
Abendphantasie
Vor seiner Hütte ruhig im Schatten sitzt der Pflüger, dem Genügsamen raucht sein Herd, beginnt Hölderlins Ode, Gastfreundlich tönt dem Wanderer im Friedlichen Dorfe die Abendglocke. Wohl kehren itzt die Schiffer zum Hafen auch, In fernen Städten, fröhlich verrauscht des Markts Geschäftger Lärm; in stiller Laube Glänzt das gesellige Mahl den Freunden. Wohin denn ich?, fragt der Dichter, es leben die Sterblichen von Lohn und Arbeit, wechselnd in Müh und Ruh ist alles freudig, warum schläft denn nimmer nur mir in der Brust der Stachel? Am Abendhimmel blühet ein Frühling auf, Unzählig blühn die Rosen und ruhig scheint Die goldne Welt; o dorthin nimmt mich, Purpurne Wolken, ruft er, und möge droben in Licht und Luft zerrinnen ihm Lieb und Leid. Doch wie verscheucht von töriger Bitte, flieht der Zauber, dunkel wirds und einsam unter dem Himmel, und am Ende bittet er nur noch, Komm du nun, sanfter Schlummer! zu viel begehrt Das Herz.

