Reigen, Zehn Dialoge
Der Soldat und das Stubenmädchen
DER SOLDAT UND DAS
STUBENMÄDCHEN
Prater. Sonntag Abend.
Ein Weg, der vom Wurstelprater aus in die dunkeln Alleen führt. Hier hört man noch die wirre Musik aus
dem Wurstelprater; auch die Klänge vom Fünfkreuzertanz, eine ordinäre Polka, von Bläsern gespielt. Der Soldat. Das Stubenmädchen.
Stubenmädchen.
Jetzt sagen S' mir aber, warum S' durchaus schon haben fortgehen müssen.
Soldat (lacht verlegen, dumm).
Stubenmädchen.
Es ist doch so schön gewesen. Ich tanz' so gern'.
Soldat (faßt sie um die Taille).
Stubenmädchen (läßt's geschehen).
Jetzt tanzen wir ja nimmer. Warum halten S' mich so fest?
Soldat.
Wie heißen S'? Kathi?
Stubenmädchen.
Ihnen ist immer eine Kathi im Kopf.
Soldat.
Ich weiß, ich weiß schon .... Marie.
Stubenmädchen.
Sie, da ist aber dunkel. Ich krieg' so eine Angst.
Soldat.
Wenn ich bei Ihnen bin, brauchen S' Ihnen nicht zu fürchten. Gott sei Dank, mir
sein mir!
Stubenmädchen.
Aber wohin kommen wir denn da? Da ist ja kein Mensch mehr. Kommen S',
gehn wir zurück! – Und so dunkel!
Soldat (zieht an seiner Virginierzigarre, daß das rote Ende leuchtet).
's wird schon lichter! Haha! O, du Schatzerl!
Stubenmädchen.
Ah, was machen S' denn? Wenn ich das gewußt hätt'!
Soldat.
Also der Teufel soll mich holen, wenn eine heut' beim Swoboda mollerter
gewesen ist als Sie, Fräul'n Marie.
Stubenmädchen.
Haben S' denn bei allen so probiert?
Soldat.
Was man so merkt, beim Tanzen. Da merkt man gar viel! Ha!
Stubenmädchen.
Aber mit der blonden mit dem schiefen Gesicht haben S' doch mehr 'tanzt als mit
mir.
Soldat.
Das ist eine alte Bekannte von einem meinigen Freund.
Stubenmädchen.
Von dem Korporal mit dem auf'drehten Schnurrbart?
Soldat.
Ah nein, das ist der Zivilist gewesen, wissen S', der im Anfang am Tisch mit mir
g'sessen ist, der so heis'rig red't.
Stubenmädchen.
Ah, ich weiß schon. Das ist ein kecker Mensch.
Soldat.
Hat er Ihnen was 'tan? Dem möcht' ich's zeigen! Was hat er Ihnen 'tan?
Stubenmädchen.
Oh nichts – ich hab nur geseh'n, wie er mit die andern ist.
Soldat.
Sagen S', Fräulein Marie ....
Stubenmädchen.
Sie werden mich verbrennen mit Ihrer Zigarrn.
Soldat.
Pahdon! – Fräul'n Marie. Sagen wir uns Du.
Stubenmädchen.
Wir sein noch nicht so gute Bekannte. –
Soldat.
Es können sich gar viele nicht leiden und sagen doch Du zueinander.
Stubenmädchen.
's nächstemal, wenn wir ... Aber, Herr Franz –
Soldat.
Sie haben sich meinen Namen g'merkt?
Stubenmädchen.
Aber, Herr Franz ....
Soldat.
Sagen S' Franz, Fräulein Marie.
Stubenmädchen.
So sein S' nicht so keck – aber pst, wenn wer kommen tät!
Soldat.
Und wenn schon einer kommen tät, man sieht ja nicht zwei Schritt weit.
Stubenmädchen.
Aber um Gotteswillen, wohin kommen wir denn da?
Soldat.
Sehn S', da sind zwei g'rad wie mir.
Stubenmädchen.
Wo denn? Ich seh' gar nichts.
Soldat.
Da ... vor uns.
Stubenmädchen.
Warum sagen S' denn: zwei wie mir? –
Soldat.
Na, ich mein' halt, die haben sich auch gern'.
Stubenmädchen.
Aber geben S' doch acht, was ist denn da, jetzt wär' ich beinah' g'fallen.
Soldat.
Ah, das ist das Gatter von der Wiesen.
Stubenmädchen.
Stoßen S' doch nicht so, ich fall' ja um.
Soldat.
Pst, nicht so laut.
Stubenmädchen.
Sie, jetzt schrei ich aber wirklich. – Aber was machen S' denn ... aber –
Soldat.
Da ist jetzt weit und breit keine Seel'.
Stubenmädchen.
So gehn wir zurück, wo Leut sein.
Soldat.
Wir brauchen keine Leut, was, Marie, wir brauchen .... dazu .... haha.
Stubenmädchen.
Aber, Herr Franz, bitt' Sie, um Gotteswillen, schaun S', wenn ich das .... gewußt
.... oh .... oh .... komm!....
Soldat (selig).
Herrgott noch einmal .... ah ....
Stubenmädchen.
.... Ich kann dein G'sicht gar nicht sehn.
Soldat.
A was – G'sicht .....
Soldat.
Ja, Sie, Fräul'n Marie, da im Gras können S' nicht liegen bleiben.
Stubenmädchen.
Geh', Franz, hilf mir.
Soldat.
Na, komm zugi.
Stubenmädchen.
Oh Gott, Franz.
Soldat.
Na ja, was ist denn mit dem Franz?
Stubenmädchen.
Du bist ein schlechter Mensch, Franz.
Soldat.
Ja, ja. Geh', wart' ein bissel.
Stubenmädchen.
Was laßt mich denn aus?
Soldat.
Na, die Virginier werd' ich mir doch anzünden dürfen.
Stubenmädchen.
Es ist so dunkel.
Soldat.
Morgen früh ist schon wieder licht.
Stubenmädchen.
Sag' wenigstens, hast mich gern'?
Soldat.
Na, das mußt doch g'spürt haben, Fräul'n Marie, ha!
Stubenmädchen.
Wohin geh'n wir denn?
Soldat.
Na, zurück.
Stubenmädchen.
Geh', bitt' dich, nicht so schnell!
Soldat.
Na, was ist denn? Ich geh' nicht gern' in der finstern.
Stubenmädchen.
Sag', Franz, hast mich gern'?
Soldat.
Aber grad' hab' ich's g'sagt, daß ich dich gern' hab'!
Stubenmädchen.
Geh', willst mir nicht ein Pussel geben?
Soldat (gnädig).
Da .... Hörst, – jetzt kann man schon wieder die Musik hören.
Stubenmädchen.
Du möcht'st am End' gar wieder tanzen geh'n?
Soldat.
Na freilich, was denn?
Stubenmädchen.
Ja, Franz, schau, ich muß zu Haus geh'n. Sie werden eh schon schimpfen, mei'
Frau ist so eine .... die möcht' am liebsten, man ging gar nicht fort.
Soldat.
Na ja, geh' halt zu Haus.
Stubenmädchen.
Ich hab' halt 'dacht, Herr Franz, Sie werden mich z'hausführen.
Soldat.
Z'hausführen? Ah!
Stubenmädchen.
Geh'n S', es ist so traurig, allein z'haus geh'n.
Soldat.
Wo wohnen S' denn?
Stubenmädchen.
Es ist gar nicht so weit – in der Porzellangasse.
Soldat.
So? Ja, da haben wir ja einen Weg .... aber jetzt ist's mir zu früh ... jetzt wird
noch 'draht, heut hab' ich über Zeit ..... vor zwölf brauch' ich nicht in der Kasern'
zu sein. I' geh' noch tanzen.
Stubenmädchen.
Freilich, ich weiß schon, jetzt kommt die Blonde mit dem schiefen Gesicht d'ran!
Soldat.
Ha! – Der ihr G'sicht ist gar nicht so schief.
Stubenmädchen.
Oh Gott, sein die Männer schlecht. Was, Sie machen's sicher mit einer jeden so.
Soldat.
Das wär' z'viel! –
Stubenmädchen.
Franz, bitt' schön, heut' nimmer, – heut' bleiben S' mit mir, schaun S' –
Soldat.
Ja, ja, ist schon gut. Aber tanzen werd' ich doch noch dürfen.
Stubenmädchen.
Ich tanz' heut' mit kein' mehr!
Soldat.
Da ist er ja schon ..
Stubenmädchen.
Wer denn?
Soldat.
Der Swoboda! Wie schnell wir wieder da sein. Noch immer spielen s' das ...
tadarada tadarada (singt mit) .... Also wannst auf mich warten willst, so führ' ich
dich z'haus .... wenn nicht ... Servas –
Stubenmädchen.
Ja, ich werd' warten.
(Sie treten in den Tanzsaal ein).
Soldat.
Wissen S', Fräul'n Marie, ein Glas Bier lassen's Ihnen geben (Zu einer Blonden sich
wendend, die eben mit einem Burschen vorbeitanzt, sehr hochdeutsch:) Mein Fräulein, darf ich
bitten? –