Fes Denabre Kye, Das Schicksal spielt mit dir

Anduria Recca · Kapitel 3 von 4

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Fes Denabre Kye, Das Schicksal spielt mit dir

Frühe Kindheit (Teil 1)

 

„Du hast deine Kindheit vergessen, aus den Tiefen deiner Seele wirbt sie um dich. Sie wird dich so lange leiden machen, bis du sie erhörst. „

Hermann Hesse, Narziß und Goldmund, Gesammelte Werke Bd. 8

3. Erinnerungen…

Und Ich denke zurück

an die Zeit im Glück.

Es erschien mir damals oft wie eine Szene aus einem Märchenbuch, als ich daran zurückdachte. Ich war dort wie die Prinzessin, die alle Hindernisse überwindet um mit ihrem Prinzen zusammen zu sein. In einer Welt voller Regeln und Gefahren traute nur ich mich zu rebellieren und meinen eigenen Weg zu gehen.

Doch heute weiß ich, dass ich nicht einmal eine Woche, nachdem ich das Rudel verlassen hatte, mein dortiges Leben verklärte.

Dennoch ist das erste Bild, welches mir bei den Gedanken an früher durch den Kopf schießt, ein Bild, das einem Märchen entsprungen zu sein scheint.

Ich sehe eine von Lichtern erfüllte Lichtung in einem Wald mitten im Nirgendwo.

Ich sehe Kinder mit bunten Bändern über die Wiesen laufen und Menschen, die sich unterhalten.

Ich sehe ein Feuer am den Fleisch gebraten wird und junge Leute, die um das Feuer herum tanzen.

Alles ist von strahlenden Farben erfüllt. Das Grün der Blätter und Gräser ist so satt, wie ich es noch nirgendwo sonst gesehen habe und der Himmel ist von einem strahlendem Hellblau erfüllt.

Ich höre Kinderlachen und Musik. Auch Gesang klingt an mein Ohr.

Ich rieche den Duft von eintausend verschiedenen Blumen, die an keinem anderen Ort auf der Welt wachsen, den Duft des gebratenen Fleisches und den Rauch von Feuer.

Alles ist die reinste Idylle, doch dann fange ich an und gebe den Menschen Gesichter. Ich fange an zu erkennen, dass dies mein altes Rudel ist, dass die Lichtung meine alte Heimat ist und auf einmal ändert sich die Szene.

Ich sehe in fast vollständige Dunkelheit, erkenne den bedrohlich wirkenden Wald und eine Lichtung, auf der nichts scheint wachsen zu können.

Ich sehe ein Feuer, dass von zwei Scheiterhaufen ausgeht.

Ich sehe Kinder, die sich an ihre Mütter klammern und Erwachsene, die sich in einer Reihe aufbauen und bedrohlich auf mich zu kommen.

Ich höre die Vorwürfe der Alten und das Unverständnis der Jungen. Überschattet wird alles vom Knistern der Feuers, bis letztendlich eine gespenstige Stille eintritt. Der Gestank der brennenden Toten beißt in meiner empfindlichen Nase und an mir selbst haftet der Geruch von Blut.

Doch zum Glück wache ich dann in den meisten Fällen aus meinen Tagträumen auf. Dieses Mal jedoch war es anders.

Die Szene wurde klar, sie war nicht länger verklärt oder getrübt. Nein, zum ersten Mal, seit ich mich zurückerinnern kann, sehe ich das Rudel so, wie es wirklich war.

Ich sehe, dass unsere Lichtung in ihrer höchsten Blüte steht und dass der Herbst naht und bald alles wieder verblassen wird.

Ich sehe die Frauen, die sich am Feuer um die Nahrung für das Rudel kümmern und im Augenwinkel erkenne ich, dass unsere Jäger erfolgreich aus dem Wald zurückkehren.

Ich sehe die Alten, wie sie zusammen sitzen und sich wieder einmal über Dinge unterhalten, die laut ihnen niemanden etwas angehen, die am Ende aber doch das ganze Rudel betreffen werden.

Ich sehe die Jungen, wie sie spielen und die Krieger, wie sie trainieren.

Ich erkenne Kevyn, der bei seinen Eltern sitzt und so aussieht, als würde er viel lieber bei den andern Kindern mitspielen, es auf Grund seiner Verpflichtungen aber nicht darf.

Ich erkenne meine beiden Paten Lin und Jenny, die auch bei ihnen sitzen.

Ich sehe Mira trainieren und Leo und Dark sind mit den anderen am spielen.

Ich sehe etliche andere Fes Denabre Kye in beiden Gestalten.

Die Geräusche und Düfte, die an mein Ohr klingen, sorgen dafür, dass ich beginne vollständig zu vergessen und anfange mich in einer Welt zu verlieren, in der noch alles in Ordnung war.

Es war fast so schön wie in unseren Legenden von wahrer Liebe, Frieden und Unsterblichkeit.

Ich erinnere mich wie mir meine Mutter abends oft Geschichten erzählte.

Geschichten von großen Helden unseres Volkes, Geschichten von Liebe, Vertrauen und Hoffnung, aber auch Geschichten von Schmerz Trauer und Verlust. Am besten jedoch gefielen mir die Legenden, die vom Anbeginn der Zeit stammten.

Ich weiß nicht mehr wie oft ich sie früher erzählt bekommen habe, doch eine Legende erzählte mir meine Mutter häufiger als alle anderen, so dass ich mich selbst jetzt noch an jedes Wort erinnere. Es war eine Legende, wie alles umfasste. Sie erzählte von Familie, von Verlust, von falschem Vertrauen, von Krieg und von der Liebe, der einzig wahren Liebe.

Meine Mutter begann diese Legende immer mit den selben Worten:

*Am Anbeginn der Zeit lebten die Fes Denabre Kye in Frieden mit allen anderen Völkern, auch mit den Menschen.

Doch die einzelnen Rudel lagen oft untereinander im Krieg. Während dieser Zeit lebte auch die Denaye Mira und der Denaye Kolve. Mira und Kolve kannten sich schon sehr lange und ihre Rudel waren immer miteinander befreundet.

Doch dann begann sich zwischen ihnen mehr zu entwickeln. Etwas, dass Kolves Schwester nicht hinnehmen konnte und so kam es wie es kommen musste. Sie erklärte Miras Rudel den Krieg.

Kolve jedoch, dem Mira wichtiger war als sein Leben, ja sogar wichtiger als sein Rudel, schloss sich Mira an und nahm sie zur Gefährtin.

Als es dann zu den Kämpfen kam, war die Schlacht blutig und lang, obwohl man schon früh merkte, dass Miras Rudel unterliegen würde. Sie waren einfach weniger Kampferfahrung, da sie bislang immer versucht hatten Kriege so gut es geht zu vermeiden.

Letztlich mussten auch Mira und Kolve mitkämpfen.

Ab diesem Zeitpunkt schien die Schlacht sich zu wenden.

Beide wären auf Grund ihrer Verletzungen, selbst mit der verstärkten Heilfähigkeit einer Dya oder eines Dyn, schon längst ihren Verletzungen erlegen, doch sie lebten noch immer.

Am Ende ergab sich Kolves Schwester, doch sie schwor Mira auf ewig Rache.

Nach diesem Sieg setzte sich eine verstärkte Rudelstruktur durch und es entstand diese Überlieferung.*

Mutter erklärte es mir später so, dass die beiden auf Grund ihrer unendlich wahren Liebe füreinander unsterblich geworden sind und dass es heißt, dass sie auch heute noch irgendwo unerkannt leben.

Oft sagte sie, dass sie mir wünschen würde, dass ich meine wahre Liebe finde.

Heute weiß ich, wie unwahrscheinlich es gewesen war, dass ich die Chance bekommen hätte.

Doch das alles ist unwichtig, denn Mutter würde es nie mehr mitbekommen, egal ob ich es nun geschafft hätte oder nicht.