Mein Liederbuch, Volks-, Wander- und Kinderlieder

Alfred Mignon · Kapitel 43 von 57

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Mein Liederbuch, Volks-, Wander- und Kinderlieder

Sabinchen war ein Frauenzimmer

1. Sabinchen war ein Frauenzimmer,

gar hold und tugendhaft.

Sie diente treu und redlich immer

bei ihrer Dienstherrschaft.

Da kam aus Treuenbrietzen

ein junger Mann daher.

Der wollte gern Sabinchen besitzen

und war ein Schuhmacher.

2. Sein eignes Geld hat er versoffen

in Schnaps und auch in Bier,

da kam er zu Sabinchen geloffen

und wollte welches von ihr.

Sie konnt ihm keins geben,

da stahl er auf der Stell

von ihrer guten Dienstherrschaft

sechs silberne Blechlöffel.

3. Jedoch nach achtzehn kurzen Wochen, da kam der Diebstahl raus,

da jagte man mit Schimpf und Schande

Sabinchen aus dem Haus.

Sie schrie: Verfluchter Schuster,

du rabenschwarzer Hund!

Da nahm er sein Rasiermesser

und schnitt ihr ab den Schlund.

4. Der Jungfrau Blut zum Himmel spritzte; Sabinchen fiel gleich um.

Der böse Schuster aus Treuenbrietzen,

der stand um ihr herum.

In einem dunklen Loche,

bei Wasser und bei Brot, da hat er endlich eingestanden

die grausige Moritot.

5. Und die Moral von der Geschichte:

Trau keinem Schuster nicht!

Der Krug, der geht so lange zum Wasser, bis dass der Henkel bricht.

Der Henkel ist zerbrochen,

er ist für immer ab,

und unser Schuster muss nun sitzen,

bis an sein kühles Grab.

Bänkellied (1849)