Der Wahnsinnige

Friedrich Gerstäcker · Kapitel 9 von 15

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Der Wahnsinnige

8. Die Entdeckung.

Mit diesem Bewußtsein faßte er nun aber auch den festen Entschluß, zu dem Freund zu sprechen — er wollte wissen, was der Spanier zu thun beabsichtige — er wollte seine Plane hören, denn nicht an ein leichtsinnig Spiel dieses Mannes sollte das Herz, das einstige Glück dieses Mädchens gebunden werden. Erst dieser Entschluß brachte aber auch seiner Seele wieder die volle Ruhe und jede Schwäche von sich abschüttelnd, fühlte er, wie er das schöne Mädchen wirklich aufrichtig genug liebe, ihr freudig das eigene Glück zum Opfer zu bringen und über ihr künftiges Leben mit treuer Freundes Sorgfalt zu wachen. So in sich selbst erstarkt, nahm er mehr und mehr an dem Gespräche Theil, und die alte Mrs. Newland, die ihn besonders in ihr Herz geschlossen, versicherte ihm noch, bevor sie Abschied nahmen, »daß es ihrer Seele wohl thäte, den guten Doktor auch einmal wieder so frisch und fröhlich bei sich zu sehen; — der Don Gaspar,« setzte sie dann in ihrer Gutmüthigkeit hinzu — »ist doch ein herrlicher Mensch, er bringt Leben und Bewegung in eine ganze Gesellschaft, nur ein Bischen zu toll treibt er's manchmal, und heute Abend besonders macht er doch die ausgelassensten Streiche — segne seine Augen, ich bin ihm ordentlich gut.«

Don Guzman mahnte endlich zum Aufbruch — es war Mitternacht schon vorüber, und da die drei Männer ziemlich einen Weg hatten, verließen sie zusammen Mr. Newlands gastliches Dach und wanderten die stille, menschenleere Straße noch lachend und erzählend hinauf, während hinter ihnen

die Wächter ihren scharfen Pfiff ertönen ließen18 und die einsamen, stillen Häuserreihen allein den Ausbruch ihrer lauten Fröhlichkeit wiedertönten.

 

8.

Die Entdeckung.

»Aber wissen Sie, liebster Don Gaspar,« sagte endlich der Argentiner, als sie an einer der Querstraßen-Ecken, wo dieser von ihnen Abschied nehmen mußte, stehn geblieben waren, das begonnene Gespräch erst zu beenden — »wissen Sie, für was ich Sie heute Abend einmal eine ganze Weile gehalten habe?« —

»Nun, Señor?« lachte der Spanier — »doch nicht etwa für den Bösen selber, der sich in Menschengestalt einen kleinen Spaß mache und nach Seelen angele, doch nicht für den Feind?« —

»Nein,« sagte Don Guzman lachend. —

»Oder für einen spanischen Spion, der vom Mutterlande herüber geschickt wäre, sich der Colonien wieder zu versichern?«

»Auch nicht,« lautete die Antwort, »noch schlimmer« —

»Noch schlimmer als Teufel oder Spion?« lachte Don Gaspar, »das ist schmeichelhaft — und für was sonst noch?«

»Für den entsprungenen Tollen!« rief Don Guzman, und Alles, was er noch weiter sagen wollte, erstarb in dem schallenden, dröhnenden Gelächter des Spaniers, der sich gar nicht wieder zufrieden geben konnte. —

»Aber ich versichere Sie, bester Don Gaspar!« —

»Hahahahaha!« — donnerte das dröhnende Lachen dazwischen.

»Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, daß ich« —

»Hahahahaha!« —

Der Argentiner mußte zuletzt selber mit in das Lachen einstimmen, und anstatt dem Spanier den Grund solchen Verdachtes anzugeben, wie er es im Anfang beabsichtigt, jetzt nur auf seine Vertheidigung sinnen und sich entschuldigen, einen solchen Fehlgriff begangen zu haben. Eine kurze Weile plauderten dann die Männer noch mit einander, und wünschten sich dann eine gute Nacht, vorher aber lud Don Guzman die beiden Freunde noch auf das Herzlichste ein, ihn recht bald einmal ebenfalls zu besuchen, was sie ihm auch fest versprachen.

Don Guzman betrat gleich darauf sein Haus und Don Gaspar und Leifeldt wanderten dem ihrigen, beide jetzt still und schweigend, zu.

Leifeldt hatte überhaupt während der ganzen letzten, so laut und munter geführten Unterhaltung, nicht ein Wort gesprochen — es fing ihm an peinlich zu werden, ihre Flucht von Buenos-Ayres erwähnen zu hören, und wenn er auch für sich selber nicht die geringsten bösen Folgen zu fürchten brauchte, hätte er sich hier, in der Stadt zu jenem Fall bekannt, war ihm doch die ganze Sache fatal, und er begriff Don Gaspars Leichtsinn und Fröhlichkeit in dieser Hinsicht nicht. Auch sein falscher Name fing ihm an drückend zu werden und er wußte nur nicht jetzt, wie ihn abzuschütteln, ohne denen, an deren Meinung ihm etwas gelegen, in einem falschen Lichte zu erscheinen.

Zu diesem kam noch der Entschluß, der in seiner Seele kämpfte, Licht und Erklärung selber von dem Freund, die Geliebte betreffend, zu erhalten, ein Entschluß, gegen den er noch immer in seinem Innern ankämpfte, der sich ihm aber mit jeder Minute auch als immer dringender werdende Nothwendigkeit aufdrängte.

So erreichten sie ihre Wohnung, Jeder in seinen Gedanken vertieft und ohne auch nur eine Silbe weiter mit einander zu wechseln, und während Leifeldt mit untergeschlagenen Armen rasch in dem kleinen Gemach auf- und abging, hatte sich Don Gaspar in die eine Ecke des Sophas geworfen und starrte mit zusammengezogenen Brauen vor sich nieder.

Plötzlich blieb der junge Schwede vor dem Spanier stehen und sagte mit leiser, aber fester und entschiedener Stimme:

»Gaspar, ich habe etwas auf dem Herzen, das ich nicht länger mehr allein zu ertragen vermag, und es ist nöthig, daß wir uns darüber verständigen, oder ich gehe in der steten Aufreibung meiner Kräfte und Gedanken völlig zu Grunde.«

Don Gaspar erwiederte kein Wort, sondern schlug nur die großen dunklen Augen staunend und erwartungsvoll zu ihm auf und blieb ruhig und regungslos in seiner Stellung.

»Wie stehst Du zu Miß Newland?« fuhr da der Schwede noch leiser fast fort, und man sah, es hatte ihm schwere Überwindung gekostet, den Namen endlich auszusprechen.

»Miß Newland?« sagte aber Don Gaspar erstaunt, und ein eigenthümliches Lächeln zuckte und blitzte über seine, heute Abend ungewöhnlich bleichen Züge — »wie soll ich zu Miß Newland stehn? — höchst freundschaftlich, hoff' ich doch.«

»Eine Umgehung meiner Frage hilft Dir nichts mehr,« rief aber Leifeldt, durch die, wie er glaubte, angenommene und verstellte Gleichgültigkeit des Freundes mehr gereizt und in seinem Entschluß bestärkt, »Du kannst mich nicht glauben machen, daß Dir das schöne Mädchen gleichgültig sei — es ist nicht möglich, daß Du blind gegen die Neigung wärest, die s i e für Dich empfindet.«

»Neigung f ü r m i c h ?« rief aber jetzt der Spanier mit wirklichem Erstaunen und richtete sich auf seinem Sitz empor, »wie kommst Du zu dem tollen, abenteuerlichen Gedanken? — Wie kann das Mädchen eine Neigung für mich empfinden — — was kann sie m i r sein?« —

»Was sie D i r sein kann, Mensch?« — rief aber der Schwede jetzt durch die fast wegwerfenden Worte auf das tiefste erschüttert und empört, »was sie D i r sein kann? — Heiliger Gott im Himmel, mir hat es Herz und Seele zerrissen, nur den Gedanken zu fassen, sie aufzugeben, und doch würfe ich meiner Seele Heil selbst freudig in die Schaale, sie nur glücklich zu wissen, und Du, Du könntest sie darum an Dich gezogen haben, nur um sie gleichgültig wieder wie ein Spielwerk, das dem Kinde genügt, wie eine welke Blume bei Seite zu werfen, ja ohne vielleicht einmal Freude, ohne eine einzige Regung des Herzens bei der »Tändelei« gefühlt zu haben?« —

»Aber Federigo, Du faselst,« sagte der Spanier, und ein eignes eigenthümliches Lächeln zuckte plötzlich über seine Züge, — »oder ich verstehe Dich auch falsch — Du meinst doch nicht, daß mich das Mädchen liebt, und daß ich sie heirathen soll?« —

»Allerdings mein' ich das,« erwiederte der junge Schwede mit ernster, fast tonloser Stimme.

»Und soll ich mich hier hängen oder in's Zuchthaus sperren lassen?« frug Don Gaspar laut auflachend.

»Wie soll ich das verstehn? — weshalb?« —

»Aus sehr einfachem Grunde — wie viel Frauen kann ein Mann in diesen Südamerikanischen Republiken nehmen?« frug Don Gaspar und stellte sich, die Arme auf der Brust in einander geschlagen, den Kopf auf die linke Seite geneigt, mit einem komischen Spotte in den Zügen vor dem Schweden hin.

»Wie viel Frauen? — natürlich nur e i n e — b i s t Du denn aber schon verheirathet?« rief der Schwede in unverhehltem Erstaunen.

Eine wunderbare Veränderung ging bei dieser Frage in den Zügen des Spaniers vor — zuerst schoß ihm das Blut in Wange und Stirn, als ob es die Adern zu durchbrechen drohte, und im nächsten Augenblick ließ es ihm das Antlitz so weiß und kalt, daß die schwarzen großen Augen unheimlich und wild unter der todtenbleichen Stirn hervorglühten; dann strich er sich ein paar Mal mit der flachen Hand über die Stirn, und es war fast, als ob er gegen ein in ihm erwachendes, aufdrängendes Gefühl stark und gewaltsam anzukämpfen suchte, — er schien auch des Freundes Frage ganz überhört zu haben, gab wenigstens keine Antwort, und erst, als dieser dieselbe wiederholte, lachte er plötzlich still vor sich hin und sagte, die Hand auf des Arztes Schulter legend, leise und zutraulich —

»Versteht sich, Freundchen, versteht sich — aber — man spricht nicht gern davon. Eine Frau ist ein liebenswürdiger Gegenstand zu Hause, doch höchst unbequem auf der Reise, und — man läßt sie deshalb lieber, wo sie am liebsten ist.«

»Aber wie ist mir denn, in des Himmels Namen,« rief der junge Arzt verstört, »hast Du mir denn nicht früher gesagt —?«

»Pst, Freund,« flüsterte der Spanier und lauschte nach dem Nachbarzimmer hinüber, als ob er fürchte, von dort behorcht zu werden, »ich will Dir die ganze Geschichte mit wenigen Worten erzählen, — es ist freilich schon spät, aber wir sind Beide jetzt zu aufgeregt, schlafen zu können und — heute ist so gut eine Zeit dafür, wie jede andere.« — Und seine Hand ergreifend, führte er ihn zum Sopha und begann, sich an seiner Seite niederlassend, auch rasch und ohne weitere Vorrede dem staunenden Freund sein bisher so sorgfältig verschlossen gehaltenes Innere zu öffnen.

»Wenn ich nicht irre,« sagte er, und strich sich dabei sinnend mit der linken Hand die Stirn, — »habe ich schon früher einmal angefangen, Dir einen Theil meiner Lebensgeschichte zu erzählen — wir wurden damals unterbrochen, ich habe vergessen durch was, — Du weißt jedenfalls, daß mein Bruder damals statt meiner von Rosas Henkern ermordet oder gerichtet wurde.« —

»Dein Bruder? — also doch?« — rief der Arzt schaudernd.

»Also doch?« wiederholte Don Gaspar, »allerdings; Du hättest dabei sein sollen,« fuhr er plötzlich lebhafter fort, und die Hand deutete, dem stieren Blick folgend, in die Ecke des Zimmers — »Du hättest dabei sein sollen, wie sie den Mantel zurückschlugen, unter dem die Leiche lag, und ich in den starren, blutigen Zügen den B r u d e r erkannte, den ich seit meinem zwölften Jahre nicht gesehen, und jetzt s o — s o — für m i c h geschlachtet, wiederfinden sollte. — Du hättest dabei sein sollen, wie sie aufschrieen, als sie dasselbe Gesicht l e b e n d zwischen sich sahen, das entstellt, entseelt vor ihnen im Schmutz der Straße lag — hahahaha, ich müßte jetzt noch lachen, wenn mir nicht eben das Blut in den Adern erstarrte.« —

Er schwieg erschöpft still, stützte die Stirn viele Minuten lang in beide Hände, und fuhr dann, während ihn Leifeldt mit ernstem, mitleidigem Blick betrachtete, leiser noch und langsamer fort:

»So lag ich — ich weiß nicht wie lange, auf der Straße, unter dem blutigen Tuch, und erst gegen Abend trugen sie mich hinaus und begruben mich — ich glaube aus besonderer Rücksicht — unter einem alten Ombubaum an der Boka.« —

»D i c h ? « rief Leifeldt überrascht — »Deinen Bruder!«

»Mein Bruder? — ja ich weiß nicht, was mit dem gleich wurde — ich hatte damals zu viel für mich selbst zu denken,« murmelte der Unglückliche mit halblauter Stimme und fast nur wie mit sich selber redend — »aber da ich die beiden Argentiner ermordet hatte (und wir Beiden uns so entsetzlich ähnlich sahen), doch aber nun leider einmal todt war, so begruben sie mich auch eben, und das Einzige, was ich mir bis jetzt noch immer nicht so recht erklären kann,« fuhr er, den Finger wie überlegend an die Nase bringend, fort — »ist, daß ich nachher — aber ich weiß nicht mehr wie lange — Trauer anlegte in der Stadt und zu meinen Schwiegereltern ging, ihnen die schmerzliche Nachricht von dem Tod meines Bruders, der sich thörichter Weise in ein Duell mit zwei Argentinern eingeladen, mitzutheilen. Ich erinnere mich noch« — setzte er unheimlich lächelnd hinzu, — »wie toll sich meine Frau damals gebehrdete — wie sie mich von sich stieß und ein alter Mann mir den Eingang verwehren wollte — ich warf den alten Mann damals aus dem Fenster und ich glaube, er hat den Hals gebrochen, ich habe ihn wenigstens niemals wiedergesehn, aber auch einen Fremden fand ich bei ihr im Hause — wahrhaftig, einen der Burschen, die ich auf der Straße todtgestochen — und die Te u f e l schrien mir zu, das sei ihr Mann. — Ich wollte ihm um den Hals fallen — hahahahaha — aber sie litten es nicht — eine Menge Menschen kamen dazwischen, und ich glaube — ich glaube, ich ging wieder nachher hinaus unter den Ombubaum, aber das Alles liegt mir jetzt nur noch, einem Chaos gleich, im Gedächtniß.«

»Die Bilder davon schwimmen zusammen, steigen oft zu riesigen Bergmassen auf, daß ich fürchten muß, sie würden mich unter ihrer Last zusammenpressen, und schwinden dann wieder zusammen, daß das Auge den winzigen, blitzschnell kreisenden, schwingenden Dingen kaum zu folgen vermag.«

Er schwieg einen Augenblick und die Stirn in den, auf den Tisch gestützten Arm werfend, lehnte er wohl eine halbe Minute regungslos da und schien die wild heraufbeschworenen Bilder seiner Phantasie zurückdrängen zu wollen in ihr altes, ruhiges Bett. Leifeldt aber saß mit sträubendem Haar und peinvoll schlagendem Herzen neben dem Freund — das Blut schien seine Adern, das Leben seine Glieder verlassen zu haben, und nur den stieren Blick auf die zusammengebrochene Gestalt des Unglücklichen gebannt, hellte sich zum ersten Mal seinem Auge der wirkliche Zustand des Mannes, den er selber wieder in das Leben eingeführt, und die furchtbare Gewißheit, einem Wa h n s i n n i g e n gegenüber zu stehen, trieb ihm das Blut in rasenden Schlägen zum schreckerfüllten Herz zurück.

Don Gaspar sah aber nicht den auf ihm haftenden Blick des Entsetzens, ja er schien die Nähe einer anderen Person fast ganz vergessen zu haben und fuhr nur, wie zu sich selber sprechend, leise fort:

»Es war nicht hübsch von Constancia — ein falscher — falscher Name — es war nicht hübsch von ihr, mich so bald zu vergessen, aber wart Bursche, wart — Du hast ihr trügerische Geschichten in's Ohr geraunt, meine Briefe unterschlagen, meine Existenz verleugnet — hast sie fortgeschleppt in die Fremde und mich selber in Ketten und Banden geworfen und Dein alter Name, Don Luis de Gomez schützte Dich in der Zeit in Deiner Verrätherei, aber jetzt — hahahaha — bin ich frei, frei, frei« — und er sprang empor bei den Worten und seine Augen blitzten und funkelten in wildem wahnsinnigen Feuer — »frei wie der Tiger, der in dem dunklen Waldesschatten seiner Beute geduldig, aber mit wilder Gier entgegenharrt — frei wie der« — er schwieg plötzlich, denn sein Blick fiel in dem Moment auf das stiere, blaue Auge des jungen Schweden, das ihn fest und entsetzt fixirte, und als ob der Blick eine förmlich magische Gewalt über ihn ausgeübt habe, sank er still wieder in sich selbst zusammen und schaute erst vor sich nieder und dann empor und umher, wie ein Mann, der plötzlich aus einem schweren Traum erwacht, und sich wachend müht, die eben geschauten Bilder zu halten und dem lebendig gewordenen Auge zu bewahren.

»Ich darf keinen Wein mehr Abends trinken,« sagte er plötzlich aufstehend, und mit beiden Händen gegen seine Schläfe gepreßt, im Zimmer auf- und abgehend — »er bekommt mir nicht, und macht mir das Blut schwer und unbändig — nicht wahr, es ist spät, Federigo?« —

Er hatte diese Worte gesprochen, ohne dem Blick des Freundes auch nur in einem Moment wieder zu begegnen, und das Auge des Arztes war ihm in stummen Staunen durch den Raum auf und ab gefolgt; aber zu plötzlich, zu unerwartet kam diese Änderung des eben noch so furchtbaren Zustandes — der Übergang fehlte zwischen den beiden Extremen und Leifeldt, sich selber kaum bewußt, was er sagte, flüsterte nur halblaut:

»Constancia!«

Der Name wirkte mit Blitzesschnelle auf den Spanier — er blieb stehn, sah den Freund rasch und forschend an, und sagte dann lächelnd:

»Constancia? — wie kommst Du auf d e n Namen?«

»Und nanntest Du ihn nicht selber?« frug der Schwede.

»Ich?« — rief Don Gaspar, jedenfalls mehr erschreckt als erstaunt, »i c h hätte den Namen genannt? — und doch, ja — es ist möglich; — das sind ja die alten wunderlichen Ideen, die sie mir in Buenos-Ayres andichten wollten, und so lange haben sie mir den Unsinn vorerzählt, bis ich beinah dazu getrieben gewesen wäre, jene Wahnsinn herausfordernden Gedanken auch selber zu glauben. — Aber es ist spät, Federigo, wir wollen morgen wieder früh aufstehn, und da taugt das lange Schwärmen nichts gute Nacht, Federigo, gute Nacht,« — und das eine Licht, das noch unangezündet auf dem Tische stand, an dem anderen entzündend, reichte er dem Freunde, wie er das alle Abend that, die Hand, und verließ dann langsam das Zimmer — aber er vermied seinen Blick — er wandte den Kopf nicht wieder um, als er ging.