Der letzte Sommer

Ricarda Huch · Kapitel 31 von 60

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Der letzte Sommer

Katja an Welja

Petersburg, 20. Juni.

Du bist ein Dussel, Welja! Du hast ja doch Peter die ganze Geschichte mit Lju geschrieben! Ich konnte es mir ja denken, aber warum prahlst Du denn, Du hättest keiner Menschenseele ein Wort davon mitgeteilt? Erstens fragte ich Dich nicht danach, und zweitens glaubte ich Dir nicht einmal. Peter denkt nun, er müßte mich trösten, und ich müßte ihn heiraten; Logik hat er doch nicht. Uebrigens ist er entzückend, Gott, zu schade, daß ich nicht in ihn verliebt bin! Nun muß ich diese Albernheit von Peter ertragen und dazu noch anhören, wie Tante Tatjana für Lju schwärmt: wie elegant er wäre, und wie anregend, und wie energisch, und was für einen guten Einfluß er auf uns gehabt hätte! Paß Du nur wenigstens auf Jessika auf. Es ist auch zu toll, daß sie solche Eltern hat. Papa merkt nichts, Mama findet alles sympathisch, und Dir ist alles einerlei. Besinn Dich mal darauf, daß Du ein Mann bist; Lju kann alles mit Dir anstellen und Dir alles weismachen, gerade als ob Du in ihn verliebt wärest, das ist unwürdig. Wenn Tante Tatjana nicht gerade von Lju redet, ist sie reizend und sehr vernünftig. Die Kurse sind noch nicht eröffnet. Wie steht es mit Paris? Hat Papa ja gesagt? Im Notfall gehen wir natürlich auch nach Berlin, wenn wir erst fort sind, findet sich das übrige. Adieu!

Katja.