Die Könige der Elben, Zweiter Band der Elben-Trilogie
»Ihr müsst die besondere Magie, die sie…
Dieses Kapitel ist lang und deshalb in 4 Teile geteilt.
Der Riesenvogel machte eine ruckartige Bewegung, als Keandir ihn geistig berührte. Ein markerschütterndes Kreischen drang aus dem offenen Schnabel, den er so weit aufriss, dass der Elbenherrscher erstaunt darüber war, dass sich das Tier dabei nicht das Kiefergelenk ausrenkte.
Für Augenblicke war nicht klar, ob der Vogel angreifen oder flüchten würde. Schließlich aber setzte sich das Tier in Bewegung und lief in heller Panik davon, und die anderen folgten ihm.
Keandir atmete tief durch und wandte sich an Thamandor.
»So konnten wir zumindest einen Schuss aus Eurer außergewöhnlichen Waffe sparen, werter Waffenmeister.«
Aber Thamandor starrte den König nur entsetzt an. »Eure Augen!«, murmelte er. »Sie sind vollkommen schwarz!«
»So wie damals auf Naranduin!«, sagte Siranodir mit den zwei Schwertern, der es ebenfalls sah.
Keandir spürte es auf einmal auch, dass sich die Finsternis in ihm offenbar entfaltet hatte. Wahrscheinlich war der Auslöser dafür die Kraftanstrengung, die er für den Versuch aufgebracht hatte, den Geist des Riesenvogels zu beeinflussen.
»Das geht vorüber«, sagte er.
»Was immer dieses Dunkle auch sein mag«, meinte Thamandor sichtlich irritiert, »es könnte der Grund dafür sein, dass Euer Geist offenbar Zugang zu dieser Kreatur aus der Vorzeit des Zwischenlandes fand, während ich mich vergeblich darum bemühte, einen der anderen Vögel zu beeinflussen.«
»Aber Euer Vogel ist doch ebenfalls davongerannt«, versuchte Keandir sein Gegenüber zu beruhigen.
»Mein Vogel, wie Ihr Euch auszudrücken beliebt, ist den anderen einfach nur nachgelaufen«, widersprach Thamandor.
Er zuckte mit den Schultern. »Aber Ihr wisst, wie unbegabt ich bin. Durchaus auch möglich, dass dies der Grund war für meinen Misserfolg.«
Inzwischen war die Schwärze aus Keandirs Augen verschwunden, aber noch immer bedachten ihn einige seiner Gefolgsleute mit irritierten Blicken, insbesondere jene Elben, die ihren König noch nie in diesem Zustand gesehen hatten.
»Was auch immer für eine Kraft in Euch sein mag, sie war uns von großem Nutzen, und wir sollten froh sein, dass Ihr über sie verfügt«, erklärte Damaxos, bevor das Elbenheer seinen Weg fortsetzte.
Während des weiteren Weges ließen sich Thamandor und Siranodir etwas zurückfallen. Die beiden seegeborenen Elben wollten sich miteinander besprechen, ohne dass ihr König dies mitbekam. Sie hatten zu jener Schar von fünfzig Elben gehört, die Zeuge des Kampfes zwischen König Keandir und dem Feuerbringer auf der Insel Naranduin gewesen waren. Damals hatten sich Keandirs Augen mit Finsternis gefüllt und die dunkle Magie des Augenlosen Sehers von ihrem König Besitz ergriffen.
»Ihr habt des Königs Augen gesehen, werter Siranodir«, raunte Thamandor.
»In der Tat. Lediglich mein Gehör wurde in Mitleidenschaft gezogen, nicht meine Augen.«
»Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass die dunkle Kraft, die seinerzeit in unseren König fuhr, in dem Moment verging, als Prinz Sandrilas den Augenlosen Seher tötete.«
»Das war offenbar ein Irrtum, werter Thamandor.«
»Es macht ganz den Anschein. Und ehrlich gesagt, mir schauderte bei diesem Anblick.« Thamandor atmete tief durch.
»Ich brachte ja seinerzeit die Zauberstäbe des Sehers von Naranduin mit, in der Hoffnung, die Geheimnisse ihrer Magie erkunden zu können, was leider aufgrund meines mangelhaften magischen Talents nicht gelang. Aber wer weiß, was König Keandir später mit diesen Stäben anstellte, nachdem er sie in sein Verlies einschloss und niemandem mehr Zugang zu diesen Artefakten gewährte. Außerdem soll zumindest einer seiner Söhne eine düstere Affinität zu ihnen entwickelt habe, wie man am Hofe so munkelt.«
»Ihr glaubt, der König hat die magischen Kräfte der Stäbe geweckt?«
»Habt Ihr eine andere Erklärung, werter Siranodir? Das würde auch erklären, weshalb er so außerordentlich bestürzt war, dass sie ihm gestohlen wurden.«
»So könnte sich Keandir der dunklen Magie des Augenlosen bedient haben, als er die Riesenvögel davonjagte«, murmelte Siranodir. Er seufzte. »Was sollen wir davon halten? Ich kann nicht behaupten, dass mir dieser Gedanke behagt.«
»Ganz gleich, ob Euch dieser Gedanke nun behagen mag oder nicht – König Keandir hat diese Kraft, die in ihm wohnt, in der Vergangenheit immer zum Guten genutzt«, gab Thamandor zu bedenken.
»Das ist wahr«, stimmte Siranodir zu.
»Ich bitte Euch, sprecht etwas gedämpfter«, sagte Thamandor. »Ihr habt Probleme mit Eurem Gehör, deshalb sprecht Ihr lauter als nötig.«
In gedämpfterem Tonfall sagte Siranodir: »Die Sache mit dem König beunruhigt mich. Ich kann nichts dafür, es ist einfach so.«
»Aber vielleicht seid Ihr umsonst beunruhigt, werter Siranodir.«
»Wollt Ihr etwa abstreiten, dass Ihr irritiert wart?«
»Irritiert war ich auch über die Wirkung des Pulvers, das ich aus dem Stein des magischen Feuers gewann und das entscheidenden Anteil an der Wirkungsweise des Flammenspeers hat«, erwiderte Thamandor. »Aber das bedeutet nicht, dass ich die Kraft, die in diesem Pulver steckt, nicht anwenden würde.«
Siranodir lächelte. »In dieser Hinsicht seid Ihr berüchtigt.
Man könnte auch sagen: skrupellos! Ihr würdet wahrscheinlich sogar die Kraft der dunkelsten Magie anzapfen, wenn Ihr die Möglichkeit hättet und Euch davon Nutzen versprecht.«
»Gibt es so etwas wie eine gute und eine böse Kraft, Siranodir?« Thamandor schüttelte den Kopf. »Ich glaube nicht.
Ich denke, es kommt immer darauf an, wozu diese Kraft genutzt wird – und in dieser Hinsicht können wir uns über Keandir nicht beklagen.«
»Mag sein. Aber gebt es zu, Thamandor: Auch Ihr fragt Euch, ob diese Macht, die damals in Keandir floss, ihn vielleicht noch immer beherrscht. Oder ob sie vielleicht immer schon in ihm war und in jenem Augenblick nur geweckt wurde. Eine Kraft, die vielleicht in uns allen steckt und die wir fürchten sollten.«
»Ich fürchte eine solche Kraft nicht, werter Siranodir. Bei mir verwandelt sich Furcht stets in Neugier – denn jede Kraft, jedes Phänomen lässt sich erforschen, und wenn man über seine Natur Bescheid weiß, lässt es sich kontrollieren.«
Keandir spürte indessen die Scheu, mit der ihm alle begegneten, die seine schwarzen Augen gesehen hatten. Und unter denjenigen, die sie nicht gesehen hatten, verbreitete sich die Kunde davon wie ein Lauffeuer.
Doch es sprach den König niemand darauf an. Keandir glaubte eine Mischung aus Schauder und Bewunderung bei den meisten zu spüren. Bewunderung dafür, dass er den Riesenvogel geistig bezwungen hatte, aber gleichzeitig ein Schauder vor dem, was in ihm war. Aber sie folgten ihm weiterhin.
Der Nebel löste sich schließlich mehr und mehr auf. Das Elbenheer gelangte in ein Gebiet, das von sanften Erhebungen und Hügeln gekennzeichnet wurde. Immer wieder musste man auf Flügelschlangen achten, die sich in keiner Weise geistig oder magisch beeinflussen ließen. Woran das lag, dafür hatte selbst Kriegsheiler Eónatorn keine Erklärung. Vielleicht waren diese Geschöpfe einfach zu alt, als dass sie auf irgendeine Form von jüngerer Magie, wie sie unter Elben normalerweise gebräuchlich war, reagierten. Das Beste war, ihnen einfach auszuweichen.
Zwischen und auf den Hügeln gab es größere Kolonien riesiger Schachtelhalme. Sie erreichten die Größe von Bäumen. Über moorigen Tümpeln flirrten eigenartige Insekten, von denen manche erschreckende Ausmaße hatten. Libellen von einer Flügelspannweite, die einem elbischen Unterarm entsprach, tanzten über den Wasserflächen in der Luft.
Fleischfressende Pflanzen warteten nur darauf, dass irgendwelches Getier in den Radius ihrer Maulkelche geriet.
Hin und wieder schnellte einer dieser Maulkelche hervor und schnappte nach einem Insekt oder einem bibergroßen Kriechtier. Manchmal tauchten sie aus dem Wasser auf oder schnellten zwischen dem Uferschilf hervor. Anschließend folgten dann meist so unappetitliche Schmatz- und Verdauungsgeräusche, dass einem Elben davon schlecht werden konnte. Selbst Siranodir, der gar nicht die volle akustische Bandbreite dieser Geräusche mitbekam, die durch die Nahrungsverwertung dieser Pflanzen entstanden, hatte Mühe, die Fassung zu bewahren.
Die Zentauren hingegen schienen davon unberührt, mit Ausnahme Sokranos’, der ein ähnlich verstörtes Gesicht machte wie viele der Elbenkrieger.
»Ihr scheint Euch durch die lange Zeit, die Ihr schon unter Elben lebt, von den Vorgängen in der Natur entfernt zu haben«, stellte Häuptling Damaxos fest.
»Im Zentaurenwald habe ich nie solche grässlichen Laute gehört«, verteidigte sich sein Botschafter. »Die gehen einem durch und durch und lassen es einem unmöglich erscheinen, innerhalb der nächsten Woche auch nur irgendetwas an Nahrung zu sich zu nehmen.«
»Ich will offen zu Euch sprechen: Ihr redet vollkommenen Unsinn«, meinte Damaxos. »Eure Worte zeigen mir, wie sehr es notwendig ist, dass Ihr in den Wald zurückkehrt, in dem schon die ersten der Söhne Axanos’ lebten.«
Sokranos entgegnete nichts darauf. Offenbar wollte er den zweifellos noch anstehenden Konflikt mit seinem Häuptling erst einmal verschieben. Aber man brauchte kein besonderer Kenner zentaurischer Mimik und Körpersprache zu sein, um zu erkennen, dass er wahrscheinlich in seinem ganzen Leben nicht mehr zu seinem Stamm zurückkehren wollte, um unter den Söhnen Axanos’ ein konventionelles, also sehr naturverbundenes Zentaurenleben zu führen; dazu war es wohl einfach zu spät.
Als das Heer eine Hügelkette überwunden hatte, erblickten die Vordersten in der Ferne Dutzende von Hütten. Da das Land bis dorthin ausgesprochen flach war, konnte man sie schon von Weitem sehen. Sie waren aus Flechtwerk errichtet.
»Ein Trork-Lager«, erkannte Häuptling Damaxos. »Sie errichten solche Hütten, wenn sie irgendwo länger bleiben.
Selbst wenn sie in unser Waldreich eindrangen, taten sie das.
Wenn sie dann weiterziehen, lassen sie die Hütten einfach so stehen und nehmen auch sonst nichts mit. Da sie keinerlei Transportmittel abgesehen von ihren eigenen Rücken kennen, sind sie dazu gezwungen.«
»Seht ihr die schwarzen Vögel, die über dem Lager kreisen?«, fragte Keandir.
Ja, auch die Zentauren sahen sie. Es waren krähenähnliche Tiere, doch sie hatten eine Flügelspannweite von fast zwei Metern. Sie zogen immer engere Kreise, und manchmal stieß einer hinab zum Boden, um sich dort irgendetwas zu schnappen, einen guten Bissen vermutlich.
»Aber ich sehe keinen Rauch«, sagte Damaxos. »Die Lagerfeuer sind alle erloschen. Das ist merkwürdig.«
»Und auch kein Trork ist zu sehen«, stellte Mirgamir fest.
»Irgendetwas scheint dort nicht zu stimmen!«
Als Keandir und sein Heer das Trork-Lager erreichten, bot sich ihnen ein Bild des Grauens. Die Leichen von gut hundert teilweise grausam zerstückelten Trorks lagen zwischen den Hütten verstreut. Die toten Körper wirkten wie zerschnitten; häufig waren Arme und Beine abgetrennt, bei manchen war aber auch der Torso senkrecht oder waagerecht in zwei Hälften geteilt, und an den Wundrändern waren Brandspuren zu sehen.
»Darauf soll sich einer einen Reim machen«, grummelte Mirgamir kopfschüttelnd. Er stieg von seinem Pferd, und Keandir tat es ihm gleich. Auch er blickte sich um.
Unter den Toten befanden sich auch Gefangene, sowohl Elben als auch Rhagar. »Die Trorks haben sie offenbar noch sehr schnell und in Hast umgebracht, damit sie den Angreifern nicht in die Hände fallen«, meinte Adrasir, der Fährtensucher und Bogenschütze, der das Geschehen anhand der Spuren rekonstruieren konnte. »Sie wurden getötet, bevor der Angriff auf das Lager erfolgte.«
Herzog Isidorn beschaute sich jeden der getöteten Gefangenen und stellte zu seiner größten Erleichterung fest, dass sein Sohn nicht unter ihnen war. Auch Eónatorn der Kriegsheiler nahm die Gefangenen in Augenschein und bestätigte Adrasirs Worte. »Die Wunden, die sie aufweisen, wurden durch Trork-Waffen hervorgerufen, nicht durch die Brandwaffen, mit denen die Trorks niedergemetzelt wurden.«
Während er noch sprach, lenkte irgendetwas Keandir ab. Er blickte, einer plötzlichen Eingebung folgend, zum Horizont.
Auf einem der Hügel stand ein Reiter, der aussah, als würde er aus purem Licht bestehen; selbst gegen das mittlerweile sehr helle, fast gleißende Sonnenlicht hob er sich deutlich ab. Und in der Rechten hielt er etwas, das wie ein lichtumwobenes Schwert wirkte. Es erinnerte Keandir sofort an das Flammenschwert, mit dem Brass Elimbor die Gnomenkrieger des Axtherrschers bekämpft hatte.
»Eldran«, sagte Keandir laut und wies zu dem Hügel, auf dem er die Gestalt sah. Auch die anderen erblickten daraufhin den Lichtreiter. Sie erschauerten in halb ehrfürchtiger, halb befremdeter Stille, denn niemand von ihnen hätte den geistig verklärten Eldran jenes Maß an Grausamkeit zugetraut, mit dem in dem Trork-Lager gewütet worden war. Schon das kämpferische Eingreifen Brass Elimbors beim Raub der Zauberstäbe war mehr als erstaunlich gewesen, aber in den Legenden der Alten Zeit Athranors und vor allem der Vorzeit wurde häufig davon berichtet, dass einzelne Eldran von Lebenden zu Hilfe gerufen worden waren und diese verteidigt oder aus Gefangenschaft befreit hatten. Im Gegensatz dazu aber war Brass Elimbor aus eigenem Antrieb erschienen, und dass eine ganze Schar von Eldran in die Geschicke der diesseitigen Welt eingriff, wie es bei der Schlacht im Heiligen Wald der Zentauren geschehen war, dafür gab es kein Beispiel in der überlieferten elbischen Geschichte.
»Ich kann mir nicht vorstellen, dass nur ein einziger Eldran hier gekämpft hat«, äußerte Adrasir. »Hier sind viele Spuren von Pferden, und die Beschläge weisen eindeutig auf Elben hin.«
Der Eldran auf dem Hügel ritt auf einmal heran. Sein Pferd wirkte ebenso geisterhaft wie er selbst, und der Hufschlag, der dabei zu hören war, klang eigenartig und hallend, so als würde sich das Pferd nicht unter freiem Himmel bewegen, sondern unter einem großen Kuppeldach.
Keandir schwang sich wieder in den Sattel und ritt dem Eldran entgegen. Mirgamir und Siranodir folgten ihm. Als sie sich dem Lichtreiter bis auf gut zwanzig Elbenschritte genähert hatten, hielten sie ihre Pferde an, und der Eldran tat es ihnen gleich. Seine Gestalt war dermaßen von grellweißern Licht erhellt, dass man zunächst kaum Einzelheiten seiner Gestalt erkennen konnte. Keandir schirmte die Augen mit der Hand ab, um nicht geblendet zu werden.
Eine Stimme erhob sich. Sie klang wie aus weiter Ferne, und obwohl Keandir zu erkennen glaubte, dass es sich um Elbisch handelte, konnte er kein Wort verstehen.
»Es tut mir leid, aber ich verstehe Euch nicht!«, rief der Elbenkönig und überlegte, ob er sich dem Eldran noch weiter nähern sollte, aber eine innere Scheu vor dieser grellweißen Lichtgestalt hielt ihn zurück. Keandir war nahe genug, um spüren zu können, dass es kein warmes Licht wie das der Sonne war, das den Eldran umgab, sondern ein kaltes, eisiges Leuchten. Etwas, das an die Kälte von Gräbern erinnerte, wie sie in den Legenden beschrieben wurden. Denn in der Zeit vor der großen Seereise waren Feuer-und Seebestattung unter Elben die Ausnahme gewesen. Wenn ein Elb starb – zumeist durch Kampf oder Missgeschick –, so war sein Leichnam damals oft in eine Gruft gebettet worden, manchmal auch in ein tempelartiges Mausoleum, das den Lebenden die Verbindung zu dem Verklärten erleichtern und dem Toten einen fließenden Übergang nach Eldrana ermöglichen sollte.
Dieser Brauch war jedoch schon in Auflösung begriffen, bevor die Elben Athranor verließen, um Bathranor, die Gestade der Erfüllten Hoffnung, zu suchen. Und abgesehen von ein paar Exzentrikern hatte niemand in Elbiana versucht, diese alten Totenriten wieder aufleben zu lassen, die man nur noch aus Geschichten und Legenden kannte. Und in den Geschichten waren diese Grabstätten zu Orten des Schreckens geworden, Orte, an denen finstere Mächte ihr Unwesen trieben, um die Lebenden in die Verzweiflung zu führen und die Toten vom Weg der Verklärung abzubringen, sodass sie niemals Eldrana erreichten, sondern als Maladran in der Sphäre der Verblassenden Schatten ein erbärmliches Dasein führten und dem endgültigen Vergessen entgegendämmerten .
Keandirs Vater Eandorn hatte seinem Sohn in dessen Jugend viele dieser Geschichten erzählt, und der Elbenkönig erinnerte sich, wie er sich dabei gefürchtet hatte. Die gleiche Art von Furcht empfand er bei dieser kalt leuchtenden Gestalt, die sich auf seinen Ausruf hin noch etwas näherte. Aber eigenartigerweise klang die Stimme des Eldran dadurch keineswegs lauter, noch waren seine Worte besser zu verstehen. Dafür war er besser zu erkennen; das Licht schien ihn nicht mehr ganz so grell zu umwabern, sodass Keandir auch das Gesicht sehen konnte. Und er erkannte es wieder.
»Merandil!«, stieß er hervor.
Es bestand kein Zweifel, er hatte Merandil den Hornbläser vor sich, aus dem später der erste Herzog von Nuranien geworden und der in der Schlacht an der Aratanischen Mauer gefallen war.
Der Eldran sprach erneut, doch wieder waren seine Worte nicht zu verstehen.
Da griff Merandil zu seinem Horn, das er am Riemen unter der Schulter trug, und als der ehemalige Herzog von Nuranien es an die Lippen nahm, wirkte es auf einmal wie aus purem, grellem Licht. Ein Hornsignal ertönte. Es klang wie aus weiter Ferne, war aber doch eindeutig zu identifizieren.
»Es ist das Warnsignal!«, erkannte Mirgamir sofort.
Keandir nickte. »Fragt sich nur, wovor er uns warnen will.«
Die Eldran-Gestalt des Herzogs Merandil wurde auf einmal transparent, und die Intensität des Lichtflors, der ihn umgab oder vielleicht sogar seinen Geistkörper bildete, ließ nach. Für einen Moment waren seine unverständlichen Worte noch zu hören, dann sah man nur noch, wie sich seine Lippen bewegten.
Man konnte bereits durch ihn hindurchschauen, als ein Ruck seinen Astralleib durchfuhr. Er drehte sich im Sattel herum, so als befände sich hinter ihm jemand, der ihn gerufen hätte.
Jemand, den weder Keandir noch irgendein anderer Elb sehen konnten, von den Zentauren ganz abgesehen, die den Eldran einfach nur als Lichtschemen sahen, da ihre Augen und anderen Sinne nicht so fein waren wie die der Elben.
Merandil lenkte sein Pferd herum. Dass er auf Zaumzeug völlig verzichtete, zeigte, dass die spirituelle Verbindung zwischen Pferd und Reiter bei den Eldran offenbar noch viel enger war als bei lebenden Elben. Er preschte zurück, jenen Hügel hinauf, auf dem Keandir ihn vorhin erblickt hatte, doch noch ehe er auf dessen Kuppe anlangte, verblasste er völlig und war verschwunden.
»Ein eigenartiges Land ist dies, in dem offenbar ein Krieg tobt zwischen Trorks und zurückgekehrten Eldran«, murmelte Keandir, verwirrt und ergriffen zugleich.
»Es scheinen tatsächlich die Geister unserer Toten zu sein, die offenbar ganze Gruppen von Trorks dazu veranlasst haben, in den Norden zu ziehen, um sich dort ein neues Land zu erobern«, meinte Siranodir. »Ich frage mich, ob die Jenseitigen wissen, was sie da tun.«
»Und ob sie es tatsächlich aus freiem Willen tun!«, ergänzte Keandir. »Da bin ich mir durchaus nicht sicher.«
»Ihr meint, jemand könnte es geschafft haben, die Eldran in seinen Bann zu zwingen?« Siranodir runzelte die Stirn. »Das müsste ein ganz besonders mächtiger Magier sein, sodass man eigentlich nur annehmen könnte, dass es sich um einen Elben handelt. Niemand sonst hätte Zugang zu dem traditionellen Wissen darüber, wie man Verbindung zu anderen Sphären herstellt.«
»Bedenkt, dass der Axtherrscher, der zusammen mit seiner Gnomenbande die Zauberstäbe des Augenlosen Sehers aus Elbenhaven stahl, darüber durchaus sehr gut Bescheid wusste«, widersprach Keandir. »Ohne diese Fähigkeit hätte er es gar nicht geschafft, mit seinen Helfershelfern unbemerkt die Mauern Elbenhavens zu überwinden. Wahrscheinlich wäre er sogar schon an den Grenzen des Reichs aufgefallen und hätte sich ein paar unangenehme Fragen gefallen lassen müssen.«
»Aber ich glaube kaum, dass der Axtherrscher tatsächlich Zugang zu jener bestimmten Sphäre hat, die wir Eldrana nennen«, hielt Siranodir dem entgegen.
Keandir lenkte sein Pferd zu seinem Heer zurück und führte es mit einem geistigen Befehl zum Herzog von Nordbergen.
»Isidorn«, sagte der Elbenkönig, »wisst Ihr vielleicht, ob Elbengruppen von Nordbergen oder Meerland aus an der Küste des östlichen Ozeans entlang weiter gen Süden gelangten?«
»Darüber ist mir nichts bekannt. Und wenn es so sein sollte, so wäre dies gegen sowohl meinen Befehl als auch den Befehl meines Sohnes Asagorn geschehen«, versicherte Isidorn.
»Das heißt aber nicht, dass es unmöglich wäre?«
»Nordbergen und vor allem Meerland sind zu dünn besiedelt, als dass wir uns eine weitere Ausdehnung der nördlichen Herzogtümer erlauben könnten. Dieser Punkt war immer wieder ein Streitthema bei den Zusammenkünften des lokalen Adels und den Bürgerversammlungen der elbischen Städte in diesen Gebieten. Doch allen ist klar, dass eine solche Expansion niemals die Unterstützung der Herzöge oder gar die Eure finden würde.«
»Ich stelle Euch diese Fragen nicht, um Euch eines Versäumnisses zu bezichtigen, Herzog Isidorn«, erklärte Keandir. »Ich möchte einfach nur wissen, ob es eine Wahrscheinlichkeit dafür gibt. Denn das hier war Elbenzauber! Um das zu erkennen, braucht man kein Magier oder Schamane zu sein.«
Isidorn nickte. »Es gab durchaus immer wieder Elben, die mit der Entscheidung nicht einverstanden waren, sowohl in meinem Herzogtum als auch in dem meines Sohnes. Ich gebe zu, dass einige von ihnen verschwanden. Niemand in Nordbergen oder Meerland sah sie mehr, und es besteht natürlich der Verdacht, dass sie in die Gebiete südlich des Nor gezogen sind. Ob ihnen das in Hinblick auf die feindselige Natur gut bekommen ist, sei dahingestellt.«
»Waren Magier oder Schamanen darunter?«
»Brass Zerobastir und eine kleine Zahl von ihm fanatisch ergebenen Schamanen-Novizen«, gestand Isidorn ein.
»Brass Zerobastir?«, echote Keandir. »Der Name ist mir ein Begriff. Er ist ein Seegeborener und zog kurz nach unserer Ankunft im Zwischenland von Elbenhaven in das gerade gegründete Westgard, wo er zum örtlichen Brass wurde.«
Isidorn nickte. »Auf meinen Erkundungsfahrten in den Norden habe ich häufig in Westgard angelegt, als es noch ein ganz kleiner Ort war. Da war es nicht schwer, den Überblick zu behalten, wer dort lebte – und Zerobastir war tatsächlich der örtliche Brass. Viele Jahre später äußerte er dann während eines meiner Zwischenaufenthalte den Wunsch, dass ich ihn an Bord meines Schiffes mit nach Norden nehme. Das war kurz nach der Gründung des Herzogtums Nordbergen. Er wirkte anschließend eine gewisse Zeit lang als Orts-Brass zunächst in Berghaven und später in Turandir, bevor er schließlich, noch vor der offiziellen Gründung des Herzogtums Meerland, nach Meerhaven übersiedelte.«
»Ein ziemlich unsteter Charakter, wie mir scheint«, sagte Keandir.
Erneut nickte Isidorn. »Nicht einmal zwei Jahrhunderthälften ein und denselben Ort als seine Heimat zu betrachten, ist durchaus ungewöhnlich für uns Elben geworden – sieht man mal von der ersten Zeit nach der Ankunft im Zwischenland ab, als es noch darum ging, das neue Reich zu erobern und Ethranor zu erkunden.«
Ethranor – diesen anderen Namen hatten die Elben dem Zwischenland dereinst gegeben, um diesen Kontinent in eine Reihe mit der Alten Heimat Athranor und Bathranor, den Gestaden der Erfüllten Hoffnung, zu setzen. Doch er war in den letzten Jahrhunderthälften fast ein bisschen aus der Mode gekommen und im alltäglichen Sprachgebrauch rar geworden.
Vielleicht deshalb, weil man nicht ständig daran erinnert werden wollte, dass sich die große Traumvision eben auch im neuen Reich der Elben nur bedingt hatte verwirklichen lassen.
Vielleicht aber auch deshalb, weil dieses Reich für die Generation der Elbianiter eine Selbstverständlichkeit war, anders als für die Seegeborenen, für die die Entscheidung zwischen zwei Visionen ihr Leben in der einen oder anderen Weise geprägt hatte – die Entscheidung zwischen Ethranor und Bathranor, die Entscheidung, ob man bei König Keandir blieb oder dem konservativen Fürst Bolandor auf eine ungewisse Seereise mit noch ungewisserem Ziel zu folgen bereit war.
Keandir hörte gedankenverloren den weiteren Ausführungen Isidorns zu. »Mein Sohn konnte nicht verhindern, dass Zerobastir schließlich illegalerweise nach Süden zog. Das letzte Mal will ihn ein Elfenbeinjäger bei den meerländischen Anfurten an der Mannus-Bucht gesehen haben, wie er gerade damit beschäftigt war, sich mit reichlich wenig Holz eine Barkasse zu bauen.«
»Wenn er Reboldirs Zauber anwandte, brauchte er auch nicht unbedingt viel Holz dafür«, gab Keandir zu bedenken.
»Jedenfalls war Zerobastir nicht mehr dort, als der Elfenbeinjäger mit seinem Boot vom Inselgang der Riesenmammuts mit reicher Beute zurückkehrte. Das war zwei Jahre später.«
Keandir, den in Elbenhaven regelmäßig Berichte aus den äußeren Herzogtümern erreichten, hatte vom Inselgang der Riesenmammuts gehört, der für die Elfenbeinjäger Meerlands und Nordbergens eine einzigartige Gelegenheit war, Beute zu machen. Die mehr als fünf Mannlängen großen Riesenmammuts des Wilderlandes machten sich in unregelmäßigen und von niemandem zu durchschauenden Abständen nach Norden auf und folgten einem inneren Drang bis zur Küste an der Mannus-Bucht. Den Albinos unter den Riesenmammuts verdankte die Bucht ihren Namen, denn
»Mannus« war die elbische Bezeichnung für diese äußerst seltenen Tiere; nur beim Zusammentreffen von Tausenden dieser Giganten bestand die Möglichkeit, eines von ihnen zu Gesicht zu bekommen. In den Nördlichen Herzogtümern glaubte man, das Elfenbein eines Mannus habe magische Eigenschaften, und daher war es sehr begehrt, auch wenn die maßgeblichen Vertreter der Magiergilden Elbianas, Elbaras und Nuraniens dem widersprachen und es einen dummen Volksglauben nannten.
Was die Riesenmammuts dazu trieb, sich im Abstand mehrerer Jahre an der Küste der Bucht zusammenzufinden und durch das Wasser bis zur legendären Mannus-Insel zu waten, konnten nicht einmal die Elben erklären. Die Riesenmammuts blieben für Monate auf der geheimnisvollen Insel, danach kehrten sie auf demselben Weg, den sie gekommen waren, zurück. Das Wasser war niemals zu tief, als dass sie nicht wenigstens ihren Rüssel in die Luft zu halten vermochten.
Einige wenige Riesenmammuts – und zwar vorzugsweise die weißen Mannus sowie graue Halb-Mannus-Mischlinge –
wandten sich nach ihrem Aufenthalt auf der Insel allerdings nicht wieder Richtung Süden, sondern irrten irgendeinem geheimen inneren Ruf folgend Richtung Norden. Allerdings waren die Gewässer auf der nördlichen Seite der Mannus-Bucht sehr viel tiefer, sodass Einzelne von ihnen immer wieder jämmerlich ertranken. Das war dann stets die Stunde der Elfenbeinjäger aus Meerland, welche die im Wasser treibenden Kadaver der ertrunkenen Riesen mit ihren Booten an Land zogen.
Die Warnung des Eldran Merandil nahmen Keandir und seine Truppen sehr ernst. Immer wieder sandte der Elbenkönig Kundschafter aus, die die Umgebung erkunden sollten. Aber abgesehen von den üblichen Gefahren des Wilderlands bemerkten sie nichts, was zur Sorge Anlass gegeben hätte.
Gegen Abend erreichte das Heer der Elben ein weiteres zerstörtes Trork-Lager. Es befand sich an einem Bach und war noch nicht einmal zur Gänze errichtet gewesen, als der Überfall erfolgte. Erneut wiesen die Wunden der getöteten Trorks Verbrennungen auf.
»Als bestünden die Waffen der Eldran aus Feuer«, murmelte Keandir und dachte dabei an seine Begegnung mit Brass Elimbor, als dieser mit seinem Flammenschwert die Gnome des Axtherrschers niedergestreckt hatte. »Ein kaltes Feuer, das durch das Fleisch der Barbaren schneidet…«
»Und sie in unser Land getrieben hat«, ergänzte Herzog Isidorn. »Wenn tatsächlich Brass Zerobastir dahintersteckt, so will mir nicht in den Kopf, wie ein Elb – und noch dazu ein Schamane – dermaßen rücksichtslos handeln kann, dass er das Schicksal seiner Mit-Elben nicht bedenkt!«
»Diese Rücksichtslosigkeit lassen sie vor allem gegen die Trorks walten«, erwiderte Keandir gedankenverloren.
»Ihr bedauert diese Kreaturen doch nicht auch noch, mein König!«, sagte Thamandor verwundert. »Wenn ich daran denke, was sie mit dem Heer von Prinz Asagorn getan haben, dann erstirbt jedes Mitgefühl in mir!«
Keandir hatte eine scharfe Erwiderung auf der Zunge, doch als er sich Thamandor zuwandte, sah er Isidorn neben dem Waffenmeister stehen, und es war nur allzu deutlich zu erkennen, dass sich bei der Erwähnung seines Sohnes das Herz des Herzogs schmerzhaft zusammengezogen hatte. Er verging nahezu aus Sorge um Asagorn. Keandir zog es vor, kein Wort mehr zu diesem Thema zu sagen, und warf Thamandor stattdessen nur einen zornigen Blick zu. Der schaute zur Seite und schwieg ebenfalls.
Eigentlich wäre es für die Elben an der Zeit gewesen, selbst ein Lager aufzuschlagen, aber an diesem Ort des Grauens oder in seiner Nähe wollten vor allem die Zentauren nicht nächtigen; Häuptling Damaxos befürchtete, dass überlebende Trorks möglicherweise zurückkehren würden, um sich zu rächen. »An Euren Eldran-Geistern, wie immer die auch in dieses Land und in diese Sphäre gelangt sein mögen, können sie diese Rache nicht vollziehen, also werden sie sich an Euch halten. Und was uns angeht, so hassen und bekämpfen die Trorks uns schon seit Jahrtausenden!«
Adrasir der Fährtensucher und Bogenschütze hingegen warnte davor, den Weg bei Dunkelheit fortzusetzen, da man die wilderländische Fauna und Flora zu schlecht kannte, aber Keandir gab schließlich dem Drängen der Zentauren nach.
Der Zug überquerte den Bach. Die Elben mit ihrem feinen Gehör achteten inzwischen genau auf das Rascheln der Flügelschlangen im Gras, sodass die Gefahr, die von diesen giftigen Kriechtieren ausging, deutlich reduziert war.
Bis Mitternacht ging es weiter. Bis dahin stand der Mond hell am Himmel, dann schoben sich dunkle Wolken am Himmel zusammen, und es wurde so finster, dass sich selbst die Elben nur noch mit Mühe orientieren konnten. Also wurde bei einer Gruppe uralter knorriger Bäume haltgemacht, und Lagerfeuer wurden entzündet in der Hoffnung, dass die Flammen zumindest den Großteil der wilderländischen Nachträuber auf Abstand halten würden. Für die Flügelschlangen schien das tatsächlich zu gelten, doch ganz in der Nähe hörte man immer wieder die Schreie von Riesenvögeln.
»Ein paar Zentauren, die es schafften, aus dem Wilderland zurückzukehren, behaupten, dass die Vögel nachtblind seien«, erzählte Häuptling Damaxos. »Möglich, dass sie nur am Tag eine Gefahr sind.«
»Nicht solange man sie geistig im Griff hat, so wie es unser König kann«, erwiderte Thamandor.
Der Zentaurenhäuptling lachte daraufhin dröhnend. »Lasst diese Tiere nur mal in Panik geraten, was leicht geschehen kann, dann möchte ich denjenigen sehen, der auch nur noch eine dieser Kreaturen geistig kontrollieren kann!« Damaxos wurde wieder ernst und schaute dem Waffenmeister direkt ins Gesicht. »So erstaunlich manche Fähigkeiten Eures Volkes auch sein mögen, Ihr solltet sie nicht überschätzen.«
»Meine Fähigkeiten beschränken sich im Wesentlichen auf handwerkliche Bereiche«, erwiderte der Waffenmeister und Erfinder. »Und es ist kaum Magie in mir oder Zauberkraft, die ich überschätzen könnte.«
Keandir bekam von alledem kaum etwas mit und lauschte stattdessen angestrengt den Geräuschen des Wilderlands. Ganz weit in der Ferne waren Schritte zu hören, die so gewaltig waren, dass sie nur von den Riesenmammuts stammen konnten. Der Wind frischte auf und bog die Riesenschachtelhalme, und ein Chor von Lauten drang aus der Dunkelheit. Keandir lauschte besonders nach Geräuschen, die sich mit den Trorks in Verbindung bringen ließen, aber auch nach dem so seltsam hallenden Hufschlag eines Eldran-Reiters.
Beides vermochte er in dieser Nacht nicht wahrzunehmen.
Doch da war etwas anderes. Schritte, so leichtfüßig, dass selbst die Schritte eines Elbenkindes dagegen schwerfällig und plump wirkten. Bewegungen, die so geschmeidig und lautlos waren, dass man kaum erahnen konnte, dass da irgendwo zwischen den Büschen und Schachtelhalmen überhaupt etwas war.
Jemand war, korrigierte sich Keandir in Gedanken. Er erhob sich von seinem Platz am Feuer. Die anderen sahen ihm nach und steckten daraufhin die Köpfe zusammen.
Keandir wandte sich an den Fährtensucher Adrasir, der während seiner Zeit in Lirandils Schule eine ganz besondere Übung des Gehörs erfahren hatte, sodass er insbesondere Geräusche in freier Natur noch weitaus besser zu interpretieren vermochte als die meisten anderen Elben.
Keandir brauchte nicht ein einziges Wort zu sagen, denn Adrasir schien zu wissen, weshalb der Elbenherrscher ihn aufsuchte. »Ihr habt es auch gehört, mein König. Und das, ohne je in Lirandils Schule gewesen zu sein.« Die Worte Adrasirs waren eine Feststellung, keine Frage. »Euer Gehör ist zweifellos von hoher Schärfe!«
»Was ist es?«
»Ich weiß es nicht. Aber eins steht fest: Wenn wir Alarm schlagen, ist dieser heimliche Bobachter weg, noch bevor wir aufspringen können, um ihn zu fangen. Zumal die Dunkelheit ihn schützt.«
»Ist er gefährlich?«
»Ich gehe davon aus, dass er bewaffnet ist.«
»Was will er?«
»So vorsichtig, wie er sich verhält, hat er sehr große Angst.
Er versteckt sich, wagt sich nicht hervor, sondern beobachtet uns aus dem Verborgenen.«
»Aus welchem Grund? Um uns auszukundschaften?«
Adrasir zuckte mit den Schultern. »Das ist gut möglich. Aber ich wüsste nicht für wen. Es gibt niemanden im weiten Umkreis, der ihm gleicht. Er gehört nicht zu den Trorks, und er ist ganz gewiss auch kein Eldran.« Adrasir grinste. »Vielleicht ist er nicht einmal ein ›Er‹, wer weiß das schon?«
»Ich möchte wissen, wer uns da beobachtet!«
»Ich werde nach und nach ein paar Krieger Eurer Leibwache auf diesen Beobachter aufmerksam machen«, schlug Adrasir in sehr gedämpftem Tonfall vor. »Sie werden sich dem von mir vermuteten Aufenthaltsort des Beobachters möglichst unauffällig nähern und dann blitzschnell zuschlagen.«
»Gut«, sagte Keandir.
6
KRIEG BEI DEN RHAGAR
Über Wochen hinweg trafen immer wieder Kriegsschiffe in Elbenhaven ein; Magolas hatte dem Drängen von Prinz Sandrilas nachgegeben und Elben von überall herbeirufen lassen. Aus Nordhaven, Siranee oder Miragond kamen sie die elbianitische Küste entlanggesegelt, um sich in Elbenhaven zu sammeln. Gleichzeitig setzten sich in Nieder-Elbiana Truppen in Bewegung und überschritten bei Minasar die Brücke über den Nur, wo sie sich nach und nach mit Kriegern aus Nuranien und Elbara vereinten. Ihr vorläufiges Ziel war Candor, die Residenz von Herzog Branagorn. Boten wurden in die südlichen Reichsteile geschickt um alles für den Feldzug in Aratan vorzubereiten.
Eine immer größer werdende Flotte sammelte sich indessen im Hafen von Elbenhaven, und Magolas war inzwischen Feuer und Flamme für die Idee, das Königreich, in dem er seine geliebte Larana wusste, vor der Bedrohung durch die Südwestländischen zu befreien. Eine letztendliche Entscheidung stand aber noch aus.
Magolas traf sich mit Prinz Sandrilas im Hauptsaal des Palas der Burg Elbenhaven und erklärte: »Ich möchte Euch davon in Kenntnis setzen, dass ich persönlich den Oberbefehl über die Truppen übernehmen werde, die Aratan retten sollen. Ihr werdet hingegen hier in Elbenhaven bleiben und dafür sorgen, dass die Reichsgeschäfte weitergeführt werden, bis mein Vater aus den nördlichen Herzogtümern zurückkehrt.«
Sandrilas’ Gesicht blieb regungslos. Etwas in der Art hatte er wohl schon vermutet. »Ich kann nicht sagen, dass mich Euer Entschluss freut, werter Magolas.«
»Ihr drängtet mich bisher immerzu, mich als Thronfolger würdig zu erweisen. Dies tue ich damit.«
»Wenn Ihr Euch der damit verbundenen Verantwortung bewusst wärt, würdet Ihr hier in Elbenhaven bleiben. In Sicherheit! Was ist, wenn Euch etwas in Aratan zustößt und Euer Vater vielleicht von seinem Feldzug nicht lebend zurückkehrt?«
»Dann würde dies Eurer Linie unserer Familie unerwarteterweise den Thron bescheren, Prinz Sandrilas, und Ihr kämt in die Verlegenheit, Euch doch noch eine feste Gefährtin suchen zu müssen, und das, obwohl Ihr doch allzu feste Bande in dieser Hinsicht für Euch ablehnt, wie man weiß.«
Sandrilas’ einziges Auge unterzog Magolas einer eisigen Musterung. »Was wisst Ihr schon über mich, Magolas!«
»Oh, vieles. Denn in mancher Hinsicht sind wir uns recht ähnlich, Prinz Sandrilas. Aber ich will nicht mit Euch streiten.
Mein Entschluss steht fest – und da ich Euch in allem anderen gefolgt bin, werdet Ihr mir wohl in dieser Frage die Entscheidungsgewalt nicht absprechen wollen.«
Sandrilas atmete tief durch. »Ihr kommt ganz nach Eurem Großvater Eandorn«, sagte er mit düsterer Miene. »Der war auch ein Schürzenjäger, bis ihn der Lebensüberdruss schließlich ereilte. Er hätte für das Lächeln einer Schönen bedenkenlos sein Königtum verraten. Das und die gesamte Elbenheit. So wie Ihr es jetzt auch tut! Denn Ihr müsst es zugeben, der wahre Grund dafür, dass Ihr so schnell wie möglich nach Aratan wollt, ist diese Rhagar-Hexe.«
»Prinz Sandrilas, jetzt vergreift Ihr Euch im Wort und im Ton!«, entgegnete Magolas sehr bestimmt und auf eine Art, die klarmachte, dass er sich eine weitere Bevormundung durch Sandrilas nicht gefallen lassen würde.
Der einäugige Elb stutzte. Mit einer derart harschen Erwiderung hatte er nicht gerechnet.
Magolas’ Augen wurden schmal und fixierten sein Gegenüber genau. Jede auch noch so kleine Regung im Gesicht des Einäugigen registrierte er und zog seine Schlüsse daraus. Er trat selbstbewusst auf Sandrilas zu. Seit frühester Jugend war der ihm ein großväterlicher Freund und Mentor gewesen. So wie er diese Rolle schon bei Keandir und dessen Vater Eandorn ausgefüllt hatte. Sandrilas war jemand, der sich stets damit begnügt hatte, in der zweiten Reihe zu stehen, doch hatte er aus dem Hintergrund heraus die Fäden gezogen. Unter Eandorn hatte er es leicht gehabt, unter Keandir nicht minder, denn er hatte diesen von Anfang an in seinem Sinne beeinflussen können. Aber Magolas wollte diese Tradition nicht fortsetzen. Er weigerte sich einfach, nur Marionette zu sein.
»Diese Rhagar-Frau…«, wollte Sandrilas erklären.
»Sie ist nicht gut für mich? Wollt Ihr das sagen, Sandrilas?«
»Eure Mutter ist derselben Meinung. Und wenigstens ihre Ansicht solltet Ihr respektieren, wenn Ihr auch die meinige ablehnt und stattdessen annehmt, ich wollte Euch Übles.«
Gegen diese Anschuldigung verwahrte sich Magolas. »Nein, Letzteres habe ich nie behauptet. Und außerdem – eine Verbindung zwischen Prinzessin Larana und mir könnte unser Bündnis mit den nördlichen Rhagar stabilisieren!«
»Ich habe mich bei einem Heiler kundig gemacht«, fuhr Sandrilas unbeirrt fort. »Seiner Meinung nach ist durchaus ungewiss, ob Elben und Menschen überhaupt gemeinsamen Nachwuchs zeugen können. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass Ihr tatsächlich das Ende der Dynastie einläuten wollt, die mit Elbanador dem Ruhmreichen in der Alten Zeit von Athranor begann!«
Magolas lachte heiser auf. »Dass ein beinahe unsterblicher König eigentlich weder Nachfolger noch eine Dynastie braucht, habe ich in den vergangenen Jahrhunderthälften bitter erfahren müssen. Es ist doch noch nicht einmal geklärt, wer nach König Keandir den Thron besteigen wird, warum sollte ich mir da Gedanken machen, mit welcher Frau ich wie viele Kinder in die Welt setze!«
»Pass auf dich auf, Magolas«, sagte Ruwen zum Abschied zu ihrem Sohn.
»Hat sich Euer Traum… wiederholt?« Magolas hatte sich fest vorgenommen, diese Frage nicht zu stellen, aber er tat es dennoch.
Sie schaute ihn aus großen Augen an und hob leicht die Brauen, was ihrem elfenbeinfarbenen Gesicht einen gleichermaßen interessierten wie überraschten Ausdruck gab.
»Das hat er, Magolas.«
»Ich prophezeie Euch, dass sich Euer Traum genauso wenig erfüllen wird wie jene übergroßen Hoffnungen, die Ihr und die ganze Elbenheit einst an die Geburt von Andir und mir knüpftet. Das alles hat sich als trügerisch erwiesen.« Er zuckte mit den Schultern. »Die Tatsache, dass Zwillinge unter Elben so selten sind, heißt nicht, dass man ihnen auch besondere Bedeutung zumessen sollte. Vielleicht war das bereits ein schwerer, nicht wiedergutzumachender Fehler.«
»Es tut mir leid, wenn sich die Begleitumstände deiner Geburt für dich als so belastend entpuppt haben.«
»Mag sein, dass einst Zwillinge das Schicksal der Elben bestimmen werden«, lenkte Magolas ein, »aber die Annahme, dass Andir und ich das sein könnten, war eben ein Trugschluss.«
»Du hast keinen Grund für diese resignative Haltung«, fand Ruwen. »Und was ich dir über das Rhagar-Mädchen sagte, entsprang der tiefen Sorge einer Mutter und kam aus reinem Herzen. Ich hoffe sehr, dass du noch zur Besinnung kommst und erkennst, was für mich so klar ersichtlich ist wie nur irgendetwas: Diese Frau wird sich in etwas verwandeln, was du beim besten Willen nicht mehr wirst lieben können.«
Magolas wollte diese Diskussion nicht noch einmal aufwärmen, doch er spürte sehr deutlich, wie ernst es seiner Mutter war. Allein die Tatsache, dass sie Larana hartnäckig als »Mädchen« bezeichnete und ihr damit sprachlich den Status einer vollwertigen Frau verweigerte, war bereits eine für elbische Verhältnisse offene Provokation.
»Lebt wohl, Mutter!«, sagte Magolas. Und seine Stimme hatte dabei einen belegten Klang.
Als er wenig später im Bug seines Flaggschiffs stand und zurückblickte, ahnte er nicht, dass er so schnell nicht zurückkehren würde.
Mit fast fünfzig Schiffen brach Magolas aus Elbenhaven auf.
Die Kriegsflotte passierte die Meerenge zwischen Elralon und Hochgond, die Hoch-Elbiana von West-Elbiana trennte. Aus dem Hafen von Elralon liefen weitere zehn Schiffe aus, um Magolas’ Flotte zu unterstützen, und aus Mittelhaven machte sich zur gleichen Zeit eine Flotte von vierzig Schiffen auf den Weg, die an der gesamten Küste Mittel- und Nieder-Elbianas zusammengezogen worden waren.
Der Wind stand günstig, und so erreichte Magolas mit seiner Flotte schon bald Burg Candor, die Residenz des Herzogs von Elbara. Die Elbenstadt, die sich um die Burg herum gebildet hatte und deren Stadtmauern ständig erweitert wurden, hatte inzwischen ganze von Rhagar bewohnte Viertel – Menschen, die sich auf der elbischen Seite der Aratanischen Mauer niedergelassen hatten.
Magolas legte mit seinen Schiffen im Hafen an, und man bemühte sich von Herzog Branagorns Seite her sehr, es den Gästen an nichts fehlen zu lassen. Branagorn selbst empfing den Kronprinz bereits an der Kaimauer, wie es sich gehörte.
Natürlich war der Herzog über die aktuellen Entwicklungen durch Boten genauestens informiert worden. So wusste er auch, dass König Keandir nach wie vor als verschollen galt und man annehmen musste, dass er während eines Feldzugs zum Schutz der nördlichen Herzogtümer vermutlich Richtung Wilderland gezogen war, um den Überfällen der Trorks ein für alle Mal ein Ende zu bereiten.
»Seid gegrüßt, Magolas«, sagte der Herzog mit einer Herzlichkeit, die durchaus etwas aufgesetzt wirkte. Branagorn hatte als einziger Elb den König bis in die geheimnisvollen, lichtlosen Höhlen begleitet, in denen damals der Augenlose Seher gehaust hatte. Und so hatte er nicht nur einmal mitbekommen, wie die finstere Kraft des Sehers in Keandir gefahren war und was in bestimmten Situationen mit den Augen des Königs geschah.
Er hatte seit dem Tod seiner geliebten Cherenwen keine neue Gefährtin mehr genommen, obwohl es viele Töchter aus guten elbischen Häusern gegeben hätte, die sich vom ihm angezogen fühlten. Doch der Herzog von Elbara hatte es vorgezogen, sich ganz seiner Aufgabe zu widmen, die darin bestand, sein Herzogtum gut zu regieren.
»Gibt es Neuigkeiten aus dem Süden?«, erkundigte sich Magolas.
Branagorn nickte. »In Aratan rüstet man sich für den Krieg, aber niemand glaubt dort daran, dass man die Südwestländischen wird abwehren können. Außerdem munkelt man von einem Komplott innerhalb der norischen Garde mit dem Ziel, den greisen König zu entmachten und einen der Offiziere an dessen Stelle zu setzen. Andere wiederum warten begierig darauf, dass der König stirbt.«
»Wir sind mit ihm verbündet und werden dafür sorgen, dass er auf dem Thron bleibt, solange genug Leben und Verstand in ihm sind, um Aratan regieren zu können«, erwiderte Magolas.
»Habt Ihr Euch schon einmal Gedanken darüber gemacht, was geschieht, wenn der König nicht mehr ist?«, erkundigte sich Branagorn.
Doch darauf blieb Magolas ihm die Antwort schuldig.
Stattdessen bot er Branagorn an, Gast zu sein auf seinem Flaggschiff und mit ihm gen Süden zu reisen, um sich an dem Feldzug zu beteiligen. »Der Seeweg ist einfach schneller und weniger beschwerlich, werter Herzog.«
»Ich danke für Euer Angebot, doch ich ziehe es vor, an Bord eines meiner eigenen Schiffe nach Aratania zu reisen«, erwiderte Branagorn höflich, aber bestimmt. »Was die Reise über Land betrifft, so habt Ihr recht – die sollte man sich nicht zumuten, wenn es zu vermeiden ist.«
Magolas’ Lächeln blieb dünn. Für einige Augenblicke herrschte Schweigen. Dann fragte der Königssohn plötzlich:
»Werden zu Eurem Truppenkontingent auch Rhagar gehören?
Rhagar, die in Elbara siedeln?«
»Aber gewiss. Ich hoffe, Ihr habt nichts dagegen einzuwenden.«
»Nein, natürlich nicht.«
»Die Rhagar von Elbara bevorzugen es übrigens, wenn man sie als Elbareaner bezeichnet. Ich würde an Eurer Stelle jede Geringschätzung ihnen gegenüber vermeiden, denn wir sind dringend auf sie angewiesen. Und obwohl sie nicht Jahrhunderte oder gar Jahrtausende Zeit haben, das Kriegshandwerk perfekt zu erlernen, beherrschen sie es doch ganz gut.«
Magolas blieb nur einen Tag in Candor; länger hielt es ihn nicht in der Residenzstadt des Herzogs von Elbara. So befahl er der versammelten Elbenflotte, nach Süden aufzubrechen.
Der stete Westwind ermöglichte eine gleichmäßige Fahrt, während die über hundert Schiffe über das zwischenländische Meer segelten.
Eine gewaltige Menschenmenge empfing die Elbenflotte im Hafen von Aratania. Magolas war erstaunt darüber, wie begeistert die Bevölkerung auf die Ankunft der Elben reagierte. Man schien ehrlich erfreut über das Auftauchen der über hundert Schiffe zu sein. Seit jenen Tagen, da die Rhagar die Elben als Lichtgötter verehrt und in Aratan ihre Namen und ihre Sprache nachgeäfft hatten, war wohl kein Elb mehr mit so großer Freude begrüßt worden. Sie erwarteten, dass Magolas sie vor dem Heer des Kaisers rettete, ging es dem Königssohn durch den Kopf. Die Rhagar waren eben sich selbst die größten Feinde. Immer wieder konnte man zu dieser Feststellung gelangen, wenn man verfolgte, welchen Umgang die einzelnen Rhagar-Reiche untereinander pflegten.
Ein Schiff nach dem anderen machte an den Kais fest. Es waren so viele, dass eine große Zahl von ihnen vor der Küste ankern musste. Der zuversichtlichen Stimmung unter den Elbenkriegern tat dies keinen Abbruch. Als Magolas an der Spitze seines Gefolges das Fallreep hinabschritt und den Boden der Stadt betrat, bildete sich in der Menge eine Gasse für den greisen König und seine Tochter, und Magolas fühlte sein Herz auf einmal bis zum Hals schlagen, als er Larana wiedersah.
Sie erwiderte seinen verzehrenden Blick auf gleiche Weise.
Eine Umarmung in der Öffentlichkeit wäre zum gegenwärtigen Zeitpunkt natürlich undenkbar gewesen. Die Begrüßung der Verbündeten durch Mitglieder des Königshauses ging nach einem strengen Protokoll vonstatten, dessen Grundzüge den Sitten der Elben entliehen waren. Immerhin dies war vom Erbe der Elben unter den Arataniern geblieben und würde sich wohl auch noch einige Jahrhunderte lang halten. Vielleicht sogar bis in eine Zeit, in der sich zumindest unter den Rhagar niemand mehr an die Ursprünge dieser Sitten erinnern würde.
Später, nach einem feierlichen Bankett und einem berauschenden Fest, gelang es Larana und Magolas schließlich, sich in das Gemach der aratanischen Prinzessin zurückzuziehen. Magolas zog sie voller Ungeduld an sich, sie küssten sich und genossen jede ihrer gegenseitigen Berührungen.
»O Magolas, ich habe es so ersehnt, dass Ihr nach Aratania kommt!«
»Das ging mir ebenso, werte Larana. Ich habe an kaum etwas anderes denken können als an den Moment, da ich Euch wieder gegenüberstehe.« Er sah an ihr herab, und seine Blicke schienen sie geradezu zu verschlingen.
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