Entscheidung aus Liebe 3
Entscheidung aus Liebe 3
Dieses Kapitel ist lang und deshalb in 5 Teile geteilt.
Meistens klappte das ganz hervorragend, aber alles staute sich an. Den einzigen regelmäßigen Kontakt hatte sie zu Jeff. Anfangs telefonierten sie täglich. Jeff hatte nun eine eigene Wohnung bezogen und arbeitete sehr viel. Da wurden die Telefonate weniger. Trotzdem sprach sie mindestens drei mal die Woche mit ihm. Er hatte ihr geraten unter Leute zu gehen und Freundschaften zu knüpfen, aber Kate war nicht unbedingt der Mensch, der auf jeden zu gehen konnte. Das war wohl ein schwieriges Problem geworden, was Kate auch unterdrückte.
Sie spazierte an den vielen Geschäften vorbei, die in den Sommermonaten ihre Hauptsaison hatten. Dann setzte sie sich in ein Straßencafé und bestellte sich eine Cappuccino.
Wie immer, beobachtete sie die Menschen, wie sie an ihr rechts und links vorbei gingen. Neben Kate waren noch andere Tische. Direkt neben ihr saß ein älterer Herr, der in einer Zeitung las. Sie konnte sein Gesicht nicht sehen, da er die Zeitung vor seinen Kopf hielt und sehr vertieft war beim lesen. Er erinnerte sie ein wenig an Onkel Phil, der am Frühstückstisch auch immer so die Zeitung gelesen hatte. Man hatte immer nur rechts und links die Finger gesehen, die die Zeitung hielten.
Sie lächelte ein wenig darüber. Zu ihrer anderen Seite, saßen zwei junge Frauen, die sich über ihre neusten Männerbekanntschaften unterhielten.
Aber das alles interessierte Kate nicht. Sie genoss ihren Café und die Sonne, die ihr ins Gesicht schien. Sie schloss ihre Augen und lies die Wärme auf ihr Gesicht strömen.
Sie saß eine ganze Weile so da, als sie ein wenig erschrak, als der alter Herr, seine Zeitung ruckartig umblätterte und wieder dahinter versteckte.
Kate hatte ihm dabei zugesehen.
Ihr Blick blieb regungslos auf der Zeitung, als sie die umgeblätterte Seite sah.
Gebannt sah sie stur auf ein Bild. Alles in ihr verkrampfte sich und ihr Puls wurde automatisch schneller. Sie konnte nicht von dem Bild wegsehen. Es hatte sie wie ein Blitz getroffen und sie war in keinster weise darauf vorbereitet gewesen.
Heftig zog sie ihren Atem ein, als sie die Augen sah. Wie viele Tage und Nächte hatte sie sich gewünscht, in ihnen wieder zu versinken, nur ein einziges Mal. Der dumpfe Schmerz war wieder zu spüren, genau da, wo einmal Herz ihr geschlagen hatte. Genau dort, war jetzt ein großes Loch, in das es dumpf pochte. Das Zischen war so laut, das Kate sich so anstrengen musste, nicht einen Laut von sich zugeben.
Mit zittrigen Fingern, nahm sie ein paar Münzen und legte sie auf den Tisch. Rasch stand sie auf und machte sich auf den Weg, nach dem nächsten Zeitungsladen.
Sie kaufte sich die Zeitung und noch im Laden, suchte sie die Seite. Und dann sah sie ihn. Er war es. Minutenlang starrte sie auf das Foto.
Sie riss nur diesen Artikel aus und schmiss die restliche Zeitung in einen Papierkorb. Dann ging sie schnell zu ihrem Auto und fuhr nachhause.
Sie wollte den Artikel lesen, aber zuhause. Dort war sie vor den Blicken fremder Menschen sicher.
Kate legte den Artikel fein säuberlich auf den Küchentisch. Dann las sie langsam die Überschrift.
FAMILIE NOIR GEGEN GEPLANTE HOCHZEIT MIT GENERALSENATOR
Immer wieder las Kate die Zeile durch. Dann las sie sich mehr als acht mal den ganzen Artikel. Liliana Noir wollte einen Generalsekretär heiraten. Und natürlich waren die Noirs dagegen, und ganz besonders Darren.
Das war der eigentliche Sinn des Artikels. Kate konnte sich die Gründe vorstellen, warum die Familie gegen so eine Hochzeit war. Es würde so viel aufsehen erregen und die Gefahr entdeckt zu werden, war durch eine Horde Journalisten natürlich ein vielfaches höher.
Journalisten waren dafür bekannt in andere Leben herum zu schnüffeln. Manche suchten sogar, bis sie auch nur eine Kleinigkeit gefunden hätten, und falls nicht, wurde einfach etwas erfunden. So war das heutige Geschäft einfach.
Natürlich war das eine große Gefahr, den ein Generalsekretär stand immer im Licht er Öffentlichkeit und erst recht mit einer so schönen Frau wie Liliana an seiner Seite.
Kate verstand die Missstände, die gegen eine Heirat sprachen, aber vielleicht liebte Liliana diesen Generalsekretär. Dann war es genauso schwierig, wie es bei ihnen einmal gewesen war. Er hatte sich überhaupt nicht verändert. Wie sollte er auch! Er war für die Ewigkeit schön, jung und einfach ….. er! Kate konnte nicht von ihm absehen. Fast zärtlich strich sie über das Foto. Und dann ganz langsam merkte sie, wie es wieder immer schlimmer wurde.
Ihre Traurigkeit war grenzenlos und ihre Sehnsucht so übermächtig, das sie Schwierigkeiten hatte, regelmäßig zu atmen. Sie sank mit dem Foto in der Hand zu Boden und starrte unentwegt darauf. Die Liebe, die sie einst für ihn empfand, war noch genauso wie damals. Sie hatte sich nicht verändert, nichts hatte sich geändert! Es war alles noch genauso da. Der Kummer, den Schmerz, das Loch in ihrer Brust, die Sehnsucht, und das Heimweh nach ihm. Sie rappelte sich auf und schleppte sich zu ihrem Handy, das auf einer Kommode im Flur lag.
Sie wählte die einzige Nummer, die ihr jetzt noch helfen konnte. Es klingelte und klingelte, aber es meldete sich nur die Mailbox. Kate versuchte es mit der Festnetz-Nummer. Wieder hörte sie nur ein Freizeichen, aber niemand nahm ab. Dann rief sie noch mal die Handynummer an und sprach auf die Mailbox. „Jeff, bitte hilf mir!”
Mehr konnte sie nicht sprechen, so tränenreich war ihre Stimme. Dann ging sie in ihr Zimmer, öffnete den Kleiderschrank und holte den Karton aus dem Schrank, den sie eigentlich zur Ewigkeit dort verbannen wollte. Langsam öffnet sie ihn. Sofort strömten Bilder Erinnerungen in sie, die sie tief in sich vergraben hatte. Seine Augen, sein Geruch, seine Stimme. …. Darren! In ihren Händen hielt sie das Goldkettchen, das er ihr geschenkt hatte. Es fühlte sich wie Glut an, in ihren Fingern. Es schmerzte, doch Kate wollte es nicht aus der Hand nehmen. Die Worte: Ich liebe Dich Darren und die Erinnerung wie seine Küsse auf ihrer Haut gebrannt hatten, konnte sie fast wieder spüren. So sehr hatte sie das alles unterdrückt. Das Laken und die Digitalkamera, die James und Katharina ihr einmal geschenkt hatten, holte sie aus dem Karton. Das schwarze, kleine Seidenoberteil, das sie in der schönsten Nacht ihres Lebens an hatte und einige schwarze Federn, die von ihren Flügeln abgefallen waren.
So lange hatte sie all das unterdrückt und von Stunde zu Stunde kam alles sehr intensive wieder hoch. Ständig musste sie sich Tränen weg wischen, die ihr die Sicht wegnahmen. Kate steckte die Kamera an ihren PC an und druckte mit dem Farbdrucker alle Bilder aus, die der Bildschirm zeigte. Nacheinander spuckte der Drucker alle Fotos aus. Sie weinte, konnte nicht wieder aufhören. Er hatte sie verlassen, warum? Alles in ihr schrie.
In einem Moment, in dem sie keine Tränen mehr hatte, um sie zu vergießen, versuchte sie noch einmal Jeff anzurufen. Aber er ging nicht an sein Telefon.
Sie war verzweifelt, sie brauchte dringend jemanden, mit dem sie reden konnte, ganz offen und ganz ehrlich. Mit Jeff konnte sie das. Er wusste über alles Bescheid. Aber warum meldete er sich nicht? Von Stunde zu Stunde wurde ihre Verzweiflung schlimmer. Was sollte sie nur tun? Sie konnte ihr ganzes Leben nicht so weiter machen. Das würde sie nicht ertragen, lieber wollte sie sterben. Sie sah sich in ihrem Zimmer um. Es war nur das Brummen ihres PC zu hören.
Dann nahm sie den Zeitungsartikel in ihre Hand. Es war eine Nahaufnahme von ihm.
Er lächelte direkt in die Kamera. Er sah glücklich aus! War er es? Kam er so viel besser mit allem klar? Und diese Gedanken, das er glücklich schien, verstärkte in Kate den Schmerz noch mehr. Sie wollte diesen Schmerz einfach nicht mehr ertragen. Sie wollte ihn hassen. Sie war wütend. Auf Darren und auf sich selbst. Wieso war alles so schwer für sie? Warum konnte sie ihn nicht einfach vergessen?
Plötzlich wurde das Zischen leiser. Panik stieg in ihr auf. Der Funken erlischt! Er erlischt! Ich brauche ihn, sonst kann ich nicht weiterleben. Das Zischen wurde immer leiser, bis Kate spürte, das von diesem zischen nur noch ein winzig kleines Atom übrig war. Sie wusste, wenn er auch aufhören würde zu zischen, dann hatte sie den Kampf verloren. Plötzlich hörte sie ihn nicht mehr! Alles war still und leer in ihr. Kein Zischen, kein dumpfes hohles Gefühl mehr, wo einst ihr Herz war, kein Schmerz, keine Verzweiflung. NICHTS! Wie sollte sie so weiter leben? Gab es überhaupt ein Leben für sie? Ihre Gedanken waren so düster geworden. Sie fand keinen Weg mehr da hinaus.
Sie lag mitten in ihrem Zimmer, zugedeckt und eingemummelt wie ein Embryo, in den blauen Laken, das sie aus dem verlassen Haus mitgenommen hatte. Viele Stunden waren vergangen, seit sie sich so hingelegt hatte. Es wurde schon hell draußen und Kate hatte so die ganze Nacht verbracht.
Es ging ihr überhaupt nicht besser. Sie war so verzweifelt, das sie nach Auswegen oder Lösungen gesucht hatte. Sie sehnte sich nach schlafen, nichts spüren, schwerelos zu sein. Sie konnte so nicht weiter machen. Sie wollte so nicht weiter machen.
Ständig machte sie sich selber was vor. Sie betrog sich selbst und das schlimmste war, sie glaubte ihren eigenen Lügen. Aber die Wahrheit war, sie konnte diesen übergroßen Schmerz nicht mehr ertragen. Dafür hatte sie keine Kraft mehr. Erinnerung der Schwerelosigkeit kamen über sie, als sie an die Ohnmacht dachte, in der sie sich einmal befand. Der Durst nach leben war so winzig geworden in ihr. Aussichtslos! Sollte so ihr ganzes Leben weiter gehen?
Nein! Stück für Stück würde sie qualvoll daran sterben. Der Sinn, ihres weiter bestehen, war verschwunden. Sie stand auf und ging wie in Trance in die Küche hinunter. Schritt für Schritt. Langsam und bedacht. Sie schaltete das Licht in der Küche an und ging zur Schublade. Dort lagen die Messer. Sie nahm das schärfste heraus und ging damit wieder in ihr Zimmer. Kate wickelte sich wieder in das Laken. Zitternd strich sie mit ihrem Finger über das Foto. Innerlich war Kate so starr, so taub von Gefühlen, die sie nicht mehr wahrnahm. Sie hatte sich aufgegeben. „Leb wohl!” flüsterte sie.
Tränen rannen ihr über die Wangen. Sie konnte und wollte ohne ihn einfach nicht sein. Sie hatte viel ausprobiert, aber nichts hatte ihr darüber hinweg geholfen. Sie glaubte, der Todesschlaf, in dem sie sich gleich befinden würde, würde ihr den Frieden geben, den sie schon solange gesucht hatte.
Kate war nicht mehr bereit, zu fühlen. Sie wollte wie ein Stein sein, der leblos und stumm war.
Dann musste es eben so sein. Sie schloss die Augen und setzte das Messer an.
Bald darauf wurde es dunkel um sie.
Kapitel 21
Das Flugzeug startete nach Zeitplan, doch für ihn war selbst das Flugzeug noch zu langsam.
Jeff war gerade nachhause gekommen, als er sah, das sein Anrufbeantworter leuchtete. Sein Handy hatte er in seinem Büro vergessen. Und als er den Wiedergabeknopf drückte um die Anrufe abzuhören, wurde er ganz bleich, als er Kates Stimme hörte. Immer wieder hallte ihre verzweifelte Stimme in seinem Kopf. Er hatte Angst um sie.
Als er die Nachricht abgehört hatte, versuchte er sie zurück zurufen, aber sie nahm den Hörer nicht ab. Seine Sorgen um sie waren groß und er hatte Angst in welchem Zustand er sie vorfinden würde. Als das Flugzeug endlich zu Landung ansetzte, klopfte sein Herz schon deutlich schneller.
Den Taxifahrer hatte er angebrüllt, er solle schneller fahren und sich beeilen. Seine Ungeduld stieg ins unermessliche. Aber der arme Mann konnte natürlich nur so schnell fahren, wie es ihm erlaubt war. Als das Taxi endlich ankam, warf Jeff ihm achtlos einen Schein hin und rannte fluchtartig zum Haus, von Kate.
Überall brannte Licht. Es war mitten in der Nacht, überall war es leise und still. Nichts war zu hören. Er klingelte an der Haustür, immer und immer wieder. Doch niemand kam zu Tür, um ihm zu öffnen. Panik stieg in ihm auf.
„Kate!” rief er. Doch die Stille, die er unterbrochen hatte, verschluckte sein Rufen.
„Kate, ich bin es Jeff! Mach die Tür auf!” doch wieder tat sich nichts. Sein Adrenalin sorgte dafür, das Jeff die Tür mit einer Leichtigkeit auftreten konnte. Dazu hatte er einen kleinen Anlauf genommen und sich mit voller Wucht gegen die Tür gerammt. Die Tür sprang mit einem lauten krachen auf. Das schwere Holz war an der Rahmenaußenseite auf gesplißen und beschädigt worden, doch darauf achtete er nicht. In voller Panik rannte er durch den Flur und suchte das Wohnzimmer ab.
„Kate!” rief er, in seiner Stimme schlich die Angst mit. Seine Stimme war atemlos und der Schweiß stand ihm auf der Stirn. In der Küche war sie nicht. Nur eine Schublade stand offen. Er kannte den Inhalt dieser Schublade.
Es erschauderte ihn, zu wissen, was sie vielleicht vor hatte, oder bereits getan hatte. Sein Herz klopfte heftig in seiner Brust. Jetzt wurden seine Schritte schneller. Er rannte nach oben. Er hatte ganze drei Treppenstufen auf ein mal genommen und war in vier Schritten oben gewesen.
Er schlug die Tür zu ihrem Zimmer auf.
Dann endlich sah er sie.
„Oh mein Gott!”
Er warf sich sofort auf das blaue Laken, in dem Kate sich eingehüllt hatte. Vor ihr eine Blutlache, die aus ihrem Handgelenk tropfte. Das Messer, mit der sie sich ihre Pulsadern aufgeschnitten hatte, lag in ihrem Blut.
Dann nahm er den bewusstlosen Körper in seine Arme und weinte und schrie:
„Kate! Ich bin da, hörst du? Ich bin da!”
Doch Kate gab ihm keine Antwort. Sie lag leblos in seinem Arm. Sofort überprüfte er ihren Herzschlag. Es schlug noch, das konnte er hören. Dann sah er sich ihre Verletzung an, die sie sich zugefügt hatte und stellte erleichtert fest, das sie ihre Ader nicht durchtrennt hatte. Sie hatte sich einfach nur verletzt.
Sie war ohnmächtig, aber nicht wirklich in Lebensgefahr. Innerlich war Kate bestimmt alles andere als gesund, wenn sie bereit war so weit zu gehen. Er küsste aus purer Erleichterung ihr Gesicht und auch ihren Mund.
„Kate, meine Kate, es ist dir nichts geschehen! Ich bin rechtzeitig gekommen!” Er sagte es mehr zu sich selbst, als zu ihr. Jeff war so erleichtert, das es ihm die Tränen in die Augen trieb. Die Erleichterung darüber, das sie es nicht geschafft hatte, sich zu töten, war so entspannend für ihn, das er völlig abwesend sie nur ansah.
Sekunden vergingen, bis er versuchte sie aus ihrer Ohnmacht zurück zu holen.
„Wach auf Kate! Wach auf!”
Leicht tätschelte er ihre Wangen. Sie atmete regelmäßig, das lies Jeff ruhiger werden.
Kate öffnete langsam ihre Augen. Sie war noch benommen, von dem schwerelosen Gefühl, aber sie konnte erkennen und fühlen, das sie nicht allein war. Es war jemand bei ihr. „Kate, ich bin da!” hörte sie eine vertraute und liebevolle Stimme. Dann waren ihre Augen offen und sahen in Jeffs Augen. Sie sahen sich einfach nur an. Er lächelte sie an, als wäre sie gerade erst nachhause gekommen.
„Jeff!” hauchte sie.
Als sie tatsächlich begriff, das Jeff gekommen war und sie im Arm hielt, konnte sie ihre Angst und Verzweiflung, über das was sie in Begriff war zu tun, endlich frei heraus lassen. Schnell hatte sie ihren noch gesunden Arm um seinen Hals gelegt und weinte bitterlich, bis sie sich beruhigt hatte. Nur für einen kurzen Augenblick lies er sich allein, um einen Verband zu holen, um ihre kleine Wunde zu versorgen. Es hatte schon lange aufgehört zu bluten und es bildete sich eine Kruste.
So verging fast die ganze Nacht. Irgend wann war sie in seinen Armen eingeschlafen und er trug sie vorsichtig in ihr Bett. Doch Kate lies seinen Hals nicht los und so legte er sich mit ihr in das Bett. Die restliche Nacht schlief sie eng umschlungen und Jeff beschützte sie, bis er selbst einschlief.
Er hatte sie gerettet und war noch rechtzeitig in ihr Zimmer gekommen.
Jetzt war fast alles gut, solange Kate nur nicht alleine war.
Als Kate ihre Augen öffnete kamen sofort ihre Erinnerungen zurück, alles war wieder da.
Sie drehte ihren Kopf und erblickte den schlafenden Jeff neben ihr. Er war doch gekommen. Er war wegen ihr gekommen. Er war der einzige Freund auf der Welt, den sie hatte. Mit ihren Fingern strich sie über seine Stirn. Langsam bewegt er sich und war dann mit einem Mal schnell wach. Er blickte sie an und Kate wusste, das sie ihm jetzt Rede und Antwort stehen musste. „Alles OK bei dir? fragte er rau. Es war das erste mal, seit dieser Nacht, das sie miteinander sprachen.
Jeff war noch halb benommen vom Schlaf. Trotzdem hatte er leicht dunkle Schatten unter den Augen. Er sah mitgenommen aus. Kate nickte nur und setzte sich auf. Sie betrachtete ihr bandagiertes Handgelenk und ging dann wortlos in das Badezimmer. Jeff hatte sich auch aufgesetzt und dachte an die vergangene Nacht. Die Überreste von ihrer „Darrenorgie“ waren noch im ganzen Zimmer verteilt. Selbst das Messer mit dem sie sich verletzten oder sogar töten wollte, lag noch in der Ecke.
Dann kam Kate endlich wieder aus dem Badezimmer.
„Ich geh und mach dir Frühstück!” sagte Kate tonlos und verließ ihr Zimmer.
Jeff ging ins Badezimmer und hatte den Kopf schon voll mit Vorwürfe für sie. Doch er wusste, das er behutsam mit ihr umgehen musste. Oder sollte doch lieber mit ihr zu einem Arzt gehen? In der Küche hatte Kate angefangen Omeletts zu backen und Kaffee zu kochen. Sie tat alles mechanisch. Sie wollte nicht über irgend etwas nachdenken. Ihr Kopf war so leer, wie auch der Rest ihres Körpers.
Der köstliche Duft der Omeletts verströmte die ganze Küche, als Jeff sich an den Tisch setzte und einen Schluck von dem Kaffee nahm, das Kate ihm eingeschenkt hatte.
Lange sagten beide nichts. Beide waren sprachlos. Jeff frühstückte schweigend, doch Kate spürte seine Wut und Angst. Während Kate unter der Dusche stand, machte Jeff sich daran die Haustür zu reparieren, die er in der Nacht eingetreten hatte. Kate wusste, das sie Jeff eine Erklärung schuldete, doch er war den ganzen Vormittag ungewöhnlich still. Sie sprachen kaum ein Wort miteinander. Er beobachtete sie. Er schien sich Gedanken zu machen, wie sie so etwas nur in Betracht ziehen konnte. Kate musste es ihm erklären. Aber irgendwie konnte sie es sich selbst nicht erklären. Ihr Kopf tat weh und sie suchte nach einem Ausweg. Der kleine Rest Hoffnung, was sie noch hatte, lag bei Jeff. Er setzte sich zu ihr, als er die Tür wieder in Ordnung gebracht hatte. Lange hatte er darüber nachgedacht, wie er Kate hätte helfen können. Doch er war der Meinung, das sie sich in aller erster Linie sich selbst helfen musste. Und das vernünftige wäre gewesen, wenn Kate endlich bereit gewesen wäre, sich ärztliche Hilfe zu suchen. „Kate, wieso?”
Er legte seine Stirn in Falten und versuchte krampfhaft zu verstehen, was sie dazu getrieben hatte.
Sie zuckte ihre Schultern und sagte eine Weile nichts. Sie suchte für sich selbst eine Erklärung. Doch tief in ihr, schlummerte die Wahrheit.
„Ich hab mir was vor gemacht, schon die ganze Zeit.” Kate atmete tief ein. „Ich hatte alles nur unterdrückt. Meine Gefühle, was ich empfinde und was mich schmerzte. Ich dachte, wenn ich fort gehe und versuche ein eigenes Leben zu führen, dann könnte ich es schaffen, aber da hab ich mir was vor gemacht.” Tränen stiegen auf und Kate erzählte ihm was alles passiert war. Sie zeigte ihm den Zeitungsartikel und erklärte ihm alles was in ihr vorging. Selbst die heimlichen Besuchen in dem Haus lies sie nicht aus. Bei ihm konnte sie ehrlich sein. Beim ihm musste sie ehrlich sein.
Jeff hörte sich alles an und sagte kein Wort, bis sie zu ende erzählt hatte.
Viele Dinge, die sie ihm erzählt hatte, schmerzten ihn, aber das musste er ertragen. Und dann traf Jeff eine Entscheidung. Er traf diese Entscheidung um Kate zu retten, damit ihr so etwas nie wieder passieren konnte.
„Du musst versuchen ohne ihn zu leben, Kate. Du hast keine andere Wahl.
Jetzt hast du es allein versucht und du hast selbst gesehen, wohin das führt, wenn du allein bist. …
Jetzt versuchst du es noch einmal, aber mit mir. Ich … werde bei dir bleiben. Ich werde nicht zurück gehen. Du brauchst jemand, der auf dich aufpasst, Kate.”
Sie runzelte die Stirn und fragte sich, was er sich davon sprechen würde.
Sie liebte einen anderen Mann und wollte sich das Leben nehmen und er rettete sie und will trotz allem bei ihr einziehen und mit ihr leben?
Das verstand sie nicht. Warum konnte er nicht endlich seine Gefühle zu ihr vergessen?
Aber diese Frage beantwortete Kate sich selbst. Schließlich konnte sie es auch nicht. Sie konnte Darren nicht vergessen und würde es wohl auch nie.
Sie war für immer mit ihm verbunden. Also, wenn er so bereit war sein Leben in Pleasentview und seine Arbeit aufzugeben. Er liebte sie so, wie sie Darren liebte. So war nun die Situation. „Was ist mit deinem Job?” fragte sie.
„Ich kann überall Arbeit finden!” sagte er und lies ihr keine Chance ihn von seiner Entscheidung abzubringen. „Ich habe dir gerade erzählt, das ich mich töten wollte, weil ich einen anderen Liebe und ihn nicht vergessen kann und du sagst mir, du willst bei mir bleiben?
Jeff, ….. ich bin das nicht wert!”
Kate sah ihn direkt an und wollte es ihm klar machen, das er sich keine Hoffnungen machte.
„Natürlich bist du das Wert. Wie kannst du nur so etwas über dich denken? Du hast ein glückliches und schönes Leben verdient, Kate. Wenn du ihn nicht vergessen kannst, dann muss ich dir dabei eben helfen. Ich werde dafür Sorgen, dass das, was du gestern Nacht versucht hast, nie wieder passiert. Ich weiß, das ich dich ein wenig glücklicher machen kann, wenn du mich lässt. Wenn es dir einiger Maßen gut geht, dann kann ich auch damit leben. Wenn es dir gestern Nacht geglückt wäre, was soll ich dann noch! Verstehst du das? Außerdem bist du sehr viel mehr wert, als du denkst.”
„Aber ich werde dich nie so lieben können, wie ich … ihn liebe, Jeff! Du tust dir absichtlich weh!”
„Auch das werde ich ertragen können. …. Ich kann nicht anders, wenn ich so verhindern kann, das du dir dein Leben nimmst!” Sie schwiegen. Kate konnte nicht fassen, was er bereit war für sie zu tun.
Aber er wollte es so und Kate wollte es irgendwie auch, weil sie wusste, das er Recht hatte.
Sie würde es allein nicht schaffen und zum ersten Mal schwang ein kleines bisschen Hoffnung mit.
„Lass es uns versuchen Kate, bitte. Du wirst sehen, es ist ein bisschen leichter. Du kannst mit mir über alles sprechen, du weißt ich kenne das Geheimnis. Selbst darüber kannst du mit mir sprechen.
Sieh es einfach als Freundschaftstherapie!” Seinen Humor hatte er auch in dieser Situation nicht verloren. Aber was blieb ihr übrig? Sie brauchte ihn, das sah sie ein. Sie musste es versuchen, es war vielleicht eine Möglichkeit, zu lernen ohne Darren klar zu kommen. Schon der Name war schwer für sie, aber sie war bereit es einzugehen.
Und genauso hatten sie es in den nächsten Wochen getan.
Kate sprach viel mit Jeff über Darren und über ihre Gefühle. Jeff war da und lies sie nie aus den Augen. Von Woche zu Woche ging es ihr wirklich besser. Jeff hatte seinen Job gekündigt und seinen Eltern nur erzählt, das er bei ihr sei, weil er in Portland ein Jobangebot bekommen habe, das er annehmen wollte. Kate lernte langsam ihre Gefühle nicht mehr zu unterdrücken. Sie hatte trotz allem schlechte Tage und auch schlechte Nächte. Jeff nahm alles hin. Kate konnte nicht verstehen, woher er die Kraft nahm mit ihr das durch zu stehen. Sie wusste jetzt wie sehr er sie liebte und er wusste, das seine Liebe unerfüllt bleiben würde. Trotz allem ertrug er es, aus Liebe zu ihr.
Das einzige Thema, im dem sie unterschiedlicher Meinung waren und viel darüber diskutierten, war der Wunsch von Kate verwandelt zu werden. Jeff konnte nicht nachvollziehen, wie sie bereit dafür gewesen wäre, zu sterben für den Vampir. Kate hatte ihm alles erzählt. Über die Risiken und was Darren damals darüber dachte.
„Und da bin ich ausnahmsweise mit ihm einer Meinung!” sagte Jeff und hob sein Kinn leicht etwas höher.
„Aber stell dir doch mal vor, wir wären ein Liebespaar und können ohne einander nicht leben, was tust du, wenn ich ein Vampir bin, nicht altere, ewig jung aussehe und dazu ewig lebe?” „Ich würde sicher nicht sterben wollen und all diese Risiken eingehen wollen, nur damit ich dich länger als ein gemeinsames Leben habe. Ist ein Leben nicht genug? ” „Aber Jeff, du wirst alt und grau, ich dagegen bleibe jung. Was glaubst du, wie wird es sein? Könntest du mich küssen, wenn ich über sechzig bin, grau und faltig bin und vielleicht keine Zähne mehr im Mund habe?”
Jeff verstand was sie meinte, aber immer noch gab er dem Leben den Vorrang.
„Ich würde mir in jedem Fall die Verwandelung wünschen. Es ist immer nur die Frage, welcher Zeitpunkt ist der Richtige, um so lange wie möglich zusammen zu sein.” sagte Kate und beendete die Diskussion.
Jeff hatte sie nachdenklich angesehen und irgend wie auch verstanden, aber er konnte sich das nicht vorstellen. Und musste es auch nicht. Darüber war er sehr froh.
Aber für Kate waren solche Unterhaltungen sehr wichtig, sie musste viel aufarbeiten.
Oft dachte Kate an die alte Frau im Einkaufcenter. Sie hatte Recht behalten. Jeff war gekommen und hatte sie gerettet. Woher die alte Dame das wusste? Es war schon ein wenig unheimlich, aber letzten Endes war Kate froh, das Jeff rechtzeitig gekommen war. Sie schämte sich dafür, das sie bereit gewesen wäre, so weit zu gehen. Die Tage vergingen und sie unternahmen viel gemeinsam und Kate konnte nach vielen Wochen endlich wieder lachen und sich gut fühlen. Sie waren sich so nah und doch so fern. Sie träumte nicht jede Nacht schlecht, doch Jeff hielt sie jede Nacht. Sie hatte diese starke Schulter, die sie brauchte. Kate war beeindruckt von ihm und seine menschlichen Stärke. Er konnte so viel ertragen. Jeff besaß so viel Kraft, von der Kate nur ein kleines bisschen gerne gehabt hätte.
Sie hatte immer noch das Gefühl, das sie das nicht Wert war, für ihn. Sie hatte ein schlechtes Gewissen. Es gab nichts was sie hätte ihm zurück geben können. Er opferte alles. Stand für sie, seinem eigenen Glück im Weg.
Sie liebte Jeff, aber auf andere Art. Und doch hatte sie im Laufe der Zeit das Gefühl, das es die einzige und richtige Entscheidung gewesen war. Sie brauchte ihn und er brauchte sie. „Kate?” rief Jeff, als er im Garten die Würstchen gegrillt hatte und sie auf einen Teller legte.
„Kannst du aus der Küche noch den Wein mitbringen?” Kate war schon am Tisch und hatte den Wein in der Hand. „Meinst du den hier?” Sie lachte ihn an.
„Wir verstehen uns wie immer blind!” lachte er und setzte sich an den Tisch.
Heute war einer der Tage, in denen es ihnen beiden gut ging. Sie hatten zum Abendessen es sich im Garten gemütlich gemacht. Jeff war nachdenklich in den letzten Tagen, irgend etwas beschäftigte ihn sehr.
Kate spürte das, aber sie sagte nichts.
„Was ist eigentlich los, Jeff? Seit ein paar Tagen, ist doch etwas!”
Er nahm einen Schluck von seinem Wein und grinste frech. „Was? Sag es mir?” bohrte Kate weiter.
Sein Lachen war fröhlich und zog Kate mit ein. Lange hatte er Kate angesehen und hatte nachdenklich seinen Mund verzogen, bevor er sprach.
„Also gut, ich habe mir Gedanken gemacht. Und ich möchte dir einen Vorschlag machen.”
Jetzt runzelte Kate die Stirn, weil seine Augen seltsam wurden und seine Hände ganz leicht zu zittern anfingen. Das bedeutete meistens nichts gutes! Oder etwa doch?
„Du sagst oft in unseren Gesprächen, das du ein schlechtes Gewissen hast, weil ich in deinen Augen, alles aufgegeben habe. … Du wolltest immer etwas für mich tun, um dein Gewissen zu entlasten. Und ich habe etwas gefunden, was du tun könntest.” Entgeistert sah sie ihn an. Sie konnte sich nicht im entferntesten Vorstellen, wovon er redete.
Was gab es schon, was sie für ihn tun konnte, um das wieder gut zu machen, was er für sie getan hatte? Jeff stand auf und stand vor ihr. Langsam ging er auf die Knie. Dann nahm er ihre Hand. Dann sah er sie liebevoll an und Kate konnte seine Aufregung in seinen Augen sehen. Ihr Puls fing an zu rasen und mit einem Mal wusste Kate, was er von ihr wollte.
„Heirate mich, Kate! Ohne Verpflichtung!” Sie war geschockt. Sie starrte ihn mit großen Augen an und versuchte seine Gründe zu erahnen.
„Ich soll dich heiraten?”
Ihre Stimme war etwas schrill, aber Jeff musste sich ein Lachen unterdrücken. Sie sah lustig aus, wenn er sie aus der Fassung brachte.
„Mach jetzt nicht so ein Gesicht, als wenn es das schlimmste ist, was du tun müsstest!”
„Im Ernst Jeff, weist du eigentlich, was du da sagst?” „Ja! Ich weiß genau, was ich sage! Er sah sie ganz ernst an und Kate erkannte, das er es wirklich sehr ernst meinte. „Ich weiß das deine Liebe ihm gehört. Vielleicht kann die Zeit für mich arbeiten. Vielleicht kannst du mich irgend wann ein bisschen lieben. Mit einer Heirat, wäre es für mich bindent, dich zu beschützten. Es würde alles einfacher machen. Durch eine Heirat wäre ich dir noch etwas näher. Dafür habe ich Hoffnung, Kate. Eine Liebe kann auch wachsen. Wenn du mich heiratest, werde ich immer bei dir bleiben, dich immer beschützen, dich immer begleiten. ….. Ich kann warten. Ich werde dich nie verlassen, egal was passiert.” Sie war so perplex, das sie ihn einfach nur ansehen konnte. Natürlich liebte sie ihn und das wusste er auch, doch würde das reichen ?
Sie dachte sofort an die körperliche Nähe, die er vielleicht suchte. „Ich kann dir vielleicht nicht das geben, was du von einer Ehefrau erwartest!”
„Das weiß ich, aber darum geht es mir nicht! Mit einer Ehe habe ich das Recht und die Pflicht, mich um dich zu kümmern. Das steht für mich an erster Stelle! Du warst schon immer das Wichtigste für mich, Kate. Lass es uns offiziell machen!” sagte Jeff und meinte es wirklich so wie er es sagte.
„Du wärst bereit auf ……. Sex zu verzichten?” fragte sie und konnte nicht fassen was er tun wollte. Es war schon schwer genug für ihn so, aber eine Ehe?
„Du hast doch selbst ein Recht auf Glück, Liebe und Zufriedenheit. Wie kannst du das für mich aufgeben?”
„Das alles hab ich doch mit dir! Vielleicht nicht so wie es ein Liebespaar hat, aber wer weiß Kate, was die Zeit noch bringt. Ich gebe die Hoffnung nicht auf und werde dich nie zu irgend etwas drängen, was du nicht möchtest.”
Kate konnte seinen Vorschlag nicht fassen. Wie unglücklich musste er sein, wenn er sich auf so etwas einlassen wollte. Oder wäre es wirklich ein Glück für ihn? Sie musste darüber nachdenken. „Gib mir ein wenig Zeit darüber nachzudenken, OK?” „In Ordnung! Aber denke nicht zu lange nach!” Er stand wieder auf und setzte sich zufrieden auf seinen Stuhl und schenkte sich gelassen noch einen Schluck Wein ein. Kate konnte nur über ihn staunen. Er wollte die Ehe von ihr, ohne das sie je ein Liebespaar waren.
Er war so selbstlos.
Als Kate am nächsten Tag auf dem Sofa lag spannte sie ihre Gedanken weiter aus.
Er hatte mehr als eine Frau, die einen anderen liebte, verdient. Er verdiente eine Frau, die ihn mindestens genauso liebte, wie er sie. Das stand für Kate fest.
Aber es war sein Wunsch. Was war so falsch daran, ihm diesen Wunsch zu erfüllen, nach allem was er für sie getan hatte. Sie stand so tief in seiner Schuld, das sie ihm das schuldig war. Was würde sich ändern?
Konnte sie mit ihm schlafen? Sie sehnte sich nach der Leidenschaft und das Feuer, das sie schon einmal erlebt hatte, aber wäre das Fair? Sie hatte keine Ahnung, was jetzt richtig war oder falsch. Sie erinnerte sich an die alte Frau in dem Einkaufscenter. Hatte sie nicht gesagt: <Er wird kommen und dich retten, mein Kind!>
Ja, vielleicht hatte sie eine Vorahnung gehabt. Vielleicht war sie jetzt auf dem richtigen Weg.
Jeff hatte Glück verdient. Und wenn er sie so sehr liebte, gab es für ihn auch kein anderes Glück.
Vielleicht war es wirklich eine Chance? Nie würde Kate vergessen, was er für sie getan hatte. Er wollte sie. Es war sein Wunsch. Eine stille Sehnsucht, die er versuchte mit Nähe zu nähren. Sie stellte sich vor Jeff zu küssen und intim mit ihm zu werden. In gewisser maßen konnte sie sich das schon vorstellen, vielleicht ….. Schnell schob sie diese Gedanken weg, sie würde es einfach auf sich zu kommen lassen.
Eine Ehe mit Jeff Bennet, das hätte sie niemals gedacht. Er war der beste Mensch auf der Welt für sie, warum eigentlich nicht! Was hatte sie schon zu verlieren, was sie nicht schon verloren hatte?
Sie könnte dann sicher sein, nie wieder allein zu sein. Er konnte sicher sein, das sie ihn brauchte und vielleicht eines Tages etwas wachsen konnte. Sie war ihm etwas schuldig. War Kate fähig ihn glücklich zu machen? War sie überhaupt in der Lage dazu?
Kate lag immer noch auf dem Sofa und hörte, wie er gerade zur Türe herein kam. Jeff hatte an ihrem Auto nach dem Ölstand nachgesehen. Überall auf seinem T-Shirt waren Ölspritzer verschmiert und auch sein Gesicht und seine Arme hatten etwas abbekommen.
„Ich bin schnell duschen!“ hatte er ihr zugerufen und kurze Zeit später hörte Kate das Wasser laufen.
Sie hing weiter ihren Gedanken nach und fand einfach keinen vernünftigen Grund, warum sie Jeff nicht heiraten konnte. Sie versuchte sich vorzustellen, wie es wohl sein würde mit ihm. Was würde sich zwischen ihnen verändern?
Sie hatte die Augen geschlossen und tat so, als würde sie schlafen, als Jeff nur in einer frischen Jeans wieder zu ihr ins Wohnzimmer kam.
Doch sie konnte ihm nie etwas vor machen. Er durchschaute sie. „Hey, ich weiß das du wach bist! Du brauchst dich nicht schlafend zu stellen!”
Da lachte Kate laut, weil sie es nie schaffte, ihn zu täuschen. „Jeff, setz dich zu mir!” sagte sie.
Seine Haut war braun gebrannt von der Sonne. Er war muskulös und trainiert, wie immer. Kate wurde durch seinen nackten Körper unsicher und verlor den Faden, was sie sagen wollte. „Ich wollte dich fragen!“
„Und was?“
Kate sah ihn abwechselnd zu ihm und dann wieder zu seiner Brust. Er bemerkte das und grinste frech.
„Angenommen wir würden wirklich heiraten und es funktioniert aber nicht so, wie du es dir vorgestellt hast. Was dann?“ „Ich habe keine Erwartungshaltung, Kate. Wir wären dann einfach Mann und Frau. Wir könnten so weiter leben wie jetzt.” sagte Jeff. „Und was wäre, wenn du plötzlich die Frau deines Lebens begegnest und ihr ein Paar werden könntet, was ist dann?” „Ich habe die Frau meines Lebens schon getroffen, Kate! Und ich habe sie gestern gefragt, ob sie mich heiraten will!” Sein Gesicht war sehr ernst geworden und Kate konnte ihn nur anblicken. Er meinte es tatsächlich ernst. „Und was ist, wenn ich nicht mir dir schlafen kann, Jeff? Ich weiß, das jeder sich das wünscht und ein Leben ohne Sex, wäre …….! Du bist doch kein Mönch!”
Seine Augen waren so liebevoll, das Kate am liebsten mit ihrer Hand über seine Wange gestreichelt hätte! Sie wunderte sich gerade über ihr Vorhaben selbst, das sie plötzlich merkte, das sie Lust hatte ihn zu küssen. Aber sie verbot sich das. Das wäre gemein gewesen. „Wie wirst du dich entscheiden, Kate? Vielleicht wirst du es eines Tages können! Ich habe vor, auf dich zu warten.” Er hatte es verdient. Sie sollte sich anstrengen, ihn lieben zu lernen. Kate wollte es versuchen, ganz ernst. Es würde ihr vielleicht nicht schwer fallen. Sie musste versuchen, etwas was unruhig in ihr war, zu verdrängen und Jeff zulassen.
Sie dachte noch ein Weile nach und dann sagte sie schließlich: „Ja, ich werde deine Frau!”
Sofort riss Jeff sie in seine Arme und schloss dabei seine Augen. „Du kannst dir gar nicht vorstellen, was es mir bedeutet, das du ja gesagt hast.”
Zärtlich sah er sie an.
Dann passierte etwas, womit beide nicht gerechnet hatten. Lange hatten sie sich in die Augen gesehen. Kate konnte soviel Liebe und Zuneigung in seinen Augen lesen. Es war eine faire Entscheidung. Sie war es ihm schuldig. Langsam senkte Jeff seinen Kopf und dann küssten sie sich zart und vorsichtig.
Kate war für einen Moment berührt von seiner liebevollen Art ihr seine Zuneigung zu zeigen und für Jeff war es bestimmt die Erfüllung gewesen, doch Kate konnte nur einen Moment ihn so weit an sich heranlassen. Dann beendete sie den Kuss. Stirn an Stirn waren sie sich noch einen Augenblick nah. „Mehr kann ich dir im Moment nicht geben, Jeff. Es tut mir leid! Aber ich werde daran arbeiten, das verspreche ich dir!” flüsterte sie. „Das war viel mehr, als ich mir erhoffen durfte.” sagte Jeff rau. „Ich habe Angst davor, Jeff!”
„Du brauchst keine Angst zu haben, ich werde auf dich warten! Egal wie lange es dauert! Ich liebe dich, Kate! Das weißt du doch!” Kate konnte nichts dazu sagen, diese Worte konnte sie nicht äußern, vielleicht irgend wann.
Jeff hatte kein Problem damit, er wusste von Anfang an, worauf er sich eingelassen hatte.
Sie nahm ihn einfach wieder in ihre Arme und fühlte sich seltsam. Und doch spürte sie ein kitzeln und gleichzeitig eine Sehnsucht, die sie nicht mehr los lies.
Noch einmal sah sie ihm in die Augen und spürte nun das Verlangen in sich hoch steigen. Durfte sie das? Schnell verbot sie es sich. Sie fühlte Verrat und Betrug.
So schnell das heiße Gefühl in ihr gekommen war, so schnell hatte sie es wieder ausgeschaltet.
Es wäre nur Lust gewesen und hätte mit Gefühlen nichts zu tun. Oder könnte Jeff es verstehen?
Nein, er brachte schon genug Verständnis für sie auf. Das wäre einfach nicht fair ihm gegenüber.
Kate löste sich aus der Umarmung.
„Was möchtest du für einen Ring haben?” fragte er Kate fröhlich, damit es leichter für sie wurde, mit dieser Situation umzugehen. „Oh, darüber habe ich mir überhaupt keine Gedanken gemacht, ehrlich nicht!”
„Dann solltest du aber damit anfangen, oder hast du es dir noch einmal überlegt?”
Kate grinste frech und spielte sein Spiel gerne mit. Es half ihr, locker zu werden, wenn sie sich so nah gekommen waren. „Mal sehen was der Heiratsmarkt sonst noch so hergibt!” neckte sie ihn.
Er kitzelte sie, und es dauerte nicht lange, da tobten sie wie kleine Kinder durch das Wohnzimmer.
Lange hatte es kein Gelächter mehr in diesem Haus gegeben. Vielleicht würden jetzt glückliche Zeiten auf sie zu kommen.
Kapitel 22
Drei Tage später waren Kate und Jeff in der Innenstadt. Hand in Hand gingen sie die Straßen entlang. Kate fühlte sich wohl an seiner Seite. Es war das normalste von der Welt, mit ihm ein bisschen glücklich zu sein. Sie genoss das unbeschwerte Gefühl. Der Sommer war nun fast zu Ende und die letzten heißen Tage versprachen nochmals richtig heiß zu werden. Kate hatte sich keine großen Gedanken gemacht über ihre Hochzeit. Sie wollte eigentlich kein großes Tam Tam darum machen. Sie hatte mit ihm noch keine Details besprochen.
„Wann willst du eigentlich heiraten?” fragte sie ihn. „Dann, wann du bereit bist dafür!” liebevoll sah er sie an. „Dann lass es uns so schnell wie möglich machen!” sagte Kate. Jeff sah sie erstaunt an.
„Willst du das wirklich? Wir können auch warten!” „Nein, ich will nicht mehr warten. Lass uns heiraten, nur wir beide, ohne große Feier, ohne Einladungen, nur du und ich.” Damit hatte Jeff nicht gerechnet, ihm klappte schier seine Kinnlade herunter. Mit ihrem Finger drückte sie sanft seinen offenen Mund wieder zu und lachte.
„Dann brauchen wir Ringe. Die kaufen wir jetzt!” sagte Jeff, als er sich wieder fassen konnte.
Kate hatte in den letzten Tagen Jeff noch nie so glücklich und unbeschwert gesehen. Sie war überzeugt davon, das sie ihm mit der Ehe helfen konnte. Es war wie ein kleiner Deal. Er brachte ihr das Leben bei und im Gegenzug schenkte sie ihm die Ehe. Als Kate und Jeff sich auf den Weg machten liefen sie die große Hauptstraße entlang, wo sie auch das Auto geparkt hatten. Die Straßen waren voll mit Autos und in der Sommerhitze war auch sehr viel Verkehr.
Endlich kamen sie bei dem Juwelier an und genossen den klimatisierten Raum.
Sofort war ein Angestellter bei ihnen und zeigte Kate Ringe in Gold und auch Silber. Jeff hatte gesagt, das Kate sich die Ringe aussuchen durfte. Sie war sehr wählerisch und konnte sich nicht entscheiden. Damit sie einige Modelle anprobieren konnte, stellte sie ihre Handtasche auf den Boden.
Sie überlegte, ob sie einen Mit oder Ohne Diamanten nehmen sollte. Jeff lachte über sie. Aber er war sehr glücklich. Nie hätte er gedacht, das sie seinen Antrag so schnell annehmen würde. Kate wollte auf jeden Fall einen goldenen Ring, das war traditioneller und Klassisch.
Sie waren ungefähr ein dreiviertel Stunde in dem Laden. Sie hatten in dieser Zeit sich für zwei Modelle entscheiden können. „Lass uns diese Ringe hier nehmen, Kate, sie sind schön, passen und müssen nicht bestellt werden.”
Er zeigte auf ein Modell, das ganz schlicht gehalten war. Es waren goldene Ringe, in denen man noch etwas, auf der Innenseite, eingravieren konnte.
„OK, dann haben wir uns also entschieden?” strahlte sie ihn an. „Ja, wenn du einverstanden bist?”
Der Angestellte freute sich über die Wahl und fragte freundlich: „ Was dürfen wir eingravieren?”
„Das Datum steht noch nicht fest, aber das können wir Ihnen in den nächsten zwei Tagen mitteilen!” sagte Jeff und sah Kate glücklich an. „Sehr gern, wie Sie wünschen!” flötete der Angestellte. „Wir werden die Ringe gleich an bezahlen, dann können sie sie für uns aufbewahren.” sagte Jeff und zog sein Portmonee aus seiner Hose. Er bezahlte mit Scheckkarte und dann verabschiedeten sie sich.
Hand in Hand verließen sie den Juwelier. Sofort stach ihnen die heiße Luft des Sommers wieder entgegen. „Komm wir fahren nachhause, Kate. In der Stadt ist die Hitze nicht auszuhalten.” sagte Jeff.
Sie liefen gemeinsam über die Ampel, auf die andere Straßenseite. Als Kate gerade in das Auto steigen wollte, fiel ihr ein, das sie ihre Handtasche im Juwelier vergessen hatte. „Oh, so ein Mist! Ich habe meine Handtasche vergessen! Ich hole sie schnell!” sagte Kate und stieg wieder aus. „Ich warte hier auf dich, beeile dich!”
Sie lächelte ihn an und ging den kuzen Weg zurück zum Juwelier. Der Angestellte, der ihnen die Ringe verkauft hatte, hatte die Tasche gefunden.
„Da haben sie aber Glück gehabt!” lachte er und gab ihr ihre Tasche wieder.
„Ja und vielen Dank!” sagte Kate und verließ das Schmuckgeschäft. Sie wartete an der Ampel, bis sie umschaltete und Kate gehen durfte.
Dieses mal dauerte die Rotphase sehr lange. Und einen Moment, dachte sie daran, sich durch die vielen Auto und Lastwagen zu drängeln. Doch schon sprang die Ampel auf grün, so das Kate los laufen konnte.
Es war wirklich stickig in der Stadt und der Verkehr war sehr laut.
Zu spät bemerkte Kate, das die Ampel zu schnell wieder auf Rot geschaltet hatte und sah den Lastwagen zu spät, der viel zu schnell um die Kurve fuhr.
Ein sehr lautes Bremsen war zu hören. Quietschende Reifen, die blockierten.
Sie sah nach links, dem zu schnell heranrollendem LKW entgegen und spürte genau in diesem Augenblick, das es für sie zu spät war, ihm irgendwie noch auszuweichen.
In den letzten bewussten Sekunden, bevor Kate hart und brutal getroffen wurde, flogen Bilder und Erinnerungen blitzschnell durch ihren Kopf.
Darren´s Gesicht, seine Augen, die sie liebevoll ansahen. Sie hörte das unbeschwerte Lachen von Jeff und sah Bilder von Onkel Phil und Tante Pat, Katharina und James. Sie sah kurze Bilder von ihrer Mutter und auch von sich selbst aus ihrer Kindheit. Doch ihren letzten Gedanken hatte sie bei Darren. Dann wurde es um sie herum dunkel.
Es folgte ein Schrei und dann ein schwerer Aufprall, den Kate mehrere Meter weit auf den harten Asphalt schleuderte. Ihre Tasche flog in die Luft und landete irgendwo auf dem Boden.
Jeff hatte diese Szene vom Auto aus beobachtet. Leichenblass und erschüttert bis aufs Mark, stürzte er aus dem Auto und rannte in voller Panik zu Kate.
Der Verkehr war durch den Unfall zum stehen gekommen. Viele Menschen sammelten sich um das Unfallopfer, welches in einer großen Blutlache auf dem Asphalt lag und sich das Blut langsam um den Kopf Opfer ausbreitete.
„Kate!” schrie Jeff immer wieder laut.
Jeff war binnen Sekunden bei ihr, doch er konnte nichts für sie tun. Er sah Kate, wie sie leblos auf dem Boden lag. Das Blut lief ihr aus dem Mund und ihren Kopf. Ihre Augen waren geschlossen. Jeff traute sich nicht sie zu berühren, aus Angst sie noch mehr zu verletzten, oder sie gar zu töten. Tränen liefen über sein Gesicht und er wimmerte immer wieder ihren Namen. Dann hörte Jeff Sirenen des heranfahrenden Krankenwagen und bettete, das es noch nicht zu spät war.