Rittmeister Brand und Bertram Vogelweid, Zwei Erzählungen

Marie von Ebner-Eschenbach · Kapitel 4 von 4 · Teil 5/5

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Rittmeister Brand und Bertram Vogelweid, Zwei Erzählungen

Bertram Vogelweid.

Dieses Kapitel ist lang und deshalb in 5 Teile geteilt.

»Frevle nicht! Sprich nicht von Müh’ und Plage – du kennst sie nicht. Mensch, der immer hat, was man nicht zu schätzen weiß, wenn man’s nicht hat – Zeit. Was schiert mich Müh’ und Plage, wenn ich Zeit hab’, mich zu mühen und zu plagen? Es giebt nur e i n e Qual: Mehr Arbeit als Fähigkeit sie zu bewältigen, innerhalb einer unverrückbaren, eisernen Frist. Und was für Arbeit – nicht gebenedeite Feldarbeit unter Gottes freiem Himmel, bei der die Brust weit, das Auge hell wird und die Kräfte wachsen – wie ich sie jetzt schon wachsen fühle in diesen meinen Armen!« Er hob sie hoch empor. »Nein, Gedankenarbeit, ein Aufwerfen schillernder Blasen, in denen fremde Gedanken sich spiegeln, mehr ist’s nicht. Mein ganzes, sogenanntes Schaffen Rauch und Dunst, aber auch der, lieber Freund, auch der kann nur einem siedenden Gehirn entsteigen.«

»Na, na,« sagte Weißenberg. »Ich bitte dich, hör’ auf. Du sprichst dich sonst in einen Anfall von Nervosität hinein.«

»Er ist vorüber. Ich wollte dir nur erklären –«

»Brauchst nicht. Wenn man auch nur einen Don Juan u. s. w. vor der Ankunft eines gewissen Jemand fertig bringen wollte, kann man sich schon einen Begriff machen ... aber ich sag’ dir doch ... es giebt Ärgeres.«

»Du sagst mir?« – Mit Entrüstung hatte er’s hervorgestoßen und – schämte sich ihrer sofort, denn der Freund sprach:

»Was wird aus meinem Hagen werden?« – Plötzlich, mit einem schmerzlich gepreßten Laut entrang es sich seiner Brust. Man sah es wohl, das war seine Lebenspein. Wie selten er sie aussprach, sie quälte ihn immer.

»Ich will dir einen Vorschlag machen,« erwiderte Bertram. »Gieb mir den Jüngling mit nach Wien.«

»Nach Wien? Dort geht er vielleicht ganz zu Grunde.«

»Hier aber gewiß, in seiner Ausnahmsstellung auf dem Gymnasium eurer kleinen Stadt. Die einen hofiren ihm aus Interesse, die anderen feinden ihn an aus Neid oder Vorurtheil – lauter Gift. Schmeichelei oder Verfolgung – seine Eitelkeit wird durch beide genährt.«

Nun sprach er von einem gemeinsamen Freunde aus früherer Zeit, einem gewiegten Pädagogen, mit dem er in Verbindung geblieben: »Dem möcht’ ich Hagen anvertraut sehen, das ist der rechte Mann! Der würde ihn im Zügel halten, ohne ihn je die Abhängigkeit unnöthig fühlen zu lassen.«

»Aber Wien ... die Versuchungen einer großen Stadt.«

»Versuchungen hat er in der kleinen auch. Sie rücken ihm da noch viel näher.«

Halb und halb gab Hugo ihm recht, wollte die Sache erwägen, sich jedenfalls mit seiner Frau darüber berathen.

»Thu’ das,« versetzte Bertram, und sie versanken wieder in ihr früheres Schweigen.

XXI.

 

 

Morgen rede ich mit ihr, – heute rede ich mit ihr, war Bertrams letzter Gedanke beim Einschlafen und sein erster beim Erwachen gewesen. Er stand zeitlich auf und ging in den Garten und hoffte sie dort zu finden, aber umsonst. Das Wetter war freilich nicht einladend, der Himmel aschgrau, am Horizont ballten sich schwer und drohend riesige Wolken und glichen einem phantastischen Gebirgszuge.

Später erst traf Bertram die Ersehnte in Gesellschaft ihrer Cousine, auf dem Wege nach der Nähschule im Dorfe, und von dort aus gedachte Gertrud einen Krankenbesuch bei einer alten Pensionistin im Namen der Tante abzustatten.

Das könnte die gute Baronin auch selbst thun, dachte Bertram, ging auf sein Zimmer, legte seinen neuen Lodenanzug an, der ihn vom Kopf bis zu den Füßen wetterfest machte und begab sich nach Vogelhaus.

Auf dem Felde nächst der Villa war eine Anzahl Tagelöhner und Fuhrleute in voller Thätigkeit. Das Getreide sollte noch vor dem Ausbruch des Regens unter Dach gebracht werden. Ein hochbeladener Erntewagen fuhr eben ins breit gähnende Thor der Scheune ein, auf einen anderen wurden die letzten Garben kunstvoll gehäuft. Waniek leitete die Arbeit, hatte die Augen überall, gab gelassen seine Befehle, und ohne Einwand und ohne aufhaltsame Hast wurden sie vollzogen.

Als Bertram erschien, änderte sich das Bild. Die Weiber legten die Rechen weg, wischten den Schweiß vom Gesicht und jammerten über die Hitze. Die Arme und Beine der Männer waren plötzlich wie mit Blei eingegossen. Die aufgespießten Garben schwankten lange auf den Zinken der Gabel, ehe die Lader die Kraft aufbrachten, sie zum Ordner emporzuheben, und den hatte eine solche Müdigkeit überkommen, daß Waniek ihn vom Wagen herabsteigen hieß und seine Stelle einnahm.

Ein paar heftige Windstöße erbrausten, Staubwolken wirbelten, dann fielen die ersten, schweren Regentropfen. Männer und Frauen verlegten sich auf Wetterbeobachtungen, und drangen alle zugleich auf Bertram ein; einige bittend und klagend, andere mit brüsk heischenden Gebärden.

Er verstand sie nicht, wandte sich an Waniek und fragte:

»Was wollen sie?«

»Ganzen Tagelohn wollen’s,« war die phlegmatisch und verächtlich ertheilte Antwort.

»Sie sollen ihn haben, natürlich, was können denn sie dafür, daß es regnet?« Bertram nickte gewährend und rief den Leuten eines der wenigen Worte zu, die er erlernt hatte:

»Ano, ano!«

»Ano!« wiederholten sie und lachten den großmüthigen Arbeitgeber an, und er konnte sich mit dem besten Willen nicht verhehlen, daß diese Lustigkeit eine starke Zugabe von Geringschätzung hatte. So schweigsam man früher gewesen war, jetzt wurde geplaudert, geschrien, aller Thätigkeitsdrang schien sich in die Zungen geflüchtet zu haben. Nicht ruhig, wie die früheren, fuhr der letzte Wagen in die Scheune. Die Pferde, übermäßig angetrieben, wurden stutzig, mußten ausgespannt und andere vorgespannt werden. Einzig und allein der Energie Wanieks war’s zu danken, daß auch diese Fuhre eingebracht wurde, ehe der Platzregen niederging.

Bertram begab sich ins Haus. Es kam ihm heute ganz besonders schmuck vor und war in der That auf den Glanz hergerichtet. Auf der Stiege lag ein Lauftuch aus Kokosstroh, eine Binsenmatte auf dem Gange, die Klinke der Thür, die zum Wohnzimmer führte, blinkte freundlich einladend wie ein Freundesauge. Komm nur, komm, tritt ein, schien sie zu sagen. Jetzt sah er auch, daß ein Pergamentstreifen an dem Schlüssel hing und auf dem waren die Worte zu lesen: Berthas Dank.

Nein, diese Baronin, diese allerletzte Romantikerin, welch einen wunderbaren, guten, lieben Einfall hatte sie gehabt! Bertram fand seinen Salon genau wie den Goethes in Weimar eingerichtet. Im Schlosse mußten sich Möbel aus der Zeit der großen Klassiker vorgefunden haben, denn da standen sie, altmodisch ehrwürdig und prächtig erhalten. An der Wand das wohlbekannte Kanapee mit steifen Rücken- und Seitenlehnen und abgestumpftem Aufsatz unter einer trefflichen Reproduktion der aldobrandinischen Hochzeit und davor der runde, mit einem Teppich bedeckte Tisch. Auch ein Klavier war da, dieses aber kein alterthümliches Juwel, sondern ein, wenn auch nicht neues, doch vorzügliches Instrument. Hingegen stand im Arbeitszimmer ein dem Goetheschen ähnlicher Bücherschrank. Das Stehpult ihm gegenüber, der Tisch in der Mitte der Stube, die beiden Sessel, das Kissen erinnerten gleichfalls deutlich an ihre Urbilder. In solcher Nutzanwendung ließ sich Bertram die Litteratur gefallen und ging äußerst gerührt von einem Einrichtungsstück zum anderen, ans Klavier aber setzte er sich und schlug einige Akkorde an. Seit dem Tode seiner Mutter hatte er keine Taste mehr berührt. Nun kam plötzlich die Begeisterung über ihn. Sein musikalisches, sein kleines, aber sein wirkliches, armes, vernachlässigtes Talent gab einige schwache Lebenszeichen. Er phantasirte, er begann zu singen: »Hier gedachte still ein Liebender seiner Geliebten,« anfangs leise, dann immer lauter, immer hingerissener, endlich brüllte er’s hinaus: »Hier gedachte still ...«

Ein Klopfen an der Thür unterbrach ihn, Waniek trat ein, und Bertram ward bestürzt und entschuldigte sich:

»Lieber Waniek, ich glaube, ich habe gesungen, ich kenne mich nicht vor Freude, müssen Sie wissen; welche Überraschung habt Ihr mir bereitet!«

Waniek sah ihn mit der freudigen Theilnahme eines gerührten Vaters an: »Wirdé hochwohlgeborene Frau Baronin fraien, wenn héerte, daß gnädige Herr Fraide haben.« Ein gutes Lächeln lagerte auf seinen breiten Lippen, er wußte etwas von jedem Gegenstand zu erzählen, der aus dem Möbeldepot des Schlosses nach Vogelhaus geschafft worden war. Das Schreibpult hatte dem seligen Excellenzherrn gedient, auf dem Kanapee hatte Kaiser Joseph gesessen, als er den Großvater des Herrn Barons in Obositz besucht hatte. Bald aber ging Waniek vom Historischen zum Praktischen über. Er mußte sagen, daß der gnädige Herr Vogel nicht weiter wirtschaften dürfe, wie er angefangen hatte. Für einen halben Arbeitstag einen ganzen Taglohn auszahlen, »isé nix.« Die Leute sollen nicht eben so viel Geld wie gewöhnlich und noch einmal so viel Zeit haben, um es auszugeben. Dabei kommen nur Räusche heraus, die statt um vier Uhr früh, wie sich’s gehört, erst um Mittag ausgeschlafen sind. Auch mit dem Arbeiten des gnädigen Herrn Vogel auf dem Felde war Waniek nicht einverstanden. Wenn er sich durchaus nützlich machen wolle, könne es höchstens als Aufseher geschehen, sonst lachen die Leute den gnädigen Herrn aus.

»Aber, mein lieber Waniek, wie soll ich denn ein Aufseher sein, wenn ich gar nichts verstehe?« wandte Bertram ein.

»Wer’n schon lernen.«

»Von Ihnen! Nehmen Sie mich in die Schule, ich habe Ihnen gut zugesehen. Die Leute gehorchen Ihnen und haben Respekt vor Ihnen, weil Sie alles hundertmal besser verstehen und machen können als jeder andere. Darum will auch ich Ihnen gehorchen und so lange Unterricht bei Ihnen nehmen, bis aus mir ein tüchtiger Ökonom geworden ist. Sie sind Soldat gewesen, richten Sie mich ab, wie ein Wachtmeister den Rekruten, kommandiren Sie mich.«

Waniek hatte wieder sein prächtiges Lächeln: »Werd’ schon kommandiren, wenn befehlen,« sagte er und verabschiedete sich in seiner kraftvollen und bescheidenen Ruhe; der Beneidenswerthe!

Bertram trat ans Fenster und sah ihm nach. Da stand er im Vorgärtchen und schnitt aus bereitliegenden Rasenziegeln Streifen zurecht, die wahrscheinlich zur Einfassung von Blumenbeeten bestimmt waren. Bei der Arbeit könnte Bertram ihm helfen und würde es mit dem größten Vergnügen thun; aber leider ging’s nicht an. Leider gebot ihm die einfachste Pflicht der Höflichkeit, augenblicklich nach Obositz zurückzueilen, um der Frau Baronin zu danken, gleich im ersten Freudenausbruch. Hastig knöpfte er die Lodenjoppe zu und griff nach seinem Hute. Ein dunkles Gefühl sagte ihm freilich: Was dich jetzt wieder auf und davon jagt, ist ein ganz anderes als reines, pures Dankbarkeitsbedürfniß, es ist die fieberhafte Unstätheit, die dich seit Tagen in schwebender Pein, ein lebendes Pendel, hin und her treibt zwischen Obositz und Vogelhaus. Ja, das war’s und war ein unabwendbares Schicksal, in das es hieß, sich fügen mit männlicher Ergebung.

Nachdenklich ging er die Treppe hinab und mit etwas verlegenem Gruße an dem fleißigen Waniek vorbei in den strömenden Regen hinaus. Gar bald besiegte das Bewußtsein, daß jeder Schritt ihn der Vielgeliebten näher führte, alle unbehaglichen Empfindungen. Herrlich erschien ihm sein Spaziergang unter der Himmelstraufe. Welch ein Unterschied zwischen der Stadt und dem Lande! Dort schütten die Wolken nassen Ruß auf unsere Häupter, hier weiches, thauklares Wasser. Übermüthig schob Bertram den Hut ins Genick, warf den Kopf zurück und bot sein Gesicht dem Regen dar. Wohlthuend kühl rann er ihm über die Stirn und die Wangen. Der Sturm hatte sich gelegt, mit sanftem, gleichmäßigem Rauschen fiel der Regen zur heißdürstenden Erde nieder, die ihm alle ihre Poren öffnete und neu belebt den Duft ihrer urkräftigen, zähen Schollen als urgesunden Athem ausströmte.

In der Nähe der Wegstelle, an der ein Fußsteig abzweigte und dem Dorfe zulief, waren einige Linden im Dreiecke gepflanzt. Am Stamme der einen lehnte eine weibliche Gestalt, in einem langen, grauen Mantel, und sie schien etwas Rothes in den Armen zu tragen und nun etwas Weißes in Bewegung zu setzen. Sollte das vielleicht ein Taschentuch sein, und gab sie ein Nothsignal?

Er beschleunigte seine Schritte und hörte ganz deutlich seinen Namen rufen, und nun überrieselte es ihn auch im bildlichen Sinne, denn o Zufall, verhüllter, geheimnißvoller Gott! Die ihn rief, war sie, seine unbewußte Quälerin, die geliebte Feindin seiner Seelenruhe.

Er rannte, er sprang mit beiden Füßen über einen Graben (was der Mensch nicht alles kann, ohne zu ahnen, daß er’s kann) und war bei ihr und fragte: »Was befehlen Sie, mein Fräulein?«

»Sehen Sie nur diese Verzweiflung,« antwortete sie und wies auf ein Knäblein von etwa fünf Jahren, das auf dem Boden lag, sich an ihren Mantel anklammerte und jämmerlich schluchzte. Der rothe Gegenstand aber, den Bertram von weitem gesehen hatte, war ein Federbett, und in dem steckte ein Wickelkind, das zu Gertrud, die es sanft und liebkosend wiegte, mit weitgeöffneten erschreckten Augen emporsah und jeden Augenblick bereit schien, in ein Geheul auszubrechen.

O du dummes Kind! dachte Bertram.

Er hörte nun, daß der Junge, der sein kleines Schwesterchen trug – sie hatten es nach hiesiger Sitte mit einem Tuch an seinen Hals festgebunden – vor Gertrud hergelaufen war, als sie von ihrer Pflegebefohlenen zurückkehrte. Plötzlich glitt er aus und fiel und konnte nicht aufstehen, ehe sie ihm zu Hülfe kam.

»Und nun muß man ihn nach Hause tragen,« sagte sie, »seine Eltern sind im Meierhof bedienstet. Er hat sich weh gethan, kann nicht gehen, sehen Sie nur, sein Knie blutet, bitte, heben Sie ihn auf.«

Bertram war betreten: »Ich habe noch nie ein Kind aufgehoben,« sagte er.

»So will ich’s thun, übernehmen einstweilen Sie das Kleine.«

Ihn überfiel ein Grauen: »Da nehme ich doch lieber den Buben,« erwiderte er, beugte sich nieder und hob ihn in die Höhe, und das Knäblein schrie wie am Spieße und schlug mit den Füßen und Fäusten gegen ihn. »Gebrochen hat er sich wenigstens nichts,« sprach Bertram beruhigend.

Plötzlich und mit merkwürdig kräftiger Stimme, fiel das Baby ins Gezeter des Bruders ein. Unter schmetternder Vokalbegleitung zogen Herr Vogel und Fräulein von Weißenberg in den Hof und erregten die Heiterkeit aller, denen sie begegneten. Zwei junge Mägde standen vor dem Thor des Kuhstalles; Gertrud richtete in gebrochenem Czechisch eine Bitte an sie und deutete dabei nach der Wohnung der Meierknechte. Aber die Angeredeten schüttelten die Köpfe und wiesen mit ausgestreckten Fingern auf ein dürres, schiefgewachsenes Weib, das jetzt von der andern Seite des Hofes herübergestoben kam.

»Das wird wohl die Mutter sein,« sagte Gertrud.

Megärenhaft drohend war die Frau der Gruppe am Stallthor zugeeilt und übergoß das betroffene Menschenpaar, das ihre kreischenden Sprößlinge in den Armen trug, mit einem Schwall von Verwünschungen. Sie schien Rechenschaft von den beiden zu fordern, Antwort zu heischen. Eben so gut wie mit ihr hätte man sich aber mit dem Rheinfall in eine Kontroverse einlassen können. Sie befreite zuerst Bertram von seiner Bürde, indem sie ihm den Buben entriß und ihn so jäh und heftig auf den Boden stellte, als ob sie ihn hineinstoßen wollte, legte ihm eine Hand auf den Scheitel und drehte ihn mit der andern an der Schulter einige Mal wie einen Kreisel um seine eigne Achse.

Er war plötzlich verstummt und ließ sich das rauhe, mütterliche Verfahren lautlos gefallen. Mit bedenklichem Kopfschütteln, aber sichtlich enttäuscht, schob das Weib ihn hinweg, trat auf Gertrud zu und nahm ihr das Kindlein vom Arm. Es hörte alsbald zu weinen auf und jauchzte und strampelte seiner Mutter entgegen. Sie blickte mit boshaftem Triumph um sich, lauter und lauter erscholl ihr Geschrei, und wenn ihre Worte für Gertrud und Bertram auch unverständlich blieben, deutlich sprachen ihre wild anklagenden Gebärden, ihr leidenschaftlicher Ton: Seht, seht, das Kind athmet auf, ich hab’s von seinen Peinigern erlöst. Die Mägde lehnten am Thürpfosten, zwinkerten ihr zu und machten sich ein Vergnügen daraus, durch eine Bemerkung, ein Auflachen, Öl ins Feuer ihres zu gießen.

»Ich bitte Sie,« sprach Gertrud, »schenken Sie ihr etwas, ich habe nichts mehr bei mir. Sie führt diese ganze Szene nur auf, weil sie etwas geschenkt haben will.«

»Entschuldigen Sie, gnädiges Fräulein,« erwiderte Bertram, »ein so nichtsnutziges Vorgehen darf man nicht belohnen.« Stark wie ein Löwe kam er sich vor, weil er vermochte, der Vielgeliebten eine Bitte abzuschlagen. Er wendete sich und rief dem kreischenden Weibe mit Entschlossenheit das zweite czechische Wort, das er wußte, zu: »Ne! Ne!«

Dann wurde der Rückzug angetreten, aber langsam, um ihm jeden Anschein von Flucht zu nehmen. Gertrud hatte ihren Gleichmuth gewahrt, Bertram war tief gebeugt:

»Diese fürchterliche Person scheint zu glauben,« sagte er, »daß wir ihre Kinder überfallen und mißhandelt haben und sie ihr meuchlings hinlegen wollten, wie der grimme Hagen den erschlagenen Siegfried.«

»Gott behüt’s, sie glaubt nicht das geringste Böse, sie wollte uns nur eine unangenehme Komödie vorspielen und Geld bekommen – für’s Aufhören.«

»Sie meinen?«

»Gewiß. Es macht mich oft staunen, wie wunderbar die Leute hier Komödie spielen können.«

Er blickte sie liebreich an und rief: »Ich danke, danke Ihnen!«

»Wofür denn?«

»Dafür, daß Sie die Sache so leicht nehmen; wenn ich jetzt allein gewesen wäre, ohne Sie, meinen eignen Grübeleien überlassen – den ganzen Tag hätte der Auftritt mit dem widerwärtigen Weibe mir verdorben. Einen ganzen, von den wenigen Tagen, die ich mir gönnen darf zur Erholung von jahrelanger, verhaßter Thätigkeit.«

»Wirklich so sehr verhaßt? Und es war doch eine erfolgreiche Thätigkeit.«

»Erfolgreich? Wenn ich etwas nicht sehe, ist’s eben der Erfolg. Wen hab’ ich belehrt, erhoben, gebessert?«

»Nun, Sie haben doch gewiß veredelnd auf den Geschmack der Schriftsteller und des Publikums gewirkt, Sie haben auch viele erheitert.«

»Aber eine verletzt, die mir mehr gilt als viele, als alle.«

»Sie sind fast Ihr Leben lang von dieser Thätigkeit erfüllt gewesen; wird sie Ihnen nicht abgehen? Wird die ungewohnte neue Beschäftigung Ihnen die alte ersetzen können?«

»Welche Frage! Was Sie die neue nennen, ist mein Ausgangspunkt, ist das, wozu ich mich als Knabe schon berufen fühlte, nach dem ich mich als Mann heiß gesehnt habe. Eine Heimkehr wird es sein, die ich hier, einlaufend wie in den Hafen, feiern werde. Dort draußen war ich bloß ein schwaches Echo aller Stimmen in der modernen Litteratur, ein venetianischer Löwenrachen, eine Art Dinoysiusohr.«

Gertrud unterbrach ihn lachend: »Was nicht alles noch?«

»Verstehen Sie mich, ich will sagen, ich war nichts und gebe nichts auf ... Aber denken Sie an Shakespeare, der sich in Fülle der Kraft schaffens- und ruhmesmüde nach seinem Stratford zurückgezogen hat und wieder Landmann und Jäger geworden ist. Und ich armseliger Skribler sollte Sehnsucht empfinden nach meiner jämmerlichen Frohnarbeit?«

Sie waren aus dem Bereich der kleinen Seen, die sich auf der Straße zu bilden begannen, in den Schutz des Gartens gelangt. Ganz nahe dem Eingang breitete ein blüthenbedeckter Tulpenbaum sein dichtes Gezweig über eine Bank, die seinen Stamm umschloß. Bertram und Gertrud traten unter die grüne Kuppel und standen eine Weile schweigend vor einander. Er versank in ihren Anblick. Sie war herzbezwingend in ihrer ruhigen Anmuth, ihrer edlen Gelassenheit.

»Krankenwärterin also,« sagte er auf einmal ganz unmotivirt. »Und Sie wollen natürlich viele Patienten pflegen, mein gnädiges Fräulein ... Aber entschuldigen Sie! ich sage immer ‘mein Fräulein,’ statt Ihnen den Titel zu geben, der Ihnen gebührt.«

»Dafür habe ich Ihnen von Anfang an gedankt.«

»Um so besser. Ich weiß freilich keinen so hold und adelig wie die Verkleinerung des schönsten deutschen Wortes: Frau, Herrin, Gebieterin. Fraue mein! wer das sagen darf zu der Geliebten, was bleibt dem zu wünschen übrig, was kann das Schicksal ihm anhaben? Und wenn ihm sein Haus über den Kopf angezündet wird, und wenn ihn die Sozialisten um Hab und Gut bringen und wenn er für einen Vivisector kleiner Kinder gehalten wird, er trägt’s, er bleibt aufrecht, was soll ihn beugen, so lange sie in Treuen zu ihm steht? Fraue mein! ... ich will sagen, mein Fräulein, mein gnädiges ...«

Er hielt inne, er zitterte am ganzen Leibe: »Setzen wir uns,« sagte er. Und sie setzten sich neben einander auf die Bank; er warf seinen Hut ins Gras und lehnte den Kopf an den Stamm des Baumes.

»Viele Patienten, ja, ja. Einen einzigen zu pflegen, einen unerträglichen, nervösen Menschen, der sein eigentliches Selbst verloren hat und erst wiederfinden muß, zur Vernunft bringen, ihm helfen, seinen Frieden wiedergewinnen, die Aufgabe wäre Ihnen zu gering?«

»Sie ist nicht gering. Es ist eine schöne Aufgabe.«

»O, wäre sie’s! Dann wäre sie ja Ihrer würdig ... und Sie könnten sich entschließen, sie zu übernehmen, es wenigstens zu versuchen?«

»Versuchen? ja – vielleicht.«

Ein unaussprechliches, ein kindisches Entzücken erfaßte ihn: »Wissen Sie, was Sie sagen? Wissen Sie, daß in dem Falle ein Versuch schon das Gelingen und himmlische Gewißheit ist?... Antworten Sie mir ... oder nein, antworten Sie nicht, erwägen Sie! Das Leben, das ich Ihnen zu bieten habe, ist ernst und arbeitsvoll ...«

»Hab’ ich je Anspruch auf ein anderes gemacht?« unterbrach sie ihn. »War ich nicht darauf gefaßt, meinen Weg durch dieses ernste Leben allein zu gehen?«

»Und wenn sich nun ein Gefährte findet, der Sie beschwört, lassen Sie uns miteinander wandern, lassen Sie uns fest und treu zusammenhalten« – er machte eine jähe Bewegung, als ob er auf das Knie sinken wollte.

»Nicht knieen,« flüsterte sie, »nicht auf dem feuchten Boden knieen!«

Aber da lag er schon zu ihren Füßen: »Doch, doch! s o muß ich Ihnen in Demuth gestehen, daß ich Sie liebe, Sie geliebt habe vom ersten Augenblick an.«

»Und ich – wenn ich denke – ich habe Sie gefürchtet.«

»Gertrud!« Er nahm ihre Hände und preßte sie an seine Lippen: »Fraue mein, darf ich Sie so nennen? O Gertrud, welche Wonne, welche Wohlthat!«

Sie beugte sich über ihn und drückte mit scheuer Zärtlichkeit die Wange auf seinen Scheitel: »Sagen Sie doch nicht Wohlthat, ich habe Sie ja von Herzen lieb.«

»Ist das möglich? wirklich möglich?«

»Es ist. Ich kenne Sie erst seit kurzer Zeit, und doch kommt mir vor, als hätte ich Sie schon lang sehr lieb.«

»Wie lang?«

»Seitdem ich aufgehört habe, Sie zu fürchten ... oder vielleicht sogar schon etwas früher ...«

»Früher? trotz der Furcht?«

»Trotz der Furcht, und wahrscheinlich a u c h vom ersten Augenblick an.«

»Ihr Ernst? Gertrud, Sie Wunderbare, ich muß es glauben, wenn ich weiterleben soll – aber lehren Sie mich es glauben. Daß ich nur Vogel heiße, macht Ihnen das nichts? ... Und,« er fuhr erschrocken mit der Hand nach seinem Kopfe, »daß ich eine Glatze habe, macht Ihnen das auch nichts?«

»Gar nichts,« erwiderte sie und lächelte ihn an, freundlich, zutraulich, liebreich.

Glückstrahlend sah er zu ihr empor, sprang auf, setzte sich wieder an ihre Seite, schlang den Arm um sie und sprach, sprach sehr viel und nicht ein gescheites Wort und gab sich davon gar keine Rechenschaft. Er hatte vergessen, wonnig vergessen, daß es je sein Metier gewesen war, geistreich zu sein.

Sie fand das nicht lächerlich, es rührte sie. Dann erzählten sie einander ihre Lebensgeschichte, und das Schönste war, daß sie keine hatte, oder doch nur eine, deren Inhalt sich in zwei Sätze fassen ließ: Ich habe kränkliche Eltern gepflegt. Ich habe standesgemäß gedarbt von Jugend auf.

Und die seine?

So streng er sein Gewissen erforschte, so sehr ihm daran lag, der Geliebten ein wahres und nicht ein geschmeicheltes Bild von sich zu entwerfen, er mußte seiner milden Richterin zugeben, daß er im Leben mehr Plage als Genuß gehabt und mehr gelitten als gesündigt hatte.

Sie hörte ihm teilnehmend zu und fand eine Entschuldigung für jede seiner Selbstanklagen. Und er war ein stolzer, glückseliger Mann, küßte sie und hielt sie in seinen Armen wie ein Heiligthum.

Der Regen hatte ein wenig nachgelassen; von den kleinen Zweigen, aus den Tulpenkelchen fielen einzelne, helle Regentropfen schwer zu Boden. In dem Wipfel des Baumes ließ ein sanftes, wohliges Rauschen sich vernehmen, als wüßte der Alte, daß er zwei glückliche Menschen unter seinem mächtigen Gezweige barg.

 

Bertram und Gertrud traten in das Zimmer Weißenbergs. Sie hatte sich Zeit genommen, ihren Hut und ihren Mantel abzulegen, er brachte den Regen des Himmels auf seinen Kleidern mit.

»Freund, o Freund, sie ist mein, ich hab’ ihr Jawort!« rief er aus, stockte aber plötzlich, denn sein Erscheinen hatte Verlegenheit hervorgerufen. Hugo und seine Gattin, die neben ihm stand, schienen sehr ergriffen; die Augen Weißenbergs waren feucht, die Baronin schwamm in Thränen und sah aus wie eine ältliche Rose im frischen Morgenthau.

Auf einem Tische in der Nähe des Kamins lagen zwei Pakete. Das eine war Bertram wohlbekannt; unter seinen Augen hatte der Freund es kürzlich erst in stiller Ergebung so nett zusammengefaltet, wie es sich da wieder präsentirte. Das andre war viel größer, eine gewaltige, verschnürte und versiegelte Postsendung. Auf der Adresse las man außer dem Namen der Baronin: »Hundert Gulden Nachnahme«.

Bertram schlug mit der Faust darauf: »Schuft von einem Carolus!«

»Verzeihen Sie ihm, wie ich ihm verzeihe,« sprach Bertha mit vielem Gefühl, »in meiner Seele ist heute kein Platz für eine herbe Empfindung; ich grolle nicht.«

»Wie gut für uns, daß wir Sie in so milder Stimmung finden, theure, verehrte Frau!... Hugo, mein Freund, segne uns, wir sind ein Brautpaar. Gnädigste Baronin, segnen Sie uns.«

Die vortreffliche Baronin sandte einige gerührte: »Ah!« zum Himmel, gratulirte ihrer Nichte, gratulirte Bertram und gratulirte sich selbst zu ihrer Divinationsgabe. Sie hatte es ja gedacht, daß es so kommen müsse. Ein seltener Geist, eine eben so seltene anmuthige Gediegenheit können nichts Besseres thun, als sich vereinigen zum ewigen Bunde. Schön bewegt wollte sie die Hände erheben, aber ihr Gatte sprach:

»Einen Augenblick; jetzt will auch ich eine Rede halten.« Er hatte diesen Vorsatz etwas voreilig ausgesprochen, blickte nun hülflos umher, suchte nach Worten und fand sie erst nach einer Weile: »Junges Paar, vor dir steht ein altes, das zum ersten Mal nach zwanzigjähriger Ehe ein Geheimniß vor einander gehabt hat. Der Vertraute beider, ein Ehrenmann, würde es ewig bewahrt haben, aber sie hielten es nicht aus, die beiden, daß ein dritter in irgend einer Sache von einem von ihnen mehr wußte, als einer der beiden vom andern. Sie hielten es nicht aus ...« Seine Stimme gerieth ins Schwanken. »Ihre alte, treue Liebe – alte Liebe ... ich will sagen« ... Jetzt kippte die Stimme völlig um.

Die Baronin hüllte ihren Gatten in einen Blick voll Zärtlichkeit und sprach: »Du willst sagen, Hugo: das Geheimniß war begraben in der Brust des Freundes, aber nicht einmal den Schatten eines todten Geheimnisses konnten die beiden zwischen einander dulden.«

»So ist es, sie spricht gut, die Tante,« sagte der Baron etwas kleinmüthig zu Gertrud, und diese ergriff seine Hand und küßte sie rascher, als er’s wehren konnte.

»Wir verstehen dich aber doch und lieben dich, Onkel Weißenberg.«

»Und auch mich?« fragte die Baronin und machte ihrerseits Anstalt, die Arme auszubreiten – aber gegen Bertram.

»O gnädigste Frau!«

»Sage Tante, mein Neffe Vogelweid.«

Und nun kam es zu mehreren Umarmungen.

»Rührstück, fünfter Aufzug, letzte Szene,« ließ eine schrille Stimme sich vernehmen. Hagen, gefolgt von Sieglinde, war eingetreten. Er warf einen kurzen Blick auf Bertram, der Gertrud an seine Brust gezogen hatte und prallte zurück. In der nächsten Sekunde aber schon wurde er seiner Bewegung Herr und sprach kalt und höhnisch: »Der reine Kotzebue, wir verschimmeln hier.«

In einem Tone, so streng, wie er ihn dem Liebling gegenüber noch nie angeschlagen hatte, versetzte Weißenberg:

»Du wenigstens nicht. Du kommst fort aus dem Elternhause, du kommst nach Wien.«

»Nach Wien?« Die Wangen des Jünglings flammten in freudiger Röthe auf; alsbald jedoch kam der Skeptiker wieder zum Vorschein: »Nach Wien, das geschieht nicht, das wäre zu gescheit.«

»Mama!« rief Sieglinde weinerlich, »hörst du? er fährt nach Wien, und ich kann hier sitzen bleiben, an mich denkt niemand.«

»Es bildet ein Talent sich in der Stille, junge Dichterin,« tröstete Bertram. »Sie bleiben, um in Erwartung des eigenen Glückes das unsere zu besingen.«

Sieglinde lächelte unter Thränen. Daß der strenge Kritiker sie Dichterin nannte, war ein heilendes Pflaster auf die Wunde, die man ihr durch eine vermeintliche Zurücksetzung geschlagen hatte.

Am Mittagstische fehlte Herr Meisenmann. Die Baronin deutete auf seinen leeren Platz und sprach:

»Der Professor läßt sich entschuldigen, er ist zu Schiff – nach Böhmen.«

Beim Dessert eine neue Überraschung, ein Telegramm für Herrn Vogel. Er erbat von der Hausfrau die Erlaubniß, es zu lesen. Es lautete:

Artemis Wassiljewna Tschertschaptschikow, Gutsbesitzerin, Just Carolus, Schriftsteller, empfehlen sich als Verlobte.

Bertram brach in Lachen aus: »Ist das eine unmoralische Geschichte! Einem Spitzbuben wird die Bußfahrt, die er antreten soll, zur Brautfahrt.«

Für Bertram und Gertrud folgten wunderschöne Tage. Der unbarmherzige Vogelweid war weich wie ein Kind in der Reconvalenscenz. Das Glück hatte alle Bitterkeit in ihm aufgezehrt. Längst entschlummerte Tugenden: Nachsicht, Geduld, erwachten wieder in seiner Brust und regten schneeweiße Engelsflügelchen. Ohne den leisesten Spott berichtigte er die nicht ganz zutreffenden Schlagworte der Baronin, und lächelte sanftmüthig, wenn sie sich gedrungen fand, ihm die Honneurs der Litteratur zu machen.

Ganz selig und geläutert und über alle irdische Mühsal erhaben, fühlte er sich, wenn Gertrud in einem solchen Augenblicke aufstand, zu ihm trat, seinen vielgeplagten Kopf zwischen ihre Hände nahm, ihn auf die Stirn küßte und sprach:

»Mein Freund, mein geliebter.« Einmal sagte sie auch: »Vielgefürchteter, du bist das Höchste, das es giebt, du bist die Güte selbst.«

Viel, viel zu rasch kam die Stunde der Trennung herbei. Nicht allein, wie er gekommen war, trat Bertram die Rückreise an. Der Herr und der Sohn des Hauses begleiteten ihn; die sämmtliche Dienerschaft folgte und nahm Aufstellung unter dem Thor.

Weißenberg umarmte seine Frau und seine Tochter: »In acht Tagen, sobald der Junge installirt ist, bin ich wieder da.«

»Und ich im Juli,« rief Hagen, und schwang sich flatternd vor Ungeduld neben den Kutscher auf den Bock: »Adieu, adieu.« Ein unterdrücktes Schluchzen der Baronin, Sieglindens, einiger Diener und Dienerinnen machte sich Luft. Gertrud und Bertram standen Hand in Hand. Sie war sehr blaß; über sein Gesicht blitzte das fatale Zucken, das die ganze Zeit hindurch nicht mehr zum Vorschein gekommen war. Traumverloren stieg er in den Wagen, schrie aber, sobald sich der in Bewegung gesetzt hatte:

»Halt! halt! um Gotteswillen halt! ich habe ja vergessen, mich zu empfehlen.« Der Kutscher riß die Pferde zusammen, Bertram sprang zur Erde, eilte auf die Baronin zu und küßte ihre Hand: »Dank für alle Ihre Güte und Gnade. Dank dafür, daß sie mich zu den Ihren zählen. Gnädigste Baronin, verehrte Tante, bewahren, behüten Sie mir mein Glück!«

Die Baronin wollte sprechen, konnte aber nicht, sie war zu bewegt.

Bertram wendete sich zu Sieglinde: »Baronesse« ...

»Cousine,« verbesserte sie erröthend.

»Liebe, theure Cousine, leben Sie wohl: außerordentlich wohl! Ich bitte um Ihre Photographie. Und Sie – und du Gertrud, mein Trost, mein Hoffnungsstern, mein Alles, bleib mir treu und gut ... übers Jahr, meine, meine Gertrud.« Er breitete die Arme aus, er schloß die Geliebte noch einmal vor der langen Trennung an sein Herz.

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Druck von M a r t i n O l d e n b o u r g, Berlin C., Adlerstraße 5.

 

Auflistung der gegenüber dem Originaltext vorgenommenen Korrekturen:

Seite 11: »Du brauchst Dich um nichts kümmern, die Übersiedlung ist meine

Sache.« --> schließendes Anführungszeichen ergänzt

Seite 22: Als Wildenstein zur bestimmten Frist zurückehrte, –> Komma nach

'zurückkehrte' ergänzt

Seite 25: Am folgenden Tage erhielt er einen langen Brief von der Gräfin. –>

Punkt nach 'Gräfin' ergänzt

Seite 28: »Aber auf einem Auge blind«, sprach Dietrich mit größter Ruhe. –

> Komma nach 'blind' ergänzt

Seite 42: zum Souper für den Herrn Rittmeister die kalte Küche hole.« –> «

ergänzt

Seite 46: »Ich mag die Mageren nicht.« –> Punkt nach 'nicht' ergänzt

Seite 48: möglicher Fehler: je weilige Tageszeit. –> jeweilige (keine

Änderung vorgenommen)

Seite 54: Gespräch mit einer jungen – ihr tadelloser Accent verrieth’s –

Pariserin, führten. –> Komma nach 'Pariserin' entfernt

Seite 61: »Nein, nein, dank’, wir danken, stieß Georg rasch hervor. –> «

nach 'danken' ergänzt

Seite 70: Er lehnte ab; »Loben 'sie' mich nicht. –> Loben 'Sie'

Seite 77: »Esse heute nicht; bring Thee und Cigarretten.« --> schließendes

Anführungszeichen ergänzt

Seite 85: »Geben Sie mir meine Seelenruhe wieder; --> Anführungszeichen

ergänzt

Seite 91: Nach langem Auf- und Abgehen blieb er in der Nähe des Thores

stehen. –> Punkt nach 'stehen' ergänzt

Seite 101: Kapitelüberschrift korrigiert: IX. –> XI.

Seite 122: Umbildung –> Unbildung

Seite 122: Wenn die Unbildung Phrasen drechselte, war sie ihm vollends ein

Greuel. –> Punkt nach Greuel ergänzt

Seite 122: Amélie nickte ihrem Manne beifällig zu, und er sprach ihr durch

einen Blick seine Anerkennung ihrer Anerkennung aus. –> Punkt nach 'aus'

ergänzt

Seite 126: Sie gehen ja dort zur Ruhe zugleich mit den Hühnern in ihrem

Hofe.« –> Punkt nach 'Hofe' ergänzt

Seite 140: Die Kinder waren zurückgekehrt. –> Punkt nach 'zurückgekehrt'

ergänzt

Seite 155: Sie lag auf dem Ruhebette, über dessen Lehne ihre langen dichten

Haare, in 'Strähne' aufgelöst, –> 'Strähnen'

Seite 171: Das war die erste Liebeserklärung, die Brand von dem Kinde zu

hören bekam. –> Punkt nach 'bekam' ergänzt

Seite 179: »Die Mutter schläft,« flüsterte Georg, »lassen wir sie schlafen,

und Du erzähl’ mir eine schöne Geschichte. « –> Punkt nach 'Geschichte'

ergänzt

Seite 223: »Wart nur, lies nur, es wird immer besser.« –> Punkt nach 'besser'

ergänzt

Seite 233: 'wie ’s geschah' –> 'wie’s geschah' –>Leerzeichen vor Apostroph

entfernt

Seite 249: der freudigen Begrüßung zwischen den Eltern und den Kindern

zu. –> Punkt nach 'zu' ergänzt

Seite 289: »Herrlicher Sonnneuntergang –> Sonnenuntergang

Seite 328: »Und was seinen Fanatismus betrifft --> Anführungszeichen

ergänzt

Seite 392: »Es wird nicht groß sein, das Unglück.« – –> Punkt nach

'Unglück' ergänzt

Inkonsistente Schreibweise im gesamten Text für: 'mein ich' – 'mein’ ich' –>

keine Änderung vorgenommen

Inkonsistente Schreibweise im gesamten Text für: 'Brands' – 'Brand’s' –>

keine Änderung vorgenommen

 

Sie haben Rittmeister Brand und Bertram Vogelweid, Zwei Erzählungen zu Ende gelesen

Marie von Ebner-Eschenbach

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The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit 501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered throughout numerous locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact information can be found at the Foundation's web site and official page at http://www.gutenberg.org/about/contact

For additional contact information:

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Chief Executive and Director

gbnewby@pglaf.org

Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation

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International donations are gratefully accepted, but we cannot make any statements concerning tax treatment of donations received from outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation methods and addresses. Donations are accepted in a number of other ways including checks, online payments and credit card donations. To donate, please visit: http://www.gutenberg.org/fundraising/donate

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