Der Wahnsinnige
4. Ankunft in Valparaiso. — Hülfe in der Noth.
4.
Ankunft in Valparaiso. — Hülfe in der Noth.
Der »O p o r t o « erreichte am 42. Tag nach seiner Ausfahrt von Buenos-Ayres den Hafen von Valparaiso und Leifeldt und Don Gaspar mietheten sich im Hotel de Chile ein. Der Letztere hatte aber kaum seine nöthigen Einkäufe an Kleidern und Wäsche besorgt, da er sich bis dahin nur mit dem Nothwendigsten begnügen mußte, das Leifeldt noch in der letzten Zeit in Buenos-Ayres für ihn eingekauft, als er auch ausging, um, wie er sagte, ein paar Verwandte, ein paar Freunde aufzusuchen oder ihnen wenigstens nachzuforschen, die sich vor Jahren nach Valparaiso gewandt hatten und hier doch vielleicht noch aufzufinden waren. Der junge Arzt blieb zurück, die eigene Wohnung ein wenig behaglich einzurichten.
An dem nämlichen Morgen, etwa um elf Uhr, ließ sich ein junger Mann unter dem Namen de Monte Sylva bei dem Consul der Argentinischen Republik anmelden, und wurde von diesem auf das Zuvorkommenste empfangen.
»Es ist ein Fest für uns hier,« sagte der Consul nach den einleitenden Redensarten und Begrüßungen, mit einer freundlichen Verneigung gegen seinen Besuch, »wenn wir Buenos-Ayres-Leute an der Westseite der Cordilleren im
Winter einmal Nachricht vom Mutterlande bekommen. Der Correo7 wagt sich nur selten über den Schnee, und muß diese Kühnheit noch dazu manchmal theuer genug büßen, und Schiffe von dorther sind auch in dieser letzten Zeit ziemlich selten gewesen; Buenos-Ayres bietet wenig oder gar Nichts, was wir von dort hieher führen könnten, die Passage nach dem Norden ist auch schwach, und all die Wallfischfänger die wir vom Atlantischen Meer herüberkriegen, denken natürlich gar nicht daran, Zeit und Schiff zu wagen, besonders in dieser Jahreszeit in den von Sandbänken und Pamperos so sehr gefährdeten La Plata einzulaufen. Bringen Sie uns Neuigkeiten von Buenos-Ayres?«
»Gar Nichts von Bedeutung« erwiderte Don Gaspar de Monte Silva achselzuckend. — »Se. Excellenz führt den trostlosen Krieg gegen Monte-Video fort, nur, wie es scheint, die Einwohner jener Districkte in Bewegung zu halten, — Engländer und Franzosen protestiren fortwährend, und die Sache bleibt eben beim Alten. Man sprach allerdings in Buenos-Ayres von einem erhofften Friedensabschluß, so viel ich aber habe erfahren können, scheint mir die Sache noch in weitem Felde. — Haben Sie viele Bewohner von Buenos-Ayres hier?«
»Nein — und doch ja, sie sind hie und da ziemlich durch die ganze Stadt zerstreut, aber wenn nicht auf der Börse, bekommen wir einander wenig genug zu sehen. — Haben Sie Bekannte hier?« —
»Sehr wenige, — lebt noch ein Kaufmann Don Rodriguez hier, der vor etwa drei Jahren herüber zog?« —
»Nein,« erwiederte der Konsul, nach einigem Besinnen — »wenn ich nicht irre, ist derselbe, aber schon vor längerer Zeit, nach Lima gegangen — er soll dort in eine andere Geschäftsverbindung getreten sein.«
»Vor kurzer Zeit ist ja wohl auch, im Auftrag der Föderation ein Señor — Señor — wie war doch gleich sein Name?« —
»Don Luis de Gomez?« sagte der Konsul, »nicht wahr, Sie meinen Don Luis, — fehlt Ihnen etwas, Señor?« unterbrach er sich plötzlich selbst und sprang auf, denn das Antlitz des jungen Mannes überflog Leichenblässe.
»Ich darf Sie wohl um ein Glas Wasser bitten, Señor,« sagte Don Gaspar, rasch aufstehend und zum Fenster tretend, »es ist das eine Art Herzbeklemmung bei mir, der ich allerdings manchmal unterworfen bin, die aber auch so rasch vorüber geht, wie sie gekommen.«
»Ist Ihnen nicht lieber ein Glas Wein gefällig?« bat der Argentiner, eine Caraffe und ein Glas von einem Ecktisch nehmend und rasch einschenkend, »es wird Ihnen weit besser bekommen.« —
Don Gaspar leerte das ihm gebotene Glas mit einer dankenden Verbeugung auf einen Zug, und sagte dann lächelnd:
»Es ist schon vorüber — der rasche Wechsel von See- und Landluft bringt bei mir sehr häufig solche Wirkung hervor, die sich sogar schon einige Mal bis zur Ohnmacht gesteigert hat, ohne jedoch auch nur die geringsten Nachwehen zu hinterlassen — aber von was sprachen wir doch? —«
»Ich weiß es jetzt wahrhaftig selber nicht mehr,« lachte der Konsul, »doch ja — von unseren Landsleuten — von Don Luis de Gomez — kennen Sie ihn?« —
»Nur oberflächlich,« erwiederte Don Gaspar gleichgültig, aber die Hand, mit der er seine Stuhllehne gefaßt hielt, wurde todtenweiß. »Er soll hierher gegangen sein.«
»Allerdings,« erwiederte der Konsul, »wenn auch nicht für den Augenblick —«
»So ist er gegenwärtig nicht in Valparaiso?« — frug Don Gaspar rascher und lebendiger als vorher.
»Nein — wünschten Sie ihn zu sprechen?«
»Das gerade nicht — aber ich glaubte nur —«
»Er ist nach Lima gegangen,« sagte der Konsul, »aber ich erwarte ihn fast mit jedem Schiff zurück, das von dort her kommt. Es war gar nicht seine Absicht, so lange dortzubleiben, aber wenn ich nicht irre, war ihm seine Frau dort erkrankt, was seine Abreise verzögerte. Sein letzter Brief meldet ihn übrigens bestimmt auf Mitte dieses Monats an.«
Don Gaspar war ans Fenster gesprungen, nach einem rasch vorbei galoppirenden Reiter zu sehen — er faßte die Fensterbrüstung, sich gewaltsam zu sammeln. —
»Nicht wahr, die Namen der ankommenden Passagiere werden in den Zeitungen veröffentlicht?« frug er nach einer kleinen Weile, indem er seinen Hut ergriff, sich wieder zu empfehlen.
»Allerdings,« erwiederte der Konsul, »wenn auch nicht gerade so ungemein pünktlich, denn oft werden Namen ausgelassen, noch öfter falsch gedruckt — aber wenn es Sie interessiren sollte —«
»Ich danke Ihnen herzlich,« unterbrach ihn jedoch der junge Mann rasch; »es ist eigentlich bei mir nur Neugierde, oder vielleicht doch ein etwas edleres Gefühl, das nämlich, sich in einer fremden Stadt, fern von der eigenen Heimath, nach solchen zu sehnen, die einst in einem, jetzt leider fern gelegenen Land dieselbe Luft mit uns geathmet haben.«
»So wiederholen Sie dann wenigstens bald Ihren Besuch,« sagte der Konsul, ihm freundlich die Hand reichend, »Sie werden mir immer willkommen sein, das schöne Wetter jetzt bringt uns auch vielleicht den Correo über die Gebirge, und dann bekommen wir frische Nachrichten von der »Hauptstadt«.«
Don Gaspar dankte ihm herzlich, aber es war fast, als ob ihn eine merkwürdige Unruhe erfaßt habe, er suchte augenscheinlich rasch ins Freie zu kommen und hatte kaum die Thüre hinter sich ins Schloß gedrückt, als er auch die Straße schnell hinunterschritt und um die erste Ecke rechts dem Wasser zu niederbiegend, den Weg hinaus, der zu dem Leuchtthurm führte, und von wo man die See weit überschauen konnte, mehr lief als ging. Der Konsul blieb aber, als jener die Stube schon verlassen, noch eine ganze Weile im Zimmer stehen, und sah nachdenklich vor sich nieder, endlich aber, den Kopf schüttelnd und aus seiner Tasche eine silberne Dose nehmend, setzte er sich lächelnd nieder an seinen Schreibtisch, und murmelte nur leise vor sich hin:
»Ein wunderlicher Kauz!«
Don Gaspar nahm sich nicht einmal Zeit Athem zu schöpfen, bis er die Höhe erreicht hatte, auf welcher der Leuchtthurm stand, und von wo aus man die weite See nach Norden, Westen und Süden trefflich überschauen konnte. Hie und da waren einzelne Segel — glänzend weiße Punkte auf dem dunkelblauen Grunde — am Horizont sichtbar; eine Brigg arbeitete sich aus dem Hafen heraus und suchte das Weite, und ein kleiner Schuner kam mit geblähter Leinwand von Westen herüber, wahrscheinlich von den Inseln Cocosnußöl und Perlmutterschalen gegen Kattune, Messer, Beile und Glaskorallen umzutauschen.
Der junge Spanier blieb wohl eine Stunde lang auf diesem, Nachmittags von der schönen Welt Valparaisos so gern besuchten Ort, dann aber, als ob dem ersten Drängen seines Herzens, das ihn hier hinauf trieb, nach nahenden Segeln auszuspähen, Genüge geleistet wäre, stieg er langsam die nächste Quebrada oder Schlucht nach der Stadt zu wieder nieder. Durch die Calle San Francisco die Marktstraße erreichend, wollte er dieser aufwärts folgen, als er angerufen wurde und Leifeldt erkannte, der, ebenfalls in der Stadt ohne besonderen Zweck
herumschlendernd, ihn bat, mit ihm die Almendral8 nieder zu gehen, an deren unterem Ende ein erst kürzlich hier angekommener englischer Arzt wohnen solle, den er zu sprechen wünschte.
Die Hauptstraße der Stadt zieht sich hier dicht unter dem felsigen Fuß eines Hügels hin, auf dessen Kuppe der katholische Gottesacker Valparaisos, Stadt und Hafen weit überschauend, liegt, und so schmal für die Passage dem Berge abgewonnen ist, daß dem Strand gegenüber nicht einmal eine Reihe Häuser oder Hütten gebaut werden konnte, sondern der nackte Fels den schmalen Fahrweg schroff und scharf begrenzte.
Es war indessen schon weit im Tag vorgerückt und Mittag längst vorüber; die Straße hier belebte sich auch mehr und mehr; viele Reiter, mit ihrem wunderlichen chilenischen Reitzeug, den kolossalen hölzernen Steigbügeln, riesigen Sporen und hochaufgepolsterten Sattel, von blauen und grünen Panchos umflattert, trabten daher, denn der Galopp ist in der Stadt verboten, zweispännige offene Droschken oder Fiakre, das eine Pferd in der Gabel gehend, das andere am festgeschnürten Gurt befestigt, rasselten vorüber, und eine Menge Fußgänger schlenderten langsam meist alle dem Leuchtthurm-Plateau zu, dort einen Blick über die See zu haben, auch wohl kleine Picknicks zu arrangiren und mit der Abendkühle ihren Häusern wieder zuzuwandern.
Die beiden Freunde schritten langsam das Trottoir nieder, die verschiedenen Gruppen beobachtend, die ihnen begegneten, und so finster und selbst niedergeschlagen Don Gaspar im Anfang gewesen war, als ihn Leifeldt zuerst traf, so schien der düstere Sinn in dem lebendigen Treiben, das sie hier umgab, bald wie eine Sommerwolke an der Sonne vorüber von seiner Stirn zu fliehen.
Leifeldt hatte diesen raschen Wechsel seines Temperaments übrigens schon so häufig Gelegenheit gehabt zu beobachten, und selbst Don Gaspar, darauf aufmerksam gemacht, gestand das ein, behauptete aber auch, der Aufenthalt in seinem früheren Gefängnisse trage dabei viele, wenn nicht die einzige Schuld; es überkomme ihn noch manchmal ein wildes, beängstigendes Gefühl, das er nicht abzuschütteln vermöge, wie mit einem Centnergewicht läge es dann auf ihm, und er könne kaum athmen unter der Last. Wie ein kräftiger Windstoß aber die düsteren Schranken der Gebirge mit e i n e m kräftigen Zuge aus den Schluchten drängt, und über die Ebene weht, so sei ein Sonnenblick, ein freundliches Gesicht, das fröhliche Lachen eines Menschen oft im Stande, all diese düstere Schwermuth zu zerstreuen, und Tage lang fühle er sich dann so wohl, als ob er wieder einmal von einer recht schweren Krankheit genesen wäre.
»Und wie gefällt Ihnen die schöne Welt in Valparaiso, Gaspar?« frug Leifeldt den jungen Mann, als gerade ein ganzer Zug von Damen lachend und scherzend an ihnen vorüber schritt.
»Gut!« sagte der junge Mann freundlich, »es sind liebe, gutmüthige Gesichter darunter, und das rege Feuer, das all unseren südlichen Stämmen eigen ist, verleiht ihnen noch einen weit besonderen Reiz. — Ich weiß nicht, ich habe mich nie viel mit den kalten Nordländerinnen befreunden können; sie sind schön und tugendhaft, ich zweifle nicht daran, aber mir scheint es fast, als ob ihnen ein Herz fehle, ihren Augen Leben, ihren Lippen Farbe zu geben, und mir selber ist es, einer der nordischen Schönheiten gegenüber, fast stets zu Muthe, als ob ich vor einer wundervollen Statue stehe, die mein Auge fesselt, mein Herz aber kalt läßt, wie der Marmor selber, aus der sie besteht.«
»Das aber dürfen Sie nicht von A l l e n sagen,« lachte Leifeldt, »sehen Sie z. B. das reizende Wesen, das uns hier gerade mit dem kleinen Knaben, vielleicht einem Bruder, entgegenkommt — das müssen Engländerinnen sein, aber ich habe wahrlich nie im Leben ein schöneres Mädchen gesehen.«
Don Gaspar folgte mit seinen Augen der ihm von Leifeldt angegebenen Richtung und sah ein wirklich reizendes junges Mädchen die Straße herauf und ihnen entgegenkommen. Sie hatte eine alte, wie es schien kränkliche Dame, die sie sorgsam leitete, am Arme, und ein kleiner, vielleicht dreijähriger Knabe lief vor ihnen her.
»Sieh, Jenny, liebe Hündchen da drüben,« sagte der Kleine plötzlich in seinem noch halbgebrochenen Dialekt zu der Jungfrau, und zeigte mit dem einen dicken Patschchen nach der Straße hinüber, auf der ein schwarzes Wachtelhündchen nach einem eben landenden Boot laut hinunterkläffte und sprang, und mit dem Schwanze wedelte — »das hol ich mir.«
Die Freunde waren indessen bis dicht vor die beiden Damen gekommen, und als sie, ihnen Raum machend, vorüber schritten, sagte Jenny, wie sie von dem kleinen Burschen angeredet worden, ermahnend:
»Laß das Hündchen, Bill, es könnte Dich beißen — und Du darfst auch nicht allein auf den Fahrweg gehen — komm her zu mir.«
Es ist unbestimmt, ob Bill die Warnung hörte, oder nicht, aber darauf achten that er keineswegs, denn das Hündchen war gar zu lieb und herzig, und Bill mochte das Langsamgehen hinter der alten, kranken Großmutter her auch schon herzlich satt bekommen haben; so unter den Händen fort, mit den kleinen unbehülflichen Beinchen lief er hinaus, den lebhaften schwarzen Burschen da vorn zu sich heran zu holen.
» 9 Guardar se — guardar se! « schrie es in dem Augenblick die Straße nieder und lautes Wagengerassel wurde hörbar.
»Bill!« rief die Stimme des jungen Mädchens in Todesangst, als sich dieses umschaute, und das Kind auf der Straße sah, ohne im Stande zu sein die Mutter
loszulassen, »Bill, 10 for God's sake .«
Leifeldt und Don Gaspar waren bei dem Schreckensruf rasch stehen geblieben, und der letztere machte sich von Leifeldts Arme los, die Straße freier überschauen zu können. Aber sie brauchten nicht lange auf die Ursache des Tumultes zu warten, denn fast in dem nämlichen Augenblick donnerte auch schon eine der gewöhnlichen Droschken, von den rasend gewordenen Pferden in vollem Carrière mit fortgerissen, die Straße hinauf und Leifeldt erkannte mit Entsetzen, wie der nächste Moment hier an dem engsten Paß des ganzen Weges, das Kind unter den Hufen der wild aushauenden Renner zerschmettern müsse. Ehe auch nur Jemand im Stande gewesen wäre, hinauszuspringen, das Kind der Gefahr zu entreißen, brausten die wüthenden Thiere heran, und ein allgemeiner Schrei des Entsetzens rang sich schon aus der Brust der zitternden Zuschauer, die wirklich ganz die eigene Gefahr in dem gewiß vorauszusehenden Untergang des Kindes vergaßen, als sich Don Gaspar, ohne Laut, ohne Ruf, die Gefahr nicht kennend, der er sich aussetzte, oder sie total verachtend, von dem Trottoir hinüber und schräg an gegen den Kopf des Sattelpferdes warf, daß dieses im Ansprung hoch auffuhr und nach ihm niederhieb. Hatte aber das andere Pferd den ausgestreckten linken Arm des Anspringenden gesehen, oder fühlte es den plötzlichen Druck des gegengeworfenen Gewichts, aber es fuhr rechts hinüber, und während Don Gaspar den Zügel des Thieres in der Aufregung des Moments viel zu fest ergriffen hatte, so rasch wieder loslassen zu können, rissen ihn die wüthenden Thiere mit über die niedere hölzerne Barrière hinüber, die vor ihrem Anprall zusammenbrach, der Wagen schmetterte und bröckelte hinterdrein, und während das wüthende Gespann über die rauhen, hier aufgeworfenen Steinmassen setzte, und vergebens versuchte, das zwischen den Steinen hängenbleibende Vordertheil des zerstückelten Wagens rasch genug herumzubringen, dem jetzt so unverhofft vor ihnen ausdehnenden Wasser zu entgehen, in das sie gleich darauf mehr hinein stürzten, als sprangen, sank auch Don Gaspar, blutend und ohnmächtig auf dem Damme nieder, — aber das Kind war gerettet.
So rasch war aber das Ganze, hier eben Beschriebene geschehen, so plötzlich hatte das Einspringen des jungen Mannes die Tod drohenden Thiere zur Seite geworfen, daß die Gefahr schon längst vorüber war, als noch die Zuschauer starr und ängstlich nach dem jetzt selbst erschreckten Kind hinüber schauten, und erst als Leifeldt zusprang, den Knaben aufgriff und seiner jungen Schützerin brachte, erst als diese, neben der Mutter auf die Knie fiel, und den geretteten Liebling mit einem heißen Dankgebet an das Herz schloß, da erst war es, als ob sich der Zauber löse, der wie ein entsetzlicher Bann auf der Menge gelegen, und ein förmlicher Jubelschrei dankte der kühnen That.
Während einzelne der Männer jetzt hinüber sprangen, den Verwundeten aufzuheben, zu dem sich Leifeldt ebenfalls wenden wollte, wurde er durch einen Ausruf der Angst, von der Jungfrau Lippen aufgehalten, und hatte eben noch Zeit zuzuspringen, und mit dieser die alte Dame aufzufangen und vor schwerem Fall zu bewahren, die, starr vor Schreck, als sie die Gefahr des Enkels bemerkte, jetzt, als die furchtbare Erregung des ersten Augenblicks vorüber war, bewußtlos zusammenbrach.
Der junge Arzt hob die Ohnmächtige leicht auf seinen Arm, stand aber einen Augenblick wirklich unschlüssig da, denn wie konnte er den Freund hier, blutend und ohnmächtig zurücklassen, und was indessen mit der alten Dame anfangen? —
»Dort hinauf!« flüsterte da die leise, bittende Stimme des Mädchens, »nur wenige Häuser von hier entfernt wohnen wir, und Ihr Freund, unser Schutzengel, kann dort Pflege und Beistand finden.«
»Gott sei Dank,« sagte Leifeldt wirklich aus tiefstem Herzen, und den
Peons11, die den Ohnmächtigen aufgehoben hatten und über die Straße trugen, zurufend, ihm rasch damit zu folgen, eilte er, so schnell es seine Last erlaubte, dem bezeichneten und gar nicht fernen Hause zu.