Eyrin, Verrat auf der Elfenburg

Anja 1993 · Kapitel 3 von 3 · Teil 2/3

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Eyrin, Verrat auf der Elfenburg

Die restlichen Seiten handelten von den Elfen…

Dieses Kapitel ist lang und deshalb in 3 Teile geteilt.

Siebenundzwanzig

„Was sagst du da?“, fragte Karla und sah mich aus leicht zusammengekniffenen Augen an. „Wie?“, machte auch Mejoné und sah mich an, als hätte ich den Ver-stand verloren. Doch ich ging nicht darauf ein, sondern fing an zu stammeln: „Du meine Güte, die beiden sind Cousins! Und sie wissen es noch nicht einmal.“ Die Kö-nigin und ihre Zofe warfen sich einen teils erschrocke-nen teils verständnisvollen Blick zu. Karla meinte: „Das uns das nicht früher aufgefallen ist! Die beiden sehen sich so ähnlich und…“ „Sie sind beide großherzig, höf-lich und nett. Und mutig“, unterbrach ich sie. Sie nickte und meinte dann. „Sollen wir es ihnen sagen?“ Mejoné sah noch immer ganz benommen aus und erwiderte nichts. „Ich weiß nicht…ich weiß überhaupt gar nichts mehr…“, murmelte ich und stützte den Kopf in die Hän-de. Gedanken wirbelten wie ein Sturm durch meinen Kopf, irgendwie kamen mir die stummen und unförmi-gen Wörter und Bilder bekannt vor. Ich wusste, etwas Wichtiges war dabei, ich konnte es nur nicht erfassen. Ich strengte mich an, versuchte sie zu ordnen, meinen Kopf zu beruhigen, bevor er noch explodierte. Langsam begann sich ein Gedanke in meinem Kopf zu bilden, ich versuchte ihn festzuhalten, aber er entwischte mir, wieder und wieder. „Eyrin? Hallo, hörst du mir zu?“, drang Karlas Stimme zu mir vor. Mir wurde schwindelig, ein schemenhaftes Bild huschte vor meinem inneren Auge vorbei. Ich sah Mefirian auf einem Feld stehen, er unterhielt sich mit einer Erdelfe. Ihre Worte hallten in meinem Kopf wider: „… hat mir erzählt, dass die Zofe ein freches Mundwerk hat und über die anderen Zofen und Mägde spottet und ihnen das Leben schwer macht. Nur bei der Königin ist sie lieb und fügsam, hat meine Freundin mir gesagt. Außerdem soll diese Frau den anderen Mädchen und Frauen gedroht haben, wenn sie der Königin etwas Schlechtes über sie sagen würden, würde sie sie bei ihrer Herrin anschwärzen und für ihre Entlassung sorgen“, Die Zofe der Königin…die Verdan angeblich vergewaltigt hatte…sie war… Ein plötzlicher Schmerz schoss durch meine Hüfte, ich wollte ihn mir verbeißen, doch trotzdem kam ein Schmerzenslaut über meine Lippen. „Was ist los Eyrin? Was hast du?“, wollte Karla erschrocken wissen. Ich griff mir an die Hüfte und sog scharf die Luft ein. Es tat genauso weh als der Pfeil meine Hüfte getroffen hatte. Symra… „Mejoné hol Hilfe“, befahl die Königin. Ihre Zofe nickte und eilte aus dem Zimmer. Die Königin beugte sich zu mir vor und legte eine Hand auf meinen Arm. Ich krümmte mich vor Schmerz, meine Hüfte brannte wie Feuer, stach. Es fühlte sich an, als würde jemand die verheilte Wunde aufreißen. Ich stöhnte auf und erinnerte mich an die Nacht in der Camilla und Symra aufgetaucht waren. Ich wollte das nicht noch einmal erleben… Ich hörte wie die Tür aufging und kurz darauf tauchte Verdans Gesicht vor meinem auf. Mejoné sah mich ängstlich an, Karla bat Verdan: „ Hilf ihr bitte…ich weiß nicht was es ist…sie hat plötzlich Schmerzen bekommen.“ Verdan half mir aufzustehen und bugsierte mich in das Bett der Königin, ich wollte protestieren, doch ein erneuter Schmerz ließ mich zusammenzucken. Verdan schob mein Kleid hoch und enthüllte meine Hüfte, die genauso weiß und leicht gepolstert aussah wie sonst. Trotzdem fühlte es sich an, als würde der Pfeil immer noch drinstecken. Er strich mit der Hand darüber und ich wimmerte. „Was ist mit ihr?“, wollte Karla wissen und stellte sich neben ihn. Er sah kurz zu ihr hoch und erklärte: „Sie wurde von einem Pfeil an der Hüfte getroffen.“ „Ich weiß“, nickte sie. Der Drachenritter sah sie verwundert an. „Woher wisst Ihr das?“ „Eyrin hat es mir erzählt…auf meinen Wunsch hin…und sie hat ein Geheimnis enthüllt, dass dich betrifft“, fügte sie schnell hinzu. „Verdan…Mefirian…Mefirian ist dein Cousin.“ „Was? Das kann nicht sein!“, rief der junge Mann und sah aus, als würde er gleich in Ohnmacht fallen. Die Königin lächelte schwach. „So ist es. Hast du es nicht bemerkt? Er sieht dir so ähnlich und euer Wesen ist fast dasselbe… ich hätte es früher merken müs-sen…schon als diese Frau mir alles über dich erzählt hat.“ „Ihr wusstet es also.“ „Ja Verdan…schon bevor Ihr gegangen ward…“ Er nickte nur, zu verwirrt und über-wältigt um zu sprechen. „Helft bitte Eyrin!“, mischte sich Mejoné ein. Er nickte und bat Mejoné seine Kräuter zu holen. Sie eilte davon und kam dann schnell wieder mit einem Beutel zurück. Verdan lächelte ihr dankbar zu, was sie erröten ließ. Dann machte er sich an die Arbeit. Verdan bereitete die Kräuter zu einer Salbe, rieb sie in meine Hüfte und gab mir einen ekelhaften Tee zu trinken. Die Schmerzen ließen ein wenig nach, blieben jedoch. Verdan wollte mich in mein Zimmer bringen, doch Karla protestierte entschieden dagegen. Er gab sich geschlagen und kümmerte sich um mich. Ich wollte ihn bitten Mefirian zu erzählen, dass sie verwandt waren, doch ich konnte nicht. Nur ein Gedanke beherrschte meinen Geist: Symra ist eine Zofe der Königin.

 

Ich weiß nicht wie lange die Schmerzen anhielten und Verdan neben mir saß. Er kümmerte sich um mich, schien aber oft mit den Gedanken woanders zu sein. Ich vermutete, dass er an seine Vergangenheit dachte und die überraschende Nachricht von seiner Verwandt-schaft mit Mefirian erst einmal überdenken und verar-beiten musste. Die Königin musste leider gehen, sie hatte einen wichtigen Termin, aber sie versprach später nach mir zu sehen. Mejoné bekam von ihrer Herrin die Erlaubnis zu bleiben, damit sie Verdan helfen und ihm wenn es nötig war, seine Sachen brachte. Ich sah, dass sie froh darüber war, aber sie war auch nervös. Die Sa-che mit der Vergewaltigung nagte an ihr und sie biss sich immer wieder nervös auf die Lippen, als wolle sie verhindern mit einer unschicklichen Frage herauszu-platzen. Dann schien sie es nicht mehr aushalten zu können, denn sie rang die Hände, blickte auf und sagte leise: „Verdan… die Königin…“ Als der Drachenritter sie verwirrt anblinzelte, noch ganz in seiner Vergangenheit gefangen, senkte sie sofort wieder den Blick und kaute an der Unterlippe. „Ja Mejoné?“ Die Zofe holte tief Luft und murmelte dann: „Die Königin… sie hat erzählt du wärst geflüchtet, weil…weil du angeblich eine andere Zofe von ihr vergewaltigt hast…stimmt das?“ Einen Moment sah Verdan sie verblüfft an, dann fragte er mit weicher Stimme: „Und was glaubst du?“ Die junge Frau strich sich das lange Haar hinter die Ohren und sah ihm unverwandt in die Augen. Aus einer Sekunde wurden zwei, aus zwei drei, bis es mir schien wie eine Ewigkeit. Dann antwortete Mejoné: „Ich glaube, dass Ihr unschuldig seid… und…und ich liebe Euch.“ Verdan lächelte warm und glücklich, dann erhob er sich und hob ihr Kinn mit der Hand an. Er küsste sie auf die Wange, für mehr war im Augenblick keine Zeit und nicht der richtige Ort. Außerdem war ich ja noch da, allerdings störte mich das Liebesgesäusel der beiden nicht. Verdan schien sich an mich zu erinnern, denn er ließ die Zofe los und drehte sich zu mir um. „Geht es schon besser?“, erkundigte er sich, sah dann aber mein wohl entsetztes Gesicht, dass ich schon die ganze Zeit über machte und fragte allarmiert: „Was ist los? Werden die Schmerzen wieder stärker?“ „Nein, nein, das ist es nicht…“, erwiderte ich ausweichend. Ich konnte ihm einfach nicht sagen, dass seine und meine Erzfeindin hier in der Burg und auch noch eine Zofe der Königin war. Nicht, dass ich nicht gewollt hätte, aber sobald ich den Mund aufmachen wollte um ihn zu warnen, schoss eine neue Schmerzwelle durch meinen Körper. Ich war mir sicher, dass es eine Warnung von Symra an mich war, sie ja nicht zu verraten, würde ihr nächster Mordanschlag nicht so gut für mich ausgehen. Ich hatte große Angst, aber ich musste Verdan doch warnen! Es war zwecklos. Symra würde dem Königspaar oder womöglich Verdan etwas antun und ich konnte nichts tun um dies zu verhindern. Irgendwann entschloss Verdan sich, mich in mein Zimmer zu bringen und dort auf mich acht zu geben. Schließlich musste Karla ja irgendwo schlafen und ich hatte kein Recht ihr die Schlafstätte wegzunehmen. Ich lag noch lange wach, nachdem Verdan eingenickt war. Er war sicher sehr erschöpft und aufgewühlt und ich hatte ein schlechtes Gewissen ihm seinen Schlaf und seine Zeit zu stehlen. Er hatte noch nicht einmal Zeit um Moira zu besuchen. Gegen Morgengrauen hatte ich eine Entscheidung getroffen: Ich musste mich alleine um Symra kümmern um meine Freunde und Familie nicht in Gefahr zu bringen. Verdan hatte schon genug Probleme mit ihr gehabt und außerdem würde sie mir nichts anhaben können, weil ich ja keinem von ihrem Plan erzählt hatte. Nur wo war sie? Karla hatte erzählt sie hätte ihre Zofe weggeschickt, aber wann war das gewesen? Bestimmt vor fünf Jahren. Aber wie hatte Symra weiter die gute Zofe spielen und gleichzeitig nach mir suchen können? Ich vergaß, sie war ja eine Hexe und kannte alle möglichen Tricks. Ein wenig un-wohl war mir bei dem Gedanken schon, ganz alleine gegen Symra ankommen zu müssen, doch so würde ich meine Freude und meine Familie nicht in Gefahr brin-gen. Ich musste nur tun was Symra wollte und sie nicht verraten, bis sie unachtsam wurde. Ich wusste damals nicht wie schwer das sein würde… Zuerst einmal musste ich herausfinden wo Symra war, was sich als viel schwerer erwies, als ich gedacht hatte. Ich durfte nicht zu offensichtlich vorgehen aber gleich-zeitig brauchbare Informationen sammeln. Na ja, mir fiel es nicht gerade leicht mich mit anderen Menschen ungezwungen zu unterhalten. Aber ich musste es tun. Am besten ich fragte die Königin, aber sie hatte ja be-reits gesagt, dass sie Symra weggeschickt hatte. Scha-den konnte es nicht nachzufragen, aber Karla durfte keinen Verdacht schöpfen. Als ich auf Verdan traf, bat ich ihn um ein Gespräch mit der Königin. Er nickte mir abwesend zu, drehte sich um, wollte gehen. Dann blieb er jedoch stehen und wandte sich zu mir um. Er sah nervös aus und übernächtigt. „Ist…hast du Mefirian schon gesehen? Ich…ich muss mit ihm reden…du weißt schon…“ Ich konnte kaum glauben, dass vor mir der unerschrockene Drachenritter Verdan stand, der gegen Symra gekämpft und sein Leben aufs Spiel gesetzt hatte, nur um mir und meinen Freunden zu helfen. Dieser Mann vor mir, der herum stammelte wie ein kleiner Schuljunge. „Ja, er ist in seinem Zimmer“, erwi-derte ich. Dann fügte ich hinzu: „Keine Angst, Mefirian ist kein Dummkopf und wird dir keine Vorhaltungen machen.“ Er schenkte mir ein strahlendes Lächeln und ging in Richtung Mefirians Zimmer. Ich sah ihm eine Weile nach und ging dann einfach zum Gemach der Königin. Auf dem Weg dahin traf ich auf Mejoné, die einen geflochtenen Korb mit weißer Leinenwäsche trug. Sie lächelte mir zu und ich lief eine Weile neben ihr her. „Geht es dir wieder besser Eyrin?“ Ich sah verlegen zu Boden und antwortete ausweichend: „Reden wir nicht von mir. Ich wollte eigentlich zur Königin und wollte Euch fragen…“ „Ah ich verstehe, ich soll um eine Audi-enz bei ihr für dich bitten.“ „Erfasst.“ „Gut, halte das mal. Ich gehe sie fragen.“ Sie drückte mir den Korb in die Arme, der ziemlich schwer war und verschwand im Gemach der Königin. Obwohl sie nicht lange brauchte, kam es mir wie eine Ewigkeit vor, was nicht nur an dem schweren Korb lag. Mejoné tauchte wieder auf, nahm den Korb wieder an sich. „Du darfst reingehen. Aber sie hat nicht viel Zeit.“ Sie nickte mir noch einmal zu und ging wie Verdan vorhin davon. Waren heute irgendwie alle nervös, oder bildete ich mir das nur ein? Egal, ich hatte meine Audienz. Karla saß gerade am Frisiertisch, während eine andere Zofe, die ich nicht kannte, ihr die Haare kunstvoll zu einer schwierigen Frisur flocht. Ich klopfte an die bereits offene Tür und wartete, bis Karla mich dazu aufforderte einzutreten. „Eyrin, trete ein. Fasse dich bitte kurz, ich muss gleich zu einer wichtigen Besprechung.“ Ich nickte und Karla schickte ihre Zofe mit einer Handbewegung fort. „Setz dich doch“, bot Karla an und drehte sich zu mir um. Ich ließ mich auf die Kante ihres Bettes sinken und sah auf meine Hände hinab. „Geht es dir besser?“, erkundigte sie sich und sah mich an. „Ja, danke Eure Hoheit“, murmelte ich ohne aufzusehen. „Was sind denn heute alle so nervös?“, fragte sie in so einem verwirrten Tonfall, dass ich kichern musste. Karla sah mich fragend an, doch ihre Mundwinkel zuckten. „Das ist mir auch schon aufgefallen.“ Sie nickte, wurde dann wieder ernst. „Weswegen wolltest du mit mir reden?“ „Ich wollte Euch nur eine Frage stellen… ist diese…diese Zofe…die Verdan angeblich vergewaltigt hat, was ich nicht glaube, wieder in der Burg?“ Sie sah mich leicht irritiert an und ich kam mir wie der letzte Dummkopf vor. „Vergesst es“, murmelte ich und erhob mich um zu gehen. „Nein, bleibe Eyrin! Wenn es dir so wichtig ist, werde ich dir eine Antwort auf deine Frage geben“, hielt sie mich zurück. Mir blieb nichts anderes übrig als zu bleiben. „Nein, sie ist noch nicht wieder hier, aber sie kommt bald wieder um in meine Dienste zu treten. Ich hoffe nur, dass Verdan und sie sich nicht wieder streiten…“, seufzte die Königin. Ich nickte mit einem unbehaglichen Gefühl im Bauch und verschwand schleunigst wieder, bevor Karla mich fragen konnte warum ich das wissen wollte. In meinem Zimmer angekommen fragte ich mich, wie Symra mir Schmerzen zufügen konnte, wenn sie nicht einmal in der Nähe war. Aber sie musste es gewesen sein! Ich saß lange so auf meinem Bett und grübelte nach, als es an meiner Tür klopfte. Es war Mefirian. Er lächelte ein wenig gezwungen. „Kann ich mit dir reden?“, fragte er leise und seine grünen Augen sahen mich ein wenig traurig an. Ich schluckte und rutschte ein wenig um ihm Platz zu machen. Er setzte sich neben mich und sah eine Weile auf meine Bettdecke. Dann sah er zu mir auf. Ich lächelte ihn aufmunternd an und fragte: „Was gibt es denn?“ „Also…Verdan ist heute zu mir gekom-men und hat mir erzählt, dass er…dass er mein Cousin ist? Ist das zu glauben?“ Ich verzog keine Miene und das sah er auch. Mefirian sah mich fragend und verwirrt an. Dann wurde sein Blick lauernd. „Du hast es gewusst nicht wahr?“ „Nein! Ich habe es nicht gewusst… aber ich habe mir schon gedacht, dass ihr beiden verwandt sein müsst…weil ihr euch so ähnlich seht…“, protestierte ich. „Warum hast du mir nichts gesagt? Hattest du Angst ich würde dir nicht glauben?“, sagte er und sah mich so traurig an, dass ich den Blick abwenden musste. „Nein…ich wollte erst Gewissheit haben…und ich dachte du wüsstest es. Ihr habt euch ja nicht so verhalten als würdet ihr euch kennen.“ „Ja, weil ich damals noch zu jung war als er zu uns kam. Und Vater hat mir nie etwas erzählt. Verdan hat mich vollkommen vergessen, was ich ihm auch nicht verdenken kann, wenn man bedenkt, was alles passiert ist.“ Ich nickte und eine Weile herrschte Schweigen. Dann fragte ich: „Aber du freust dich doch oder?“ „Ja, schon, aber es ist alles noch so verwirrend und neu... aber ich freue mich darüber einen Cousin zu haben. Ich habe zwar drei Geschwister, aber das ist nicht dasselbe. Verdan ist erwachsen und ich kann noch viel von ihm lernen.“ „Meinst du, dass du Schwertkampf üben willst?“, wollte ich verwundert wis-sen. „Ja... vielleicht... es könnte doch immerhin mal nützlich sein“, meinte er und hob leicht die Schultern. Ich zuckte die Schultern, das war seine Sache. „Noch etwas?“, erkundigte ich mich freundlich. Er warf mir einen durchdringenden Blick zu, den ich verwirrt und leicht nervös erwiderte. „Was ist?“ „Du warst gestern den halben Tag verschwunden. Wo warst du?“ „Ähm... ich war bei der Königin. Sie hat mich zu sich gerufen, damit ich ihr erzähle was Verdan ihr verschwiegen hat.“ Und dann sprudelte alles aus mir heraus, was ich der Königin erzählt und von ihr erfahren hatte. Mefirian hörte schweigend zu und erfuhr so mehr über seinen verschollenen Cousin. Ich verschwieg Symra, aber ich hatte Angst, dass sie mir trotzdem etwas antun würde, nur weil ich daran dachte meinem Freund von ihrer Schikane zu erzählen. Ehe ich etwas tun konnte rutschten mir folgende Worte heraus: „Und... und ich war die halbe Nacht dort... weil ich Schmerzen in der Hüfte hatte...“ Er sah mich besorgt an. „Was? Warum hast du nichts gesagt? War es schlimm?“ „Verdan war ja da und seine Kräuter und Salben haben geholfen“, antwortete ich und fand, dass es keine ganze Lüge war, die ich ihm da auftischte. Er sah mich weiter durchdringend an und ich hätte ihm so gerne die Wahrheit gesagt, aber das konnte ich nicht. „Also, wenn du keine Fragen mehr hast...“ Mefirian verstand und erhob sich. „Gut, dann gehe ich jetzt.“ Er klang leicht gekränkt, als ahnte er, dass ich ihm etwas verschwieg. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, aber nur mein Schweigen sicherte mir die Unversehrtheit meiner Freunde und meiner Familie. „Ach übrigens: Die Königin war bei Mirabella und hat ihr von Camillas Verrat erzählt. Sie hat sie und ihre Eltern sofort aus dem Dorf verbannt und sie sind noch heute Nacht geflüchtet.“ Ich sah ihn ungläubig an. „Du solltest froh sein“, sagte er noch und schloss die Tür hinter sich.

Neunundzwanzig

 

Eigentlich hätte mich die Tatsache, dass ich Camilla nie wieder sehen musste freuen müssen, doch sie hinterließ nur ein fahles Gefühl in meinem Mund. Camilla würde doch bestimmt zu Symra gehen und sich an mir rächen wollen! Camilla würde sofort wissen dass ich sie verraten hatte, wer denn sonst und dann würde es mir an den Kragen gehen. Ich musste jemandem davon erzählen! Nein, lieber nicht, damit musste ich alleine klarkommen. Verdammt noch mal, ich konnte nichts machen solange ich nicht ganz sicher wusste dass Symra hier war. Ach, warum vergaß ich das Ganze nicht einfach? Symra würde mir und denen die ich liebte nichts tun und im Frühling konnten wir wieder nach Hause zurück... Moment, war ich denn völlig verrückt geworden? Was war jetzt mit Verdan und dem Königspaar? Und woher konnte ich sicher sein, dass Symra sich an ihre Worte hielt? Ich konnte das ohne Hilfe niemals schaffen! Ich suchte meine Mutter auf, die zusammen mit Arlene stickte. „Hallo Mama“, mur-melte ich und setzte mich neben sie. Sie sah von ihrer Nadel auf, lächelte und meinte: „Meine Güte, ich werde nie so gut sein wie deine Schwester!“ Ich lächelte und vergaß für eine Weile meine Ängste und Sorgen. Wir redeten, lachten und planten schon unsere Rückkehr im Frühling. Mama sagte, dass Papa vielleicht kommen würde. Arlene und ich waren in heller Aufregung und wünschten uns ihn gleich umarmen zu können. Wir hatten ihn schon so lange nicht mehr gesehen. Wir redeten noch ein bisschen dann verabschiedete ich mich und wanderte ziellos durch die Burg. Treppen hinauf und hinunter und kam dann schließlich wieder in meinem Zimmer an. War Mefirian noch immer gekränkt? Bestimmt. In letzter Zeit hatte ich meinen Freunden viele Dinge verschwiegen und hasste mich regelrecht dafür, aber es war nun einmal nicht zu ändern.

Ich sehnte den Frühling herbei und wollte, dass der kalte düstere Winter endlich vorbei war. Aber einen Monat musste ich mich noch gedulden und das machte mich schier wahnsinnig. Wie lange musste ich hier noch auf der Burg bleiben? Mir fiel auf, dass ich keine Träume mehr hatte, keine schönen und auch keine Alpträume. Seltsam. Ich träumte normalerweise jede Nacht, soweit ich mich erinnern konnte. Ach, das hatte sicher nichts zu bedeuten. Auf der Burg geschah nichts Interessantes und der Alltag war etwas langweilig und eintönig, Manchmal ging ich in den Burghof oder besuchte Moira. Bei der Königin ließ ich mich nicht mehr blicken und auch nicht beim König. Mefirian und Lorena ging ich aus dem Weg und auch Verdan. Oder er ging mir eher aus dem Weg, denn ich sah ihn kaum noch, nur noch beim Essen. Wahrscheinlich hatte er so viel zu tun. Nach fünf Jahren überhäufte die Königin einen ihrer besten Ritter bestimmt mit Aufgaben. Ich würde ihn vermissen, wenn wir im Frühling in unser Dorf zurückkehrten. Aber er musste jetzt beim Königspaar bleiben. Dann geschah einmal etwas interessantes, obwohl nur ich es mitbekam, als ich zufällig zur Königin beordert wurde. Karla stand am Fenster und sah hinaus. Sie trug ein dunkelblaues Seidenkleid, das mit Veilchen bestickt war. Ein weißer Schleier bedeckte ihr Haar und die Flügel schimmerten im Sonnenlicht. „Euer Hoheit, ihr habt mich gerufen?“ Sie drehte sich um, lächelte und nickte. „Ja, ich wollte dich etwas fragen.“ „Fragt nur.“ „Hast du Verdan in letzter Zeit gesehen? Ich bekomme ihn nur noch in der Halle zu Gesicht und in letzter Zeit wirkt er so abwe-send...“ Ich schüttelte den Kopf und erklärte: „Nein, ihn habe ihn schon lange nicht mehr getroffen und das letzte Mal dass ich mit ihm geredet habe war... war...“ Ich wusste es nicht mehr. „Vor einer Woche ungefähr“, beendete ich unsicher. Karla sah ein wenig verärgert aus. „Und Mejoné verspätet sich auch dauernd und scheint ihre Pflichten nicht mehr ernst zu nehmen... Nur gut, dass eine Zofe sich bei mir vorgestellt hat, bis dieses unvernünftige Ding wieder zur Besinnung kommt!“, murmelte sie vor sich hin. „Eine neue Zofe?“, fragte ich neugierig. Das war eine interessante Neuigkeit nach der langen Langeweile. „Ja, Demirah. Ah, da kommt sie ja.“ Eine junge, braunhaarige Elfe mit schwarzen Augen, was ich sehr ungewöhnlich fand und bleichem, ovalen Gesicht trat hinter einem Vor-hang hervor und verneigte sich vor der Königin. „Ich habe Eure Kleidertruhen in Ordnung gebracht.“ Karla nickte zufrieden und winkte der Zofe näher zu treten. „Eyrin, dass ist Demirah, Demirah, dass ist Eyrin eine Elfe aus dem Dorf Mirfehn“, stellte die Königin uns vor. Demirah sah mich so intensiv an, als wolle sie in meine Seele blicken, dann lächelte sie und reichte mir die Hand. Ich schüttelte sie, die Haut fühlte sich kalt an, aber das war im Winter auch kein Wunder. „Sehr erfreut“, brachte ich hervor. Fremden gegenüber bin ich immer so scheu wie ein Reh. „Gleichfalls“, erwiderte sie mit einer hohen, etwas harten Stimme. Ich vermutete, dass sie aus einem weit entfernten Teil des Reiches kam. „Und was ist... mit Eurer anderen Zofe... ich meine nicht Mejoné?“, erkundigte ich mich mit einem flauen Gefühl im Magen. „Sie hat sich nicht blicken lassen. Na ja, vielleicht kann sie ja nicht kommen oder sonst etwas hält sie auf. Zum Glück habe ich jetzt Demirah.“ Ich nickte und verabschiedete mich.

Ich konnte nicht schlafen, weil ich mir Gedanken wegen Verdan, Mejoné und Symra machte. Warum verhielt der Drachenritter sich so komisch? Ich hatte geglaubt er hätte so viel zu tun und bei Mejoné ebenfalls, aber nach dem was die Königin gesagt hatte... Die beiden verhielten sich so seltsam... konnte es sein, dass sie sich heimlich trafen? Ich hatte ja gesehen, dass die beiden sich mochten. Das würde zumindest ihr seltsa-mes Verhalten erklären. Gut, das war eine Sache zwi-schen den beiden und ich würde mich nicht einmi-schen. Symra würde hier anscheinend nicht mehr auf-tauchen, und ich hoffte, sie würde mich in Ruhe lassen. Noch lange lag ich wach, bis ich schließlich in einen tiefen traumlosen Schlaf fiel. Ich hörte und spürte nichts, es war als hätte ich keine Ohren und keinen Tastsinn. Einmal meinte ich ein Geräusch zu hören, doch ich bildete es mir sicher nur ein. Am Morgen fühlte ich mich so ausgeschlafen wie schon lange nicht mehr. Ich zog mich an und wollte wie jeden Tag mein Gold-armband anziehen, das ich vor dem Schlafengehen immer abnahm. Ich suchte in meinem kleinen Schmuckkästchen, das auf dem Nachttisch stand. Doch da war es nicht. Ich runzelte die Stirn, sah auf dem Nachttisch nach, auf dem Boden, sogar unter dem Bett, doch auch dort war es nicht. Ich durchwühlte sogar meine Kleidung und meine Tasche. Nichts. Was hatte ich gestern damit angestellt? Ich war mir beinahe hundertprozentig sicher, dass ich es wie immer ausgezogen und auf den Nachttisch gelegt hatte! Viel-leicht hatte sich der Verschluss gelöst und ich hatte es irgendwo verloren. Ich fragte meine Lorena, Arlene und Mutter nach dem Schmuckstück, doch sie wussten auch nicht wo es sich befand. Verdan und Mejoné fand ich nicht und die Königin konnte ich schlecht fragen. Nachdem ich das Zimmer noch einmal durchsucht und nichts gefunden hatte, wusste ich, dass mein Armband weg war. Das Schmuckstück war mir teuer geworden und sein Verlust machte mich traurig. Aber da es sich anscheinend in Luft aufgelöst hatte, war es sinnlos weiter danach zu suchen. Ich beschloss Mefirian zu besuchen, und ihm vom Verlust meines Armbandes zu erzählen. Ich fand ihn in seinem Zimmer, wie er mit seinen Geschwistern spielte. Er kitzelte sie und sie ihn. Sie lachten und versuchten einander zu entkommen. Als ich eintrat, stürzten sie sich auf mich und kitzelten mich bis ich vor Lachen keine Luft mehr bekam und um Gnade flehte. „Schluss jetzt! Lasst mich und Eyrin bitte allein“, beendete er die Kizelattacke schließlich und Persine, Mardes und Iyan verließen den Raum. Mefirian strich sich das Haar aus dem Gesicht und sah mich schweigend an. Ich setzte mich aufs Bett und schwieg ebenfalls. Dann fasste ich mir ein Herz und fragte: „Kann ich kurz mit dir reden?“ „Wo ich schon einmal hier alleine mit dir bin“, meinte er sarkastisch und ich sah ihn verletzt an.

„Du bist wütend.“

„Ja, weil du mir dauernd etwas verschweigst!“ „Ich verschweige dir nichts...“

„Zuerst das mit Verdan und das letztens...“ „Ja, zweimal! Und ich habe gute Gründe...“ „Dann nen-ne sie mir!“, unterbrach er mich erneut. Ich wollte mich nicht streiten... seid Camilla Mefirian mit diesem Lie-bestrank verzaubert hatte, hatten wir oft Streit gehabt. „Ich... ich darf sie dir nicht sagen!“ „Warum nicht?“, schnaubte er. „Vertraust du mir etwa nicht?“ „Doch...“ Ich biss mir auf die Unterlippe dann sah ich ihn an und flüsterte: „Ich kann es dir nicht sagen, weil... ich dann Schmerzen bekomme.“ Er sah mich verwirrt an und wartete auf eine Erklärung. Sollte ich es ihm sagen oder nicht? Die Schmerzen konnten nicht schlimmer sein als das, was geschah, wenn ich Symra nicht verriet. „Symra...“ Kaum war das Wort raus, kam der Schmerz, überwältigte mich, sodass ich aufkeuchte und zu Boden stürzte. Mefirian eilte erschrocken zu mir. „Eyrin... was ist los?“ Ich biss die Zähne zusammen und kniff die Augen zu. Ich würde es ihm sagen, egal was geschah. „Ich hole Verdan.“ „Nein!“, schrie ich und hielt ihn am Arm zurück. „Nein... er ist zu sehr mit... Mejoné beschäftigt“, brachte ich hervor. Er ließ sich wieder neben mich sinken und sah aus als würde er gleich vor Sorge sterben. Aber ich musste es ihm einfach sagen! „Mefirian... Symra... sie verursacht diese Schmerzen, damit ich sie nicht verrate... damit ich nicht verrate, dass sie...“ Oh mein Gott, die Hüfte fühlte sich an als würde der Pfeil sich noch einmal hineinbohren! „Sie ist diese Zofe, von der die Erdelfe damals auf dem Feld... gesprochen hat...“, keuchte ich und hielt den Atem an. Würde er sich erinnern? „Ja... ich erinnere mich. Diese Erdelfe hat mir doch erzählt, die Königin hätte eine neue Zofe, die zwar gut für sie aber schrecklich zu den anderen Zofen wäre“, sagte mein Freund und ich schloss erleichtert die Augen. Der Schmerz hielt an, wich nicht und egal wie sehr ich mich anstrengte, ich konnte mich nicht aufrichten. „Hast du sie in der Nähe der Königin gesehen?“, wollte Mefirian wissen. Ich schüttelte nur den Kopf. „Karla hat sie schon lange nicht mehr gesehen... und sie versucht Verdan von ihr fernzuhalten... weil...“ Ich konnte nicht weitersprechen, weil der Schmerz so heftig wurde, dass ich kaum atmen konnte. Ich schrie, obwohl ich es nicht wollte. Ich würde sterben, hier und jetzt sterben... Schließlich wurde je-mand von meinem Geschrei angelockt und Lorena stürmte ins Zimmer. „Bekommt hier jemand ein Kind, oder warum...“ Sie verstummte als sie mich sah und Mefirian der hilflos und erschrocken neben mir kniete. Sie schlug sich die Hand vor den Mund, doch bevor sie etwas sagen konnte, bat Mefirian: „Verdammt noch mal hol Verdan, egal wo er jetzt gerade ist!“ Sie wandte sich um und flog so schnell sie konnte davon. Mefirian blieb bei mir und hielt meine Hand. „Fall mir ja nicht in Ohnmacht, hörst du?“, sagte er immer wieder und versuchte mich von dem Schmerz abzulenken, was ihm jedoch nicht gelang. Ich biss in meinen Ärmel und befürchtete schon ein Loch hineingebissen zu haben, als Verdan erschien, hinter ihm Mejoné. Ihr Haar sah zerzaust aus und die Lippen rot. Verdan stellte mir irgendeine Frage, die ich nicht verstand, und Mefirian beantworten musste. Der Drachenritter richtete mich auf und legte eine Hand auf meine Hüfte. Ich stöhnte auf als Kälte in meine Hüfte strömte. Sie schmerzte beinahe mehr als die Hitze und es fühlte sich an als würde ich zu einem Eisklotz gefrieren. Verdans Hand glühte weiß auf und er sagte etwas in dieser Sprache, die offenbar nur er konnte. Dann verblasste das Leuchten und der Schmerz ebbte ab. Und dann fand mein Körper, dass es der richtige Augenblick war in Ohnmacht zu fallen.

Einunddreißig

 

„Eyrin... Eyrin wach auf! Bitte!“ Die Stimme drang ge-dämpft und wie aus weiter Ferne zu mir durch, aber dennoch registrierte ich sie. Und sie brachte mich end-gültig zum Erwachen. Ich schlug die Augen auf, blinzelte und sah Mefirian und Lorena, die neben mir standen. Ich lag auf einem weichen Bett, zugedeckt und mit einem Lappen, der feucht auf meiner Stirn klebte. Ich fühlte mich benommen, schwach und orientierungslos. Was war passiert? Irgendetwas mit Symra... Ach ja, ich hatte Mefirian ja von ihrem Doppelleben erzählt und dann war ich vor Schmerz bewusstlos geworden. „Wie? War ich lange weg?“, fragte ich und sah meine beiden Freunde an. Lorena erwiderte: „Du warst eine Woche lang nicht ansprechbar und warst die ganze Zeit bewusstlos. Verdan sagte, dein Körper bräuchte so lange um sich von Symras und seinem Zauber zu erholen.“ „Wo ist Verdan überhaupt?“, erkundigte ich mich. Sie sahen sich unsicher an und ich war beunruhigt. „Wo ist er?“, fragte ich etwas lauter und wagte es mich aufzurichten. Ein wenig schwindelig war mir schon, aber es war nicht schlimm. Ich fühlte mich so müde, als hätte ich lange mit irgendetwas gekämpft, vielleicht stimmte das auch. Ich hatte mit Symras „Fluch“ gerungen und hatte gesiegt, dank Verdan... „Mejoné kümmert sich um ihn“, erklärte Mefirian schließlich widerstrebend. „Wieso?“ „Nachdem er den Zauber angewandt hat... ist er völlig entkräftet zusammengebrochen... wie gesagt Mejoné kümmert sich um ihn...“ Ich ließ ihn nicht ausreden, sondern rief dazwischen: „Geht es ihm gut? Hat er viel Kraft verloren?“ Lorena versuchte mich zu beruhigen. „Soweit geht es ihm gut. Er schläft die meiste Zeit und wacht kaum auf. Aber wir kennen uns mit diesen Drachenritterkräften auch nicht aus...“ „Eyrin, du musst etwas wegen Symra unternehmen.“ Mefirian sah mich eindringlich an. Ich wusste, dass er recht hatte, schüt-telte aber dennoch den Kopf. „Ich weiß aber... ich kann nicht. Was soll ich denn tun? Ich habe sie einmal verra-ten und bin vor Schmerz beinahe gestorben... so kommt es mir jedenfalls vor, und sie wird euch etwas Schreck-liches antun... das weiß ich einfach.“ „Du musst an Wy-ran und Karla denken, nicht an uns“, meinte Mefirian. „Aber ihr seid doch meine Freunde!“, protestierte ich und weigerte mich sie in Gefahr zu bringen. Lorena lä-chelte mich traurig an. „Das wissen wir und du bist auch unsere Freundin, aber Symra ist viel wichtiger. Egal wie viel es kostet, wir müssen sie aufhalten, sonst wird sie Mydia ins Verderben stürzen.“ „Was soll ich denn machen? Ich kann Karla nicht die Wahrheit sa-gen, außerdem weiß ich doch gar nicht wo Symra ist...“ „Das lässt sich alles regeln.“ Mir fiel plötzlich etwas Wichtiges ein. Zumindest kam es mir so vor. „Mein Goldarmband ist verschwunden.“ Sie sahen mich auf-merksam an und ich erklärte ihnen was ich vor einer Woche am Morgen entdeckt hatte. „Jemand muss es gestohlen haben, denn so ein Armband fliegt ja nicht einfach davon!“, murmelte Mefirian und Lorena nickte zustimmend. „Aber wer war es?“ „Vielleicht irgendje-mand der dir nahe steht... deine Kammerzofe viel-leicht?“ Ich schüttelte den Kopf. „Ich glaube nicht... warum sollte sie das tun?“ „Weil sie das Armband ein-fach hübsch fand“, vermutete Lorena. „Nein, sie würde es nicht wagen etwas zu stehlen, aus Angst vor einer Strafe“, wehrte ich ihre Vermutung ab. „Wer dann?“ „Es muss nachts gewesen sein. Am Abend hatte ich es noch und am nächsten Tag war es weg“, erklärte ich aufgeregt. Meine Freunde sahen mich skeptisch an. „Woher weißt du das so genau? Du hast doch geschla-fen, oder nicht?“ „Ja schon, aber mir war als hätte ich ein Geräusch gehört. Ich dachte, ich hätte es mir nur eingebildet, aber jetzt wo du es sagst.“ „Aber wer war es?“ Ich zuckte nur ratlos mit den Schultern und meine Freunde sahen genauso hilflos aus wie ich. „Aber was soll denn schon schlimmes passieren, nur weil jemand dein Armband genommen hat?“ „Es stammt aus der alten Hütte. Das erklärt doch wohl alles!“, schnaubte ich. „Na und? Mein Kleid ist auch aus der alten Hütte und es ist noch nicht in Flammen aufgegangen oder hat versucht mich zu fressen!“, sagte Lorena patzig und ich musste lachen. „Du hast recht. Schließlich ist es ja nur ein Armband.“ Gleich fühlte ich mich besser, mein Armband würde schon wieder auftauchen. Das glaubte ich zumindest...

Ich erholte mich nach ein paar Stunden Schlaf wieder und wollte sofort zu Verdan. Mefirian und Lorena be-gleiteten mich in Verdans Gemach. „Seid bitte leise“, flüsterte Mejoné als wir eintraten, deutete auf ein paar Stühle und sah wieder auf Verdan hinab, der still auf seinem Bett lag. Wir zogen uns die Stühle ans Bett und leisteten Mejoné Gesellschaft. „Geht es dir gut Eyrin? Ich... ich habe dich schreien hören“, sagte die Zofe leise und strich über Verdans Hand. Ich wurde feuerrot und wandte den Blick ab. Ich schloss die Augen. „Ihr geht es soweit gut“, antwortete Lorena an meiner Stelle und sie klang überzeugend. Die junge Frau fragte nicht weiter nach, sondern strich Verdan über die Stirn. Ich warf einen genaueren Blick auf ihn und erschrak. Seine Haut war eher gräulich als blass, seine Brust hob und senkte sich kaum und seine rechte Hand war bandagiert. „Wie geht es ihm?“, erkundigte ich mich, da ich mir die Schuld an seinem Zustand gab und wünschte mehr tun zu können. „Nicht gut. Er wacht fast nicht auf und wenn, dann sieht er mich einfach nur an und fällt dann wieder in tiefe Bewusstlosigkeit. Ich weiß nicht was ich tun soll...“ Mejoné klang als würde sie jeden Moment in Tränen ausbrechen und sie tat mir unendlich leid. Man sah wie sehr sie Verdan liebte und es schon jetzt unerträglich fand ihn leiden zu sehen. Die Zofe riss sich zusammen und atmete tief durch. Sie lächelte uns gezwungen an, seufzte und sah mich unverwandt an. Ihr Blick schien sich in meinen zu bohren, als wolle sie etwas aus mir herausbekommen oder mich zwingen etwas zu sagen, dass ich normalerweise für mich behalten würde. Doch ich sagte nichts, aus Angst Symra könnte ihre Warnung noch deutlicher als vor einer Woche zum Ausdruck bringen und dass ich es nicht überleben würde. Da gab es keinen Zweifel... „Weiß die Königin schon davon?“, wollte ich wissen. Mejoné ließ mutlos die Schultern hängen, schüttelte den Kopf und blickte auf den Mann hinab, den sie liebte. Zärtlich strich sie ihm über die Wange. „Nein... wir haben unsere Pflichten ohnehin schon vernachlässigt... und... und wir könnten unsere Stellungen verlieren.“ „In letzter Zeit habt ihr euch beinahe nicht blicken lassen...“ „Wir wissen, dass unser Verhalten nicht richtig ist... aber wir können nichts für unsere Gefühle...“ „Du musst uns nichts erzählen“, sag-te Mefirian und sah bekümmert auf seinen Cousin hinab. „Was ist mit seiner Hand passiert?“, erkundigte er sich. Mejoné ließ die Hand ihres Liebsten los, wickelte den Verband ab und hielt uns die Hand zur Begutachtung hin. Wir wichen erschrocken zurück, als könne der bloße Anblick des Eises auf der Hand uns auf der Stelle einfrieren. „Oh nein!“, stöhnten Lorena und ich. Mejoné sah uns fragend und ängstlich an. „Mefirian... hatte das auch einmal an seiner Schulter... nachdem eines von Symras Geschöpfen ihn verletzt hatte“, erklärte meine Freundin. „Anscheinend ist der Zauber auf ihn übergegangen“, murmelte die Zofe nachdenklich und sah aus als wäre das der Weltunter-gang. „Wie?“, machte ich und sah Mejoné verständnis-los an. „Der Zauber ist wahrscheinlich auf ihn überge-gangen.“ „Er hat dich doch an der Hüfte berührt!“, rief Mefirian und mir ging ein Licht auf. „Ihr meint der Zau-ber ist auf ihn übergegangen, weil Verdan mich schon so oft geheilt hat?“ „Ja und dass er auch andere geheilt hat und ständig Aufträge von der Königin bekommt, macht es auch nicht gerade besser. Er ist furchtbar müde und erschöpft und trotzdem findet er noch Zeit sich mit mir zu treffen“, seufzte sie und lächelte selig. Mir fiel auf, dass ihre Wangen gerötet waren, die Augen funkelten und ihr Haar hing ihr lose über den Rücken. „Meinst du er wird wieder gesund?“, murmelte ich und hoffte die Antwort sei ja. Mejoné zuckte nur unsicher mit den Schultern. „Ich bin keine Heilerin und mit Magie kenne ich mich nicht aus.“ „Er hat so viel für uns getan... und wir müssen Karla einfach davon erzählen... sie hat bestimmt Verständnis für eure Lage.“ „Aber was ist wenn sie sich an diese Geschichte mit der Vergewaltigung erinnert und glaubt...“ Mefirian unterbrach sie: „Die Königin weiß die Wahrheit ganz genau und wird sicher nichts gegen eure Liebe haben.“ „Wenn du das sagst.“

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