Entscheidung aus Liebe 3

Any Cherubim · Kapitel 1 von 1 · Teil 5/5

PDF-Seiten

Entscheidung aus Liebe 3

Entscheidung aus Liebe 3

Dieses Kapitel ist lang und deshalb in 5 Teile geteilt.

Ja, Jeff hatte das Gefühl richtig gehandelt zu haben. Sie gehörte jetzt zu ihm.

Jetzt, wo sie verwandelt wurde, konnte er sich aus seiner Verantwortung nicht mehr entziehen. Er war es ihr schuldig. Für Jeff bedeutete es einfach, das seine Zeit mit Kate abgelaufen war. Aber es war die richtige Entscheidung. Er hoffte es einfach. Es musste einfach so sein. Wer konnte schon behaupten, das er eine Wahl hatte, zu sterben und den Tod auszutricksen. Niemand hatte so eine Wahl.

War es Schicksal, das Kate sich ausgerechnet einen Vampir ausgesucht hatte? Vielleicht! Aber Jeff hatte die Möglichkeit zu wählen und er entschied das es Kate für die Ewigkeit geben sollte.

Zwei Stunden später, mitten in der Nacht, wartete der Helikopter auf dem Dach des Krankenhauses. Sie mussten nur noch den leblosen Körper unbemerkt aus dem Krankenhaus zu schaffen. Darum wollten Darren und Liliana sich kümmern. Die Flure waren leer und in dem Krankenhaus war es sehr still geworden.

Kate lag bereits in der Pathologie, als Darren zusammen mit Liliana dort einbrachen. Sie nahmen ihren Körper heraus und deckten sie in ein Laken.

Der Rest war ein Kinderspiel. Durch ihre Schnelligkeit waren sie lautlos und unbemerkt auf dem Dach und sprangen in den Helikopter. Jeff blieb in sicherer Entfernung stehen. Er konnte nicht mit gehen, es würde ihn nur schockieren. Liliana und Darren sprangen noch einmal aus dem Helikopter zu ihm.

„Was ist? Kommst du nicht mit uns?” Liliana sah ihn fragend an. Darren stand jetzt direkt vor ihm.

„Nein, für mich ist die Reise hier beendet!” „Bist du sicher?“ fragte Darren.

„ … Ja, sie ist jetzt bei dir und kein Mensch mehr!“ Sie blickten sich eine Weile in ihre Augen und beide spürten, das die Feindschaft zwischen Ihnen, irgendwie beendet schien. Sie hatten sich beide verstanden. Sie waren sich einig! „Liliana, bleib bei ihm und sorge dafür, das er sicher nachhause kommt.” sagte Darren. Darren streckte Jeff seine Hand entgegen, ohne seinem Blick von ihm zu weichen. Jeff zögerte einen Moment noch, doch dann nahm er sie an.

„Gib mir einfach Bescheid, ob sie es überlebt hat und falls ja, wie es ihr geht. Mehr will ich nicht wissen.”

Wieder nickte Darren schweigsam, dann drehte er sich um und sprang in den Helikopter, der sofort los flog. James flog nicht mit, er musste noch dafür Sorgen, dass das verschwinden von Kate´s Leiche nicht auffiel. Als der Helikopter abhob, hatte Darren Kate in seinem Arm. Er wickelte ihren Körper dicht und fest mit den Laken zu, so das nur noch ihr Gesicht zu sehen war. Das goldene Flackern in seinen Augen, war jetzt seine bestimmende Augenfarbe.

Als der Hubschrauber endlich landete, war die Nacht schon fast vorbei. Sie landeten auf einer großen Wiese. Weit und breit waren nur Wälder. Sie waren in einem unbewohnten Gebiet. Weit ab der Zivilisation. Die Noir´s wollten nicht in der Stadt leben, sie zogen die unbekannten Wälder und die Abgeschiedenheit vor. Auf der Wiese wartete ein großer schwarzer Jeep auf sie. Alles war gut durchdacht und gut organisiert. Nichts war auffällig, jeder wusste genau, was er tun hatte. Sie fuhren mit dem Wagen durch die Wälder, bis sie ein großes Haus erreichten, das mitten in einem Wald erbaut worden war.

Es war ein Neubau und bestimmt hatte noch kein Mensch dieses Haus je gefunden. Es war so tief im Wald versteckt, nie würden Wanderer sich so verirren und das Haus entdecken können. Ein großes Garagentor öffnet sich automatisch, direkt neben dem Haus und Katharina steuerte den Wagen direkt hinein. In der Garage parkten mindestens zehn der teuersten Autos der Welt. Trotz aller Bescheidenheit hatte Darren immer noch eine Leidenschaft für schnelle und teure Autos.

Die Garage war sehr groß. Leicht hätten zwanzig Autos hinein gepasst.

Darren trug Kate vorsichtig aus dem Auto heraus und ging zu der Verbindungstür, die direkt links neben ihm offen stand. Katharina folgte ihm.

Sie stiegen eine kleine Treppe hinauf. Dann standen sie in einer großen Halle.

„Hey? Ist alles gut gegangen?” Kai kam ihnen auf der großen Treppe entgegen gerannt. Er war in ihrem Haus geblieben und hatte alles vorbereitet. Mit großen Augen sah er nun auf das große weiße Bündel, das in Darren Armen lag.

„Wir wissen es noch nicht, Kai. James kommt bald nach, dann werden wir mehr wissen.“

Eine lange Treppe führte in private Zimmer. Ohne Anstrengung trug Darren Kate hinauf und Kai rannte voraus, um ihm die Tür zu öffnen. Sanft und behutsam legte er Kate auf das Bett. Irgendwie hatte sie sich schon verändert, abgesehen, von den vielen Blutergüssen und blaue Flecken, die ihren Körper bedeckten. Ihre Haut wurde schon blässer. Sie hatte ihr rötliche Wangen verloren. Darren war tief in Gedanken verstrickt. Ihm wurde bewusst, das sie nie wieder das Mädchen sein würde, das sie einmal war. Traurig sah er von ihr ab.

„Ich würde vorschlagen, ich ziehe Kate jetzt etwas an.” sagte Katharina und Darren ging aus dem Zimmer. „Wenn die Verwandelung vor rüber ist, was hast du dann vor?” wollte Kai wissen. Er beobachtete ihn ganz genau. „Ehrlich gesagt, weiß ich das noch nicht! Wenn sie es überstanden hat, kann sie ihr altes Leben schließlich nicht weiterführen!” sagte Darren nachdenklich.

„Nein, da hast du Recht. Man muss sie darauf vorbereiten. Das wird sicher mehrere Monate dauern. Bei mir ging es auch recht lange!” „Ja, aber, vielleicht reagiert sie ganz anders, als wir alle es erwarten!”

„Vielleicht, aber vielleicht auch nicht!”

Darren hörte Katharina, oben in dem Zimmer und lies Kai allein. Kai konnte seinen Bruder gut verstehen. Die Angst, die ihn plagte und die Sorgen, die er jetzt hatte. Aber für Kai war es klar. Kate und Darren sollten zusammen bleiben. Es war schwer gewesen seinen Bruder, die letzten Monaten zu unterhalten und auch zu ertragen. Er war ein Schatten gewesen und nicht mehr der Selbe. Und nie wieder wollte er seinen Bruder so sehen.

Er wusste auch, dass Kate nie wo anders sein wollen, als bei ihm. Sie gehörte zu ihm.

Der Wunsch auch eine Gefährtin zu haben, die ihn bedingungslos liebte kam auf. Wann würde es ihn, wie der Blitz treffen, wenn er seine Liebe fand?

Als Darren das Zimmer betraten, lag Kate völlig angezogen im Bett. Katharina hatte ihr eine Jeans und ein T-Shirt angezogen. Sofort ging Darren zu ihr. Er nahm einen Stuhl und setzte sich zu Kate ans Bett. Darren berührte ihre Finger und ihre Stirn. Liebevoll sah er sie an.

„James kommt!” sagte Katharina.

Keine vier Minuten später stand der Anführer der Vampirfamilie im Raum und ging gleich zu Kate.

Er untersuchte sie kurz und sagte dann:

„Es hat schon hat schon leicht angefangen! Alles verläuft bis jetzt normal!”

„Wäre es nicht besser, wir geben ihr noch etwas von dem Morphium?” Darren war besorgt, wegen den Schmerzen, die sie bald aushalten musste.

„Nein, sie ist noch Bewusstlos, sie hört und nimmt noch nichts wahr. Es ist noch zu früh!” sagte James ärztlich. „Du solltest dir nicht so viele Gedanken machen, bis jetzt ist alles gut gelaufen, Darren.”

Katharina hatte ihre Hand auf seinen Rücken gelegt. Aber sie wusste, Darren würde erst wieder ruhiger werden, wenn Kate aufwachte und sie die Kate war, die er so liebte. Fast ein Jahr war ihr Junge an seine Grenzen gegangen. So sehr litt er unter der Trennung, die er selbst wollte und vollzogen hatte. Natürlich kannten James und sie seine Beweggründe, die auch teilweise berechtigt waren, aber James hatte von dem Tag an, als sie Pleasentview verlassen hatten, fieberhaft nach Lösungen gesucht, damit die Verwandelung nicht so heftig von dem Wesen des Menschen abweichen würde.

Tage und Nächte hatte James zusammen mit Darren daran gearbeitet, das Gift so zu verändern, das der menschliche Charakter und seine Vorlieben und Neigungen sich nicht veränderten. Kate war jetzt der erste Versuch. Schon allein deshalb hatte Darren ein schlechtes Gewissen und könnte es sich niemals verzeihen, wenn etwas schief ging. Das wusste Katharina. Ihr Sohn könnte nicht damit leben, Kate getötet zu haben. Deshalb war die Angst bei Darren groß.

Katharina hoffte, das alles gut gehen würde, damit Darren endlich glücklich sein konnte.

 

Kapitel 26

„Ich glaube jetzt ist der Zeitpunkt richtig, Darren! Spritz ihr noch mal Morphium, ich denke die Schmerzen haben begonnen.” James reichte Darren eine neue große Spritze mit dem linderten Gift. Behutsam nahm er ihre Hand und spritze die gesamte Menge in ihre Venen. Für einen Menschen eine absolut tödliche Menge. Aber für Kate vielleicht ein Hilfsmittel.

James untersuchte Kate wieder. Das tat er bereits stündlich. Nichts deutete auf irgend eine Veränderung hin. Ihr Herz schlug nicht mehr und einen Puls hatte sie auch nicht. Kate´s Körper war tot. Für Darren war es genauso eine Qual, wie es im Moment für Kate sein musste. Er erinnerte sich an seine Verwandelung. Es war grauenhaft. Es war das schlimmste, was er an körperlichen Schmerz je erfahren hatte. Doch der größte und intensivste Schmerz, war die Trennung von Kate gewesen.

Das Kate das jetzt durch machen musste, war für ihn schwer. Gerne hätte er ihr das abgenommen.

Seine ganze Hoffnung für den Augenblick, lag nun in dem Morphium. Er hoffte es würde ihre Schmerzen lindern.

„Wie lange dauert es denn noch, James? Die zwei Tage sind schon vergangen!” Darrens Stimme war sehr ungeduldig. Seit so vielen Stunden war Darren Kate nicht von der Seite gewichen. James spürte seine wachsende Ungeduld.

„Gedulde dich, Darren! Bald! Sie hat es bald überstanden!” Kate lag seit mehr als 48 Stunden in ihrer bewusstlosen Starre. Seine Geduld war ausgeschöpft. Eigentlich war die Zeit des Verwandelns vorbei. Noch nie hatte James es länger erlebt, aber das sagte er Darren natürlich nicht. Die Sorgen um Kate waren schon groß genug. Trotz allem war James recht zuversichtlich. Er machte sich nicht so viele Sorgen, wie Darren. Er glaubte fest daran, das sich alles zum Guten wenden würde. Es musste einfach so sein. „Und wenn …. es zu spät war?” sagte Darren. Seine Stimme klang gedämpft. Verzweiflung kannte Darren sehr gut, aber die Angst, die er noch spürte, machte es für ihn fast unerträglich. „Du wirst sehen, bald wacht sie auf und dann werden wir mehr wissen.”

James stand jetzt hinter Darren, der immer noch auf einem Stuhl, bei Kate saß. James hatte seine Schultern umfasst und versuchte sanft auf Darren einzureden.

„Wenn ich nur etwas tun könnte!” zischte Darren hilflos. „Mehr konntest du für sie nicht tun! Bald, jetzt dauert es nicht mehr lange!” Katharina wusste keine aufmunternde Worte mehr, die sie ihrem Sohn noch hätte sagen konnte. Auch sie selbst wurde langsam ungeduldig und hoffte das Darren endlich erlöst werden würde.

Viele weitere Stunden harrte Darren an ihrer Seite aus und hatte seine Hoffnung schon fast aufgegeben, als James zu seinem Sohn sagte.

„Versuche mit ihr zu sprechen, ich glaube sie kann dich jetzt hören!” sagte James.

Voller Angst sah er auf den blassen Körper. „Kate, …. Wach auf!” rief er sanft und suchte nach einer Regung, einem Fingerzucken oder einem kurzen flackern an ihren Lidern. Doch nichts, geschah.

Darren wollte sich gerade zurück lehnen, als er das kurze zittern ihres Mundes sehen konnte.

„Da! Habt ihr das gesehen! Kate, mach die Augen auf!“ Seine Stimme überschlug sich fast, als er sich über ihr zittern freute. Dann schlug Kate die Augen auf und sah zuerst in das schönste Gold, das sie kannte. Sofort nahm sie den warmen, süßlichen Geruch wahr. Sie glaubte nun von der Hölle in den Himmel gekommen zu sein. So schön war der Anblick für sie. „Wie geht es dir?” hörte sie Darren.

Sie öffnete ihren Mund und sagte flüsternd: „Bist du Wirklichkeit?” Sie sah ihn lange und intensive an. Sie hatte keine Schmerzen mehr und fühlte sich wie im Paradies. Sie musste wirklich im Himmel sein, sonst hatte sie für den Anblick keine Erklärung. Jetzt berührte er mit seinen Fingern ihre Stirn und Kate wunderte sich, warum sein Finger nicht kühl war, sondern warm. Warm und weich. Das bekannte brennen auf ihrer Haut, wenn er sie berührte konnte Kate deutlich spüren.

Wieso war alles so anders? War sie im Himmel? Nein, irgendwie war es ….. Echt!

Jetzt bemerkte sie, das sie nicht allein waren. Sie drehte langsam ihren Kopf und sah James und Katharina. Kai stand im hinteren Bereich an der Tür und grinste Kate frech an. „Kate!” auch diese Stimme erkannte sie sofort, “wie fühlst du dich?“ James kam jetzt näher zum Bett und Kate drehte ihren Kopf zu ihm. Plötzlich erstarrte sie. War das etwa Wirklich? Sie hatte nicht geträumt. Alles war echt!

„James? Katharina? Was …. Was ist passiert, warum seit ihr hier? Wo bin ich?” Schnell setzte sie sich ein wenig auf. Erschrocken, darüber das sie mit den Vampiren in einem Zimmer war und noch nicht einmal wusste, wo sie war, verwunderte sie. Doch dann erinnerte sie sich wieder.

„Der Unfall!” flüsterte sie.

„Ja, du hattest einen Unfall, Kate!” jetzt sah sie wieder zu Darren und die Erinnerung traf sie, wie ein Schlag.

„Darren?” Ihr Blick blieb auf seinem haften. „Wieso bist du hier?”

Seine Hände zitterten leicht. Er hatte Angst, das Kate ihre Empfindungen und ihre Leidenschaft für ihn, durch die Verwandelung verloren hatte. Jetzt in diesen Augenblicken würde er es erfahren.

„Ja, …..ich, ……Kate!” Du … hattest diesen Unfall. Du warst so schwer verletzt und wärst gestorben. Jeff … hatte uns gebeten dich zu verwandeln, bevor du stirbst. Das haben wir getan! Du bist jetzt eine von uns!” erklärte Darren. Ungläubig starrte sie zu jedem einzelnen Noir. War das wirklich wahr? Sie war jetzt ein Vampir?

„Aber …..!”

Ihre Gedanken waren so durcheinander. Konnte sie das wirklich glauben? Er war bei ihr und sie war jetzt ein Vampir! Es war so verwirrend. Ihr Mund stand offen und sie sah ihn mit großen Augen an.

„Der Lastwagen! Ja, ich erinnere mich.”

Dann fiel ihr Jeff wieder ein, die Ringe, die sie gekauft hatten, die Tasche, die sie im Juwelier vergessen hatte, ……. Der Lastwagen, der sie angefahren hatte. Eigentlich sollte sie jetzt tot sein. „Kate, alles in Ordnung?” fragte Katharina und setzte sich besorgt auf die Bettkante.

„Ja, es ist so …..!” Kate fand keine Worte. In ihrem Kopf drehte sich alles.

„Am Anfang ist es schwer zu verstehen, aber du wirst dich mit der Zeit daran gewöhnen!” Katharina hatte ihre Hand gegriffen. Sie konnte sich gut vorstellen, wie Kate jetzt zu mute war. „Wo ist Jeff?”

„Er ist zurück geblieben, er ….! Er meldet sich in ein paar Tagen bei dir!” sagte Katharina und blickte flüchtig zu Darren, der ein finsteres Gesicht machte.

„Wieso hat er das getan?” wollte Kate wissen. Das war alles sehr schwer zu verstehen für sie.

„Das kannst du ihn alles fragen. Jetzt müssen wir uns erst mal um dich kümmern.”

James untersuchte sie und stellte ihr eine Menge Fragen. Die Anwesenheit von Darren machte sie etwas nervös. Eigentlich dachte sie immer, wenn sie verwandelt würde, dann würde sie auch nicht mehr so stark auf ihn reagieren. Aber das war wohl nicht der Fall. Sie spürte noch genau die Stelle auf ihrer Stirn, wo sein Finger sie vorher berührt hatten. Sie brannte immer noch. Ihre Empfindung war noch die gleiche.

Am liebsten hätte sie ihre Arme und seinen Hals geworfen und ihn wild und stürmisch geküsst. Doch sie wusste dass das nicht ging. Sie wusste noch nicht einmal, ob er noch etwas für sie empfand. Aber verwirrend war die Sache mit ihren Sinnen. Das einzige was sie störte, war das ewige Brennen in ihrer Kehle. „Hört das Brennen auch bald auf?”

„Welches Brennen?” fragte Darren, der immer noch neben ihr saß. „Meine Kehle ist so trocken und brennt. Es hört nicht auf. Es wird sogar immer stärker.

James, Katharina und Kai fingen an zu lachen. Selbst Darren grinste.

„Warum lacht ihr? Was ist so komisch?” wollte Kate wissen. „Du hast Durst würde ich sagen, sogar ziemlich großen!” sagte Kai. „Du solltest jagen gehen, dann hört das Brennen wieder auf.” Jagen? Ja, sie musste das wohl tun. Sie war jetzt ein Vampir. Sie würde von nun an Blut trinken müssen. Zu ihrem erstaunen, lief ihr das Wasser im Mund zusammen, wenn sie nur daran dachte. Ihre Gedanken waren bei warmes Blut, das ihre brennende Kehle beruhigte. Sie konnte sich überhaupt nicht auf etwas anderes konzentrieren.

„Ich hole dir eine Blutreserve!”Schon war Katharina aus dem Zimmer und kam auch wenige Sekunden wieder. In ihrer Hand hielt sie einen Plastikbeutel mit Blut. Sie drückte ein kleines Loch hinein und steckte einen Strohhalm hindurch. Dann reichte sie den Blutbeutel Kate.

Als Kate den Beutel sah, konnte sie es nicht erwarten, bis sie endlich die zimmerwarme, rote Brühe trinken durfte. Sie trank den ganzen Beutel in einem Zug aus, während James all ihre ersten Taten notierte.

Darren grinste schief, aber das interessierte Kate in diesem Moment nicht.

Sie schloss ihre Augen und genoss jeden Tropfen Blut, bis sie satt war.

Darren nahm ihr den leeren Beutel ab.

„Morgen werde ich dir das Jagen bei bringen, wenn du willst. Dann kann ich dir alles bei bringen, was du wissen musst.” Kate konnte es jetzt schon nicht erwarten, mit ihm durch den Wald zu streifen. Sie lies sich aber nichts anmerken.

„Ich möchte aufstehen!“ sagte sie und erhob sich mit Darren´s Hilfe. Er berührte ihren Rücken und sofort spürte sie auch dort, dieses schöne Gefühl, das nur er in ihr auslösen konnte. In ihrem Kopf drehte sich alles und sie wangte kurz. Seine Hand stütze sie und fast hätte Kate unter seiner Berührung ihre Hand zurück gezuckt.

Sie war es nicht mehr gewohnt, doch sie spürte, wie sehr sie genau dieses Gefühl vermisst hatte.

Langsam ging sie ein paar Schritte und je länger sie auf ihren Beinen stand, desto besser fühlte sie sich. „Also, wenn es dir soweit gut geht, Kate, würde ich gerne ein paar weitere Untersuchungen machen!“ sagte James. Kate war einverstanden, aber sie war mehr damit beschäftigt, das Durcheinander, das sie nur sehr langsam in ihrem Kopf auflöste, zu ordnen.

Als Kai, Katharina und Darren das Zimmer verlassen hatte, begann für Kate die große Fragestunde.

James wollte so viel wissen, über die Verwandelung, das es mehr als eine Stunde dauerte, bis er endlich zufrieden war. Als auch er schließlich Kate allein ließ, nutzte sie die Zeit zum nachdenken und sich in ihrem Körper zurecht zu finden.

Darren war so distanziert und das verletzte sie. Aber auch das lies sich Kate nicht anmerken.

Sie hatte überhaupt keine Ahnung, wie sie sich jetzt ihm gegenüber verhalten sollte.

Vielleicht würde sie bald wissen woran sie war. Jetzt hatte sie erst einmal das Bedürfnis, über viele Dinge nachzudenken. Für Kate war das alles sehr neu und doch gleichzeitig aufregend. Sie war jetzt ein Vampir.

Alles hatte sich verändert, nur sie selbst, war die gleiche. All das, was sie ausmachte, hatte sie behalten, inklusiv ihre Leidenschaft für Darren. Aber er kam mehrere Stunden nicht wieder in ihr Zimmer. Was sollte nur aus ihr werden, wenn Darren sie nicht mehr wollte? Bei dem Gedanken zog sich in ihr alles zusammen. Wenn es so war, dann wäre die Verwandelung umsonst gewesen. Dann wäre sie lieber gestorben, als jetzt für alle Zeiten zu leiden. Was wüssten Pat und Phil? Was hatte Jeff ihnen erzählt? Sie würde wohl die beiden nie wieder sehen. Das war schwer. Nie könnte sich nach Pleasantview oder Portland zurück kehren können. Ihr Haus! Sie würde Jeff darum bitten, sich darum zu kümmern. Körperlich fühlte sie sich gut, aber ihr kaltes Herz war schwer vor Kummer.

Sie musste dringend mit Jeff sprechen. Vielleicht würde das etwas Klarheit bringen.

In den folgenden Tagen, lernte sie, was es bedeutete ein Vampir zu sein.

Sie ging jeden Tag jagen. Immer war Darren bei ihr. Aber er war immer darauf bedacht Abstand zu ihr zu halten. Er vermied jede Annäherung und zufällige Berührungen. Sie sprachen auch nicht über sich, sondern es ging immer über das Leben als Vampir. Heimliche Blicke erhaschte Kate immer dann von ihm, wenn er sich unbeobachtete fühlte. Sie sehnte sich so nach ihm, das sie manchmal die Gesellschaft von Kai oder Katharina vorzog. Manchmal schaffte sie es einfach nicht, in seiner Gegenwart zu sein, ohne ihn ansehen zu können.

Und ganz langsam verstand Kate, was er damals zu ihr gesagt hatte. Das dieses Dasein nicht einfach war. Es sogar grausam sein konnte.

Sie schlief nie. Sie hatte Tag und Nacht Zeit. Oft wusste sich nichts mit der ewigen Zeit anzufangen.

Sie spielte Schach mit Kai, oder beschäftigte sich mit langen Spaziergängen, beantwortete die Fragen von James oder sie langweilte sich.

Heimweh kam auf und sie sehnte sich nach Tante Pat´s mütterlichen Umarmungen und Jeff´s Verständnis. Sie brauchte dringend etwas, womit sie sich ablenken könnte. Sie musste eine Beschäftigung für sich finden, indem sie Zerstreuung finden könnte. Sie las viel. Aber die meiste Zeit war sie allein. Als Vampir gab es auch nicht viel zu tun. Sie musste keine Einkäufe erledigen und nicht kochen. Es gab nichts, was sie tun konnte.

Aber oft dachte sie an Jeff. Was er wohl gerade tat? Wie es ihm wohl mit der Tatsache erging, das sie jetzt ein Vampir war? Sie beschloss ihn anzurufen. Sie nahm das schnurlose Telefon und ging in ihr Zimmer. Katharina hatte ihr das Zimmer überlassen. Es war ihr kleines Reich. Um Darren nicht all zu oft über den Weg zu laufen, hielt sie sich viel in ihrem Zimmer auf.

Sie kannte seine Nummer auswendig und wartete, das er endlich den Hörer abnehmen würde.

„Bennets?” hörte Kate ihn sagen. Und es tat ihrer Seele so gut. „Hi Jeff!” An der anderen Leitung war stille. Kate konnte seine Sprachlosigkeit gut verstehen. Wahrscheinlich hatte er mit ihrem Anruf nicht gerechnet.

„Kate, bist du das?” Seine Stimme klang froh und das freute Kate. „Ja, ich bin´s!” Sie lachte.

Jeff atmete lauf auf. Er machte den Eindruck, das er ziemlich erleichtert war, ihre Stimme zu hören. „Wow, ich freue mich! …. Erzähl, geht es dir gut?”

„Ja, mir geht es gut! … Wieso hast du dich nicht gemeldet?” „Ich dachte, du wirst einige Zeit brauchen, um mit deiner neuen Situation zurecht zu kommen.” Dann war wieder stille in der Leitung. „Erzähl mir von dir. Was tust du, wenn du nicht gerade jagen gehst!” Natürlich hatte er das Wort jagen, mit leichtem Spott ausgesprochen und versuchte wie immer von unangenehmen Themen abzulenken. Aber für Kate war es ein willkommene Gelegenheit, von ihrer Unsicherheit abzulenken. Außerdem brauchte er nicht wissen, das es ihr alles andere als gut ginge.

Sie erzählte ihm ganz locker und gelassen von ihrem neuem Leben und versuchte es so abenteuerlich wie möglich zu erzählen. Es tat so gut seine Stimme zu hören und sie fühlte sich beinahe so gut wie früher, wenn sie mit ihm sprach.

„Du weißt schon Vampirkram und so! Aber es geht mir gut, Darren bringt mir viel bei und ich habe mich so langsam an mein neues Leben gewöhnt. Und du? Was hast du deinen Eltern gesagt?“ „Oh, ja es war gar nicht so leicht, sich etwas passend für sie auszudenken. Aber ich denke ich habe es ganz gut hinbekommen. Ich habe ihnen erzählt, das du wieder mit Darren zusammen bist. Natürlich musste ich eine passende Geschichte erfinden und sie haben sich ganz schreckliche Sorgen gemacht, vor allem meine Mutter! Du kennst sie ja!“

„Oh mein Gott!“

„Ja, sie denken, das du mit ihm eine lange Reise machst! Und wenn du wieder zurück kommst, würdest du dich bei ihnen telefonisch melden.”

„Und das haben sie dir geglaubt?”

„Naja, du kennst mich. Ich habe ihnen erzählt, wie es zwischen dir und Darren wieder funkte, aber dann war alles klar. Und so viel lügen musste ich ja schließlich nicht. Ich glaube, das es sogar möglich wäre, das du sie irgendwann besuchst. Wir sollten sie nur gut vorbereiten, das du jetzt etwas anders aussiehst als früher. Irgendwie werden wir das schon hinbekommen! Vielleicht legen wir Make-Up auf, oder wir könnten sagen, du hast dich mit der gleichen Hautkrankheit, wie die Noir´s infiziert, oder so!“ lachte er. Kate konnte nicht fassen, was er alles für sie tat. Aber das Pat ihm das geglaubt hatte, war schon komisch. Sonst durchschaute sie alle ihre Kinder beim Lügen.

„So lange es ihnen damit gut geht, ist es ja in Ordnung. Erzähl von dir! Was tust du?”

„Oh, …. ich ….. bin auch ziemlich beschäftigt!” Irgend etwas versuchte er ihr zu verbergen, das spürte sie genau. Sie hatte sogar den Eindruck, das er nicht allein war. „Was ist los, Jeff? ……. Wer ist bei dir?”

Sie konnte sogar durch das Telefon sehen, wie er jetzt gerade das Gesicht verzog, als hätte man ihm beim Äpfel stehlen erwischt. „Nichts ist los! Ich bin nur von deinem Anruf überrascht!” Wieder war eine kleine Weile stille zwischen ihnen. „Jeff? Können wir reden? Ganz offen?“

„Natürlich, das weißt du doch!“

Kate musste es einfach wissen. Sie hätte es nicht weiter ertragen, wenn sie wusste, das er litt.

„Warum hast du dich umentschieden? Du warst immer gegen die Verwandelung.”

Es war einen kleinen Moment sehr still geworden am Telefon und Kate war sehr gespannt auf seine Antwort. „Weil … du zu ihm gehörst. Das habe ich kurz nach dem Unfall verstanden, Kate! Außerdem konnte ich den Gedanken nicht ertragen, das du für immer tot sein würdest. Ich wollte, das du glücklich wirst. Diese Entscheidung habe ich aus …. Liebe getroffen. Du verdienst es, Kate!”

Wie selbstlos er war! Es gab nicht viele Menschen, die so gehandelt hätten, wie Jeff! Die Verbundenheit, die sie zu ihm empfand, war so tief. Am liebsten hätte sie ihn in ihre Arme geschlossen. Er hatte sie wirklich geliebt.

„Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll?” „Sag nichts Kate! Mir geht es besser, als ich vermutet hatte damit! Ich habe erkannt, das man Liebe nicht erzwingen kann. Du hättest mich nie so angesehen, wie du Darren ansiehst. Ich war so darauf fixiert, dich für mich zu gewinnen, das ich die Wahrheit nicht gesehen hab, aber Kate, … ich bin glücklich und stolz, das ich es geschafft habe, für uns alle eine Lösung zu finden.” Jetzt schwieg Kate ein Weile. Das klang so ….. ? Sie kannte ihn. Natürlich, was er getan hatte, hatte er aus Liebe getan und das würde sie nie vergessen, aber da war noch etwas anderes. Etwas, was neu klang in ihm. Wenn sie ihn nicht besser kannte, dann würde sie denken, dass ….. !

„Wie heißt sie?” Jeff lachte und Kate wusste, das sie ins schwarze getroffen hatte. Es war eine Art, <es ist alles in Ordnung> lachen. „Woher ….. !”

„Schon vergessen? Wir kennen uns schon so lange und ich kenne dich!“

„Ich hätte es wissen müssen, ich kann dir wirklich nichts vormachen! Du hast recht, ich bin nicht allein.”

„OK, willst du mir sagen, wer sie ist?“ Kate wusste ganz genau, wer bei ihm war. Katharina hatte ein paar Andeutungen gemacht. Liliana war auch eine schöne Frau und sie wirkte auf Männer einfach anziehend. Aber sie war ein Vampir und darüber sorgte sich Kate. „Es ist etwas anderes, Kate! Sie ist …. abenteuerlich! Es fühlt sich auch anders an. Und ich glaube, sie ist das beste, was mir in letzter Zeit begegnet ist.“

Jeff hörte sich schwer verliebt an, was bei Kate ein gutes Gefühl hinterließ, doch trotzdem war sich Kate bewusst, das Liliana ein Vampir war und sie sehr besitzergreifend sein konnte. Doch sie wünschte ihm dieses Glück, das er jetzt spürte. Sie wünschte es ihm von ganzem Herzen, auch wenn ein leichter bitterer Geschmack dabei war, wegen Liliana. Doch nichts wollte sie ihm trüben. „Pass einfach auf dich auf, Jeff und melde dich!” Er hoffte sie würde auch nicht länger darüber sprechen. Aber er war froh, das es für Kate und ihn so war, wie früher. Nichts hatte sich zwischen ihnen geändert. Ihre Freundschaft war noch genauso stark wie damals. „Kate?“

„Ja?“

„Sind wir noch Freunde?” Kate lachte.

„Die Besten, Jeff! Mach dir keine Gedanken!”

Als Kate Katharina einige Zeit später von ihrem Anruf erzählte grinste sie, als hätte sie gewusst, das zwischen Jeff und Liliana etwas sich anbahnte.

„Du wusstest es schon lange?” Kate war noch immer über ihren Scharfsinn erstaunt.

„Ja, es war nicht schwer es zu sehen.”

„Ja, aber dann wird es genau so schwierig werden, wie bei Darren und …..!” Sie brach mitten im Satz ab.

„Schwer ist es für euch nur, weil ihr es euch schwer macht, Kate! Wieso sprecht ihr euch nicht aus?”

„Er geht mir seit Tagen aus dem Weg und ich habe auch ein wenig Angst davor?”

„Er ist genauso unsicher wie du. Versuche es! Und um Jeff und Liliana brauchst du dir keine Sorgen machen. Sie ist der Vampir, nicht er.”

Als Kate nach dem Gespräch mal wieder im Wald spazieren ging, versuchte sie allen Mut zusammen zu nehmen und wollte Darren später aufsuchen. Sie musste endlich mit ihm sprechen. Es führte kein Weg daran vorbei. Sie musste endlich wissen, woran sie war. Jetzt wusste sie, das es Jeff gut ging und das sein Herz nicht gebrochen war. Kate hätte es nicht ertragen, wenn er weiter unter der Liebe leiden würde, die sie für Darren empfand. Wenigstens war ihr bester Freund glücklich, … endlich! James hatte immer wieder bewundert gesagt, welch absolut gutes Ergebnis Kate war. Die Verwandelung war das beste Ergebnis, was er je gesehen hatte.

Es war für James sehr interessant. Alles hielt er schriftlich fest und begann Kate´s Erfahrungsberichten zu studieren. Er wahr noch immer der ewige Student und sein Wissensdurst war einfach unendlich. Kate schätze ihn sehr. Er war ihr Berater und gleichzeitig ihr Arzt und Freund. Er war es auch, der ihr sagte, das ihre Wunden am Körper innerhalb von ein paar Stunden nach ihrer Verwandelung verschwunden wären. Und er hatte recht gehabt. Von dem schrecklichen Unfall gab es auf Kate´s Körper keine Spuren mehr.

Aber jetzt brauchte Kate von einen Rat von ihm. Sie ging in sein großes Büro. Wie immer saß er über seinen Unterlagen.

„Kate! Komm rein und leiste mir Gesellschaft!” Kate stand etwas schüchtern in der Türschwelle. Sie ging und setzte sich auf einen Ledersessel, der neben einem Bücherregal stand. „Was hast du für Kummer?”

Er war ein Vampir und seine Züge waren genauso glatt, wie Marmor, doch konnte er seine Stirn, durch sein fortgeschrittenes Alter, in Falten legen.

„Ich möchte dich etwas fragen!” Sie atmete tief durch. „Wie war es für Darren, als ihr von Pleasentview fort gegangen seit?” „Willst du eine ganz ehrliche und persönliche Antwort?” Kate nickte und konnte nicht erwarten bis er endlich ihr alles erzählen würde.

„Es war für Darren, die schlimmste und schmerzhafteste Erfahrung, die er je gemacht hatte. Katharina und ich hatten wirklich Angst um ihn. Anfangs sahen wir ihn wochenlang nicht und er ging auch selten jagen. Bis er eines Tages uns sagte, das er die Familie verlassen wollte.

Dann haben wir ihn Monate lang nicht mehr gesehen. Er rief einfach nur ein oder zwei mal an, weil er ein schlechtes Gewissen wegen Katharina hatte. Sie sollte einfach nur wissen, das er noch existierte. Kai und ich haben uns dann auf den Weg gemacht um ihn aufzuspüren.

Er war in Schweden. Lebte dort in den Wäldern, wie ein Nomade. Letztlich konnten wir ihn davon überzeugen, wieder nachhause zu kommen. Wir arbeiteten daran das Gift zu verändern. Wir suchten Stoffe, mit denen wir die Wirkung des Giftes verändern konnten. Wir probierten es an Tiere aus. Nach mehreren Wochen hatten wir die ersten Erfolge, aber für Darren war das zu wenig Sicherheit. Schließlich konnten wir es nicht an einem sterbenden Menschen testen. Jedenfalls, ich glaubte daran, das wir am Ziel waren. Darren hatte nach wie vor große Zweifel.

Und ich kann dir sagen warum er daran arbeitete. Er suchte eine Möglichkeit sich von seinem Leid zu befreien. Er dachte ernsthaft darüber nach, dich aufzusuchen und dich um verzeihen zu bitten. Er wollte dich verwandeln, aber dann verließ ihn der Mut. Er wollte das Gift nicht an dir testen.

Bis vor ein paar Tagen Liliana bei uns anrief und sagte, das ein gewisser Jeff Bennet bei ihr wäre und müsse uns dringend sprechen. Und den Rest kennst du ja.”

Kate sagte kein Wort und war tief in Gedanken. „Wie ist es dir ergangen?“ fragte James.

„Mir? … Um ehrlich zu sein, es war die schlimmste Zeit meines Lebens und beinahe hätte ich einen fatalen Fehler gemacht. Ich fühlte mich, …. wie tot. Und es gab eine Zeit, da hab ich es mir auch gewünscht.“

Erinnerungen an diese Zeit fühlten sich nun schrecklich an. Wenn Jeff nicht gewesen wäre, dann wäre alles schief gegangen. Er hatte sie gerettet.

„Verstehe! Aber du bist immer noch nicht glücklich!“ „Es geht mir gut!“

„Kate,“ James war aufgestanden und ging um seinen Schreibtisch herum, zu ihr.

Mit traurigen Augen sah sie ihn an.

„Warum gehst du nicht zu ihm? Redet doch endlich miteinander, ich bin mir sicher, das was zwischen euch ist, geklärt werden kann.“ „Ich habe Angst, James!“

„Das brauchst du nicht, bitte tu mir den Gefallen. Geh! Na geh schon!“

Kate nickte und ging aus dem Büro. James hatte recht. Sie musste endlich mit Darren sprechen.

Sie hatte nicht erwartet, das Darren sich die Verwandelung zur Aufgabe gemacht hatte.

Dann wollte er sie. Würde das bedeuten, das er sie noch liebte? Sie war gerade in der großen Halle, als sie leise seine Stimme hörte, die aus einem der oberen Zimmer kam. Sie sah von unten hinauf und sah, das seine Zimmertür offen stand. „Ja, ich warte!” Offenbar telefonierte er.

„Ein Hinflug, …. ja, ohne Rückflug. Heute Abend? Ja, in Ordnung!” „Auf den Namen Darren Noir. Vielen Dank. Dann legte er auf. Wollte er fort? Wohin ging er? Aber warum. Tränen stiegen ihr auf. Sie fühlte sich machtlos. Und Wut mischte sich mit. Wie konnte er nur abhauen, ohne etwas zu klären? Nein, dieses mal würde sie das nicht zulassen.

Zielstrebig lief sie die Treppen hinauf und folgte der Stimme, die sich jetzt mit Katharina diskutierte.

„Was soll ich noch hier? Ihre Liebe hat sich auf Jeff verlagert. Was kann ich da noch tun? Ich habe einfach alles auf eine Karte gesetzt und verloren, Mutter.”

„Hast du mit ihr geredet?” hörte Kate Katharina. „Das brauchte ich nicht. Du hättest ihre Stimme hören sollen, als sie mit Jeff gesprochen hat und erst recht, als sie erfuhr, das er und Liliana …..!”

„Du irrst dich, glaub mir doch. Sie liebt dich, das weiß ich!” Jetzt stand Kate vor der Tür. Die beiden hatten sie nicht bemerkt, weil sie so in das Gespräch vertieft waren. Kate klopfte an. Katharina öffnete ihr. Sie verließ ohne ein weiteres Wort zu sagen den Raum.

Kate traute ihren Augen nicht, als sie das Zimmer sah. Es war genauso eingerichtet, wie das Zimmer das er ihr einmal geschenkt hatte in Pleasantview.

Sie schauderte, doch dann straffte sie ihre Schultern und ging direkt auf ihn zu.

Seine markante Gestalt stand direkt vor dem Bett, das er für sie beide gekauft hatte und packte.

Als er sie bemerkte, hielt er seinen Bewegungen inne. Sein Blick war düster, aber sie wollte mutig bleiben und keinen Rückzieher machen. „Wo willst du hin?”

„Fort!” sagte er knapp und packte weiter.

„Was soll das, Darren? Wieso gehst du mir seit Tagen aus dem Weg?”

„Du hast doch jetzt was du wolltest.”

„Woher willst du wissen, was ich will?”

„Ich ertrage es nicht mehr, Kate. Ich kann nicht hier sein und täglich zu sehen, wie traurig zu bist und ihm hinterher weinst. Er wollte die Verwandelung für dich. Jetzt bist du verwandelt, du kannst gehen, du bist frei. Wenn du ihn haben willst, dann kämpfe um ihn. Liliana wird ihn nicht kampflos aufgeben, das weiß ich.” „Das denkst du also? Du denkst ich will Jeff?” „Du warst bereit ihn zu heiraten, Kate!” Kate begann zu lachen. “Du bist eifersüchtig!”

„Unfug, ich bin nicht eifersüchtig!”

„Darren Noir, jetzt will ich dir mal etwas sagen, hast du eine Ahnung, wie schwer es für mich war? Hast du nur die geringste Ahnung, wie ich beinahe daran zerbrach? Jeff half mir, in das Leben zu finden. Er liebte mich und war bei mir, als ich sterben wollte. Er verhinderte das.

Es war jeden Tag eine Qual für ihn, mich so zu sehen. Er wollte die Ehe von mir und ich war bereit sie ihm zu schenken. Obwohl er wusste, das ich ihn nie so lieben könnte, wie ich dich liebe.” Kate hatte ihn unentwegt angesehen und sah plötzlich etwas goldenes aufflackern. Aber sein Gesicht war noch immer erst und seine makellosen Gesichtszüge waren immer noch hart. „Er ist und bleibt mein bester Freund! Daran werde und will ich nichts ändern.

Die Verwandelung war grausam genug, Darren. Bitte, ich ertrage deine Kälte nicht länger.” sagte Kate und als sie merkte, das er sich immer noch nicht rührte, ging sie aus seinem Schlafzimmer. Vielleicht war es zu spät für sie beide? War er über sie hinweg? Er hatte damals gesagt, das die Zeit seine Wunden heilen würde. Heiße Tränen stiegen auf, die sie nicht aufhalten konnte. Das war Ironie des Schicksals, dachte sie. Jetzt hatte sie die Unendlichkeit, aber es würde für Kate sehr lange dauern. Sie war gerade im Begriff aus dem Zimmer zu rennen, als Darren sie am Arm hielt.

Sein Griff war wie ein elektrischer Schlag für sie. Jetzt standen sie sich gegenüber und sahen sie lange an.

„Ich habe genauso gelitten wie du. Wenn du bei dem Unfall gestorben wärst, hätte ich es nicht überlebt, Kate. Es war die schlimmste Zeit, meines Daseins. Ich war genauso verzweifelt wie du, glaube mir.

Ich habe einen Fehler gemacht. Ich hätte dich nie verlassen dürfen. Das war dumm von mir.” sagte er und seine Stimme war rau. Darren war jetzt ganz nah, sofort nahm Kate seinen süßlichen Duft wahr. Der Duft betörte sie und sie sog ihn tief ein. Dann spürte sie seinen warmen, zarten Finger auf ihren Lippen. Sanft strich er darüber. Er sah sie dabei an. Seine Augen waren golden und Kate verlor sich in ihnen, genau wie früher.

„Wieso sagst du das erst jetzt? Wieso hast du nicht auf meine Liebe vertraut?” fragte sie zart.

„Es tut mir leid, Liebling. Ich habe dich oft weinen hören in deinem Zimmer und ich wusste nur, das du im Begriff warst Jeff zu heiraten. Ich dachte du hättest dich in ihn verliebt und mich vergessen. Es war so schwer für mich, Kate. Ich hatte solche Angst, dich bei der Verwandelung zu verlieren.” Zärtlich, aber doch etwas ungläubig, sah er sie an.

„Liebst du mich?”

„Darren, ich habe nie aufgehört dich zu lieben. Ich habe versucht dich zu vergessen, doch es ging nicht. Ich liebe dich so sehr, ich will nie wieder von dir getrennt sein. Ich kann es einfach nicht mehr ertragen, ohne dich zu sein.” Die Tränen liefen ihr in großen Sturzbächen die Wange hinunter.

Er küsste ihr die Tränen fort und nahm sie fest in seinen Arm. Endlich fanden ihre Lippen zueinander.

Der Kuss war zart und warm und weich, und dauerte ein halbe Ewigkeit.

Es war als würde die Zeit stehen bleiben und Kate fühlte sich als ganzes. Darren war ihre Seele, die sie lange verloren glaubte. Sie schlug langsam ihre Arme um seinen Hals und drückte ihn fester an sich heran. Endlich! Sie hatte ihn wieder! Sie wollte ihn nie wieder loslassen. Zu groß war der Verlust gewesen. Noch einmal diesen Schmerz, würde sie endgültig vernichten. Sie gehörte zu ihm, wie er zu ihr.

Ganz leise hörte Kate das Zischen wieder. Das vertraute Gefühl von leichtem und gleichmäßigem knistern hinterließ nun das Gefühl von Einheit. Es fühlte sich richtig und gut an. Es war das wertvollste, was Kate besaß.

Darren nahm sie hoch in seine Arme und lief mit ihr in seinen Armen zurück zu seinem Bett.

Die ganze Zeit lagen seine Lippen auf ihre. Er legte sie sanft auf dem Bett ab, ohne seinen Kuss zu unterbrechen. Die Schmetterlinge flogen wieder und Kates Verlangen wurde von Darren wieder geweckt.

Sie küssten sich ausgehungert. Die Leidenschaft, die sie beide so lange nicht erleben konnten, ließen sie jetzt freien Lauf. Jetzt mussten sie nicht mehr vorsichtig sein, sie konnten sich genießen. Wild und ausgehungert konnten sie es nicht erwarten, bis sie ihre nackten Körper endlich voll und ganz berühren könnten. Fast hektisch entledigten sie sich ihrer Kleider. Darren Hemd riß dabei, doch sie achteten nicht darauf. Nichts war wichtiger, als endlich ihn zu berühren.

Darren stand vor ihr und Kate zog ihn auf sein Bett. Sie konnten nicht genug von einander bekommen und nichts konnte schnell genug gehen, bis Darren inne hielt und ihr tief in die Augen sah, während sich ihr Atem etwas beruhigte. „Kannst du mir verzeihen?” fragte er und seine Stimme klang rau vor Verlangen.

Darren brauchte ihren Zuspruch. Es war das, was er wissen musste, um seine Schuld endlich ablegen zu können. „Nur, wenn du mir versprichst, mich nie wieder zu verlassen.” „Ich werde dich nie wieder allein lassen, Liebling. Das verspreche ich dir für die Ewigkeit.”

Dann neigte er seinen Kopf und küsste sie erneut. Doch dieses mal war er nicht so sanft und behutsam. Das brauchte er auch nicht mehr. Lange hatten sie auf sich verzichtet. Ihre Körper passten perfekt zusammen. Als er endlich zu ihr kam und sich in ihr bewegte, waren Kate und Darren in voller Ekstase und kannten keine Furcht mehr. Sie ließen ihren wilden und ausgehungerten Gefühlen freien lauf. Und als Darren laut ihren Namen presste erreichten sie beide gemeinsam den Höhepunkt.

Unfähig etwas zu sagen blieben sie beide eng aneinander liegen und genossen ihre Liebe. Beide waren atemlos und zufrieden, aber nicht müde, das würden sie nie mehr sein. In dieser Nacht liebten sie sich ständig und konnten nicht genug bekommen von einander. Sein Verlangen nach ihr, schien genauso unendlich zu sein, wie bei Kate.

„Ich liebe dich, Kate. Ich liebe dich so sehr.” hauchte er. „Lass mich nie mehr allein, Bitte!“

„Nie wieder! Ich verspreche es!“

Als die Sonne langsam aufging, wurden alle Rollläden mit einem Knopfdruck herunter gelassen.

Kate wurde leicht übel, als sie durch einem Sonnenstrahl vorbei lief. Schnell ging sie in den Lichtschatten und die Übelkeit verschwand. Sie hörte Schritte im Flur und wusste, das er gleich in ihrem gemeinsamen Zimmer stehen würde.

Die Tür ging auf und Darren kam herein. Er strahlte sie an. Nie war Kate glücklicher gewesen, als in den letzten zwei Wochen. Sie verbrachte mit Darren Tag und Nacht. Sie fühlte sich so wohl in diesem Haus und bei den Noirs, das es für sie keine andere Alternativen gab. Sie wollte dieses Leben mit ihm. „Liebling, komm her!” raunte er sanft. „Du hast mich seit einer Stunde nicht mehr geküsst!” sagte er vorwurfsvoll. „Ja, weißt du eigentlich, wie eklig es ist einen so uralten Mann, wie dich zu küssen?”

Kate grinste neckend. Sein Mund stand offen, als er hörte, was sie da zu ihm sagte.

„Immerhin bin ich nicht runzelig oder habe ein Gebiss!“ sagte Darren und zog Kate zu sich.

„Außerdem kann ich meine Finger nicht von dir lassen!” lachte Darren und küsste sie.

„Das will ich dir auch geraten haben, Mr. Noir! „Natürlich wirst du die verlorene Stunde, doppelt und dreifach nachholen müssen!”

„Mmmh, welch süße Strafe! Jederzeit, ich bin zu allem mit dir bereit!“ lachte Kate.

Glücklich sah sie Darren an und vergrub ihre Hände in seinem Haar. Er löste sich kurz aus ihrer Umarmung und schob sie ein kleines Stück von sich. Darrens Vorfreude darauf war grenzenlos. „Vorher möchte ich dich ….. etwas fragen.” Neugierig sah sie ihn an, in seinem Gesicht war auch etwas ernstes, sie wusste nicht, ob sie sich sorgen machen musste, oder nicht. „Was ist?” fragte sie leicht besorgt.

Darren sah sie eine Weile an, dann ging er auf die Knie vor ihr. Er nahm ihre makellose Hand. Dann war es ganz still im Haus. „Kate, nie wieder werde ich dich verlassen. Du machst mich glücklich und …..

Er machte eine lange Pause bevor er weiter sprach. Ihre Augen und seine trafen sich.

….......... „Heirate mich Kate, ohne dich bin ich verloren!” Von seiner Liebe war sie sprachlos, wusste aber das sie genauso tief und genauso viel empfand. Sie war zuhause angekommen. Ein lange Weg war es bis sie ihr Glück endlich gefunden hatte, aber sie war fest entschlossen es nicht mehr gehen zu lassen. Immer noch sah Darren sie fragend an und Kate wusste sofort ihre Antwort. Ohne zu zögern sagte sie: „Ja, Darren!” hauchte sie. Diese Entscheidung fiel ihr sehr leicht.

Kate und Darren wussten, das viele Entscheidungen gefällt wurden, bis sie endlich zusammen sein konnten, doch das schönste daran war. Es waren alles Entscheidungen aus Liebe.

 

T H E E N D

Tag der Veröffentlichung: 21.03.2013

https://www.bookrix.de/-anita75

Sie haben Entscheidung aus Liebe 3 zu Ende gelesen

Any Cherubim

Bücher wie dieses