Erdgeist
Sechster Auftritt
Lulu
Dazu haben Sie in Afrika wohl auch nicht viel Gelegenheit?
Escerny (ernst)
Lassen Sie mich Ihnen offen gestehen, daß mir meine Vereinsamung in der Welt manche Stunde verbittert.
Lulu
Gleich ist der Knoten auf ...
Escerny
Was mich zu Ihnen hinzieht, ist nicht Ihr Tanz. Es ist Ihre körperliche und seelische Vornehmheit, wie sie sich in jeder Ihrer Bewegungen offenbart. Wer sich so sehr wie ich für Kunstwerke interessiert, kann sich darin nicht täuschen. Ich habe während zehn Abenden Ihr Seelenleben aus Ihrem Tanze studiert, bis ich heute, als Sie als Blumenmädchen auftraten, vollkommen mit mir ins Klare kam. Sie sind eine großangelegte Natur — uneigennützig. Sie können niemanden leiden sehen. Sie sind das verkörperte Lebensglück. Als Gattin werden Sie einen Mann über alles glücklich machen ... Ihr ganzes Wesen ist Offenherzigkeit. — Sie wären eine schlechte Schauspielerin ...
(Die elektrische Klingel tönt über der Tür)
Lulu
(hat die Schnüre ihres Korsets etwas gelockert, holt tief Atem, mit den Absätzen klirrend)
Jetzt kann ich wieder atmen. Der Vorhang geht auf. (Sie nimmt vom Mitteltisch ein Skirtdancekostüm — Plissé, hellgelbe Seide, ohne Taille, am Hals geschlossen, bis zu den Knöcheln reichend, weite Blousenärmel, — und wirft es sich über) Ich muß tanzen.
Escerny
(erhebt sich und küßt ihr die Hand)
Erlauben Sie mir, noch ein wenig hierzubleiben.
Lulu
Bitte, bleiben Sie.
Escerny
Ich bedarf etwas der Einsamkeit. (Lulu ab)
Sechster Auftritt