Lichtspiele

Alma Marie Schneider · Kapitel 1 von 1

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Lichtspiele

Lichtspiele

Alma Marie Schneider

 

INHALT

 

Die jagen so dahin

Kopfbesteck

Bittersalz

Der Sog

Gedankenspiele

Unterwegs

Abraumhalden

Abflug der Vögel

Unbewohnt

Morgen ist dort ein See

Flaute

(Hartzige) Talfahrt

Hundeleben

Fenstergucker

Ferien

Eistage

Es ist der gleiche Himmel

Aufgebrochen

Rückkehr

Ort der Namen

Abgestürzt

Der Geigenspieler

Es kommt die Nacht

Blues

Der Herbst in mir

Spätherbst

Weih.Nacht

Spuren

Warten

Auf Krücken

Bitte

Schattenliebe

Wovon ich träumte Rien ne va plus

Anisstern

Traumbilder

Gläsern

Vom Glück

Kam nicht umhin

In der Nacht

Wellen

Die Braut

Vergiss nie deine Träume

Nachtprotokoll

Revanche

Hütchenspiel

Honig

So nah

Arena

Flugzeuge

Am Waldsee

Sprachlos

 

Die jagen so dahin

 

Im Fallen

Werden die Farben dunkler

Nehmen heimlich ab

Weil sie in die Jahre gekommen sind

Den Nullpunkt kennt niemand

Bis dahin

Heißt es Geduld aufbringen

Nach jedem Halm greifen

Im Fallen

Wenn die Nähte reißen

Blutest du aus

Make up wird aufgetragen

Einen Versuch ist es wert

Kopfbesteck

 

 

Es muss ein Loch geben

Ein Loch im Kopf

Nach oben

Von dort wird er gefüttert

Mit kleinen Löffeln

Er muss eine Lizenz haben

Damit er denken darf

Mit der Messerschneide

Stets nach unten

Nur das Aufgabeln

Das bekommt ihm nicht

Dann will er durch die Wand

 

Bittersalz

 

Wer vermag

ihn zu sehen,

den Silbervogel?

Unter dem Mond

wachsen ihm Blumen

ins wartende Auge.

Umsonst.

 

Der Sog

Prächtig blüht die Narrenblume

Die Sonnenbraut

Versengt den weißen Schnee

Aus dem Kaninchenloch

Höre ich Mephisto lachen

Mit geschwärztem Gesicht

Aus dem Eisen Feuer schlagen

Schweißperlen zischen

Höllenglut

Die glatte Klinge

Läutet den Totenreigen ein

In den Wipfeln der Bäume

Aufgehängt mein Aug und Ohr

Drängt es den Leib hinunter

 

Gedankenspiele

 

Manchmal webe ich Wortgeflechte

mit Knoten, Schlingen und Windungen.

Wenn ich fertig damit bin,

hänge ich sie in die Stille.

 

Unterwegs

 

Die dünne Luft fließt,

die geschlängelten Pässe

erzwingen Konsequenzen.

Über schmale Pfade

keucht Lippenbläue,

die abwärts einen Lachsturz

in die dunklen Wälder schüttet, während sich über niedrigem Gras

der Tag davonschleicht.

Weiter tragen wir

unsere zerkratzte Haut

über schmutzige Pfützen.

Mein Weggefährte

mit dem Schweigegesicht,

hält noch die Schatten

in seiner Hand,

als uns jäh

die Nacht verschluckt.

 

Abraumhalden

 

Bei Vollmond wachsen sie

Zeigen ihr kaltes Schulterblatt

Aus der Deponie steigt Rauch

Steil wie ein Finger nach oben

Bergmänner gaben einst alles

Auch nachts zwischen Brüsten

Sonnenkälbchen zeigten

Schwarze Glückspunkte

Schau her Auge

Dort steht noch der Holunder

Dort schuppten wir Fische

WIR kommen nicht wieder

 

Abflug der Vögel

 

Solch pulsierende Quellen

Himmelsbrücken und Omen Versammelt über mir

Die zarten Geschöpfe

Dicht gedrängt

Auf der Stromleitung

Jetzt sind die Nester leer

Sie müssen weg

Südwärts

Beim Sonnenaufgang

Die Flügel ausgeschüttelt

In den Wind gestellt

Und viel Geschrei

Wer weiß was wieder kommt

Um Nester zu füllen.

 

Unbewohnt

 

Warm

Es ist warm und es ist Nacht

Draußen hinter der Scheibe

Leuchtet der Mittelstreifen

Gibt keinen Halt

Ein Tellerrand

Das bleiche Gesicht

Gewölbt der Mund

Zur Musik

Leises Motorsummen

Das Kinn schiebt sich vor

Ins Bein

Hin zum Füßchen mit dem blauen Zeh

Schlafestrunken

Armaturengrün betrügt die Nacht Alles was die Sinne betört

Hat sie aus den Fingern gesogen

Weggelutscht

 

Morgen ist dort ein See

Die Haut des Dorfes

Abgelebte Fassaden

Wind flüstert

In offene Mäuler

Häuser und Gräber sind leer

Obst verfault

Achtlos

Im verdorrten Gras

Scheu streift eine Katze

Durch das Auge

Hände klatschend

Werden sie ihr zeigen

Wie Kähne und Boote

Über die Dächer fahren

 

Flaute

 

Die Weglosen schlagen

Aus dem Stein die jungen Worte

Der alte Zuhälter

Schlägt seine Mädchen ein

In Dornen und Seide

Listig wimmern schräge Vögel

Fliegen wie Federn

Wenn man sie fassen will

Ihr Gekreische nach Geld verschwindet

Im Sommerloch

(Hartzige) Talfahrt

 

Im Eisenkopf

Schlägt ein Esel aus

Ein Blatt entfaltet sich

Zigarrenrauch

Wechselt die Nasen

Ein Kerl wie Weichgummi

Isst sein Fließband zum Dessert

In seiner Hängematte

Pflegt er Illusionen

Sein Gegenüber blufft

Rollt Murmeln der Existenz

Er ist angekommen

Im Exil

Zum Schnäppchenpreis

 

Hundeleben

 

Und einmal

Da lebte ich in einer Eulenspiegelgesellschaft Nullen jagten mich

Anderntags

War wieder Leerzeit (oder war es Zeitleere) Mit entzündeten Lidern

Meine Pfötchen gehoben

Wartete ich im Käfig

Hechelnd

Nach einem freundlichen Blick

Bevor sie mich

Im Sprung erwischten

Fenstergucker

 

 

Heute will der Morgen nicht leuchten

Das wogenleere Gras verschluckt ihn förmlich Zwischen den Furchen des Feldes

Säe ich Pläne und Zweifel

Wie einen Hampelmann hänge ich mich auf Im hölzernen Fensterrahmen

Werfe meine Augen in den Hinterhof

Dort hängt Nele Wäsche auf

Schwenkt ihren dicken Hintern

Der Morgen will heute einfach nicht leuchten Selbst die gelben Birnen wirken matt und fahl Der Pfeifenraucher im Bushäuschen hat sich auch vergessen In dieser Luft fühle ich mich allein

Wie dieser Hund dort der auf drei Beinen humpelt Den man angefahren hat

Der entkommen konnte

Ein bisschen Glück im entscheidenden Moment Ein schimmernder Strich im aschfarbenen Morgen

 

Ferien

 

Wie grüne Eidechsen genossen wir

Die verklingende Wärme des Sommers

Kühlten nach durchtanzten Nächten

Schmerzende Füße und wunde Seelen

Unser Schluchzen verbargen wir

An den Hälsen der Flaschen

Oder am Rockzipfel eines Joints Mädchenröcke wippten

Schickten langhaarig Spießer in die Wüste In der Ecke verstaubten Pornos

Der Lack vom Autodach

Löste sich auf im Taubendreck

Lärmend und laut klang die Musik

Wie Kriegsgeschrei aus dem Fleischwolf

Gestochen vom Dorn

Trugen wir auf heller Haut

Wörter aus dem Haus

Stur das Auge auf kantigen Fels geheftet Molken wir unsere Fantasie

Füllten emsig weiße Seiten

Bis sich die Sommervögel sammelten

Durch das Nebelhorn gestoßen

Wurden wir wieder zu Gras

Füße stiegen in unsere leeren Taschen

 

Eistage

 

In deinen Händen

Die Geduld sind

Liegt das Land der Sonne

Doch ich bin mir fremd

Lebe wie eine Andere

Genügsam und ohne Zunge

Wenn ich das Meer sehe

Wie es jeden Tag verreist

Finstert es auf und ab

In meinen Gedanken

Um das Fortgehen

Für die winzige Verheißung

Zeige mir den Fahrplan

Meine Papiere sind in Ordnung

Aus Gerümpel und Plagen

Ist mein Rucksack geflochten

Der Sorgenwald gepackt

Auf meine nackten Zehen

Es ist der gleiche Himmel

Meine Texte weinen

Eingewickelt mein Land

in der liegen gebliebenen Zeitung

und auf jenem Kiesweg

der mitten durch mein Herz führt

hat sich der Winter eingeschlichen

Meine Texte weinen

in den Armen der Abendsonne

weinen Kinderlachen aus der Bläue

Es wird nicht aufhören

 

Aufgebrochen

 

Mein Land

habe ich verlassen,

das Blühende.

Das Delta der Flüsse,

die mein

Leben bestimmten,

die mich mitrissen

und wieder anschwemmten

im Strom

der Zufälligkeiten.

Manchmal

in das Uferlose.

Nun mäht

der Silberwind

mein Feld,

wie immer flüstert

die Zeit.

 

Rückkehr

 

Fremd sind sie mir geworden,

die engen geteerten Gassen,

die Gesichter der Menschen,

ihre gepflegten Kinder.

Nur die vielen Geranien,

sie waren schon immer da,

auch die mächtige Linde,

die der Blitz gespalten hat.

Wir waren immer struppig,

immer ein wenig schmutzig,

spielten in kalten Pfützen

auf holpriger Dorfstraße.

Ein alter Mann spricht mich an:

"Bist du nicht die Tochter vom...?"

"Nein", sage ich, "mir ist alles fremd."

Er lächelt und geht davon.

 

Ort der Namen Endhaltestelle Linie 8

Am Durchgang im Schatten

Blumenverkauf

Das Blätterdach einer Birke

lässt Sonnenflecken

in die Leichenrede tanzen

Zwischen Kränzen und Marmor

schleicht die getigerte Katze

als ob es etwas zu holen gäbe

in der geöffneten Erde

bei einer die den Leib

hat abgestreift von ihrer Seele

Fröstelndes Händekneten

am Ort der vielen Namen

Unbekannte liegen hinten am Zaun

Auf der Holzbank eine Frau

ihr Täschchen im Schoß

daneben die Gießkanne

Abgestürzt

 

Loses Haar im Graulicht

Ich seh � sie

Sie stünde schon länger

Sagt einer

Und deutet nach oben

Dann ist sie gesprungen

Die Arme ausgebreitet

Wie Flügel

 

Der Geigenspieler Aus brennenden Augen

lächelt er leutselig.

Daneben, im stumpfen Fell,

liegt träge sein dürrer Hund.

Fast schüchtern die Schale

und ein Schild aus Pappe:

�Musik aus dem Banat�

Einzigartige Laute

streuen bittere Mandeln

zwischen die Noten.

Beinahe ungehörig

fügsam der Geigenbogen,

flüsternd wie die Gebete

frommer alter Frauen.

Vom Kirchturm glimmt golden

die versinkende Sonne.

Ich spüre seine Heimat und Temeswar

und alle Sonnenuntergänge.

Purpur legt sich auf die Blüten,

die Not der Armut

und den Ruf der Vergangenheit.

 

Es kommt die Nacht

Schweigend und frei

Von des Tages Last

Mit zartem Reigen

So kommt die Nacht

Keine Altäre

Nur offene Fragen

Und leichtes Zittern

Auf kühlem Damast

Blues

 

Herbstmagie

mit silbernen Fäden

eingefangen

an den Rändern

des Sommers

umfließt mich

wie eine

wehmütige Melodie

zieht mich hinein

in ihre Tiefe

 

Der Herbst in mir

 

Wie oft

habe ich diesen

steilen Pfad genommen,

übermütig Steine gekickt,

lachend,

den Wind im Haar.

Und jetzt -

wenn mir auf halber Strecke

die Puste ausgeht,

möchte ich mich

niedersetzen

und wünschte mir,

der Stein wäre weich.

 

Spätherbst

Ein Blatt fällt

auf meine Schulter,

- Gelbrot!

Wirbelt auf

im kühlem Wind,

verliert sich im Dunst

taunasser Wiesen

und auf kahlem Ast

schreit ein Rabe

den Frost herbei.

 

Weih.Nacht

 

Immer wieder

halte ich inne,

wandern

meine Augen

über den Himmel.

Als Kind

suchte ich ihn

nach Engeln ab,

jetzt suche ich

den lebendigen Stern.

 

Spuren

 

Die Laterne wirft

ihren weichen Schein

in die leere Gasse.

Leise wirbeln

große Schneeflocken. Im Schatten der Birke,

vor dem alten

blauen Fachwerkhaus,

steht einer und raucht,

wartet in der Dunkelheit.

Immer wieder,

bei jedem Geräusch,

wandern seine Blicke

hinauf zum Fenster

mit dem Weihnachtsstern.

Licht brennt dort.

Kurz ein Kindergesicht

hinter der Scheibe.

Er steht da, sieht hoch

- geht nicht hinein.

 

Warten

 

Ein Aschenbecher

Dumpfe Worthülsen

Schatten

Mitten im Raum

Meine Gedanken

Obdachlos

Untergemengt

Ins Rot der Tischdecke

Hinter der Theke

Ein üppiges Herz

Gläserklirren

Blicke

Stille

 

Auf Krücken

 

Jenes leise Gespräch -

im Vorbeigehen,

der Zufall

von besonderer Beschaffenheit

macht die Zeit erträglich,

schüttelt die Benommenheit

aus den Gedanken.

 

Bitte

 

Aus deinen Gedanken

spinne einen

zarten Traum.

Einen,

den nur wir

sehen können.

Mit Lichtarmen,

sanften Konturen

und so bunt

wie die Bilder

der Kaleidoskope.

Den schenke mir.

Aus seinen Farben

flechte ein Seil,

so kannst du ihn

zu mir auf meine

Nachtwiese herunterlassen.

Ein letztes Mal.

Denn auch ich

bin nichts,

nichts als einer

deiner Träume

und warte darauf,

dass ich werde.

 

Schattenliebe

 

Noch liebkosen

den Nachtsaum

vergangener Lieder

Das schwarze Kind

flicht Bänder

und legt Liebesweh

in die hohle Hand

wie Blumen

Noch liebkosen

den Nachtsaum

versunkener Träume

Das schwarze Kind

küsst das Haar

und legt Eis

in die warmen Adern

lässt es funkeln

 

Wovon ich träumte

Das dürre Maisfeld

 

am Waldrand,

der kleine Bach,

wohl einen Meter tief,

Grillenrufen und Ameisenpein.

Rätselhaft der Mond,

der uns beschien.

 

Rien ne va plus

Mit Fliegenblick

aus dem Bernstein heraus

beobachte ich seit Längerem

wie du fleißig Licht

bei einer Anderen verschüttest

und Rosen dort lässt

Mir hast du einen runden Korb

aus den weichen Schatten

der Weiden geflochten

und heimlich vor die Tür gestellt

Verborgen unter einem Tuch

pfeift es ganz gehörig

Aufgezogene Blechvögel

sollen nun Ordnung schaffen

damit nichts , aber auch gar nichts

breitbeinig Wurzeln schlägt

Dabei übersiehst du meine Tonfiguren

Sie haben dich längst begraben

Faites vos jeux

Anisstern

 

Ein einsamer Jäger

ist das Herz.

Heruntergekommen

wie ein

russischer Straßenkehrer

der einmal Kosmonaut war

aber eben

immer noch einmalig.

 

Traumbilder

 

Fein gewobene Traumgespinste

kauern wie Gnome im Wurzelgeflecht.

Gedankenwesen mit gesenkten Köpfen,

die mich scheu berühren.

Flackernde Sehnsuchtsmomente,

wie Feuerfunken in blauer Nacht.

Warme Lippen, süß wie Früchte,

suchen und begehren deinen Mund.

Duftende Blüten schweben im Wind,

sie locken und entführen mich.

Die zärtlichen Hände greifbar nah,

in inniger Umarmung mit dir.

Aus Quellen mit wispernden Klängen,

sprudeln flinke Lichtgeister hervor,

die in meinen Augen ertrinken.

Leise träume ich von dir.

Gläsern

 

 

Gläserne Wände

hat die Nacht

und lauschende Ohren,

die der Stille folgen.

Heimliche Pfade

und ungegangene Wege

zwischen uns,

von mir zu dir

und von dir zu mir.

Sag, bin ich einer

deiner Träume?

Dann sieh mich an,

sieh durch meine

gläserne Haut

hindurch,

aber

nur

dann!

 

Vom Glück

 

Unsere Begegnungen

Lichtpunkte

Stark und verletzbar

Sanft und wild

Einander alle Welt

 

Kam nicht umhin

Von Anbeginn

 

mein Begreifen

im Glockenklang

unserer Augen.

Hände wie Tänzer

im aufgeknöpften Kleid

waren stark

und liebten alle Dinge.

Grünten

wie der Frühling dort

in verwuscheltem Haar

mit tausend Lerchen.

 

In der Nacht

 

Ich frage dich nicht

nach der Kunst zu fliegen oder

nach den ungesagten Worten,

doch an den Rändern der Nacht

wächst Zärtlichkeit

aus dunklen Augen.

 

Wellen

 

Deine Worte

branden hinab

in meine Stirn

in meine Lenden

süchtig bin ich danach

schicke mir

deine Vögel

ich schicke dir

mein Meer

 

Die Braut

 

Morgenrot

Flochten sie dir in das Haar

Befestigten mit Spangen

Die feurige Pracht

Umschleiert sang dein Blut

An diesem Augen Tag

Nachts hat dich der Mond

In einer Kutsche

Über das Land gezogen

Weithin war zu hören

Das Lachen

Aus deinem weichen Mund

 

Vergiss nie deine Träume

 

Immer ist es da, dieses Gefühl

der lebendigen Freude,

dieses unsichtbare Verzehren.

Beim Gelb der Forsythien

wirst du dich daran erinnern

und wenn aus dem Licht des Mondes

halb verdeckt dein Gesicht wächst, dann fliege auch ich eine Weile

inmitten der Meteore Glanz.

Dort oben, im nachtblauen Raum,

werde ich mein Kleid ablegen

und unter deinen Händen

in die frühe Sonne fallen.

 

Nachtprotokoll

 

Aus ihrer Mitte

fließen Worte,

das Lachen -

das ist ER.

Windmühlen

in der Musik,

in ihrem Kopf -

immer nur ER.

Geduldig wartet

ihr Mund und im Wein

ertrinkt allmählich -

Nietzsches Geist.

So erlischt die Flamme

im Morgengrauen.

Mit Augenringen -

deckt sie IHN zu.

Begräbt IHN

am Fuße des Mondes.

Tritt mit schweren Beinen -

alles fest.

Nur manchmal hört sie ein Lachen,

dieses Lachen -

Ist das ER?

 

Revanche

 

Gestern hat mir mein Liebster eine Mail geschickt hat mir geschrieben wie sehr er mich doch liebe und dass ich dieses Wochenende ohne ihn sein muss

Heute hat mir mein Liebster eine Rose geschickt schreibt, dass er vor Sehnsucht nach mir umkomme und wie sehr er sich doch auf seinen Kegelabend freue

Gerade habe ich ihm sein Ringlein geschickt habe geschrieben, wie gerne ich es getragen habe und wie sehr ich mich auf meinen Männerabend freue

 

Hütchenspiel

 

Nimm den Hut

von meinem Platz,

faucht die korpulente Frau

den glatzköpfigen Mann an.

Verstört nimmt er ihn

- dreht ihn -

und setzt sich darauf.

Dich könnte ich doch...

zischt sie sogleich.

Während der Zug anfährt,

scheucht sie ihn hoch

und wirft den Hut

auf die Ablage.

Interessiert mustere ich IHN.

Ob er wohl Wasserhähne

Lichtschalter und und und...

reparieren kann ?

ER kann! Ich bin mir sicher.

Vorsichtig , (mit Seitenblick)

lächele ich ihm zu.

 

Honig

 

Korallen im Blick

umnetze ich dich.

Aus Worten

forme ich Tüten.

Sinke ein

in dein Gemüt

mit honigsüßer Flut.

Herzverdorben

greife ich zu.

 

So nah

 

Es ist eine Kraft,

die mich zu dir zieht.

Ich ahne es.

Seit Anbeginn

formt das blaue Auge

Illusionen.

Vertrautes Wesen,

dein Gesicht,

es ist so nah.

Die Hand,

wie gern würd' ich

sie zart umfassen.

Doch lieber noch

wär' ich wie roter Staub

und säß' in deinen Poren.

 

Arena

 

Die Zinnoberrote -meine Rivalin

Spricht mit Händen und Lippen

Geistesabwesend lutscht sie

Strohhalme und Tulpenmeere

Keine von uns gibt nach

Du schmeckst nach Feigen

Hast Blumen gelacht

Heute ist es kein Spiel

Zwischen Schwarz und Weiß

Bin ich dein Schatten

Für dich habe ich getanzt

Bis der Asphalt der Nacht

Durch meine Lider blitzte

Die Zinnoberrote geht spät

Dich nehme ich mit

 

Flugzeuge

 

Lidschwer dürstet

leise nach der Träume Flut

das scheue Licht zwischen uns

stumm ein leichtes Frösteln

Dem Einen der so weit entfernt

gilt mein Begehren

lässt mich Nachtstroh dreschen

Morgentau fiebern im Schoß

Pfefferminzlächeln huscht

vorbei im Neonlicht

Lippenstift und Föhnwind

und Kopfschmerzen

dann auf einmal bist du wieder da

 

Am Waldsee

 

Im Halbschlaf,

wie ein Windhauch,

spielt ein Lächeln

um meine Lippen

und in mir

diese Melodie,

in die ich mich

hinein fallen

lassen möchte.

Im Zwielicht

spiegelt der See,

tief und unergründlich

und weit weg,

hinter dem Rohre

höre ich,

wie du nach mir rufst.

Eines würde ich

wohl vermissen - Dich!

Sprachlos

 

Mitunter

verliert sich

mein Blick

zum Himmel

in ewiger Sehnsucht

nach Nähe.

Blind

in schwachen Momenten

Verbotenes

zu träumen

kreisen Gedanken

ob ich will

oder nicht.

Doch

heute

keine Worte

für Gefühle.

Tag der Veröffentlichung: 11.02.2009

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