Robinson in Australien, Ein Lehr- und Lesebuch für gute Kinder

Elftes Kapitel.

William würde, trotz des ihn quälenden Durstes, vielleicht noch länger geschlafen haben, wenn die Berührung eines eiskalten Gegenstandes, der über seine am Boden ruhende Hand hinkroch, ihn nicht geweckt hätte. Diese Berührung weckte ihn auf und er zog die Hand, welche sie erlitten hatte, eilig an sich. In demselben Augenblick schoß eine wohl 12 bis 14 Fuß lange Schlange mit der größesten Schnelligkeit und wie erschreckt durch seine rasche Bewegung durch die hohen Grasbüschel fort. Sein Schrecken bei diesem Anblicke war, wie Ihr Euch vorstellen könnt, nicht gering, denn er wußte, daß es viele giftige Schlangen gibt und fürchtete sich so mit Recht vor der Nähe dieser Thiere. Seine Furcht war dießmal vergeblich gewesen, wie er späterhin erfahren sollte. Die Schlange, welche über seine Hand gekrochen war, war die Diamant-Schlange, die einzige n i c h t giftige dieser Gegend, weßhalb sie auch von den Eingeborenen als ein Leckerbissen verzehrt wird. Ihr möchtet wohl nicht darauf zu Gaste gehen? – Ich auch nicht.

Die Furcht, eine Beute dieses häßlichen Reptils zu werden, trieb William nicht nur vom Boden empor, sondern sogar zur eiligen Flucht: konnten doch noch mehrere dieser Thiere an dem Orte sein. Da der Schlaf ihn gestärkt hatte, eilte er rasch von dannen; nach welcher Richtung? das wußte er selbst nicht; auch konnte es ihm ja so ziemlich gleichgültig sein, da er nun aufs Geradewohl fortlaufen mußte, ohne ein bestimmtes Ziel zu haben. Ihm war nur darum zu thun, so weit als möglich aus dem Bereiche der häßlichen Schlangen zu kommen, vor denen er, ihrer giftigen Eigenschaften wegen, eine große Furcht hatte. Diese war in der That so groß, daß er fast seines Durstes darüber vergaß und erst wieder daran erinnert wurde, als plötzlich ein Rauschen, wie von herabfallendem Wasser, an sein Ohr drang.

Er stand still, um zu lauschen; dann rief er plötzlich mit dem Tone des höchsten Entzückens aus:

»Ja! das ist Wasser!«

Vor ihm lag ein mäßiger Hügel und obgleich, in der Ebene geboren, des Bergsteigens nicht gewohnt, klomm er ihn so schnell hinan, als wäre er ein Kind der Alpen. Auf der Spitze des Hügels angelangt, zeigte sich seinen Blicken ein entzückendes Schauspiel. Zwischen einer Reihe mäßiger Hügel lag ein schönes, mit dem lieblichsten Grün bekleidetes, den herrlichsten, nie zuvor gesehenen Blumen besä'tes Thal, durch das sich ein silberheller Bach murmelnd hinwand. Dieser stürzte sich von der Spitze des Hügels, auf dem er stand, in das schöne Thal hinab und bildete, indem er von Zeit zu Zeit über hervorspringende Felsstücke hinrauschte, die anmuthigsten Wasserfälle, von denen ein schneeweißer Schaum emporspritzte; unten am Fuße des Hügels aber angelangt, wurde das Wasser hell wie Bergkrystall, so daß sich der tiefblaue Himmel darin abspiegelte.

Ein Freudenruf, nur von Gott und der schweigenden Natur gehört, entfuhr bei diesem entzückenden Anblick den Lippen unsers jungen Freundes. Er glaubte das Paradies vor sich zu haben, denn etwas so Reizendes, wie dieses Thal, hatte er in seinem Leben noch nicht gesehen. Wie ein Vogel flog er den Hügel hinunter, zu dem schönen Bache hin, legte sich an denselben nieder und schöpfte seine erquickliche Fluth mit der Hand; er ließ sich in seiner Freude und seinem großen Durste nicht erst die Zeit, sein ledernes Trinkgefäß hervorzuziehen, um Wasser darin zu schöpfen, sondern bediente sich lieber des jedem Menschen angebornen Schöpfgefäßes, der hohlen Hand, um zu trinken. Als er seinen Durst gelöscht und somit das erste dringendste Bedürfniß befriedigt hatte, dachte er schon an Luxus, denn so machen es die Menschen in allen Verhältnissen des Lebens. Schnell warf er seine Kleider ab und stand mit e i n e m Sprung mitten im Bache. Welche Erquickung, als die kühle Fluth seine heißen Glieder berührte; aber zugleich auch welche Unvorsichtigkeit, so erhitzt ins Wasser zu springen. Die Folgen davon sollte er nur zu bald empfinden.

Zuerst hatte er nichts als Wohlbehagen und Erquickung davon; allein der hinkende Bote kam nach. Als er sich gehörig erfrischt und längere Zeit im Wasser geplätschert hatte, verließ er den Bach endlich wieder und fühlte sich so leicht und frisch, als wäre er neugeboren. Eines Handtuchs, um sich abzutrocknen, bedurfte er unter diesem Himmelsstriche nicht: die liebe Sonne verrichtete dieses Geschäft in wenigen Minuten, so daß er seine Kleider gleich wieder anziehen konnte. Vielleicht wäre selbst jetzt noch Alles gut gegangen, wenn er sich auf die heftige und plötzliche Abkühlung im Wasser gleich wieder in starke Bewegung, wo möglich in Schweiß gesetzt hätte. Daran dachte aber unser Unbesonnener nicht, sondern er legte sich, etwas ermüdet durch das genommene Bad, neben dem Stamme eines sehr großen und schönen Gummi-Baumes nieder, dessen breite und blätterreiche Krone ihm einen vollkommenen Schutz gegen die Strahlen der Sonne gewährten.

Er schlief nicht, denn er war nur etwas ermüdet und fühlte das Bedürfniß des Schlafes nicht, sondern er ruhte nur und schaute mit aufmerksamem Auge um sich, schon aus Furcht vor den Schlangen, mit denen er keine Gemeinschaft pflegen mochte. Zu seiner nicht geringen Verwunderung sah er zwischen dem Grase Frösche umherhüpfen, die eine schöne, dunkelgrüne Farbe, hellgelbe Streifen über den Rücken und viele schwarzen Punkte hatten. Da Niemand sie in dieser Wildniß störte und verfolgte, thaten sie nicht im geringsten schüchtern, sondern krochen zutraulich heran oder hüpften dicht neben ihm im Grase.

Noch eine andere alte Bekannte, die Eidechse, traf er hier an; sie schlüpfte aus einem kleinen Loche in der Erde hervor und sah ihn mit ihren klugen, glänzenden Augen so verständig an, als wolle sie eine Conversation mit ihm anknüpfen. Wie zudringlich und wenig scheu diese Thiere, sowie auch die Frösche waren, sollte er in der Folge in Erfahrung bringen, da sie sich in Menge in seiner Wohnung einfanden und so bekannt mit ihm thaten, als wären sie eingeladene liebe Gäste. Sie schliefen oft bei ihm auf seinem Graslager, thaten ihm aber nie etwas, so daß er ganz vertraut mit ihnen wurde und sie nicht selten mit gefangenen Fliegen und andern geflügelten Insekten fütterte, die, wie er aus der Naturgeschichte wußte, ihre Lieblingsspeise waren. Er sah sie auch auf die Bäume klettern; allein zu ihrem Verderben; denn hier lauerten einige Raubvögel ihnen auf und verzehrten sie, ohne viele Complimente zu machen.

Nachdem William allerlei Beobachtungen und Betrachtungen angestellt hatte, erhob er sich wieder, um weiter zu wandern; denn kaum war das eine Bedürfniß befriedigt, so meldete sich schon ein anderes, der Hunger.

Indem er so durch das reizende Thal hinstreifte, kam er zu einer Stelle, wo das hohe Gras sichtbar niedergebrannt war, und als er etwas weiter ging, zeigte sich ein Haufen Asche, um den einige Knochen umherlagen, seinen nicht wenig überraschten Blicken; sogar einige halbverbrannte Holzstücke lagen umher. Hier hatten also Menschen gehaus't; – welche Entdeckung!

Vor Erstaunen wurzelte sein Fuß am Boden. Er bückte sich, um die Asche zu befühlen und überzeugte sich auch durch das Gefühl, daß sein Auge ihn nicht getäuscht habe. Hier waren demnach – wie hätte er noch länger daran zweifeln können? – Menschen gewesen und hatten sich aller Wahrscheinlichkeit nach Speise bereitet; denn wozu sonst Feuer anzünden? Es waren vielleicht gar welche ganz in der Nähe, etwa hinter den Hügeln, die das Thal einschlossen? Welcher Art aber waren sie? und hatte er das Begegnen nicht viel mehr zu fürchten, als zu wünschen? Hatte er doch von Menschenfressern unter den Wilden gehört? Er wußte nicht, ob er sich über eine solche Nähe freuen oder betrüben sollte.

Eine andere Entdeckung, die er machte, erfüllte ihn indeß mit der reinsten Freude. Er sah an einer Stelle eine Pflanze aus dem Boden hervorgewachsen, deren Kraut einige Aehnlichkeit mit dem unserer Kartoffel hatte, nur daß der Stamm höher und dicker und die Blätter etwas anders geformt waren. Um sich zu überzeugen, ob er sich nicht in seiner Voraussetzung geirrt habe, grub er mit seinem Taschenmesser ein Loch in die Erde und wühlte bald eine längliche, ziemlich große Knolle daraus hervor. Der Zufall hatte ihn die wilde Patate, die unsern Kartoffeln sehr ähnlich ist, entdecken lassen. Wie glücklich würde ihn dieser Fund gemacht haben, wenn er zugleich Feuer gehabt hätte, um sie zu braten; das aber fehlte ihm, und wie sich welches verschaffen?

Die Noth indessen ist die Mutter der Erfindungen. William hatte noch nicht lange nachgesonnen, so glaubte er es schon zu haben. Er dachte an sein ziemlich großes, starkes, vom besten Stahl gemachtes Taschenmesser, dessen Rücken gar füglich die Stelle eines Feuerstahls vertreten konnte. Es kam also nur noch darauf an, einen Feuerstein und etwas Zunder zu finden, denn um Holz durfte er nicht verlegen sein und nur zu der Brandstätte zurückkehren, um es zu finden; auch für Zunder trug er keine Sorge: ein Eckchen von seinem dünnen baumwollenen Taschentuche konnte gar füglich die Stelle desselben vertreten.

Der Stein aber machte ihm Sorge und so emsig er auch suchte, so konnte er doch keinen entdecken, der dem Kieselsteine nur entfernt ähnlich gewesen wäre. Endlich, als er bereits die Hoffnung aufgeben wollte, das Gewünschte zu finden, fiel ihm ein, daß er beim Baden in dem Bache auf Steinchen getreten war und sich an einem derselben den Fuß leicht geritzt hatte: das konnte möglicherweise ein Kieselstein gewesen sein, und er glaubte dies um so eher, als er von Europa her wußte, daß die Bäche gern ein Bett von Kieseln habe.

Er eilte also mit schnellen Schritten zu seinem geliebten Bache zurück, zog Schuhe und Strümpfe aus und watete mit bloßen Füßen mitten in denselben hinein. Es dauerte auch nicht lange, so fühlte er seine Fußsohlen wieder von einem etwas scharfen Gegenstande berührt; er bückte sich, langte auf den Grund des Baches nieder und brachte mit der Hand eine Menge Steine herauf, worunter sich ein prächtiger Kieselstein befand, der fast die Form eines Flintensteines hatte und also zu dem beabsichtigten Zwecke vollkommen dienen konnte.

Wer war froher als er! Er trocknete den Stein, ging damit zu der Brandstelle, sammelte die angebrannten Holzstückchen zusammen, raufte einige Hände voll gänzlich vertrockneten Grases aus, sammelte ein Häufchen von der abgefallenen Baumrinde, die so trocken wie Stroh war, und riß, als er dieses Alles vorbereitet hatte, ein Stück von seinem Taschentuche ab, das die Stelle des Zunders vertreten sollte.

Er hatte die Sache sich aber leichter gedacht, als sie in der That war: sein Zunder taugte nichts und wenn auch wirklich ein Fünkchen auf das baumwollene Zeug fiel und zündete, so verlosch es doch sogleich wieder. Eine halbe Stunde und länger mühte er sich mit dem Feuerschlagen ab und wollte schon den Gedanken aufgeben, sich Feuer zu verschaffen, als ihm einfiel, das Stückchen Zeug zwischen zwei Steinen gleichsam zu einer Art von Pulver zu zerreiben, was nach seiner Meinung besser zünden würde, als das Läppchen von dem Tuche. Auch diese Arbeit war nicht ohne Mühe und kostete viele Zeit; endlich siegte er aber doch durch Beharrlichkeit über alle Hindernisse und siehe da! der Sieg war sein. Kaum waren ein Paar Fünkchen in den Zunder gefallen, so glimmte das Ganze; er legte schnell erst von dem trockenen Grase darauf und blies es zur Flamme an, dann legte er von der Rinde dazu und endlich die gefundenen angebrannten Holzstückchen, die bald in einer lustigen Flamme emporloderten.

Als er damit zu Stande war, holte er eine gute Hand voll von seinen herrlichen Pataten, wusch sie an der Quelle rein und legte sie an das Feuer, wo sie schnell brieten; ein grüner, sehr biegsamer Baumzweig, den er wie eine Zange zusammenbog, mußte die Stelle der Feuerzange beim Umwenden der Pataten vertreten; mit der Hand konnte er diese nicht anfassen, da sie bereits glühend heiß vom Feuer waren.

Sein Appetit war durch den Anblick der kartoffelartigen Frucht so gestachelt worden, daß er ihn kaum mehr zu zügeln vermochte und wahrscheinlich – er selbst hat nichts davon gesagt – einige davon halbroh verzehrte, welche Gier ihm unter diesen Umständen schon nachzusehen sein durfte, so schlecht eine solche sonst auch für uns Menschen läßt, indem sie uns den Thieren ähnlich macht.

Nie hat wohl dem ärgsten Prasser, dem größesten Leckermaul eine Mahlzeit, mochte sie auch noch so ausgesucht, noch so trefflich bereitet sein, so geschmeckt, wie dieses Gericht Pataten unserm ausgehungerten William mundete. Er hatte weder Butter noch Fett, ja nicht einmal Salz dazu; aber an solche Leckereien dachte der gute Junge gar nicht; überdies hatten die Pataten einen etwas süßlichen, mehr dem Obste ähnlichen Geschmack, als unsere gewöhnlichen Kartoffeln.

Wie schmeckte, nach eingenommenem Mahle, auch ein frischer Trunk aus dem Bache, und wie lustig sangen buntgefiederte Vögel in den Zweigen des Gummi-Baumes, unter dem er sich zur Ruhe niederlegte; wie dufteten Blumen und Kräuter, die ihm zum Lager dienten; O, er wäre vollkommen glücklich gewesen, und hätte kaum noch einen Wunsch übrig gehabt, wenn er seine geliebte Mutter bei sich haben und ihr den Reichthum und die Herrlichkeit dieser Wildniß hätte zeigen können.

Sein erster Gedanke, nachdem er sich unter dem Gummi-Baume zur Ruhe niedergelegt hatte, war ein Gebet an Gott, ein heißes, inniges Dankgebet; sein letzter, bevor er einschlief, der an seine Mutter und die theure Heimath.

Eine empfindliche Kälte erweckte ihn gegen Morgen. Es hatte, wie es in diesen Gegenden der Fall zu sein pflegt, stark gethaut und Gesicht, Haare und Kleidung waren ganz naß davon. Schauder, wie von Fieberfrost, durchströmten sein Gebein; er zitterte vor Kälte und innerem Unbehagen, obgleich es eben nicht kalt, sondern die Luft nur etwas frischer, als gewöhnlich war. Er wollte, trotz dem daß der Tag nur erst zu grauen begann, aufstehen und sich durch Bewegung etwas zu erwärmen suchen; allein es verursachte ihm große Beschwerde, sich vom Boden zu erheben. Seine Glieder wurden steif und so wie er Hand, Fuß oder Nacken bewegte, hatte er den empfindlichsten Schmerz auszustehen.

Trotz dem erhob er sich; allein er wäre bald wieder umgefallen, so schwindelte ihm der Kopf, der obendrein sehr wehe that; auch wurde ihm das Schlucken schwer. Dies waren die traurigen Folgen des kalten Badens nach einer großen Erhitzung. Wenn es nun schon ein großes Ungemach ist, krank zu sein, wenn uns alle erdenkliche Hülfe geleistet, jegliche mögliche Erleichterung verschafft wird, ein wie viel größeres mußte es nicht für unsern William sein, dem Keiner zu Hülfe kommen, den Keiner hegen und pflegen konnte. Trotz dem raffte er sich auf und taumelte eine Strecke fort. Alle Gegenstände drehten sich im Kreise um ihn her; das Sehen fiel ihm schwer; sein Athem war kurz und beengt und Hände und Füße versagten ihm den Dienst; er fühlte sich so krank, wie er noch nie im Leben sich gefühlt hatte, selbst damals nicht, als die Masern bei ihm zum Ausbruche kamen, und er glaubte, daß sein letztes Stündchen gekommen sei, als er in tödtlicher Ermattung und unter den heftigsten Gliederschmerzen in der Nähe des Baches zur Erde sank.

Erst jetzt dachte er über die vermuthliche Ursache einer so plötzlichen Erkrankung nach, und hatte sie bald ausgefunden. Wie oft hatte seine sorgsame Mutter ihn nicht vor plötzlicher Erkältung nach großer Erhitzung gewarnt, und ihm die so leicht schädlichen Folgen einer solchen Erkältung vorgestellt; wie oft hatte sie ihm nicht das Glas vom Munde genommen, wenn er nach einem raschen Gange trinken wollte! Und jetzt hatte er an alle diese wohlgemeinten Warnungen nicht gedacht, sondern war, fast triefend von Schweiß, in das kalte Wasser des Baches gegangen. Mit wie vielen Leiden und Schmerzen mußte der Arme diese Unvorsichtigkeit und ein Gefühl augenblicklichen Wohlbehagens nicht bezahlen!

Bald wechselte der Frost, der seine Glieder geschüttelt hatte, mit einer brennenden Hitze ab. Sein Gesicht, seine Hände, seine Fußsohlen glühten: dabei schmerzte ihn jedes Glied seines Körpers; seine Zunge klebte vor Durst am Gaumen fest; seine Augen waren roth und brannten wie Feuer. Er hatte das größeste Verlangen, aus dem nahen Bache seinen glühenden Durst zu löschen; allein er vermochte nicht aufzustehen, nicht die wenigen Schritte bis zu demselben zu machen.

Seine Lage war in der That die schrecklichste und preßte ihm Wehklagen und Jammern aus. Bedenkt, Kinder, was es sagen will, von aller Welt verlassen, ohne Erquickung, ohne eine Handreichung, ja, ohne liebevollen Zuspruch, so in einer Wüste krank da zu liegen, und schenkt unserm armen Freunde Euer aufrichtiges Bedauern, verargt es ihm auch nicht, daß er wimmerte und weinte. Thut ihr das doch wohl auch einmal in schweren Krankheiten, trotz dem daß Alles liebevoll um Euch bemüht ist und die Kunst Alles aufbietet, Euch Linderung zu verschaffen; ja, klagt und wimmert Ihr vielleicht nicht blos – denn das würde Euch im Uebermaße der Schmerzen schon nachzusehen sein – sondern werdet sogar ungeduldig und gegen Eure Umgebung undankbar und ungerecht! Das Letztere aber ist eine Sünde; jeder Kranke sollte dankbarer sein, als der Gesunde, weil ersterer noch weit mehr Liebe und Sorgfalt bedarf und findet als letzterer.

Unser William konnte aber weder dankbar noch undankbar sein: es nahm sich Keiner seiner an; keine Hand schob ihm ein weiches Kopfkissen unter sein armes, heftig schmerzendes Haupt; keine trocknete ihm die hellen Schweißperlen von der glühenden Stirn; keine reichte ihm den kühlen Trunk, nach dem er schmachtete; er war allein, verlassen von aller Welt und selbst unfähig, irgend Etwas für sich zu thun. Der arme, arme William!