Mein Liederbuch, Volks-, Wander- und Kinderlieder

Alfred Mignon · Kapitel 16 von 57

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Mein Liederbuch, Volks-, Wander- und Kinderlieder

Die Gedanken sind frei

1. Die Gedanken sind frei,

wer kann sie erraten,

sie fliehen vorbei,

wie nächtliche Schatten.

Kein Mensch kann sie wissen,

kein Jäger erschießen.

Es bleibet dabei:

Die Gedanken sind frei.

2. Ich denke, was ich will

und was mich erquicket,

doch alles in der Still,

und wenn es sich schicket.

Mein Wunsch und Begehren

kann niemand mir wehren.

Wer weiß denn, was es sei?

Die Gedanken sind frei.

3. Und sperrt man mich ein

im finsteren Kerker.

Das alles sind rein

vergebliche Werke,

denn meine Gedanken

die reissen die Schranken

und Mauern entzwei.

Die Gedanken sind frei.

4. Ich werde gewiß

mich niemals beschweren,

will man mir bald dies,

bald jenes verwehren.

Ich kann ja im Herzen

stets lachen und scherzen und denken dabei:

Die Gedanken sind frei.

5. Ich liebe den Wein,

die Mädchen vor allen,

und dies tut mir allein

am besten gefallen.

Ich sitz nicht alleine

bei einem Glas Weine,

mein Mädchen dabei.

Die Gedanken sind frei.

Volkslied (18. Jh.)