Fes Denabre Kye, Das Schicksal spielt mit dir

Anduria Recca · Kapitel 1 von 4

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Fes Denabre Kye, Das Schicksal spielt mit dir

1. Du denkst du kennst mich?

Gegenwart (Teil 1)

 

„Keine Wunde ist in mir so vernarbt, dass ich sie ganz vergessen könnte.“

Francesco Petrarca

1. Du denkst du kennst mich?

Du kannst es nie verstehen,

du wirst es nie verstehen.

Denn du kannst es nicht sehen,

mich wolltest du so nie sehen.

Es gibt Tage an denen ich mir wünsche einfach nicht aufgestanden zu sein oder die Zeit zurückdrehen zu können.

Heute war so ein Tag.

Alles fing noch ganz normal an. Ich stand auf, frühstückte und machte mich für die Arbeit fertig. Heute standen wieder etliche Operationen an.

Mir taten die Menschen leid, die so schlimme Verletzungen erlitten, dass sie Hauttransplantationen oder ähnliches benötigten. Menschen, die sich unters Messer legten um ihre Schönheit zu verbessern, verstand ich nicht. Ich wollte sie auch gar nicht verstehen. Man erreichte damit doch nur, dass man immer öfters unters Messer durfte.

Aber nun ja, diese Menschen sorgten wenigstens dafür, dass ich immer genug zu tun hatte. Schlecht verdiente ich dadurch auch nicht und selbst das normale Grundgehalt eines Chirurgen konnte sich sehen lassen. Dabei war ich Chefärztin in der Notaufnahme und verdiente dadurch noch ein Vielfaches mehr.

Doch leider sorgte dieser vermaledeite Schichtdienst, den ich daher hatte, auch dafür, dass ich teilweise Wochenlang meine Freunde nicht sah. Kontakt hatten wir dennoch, selbst verständlich. Doch mit ihnen zu telefonieren oder E-Mails auszutauschen war etwas anderes, als sich wirklich mit ihnen zu treffen.

Für einen richtigen Freund fehlte mir deshalb so oder so die Zeit.

Anja, meine beste Freundin, sagte immer, dass ich mit meiner Arbeit verheiratet bin und Igor hat es längst aufgegeben einen Freund für mich zu suchen, dabei hat er wirklich schon sehr viel ausprobiert. Inzwischen sagt er immer nur noch, dass ich mich ja eh nicht wirklich darum bemühen würde.

Leider haben die beiden Recht, aber meine einzigen Freunde kennen mich nun einmal.

Obwohl.... selbst sie wissen nicht alles von mir.

Wie hätte ich ihnen aber auch davon erzählen können? Wie hätte ich ihnen je sagen können, wer ich wirklich war? Es war für mich längst selbstverständlich geworden es zu verstecken und niemanden darin einzuweihen. Ich war eine Ausgestoßene, eine Yeme und das obwohl ich als Kaya geboren worden war. Doch niemand war vor den Strafen im Rudel sicher gewesen. Am wenigsten ein kleines Kind, das nur die Regeln missachtete. Doch eine habe ich nie vergessen: Verrate was du bist und alle Wissenden sterben.

Wie hätte ich es ihnen da erzählen sollen, ich hätte damit nur ihre Leben riskiert und das wollte ich nun wirklich nicht.

Aber auch jetzt waren sie in Gefahr....seit er mich gefunden hat.

Wie konnte das nur passieren?

Ich dachte, ich befände mich außerhalb seiner Reichweite, ich dachte wirklich, ich wäre vorsichtig genug gewesen!

Wie konnte es da sein, das ich ihm so einfach über den Weg lief? Das ging doch nicht mit rechten Dingen zu.

Aber immerhin meinen Eltern konnte er nichts mehr tun, versuchte ich mich zu beruhigen. Unweigerlich kamen die Bilder von dem Unfall wieder hoch. Ihm war nämlich vor 3 Jahren ein betrunkener Autofahrer zuvor gekommen. Ich musste schon wieder mit meinen Tränen kämpfen. Seit ich verstoßen und vor dem Sozialamt ausgesetzt worden war, waren meine letzten Eltern die einzige wirkliche Familie für mich gewesen. Sie wussten zwar nichts von meiner wahren Natur, doch sie merkten dass ich anders war und taten nichtsdestotrotz alles für mich. Ich vermisse sie einfach immer noch zu sehr, als dass ich jetzt weiter darauf eingehen kann und möchte.

Aber nun mal wieder zum Thema zurück.

Warum ich heute so durch den Wind bin, liegt daran, dass ich ihm begegnet bin.

Ihm, den ich nie wiedersehen wollte und nach dem ich mich dennoch schon seit jeher sehne.

Ich bin nach dem Frühstück also wie immer in mein Auto gestiegen und zur Arbeit gefahren. Zwar brauche ich bis in die Stadt fast eine Stunde, aber ich lebe gerne so abgeschieden. Mein Haus steht in einem kleinen Vorort ziemlich am Waldrand. Es war eindeutig ein Vorteil, besonders dann wenn meine wahre Natur mal wieder ihren Triumph forderte. Aber auch so genieße ich einfach gerne diese Einsamkeit.

Doch ich schweife schon wieder ab.

Ich will einfach nur nicht an ihn denken. Er hat meinen heutigen Tag nun einmal in ganz andere Bahnen gelenkt. Vielleicht sogar mein ganzes Leben. Wer weiß das schon?

Ich bin ihm beim Einkaufen begegnet. Zum Glück erst nach der Arbeit, denn meine Konzentration war nach dieser Begegnung dahin.

Erst habe ich gar nicht gemerkt, dass er es war. Ich habe nur gemerkt, dass ich jemanden angerempelt habe. Als ich dann aufgesehen habe, war ich so geschockt, dass ich kaum hätte reagieren können. Unsere Blicke zogen sich magisch an und verhakten sich ineinander. Ich versuchte seinem Blick auszuweichen oder ihn zu ignorieren, doch es war hoffnungslos. Als wäre das nicht bereits genug gewesen, spielten meine Gefühle auch noch verrückt und verwirrten mich gänzlich. Ich begehrte ihn und doch war da die Angst vor ihm und dem, was diese Begegnung für Folgen haben könnte.

Als ich mich endlich wieder halbwegs im Griff hatte, rannte ich einfach los. Ich wollte nur noch weg von ihm.

Weg von Kevyn.

Doch vielleicht sollte ich euch diese Situation genauer erklären.