Der Mann von vierzig Jahren

Jakob Wassermann · Kapitel 1 von 1 · Teil 3/6

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Der Mann von vierzig Jahren

Der Mann von vierzig Jahren

Dieses Kapitel ist lang und deshalb in 6 Teile geteilt.

Durch einen jungen Marineoffizier, den er im Salon der Prinzessin Mathilde kennen gelernt hatte und der ihm eine herzliche Freundschaft entgegenbrachte, war er in das Haus des Lords Albany gekommen. Lord Cecil Albany war ein Mann von ungeheurem Reichtum, der es liebte, die Wintermonate in Paris zu verbringen und sich durch seinen Aufwand in großen Respekt gesetzt hatte. Er hatte in der Rue St. Honoré einen Palast gemietet und sah jeden Abend die vornehme Welt bei sich. Doch geschah dies nur seiner Frau zuliebe, er selbst war ziemlich menschenscheu und die ihn näher kannten, schilderten ihn als einen trockenen, hochmütigen und rohen Patron. Lady Evelyn war eine echte Engländerin, schlank, anmutig, äußerlich kühl, doch in irgendeiner Art heimlich besessen. Es war eine unverhehlte Tatsache, daß sie den Lord wider ihren Willen und nur auf den Befehl ihrer Eltern geheiratet hatte. Sie hatte erklärt: Wenn man mich zu dieser Ehe zwingt, so werde ich alles tun, um mich zu rächen. Das Zusammenleben mit Lord Cecil bestärkte ihre Abneigung, und es galt für ausgemacht, daß sie ihren Gatten betrog. Doch ging sie dabei mit List und Heimlichkeit zu Werke, und der Lord hatte bis jetzt nicht die geringste Ursache gehabt, sich über sie zu beklagen.

Sylvester fand sogleich den Ton, der ihrem romantischen Wesen zusagte, er gewann ihr Vertrauen, und nach kurzer Zeit standen sie im innigsten Einverständnis. Sie ergötzte Sylvester, und er konnte sie nicht ganz ernst nehmen, obgleich er das Pflanzenhafte an ihr wahrnahm, das allerdings nur in dieser besonderen Atmosphäre eines Treibhauses gedeihen konnte.

Seit sie seine Geliebte war, besuchte sie ihn in seiner Wohnung; nun geschah es aber, daß Lord Cecil nach London reisen mußte und seine Rückkehr erst für das Ende jener Woche in Aussicht stellte. An einem Abend ging Sylvester zu Lady Evelyn, und die Vorsicht vergessend, die sie beide bis jetzt beobachtet, blieben sie bis weit über Mitternacht beisammen. Als Sylvester durch den beleuchteten Flur zum Tor schritt, wurde die Nachtpforte gerade von außen geöffnet, und zu seinem peinlichen Erstaunen sah er Lord Albany hereintreten. Der Lord stutzte, griff aber dann nach seinem Hut und grüßte Sylvester mit außerordentlicher Höflichkeit. Darauf wandte er sich zur Treppe, und Sylvester verließ ziemlich beruhigt das Haus.

Indessen rief der Lord sämtliche Diener und Dienerinnen herbei, bedeutete ihnen, im Vestibül zu warten, forderte von einem der Mädchen ein gewöhnliches Kleid, und nachdem er es erhalten und über den Arm geworfen, betrat er das Schlafzimmer seiner Frau. Er brauchte keinen andern Beweis ihrer Schuld als den Umstand, daß sie im Bette lag. Mit eisigem Gesicht befahl er ihr, sich zu erheben, warf ihr das Gewand hin und hieß sie es anzuziehen. Sie gehorchte zitternd. »Nur wenn Sie augenblicklich das Zimmer und augenblicklich mein Haus verlassen, können Sie sich eine körperliche Züchtigung ersparen,« sagte er. Sie sah ihn an und wußte, daß sie nichts zu hoffen habe. Sinnlos vor Scham und Angst eilte sie hinaus, durch das Spalier der regungslosen Dienstleute hinunter auf die Straße. Lord Cecil sperrte das Tor hinter ihr zu und bewachte es eine Stunde lang, um zu verhüten, daß einer von den Leuten ihr folge und Hilfe leiste.

Erst drei Tage später gelangte die Kunde dieses Vorfalls zu Sylvester; da Lord Albany selbst sich in Schweigen hüllte, konnte das Gerücht nur durch die Mitteilungen der Dienerschaft in die Welt dringen. Man war entsetzt, man schüttelte den Kopf, und die Gespräche erschöpften sich in ausschweifenden Vermutungen. Sylvester war froh, daß nirgends sein Name genannt wurde, aber der Gedanke an das Schicksal der unglücklichen Evelyn verfolgte ihn beständig. Daß sie nicht zu ihm gekommen war und keine Nachricht gab, zeigte, daß auch sie das Spielerische und Haltlose ihrer gegenseitigen Beziehungen empfunden hatte, und seine Sorge um sie verdoppelte sich. Nach einigen Wochen erzählte ihm der Marineoffizier, Lady Evelyn habe Mittel gefunden, nach Essex zu kommen, wo ihre Eltern wohnten, habe sich ihrem Vater zu Füßen geworfen, sei aber von diesem mit großer Härte abgewiesen worden, da in den Augen eines anständigen Engländers ein Ehebruch unauslöschlichen Makel mit sich bringe, und eine Frau, die solcher Sünde überführt worden, von der menschlichen Gesellschaft verstoßen und auf ewig gebrandmarkt werden müsse. Einer ihrer Brüder habe ihr aus Mitleid eine geringe Summe Geldes zugesteckt, und damit sei Evelyn nach London gegangen, wo sie ein unstetes, ja, wenn man den Versicherungen des Sir Randolph Canning, eines Vetters von Lord Albany glauben wolle, verworfenes Leben führe. Sir Randolph behaupte nämlich, sie sei jede Nacht in einer berüchtigten Opiumkneipe im Norden der Stadt zu sehen.

Es kam der Juni, und Sylvester ließ sich von seinen englischen Freunden überreden, mit ihnen nach London zu gehen. Er entschloß sich um so leichter dazu, als er in den Pariser Zirkeln plötzlich eine feindselige Haltung gegen seine Nationalität spürte, eine Gespanntheit und zunehmende Kälte, die er sich nicht erklären konnte und die jedenfalls durch gewisse politische Machenschaften und Hetzereien begründet war. Eines Abends, im Foyer der Oper, stellte er den Herzog von Montmorency zur Rede, der in seiner Gegenwart eine spöttische Bemerkung über die »Prussiens« gemacht hatte, und es wäre zum Duell gekommen, wenn nicht einsichtige Vermittler den Streit geschlichtet hätten. Eben jener Sir Randolph, ein jüngerer Sohn des Lord Winchester, lud ihn ein, die Herbstmonate auf seinem Schloß in Bangor an der Irischen See zu verbringen. Er versprach es.

Schon die ersten Londoner Tage zogen ihn in eine verwirrende Geselligkeit und die Anforderungen wuchsen mit der Bereitschaft, sie zu erfüllen. Eines Morgens nahm er eine Zeitung zur Hand, und sein Gesicht verfärbte sich, als er unter den Todesanzeigen die Nachricht vom Hinscheiden der Lady Evelyn Albany las. Lord Cecil verkündete es in Ausdrücken geziemenden Schmerzes und teilte mit, daß sich die Leiche in seinem Haus am Trafalgar Square befinde und er daselbst die Kondolenzvisiten annehmen werde. Noch am Vormittag erhielt Sylvester den Besuch eines jener Alleswisser, die über die Ereignisse in der großen Welt genau unterrichtet sind und vernahm von ihm, daß man die arme Evelyn vor zwei Tagen gegen Morgengrauen in einem Elendsviertel bewußtlos auf der Straße gefunden habe. Sie sei ins Hospital geschafft worden, habe dort nur noch ihren Namen flüstern können und dann sei ihre Seele entflohen. Lord Cecil wurde verständigt; dem Tod gegenüber zeigte er sich wenn auch nicht versöhnt, so doch der äußeren Pflichten seiner Stellung eingedenk; durch ihren Tod wurde die grausam in den Schlamm des Lebens hinabgeschleuderte Evelyn wieder zur Lady Albany und alles was geschehen war, seit sie sich entwürdigt, wurde einfach als ungeschehen betrachtet.

Sylvester zögerte lange, bis er den Entschluß faßte, in Lord Cecils Haus zu gehen. Aber er glaubte es dem Andenken Evelyns schuldig zu sein, ihrem irdischen Rest einen Abschiedsgruß zu erweisen. Er wählte eine Stunde, wo er sicher war, daß man unter vielen Leuten seine Anwesenheit nicht beachten würde. Jedoch seine Erwartung traf nicht zu. Als er in den Saal kam, in welchem die Tote auf einem mit schwarzem Sammet ausgeschlagenen Katafalk lag, waren die meisten Besucher schon weggegangen, und einige Personen, die flüsternd in einer Ecke des Raumes standen, waren ebenfalls im Begriff, sich zu entfernen. Sylvester trat an den Sarg und blickte in das ergreifend zerstörte, unendlich abgehärmte Antlitz, dessen starre Ruhe zu trügen schien, und dessen Blässe phosphorisch leuchtete. Während er noch niederschaute, sah er plötzlich dicht neben sich Lord Cecil Albany. Der Lord hatte die Hände auf dem Rücken, wandte Sylvester den Kopf langsam zu und sagte mit heiserer Stimme: »Sie war schön, nicht wahr?« Sylvester zuckte zusammen, die Augen des Lords verdrehten sich unheimlich, als er seine Worte wiederholte: »Sie war schön, nicht wahr?«

Da senkte Sylvester die Stirn, kehrte sich um und ging schweigend hinaus.

Seiner selbst überdrüssig sein ist schrecklicher als sterben. Jeder Gedanke wird Anklage, das Herz erstickt in Melancholie, der Schritt spottet seines Zieles, nur Ekel saugt das Auge aus den Dingen, die Hand, wonach sie auch greift, sie hält nichts, der Mund mag nicht mehr reden, das Ohr nicht hören. Sich auskleiden am Abend, sich anziehen am Morgen, wozu? Und die Menschen, was soll ihre Eile frommen, ihr Gelächter, ihr Nein und Ja, ihr Schön und Häßlich; wie zwecklos dies Anzünden von Lichtern und Auslöschen von Lichtern, dies Abreisen und Wiederkommen, der Schmuck von Wänden, die Zierat der Städte, all dies Vergebliche, ach, so furchtbar Vergebliche!

Unheilvoller als vor Monaten in der Heimat gewann solche Stimmung Macht über Sylvester. Er blieb tagelang in seinem Zimmer, schloß die Läden zu und lag in der Dunkelheit. Jedes fremde Gesicht war ihm unerträglich und jeder Laut von der Straße verstörte ihn. Wenn der treue und besorgte Adam an die Türe pochte, antwortete er zuerst überhaupt nicht, dann übermannte ihn der Zorn und er befahl ihm unter Schimpfworten, sich zu trollen. In später Nacht ging er aus, um zu essen und kehrte oft hungrig wieder heim. Am liebsten weilte er am Fluß, in später Nacht; beugte sich über ein Brückengeländer und sah zu, wie das Wasser floß und Barken und kleine Dampfer dahin glitten. Er wollte sich nicht Rechenschaft darüber geben, was er unterlassen. Er war nicht gewohnt, über sich nachzudenken. Sein Schmerz hatte nichts mit seinen Handlungen zu schaffen, obwohl er sich klar darüber war, daß er nichts Gutes und Heilsames, sondern nur Schädliches und Schlechtes durch sie hervorgebracht hatte. Erinnerte er sich an die Begegnungen der letzten Zeit, an die Abenteuer und Verstrickungen, so fand er sich um so leerer und kälter, je deutlicher er sie vergegenwärtigte, und Evelyns bleiches Totenantlitz hatte nur einen Flammenschein in die Kälte und Armut seiner Brust geworfen wie eine Fackel in die Ruine eines Hauses. Sein Schmerz strömte aus dem allertiefsten Grund des Lebens, und mit ihm stieg zuweilen eine unermeßliche Sehnsucht empor, in deren Umklammerung er sich ohnmächtig hinschleppte.

Einmal träumte ihm, er sei mit Adam Hund von Erfft aufgebrochen. Sie ritten durch den Wald, Adam mit einer brennenden Fackel voraus. Es ist eine stürmische Nacht, die Zweige krachen und seufzend biegen sich die Stämme. Eine Regenflut prasselt nieder und verlöscht die Fackel. Die undurchdringliche Finsternis tötet alle Hoffnung in Sylvester, und er kann nichts denken als das eine: nur nicht zurück, nur nicht mehr nach Hause. Er spürt den warmen Leib des Pferdes und vernimmt Adams häufigen Zuruf, der sich seiner Nähe versichert. So irren sie viele Stunden lang umher, und als der Morgen graut, fangen die Pferde an zu wiehern, und Sylvester gewahrt durch Nebel und Regen hindurch sein Haus. Darüber empfindet er eine solche Verzweiflung, daß er sich über den Hals des Pferdes beugt und ihm ein Messer in die Brust stößt. Ein Blutstrahl quillt auf, steigt immer höher empor und leuchtet wie Feuer. Adam ist verschwunden, das Haus ist leer, Sylvester sucht und weiß nicht wonach, keuchend läuft er durch unbekannte Räume, die Luft ist rot von der Blutfontäne, er sinkt erschöpft zu Boden und erwacht.

Bei diesem Erwachen faßte er den Vorsatz, wieder unter Menschen zu gehen, damit die in seiner Nähe lebten, nicht das beständige Schauspiel selbstzerstörenden Tuns vor Augen hätten. Er rief Adam zum Rasieren, der schleppte mit heller Freude seinen Kasten herbei und behandelte Sylvester wie einen von Krankheit Genesenden; im übrigen war er schlecht auf England zu sprechen, weil er nirgends Suppe zu essen bekam, und nannte die Engländer traurige Hungerleider. Seine Gefräßigkeit wuchs im selben Maß wie seine zarteren Bedürfnisse schwanden.

Nur um die Zeit zu füllen ging Sylvester am Abend ins Coventgarden-Theater, nicht weil Gabriele Tannhauser dort sang. Um so unerwarteter war der tiefe Eindruck, den sie auf ihn machte. Zwei Tage später traf er sie auf einem Rout bei der Herzogin von Devonshire. Sie gewahrte ihn, als er unter die Türe trat, schien sich seiner zu erinnern und lächelte ihm flüchtig zu. Da sie von Bewunderern umlagert war, verschmähte er es, zu ihr zu dringen. Es fiel ihm auf, daß sie sich ganz und gar nicht als Dame gab, ganz und gar nicht als Stern für eine entzückte Menge, aber er vergaß nicht, wie schlank und fein sie dastand, spärlich in Gesten und wachsam hinter ihren besonderen Verschleierungen.

Die vielfachen Wege des gesellschaftlichen Lebens hatten Stationen, auf denen man sich immer begegnete. Schon am andern Tag sah er Gabriele auf einem Ball bei Lady Tankarville wieder, und am darauffolgenden bei einem Diner im Hause des Lord Keith. Sie hatte großen Erfolg in London, alle jungen Männer lagen ihr zu Füßen, und ehrwürdige Granden des Reichs gehörten zu ihren Anbetern. Sie schien es kaum zu merken. Die Last der Verpflichtungen, die ihr der Ruhm auferlegte, bedrückte sie. Sie klagte gegen Sylvester, daß sie unter dem Klima leide. Er riet ihr körperliche Bewegung an, empfahl ihr zu wandern, zu reiten und machte sich erbötig, sie bei Ausflügen zu beschützen. »Ich bin ein armer Sklave,« antwortete sie, »ich kann mein Joch nicht abtun.« Im Herbst wolle sie sich erholen, sagte sie; sie sei von den Cannings eingeladen, nach Bangor zu kommen und habe die Absicht, einige Wochen dort zuzubringen. Es berührte sie nicht unangenehm, als Sylvester ihr mitteilte, daß auch er in Bangor sein werde. Sie fand Gefallen an der Unterhaltung mit ihm. Sein offenes, geistig durchwühltes Gesicht hatte ihre Sympathie erweckt.

Sylvester hatte eine alte Freundin in London, eine Frau von Rhynow, die Gattin eines Konsuls. Sie war förmlich verliebt in Gabriele, der sie in dem fremden Land viele Dienste leistete, und da sie ein Vergnügen daran fand, Menschen zusammenzubringen, die sie gern hatte, lud sie Gabriele und Sylvester häufig zur Teestunde ein. Übertriebenes Zartgefühl ließ sie glauben, daß das harmonische Gespräch der beiden durch ihre Gegenwart gestört werde, und so ging sie meist aus dem Zimmer, nachdem sie ihre Gäste bewirtet hatte. Die Zurückgelassenen mußten ihre Situation scherzhaft nehmen, wenn sie ihnen nicht verfänglich scheinen sollte.

Gabriele war ohne Arg, auch gegen sich selbst. Sie war der Nähe eines Menschen froh, der fest in seiner Welt stand und ihre Empfindlichkeit gegen dieselbe Welt milderte. Sie durfte immer wieder in ihre Einsamkeit zurückkehren, sie hatte die Sicherheit, sich nicht verlieren zu können und als sie erfuhr, daß er verheiratet sei, wuchs ihr Vertrauen gegen ihn, ein mädchenhafter Zug und ein philiströser zugleich. Sylvester betonte sein Gefühl der Freundschaft; er sagte, daß sein Herz müde sei, und er glaubte es. Der Magnetismus, den zu erproben er ausgezogen, er spürte ihn nicht mehr; er hatte ihn verschwendet, in Kleinmünze zerstückt. Er hielt sich für unfähig, zu entflammen und unfähig, entflammt zu werden. Wenn er Gabriele vor sich sah, in der Herrlichkeit einer Jugend, die sie wie eine Bürde trug, wenn er in ihre Augen blickte, in denen unbewußt und ergreifend die Schönheit der Bereitschaft war, dann dünkte ihm Resignation natürlich und anständig.

In dieser stolzen und ergebenen Stimmung schrieb er an Achim Ursanner, an den er sich jetzt zuweilen wie an einen heimlichen Boten wandte: »Daß ich in meiner Zeit lebe, ist mein Schicksal; daß ich sie betrachte, enthält schon einen Triumph über das Schicksal. Vor ihr stehe ich wie vor einem Spiegel. Sie atmet mir die Welt entgegen, sie zeigt mir die Menschheit in dem Augenblick, wo ich es vermocht habe, mich ihr zu entziehen. Meine Selbstbesinnung ist mein Sieg über die Zeit. Ich kann die Augen schließen, und Welt und Zeit strömen in mich hinein, kein einzelnes hat mehr Gewalt über mich, ich habe die Gewalt des Träumers über das Ganze. Ich möchte mich mit einem Trauernden vergleichen, der in unzugänglicher Abgeschlossenheit haust, dennoch sich gehetzt, bedroht, aufs äußerste beunruhigt fühlt, und der gerade in der Sekunde der letzten Hoffnungslosigkeit einen zauberhaften Trost empfängt, so daß seine Stirn, von der neuen Morgenröte berührt, einen Schein mystischen Entzückens ausstrahlt, während die Brust noch in einer poesielosen Finsternis begraben ist.«

Aber Sylvester irrte sich. Die ganze Weisheit war gewünschtes Mißverständnis dessen, was in ihm vorging. Lockte ihn nicht die Gebärde, mit der die Freundin nach einer Notenrolle griff? Und jene, mit der sie die Arme hob, um den Schleier zu binden? Und jene halb fürstliche, halb zaghafte, mit der sie eine Tür öffnete? Gab nicht ein schelmisches Lächeln, ein verstohlener Blick Stoff zu Grübelei? Folgte nicht die Phantasie der schlanken Gestalt in ihr Alleinsein? Belauschte sie nicht die Gedanken hinter der eigentümlich gefesselten Stirn des Mädchens? War nicht sein Gleichmut erheuchelt, spürte er nicht, wie er sich wandelte, seinen Bindungen entfloh, seiner Gewißheit entschlüpfte?

Als sie bei Lady Jersey Polens Klage von Chopin sang, dieses Lied, in dem eine von Visionen umschauerte Melodie aus der von leidenschaftlichem Kummer verdüsterten Begleitung emporsteigt wie eine Liebende, die sich krank vom Lager erhebt, um noch einmal den Geliebten zu umarmen, empfand er zum erstenmal die Scham, mit der man einen heimlichen Besitz zum öffentlichen Gut werden sieht, und er hatte Mühe, sein eifersüchtiges Fieber zu verbergen. Ihm war, als entkleide sie sich und wisse es nicht, werfe sich hin vor die allgemeine Gier, geschändeten Herzens, sie, die das züchtigste besaß. An jenem Abend ging er nach Hause wie ein Betrunkener, ließ die Lampe brennen, bis es Tag wurde, hatte die Augen offen und vermochte nicht zu denken.

Er hatte bis zu dieser Stunde gehandelt und sich betragen als ein Mann, der frei ist, den keine Pflicht kettet, keine Rücksicht lahmt; er hatte sich losgelöst von Weib und Kind, hatte nicht geschrieben, ihrer kaum gedacht und zehn Monate lang ein Leben geführt, wie wenn die zehn Jahre vorher nur die Episode einer Nacht gewesen wären. So tief sein verspätetes Staunen war über das mondsüchtige Dahinstürmen, das Freveln ohne Verantwortung, die Existenz ohne Erinnerung und ohne Güte, so scharf erkannte er auch, daß der Wille zur Rückkehr ihn trotzdem beherrscht hatte, das Bewußtsein, daß der dunklen Wanderung ein unverrückbares Ziel gesetzt sei. Jetzt aber verlangte ihn nach wirklicher Freiheit. Er kämpfte gegen Agathe. Er bäumte sich auf gegen ihre stumme Forderung. Ihre Verlassenheit erweckte nicht seine Reue, sondern seinen Haß. Der Schein von Recht, mit dem sie ihn anklagte, erbitterte und die Macht, die sie plötzlich von fernher über sein Gemüt ausübte, erzürnte ihn. Doch als der erste Strahl der Morgensonne ins Zimmer fiel, erfaßte ihn Schrecken und Zerknirschung; noch kann ich die Gefahr abwenden, sagte er sich; es gibt in jedem Schicksal einen Augenblick, wo der Geist sich um seine letzte Freiwilligkeit betrügt, ich will diesen Augenblick nicht versäumen; ich will abreisen, ich kann es noch, ich würde lügen, wenn ich einen Zwang vorschützte, wo nur Schwäche ist.

Er sprang auf mit dem Entschluß zu packen. Adam zu rufen war es noch zu früh; doch wollte er alles für ihn zusammenlegen, dann konnten sie mit dem Vormittagszug nach Dover fahren. Beim Öffnen einer Lade erblickte er den Schuh der schönen Rahel, den er damals auf der Treppe gefunden. Die Erinnerung an ein Feuer, das von der Zeit gelöscht worden ist, überhaucht die Vergangenheit mit Todeskälte. Mutlos warf sich Sylvester aufs Bett, und auf einmal entsann er sich einer Menge von häuslichen Unannehmlichkeiten: es ist ein Wintermorgen, und im Frühstückszimmer raucht der Ofen durch eine zersprungene Kachel; er kehrt hungrig von der Jagd zurück und muß warten, weil die Köchin einen Streit mit dem Inspektor gehabt hat; in Dudsloch hat ein Knecht Holzdiebstähle verübt und man muß die Polizei benachrichtigen; Schwager Eggenberg hat seinen Besuch angemeldet, und im ganzen Haus riecht es nach Sauerkraut, das die Leibspeise des Majors ist; all das ist so klein, so nüchtern, so wohlbekannt, so langweilig, so häßlich. Seufzend schlief er ein.

Gegen Mittag weckte ihn Adams Pochen. Ein Brief mit Antwortbitte war da. Sylvester kannte Gabrieles große, eckige Schrift noch nicht, aber mit klopfendem Herzen entfaltete er das Papier. Sie schrieb ihm, daß sie sich für den Nachmittag frei gemacht habe und gern einen Spaziergang mit ihm unternehmen möchte; sie habe auch Frau von Rhynow dazu gebeten, die sei jedoch verhindert.

Adam starrte verwundert auf die im Zimmer herrschende Unordnung, denn Sylvester hatte schon Kleider und Wäsche aus den Behältern genommen. »Bring' nur alles wieder an seine Stelle,« befahl Sylvester kurz.

 

Sie gingen durch den Park von Richmond. Unter freiem Himmel haben die Menschen ein wahreres Gesicht als in Räumen. Gabriele nahm mit jedem Schritt die Natur als Geschenk hin. Sylvester mußte an Agathe denken, an Agathes Entzücken, solange sie empfänglich, an ihre Verdrossenheit, wenn sie müde war. Gabriele hatte eine sanfte, gedankenvolle Ruhe. Sie lauschte seinen Worten, als ob sie ein Wechsel von Licht und Schatten wären, nicht wie Agathe, die allzu wach das Wort wie ein lebendiges Ding ergriff und sich von ihm reizen und steigern ließ. Wie sehr liebte er die Sanftmut an den Frauen; Sanftmut trägt das Feuer innen; die Erde ist sanft mit ihrem glühenden Kern, der dunkle Nachthimmel durch sein verborgenes Licht. Schon in frühen Tagen hatte er das Bild der sanften Frau umworben, und nun wußte er erst, was ihm an Agathes Seite gefehlt, die keine Nachgiebigkeit kannte, ganz auf Wille und Tat gestellt war und sich nur in selbstsüchtiger Träumerei vergessen konnte.

Gabriele fühlte, daß eine unsichtbare Dritte mit ihnen ging. Es lag ihr nah zu fragen. Wunderliches Spiel des Einandererratens; während sie einen Weg zur Frage suchte, äußerte Sylvester, es sei ihm aufgefallen, daß sie so selten Fragen an ihn richtete. Sie lächelte und wollte wissen, ob ihm dies für einen Mangel gelte; es sei wahr, sie könne nicht fragen, sie habe es nie gelernt. »Der Mensch ist da, um zu fragen,« entgegnete er, und sein Blick bat sie um eine Frage. Sie standen unter einem riesenhaften Nußbaum; die Sonne ging unter und das Grün der Rasenflächen überzog sich mit süßen, violetten Tönen. Durch die sommerlich feuchte Luft schwangen sich Schwalben in veränderlichen Bogen. Wieder lächelte Gabriele und sie fragte also: warum er so ruhelos sei? Er schwieg. Sie lächelte zum drittenmal; sie begriff, daß die Frage zu allgemein gewesen und sammelte Mut für eine begrenztere: warum er niemals von seinem Haus, von seiner Frau, von seinem Kind spreche? Er errötete. »Davon zu sprechen bindet mich,« antwortete er mit gesenkten Lidern, »ich will aber frei sein.«

»Man ist nicht frei in einer Ehe,« sagte Gabriele sehr ernst.

»Man kann aber frei werden, oder nicht?«

»Nein. Man kann niemals frei werden,« beharrte Gabriele mit demselben Ernst; »ist eine Ehe nicht vor Gott und vor der Menschheit geschlossen?«

»Was reden Sie da, Gabriele!« rief Sylvester unmutig. »Das ist Pfaffenmoral.«

»Nein. Es ist Blutgesetz.«

»Blutgesetz? Also Leibeigenschaft?«

»Vielleicht Leibeigenschaft; so muß es vielleicht sein. Zuviel ist vom einen Teil im andern Teil, zuviel Unauslöschliches ist geschehen.«

»Aber ich liebe Agathe nicht,« wandte Sylvester beklommen ein.

»Ob Sie Agathe lieben oder nicht lieben, das ist gleich,« versetzte Gabriele, und ihre Wangen erglühten. »Die Ehe steht über der Liebe. Sie steht deswegen über der Liebe, weil sie zwei Menschen vereinigt. Aus eins kann man nicht mehr zwei machen. Und wenn Sie Agathe auch nicht lieben, sie ist in Ihnen drin, Sie können nicht leben ohne sie. Sie können ihr untreu sein, aber Sie können nicht Liebe finden ohne Agathe. Sie ist immer da, wo Sie sind, immer, immer. Wäre sie nur eine Frau, so wäre das Band zerreißbar; doch sie ist Mutter, und zwischen euch wächst ein Kind, und dem seid ihr verfallen beide.«

Es war Sylvester zumute, als habe er für ewige Zeiten seine Seligkeit verloren. Er schaute verzweifelt vor sich hin.

Da es zu dämmern begann, gingen sie zur Chaussee, wo der Phaethon wartete. Sie stiegen ein, und Gabriele schmiegte sich in die Ecke. In ihren Augen brannte noch die Flamme der Beredsamkeit; die jonisch geschwungenen Lippen hatten einen Ausdruck von beseelter Kraft. Sylvester griff nach ihrer Hand, und sie überließ ihm die Hand, befangen zwar, doch ohne Mißtrauen. Plötzlich glitt er auf die Knie nieder und drückte ihre Finger an seinen Mund. Hastig flüsternd befahl sie ihm, aufzustehen. Er gehorchte und nahm wahr, daß sie zitterte. Ihr Gesicht wurde totenbleich. Er atmete in schweren, langen Zügen und umfing sie; ihre stählerne Brust tobte gegen seine Arme; ihr wilder Blick flüchtete in die Landschaft hinaus, die wie gefärbtes Wasser vorüberrann. Auf einmal wurde alles weich an ihr, der Kopf fiel ihm zu wie geknickt, die Augen schlossen sich, die Lippen suchten seine, Schmerz und Glück waren ein einziges Gefühl, ein kurzes nur, und als sie sich aufrichtete, war dieses schon Verbot, und jener strömte aus unheilbarer Wunde. Sie saßen schweigend nebeneinander; er hielt noch ihre Hand, deren Pulsschlag sein Geschick besiegelte. Gabriele entzog sie ihm nicht, denn es war Abend geworden. Beim Abschied grüßte sie ihn nur mit einem Blick.

Als Sylvester nach Hause kam, sah er neben der Lampe das Bild Silvias stehen, ein Miniaturporträt, das er vor zwei Jahren in München nach einer Photographie hatte anfertigen lassen. Da er sich nicht erinnerte, es mitgenommen zu haben, auch während seiner Reisen es nie bemerkt hatte, fragte er Adam verwundert, wie er dazu gelangt sei, und Adam erwiderte, er habe es beim Aufräumen in einer Schatulle gefunden. Sylvester setzte sich an den Tisch; während er spürte, wie sein ganzer Körper gleichsam hinuntergerissen wurde in eine Flut der Leidenschaft, betrachtete er das Bild des schönen Wesens, und sein Auge schien ängstlich zu fragen: bin ich dir wirklich verfallen, Silvia? So übermächtig war diese Leidenschaft, daß er in geheimnisvoll verbrecherischem Trotz eher den Tod des geliebten Kindes erdenken konnte als den Verlust Gabrieles.

Es wurde Schicksal.

Sie schrieb ihm: »Wir dürfen uns nicht mehr sehen.« Am Schlusse stand aber: »Helfen Sie mir.« Da wußte er genug und küßte sein eigenes Spiegelbild wie ein Narr.

Er ging zu ihr. Sie wohnte in einem Landhaus in Twickenham. Anna Ewel führte ihn in den Garten, wo Gabriele saß, die Hände über den Knien verschränkt. Sie empfing ihn kühl. Er hatte vieles sagen wollen, nun war es schal im voraus. Ihre Härte verletzte ihn; er erhob sich, um zu gehen; da machte sie eine erschrockene Bewegung mit dem Arm, und ihr Gesicht bebte vor Bestürzung. Sie zwangen sich zu ruhigem Gespräch, aber mit jedem Wort wurde die Kette enger, die sie umschlang.

Sie trennten sich wie Fremde. Sylvester hatte nicht die Kraft, in seine Behausung zurückzukehren. An der Landstraße war ein kleines Gasthaus; er ließ sich ein Zimmer geben, warf sich dort auf das Sofa und haderte stumm. Als es Abend wurde, zündete er zwei Kerzen an, verlangte Briefpapier und schrieb an Agathe, — zum erstenmal seit zehn Monaten. »Ich bin deiner Nachsicht gewiß. Du hast Rechte auf mich, aber laß sie mich nicht fühlen. Du hast Grund, mich zu verdammen; tue es nicht. Ich möchte an dich als an eine Freundin denken. Ich möchte an dich glauben als an einen Menschen, der mich liebt, ohne meine Person als Einsatz zu fordern. Du warst mir sehr nah in den letzten Tagen. Ich suchte dich und mied dich, ich fürchtete dich und brauchte dich. Ich bin hilflos, wenn ich dich feindselig weiß, und stark, wenn du mich billigst.«

Solche Töne hat die Lüge nicht. Sylvester hatte nicht gewußt, was ihm Agathe war. Nicht an die Gattin wandte er sich, nicht an die Gefährtin, auch nicht an die Mutter seines Kindes, sondern an die Richterin über sein Leben.

 

Als er Gabriele im Wagen geküßt, hatte ihn noch Eitelkeit getrieben und Eroberungslust erfüllt. Es war, wie wenn der Beginn dieses Kusses noch Spiel gewesen wäre, sein Ende aber schon Unwiderruflichkeit enthalten hätte. Und nicht bloß für ihn. Gabriele war so neu, so wahr, daß jene flüchtige Berührung entscheidend für sie blieb. Sylvester erkannte es wohl; der Sammet der Frucht ist noch unversehrt, sagte er sich beglückt, ein Beweis, daß das Zarteste in der Natur auch das Stärkste ist. Aber er ahnte nicht, daß ihre äußere Kälte eine sehnsüchtige Glut verbarg, ihre Schweigsamkeit ein unbeirrbares Gefühl, ihr fliehender Blick ein für immer ergriffenes Herz.

Sylvester kannte diese Seele nicht. Er glaubte, bürgerliche Feigheit mache sie zurückhaltend. Er hatte zu viele Frauen kennen gelernt, um noch reinen Instinkt zu besitzen. Er sah das geliebte Mädchen in allen Gestalten und Verwandlungen, die sein Argwohn, seine Ungeduld, seine bösen und guten Träume heraufbeschworen. Er schlief nicht mehr. Er konnte stundenlang liegen und nur an ihre Hand denken; er hörte nur ihre Stimme, wenn Menschen sprachen; er sah nur sie gehen, wenn Menschen gingen; er spürte nur sie, wenn Gegenstände seine Haut berührten. Jeder Tag ohne sie war gespensterhaft, jeder Abend ein Leiden, jede Nacht ein Alpdruck. Er flüsterte ihren Namen in die Luft, um den Klang zu vernehmen, es gab nichts in der Welt, was er nicht in Beziehung zu ihr setzte, und wenn andere Leute von ihr redeten, zuckte er zusammen wie ein Verbrecher bei der Erwähnung seiner Übeltat. Die Leidenschaft erfüllte ihn von oben bis unten, ja sogar über dem Schatten lag sie, der ihn begleitete. Sie spannte ihn schmerzlich, sie machte ihn sich selbst verachtenswert, sich selbst wunderbar; die Wirklichkeit wurde zu einem Schemen die Zeit etwas so Wahnvolles, daß er in Stunden der Trauer zehnmal starb, in Sekunden der Freude Ewigkeiten lebte. Seine ganze Existenz war eine Mischung von Torheit, Rausch und Fieber geworden, und wenn er drei Wochen zurückdachte, so dünkte ihn die eigene Person von damals ein fremdes, scheintotes Ding.

Es geschah, daß er am Abend nach Twickenham ging, und vor Gabrieles Haus auf und ab wandelte, bis der Morgen anbrach. Gabriele erfuhr es nie. Er war bei alledem so stolz, daß er durch vergebliches Werben sich nicht erniedrigen wollte. Einmal in einer schönen Nacht trat sie in einem weißen Gewand auf den Balkon und schaute zu den Sternen empor. Da war es, daß er mit überirdischem Schauer die Größe des Weltraums begriff. Er stand verborgen an einem Zaun und blickte zur Kassiopeia so wie sie; der Erdball hatte keine Geschöpfe mehr als ihn und sie, und auf den feurigen Bahnen der Sterne begegnete er nur ihr allein.

Vergötterung ist ein schönes Wort; man muß viel von der Gottheit besitzen, um vergöttern zu können, und wenn der Vergötterte auch nicht zum Gott wird, erhoben, beschwichtigt und beseelt wird er doch. Gabriele spürte dies; es schien ihr leichter zu gehen, müheloser zu atmen, aber an andern Tagen kam dann eine Lauheit über sie, eine kraftlose Schwermut; ihre Arme wurden träg, ihre Worte unbestimmt, ihr Geist bedrückt, und Menschen, denen gegenüber sie sich bisher heiter und frei gegeben hatte, nahmen die Veränderung wahr. Frau von Rhynow trat eines Nachmittags bei Sylvester ein und sagte: »Mein lieber Sylvester, was ist mit Gabriele vorgegangen. Sie ist nicht mehr dieselbe. Ich bin besorgt um sie. Merken Sie denn nichts?« Sylvester antwortete mit einem Blick, der alles verriet. »Um Gottes willen,« begann die alte Dame zu jammern, »Sie wollen doch das Mädchen am Ende nicht zu Ihrer Geliebten machen? Das geht auf keinen Fall. Das wäre Tollheit, Schurkerei und kann nicht geduldet werden. Jetzt geht mir ein Licht auf, jetzt wird mir manches klar. Ich beschwöre Sie, teurer Freund, schlagen Sie sich das Mädchen aus dem Kopf, die ist zu gut für dergleichen.« Sylvester stand am Kamin, seine großen Zähne blitzten, und er sah vor Blässe fast grau aus. »Sie können sich auch von Agathe nicht scheiden lassen,« fuhr die Rhynow eifrig fort; »es gibt viele Frauen, bei denen ich mir vorstellen kann, daß man sich von ihnen scheiden läßt, bei Agathe nicht. Ich weiß nicht genau, warum, ich weiß nur, daß es unmöglich ist. Wer Agathe einmal gesehen hat, der weiß, daß es unmöglich ist. Und Sie wissen es auch.«

Sylvester antwortete nicht; in matter Haltung auf der Seitenlehne des Sessels sitzend, verkrampfte er die Finger ineinander. »Mein armer Freund,« sagte Frau von Rhynow, »ich verstehe alles. Wäre ich ein Mann, mir ginge es ebenso. Ich fordere nicht, daß Sie heute schon einen Entschluß fassen, aber wahren Sie Ihre Besonnenheit. Schonen Sie Gabriele.«

Die wohlmeinenden Rater nähren stets ein Feuer, das zu löschen sie gekommen sind. Nun, wo es Gefahr bedeutete und Wächteraugen zu betrügen waren, achtete Sylvester keine Schranke mehr. Er schrieb sieben Briefe an Gabriele, die er alle wieder zerriß; seine Phantasie gab dem Abenteuerlichen, dem Märchenhaften Raum, doch wenn er dann Gabriele vor sich sah, in ihrer lieblichen Unruhe, in ihrer scheuen Gespanntheit und wie sie immer wieder versuchte, sich dem finstern Element zu entziehen, dann stockte er verzweifelt und wußte keinen Weg mehr.

Er fuhr zum Rennen nach Epsom und erblickte sie auf einer Tribüne neben der Gräfin Shrewsbury. Sie hatte den Kopf zurückgewandt und sprach fröhlich mit einigen Herren, als sich ein ungewöhnlich schöner junger Mann im Reitkostüm zu der Gruppe gesellte. Sylvester kannte ihn vom Sehen, es war der Viscount Darrington, ein Jüngling von zwanzig Jahren mit einem Gesicht und einem Körper wie von Phidias gemeißelt. Sylvester stand unten im Gewühl und beobachtete jede Gebärde Gabrieles. Ihm wurde eiskalt, als sie dem jungen Menschen zulächelte, und als der Viscount, der sich am Herrenreiten beteiligte, ihre Hand beim Abschied länger als es nötig schien in der seinen behielt, legte sich ein purpurner Dunst über Sylvesters Augen. Wenige Minuten später begann das Rennen. Mit solcher Aufmerksamkeit, daß seine Lider kaum blinzelten, verfolgte Sylvester die Gestalt des jungen Edelmanns, der auf einem Grauschimmel bald unter den Vordersten über das Feld flog. Hundert Meter weiter überflügelte er den Ersten, und Sylvester war es, als sei alles für ihn verloren, wenn jener als umjubelter Sieger ans Ziel gelangte. Er wünschte nicht, er befahl, daß der Jüngling zu Fall kommen möge und in einer Art von Raserei sammelte er seine Gedanken in diesem Willen. Gleich darauf ertönte ein hundertfacher Schrei. Der Grauschimmel hatte vor dem letzten Hindernis versagt. Sylvester gewahrte wie im Schein eines Blitzes den Körper des Viscount in der Luft, dann eilten viele Menschen hinüber, um dem regungslos auf der Erde Liegenden beizustehen. Er hatte beide Arme gebrochen und aus seiner Nase rann Blut.

Das ist also möglich, fuhr es Sylvester schaudernd durch den Sinn, warum sollte es etwas Unmögliches geben? Sein schuldvoller Blick suchte Gabriele. Die Zuschauer auf den Tribünen hatten sich erhoben und plötzlich sah er, wie sich Gabriele durch die Menge drängte; hastig und beklommen trat sie zu ihm, schob ihren Arm unter den seinen und bat, er möge sie in die Stadt bringen. Kaum saßen sie im Wagen, so fing es an zu regnen und nach einer Viertelstunde Wegs wurde aus dem Regen ein Wolkenbruch. Die Pferde scheuten ein paarmal, der Kutscher mußte absteigen und sie führen.

Gabriele schaute wie geistesabwesend vor sich hin; in seiner sonderbaren Verwirrung und inneren Not glaubte Sylvester, sie denke nur an den Viscount, während ihr dies und ihr ganzes gegenwärtiges Leben nur wie Wolkenziehen vorüberging. Sie sprach aber nichts, und in ihrem Schweigen war etwas Redeverbietendes. Sylvester hatte den Kopf gesenkt und ihm schien, als ob sein Herz in einer salzigen, brennenden Lauge zersetzt würde. Weshalb ist sie mit andern liebenswürdig, ja freudig erregt, grübelte er, und mir zeigt sie ein erstorbenes, verdunkeltes Wesen? Er hätte Ehre und irdisches Heil dafür gegeben, wenn er diese Frage an sie hätte richten können und Gabriele sie beantwortet hätte. Aber es lag eine unermeßliche Entfernung zwischen ihnen. Was bedeutete jedoch der Blick, als sie ausstieg, dieser volle, tiefe, strahlende, flehende, demütige Blick? Schon war sie im Eingang des Theaters verschwunden.

Sie spielte an diesem Abend zum letztenmal in der Saison. Es wurde der Barbier von Sevilla aufgeführt, und nach den Aktschlüssen glich das Theater einem mit brüllenden Tieren gefüllten Käfig. Als die Oper zu Ende war, ging Sylvester hinter die Kulissen. Anna Ewel geleitete ihn in eine Ecke, wo sich Gabriele vor den vielen Menschen versteckt hielt, die ihre Garderobe belagerten. Sie kauerte auf einem hölzernen Karren und aß eine Birne. Über das Kostüm der Rosine hatte sie ein schwarzes Tuch geschlagen, und die weiße Haut des Nackens und der Büste leuchtete eigentümlich feucht. »Ich will nach Hause wie ich bin,« sagte sie, »wir können das Theater unbemerkt verlassen, wenn wir durch den finstern Gang dort gehen. Meinen Mantel, Anna.«

»Soll ich denn mitkommen?« fragte Sylvester. Sie nickte.

In der Villa draußen war ein Imbiß vorbereitet, aber Gabriele hatte keinen Hunger. Sie ließ Sylvester einige Zeit allein, dann kehrte sie in einem Gewand aus weichem, weißem Kaschmir zurück und setzte sich still an den Tisch. Die Fenster waren offen; schon herbsteten die Abende, und die Bäume hauchten einen zarten Modergeruch aus. Während er allein gewesen, hatte Sylvester eine Laute genommen, die an der Wand hing; er hatte sie betrachtet und es wunderbar empfunden, daß in dem Instrument unbekannte Melodien schlummerten, die er nicht hervorlocken konnte; wieviel wunderbarer dünkte ihn jetzt Gabrieles Anblick, dieser atmende Leib, aus dem die Gottheit Töne zauberte, welche die Armut der Menschen in Reichtum und ihre Nüchternheit in Überschwang verwandelten.

Seine Finger glitten zerstreut über die Saiten und erzeugten ein sanft vibrierendes Geräusch, dem einer fernen Windharfe ähnlich. Gabriele nahm ihm die Laute aus der Hand, rückte sie in vertrauter Weise zurecht, und ihre Züge hatten einen versonnenen Ausdruck, als sie einige dunkle Akkorde anschlug. Dann schüttelte sie entschlossen den Kopf und legte die Laute beiseite.

»Ich liebe dich, Sylvester,« sagte sie, »du weißt es, daß ich dich liebe. Wie es gekommen ist, das kann ich nicht erklären; wozu auch, es muß nicht erklärt sein. Ich bin nur ein Weib, nicht besser und nicht schlechter als andere, und wie soll ich's verwinden, daß du es bist, gerade du, den ich liebe. Sprich mir nicht von Glück, tröste mich nicht mit Hoffnungen, sag' nicht, daß ich vergessen soll und daß es Stunden gibt, die ausgleichen, und daß man seine Lust aneinander haben kann, wenn auch morgen die Welt untergeht. Das ist alles nicht für mich. Sieh, Liebster, du bist wie einer, von dem ich nur eine Hand halten kann, die andere ruht in der Hand einer andern. Die andere hat ihr Leben auf dich gesetzt, sie will und kann nicht von dir lassen, und könnte sie auch, bei mir würde sie erst lebendig werden für dich, und du bist der Mann nicht, der ein lebendiges Geschöpf ins Grab wirft. Ich fühle ja, wie es um dich steht, aber ich kann nicht tun, was du verlangst. Nicht Agathes, nicht des Kindes wegen; wenn du bei mir bist und ich dich sehe, ist mir, als könnt' ich darüber hinwegkommen; auch an dem, was man Ehre nennt, liegt mir dann nichts mehr. Aber ich will lieben, so wie man stirbt, ganz, ganz und ohne Rest. Und ich will geliebt sein so wie man untertaucht im Meer, tief ins Bodenlose. Wie soll ich das, Sylvester, bei dir, der ein böses Gewissen zu mir bringt? Widersprich mir nicht, sei wahr, in diesem Augenblick sei wahr gegen mich! Das böse Gewissen, es ist ja eigentlich das gute und edle Gewissen, dein Menschenherz, es würde dich immer zu mir treiben, aber nicht bei mir halten, und wir würden schlecht und müde. Und nun sag' mir, was sollen wir tun?«

Sie hatte leise gesprochen und als sie geendet hatte, schaute sie ihn voll schüchterner Erwartung an. Sylvester, ohne Schmerz noch Freude, in einem schwebenden Gefühl, erwiderte ebenso leise: »Ich habe dich gespürt, als ich noch in der Heimat war. Ich habe dich mit mir herumgetragen wie eine Schwangere den Schößling trägt, bis du wesenhaft wurdest, bis du erschienen bist. Ich habe andere genossen wie man Wurzeln verzehrt, wenn keine Speise da ist. Ja, ich will wahr sein; deine Worte sind das größte Unglück meines Lebens, denn du hast recht mit allem was du sagst. Was wir aber tun sollen, das weiß ich durchaus nicht. Nur daß ich ohne dich nicht existieren kann, weiß ich. Fliehen wir, Gabriele, geh mit mir auf ein Schiff, laß uns über den Ozean fahren, versuch' es mit mir, vielleicht zeigt es sich, daß deine Furcht unbegründet war —«

»Jetzt belügst du dich doch,« unterbrach ihn Gabriele sanft. »Es gibt keine Freiheit durch Anmaßung, es gibt kein Recht, das einer nur für sich selber schafft. Freilich, es gibt Menschen, die solches zustande bringen, aber ich bin dazu nicht robust und du, Lieber, bist nicht phantasielos genug. Wir sind Menschen und müssen tun, was menschlich ist.«

Dies sagte sie mit einer so unheimlichen Hoheit und Ruhe, daß Sylvester vor ihr erschrak.

»Es war mein Plan, morgen nach Bangor zu gehen,« fuhr sie fort; »du hast geglaubt, daß wir in Bangor beisammen sein könnten. Es darf aber nicht sein. Ich will ja nicht, daß wir uns nie wiedersehen sollen, wie könnt' ich das, aber wir müssen uns die Möglichkeit zur Besinnung geben, du mir und ich dir. Wenn dir also am Aufenthalt in Bangor etwas liegt, so werde ich anderswohin gehen. Antworte mir, Sylvester. Zürnst du? Wie schwer ist es doch, das Richtige zu tun!«

»Ich werde nicht nach Bangor gehen,« sagte Sylvester stockend. Unwillkürlich streckte Gabriele die Arme aus, und mit einem dumpfen Laut stürzte er zu ihr. In ungeheurer Bewegung ergriff sie seinen Kopf und drückte sein Gesicht in ihren Schoß. Sie beugte sich über ihn und stammelte: »Lieb' ich dich denn? Ich liebe dich ja gar nicht. Ich liebe ja einen andern, der nicht da ist und den ich nicht kenne. Jetzt mußt du gehen, Sylvester. Geh jetzt, laß mich allein, geh jetzt, leb' wohl.«

Zwei Stunden nach Mitternacht fand sich Sylvester am Tisch seines Schlafzimmers sitzend. Vor ihm lag eine Pistole, die er unverwandt betrachtete. Da war es ihm, als höre er die Türe knarren und als trete Agathe herein und als lege sie den Arm um seine Schulter und die Wange an seine Stirn und seufze tief. Sein Kopf fiel auf die Tischplatte, und er weinte wie ein Kind.

 

Die Oktobertage und -nächte vergingen, ohne daß Sylvester ihre Folge wahrnahm. Wie ein aus dem Schlaf häufig Erwachender lebte er sie zerstückt. Bisweilen saß er plaudernd bei Frau von Rhynow; er zeigte sich besonnen und gelassen, doch insgeheim machte er sich über jedes Wort lustig, das er gebrauchte. Eine bestimmte Behauptung aufzustellen, dünkte ihn vollkommen sinnlos, und wäre es die flachste und beweisbarste gewesen. Er ging in den Klub und redete mit dem und jenem; meistens verfuhr er so, daß er mechanisch ungefähr das Gegenteil von dem sagte, was der andere gesagt hatte. Zu seinem Erstaunen wurde ein Gespräch daraus. Er aß und trank und wunderte sich, daß ihn ein Bedürfnis trieb. Er suchte einen Schneider auf und besichtigte Stoffe für einen Anzug; während er es tat, wunderte er sich, daß er es tat. Das Leben, welches er führte, kostete viel Geld, und da er mit seinem Vorrat zu Ende war, unterschrieb er einen Wechsel, war sich aber keiner Verantwortung dabei bewußt. Seine Beobachtungsgabe war trotzdem dieselbe geblieben. So fiel es ihm auf, daß sich Adam ungewöhnlich viel mit Briefschreiben beschäftigte. Er stellte ihn zur Rede, und Adam gestand, daß er mit Anna Ewel korrespondierte. Bei der Erwähnung dieses Namens drückte Sylvester den Zeigefinger auf das rechte und den Mittelfinger auf das linke Auge und sein Gesicht bekam den Ausdruck verstörten Nachdenkens.

Adam Hund hatte zahlreiche Gelegenheiten gehabt, mit Anna Ewel zusammenzutreffen und sie die Überlegenheit fühlen zu lassen, die er sich im Weltgetriebe angeeignet. Er hatte in der schwarzen Böhmin eine gläubige Zuhörerin gefunden, und weil der Selbstliebe eines Mannes nichts so sehr schmeichelt, als wenn eine junge Dame seinen moralischen Urteilen wie auch den Erzählungen seiner Abenteuer bewundernd lauscht, so hatte sich die Abrede einer brieflichen Verbindung, die den fruchtbaren mündlichen Verkehr gedeihlich fortspinnen sollte, bald ergeben. Adam belehrte seine Schülerin vornehmlich über den Weg, den sie einschlagen müsse, um einen Gatten zu bekommen. »Zuvörderst ist es geraten, daß man sich eines möglichst geheimnisvollen Benehmens befleißige,« schrieb er; »wenn sich zum Beispiel ein Strumpfband gelockert hat und es steigen einem darüber peinliche Gedanken auf, weil man notabene in guter Gesellschaft ist und nicht wagen darf, den Fehler zu beheben, so empfiehlt es sich, eine melancholische Miene zur Schau zu tragen oder mit tiefsinnigem Schmachten von einem gereimten Gedicht zu sprechen. Es empfiehlt sich überhaupt, wenn ein Frauenzimmer von Sachen spricht, die sie nicht versteht, dann glauben die Männer, sie verstünden noch weniger davon und sagen untereinander: das Weib hat einen ungewöhnlichen Geist. Natürlich genügt solches nicht. Sie müssen auch, teure Anna, trefflich gewaschen und gekämmt sein, gewisse Lücken in der äußern Person geschickt zu stopfen wissen, Salben und Wohlgerüche ohne Zudringlichkeit anwenden, im Beisein anderer wenig essen, auch wenn Sie noch so großen Hunger haben, und ist dann der Gimpel einmal gefangen, so hat's weiter keine Not. Das ist ja das Merkwürdige, daß so selten einer loskommt, und ich will Ihnen auch den Grund mitteilen, warum es so ist. Nämlich wir Männer, wir nehmen die Weiber ernst, wir wollen ihnen etwas beweisen, wir wollen sie widerlegen, wir streiten mit ihnen wie mit unseresgleichen und das, verehrenswerte Anna, ist das Dümmste, was wir tun können. Dadurch haken sie sich an uns fest wie die Schnecke am Bein eines Ochsen, und während wir glauben, daß sie mit uns auf dem Lebenswege wandeln, tun sie nichts anderes als faul an unserem Fleisch schmarotzen.«

Bei einem sonderbaren Anlaß entdeckte Sylvester, daß Adam auch Nachrichten von Erfft erhielt. Seit kurzem kochte Adam seine Mahlzeiten selbst und tischte zuweilen seinem Herrn Klöße in saurer Brühe oder nach fränkischer Art gebratene Kartoffeln auf. Er wich nicht vom Fleck, bis Sylvester seine Kunst belobt hatte, fühlte sich dadurch ermuntert, über die englische Küche zu räsonieren und endete mit einem Preis der heimatlichen Dinge. Sogar sein böses Weib erschien ihm in freundlicherem Licht, und eines Tages verteidigte er sie gegen Sylvester mit einem Eifer, als ob dieser sie der größten Schandtaten bezichtigt hätte. »Das mit den Prinzipien und der männlichen Würde ist ja ganz schön,« redete er auf den immerfort schweigenden Sylvester ein, »aber sie weiß einen Apfelkuchen zu backen, da geht einem das Herz im Leibe auf. Neulich war der Inspektor Marquardt bei ihr und konnte sich nicht daran satt essen. Er hat mir geschrieben, daß sie in Dudsloch musterhafte Ordnung hält, während in Erfft alles drunter und drüber geht. Die gnädige Frau, die doch gewiß eine Ausnahme ihres Geschlechts ist, kümmert sich nur noch wenig um die Wirtschaft und um die Leute und läßt sieben gerade sein. Manchmal kommt der Herr Major herüber, befiehlt, daß man ihm die Haushaltungsbücher zeigt, schimpft über den Verbrauch und verhandelt dann stundenlang mit der gnädigen Frau hinter geschlossenen Türen. Es ist traurig, wenn der Herr nicht da ist.«

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