Der Snob

Carl Sternheim · Kapitel 16 von 21

PDF-Seiten

Der Snob

Der Dritte Aufzug

Salon eines Hotels, reich mit Blumen geschmückt. Im Hintergrund ein breiter

Vorhang.

 

ERSTER AUFTRITT

 

Christian im Frack und Orden unter dem Mantel, Marianne Brautkleid unter

dem Überwurf treten auf.

CHRISTIAN:

Endlich Luft, Ruhe.

MARIANNE:

Diese Blumen.

Bei einem Strauß:

Vaters.

Sie nimmt eine Karte und liest:

Für meinen verlorenen Engel Marianne. Und hier hier — welch himmlische Orchideen!

Liest:

Von einer Unbekannten.

CHRISTIAN:

So? Sentiment. — Was sprach er am Tisch fortwährend mit meinem alten Herrn. Hörtest du die beiden?

MARIANNE:

Wer soll das sein?

CHRISTIAN:

Fiel's dir nicht auf? Keiner war für seine Tischdame zu haben. Die dicke Gräfin ...

MARIANNE:

Tante Ursula ist fast taub und hatte schließlich das halbe Essen auf der Serviette.

CHRISTIAN:

Wer war der Johanniter zwei Plätze rechts von ihr?

MARIANNE:

Mutters Vetter Albert Thüngen.

CHRISTIAN:

Der Bengel starrte mich unaufhörlich wie eine Erscheinung an und aß darüber nicht.

MARIANNE:

Er hat eine richtige Froschschnute; heißt Frosch darum.

CHRISTIAN:

Seltene Dekorationen waren am Tisch. Bist du mit der Prinzessin so intim, wie sie dich behandelte?

MARIANNE:

Wir wurden sieben Jahre gemeinsam erzogen.

CHRISTIAN:

Sieben Jahre. Ihr duzt euch?

MARIANNE:

Sind doch durch unsere Urgroßmutter miteinander verwandt.

CHRISTIAN:

Die Erzherzogin?

JUNGFER tritt auf:

Wollen gnädigste Komtesse sich nicht umkleiden?

MARIANNE:

Ich bin nun gnädige Frau geworden, Anna.

JUNGFER:

Gut, gnädige Komtesse.

MARIANNE: