Hundert neue Rätsel
Kapitel 55
Den Abend still zu begleiten,
Sanft flüsternd im Dämmerschein,
Und schlafen oft ein –
Sind’s Brüder, wie man wohl spricht?
Sag’, kennst du sie nicht?
55.
Es ruht oft still und leblos vor dir,
Nicht mehr dir geltend, nun – als Papier.
Doch ist es den Menschen anheimgegeben,
Ihm zu verleihen ein geistiges Leben.
Und in berufene Hand gelegt,
Die’s hält und führt, erscheint’s oft bewegt
Und weckt, o Wunder! ein Tönen und Klingen,
Das Lauschenden tief zu Herzen mag dringen.
Hoch, festlich und sieghaft strebt’s oft empor,
Es zeigt sich an Brücken, an Fenster und Tor.
Von vielen Wanderern wird es beschrieben,
Doch meiden es, die von Eile getrieben.
Einst zog’s mit den Menschen in Kampf und Streit,
Dem Feinde Verderben zu senden, bereit;
Und grüßt doch vom Himmel oft wundersam milde,
Als künde es Frieden in lieblichem Bilde.
56.
Wer es ist: o schenk’ dem Armen,
Der, der Heimaterde ferne,
Klaget an des Schicksals Sterne,
Dein Erbarmen!
Wer es ist: o schenk’ dem Schlauen,
Der auf hinterlist’gen Wegen
Schreitet seinem Ziel entgegen,