Fundstuecke

Adi Bachmann · Kapitel 1 von 1 · Teil 4/4

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Dieses Kapitel ist lang und deshalb in 4 Teile geteilt.

Adi also geht nach Bali und erlebt dort – neben vielen anderen Unbillen – wie sein Spitznamen von den Balinesen falsch gehoert und deshalb falsch verstanden und deshalb falsch interpretiert wird. Wenn du ‚Adi’ sagst, hoeren und verstehen sie ‚Adik’. Weil der Balinese,aus Gruenden, auf die ich hier nicht eingehen moechte, das k von Adik nicht mitspricht, hoert er es auch nicht. Also sagt er Adi, meint aber in Wirklichkeit Adik.

Adi aber, das echte und reine Adi ohne k, bedeutet im Balinesischen soviel wie kleiner Bruder, kleine Schwester, kleiner Cousin bzw. Cousine. Jetzt bin ich tatsaechlich der juengere Bruder meiner um viereinhalb Jahre aelteren Schwester, und ich bin der juengste von uns drei Cousins – Karl ist zwei, Werner fuenf Jahre aelter als ich. Also folgte ich zwangslaeufig der balinesischen Interpretation meines im Grunde sehr deutschen Spitznamens. Aber es kam, wie es kommen muss: die Wahrheit kam ans Licht. Waehrend einer Ausstellungseroeffnung in Ubud musste ich einem Kunstmaler als Zentraljava meinen deutschen Spitznamen Adi erklaeren – den Spitznamen von Adolf, den kleinen Bruder eben. Im Indonesischen bedeuted Adi etwas voellig anderes, naemlich ‚superior’, wie es im Englischen heisst. Superior im Deutschen wiederum bedeutet hoeher, hoeher stehend, vorgesetzt, besser, hochwertiger, ueberlegen, hervorragend. Mir schwoll bereits der Kamm. Aber es wurde langsam peinlich. Langenscheidts ‚Euro-Woerterbuch Englisch’, mein Helfer in vielen Faellen sprachlicher Unsicherheiten – bot gluecklicherweise keine weiteren Beutungen mehr zu superior an. Vielleicht gibt es im Webster’noch welche? Aber mir reichten auch die bereits angefuehrten. Wie gesagt, den kleinen Bruder habe ich hingenommen. Aber jetzt habe ich die Moeglichkeit und die Aufgabe, mich mit dem superior anzufreunden und in diesen riesengrossen Schuh hineinzuwachsen und seinen innenwohnenden Anspruechen gerecht zu werden. Uebrigens ist Superior im katholischen Ordensrecht – laut Brockhaus – die Bezeichnung fuer den Leiter eines Klosters oder Ordens. Nein – so weit lasse ich es nicht kommen und die katholischen Orden wohl auch nicht.

Die Bedeutung des Wortbegriffes Adi wird im Indonesischen durch die folgenden Beispiele noch ausgebaut: adi daya = superpower; adi kawasi = major force; adi kodrati = the super-power of God; adi kuasa = superpower; adi marga = superior highway oder main highway.

An dieser Stelle hoere ich auf. Mir schwillt der Kamm noch immer – oder schon wieder.

 

Ueber das Reptilverhalten

Taeglich zwischen dreissig und sechzig verkehrstote Moped- und Motorradfahrer auf den Strassen Suedbalis. Und jetzt dieser Beinahe-Unfall. Ein junger Mann hat mich fast gerammt. Fluchend wich ich aus. Halte Augenkontakt und beobachte, wie sein Gesicht blitzschnell versteinert. Sein Hautton wechselt in ein leichtes Grau. Er kneift die Augen zusammen. Ich sehe, wie sein Koerper ganz schmal wird und sich weit nach vorne streckt. Und weg ist er.

Ich erinnere mich an ein Seminar in Spanien. Das war im Fruehherbst 1980. Meine Freundin hatte einen Job als Dolmetscherin auf einer New-Age-Conference, und als der bis ueber beide Ohren verliebte Anfangs-Sannyasin der ich damals war, folgte ich ihr per Flieger und Eisenbahn in das Herzland Iberiens. Als waere es gestern gewesen, erinnere mich an die mehr als rasante Fahrt in einem aeltlichen Renault R12 vom Bahnhof von Catalajud zu dem Kloster, in dem die Konferenz stattfand. Meine Freundin und spaetere Ehefrau, war wohl ebenfalls etwas verliebt und drueckte diesen das Lebensgefuehl steigernden Zustand durch eine Art uebermuetigen Ralley-Fahrstil aus.

Wir beide ueberlebten die Fahrt und so hatte ich einige Tage spaeter Gelegenheit, an einer Uebung teilzunehmen: ‚Steps of Evolution’, hiess die Veranstaltung. Es ging darum, sich gefuehlsmaessig an verschiedene Stufen der Entwicklung vom Einzeller bis hin zum Menschen zurueckzuerinnern und diese Gefuehle zu beschreiben. Ich beteiligte mich intensiv an der Uebung und genoss jede Phase im Prozess meiner Menschwerdung. Besonders aber – und im Zusammenhang mit meiner Geschichte ist das wichtig – blieb mir die ‚Entwicklungsstufe Reptil’ in Erinnerung. Und dabei speziell die Eigenart, wie das Reptil im Konfliktfall quasi Scheuklappen anlegt, alle Energie auf eine Funktion konzentriert, die ein einzigen Ziel unterstuetzt: zu ueberleben.

Laut Tabellen zur Evolutionsgeschichte entstand die Spezies der Reptilien vor etwa 400 Millionen Jahren. Daraus entwickelten sich alle Formen der bekanntlich ausgestorbenen Saurier, aber auch die heute noch existierenden Schildkroeten, Krokodile, Brueckenechsen, Echsen und Schlangen. Reptilien lebten als erste Tiergruppe vollstaendig auf dem Festland, erstmals im Karbon-Zeitalter, gut 350 – 280 Millionen Jahre vuZ. in Kanada.

Heute schreiben wir Mittwoch, den 15. Juli 2009. Zwischen den ersten Reptilien und meinem so schnell entflohenen balinesichen Mopedfahrer liegt also ein ganz schoen grosser zeitlicher Abstand. Aber wie das halt so ist mit dem Werden, dem Sein und dem Vergehen: in einem ganzheitlichen System geht angeblich nichts verloren – und wir leben in einem. Nichts wird vollstaendig ersetzt durch etwas vollkommen Neues. Bestehendes wird uebernommen, weiterentwickelt, erweitert, integriert – ‚organisches Wachsen’ sagen manche dazu; ‚natuerliches Ausleseverfahren’ nannte es Charles R. Darwin,

In jedem von uns Menschen steckt also noch das Reptil. Viel davon ist meist nicht zu sehen – ausser in Faellen von besonderem emotionalen Stress. Das Gesicht versteinert blitzschnell. Der Hautton wechselt in ein leichtes Grau. Die Augen werden zu schmalen Schlitzen. Der Koerper wird ganz schmal und streckt sich weit nach vorne. Und weg ist er.

Da zeigte es sich wieder einmal, das Reptil. Fuer einen kurzen Moment jedenfalls.

 

Ueber Geldboersen und Visitenkarten

Das sind die Dinge, die ich immer bei mir habe, wenn ich das Haus verlasse: ein Taschentuch (wie es mir meine fuersorgliche und auf Sauberkeit bedachte Mutter beibrachte) und meine Geldboerse. Oder Geldbeutel, wie man in Sueddeutschland sagt. Obwohl das, was wir Maenner uns in der heutigen Zeit in aller Regel in die rechte Gesaesstasche unserer durch einen Guertel hochgehaltenen Hose stecken, weder eine Boerse noch eine Beutel ist. Uebrigens: Guertel und Hosentraeger zusammen seien ueberfluessig, stellte der ehemalige bayerische Ministerpraesident Edmund Stoiber kuerzlich fest. Eine weise Feststellung! Aber muss man dazu erst Ministerpraesident werden?

Das, was ich in die rechte Gesaesstasche stecke, ist mehr als eine Geldboerse. Es ist eine Minibrieftasche. Ich bekomme Briefe fast nur noch in elektronischer Form, und wenn echte Briefe in meinem Postfach liegen, dann sind das meist Kontoauszuege, die mir meine Raiffeisenbank aus Reischach nach Ubud schickt. Noch immer. Damit ich weiss, ob ich genug Geld zum Ueberleben habe. Was nach dem Absturz des Euro eine durchaus interessante Information ist: in den beiden letzten Jahren habe ich mehr als 20% meiner Ruecklagen verloren.

Freunde aus England und den USA leiden ebenfalls unter dem Kaufkraftverlust ihrer Waehrungen. Aber sie haben wenigstens kein Problem mit der Unterscheidung zwischen Geldboerse, Geldbeutel oder Minibrieftasche – sie nennen das Ding einfach Wallet. Punkt. In meinem Wallet befinden sich – neben Rupiah-Muenzen und -Scheinen – mein indonesischer Fuehrerschein, der mich zum Fahren eines Motorrads berechtigt, eine Fotokopie meines deutschen Reisepasses, eine Kennkarte, zwei ATM-Karten und eine Visa-Karte, eine klein gefaltete Liste mit nuetzlichen Adressen und eine gedruckte Notiz in der Groesse einer Bankkarte, auf der ich in Indonesisch und Englisch darum bitte, in einem Notfall meine Frau anzurufen; Komangs Handynummer steht gross und rot auf dem Zettel.

Zusaetzlich zu diesen Sachen befinden sich auch einige meiner Visitenkarten im Wallet. An diesem Punkt kommt zum Vorschein, was fuer eine Art von Schatz dieses kleine Stueck aus synthetischem Material im gefakten Versage-Design fuer mich bedeutet: Mein Wallet, mein Ueberleben!

Lassen Sie uns nun das Thema wechseln und ueber Visitenkarten reden: auf Bali sind Sie ein Niemand – auf jeden Fall ein Mensch ohne Eigenschaften – wenn Sie keine eigene Visitenkarten mit sich herumtragen. Visitenkarten auszutauschen hat hier fast die gleiche rituelle Bedeutung wie das Haendeschuetteln im Westen. In gewisser Weise ist es vergleichbar mit der streng regulierten Kultur des Visitenkartenaustausches im Mitteleuropa vergangener Jahrhunderte. Heissen sie heute auf Bali ‚name card’, bezeichnete man sie in Deutschland schon vor dreihundert Jahren als ‚Visitenkarten’; sie wurden in der Regel von Angehoerigen der Oberschicht benutzt oder von Menschen, die in diese Schicht aufsteigen wollten. Mit dem ebenfalls aufstrebenden Kapitalismus empfanden mehr und mehr Geschaeftsleute diese kleinen und mit ihrem eigenen Namen bedruckten Kaertchen aus Papier oder leichtem Karton als praktisch und nuetzlich; man nannte sie also immer haeufiger ‚Geschaeftskarten’ oder ‚Business cards’. In unserer Zeit benutzen die Menschen Name cards, Visitenkarten oder Business cards als wohlfeile Instrumente des ‚networking’. Auf Deutsch: Beziehungen knuepfen, Beziehungen haben, in Beziehung sein, Teil eines Beziehungsgeflechtes (Netzwerkes). Das ist heute mehr denn je ein wichtiger Teil von Strategien, die Aufstieg, Erfolg oder zumindest ein Ueberleben ermoeglichen sollen. Jetzt kommen wir allmaehlich in einen Bereich, wo die wirklichen Probleme beginnen: wenn jeder seine Visitenkarte verteilt und jeder hart daran arbeitet, sich ein eigenes und individuelles Profil zu schaffen, um sich von allen anderen positiv abzuheben – ja, dann muss auch seine Visitenkarte, Name card oder Business card etwas hermachen. Sie muss entsprechend gestylt sein. Der nach Erfolg trachtende Mensch muss neben Designer Jeans’, Designer Hemden, Designer Schuhen, einem Designer Haarschnitt, einem Designer Koerper auch ueber Designer Visitenkarten verfuegen. Manche Leute bemuehen sich um die Unterstuetzung eines professionellen Name card-Designers (die genauso vertrauenswuerdig sind wie die Mehrzahl der website-Designer) und erteilen kostspielige Auftraege. Andere sind naiv oder mutig genug und trauen sich zu, eigene Designs zu entwickeln. Hin und wieder hat man die Gelegenheit, die bemerkenswerten Ergebnisse solcher Bemuehungen einzusehen, oft verbunden mit der stolzen Hinzufuegung: „It’s my own design!“

Das alles stellt selbstvestaendlich kein Problem fuer mich dar und der Entwurf meiner eignen Visitenkarte machte mehr Spass als Arbeit und das Ergebnis halte ich fuer zufriedenstellend. Ich mag meine Karte, die Leute moegen sie – und sie bleibt im Gedaechtnis haften. Na, also.

Jetzt muessen sich nur noch Aufstieg und Erfolg einstellen.

 

Uebers Internet

Ich habe einen neuen Freund gefunden. Uebers Internet. Er heisst Kurt Kister und ist Chefredakteur der Sueddeutschen Zeitung.

Seine Wochenendkolumnen ‚Deutscher Alltag’ helfen mir manchmal ueber die Trostlosigkeit der Alltagsnachrichten aus Deutschland, Europa und der Welt hinweg. Ueber seinen Beitrag ‚Meinung blubbert’ musste ich herzlich lachen.

Weil es mehr Spass macht, miteinander zu lachen und Komang Sarining darueber nicht lachen wuerde, auch wenn ich ihr den Text recht anschaulich ins Englische uebersetzen koennte, habe ich ihn kopiert und verschicke ihn – zum mitlachen. Copy, paste & send.

 

Meinung blubbert

von Kurt Kister, SZ vom 05.03.2011

Die Pro-Guttenbergs werfen einem Hetzjagd vor, die Wutdoktoren glauben seit Dienstag, sie könnten mit Hilfe des Internets die Welt regieren. Und ständig muss man zu allem eine Meinung haben. Immer soll man zu allem eine Meinung haben. Der Friseur fragt, wie es denn nun weitergehe da in Libyen. Der Mann von der Autowerkstatt will wissen, warum man eigentlich nicht mal schreibe, dass Shell oder Aral verstaatlicht gehören. Und natürlich lauern einem dauernd die Pro-Guttenbergs und die Anti-Guttenbergs auf. Die einen werfen einem Hetzjagd, Missgunst und Hass vor. Bei der Lektüre ihrer Briefe hat man den Eindruck, mancher Briefschreiber wäre einer Kreuzigung des journalistischen Neidhammels nicht abgeneigt.

Die anderen wiederum, allen voran die Wutdoktoren, die seit Guttenberg ein viel engeres Verhältnis zu ihrer eigenen Dissertation gewonnen haben, feixen über den Rücktritt des Barons und glauben seit Dienstag, sie könnten mit Hilfe des Internets die Welt regieren. So viel Meinung jedenfalls, wie gegenwärtig gefragt ist, kann man gar nicht haben.

Oder vielleicht doch? Man stellt sich das ungefähr so vor wie mit der Braunkohle: Unter der Oberfläche liegen große Mengen Meinung. Meinung allerdings ist, anders als Braunkohle, vom Aggregatszustand her eher flüssig. Sie blubbert, und immer wieder bildet sie gelblich-grüne Blasen, die mit einem "Plopp" platzen und manchmal wie im Yellowstone-Park nach Schwefelwasserstoff riechen.

Andere Formen der Meinung sind zähflüssig als wären sie ein während des Flusses sich stark abkühlender Lavastrom. Gysi-Meinung oder Lauterbach-Meinung und natürlich Alexander-Dobrindt-Meinung erstarrt noch während sie die jeweiligen Meinungsproduzenten verlässt.

Es gibt Hinweise darauf, dass noch in diesem Jahr der Meinungstagebau professionalisiert werden wird. Weil es von Herbst an praktisch jeden Abend mindestens eine Talkshow in ARD und ZDF geben wird, wollen sich in der ARD die Zuständigen zusammenschließen und eine Talk-Show-Gäste-Datenbank einrichten. (Nein, das ist nicht erfunden.)

Darin soll festgehalten werden, wer wann mit wem zu welchem Thema spricht. Merkt der Redakteur zum Beispiel, dass der Gassenphilosoph Precht schon wieder mit dem Stör-Schweizer Köppel und dem Historiker als Hysteriker Baring verkuppelt wird, leuchtet ein rotes Licht auf dem Schreibtisch des ARD-Meinungsinspizienten (das ist jetzt erfunden). Dann wird neu gewürfelt. Angeblich ist bereits ein Update der Datenbank in Entwicklung. Jedem Moderator werden dann 15 persönliche Gäste zugeordnet, die er (oder sie) wie Fußballbilder auch mit einem anderen Moderator tauschen darf. Jauch soll immer den ersten Zugriff haben, Plasberg beleidigt sein und Maischberger nur Gäste über 70 kriegen. Ist aber noch geheim.

 

Ursache und Wirkung

Einer der vielen Lebenshilfe-Ratschlaege, die seit einiger Zeit besonders zahlreich kursieren, geht so: ‚Versuchen Sie sich darueber klar zu werden, ob Ihre momantan problematische oder bedrueckende Situation auch in fuenf Jahren noch problematisch oder bedrueckend sein wird. Sie werden sehen, dass die Projektion eines im Moment riesengross erscheinenden Problems in die Zukunft Ihrem Problem viel von seiner Kraft und Schaerfe nehmen wird.’

Ich versuche das hin und wieder und stelle fest, dass sich tatsaechlich eine ganze Reihe von alltaeglichen Problemen auf diese Weise relativieren lassen. Allerdings bleiben da noch eine ganze Menge nichtalltaeglicher Probleme, die sich nicht so einfach hinwegzaubern lassen.

Hier habe ich so ein Problem: Es ist inzwischen selbstverstaendlich geworden festzustellen, dass es lineare und kausale Entwicklungen nicht gibt. Heute gehen wir davon aus, dass wirklich alles miteinander vernetzt und alles Eins ist, dass alle Prozesse in Wellenbewegungen verlaufen und dass simple Ursache-Wirkung-Zusammenhaenge nicht existieren.

Mein Problem? Es gibt Entwicklungen, die in ihrem Ablauf so folgerichtig erscheinen, bei denen eins so vorhersehbar aufs andere folgt, dass sie mir tatsaechlich linear und zwangslaeufig vorkommen. Das also ist mein Problem. Es laesst sich leider nicht dadurch aufloesen, dass ich es auf eine zeitliche Entfernung von fuenf Jahren hin betrachte. Also, ‚Ursache und Wirkung’, darum gehts mir. Aufgeschreckt und betroffen gemacht hat mich die Katastrophe der Oelbohrinsel ‚Deep-water Horizon’ im Golf von Mexiko. Bis jetzt waren es die 1968er-Bewegung, die Berufsverbote, die RAF und der Deutsche Herbst, die mich aufgeschreckt und betroffen machten. Dann die Nachruestung, Tschernobyl, das Elend von Behinderten in Rumaenien, das Absacken des afrikanischen Kontinents und das Projekt Hungerhilfe, das Ozonloch, die Erderwaermung, die mehr oder weniger zyklischen globalen Wirtschafts- und Finanzkrisen, die Globalisierung als Ganzes, der Verfall des Euro, die Verflachung von gestaltender Politik in Ankuendigungspolitik, zu Entertainment und Medienrummel, die Amerikanisierung von allem und jedem. Die Oelkatastrophe im Golf von Mexiko – wie es glaubhaft heisst: eine der bislang groessten von Menschen verursachte Umweltkatastrophe – war wieder so ein Schlag auf den Kopf: Ursache, Wirkung und kein Lernen daraus! Es scheint in der Zivilisationsgeschichte keine nachhaltigen Veraenderungen zum Positiven gegeben zu haben, die nicht zeitnah von nachhaltig negativen und destruktiven Entwicklungen begleitet und relativiert worden waeren. Es scheint also tatsaechlich, und es scheint,bei aller Skepsis, ein Ursache-Wirkung-Prinzip zu geben. Allerdings viel breiter angelegt und viel unuebersichtlicher und vernetzter, als dass wir es tatsaechlich erfassen und beruecksichtigen koennen.

 

Vom Tod des Baeckermeisters K.

Baeckermeister K., ein umgaenglicher Mann in den Fuenfzigern und weit und breit bekannt und beliebt wegen seiner aussergewoehnlich grossen und wohlschmeckenden Kaisersemmeln, liebte es, so oft es das Muenchner Wetter zwischen April und September erlaubte, am fruehen Morgen, gleich nach getaner Arbeit, ins Ungererbad zu radeln und dort, in dem vom Wuermkanal befuellten ‚Herrenbecken’, ausgiebig und genussvoll zu schwimmen und sich anschliessend in der ‚Eishoehle’ gehoerig abzukuehlen.

Eines Tages, und das war bestimmt nicht sein Tag, wurde er beim Schwimmen vom Schlag getroffen, ging unter und ertrank. Im Ungererbad jener Tage wimmelte es von Ratten, Wasserratten selbstverstaendlich, die in Wuermkanal, Herrenbecken und Eishoehle ihr Bad nahmen, sich rubbelten und putzten, umhertollten und plantschten und sich gegenseitig Wasser in die rosafarbenen Augen spritzten, oft in die Tiefen der Gewaesser tauchten, herumalberten und um die Wette schwammen. Wie jeder lebende Organismus schieden sie etwas aus, auf das wir an dieser Stelle aber nicht naeher eingehen muessen. Nennen wir es wie manche Kinder kurz und buendig ‚Pippikacka’. Noch viele Jahre nach dem Tod des allseits bekannten und beliebten Baeckermeisters erzaehlten sich die Menschen im Viertel, K. haette beim Schwimmen zuviel von dem durch die Ratten verseuchten Wasser des Wuermkanals geschluckt und sei daran gestorben. Diese unwahre und unappetitliche Geschichte wurde immer wieder neu erzaehlt und am Leben gehalten. Auf diese Weise lebt auch Baeckermeister K. noch heute unter uns.

 

Von der Maus, dem Faden

und den Zaehnen der Analytikerin

Manche Menschen tun sich mit Veraenderungen, gleich welcher Art, grundsaetzlich schwer. Ich nicht. Manche Menschen sind von Natur aus eher geduldig. Ich nicht. Manche Menschen sind zufrieden und uebertragen das auf ihre Mitmenschen. Ich nicht.

So hat jeder das zu tragen, was in seinem persoenlichen Rucksack enthalten ist.

Da beisst die Maus keinen Faden ab, wie man so sagt. Oder die erfahrene Psychoanalytikerin sich ihre Zaehne aus.

 

Von Gluehbirnen und Leuchtmitteln

‚Leuchtmittel’ sagt man heute dazu. Ich sage weiter ‚Gluehbirne’: eine Birne, die man nicht essen kann, die aber glueht. Ein Wunder, das genau betrachtet, so nicht stimmt. Nicht der birnenfoermige Glaskoerper glueht naemlich, sondern der Metallfaden, der der durchstroemenden Elektrizitatet soviel Widerstand entgegensetzt, dass er nicht schwitzt, sondern glueht und damit Licht entstehen laesst. So einfach ist das und doch so wunderbar. In Europa, lese ich, hat man den gluehenden Birnen den Garaus gemacht. Man sollte vielleicht besser den inkompetenten und ueberbezahlten Eliten den Garaus machen. Nicht physisch naterlich, aber unbedingt job-, auf jeden Fall bonusmaessig. Die unterbezahlten Universitaetsprofessoren selbstverstaendlich ausgenommen. Sie wuerden zuviel Energie verbrauchen, sie verschleudern, vernichten, nur des bisschen Leuchtens wegen, sagt man. Und meint die Gluehbirnen. Ja, die Umstellung von Strom aus Atomenergie in Strom aus sogenannten erneuerbaren Energiequellen bringt Veraenderungen mit sich. Und Veraenderungen kosten Geld. So auch die neumodischen Energiesparlampen.

Auf Bali, wie insgesamt in Indonesien, verwenden wir schon seit Jahren Energiesparlampen. Einfach deshalb, weil der Stromverbrauch viel schneller steigt als die Stromproduktion. Sogenannten Atomstrom gibt es in Indonesien noch nicht: zuviele Seebeben, zuviele Tsunamis, zuviele Erdbeben, zuviele Vulkanausbrueche sprechen dagegen. Deshalb ist Energiesparen angesagt, durch Stromsperren und durch den Dauereinsatz von Energiesparlampen. Neue, zusaetzliche Kraftwerke kosten mehr -man muss immer den Schwund durch Korruption hinzurechnen - und ihr Bau dauert laenger als woanders.

Leider haben viele Energiesparlampen eine wesentlich geringere Lebensdauer, als auf den Verpackungen versprochen wird, und die Anschaffungspreise sind wesentlich hoeher als bei den konventionellen Gluehbirnen. Trotzdem: nach einiger Erfahrung im Umgang mit verschiedenen angebotenen Marken habe ich mich festgelegt und behaupte, dass Philips* mit Tornado die Lampen mit der groessten Lebensdauer und der hoechsten Lichtausbeute verkauft. Sie sind teurer als indonesische oder chinesische Produkte, aber, bezogen auf die wichtigsten Vergleichsmerkmale, einfach besser.

Es fehlt nur noch, dass in den Obst- und Gemuesemaerkten Ubuds, Denpasars oder Singarajas schmackhaftere Tafelbirnen angeboten werden als bisher. Eine essbare Birne muss ja gar nicht leuchten oder erwaermen, sie soll nur knackig und fruchtig sein und unverwechselbar nach Birne schmecken. Aber es scheint einfacher zu sein, Gluehbirnen zu produzieren als Tafelbirnen, die ihren Namen verdienen.

Uebrigens: es gibt keine Birnen auf Bali. Birnen werden aus Australien oder Neuseeland importiert. Ja, dann. *) Ich bekomme von Philips weder Preisnachlaesse noch einen Naturalrabatt oder andere geldwerte Verguenstigungen.

 

Von -or zu -or

 

Administrat-or

Ausbeut-or

Benefit-or

Besserwiss-or

Caes-or

Diktat-or

Dokt-or

Dominat-or

Emper-or

Entertain-or

Fakt-or

Fick-or

Fidl-or

Geldverleih-or

Generat-or

Geniess-or

Helikopt-or

Inhalat-or

Inspirat-or

Juni-or

Kommunikat-or

Kurat-or

Lernend-or

Lehr-or

Ment-or

Mot-or

Numm-or

Ob-or

Oktob-or

Organisat-or

Philosoph-or

Quael-or

Questionat-or

Radiohoer-or

Rasier-or

Ras-or

Rentn-or

Ritt-or

Sanitaet-or

Schauspiel-or

Schuel-or

Seni-or

Staunend-or

Support-or

Transpirat-or

Turn-or Tueroeffn-or

Ueberflieg-or

Unteroffiz-or

Uebermutig-or

Unruhestift-or

Vegetari-or

Verfolg-or

Verteidig-or

Wachold-or

Waecht-or

Wallfahr-or

Weis-or

Xylophonspiel-or

Xav-or

Yogatrain-or

Yachtdesign-or

Zaehl-or

Zynik-or

 

Warum Rechthaben nicht immer schoen ist

Seit Jahrzehnten verdamme ich in Gespraechen, Diskussionen und Aktionen (unsere Tschernobyl-Aktion 1986 im Landkreis Altoetting), die global getroffene Grundschatzentscheidung pro Nutzung der Atomenergie zur Energiegewinnung. Egal ob militaerisch oder sogenannt friedlich. ‚Strahlende Zukunft?’ hiess einer unserer Slogans, der andere ‘Atomkraft – Nein danke’ und Wackerdorf war ein nur anscheinend ermutigender Zwischenschritt. Aus zwei Gruenden war und bin ich gegen Atomenergie als Energietraeger: Zum einen kann eine umfassende Reaktorsicherheit nicht garantiert werden. In keinem Bereich – schon gar nicht im technisch-ingenieursmaessigen – gibt es tatsaechliche Sicherheit. Die lange Reihe kleiner, mittlerer, grosser und dramatischer Reaktorunfaelle dokumentiert das.

Zum anderen war und ist es eine der ruecksichtslosesten, duemmsten – im Sinne von unintelligent – und verantwortungslosesten Entscheidungen, die jemals getroffen wurden, naemlich, ohne die Moeglichkeit einer wenigstens einigermassen ‘sicheren Endlagerung’ aller Abfallstoffe auch nur annaeherend geloest zu haben.

Alles um die Nutzung der Atomenergie ist schmutzig, giftig, korrupt und kurzsichtig und nur dem Moment, dem Profit der Energiewirtschaft und dem eigenen Fortkommen in der Politik verpflichtet. Das waren und sind die falschen Entscheidungen und die falschen Commitments.

Erstaunlich find ich nur, dass jeder weiss, dass das so ist und dass radioaktive Wolken irgendwelche Grenzen, die Unterschiede zwischen politischen Systemen und Parteien und den Lebensplaenen, Hoffnungen und Wuenschenvon uns Menschen nicht unterscheiden. Radioaktive Wolken vergiften alles. Unterschiedslos. Einfach weil sie so wirken, wie sie sind. Three Mile Island (1979), Tschernobyl (1986) und Fukushima (2011) waren erwartbar. Viele andere Stoerfaelle, Gaus und Supergaus stehen an. Wir haben die 25 Jahre nach Tschernobyl nicht genutzt und nicht umgedacht, umentschieden und neu angefangen. Nein. Wir sind so keck geworden, AKW’s sogar in Erdbebengebieten zu betreiben. Nach uns die Tsunamies.

Das ist eine moegliche Bedeutung der Buechse der Pandora aus der griechischen Mythologie: die Atomenergie, die heller leuchtet als tausend Sonnen (R. Jungk), hoffnungsfroh empfangen und genutzt von kurzsichtigen, macht- und geldgeilen Deppen. Von uns allen.

 

Was habe ich bisher gelernt auf Bali?

Als ich im Maerz 2006 nach Bali uebersiedelte, kam ich mit einigen Wuenschen und Erwartungen des Weges: exotische Natur, farbenfrohe Zeremonien, spirituelle Weiterungen, anschmiegsame Frauen, erfuellendes Kunstschaffen, angenehme Temperaturen, niedrige Ausgaben, einfaches Leben. Nichts hat so erfuellt, wie ich mir das ausgedacht hatte.

Statt dessen hat sich etwas entwickelt, woran ich nie mehr gedacht hatte - es war mir kein Anliegen gewesen. Fernab von Deutschland, aber mit ihm durch intensive Zeitungslektuere und Briefwechsel weiterhin verbunden, aus einem anderen Blickwinkel gesehen und im Alltag nicht mehr direkt betroffen entwickelte sich eine kritisch-liebevoller Position Deutschland und den Deutschen gegenueber. Meine balinesische Frau regte mich zu Vergleichen an, wie die Dinge in Deutschland funktionieren, oder eben nicht, im Gegensatz zu Indonesien.

Nach und nach gab ich meine grundsaetzlich distanzierte, abschaetzige oder herabwuerdigende Haltung auf, die fuer uns 68er die Grundvoraussetzung unseres politischen und persoenlichen Selbstverstaendnisses war: lieber heimat- und sanitaetslos als deutsch. Eine Haltung, die uebrigens unter den grundsaetzlich nationalistisch-chauvinistisch-patriotischen Indonesiern auf kein Verstaendnis stoesst. Bei den Balinesen auf noch viel weniger. Was soll ich sagen? Bei allen Maengeln, bei allen Ungerechtigkeiten, bei allen Vertuschungen und Verlogenheiten, bei allen strukturellen und kaum loesbaren Problemen, ist nach seiner Wiedervereinigung ein Deutschland entstanden, auf das ich heute stolz bin. Heute freue ich mich darueber und bin zufrieden damit, Deutscher zu sein. Und ich kann den Respekt und die Achtung annehmen, die man den Deutschen in entgegenbringt. Den deutschen Fussballer im Besonderen.

Das habe ich auf Bali gelernt.

 

Wer, wenn ich schriee ...

Ohne irgendwelche Erwartungen kramte ich in einem Karton, der sich in einem groesseren Karton befand. Der groessere der beiden war einer der Umzugskartons, in denen ich einen Grossteil meiner beweglichen Habe von Ferch am Schwielowsee im Landkreis Potsdam-Mittelmark auf die lange Seereise nach Jakarta/Java, Indonesien, geschickt hatte. Dort mussten sie eine tagelange Verschnaufpause einlegen, bis sich die raffgierigen Zoellner mit meiner - nicht minder raffgierigen - idonesischen Speditionsfirma darauf einigten, wie meine Habe als Ganzes zu betrachten und zu bewerten sei und wieviel Zoll dafuer faellig werden koennte und wie hoch ihre Anteile ausfallen koennten, die sie unter der Hand von meiner Zahlung abzweigen und in ihren persoenlichen Taschen verschwinden lassen koennten. Dabei war ich bereits der Empfehlung gefolgt, meinen Umzugscontainer nicht beim Zoll in Surabaya/Java, Indonesien, abfertigen zu lassen, weil dort die Zoellner – verwoehnt durch den massenhaften illegalen Umschlag illegal gefaellter Baumriesen aus Borneo und Sumatra – in ihrer Geldgeilheit fast grenzenlos seien.

Da ich jeden Karton umsichtig und gewissenhaft beschriftet und fuer den Zoll eine detaillierte Liste angefertigt – die dieser nachweislich keines Blickes gewuerdigt, geschweige denn ueberprueft – hatte, war es weniger muehsam als ich dachte, die ueber 90 Kartons wieder auszupacken und deren Inhalte, zusammen mit den vielen unverpackten Gegenstaenden auf alle Raeume meiner zukuenftigen Bleibe auf Bali, in Kalibukbuk, Lovina, zu verteilen. Der Mensch waere kein solcher, wuerde nicht auch die hurtigst fliessende Energie und die groesstmoegliche Konzentration nach einigen Tagen dem Gefuehl einer Vorform zufriedener Erfuelltheit weichen; das heisst: Lust und Wille zum Auspacken und Einraeumen schwaechten sich deutlich ab und erlahmten eines Tages ganz. Der Toaster, der Quirrl zum Schlagen der Milch fuer den Cappuccino und der Holzblock mit den verschieden grossen und verschieden schweren Kuechenmessern standen da, wo sie in Zukunft immer stehen sollten, Computer und Laptop waren installiert, Hand- und Badetuecher lagen bzw. hingen, und in der vorlaeufigen Werkstatt waren Handkreis- und Stichsaege, verschiedene und verschieden grosse Haemmer, die Bohrmaschinen nebst Bohrer, die Winkelschleifer und Oberfraesen – also all die schoenen elektrischen Power Tools und alle Handwerkzeuge und Materialien – uebersichtlich untergebracht. Was fuer ein Genuss fuer mich, einem erst spaet in eine inzwischen geradezu zwanghafte Ordnungsliebe Hineingewachsenen. Nur in einer merkwuerdigen Nische, die sich ergeben hatte, als die Hausbesitzer an das bestehende Wohnhaus einen Anbau eher flickten als fuegten, in dem sich nun die Kueche, ein zweites Badezimmer, ein Schlaf- und Aufenthaltsraum fuer das Personal und ein grosser T-foermiger Raum, der meine Werkstatt und mein „Studio“ sein wuerde, befanden. In diesem Bauherrenfurz von Nische stapelten sich noch mehrere unausgepackte Kunststoff- und Lederkoffer und eben der eingangs beschriebene vergessene, einsame Umzugskarton. Ausserdem eine komplette, fast noch neue, Campingausruestung, die wir noch vor wenigen Monaten fuer unsere gemeinsame grosse Reise nach Italien, Griechenland und Kreta angeschafft hatten.

Ich griff mir also den Umzugskarton – und ich bleibe dabei: ich hatte keinerlei Erwartungen und ich hatte keinerlei Vorstellungen, was ich in Ferch am Schwielowsee in den Karton in dem Karton gepackt hatte. Also machte ich keine grosses Gewese darum, als ich den Deckel des Kartons in dem Karton oeffnete und hineingriff um herauszuholen, was darin verpackt war. Es haette nichts Absonderlicheres sein koennen, besonders hier nicht, auf Bali. Unter vielen anderen gedruckten, gezeichneten, gemalten, fotografierten Erinnerungsstuecken waren sieben Drucke mit Gedichten von Rainer Maria Rilke. Was sage ich, Drucke. Es waren sieben aussergewoehnliche typographische Illustrationen in Verbindung mit sorgfaeltig, in traditionellem Handsatz gesetzten Gedichten, beides zusammen auf glatten oder strukturierten Papieren auf einer Handpresse gedruckt – ein weicheres Blatt von hoeherem Papiergewicht sogar gepraegt - und fein in einem Umschlag aus leichtem Karton zusammengetragen. Der Umschlag war und ist schwarz - einem elegant mattem Schwarz – und ist auf seiner Vorderseite mit Versalbuchstaben bedruckt: Futura schmalfett, linksbuendig angeordnet, Flattersatz; die ersten beiden Zeilen in rot, die dritte in weiss:

RAINER MARIA

RILKE

GEDICHTE

steht da. Weshalb ich die Mappe, ihr Aussehen und ihren Inhalt so genau beschreiben kann? Ganz einfach: die Blaetter sind die Drucke einer Arbeit, die ich mir als 18jaehriger Schriftsetzerlehrling im dritten Lehrjahr ausgedacht, gestaltet und ausgefuehrt habe. Es sind die einzigen Drucke, die ich noch besitze. – Daneben gibt’s noch einige Seiten zu Schillers ‚Wallensteins Lager’ und zu Saint-Exuperys ‚Nachtflug’.

Wer micht kennt, weiss, wie schnell ich angeruehrt werden kann, sentimental koennte man abschaetzig sagen – und manche sagen das auch. Sei’s darum: ich war einfach geruehrt und erfreut und ich war mir gleichzeitig sehr bewusst darueber, dass hier ein Stueck meiner Vergangenheit und meines Weges als Gestalter und Kuenstler vor mir lag. ‚Aussergewoehnliche typographische Illustrationen’ schrieb ich weiter oben. Aussergewoehnlich auch deshalb, weil es mein erster Versuch als Buchillustrator war. Buchumschlaggestalter war ich – wenn auch eher zufaellig – bereits mit fuenfzehn. Buchillustrationen - mit ganz anderen Mitteln erstellt als damals - reiche ich heute nach; 50 Jahre spaeter. Die erste der ‚Duineser Elegien’ hat mich also bereits als 18jaehriger ergriffen – ein erstes Anzeichen fuer meine manisch-depressive Erkrankung? Auch heute noch beruehrt mich der Text. Auf meine aelteren Tage und als mehr oder weniger selbstbestimmter, auf jeden Fall au’sser Konkurrenz laufender l’art-pour-l’art-Kuenstler, noch dazu auf Bali, komme ich mit meinen manisch-depressiven Schwankungen gut zurecht – nunmehr ohne Psychotherapie und ohne Medikamente. Und nach 50 Jahren der Suche nach einem vaeterlichen Gott, einem starken Vater, einem Meister oder wenigstens einem grossen, weisen Bruder bin ich wieder beim Hausmacher-Atheismus angekommen und beim Existenzialismus fuer Anfaenger, beim Sisyphismus als Lebensaufhabe und Lebenszweck - zusammengefasst im ‚Wer, wenn ich schriee, hoerte mich denn ...’

Weil es so schoen ist, setze ich den Rilketext noch einmal ab: nicht aus der Weiss-Antiqua, nicht aus Einzelbuchstaben aus Blei, Antimon und Zinn, nicht in einem Winkelhaken wie 1961/62, ohne Spatien zum Ausgleichen der Versalbuchstaben in der Ueberschrift und ohne Regletten fuer die Abstaende zwischen den Zeilen und zwischen den Absaetzen. Nein, jetzt geht das ganz hurtig auf dem Laptop namens Acer Aspire 5315 - aus der 11./13. Times New Roman, Laufweite +./.0, verschmaelert auf 90%, allerdings ohne die Umlaute und ohne das deutsche scharfe S beziehungsweise Sz. Also:

DUINESER ELEGIEN

ERSTE ELEGIE

Wer, wenn ich schriee, hoerte mich denn aus der Engel Ordnungen? Und gesetzt selbst, es naehme einer mich ploetzlich ans Herz: ich verginge von seinem staerkeren Dasein. Denn das Schoene ist nichts als des Schrecklichen Anfang, den wir gerade noch ertragen, und wir bewundern es so, weil es gelassen verschmaeht, uns zu zerstoeren. Ein jeder Engel ist schrecklich. Und so verhalt ich mich denn und verschlucke den Lockruf dunkelen Schluchzens. Ach, wen vermoegen wir denn zu brauchen? Engel nicht, Menchen nicht, und die findigen Tiere merken es schon,

dass wir nicht sehr verlaesslich zu Haus sind in der gedeuteten Welt. Es bleibt uns vielleicht irgend ein Baum an dem Abhang, dass wir ihn taeglich wiedersaehen; es bleibt uns die Strasse von gestern und das verzogenen Treusein einer Gewohnheit, der er es bei uns gefiel, und so blieb sie und ging nicht. O und die Nacht, die Nacht, wenn der Wind voller Weltraum uns am Angesicht zehrt -, wem bliebe sie nicht, die ersehnte, sanft enttaeuschende, welche dem einzelnen Herzen muehsam bevorsteht. Ist sie den Liebenden leichter? Ach, sie verdecken sich nur mit einander ihr Los. Weisst du’s noch nicht? Wirf aus den Armen die Leere zu den Raeumen hinzu, die wir atmen; vielleicht dass die Voegel die erweiterte Luft fuehlen mit innigerem Flug. Ja, die Fruehlinge brauchten dich wohl. Es muteten manche Sterne zu dir, dass du sie spuertest. Es hob sich eine Woge heran im Vergangenen, oder da du vorueberkamst am geoeffneten Fenster, gab eine Geige sich hin. Das alles war Auftrag.

Und so weiter ...

 

Wo er Recht hat, hat er Recht

In ‚Totem und Tabu’ schreibt Sigmund Freud: Weder die Angst noch die Daemonen koennen in der Psychologie als letzte Dinge gewertet werden, die jeder weiteren Zurueckfuehrung trotzen. Es waere anders, wenn die Daemonen wirklich existierten; aber wir wissen ja, sie sind selbst wie die Goetter Schoepfungen der Seelenkraefte des Menschen; sie sind von etwas und aus etwas geschaffen worden.

 

Wo geht’s denn hier zur deutschen Leitkultur?

Kultur ist etwas, was nur Menschen hervorbringen koennen. Kultur steht immer im Gegensatz zu Natur. Kultur beschreibt den Umgang mit der Natur, zum Beispiel in der Land- oder Forstwirtschaft. Kultur beschreibt die Pflege der Schaetze der Natur, aber auch die Koerperpflege. Kultur setzt die Existenz einer Sprache voraus, die innerhalb eines Siedlungsgebietes verstanden und gesprochen wird. Kultur ist der rituelle oder auch nur unterhaltungsmaessig-dekorative Selbstausdruck von Menschen in Architektur, Bildender Kunst, Theater, Film, Musik oder Tanz. Kultur kann auch beschreiben, was und wie man isst und trinkt oder wie man in der Politik, am Arbeitsplatz oder beim Sport miteinander umgeht. Kultur – und ist der Begriff auch noch so weit oder diffus gefasst – wirkt grundsaetzlich identitaetsstiftend: deutsche Kultur, Unternehmenskultur, politische Kultur, kulturell wertvoll, Kulturschaffende, Kulturgut.

Ob religioese Glaubenssysteme, die ja auch von Menschen hervorgebracht wurden, selbstverstaendliche Teile von Kulturen sind, ist nicht leicht zu beantworten. Allerdings hat die Verbreitung der sogenannten Weltreligionen in unterschiedlichen geographischen Regionen vorherrschende und praegende Verbindungen zwischen Land, Religion und Kultur entstehen lassen: Europa, Nord-, Mittel-und Suedamerika und Australien sind ueberwiegend christlich gepraegt; der Nahe Osten, Nordafrika und Teile Suedostasiens und Asiens sind islamisch; Indien ist mehrheitlich hinduistisch; China ist offiziell atheistisch, gleichzeitig aber auch taoistisch-konfuzianistisch; viele asiatische Laender sind buddhistisch oder es gibt darin groessere buddhistische Bevoelkerungsanteile. Die meisten Gesellschaften, wie sich heute darstellen, sind ein Zwischenergebnis von unfreiwilligen, freiwilligen, geplanten oder chaotischen Wanderungen von Menschen. Klimatische Veraenderungen, Kriege und Eroberungszuege, Sklavenhandel, die Suche nach Ueberlebens- oder besseren Lebensbedingungen, geopolitische Veraenderungen, internationaler Handel, Wissens- und Technologieaustausch waren und sind in der Menschheitsgeschichte Anlass zu Wanderbewegungen jeder denkbaren Art und Weise. Auch in juengster Zeit spielen „grenzueberschreitende“ Armutswanderungen und Fluechtlingswanderungen aus Kriegs- und Krisengebieten eine grosse Rolle.

Und wie der Mensch einmal ist: er wandert nicht nur, nein, er setzt sich nieder, er laesst sich nieder, sucht und findet eine(n) PartnerIn, hat Sex und vermehrt sich. Er versucht, sich seiner Umgebung anzupassen ohne einige ihm ganz besonders wichtigen Dinge aus seinem alten Leben, aus seiner alten Heimat, aufzugeben. Er feiert zwar ein ‚Little Octoberfest’ in Fort Wayne, Indiana, und hat trotzdem das Gefuehl, in der neuen Heimat USA dazuzugehoeren. Nach zwei Generationen erinnern sich die Enkelkinder oft nicht mehr sehr deutlich, aus welcher Ecke der Welt der Grossvater einst eingewandert ist.

Mit seinem urspruenglich nur fuer (west)deutsche Buerger geschaffenem, fein ausbalanziertem und kostspieligem Netz sozialer Sicherheit, seiner leistungsfaehigen Wirtschaft, besonders der Exportindustrie, die auf guter Ausbildung, Effizienz, Erfahrung, Produktivitaet, Wettbewerbsfaehigkeit und im Wesentlichen noch immer auf einer einigermassen funktionierenden Sozialpartnerschaft beruht, ist etwas entstanden, was man als typisch deutsch bezeichnen koennte: der Stolz auf einen sozialen und materiellen Besitzstand, der auch heute noch fuer viele Menschen auf der Welt vorbildhaft und erstrebenswert ist.

Diesen Besitzstand zu teilen, machte schon nach dem Zweiten Weltkrieg bei der Integration der durch und durch deutschen Fluechtlinge aus dem Osten Schwierigkeiten, dann wieder im Zusammenhang mit der Wiedervereinigung der beiden Deutschland. Den Besitzstand zu teilen, erzeugt auch Widerstand bei den zu erbringenden Leistungen fuer deutsche Sozialhilfeempfaenger, noch mehr bei Empfaengern aus anderen Laendern, und faellt seit Jahren – und heute mehr denn je – bei deutschen Buergern auf wenig Gegenliebe. Aktuell zeigt sich das wieder bei der notwendigen Unterstuetzung von mehr oder weniger bankrotten Mitgliedslaendern der Europaeischen Gemeinschaft. Dass Deutschland ueber lange Zeitraeume in der Lage war, solche finanziellen Belastungen ueberhaupt zu verkraften – trotz der hohen Kosten des Wiederaufbaus nach 1945, trotz der Wiedervereinigung, trotz globaler Finanzkrisen, trotz fast schon zyklischer Rezessionen und zwischendurch hoher Arbeitslosigkeit, bis zu fuenf Millionen, hat bei den Deutschen einen Gewoehnungsprozess in Gang gesetzt, beziehungsweise vertieft, der letztlich auf den gemachten Erfahrungen basiert: ‚Wir Deutsche sind die Melkkuh fuer Viele und Vieles - aber wir schaffen das schon.’

Es ist wohl ein Teil des deutschen Selbstverstaendnisses, dass auch schlimmste Zusammenbrueche und haerteste Belastungen durchgestanden und ueberwunden werden koennen. Nicht so demuetig wie die Japaner, aber standfester als die Griechen. Eben auf deutsche Art und Weise.

Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist die bestaendige Furcht der Deutschen vor Ueberfremdung und der Uebervorteilung durch schmarotzende Auslander und, seit 2001, besonders durch Menchen islamischen Glaubens. Das ist mit Sicherheit keine ausschliesslich deutsche Angst. Es gibt noch immer den Weg zu einem vereinten Europa. Und es gibt die zahlreichen ins Land geholten Arbeitskraefte, die sich von „Gaesten“ zu „Deutschen mit Migrationshintergrund“ entwickelten. Diese beiden Entwicklungen zwangen die demokratischen Parteien, ihre Positionen zumindest gegenueber den europaeischen Auslaendern zu ueberdenken und zu liberalisieren.

Dann kamen und kommen auch Menschen aus aussereuropaeischen Laendern als politische oder als Wirtschaftsfluechtlinge diffamiert, nach Europa und nach Deutschland. Und auf einmal gab es wieder das altbekannte Suendenbocksyndrom: die Angst vor Ueberfremdung und Uebervorteilung, vor hoher Arbeitslosigkeit, vor Defiziten bei den Renten- und Krankenkassen oder dem Ansteigen von kriminellen Delikten im Allgemeinen und von Jugendkriminalitaet im Besonderen, konnte auf einmal auf eine bevorzugte Bevoelkerungsgruppe bezogen werden: auf die Auslaender. „Die Auslaender“ wurde als diejenige Bevoelkerungsgruppe ausgemacht, die mehr oder weniger systematisch Deutschland und die Deutschen ausbeutet und schliesslich alles Deutsche zerstoert. Herr Sarazin hat sich in diesem Zusammenhang als besonders schlimmer Wortfuehrer und Rattenfaenger hervorgetan. Aber geradezu reflexhaft wurde daraufhin – besonders in der rechten Mitte und rechts des politischen Spektrums – eine wenig ergiebige Grundsatzdebatte angestossen, im Fruehstuecksfernsehen und in den verschiedensten Talkshows vertieft: Was ist die deutsche Leitkultur? Oder: Was ist des Deutschen Leitkultur?

Weil sich andere, offenbar dringlichere Probleme in den Vordergrund schoben, versandelte diese Diskussion wieder, ohne die beiden Fragen abschliessend und ueberzeugend beantwortet zu haben. Wenn ich heute von Bali nach Deutschland schaue, sehe ich schon Dinge, die mir spezifisch deutsch vorkommen. Aber auch wieder nicht so ausschliesslich deutsch, dass sie nicht auch in Belgien, Tschechien, Polen, England oder Nordfrankreich vorkommen wuerden. Ein wesentlicher Unterschied scheint zu sein, dass Deutsche alles, was sie tun, mit mehr Ernst, oft sogar Verbissenheit tun, mehr auf Tempo und Effizienz ausgerichtet, denn auf Muse. Aber sonst?

Da ich weiss, dass eine solche Anwort nicht wirklich befriedigt, habe ich eine kleine Liste von Dingen zusammengestellt, die das Zusammenleben von Deutschen und Auslaendern in Deutschland weniger problematisch gestalten koennten. Alle in Deutschland dauerhaft lebende Menschen sollten - Deutsch als gemeinsame Hochsprache sprechen, auch verbunden mit unterschiedlichen

regionalen Dialekten;

- der demokratischen Ordnung zustimmen, wie sie im Grundgesetz verfasst ist;

- wissen und praktizieren, dass Regierungen gewaehlt und abgewaehlt werden koennen;

- wissen und praktizieren, dass fundamentale Menschen- und Buergerrechte

im deutschen Grundgesetz verankert sind; - die Rechte und Pflichten, Moeglichkeiten und Unmoeglichkeiten in einer pluralistisch-

demokratischen Gesellschaft kennen und sich danach richten; - das Fuersorgerecht und die Fuersorgepflicht des Staates kennen und anerkennen;

- Lern- und Entwicklungsmoeglichkeiten durch Schulen und Hochschulen oder durch eine

Qualifizierte Berufsausbildung nuetzen;

- wissen und anerkennen, dass Deutschland und Europa wesentlich durch das Christentum

gepraegt worden sind;

- wissen und anerkennen, dass in Deutschland niemand durch seine Religionszugehoerigkeit

Nachteile entstehen duerfen.

Der Begriff „Kultur“ taucht in dieser Liste nicht auf.

 

ZZweitausendzwoelf - der Mayakalender und die voraussichtlichen Trinkwasserprobleme in Ubud

Eine Gruppe von vorwiegend weissen Auslaendern in Ubud beschaeftigte sich mit den katastrophalen Ereignissen, wie sie in einem Mayakalender angeblich prophezeiht werden. Die Gruppe nennt sich ‚Noosphere’ und basiert auf Gedanken des Teilhardt de Chardin und eines Maya-Kalender-Forschers namens Jose Arguelles (Galactic Resaerch Institute).

Nach meinen Erfahrungen aus den 1970er und 1980er Jahren stehe ich heute esoterischen Gruppen und Endzeit-Hysterien grundsaetzlich distanziert gegenueber. Aber man lud mich zu einer ersten Nosphere-Sitzung in Ubud persoenlich ein – was mein Ego pinselte – und ich wollte herausfinden, was das fuer Menschen waren, die sich zu so einem Treffen einfanden. Ich empfand die dort verbrachten Stunden eher anstrengend als unterhaltsam, allerdings lernte ich dadurch, dass es eine andere Gruppe gibt, die seit ueber dreissig Jahren damit beschaeftigt ist, insbesondere Java und Bali mit Bambus aufzuforsten. Das klang vernuenftig – aber das Programm kommt nicht voran, weil die indonesischen Behoerden den Bambus nicht den Baeumen, sondern den Graesern zuordnet und Graeser einfach keine foerderungswuerdigen Forstpflanzen sind. Ergebnis: es wird wenig aufgeforstet, weder mit behoerdlich als solche anerkannten Baemen noch mit behoerdlich nicht als Baeume anerkanntem Bambus.

Was ich ausserdem kennenlernte war der Umstand, dass eine Reihe von Gruppenteilnehmern in einem Katastrophenfall (siehe Maya-Kalender, 21. Dezember 2012) eine geordnete Wasserversorgung durch kommunale oder regionale Brunnen nicht mehr gewaehrleistet sieht. Um mehr Daten und Fakten zu diesem Thema zur Verfuegung zu haben, verpflichteten sich die Teilnehmer, Recherchen in ihrer Umgebung durchzufuehren, beispielsweise durch Befragungen in ihrem eigenen ‚Banjar’ undsoweiter, und Loesungsvorschlaege fuer eine individuelle beziehungsweise dezentrale Wasserversorgung im Katastrophenfall zu erarbeiten.

Ich hatte mich bereits waehrend dieses ersten Treffens entschieden, an weiteren Treffen nicht mehr teilzunehmen. Zu meiner Verwunderung stellte ich fest, dass mich das Gruppen-, oder wie es jetzt heisst Community-Gehabe inzwischen fremd geworden ist und nicht mehr anzieht – war ich doch frueher ein ausgepraegter Gruppenmensch gewesen.

Allerdings wollte ich einen kleinen Betrag leisten und Hausaufgaben zum Thema Trinkwasser machen. Hier sind die knappen Informationen, die ich der Schriftleiterin von Noosphere zuschickte: 1. Als Auslaender kann ich kein Mitglied eines Banjars sein bzw. werden. Meine balinesische Frau Komang schon, aber nicht ausserhalb ihrer Heimatgemeinde. Das bedeutet, das wir im Bedarfsfall keine verpflichtete Unterstuetzung durch den Banjar Ubud-Kelod erwarten koennen.

2. Wir haben Zugang zu Wasser durch unseren Hausbrunnen. Mit einer Elektropumpe wird das Wasser bei Bedarf in einen Hochbehaelter gepumpt; der Behaelter ist im Speichergeschoss unseres Hauses untergebracht ist. Von dort wird das Wasser ueber ein entsprechendes Leitungssystem im Haus verteilt. Bei anhaltendem Stromausfall koennten wir die Wasserpumpe durch eine Handpumpe ersetzen. Wir nutzen dieses Wasser fuer alles – allerdings trinken wir es nicht. Trinkwasser kaufen wir in den handelsueblichen 19-Liter-Behaeltern. Eine Handpumpe und eine dazugehoerige Installation haben wir bislang nicht. 3. Meine balinesische Schwiegermutter im Weiler Winggin, Kalibukbuk, Lovina, bereitet taeglich die Menge an Trinkwasser vor, die von der Familie erfahrungsgemaess verbraucht wird. Dazu entnimmt sie das Wasser ihrem Hausbrunnen und kocht es ab. Sie kocht das Wasser auf einem Holzfeuer ab. Ich weiss im Moment nicht genau, wie lange sie das Wasser kocht. Soviel ich weiss, muss Wasser zwanzig Minuten gekocht werden (sprudeln), bis es tatsaechlich steril ist. Soweit mir bekannt ist, kam es im Haus meiner Schwiegereltern noch nie zu Krankheiten, die auf Bakterien im Wasser zurueckzufuehren waren.

4. Man muss Wasser nicht ueber einem Holzfeuer oder mit Hilfe von Gas oder elektrischem Strom abkochen, um es keimfrei zu machen. Es gibt inzwischen viele effiziente Solarkocher im Markt. Man kann aber leicht einen oder mehrere Solarkocher selbst bauen. Anleitungen dazu findet man im Internet. Damit kann man Trinkwasser mit sauberer und kostenloser Sonnenenergie sterilisieren. Was man zur Ausbewahrung des sterilen Wassers allerdings weiterhin braucht, sind die grossen 19-Liter-Plastikbehaelter, wie sie von den kommerziellen Wasserlieferanten angeboten werden.

Eine nicht-offizielle Stellungnahme sagt voraus, dass es auf Bali ab 2015 massive Probleme in der Versorgung mit Trinkwasser geben wird.

Tag der Veröffentlichung: 24.02.2012

https://www.bookrix.de/-baliadi

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Adi Bachmann

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