Mein Liederbuch, Volks-, Wander- und Kinderlieder
Die Gedanken sind frei
1. Die Gedanken sind frei,
wer kann sie erraten,
sie fliehen vorbei,
wie nächtliche Schatten.
Kein Mensch kann sie wissen,
kein Jäger erschießen.
Es bleibet dabei:
Die Gedanken sind frei.
2. Ich denke, was ich will
und was mich erquicket,
doch alles in der Still,
und wenn es sich schicket.
Mein Wunsch und Begehren
kann niemand mir wehren.
Wer weiß denn, was es sei?
Die Gedanken sind frei.
3. Und sperrt man mich ein
im finsteren Kerker.
Das alles sind rein
vergebliche Werke,
denn meine Gedanken
die reissen die Schranken
und Mauern entzwei.
Die Gedanken sind frei.
4. Ich werde gewiß
mich niemals beschweren,
will man mir bald dies,
bald jenes verwehren.
Ich kann ja im Herzen
stets lachen und scherzen und denken dabei:
Die Gedanken sind frei.
5. Ich liebe den Wein,
die Mädchen vor allen,
und dies tut mir allein
am besten gefallen.
Ich sitz nicht alleine
bei einem Glas Weine,
mein Mädchen dabei.
Die Gedanken sind frei.
Volkslied (18. Jh.)