter Waffenbruder und Widersacher Yorck, [pg 349]der sich mühte, recht liebenswürdig zu erscheinen, und dabei verzweifelte Gesichter schnitt. Rechts und links von ihnen vervollständigten Prinz Wilhelm und der Obrist von Katzeler mit ihren Damen die Quadrille. Und Blücher kommandierte, wie sich’s gehörte.

„Chassez croisez!

Balancez!

A gauche! –

A droit! – – –“

kam es mit Donnerstimme unter dem buschigen Schnauzbart hervor, und alles parierte, alles figurierte im ganzen Saal, präzise wie auf dem Paradeplatz, erst im engeren Verband der Quadrillen, und dann, als das Kommando „Grande chaîne!“ fiel, zu einer einzigen endlosen Doppelkette vereinigt, die sich in wogender Gegenbewegung um den ganzen Saal ringelte, bis die auseinandergeratenen Pärchen sich wieder zusammengefunden hatten.

„Dem König und Herrn alles Ordensegens spenden wir nun auch einen Stern!“ donnerte wieder die Stimme des Feldmarschalls durch den Saal. „Die Kegel ran! Etoile!“

Und in jedes Karree sprang ein junger Offizier hinein, streckte die Hand hoch, die anderen Herren ergriffen sie, und dann ging’s in sausender Fahrt um den so geschaffenen Mittelpunkt herum, daß es den Zuschauern auf der Estrade schwindelig wurde.

„Changez les dames!“

In jedem Stern flogen die Damen aus dem Arm ihres Tänzers in den des nächsten und so weiter, bis sie sich wiedergefunden hatten.

„Nun, Exzellenz, warum so steif mit dem Tanzbein?“ rief Blücher Yorck zu, der ihm nicht schnell genug vorwärts kam. „Wir sind nicht an der Katzbach, wir sind am Rhein! Da setzt’s andere Sprünge! In einer Tour bis nach Paris!“

Yorck fing schon an eine Antwort zu brummen. Blücher schnitt sie ihm aber ab durch ein mit Stentorstimme hingedonnertes: „Grande Polonaise!“

[pg 350]

Tram tararam, tam, tam, tam –

tram tararam, tam, tam, tam –

fiel die Musik sofort gehorsamst ein, mit dem gravitätischen Dreivierteltakt der Polacca, und Paar an Paar gereiht, defilierten die Tanzenden mit Anstand und Würde am Thron vorbei und brachten dem gnädig dankenden König ihre Huldigung dar.

Dann wurde Kurs auf die reich besetzten Büfette genommen, um sich dort nach den Anstrengungen des „Feldzuges“ zu laben und wieder gefechtsbereit zu werden.

„Bekommen wir bald Frieden, Exzellenz?“ lispelte die junge Dame Blüchers und nippte an dem ihr von ihm dargebotenen kühlenden Getränk.

„Ebenso gewiß wie ich heute Geburtstag habe!“ antwortete Blücher, der einer jungen Dame gegenüber an alles andere als an Friedensverhandlungen dachte.

„Nun, den feiern wir doch eben!“

„Wir feiern ihn, ja! Aber wir haben heute den vierzehnten Dezember, und ich war so frei, mich erst am sechzehnten auf die Welt befördern zu lassen!“

„Das Glück! Dann können Exzellenz ja übermorgen wieder Geburtstag feiern!“

„Das mache ich mir auch zunutze! Heute hier in Wiesbaden, übermorgen in Frankfurt! Man hat’s eben hier mit mir zu eilig gehabt! Und so ist es auch mit dem Frieden! Die guten Leute können es nicht abwarten. Was übermorgen sein soll, nehmen sie schon heute vorweg! Und – wenn wir das nicht zu verhindern wissen – so bekommt der arme Wechselbalg von einem Frieden sein Wiegenfest, ehe er geboren ist, kommt zu früh auf die Welt, taugt zu nichts Rechtem und ist weder dem Sieger noch dem Besiegten zur Freude! Aber, meine Gnädigste, man spielt schon zum Walzer auf! Der Kampf geht weiter. Verlieren wir nicht die Zeit mit Friedensgesäusel! Da stürmt schon unser mutiger Obrist Katzeler zur Attacke heran! En garde! An die Verteidigung!“ –

[pg 351]

„Der Walzer gehört dem Obristen!“ –

„Nun, dann retiriere ich! – Jugend gehört zu Jugend! Aber besiegt erkläre ich mich noch nicht! Küß’ die Hand, meine Gnädigste! – Vorsicht, Katzeler! Zu tief in holde Äuglein geschaut, macht leicht straucheln!“

Er blickte dem davoneilenden Paar nach, machte sich dann an das Büfett heran, tat sich gütlich an den dort aufgedeckten Leckerheiten, aß mit einem wahren Bärenhunger und fluchte dabei über den faulen Frieden, mit dem man ihm nach jedem Sieg um die Ohren schlug und der ihm sogar hier im Tanzsaal die Kampfesfreudigkeit verleidete!

Er fluchte respektlos über den König und seine „feigen“ Ratgeber, die, Majestät versteht sich ausgenommen, alle miteinander an den Galgen müßten! Immer wieder fielen sie ihm in den Arm, gerade wenn er den Gegner vernichtend treffen wollte. Immer wieder verlängerten sie den Krieg durch ihre Dummheit, Ängstlichkeit und ihre übereilten Maßnahmen! Der Friede wäre längst da und weit vorteilhafter, als sie zu träumen wagten, wenn sie ihm nur nicht immer zur Unzeit mit langgestreckten Hälsen nachliefen!

Aus dem Tanzsaal sprudelten die Melodien herüber, mit heiterem Stimmengewirr und dem Lachen der Tanzenden vermischt. Blücher ging auf die Tür zu. Drüben am Thron standen immer noch der König, der Staatskanzler und ihre Speichellecker.

„Hol’ sie der Teufel!“ brummte er halblaut. „Denen werd’ ich wohl was vortanzen?! Der Kuckuck auch. Zum Tanz aufspielen, das schon eher, wenn sie sich nicht sputen und sich endlich aus dem Dusel aufraffen! Das gibt dann aber eine andere Polka!“

Er verfügte sich nach den entlegenen Sälen, wo fern vom Getaumel trinkfeste Männer Bacchus huldigten. Er tat im Vorbeigehen einen Blick in den Spielsaal, ging aber nicht hinein. Er liebte immer noch das Spiel fast ebenso leidenschaftlich wie die schönen Frauen. Seit Anfang des Feldzuges rührte er aber keine Karte mehr an.

[pg 352]

Aufregung und Anregung gab ihm der Krieg zur Genüge. Dazu bedurfte er des Spieltisches nicht!

Er begab sich also in den Keller, nahm unbemerkt im Dunkel einer Nische Platz und ließ sich Wein kommen.

Um den langen Tisch, inmitten des Saales, saßen eine ganze Reihe meistens jüngerer Offiziere mit hochroten Gesichtern in eifrigster Unterhaltung. Sie schimpften, daß es Blücher gar warm ums Herz wurde, und verdonnerten die Diplomaten nach Noten.

„Habt ihr den Metternich gesehen?“ rief einer. „Wenn ihr den Fuchs gesehen habt, dann wißt ihr Bescheid. Wir Preußen sollen da immer und immer wieder bluten, nur um den Engländern und den Österreichern die Kastanien aus dem Feuer zu holen! Und nachher werden wir geprellt! Wir haben Napoleon besiegt, haben ihn aufs Haupt geschlagen – und der Herr Metternich hat nichts Eiligeres zu tun, als ihm den Rücken zu steifen! Habt ihr von den Friedensbedingungen gehört, die er jetzt wieder dem Franzmann geboten hat? Friede und Freude, und die Pyrenäen, die Alpen und den Rhein als Grenzen!“

Ein allgemeiner Aufschrei beantwortete die Nachricht.

„Schufte und Gauner sind’s, die das befürworten!“

„Es sind hohe Herren, Fürsten und Generäle darunter!“

„An den Galgen mit ihnen!“

„Aufknüpfen das ganze Gesindel! Schwarzenberg und Metternich voran!“

„Sind das Bundesbrüder!“

„Immer hinken sie nach, immer halten sie zurück und tuscheln hinter unserem Rücken mit den Franzosen!“

„Die Österreicher denken nur an ihren eigenen Vorteil! Und den suchen sie in Italien! Da wollen sie sich bereichern! Deutschland ist ihnen gleichgültig!“

„Ob wir frei werden oder nicht, ist denen Wurst!“

„Das ist ein Irrtum! Die Österreicher würden uns gern an Händen und Füßen gefesselt sehen! Nur kein starkes Preußen, nur kein einiges Deutschland! Deshalb paktieren sie und treiben hinter unserem Rücken Kuhhandel mit den [pg 353]Rheinbundfürsten, diesen Verrätern an der deutschen Sache! Sie befestigen jene Könige von Napoleons Gnaden auf ihren Thrönchen, statt sie zum Teufel zu jagen!“

„Ganz recht, und deshalb sollen wir eben nicht ihres Kaisers Schwiegersohn Napoleon kaputt machen dürfen! Deshalb dürfen wir ihm nicht seinen Länderraub nehmen – deshalb ließen sie ihn bei Leipzig entschlüpfen und hinderten uns an der Verfolgung, wo wir ihm so brav an den Fersen hingen. Keinen Mann hätte er heil nach Frankreich zurückgebracht, hätte man uns bei der Stange gelassen! Und die lassen ihn mit ganzen siebzigtausend Mann nach Mainz hinüber!“

„So ’ne Schweinerei war noch nicht da! Die müßten mit Ruten gestrichen werden, die das verbrochen haben!“

„Und jetzt, was machen wir jetzt! Sechs Wochen lang stehen wir schon am Rhein und dürfen nicht hinüber. Unsere Herren Fürsten stehen da und gucken ins Wasser und finden es tief und finden es breit, und schütteln die Köpfe und machen bedenkliche Gesichter. Der König will nicht, der Kanzler will nicht, das Große Hauptquartier will verhandeln, die Russen wollen heim in ihr Land. Keiner wagt den Sprung! Inzwischen wird Napoleon wieder stark – und wir müssen wieder bluten!“

So schrien und tobten sie erregt durcheinander, und der Tabaksqualm legte sich in immer dichteren Wolken über sie und zog in langen Ringeln unter dem Gewölbe hin, durch die Tür hinaus.

Blücher saß unbeweglich in einer Ecke und ließ sich nichts merken.

Am Ende des Mitteltisches, etwas abseits von den anderen, saß allein und schweigend ein großer, starker Kerl in Infanterieuniform und trank in aller Ruhe mit tiefen Zügen einen Schoppen nach dem anderen. Mit jedem Glas wurde sein Gesicht röter und seine Augen stierer. Er schien sich gewaltig zu giften über all das, was die anderen vorbrachten, und kam immer mehr in Wut.

[pg 354]

Schließlich fegte er Glas und Kanne vom Tisch herunter, stand auf, zog die Plempe, schwang sie mit beiden Händen hoch über den Kopf und ließ sie mit voller Wucht auf die Tischscheibe niedersausen.

„Borussia!“ schrie er, daß es im Saal dröhnte und alles verstummte und sich zu ihm umwandte. „Borussia, wach auf! Von allen Seiten umschleichen dich Feinde! Ringsum lauern falsche Freunde darauf, dich zu knebeln!

Denn du bist das Herz Deutschlands, die Wurzel seiner Kraft, die Quelle seines Blutes und der stählerne Ring, der bestimmt ist, all die deutschen Stämme zusammenzuhalten und stark und mächtig zu machen. Hüte dich vor deinen schwachen Stunden, Borussia, laß dir kein Gift in die Ohren träufeln – wehr dich gegen die Falschheit derer, die ihre Dolche mit Friedenspalmen verdecken! Wehr dich, sonst hast du umsonst geblutet, ohne Nutzen den Kampf um die Freiheit geführt. Ohnmacht, Armut, Knechtschaft, Schmach und Demütigung vor Fremden wird dein sicheres Los! Höre nicht auf den Sirenengesang! Laß deine Knappen mit ihren Schwertern auf ihre Schilde schlagen, daß du die Stimme der Verlockung nicht hörst. Du ließest dich schon zu oft täuschen! Du ließest dich zu Boden werfen, wurdest ausgeplündert und zum Frondienst gezwungen! Und nun, wo der Himmel ein Wunder tat und deine Fesseln löste, wo du weiter nichts zu tun brauchst, als die Hand auszustrecken und zu nehmen, was dein ist, da läßt du dich beschwatzen, auf die Segnungen einer fernen Zukunft vertrösten, wo die Gegenwart dir blüht wie noch nie!

Borussia, wach auf! Sieh in der Sonne den Rheinstrom glitzern! Sieh sein heiliges Band alle deutschen Gaue umschlingen! Frei wälzt er seine Wogen dem Meere zu, an beiden Ufern wieder deutsch, wie er’s immer war, wenn du nur wolltest. Laß nur nicht die Welschen an ihn heran! Die bleiben nicht wie du träumend an seinem Ufer stehen! Die werden stets zu neuen Raubzügen hinüberwollen, dir Mark und Blut aussaugen und sorgsam verhüten, daß du jemals wieder zu Kraft und Macht erstarkst! Borussia, wach auf!“

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„Die schläft schon nicht, junger Mann!“ sagte Blücher, trat aus seiner Nische ins Licht hinaus, ein Glas in der einen, ein paar Flaschen in der anderen Hand, und setzte sich an das andere Ende des langen Tisches. „Denn das ist kein Schlaf mehr! Da gehört ein ganz anderes Wecken dazu, als Sein bißchen Krähen! Da helfen auch nicht die Posaunen des Jüngsten Gerichts! Bei der dicken Schlafmütze, die die Sicherheitskommissariusse der Madame über die Ohren gezogen haben, könnte der Himmel herabfallen, und sie merkte nichts. Die wacht nicht uff. Wir geben ihr wohl mitunter einen Schubs und bringen sie auf die Beine, daß sie Anlauf nimmt und im Schlafe siegt. Und dann fällt sie um und träumt vom ewigen Frieden! Und der Feind, der Herr Napoleon, der niemals schläft und niemals träumt, er lacht sich ins Fäustchen und geht ihr immer wieder durch die Lappen. An der Saale hätten wir ihn jetzt packen können, an der Unstrut auch! Bei Auerstedt, wo er uns schlug, hätte er zur Wiedervergeltung eins auf die Mütze haben müssen – bei Erfurt, wo wir früher einmal vor ihm kapitulierten, bei Fulda, überall wäre er geliefert gewesen, wenn wir bei der Stange geblieben wären und zugelangt hätten. Am Hörselberge hinter Gotha, wo wir nach Jena so brav vor ihm gelaufen waren, da rächten wir uns aber in echt deutscher Weise – da ließen wir ihn ebensogut vor uns laufen, gerade als seine Vernichtung sicher war. Da spielten wir immer noch auf höheren Befehl Blindekuh und sagten uns: ‚Nee, da läuft er nich, wo er läuft! Er läuft sicher anderswo!‘ Und kletterten über die Vogelsberge und guckten in das Lahntal hinein und wunderten uns baß, daß er uns nicht den Gefallen tat, uns auch da etwas vorzulaufen.

Und nun sitzt er hinterm Rhein und pflegt seine Frostbeulen und salbt seine wunden Füße. Und wir sitzen diesseits und blasen auf der Friedensschalmei und tanzen und vergnügen uns. Nun ja – hübsch sind ihre Mädchen, das muß ich den Rheinländern lassen! Und ihre Weine – – Na, komme Er her zu mir, junger Mann, brechen wir miteinander dieser Pulle den Hals! Da drin ist Sonnenschein [pg 356]– da drin ist Glut und froher Mut, aber keine solche Wut, wie Er sich wohl aus Seinem Surius drüben angetrunken hat! Sieht Er, schöne Redensarten, die kann ich auch machen! Nun will ich Ihm aber auch vormachen, wie man den Mund hält, wo’s gilt, eine Tat für ein Wort zu setzen! Prost! Gieße Er den Rebensaft die Kehle runter! Und keinen Ton dabei – keinen Ton, auf daß Ihm nicht die Galle übertritt. Siebzehn Jahre wollen wir wieder werden, voll guter Laune, Übermut, Tollheit und schwellender Kraft, die singt und jauchzt und sich des Daseins zu freuen weiß. Dann sind wir morgen andere Kerle, und die Welt wird uns neu und frisch und keusch wie eine aufblühende Jungfer, die dem gehört, der sie ohne Federlesens zu nehmen versteht, aber nimmermehr dem Worthelden, der über seinem Gefasel das Zupacken vergißt. Wir t u n, was w i r tun! Wir lassen Schufte und Gauner Schufte und Gauner sein! Wir haben anderes zu tun, als dem Gesindel Galgen zu errichten und Strafpredigten zu halten! Prost!“

Trotz seinem Schweigegebot versäumte er es aber auch nicht, selbst das Wort zu nehmen und eine Rede zu schwingen, sooft nur der Geist über ihn kam.

Der andere hatte ihm eben nur das Wort aus dem Munde genommen und das ausgesprochen, wovon er just im Begriff war, selbst überzusprudeln.

„Solche Leute muß man beizeiten dazu bringen, den Mund zu halten“, dachte er schmunzelnd. „Denn sagen sie zuviel, dann verderben sie einem nur das Spiel!“

*

 

Am Neujahrstag in aller Frühe hielt Blücher dann hoch zu Roß auf den Hügeln des Rheinufers bei Caub und blickte in den grauen Tag hinein.

Unter ihm schlängelte sich die dunkle Masse seiner braven Armee über die Schiffsbrücke nach der kleinen Insel mitten im Fluß, wo die alte Pfalz liegt, und weiter nach dem jenseitigen Ufer, die Hügel hinauf.

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Die Felsen warfen in immer wachsendem Echo das Hurra und das Freudengeschrei hinüber und herüber und kündeten den Landeskindern jenseits des Rheins: jetzt ist die Schmach getilgt, jetzt seid ihr wieder Deutsche, wie ihr es immer wart und immer wieder werdet, was auch kommen mag.

Dem alten Kämpfer schwoll das Herz vor Freude, er jauchzte mit, und durch die Tränen, die ihm aus den Augen quollen, sah er sieben Sonnen, und alle gingen sie ihm heute drüben, im Westen, auf. Drüben lag befreites deutsches Land! Drüben lief der Feind, was das Zeug hielt –, drüben lag Paris! –

Ein Katzensprung nur, und Paris war sein, die Höhle des Löwen ausgehoben, der Quell alles Unheils verstopft, der Feind der Völker von seiner ragenden Höhe gestürzt! Nichts könnte mehr etwas daran ändern!

Drüben liefen ja die Franzosen – – –

Sie liefen – ließen aber drüben im befreiten Lande eine Grenzwache zurück, der weder Pulver noch Blei etwas anhaben konnte: – den Typhus! Und der machte seine Sache so brav, daß allein vom Yorckschen Korps fünftausend Mann ins Gras beißen mußten. Dem Typhus zur Seite wütete ein noch unheimlicherer Feind: der Meuchelmord, der in jedem Bauernhause lauerte, je weiter man ins rein französische Land drang. Denn es war ja ein schwerer und unverzeihlicher Frevel von den Deutschen, den geheiligten französischen Boden mit Krieg zu überziehen! Wozu waren die deutschen Gaue da? War es nicht seit altersher den Völkern zur Gewohnheit geworden und also zum Recht, dort ihren Hader auszutragen und ihre Streitrosse zu tummeln?! Hatten sie nicht den Deutschen dafür gedankt, indem sie ihr Land nicht nur gnädigst ausplünderten, sondern es auch mit den schönsten Ruinen schmückten?!

Kein Mühsal, keine Gefahr, keine Seuchen, gar nichts vermochte aber das Ungestüm der Schlesischen Armee und ihres Führers zu brechen.

Unaufhaltsam drang sie auf ihr Ziel vor, ob die anderen Heere folgten oder nicht.

[pg 358]

An Bernadotte brauchte Blücher nicht mehr zu schleppen, da diesem Helden, nach seiner gloriosen Leistung bei Leipzig, das Kommando der Nordarmee genommen worden war.

Und die Hauptarmee mit ihrem ganzen Troß von Monarchen, Fürsten und Diplomaten, kümmerte ihn zunächst wenig.

Die schleppte sich im gewohnten Tempo, fern vom Schuß, bei Basel über den Rhein nach Frankreich hinein, blieb dort auf der Hochebene von Langres staunend stehen, und bewunderte die sonderbare Eigenschaft dieser Wasserscheide, von dort nach drei verschiedenen Meeren gleichzeitig ihr Wasser lassen zu können.

Von all den Flüssen, die dort ihren Anfang nehmen, trug, wie zu billigen, die Seine den Sieg über die anderen davon.

Aber schon ehe die Hauptarmee ihre schwerfällige Masse nach dem Seinetal in Bewegung setzte, fingen die Diplomaten Österreichs, unter Metternichs Führung, wieder an, dem Schwiegersohn ihres Kaisers auf der Friedensschalmei ein Ständchen zu blasen, und boten ihm die alten Grenzen Frankreichs von 1792 an und den ungestörten Besitz seines Thrones für immer und ewig –, was in unserer Laiensprache so viel wie bis zum nächsten Krieg heißt. Denn Napoleon war ja, wie auch der preußische General von Knesebeck hervorhob –, er war ein förmlich anerkannter und recte gesalbter Monarch – er war Herrscher von Gottes Gnaden und hatte also zum mindesten auf die Gnade der Mitmonarchen einen Anspruch.

Napoleon sah das auch ein, ließ sich gnädigst herbei, mit seinen Überwindern zu verhandeln, und schickte zu dem Zwecke seine Friedensboten nach Chatillon.

Da war es wieder Blücher, der den friedfertigen Kampfgenossen in den Arm fiel – aber in einer von ihm selbst am allerwenigsten beabsichtigten Weise, indem er sich an der Marne gründlich – nicht e i n-, sondern f ü n f m a l von Napoleon schlagen ließ.

[pg 359]

Denn der Korse, der da seine schönsten Löwensprünge machte und bald dem einen, bald dem andern von den ihn umstellenden Jägern an die Kehle sprang und tüchtig zauste, der fühlte sich wieder als Herr und Gebieter und Bändiger der ganzen Welt.

Er schlug die einzeln marschierenden Korps der Blücherschen Armee nacheinander bei Montmirail, bei Château Thierry, Vauxchamps und Etoges. Er schlug Wrede und Wittgenstein bei Nangis und den Kronprinzen von Württemberg bei Montereau. Und der Kamm schwoll ihm mächtig.

Er sah, wie die Schar seiner Angreifer anfing langsam wieder nach dem Rhein zurückzufluten.

Bald würde er sie da hinüberwerfen und gänzlich vernichten!

Er hörte schon seine leicht erregten Pariser über die Siegesbotschaften und die vielen Gefangenen jubeln.

Sie würden ihm alles bewilligen, der neuen Gloire jedes Opfer bringen! Also keine Rede von Verhandlungen mehr!

Er würde den Völkern wieder den Frieden diktieren, wie sie es von ihm gewohnt waren! Fort mit den Schreibern und Diplomaten mitsamt ihren schlauen Finten und krummen Wegen! Ein Hieb des Schwertes zur rechten Zeit – das bliebe stets die einfachste und wirksamste Diplomatie!

Napoleon bedankte sich also für die Gnade, die ihm die deutschen Fürsten gewähren wollten, lehnte die Unversehrtheit eines verkleinerten Reiches und den Besitz eines nur auf französischem Boden fußenden Thrones ab, rief seine Unterhändler zurück und stand wieder kampfbereit da, mit zermürbten Armeen, aber im vollen Glanz seines Genies und seines Siegerruhmes, drohend, gewaltig, gefürchtet.

Da war’s wieder Blücher, der sich nicht blenden und verblüffen ließ. An Genie dem Gegner gleich, an urwüchsigem Temperament ihm überlegen, hielt er stand, wo alles weichen wollte, gebot dem Imperator Halt und lenkte die rückwärtsstrebende Bewegung wieder vorwärts.

[pg 360]

Und die Saumseligen folgten schweren Herzens und ergaben sich in ihr Schicksal, die Früchte ihrer Siege pflücken zu müssen.

 

*

 

„Sa Majesté l’empereur“

stand es mit großen Buchstaben mit Kreide auf einer der Türen im Korridor. An der Tür zwei Gardisten in hohen Bärenfellmützen, die Gewehre mit aufgepflanztem Bajonett geschultert.

Ein Adjutant kam eiligst die Treppe herauf, den Korridor entlang und auf die Tür zu. Die Wachen präsentierten.

Der Adjutant streckte die Hand nach der Klinke aus. Da öffnete sich die Tür, ein paar Ordonnanzen kamen eiligst heraus, die zusammengefalteten Zettel mit den soeben vom Kaiser diktierten Befehlen in der Hand, salutierten und eilten die Treppe hinunter.

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