Schillers Flucht von Stuttgart und Aufenthalt in Mannheim von 1782-1785
Schillers Flucht von Stuttgart und Aufenthalt in Mannheim von 1782–1785.
Dieses Kapitel ist lang und deshalb in 6 Teile geteilt.
Zu Haus angelangt, überließ sich Schiller aufs neue seinen dichterischen Eingebungen und brachte den Nachmittag und Abend im Auf- und Niedergehen oder im Schreiben einiger Zeilen hin. Zum Sprechen gelangte er erst nach dem Abendessen, wo er dann auch seinem Gefährten erklärte, was für eine Arbeit ihn jetzt beschäftige.
Da man allgemein glaubt, daß bei dem Empfangen und an das Lichtbringen der Geisteskinder gute oder schlimme Umstände ebenso vielen Einfluß wie bei den leiblichen äußern, so sei dem Leser schon jetzt vertraut, daß Schiller seit der Abreise von Mannheim mit der Idee umging, ein bürgerliches Trauerspiel zu dichten, und er schon soweit im Plan desselben vorgerückt war, daß die Hauptmomente hell und bestimmt vor seinem Geiste standen.
Dieses Trauerspiel, das wir jetzt unter dem Namen Kabale und Liebe kennen, welches aber ursprünglich Luise Millerin hätte benannt werden sollen, wollte er mehr als einen Versuch unternehmen, ob er sich auch in die bürgerliche Sphäre herablassen könne, als daß er sich öfters oder gar für immer dieser Gattung hätte widmen wollen. Er dachte so eifrig darüber nach, daß in den nächsten vierzehn Tagen schon ein bedeutender Teil der Auftritte niedergeschrieben war.
Am nächsten Morgen fragten die Reisenden auf der Post nach, ob keine Briefe für sie angelangt wären? Aber der Gang war fruchtlos, und da die Witterung trübe und regnerisch war, so mußte die Zuflucht wieder zur Stube genommen werden. Am Nachmittag wurde auf der Post noch einmal angefragt, aber ebenso vergeblich wie in der Frühe.
Diese Verspätung deutete S. um so mehr als ein gutes Zeichen, indem der angesuchte Betrag entweder durch Wechsel oder durch den Postwagen übermacht werden müsse, was dann notwendig einige Tage mehr erfordern könne als ein bloßer Brief. Er war seiner Sache so gewiß, daß er Schillern ersuchte, ihm seine in Mannheim zurückgelassenen Sachen nach Frankfurt zu schicken, weil er dann, sowie die Hilfe von Baron Dalberg eintreffe, seine Mutter ersuchen wolle, ihm außer dem, was er jetzt schon besitze, noch mehr zu senden, damit er von hier aus die Reise nach Hamburg fortsetzen könne. Schiller sagte dieses sehr gern zu und versprach noch weiter, ihm auch von Meier sowie von seinen andern Freunden Empfehlungsbriefe zu verschaffen, indem ein junger Tonkünstler nie zu viele Bekanntschaften haben könne. Diese Hoffnungen, die von beiden Seiten noch durch viele Zutaten verschönert wurden, erheiterten den durch eine bessere Witterung begünstigten Spaziergang und störten auch abends die Phantasie des Dichters so wenig, daß er sich derselben, im Zimmer auf und ab gehend, mehrere Stunden ganz ruhig überließ.
Den nächsten Morgen gingen die Reisenden schon um neun Uhr aus, um die
vielleicht in der Nacht an sie eingelaufenen Briefe abzuholen, die auch zu ihrer großen Freude wirklich eingetroffen waren. Sie eilten so schnell als möglich nach Haus, um den Inhalt derselben ungestört besprechen zu können, und waren kaum an der Tür ihrer Wohnung, als Schiller schon das an Dr. Ritter überschriebene Paket erbrochen hatte. Er fand mehrere Briefe von seinen Freunden in Stuttgart, die sehr vieles über das außerordentliche Aufsehen meldeten, das sein Verschwinden veranlaßt habe, ihm die größte Vorsicht wegen seines Aufenthalts anrieten, aber doch nicht das mindeste aussprachen, woraus sich auf feindselige Absichten des Herzogs hätte schließen lassen. Alle diese Briefe wurden gemeinschaftlich gelesen, weil ihr Inhalt beide betraf und allerdings geeignet war, sie einzuschüchtern. Allein da sie in Sachsenhausen geborgen waren, so beruhigten sie sich um so leichter, da sie in dem Schreiben des Herrn Meier der angenehmsten Nachricht entgegen sahen. Schiller las dieses für sich allein und blickte dann gedankenvoll durch das Fenster, welches die Aussicht auf die Mainbrücke hatte. Er sprach lange kein Wort, und es ließ sich nur aus seinen verdüsterten Augen, aus der veränderten Gesichtsfarbe schließen, daß Herr Meier nichts Erfreuliches gemeldet habe. Nur nach und nach kam es zur Sprache, daß Baron Dalberg keinen Vorschuß leiste, weil Fiesco in dieser Gestalt für das Theater nicht brauchbar sei; daß die Umarbeitung erst geschehen sein müsse, bevor er sich weiter erklären könne.
Diese niederschlagende Nachricht mußte dem edlen Jüngling um so
unerwarteter sein, je mehr er durch die ihm von Baron Dalberg bezeugte Teilnahme zu seiner Bitte und zur Hoffnung, daß sie erfüllt würde, berechtigt war. Am meisten mußte aber sein Ehrgeiz dadurch beleidigt sein, daß er seine traurige Lage ganz unnützerweise enthüllt und sich durch deren Darstellung der Willkür desjenigen preisgegeben, von dem er mit Recht Unterstützung erwartete.
Wenige junge Männer würden sich in gleichen Umständen mit Mäßigkeit und Anstand über eine solche Versagung ausgesprochen haben. Schiller aber bewies auch hierin sein reines, hohes Gemüt; denn er ließ nicht die geringste Klage hören; kein hartes oder heftiges Wort kam über seine Lippen, ja nicht einmal eines Tadels würdigte er die erhaltene Antwort, so wenig er sich auch vor seinem jüngeren Freunde hätte scheuen dürfen, seinen Unmut auszulassen. Er sann alsobald nur darauf, wie er dennoch zu seinem Zweck gelangen könne, oder was zuerst getan werden müsse. Da die Hoffnung geblieben war, daß, wenn Fiesco für das Theater brauchbar eingerichtet sei, derselbe angenommen und bezahlt würde, oder, wenn dieses auch nicht der Fall wäre, doch das Stück in Druck gegeben und dafür etwas eingenommen werden könne, so beschloß er in die Gegend von Mannheim zu gehen, weil es dort wohlfeiler als in Frankfurt zu leben sei, und auch um den Herren Schwan und Meier nahe zu sein, damit, wenn es auf die tiefste Stufe des Mangels kommen sollte, von diesen einige Hilfe erwartet werden könne. Er wäre sogleich dahin aufgebrochen, allein man war noch an Frankfurt gebannt, denn bei jedem Griff in den Beutel war schon sein Boden erreicht, und die durch S. von seiner Mutter erbetene Beihilfe war noch nicht angelangt. Bis diese eintreffe, mußte man hier aushalten, und um gegen die Möglichkeit, daß sie spät ankäme, oder vielleicht gar ausbliebe, doch einigermaßen gedeckt zu sein, entschloß sich Schiller ein ziemlich langes Gedicht, Teufel Amor betitelt, an einen Buchhändler zu verkaufen.
Dieses Gedicht, von dem sich der Verfasser dieses nur noch folgender zwei Verse:
»Süßer Amor, verweile
Im melodischen Flug«
mit Zuverlässigkeit erinnert, war eines der vollkommensten, die Schiller bisher gemacht und an schönen Bildern, Ausdruck und Harmonie der Sprache so hinreißend, daß er selbst – was bei seinen anderen Arbeiten nicht oft eintraf – ganz damit zufrieden schien und seinen jungen Freund mehrmals durch dessen Vorlesung erfreute. Leider ging es in den nächsten vier Wochen (wie der Leser später erfahren wird) mit noch andern Sachen, wahrscheinlich durch die Zerstreuung des Dichters selbst, in Verlust, indem sich in der von ihm herausgegebenen Sammlung seiner Gedichte keine Spur davon findet und das meiste davon der Bekanntmachung fast würdiger gewesen wäre als einige Stücke aus seiner frühern Zeit.
Von dem Buchhändler kam Schiller aber ganz mißmutig wieder zurück, indem er fünfundzwanzig Gulden dafür verlangte, jener jedoch nur achtzehn geben wollte. So benötigt er aber auch dieser kleinen Summe war, konnte er es doch nicht über sich gewinnen, diese Arbeit unter dem einmal ausgesprochenen Preise wegzugeben, und zwar sowohl aus herzlicher Verachtung gegen alle Knickerei als auch, weil er den Wert des Gedichtes selbst nicht gering achtete. Endlich, nachdem der Reichtum der geängstigten Freunde schon in kleine Scheidemünze sich umgewandelt hatte, kamen den nächsten Tag auf dem Postwagen die bescheidenen dreißig Gulden für S. an, der auch ohne das geringste Bedenken für jetzt seinen Plan nach Hamburg aufgab und bei Schillern blieb, um ihn nach seinem neuen Aufenthaltsorte zu begleiten. Dieser schrieb noch am nämlichen Abend an Herrn Meier, daß er den nächsten Vormittag nach Mainz abgehen, am folgenden Abend in Worms eintreffen werde, wo er auf der Post Nachricht erwarte, wohin er sich zu begeben habe, um ihn zu sprechen und den Ort zu bestimmen, in welchem er sein Trauerspiel ruhig umarbeiten könne. Gleich den andern Morgen begaben sich die Reisenden auf das von Frankfurt nach Mainz täglich abgehende Marktschiff, mit welchem sie des Nachmittags bei guter Zeit in letztbenannter Stadt anlangten, dort sogleich in einem Gasthofe das Wenige, was sie bei sich hatten, ablegten und noch ausgingen, um den Dom und die Stadt zu besichtigen.
Am nächsten Tage verließen sie Mainz sehr früh, wo sie, die Favorite vorbei,
den herrlichen Anblick des Zusammentreffens vom Rhein- und Mainstrome bei der schönsten Morgenbeleuchtung genossen und den echt deutschen Eigensinn bewunderten, mit welchem beide Gewässer ihre Abneigung zur Vereinigung durch den scharfen Abschnitt ihrer bläulichen und gelben Farben bezeichneten.
Da man auf den Abend in Worms eintreffen wollte, so mußten die Wanderer
als ungeübte Fußgänger sich ziemlich anstrengen, um den neun Stunden langen Weg zurückzulegen. Als noch am Vormittag Nierenstein erreicht wurde, konnten beide der Versuchung nicht widerstehen, sich an dem in der Gegend wachsenden Wein, den sie nur aus den Lobeserhebungen der Dichter kannten, zu stärken, welches besonders Schiller, der von Mainz bis hierher nur wenige Worte gesprochen, sehr zu bedürfen schien. Sie traten in das zunächst am Rhein gelegene Wirtshaus und erhielten dort durch Bitten und Vorstellungen einen Schoppen oder ein Viertelmaß von dem besten ältesten Weine, der sich im Keller fand und der mit einem kleinen Taler bezahlt werden mußte.
Als Nichtkenner edler Weine schien es ihnen, daß bei diesem Getränk wie bei
vielen berühmten Gegenständen der Ruf größer sei, als die Sache verdiene. Aber als sie ins Freie gelangten, als die Füße sich leichter hoben, der Sinn munterer wurde, die Zukunft ihre düstere Hülle etwas lüftete und man ihr mit mehr Mut als bisher entgegenzutreten wagte, glaubten sie einen wahren Herzenströster in ihm entdeckt zu haben, und ließen dem edlen Weine volle Gerechtigkeit angedeihen. Dieser angenehme Zustand erstreckte sich aber kaum über drei Stunden; denn so fest auch der Wille war, so sehr die Notwendigkeit zur Eile antrieb, so konnte Schiller doch das anstrengende Gehen kaum bis in die Mitte des Nachmittags aushalten; was aber vorzüglich daher kommen mochte, weil er immer in Gedanken verloren war, und nichts so sehr ermüdet als tiefes Nachdenken, wenn der Körper in Bewegung ist. Man entschloß sich daher eine Station weit zu fahren, wodurch es allein möglich war, daß Worms um neun Uhr nachts erreicht wurde.
Am andern Morgen fand Schiller auf der Post einen Brief des Herrn Meier, worin dieser die Nachricht gab, daß er diesen Nachmittag mit seiner Frau in Oggersheim in dem Gasthause, zum Viehhof genannt, eintreffen wolle, wo er ihn zu sehen hoffe, um weitere Abrede mit ihm nehmen zu können. Die Reisenden begaben sich um so ruhiger auf den Weg, als sie hoffen durften, daß endlich aller Ungewißheit ein Ende sein würde, und trafen zur gesetzten Zeit in Oggersheim ein, wo sie auch schon Herrn und Madame Meier nebst zwei Verehrern des Dichters vorfanden.
Für Herrn Meier war es eine unangenehme, lästige Aufgabe, dem jungen Manne, den er als Dichter und Menschen gleich hoch achtete, die Ansichten des Baron Dalberg über Fiesco und warum er sich in keinen Vorschuß einlassen könne, auseinander zu setzen. Er wußte jedoch seinen Ausdrücken eine solche Wendung zu geben, daß sie keinen der beiden Gegenstände hart berührten, sondern alles so gelind als natürlich darstellten. Auch gab er die Versicherung, daß Fiesco unbezweifelt angenommen werde, sobald er um mehrere Szenen abgekürzt und der fünfte Akt ganz beendigt sei. Schiller benahm sich auch bei dieser Gelegenheit wahrhaft edel und weit über das Gewöhnliche erhaben; denn so sehr ihm aus oben berührten Rücksichten daran gelegen sein mußte, den Preis seines Stückes schon jetzt zu haben, so sehr er auch sein in den Baron Dalberg gesetztes Vertrauen nur durch Ausflüchte erwidert fand, so sprach er doch kein Wort, das irgend eine Art von Empfindlichkeit über die vereitelte Hoffnung hätte erraten lassen oder als Widerlegung der über Fiesco gemachten Bemerkungen hätte ausgelegt werden können. Mit der freundlichen, männlichen Art, die im Umgang ihm ganz gewöhnlich war, leitete er das Gespräch darauf hin, den Ort zu bestimmen, wo er sich einige Wochen, als solange die Umarbeitung wohl dauern werde, ruhig und ohne Gefahr aufhalten könne. Aus vielen Ursachen wurde es am besten befunden, wenn er hier in Oggersheim bleibe. Dieses sei nur eine kleine Stunde von Mannheim entfernt, er könne, so oft er es nötig finde, des Abends in die Stadt kommen und wäre in der Nähe seiner Bekannten und Freunde wenigstens nicht ganz ohne Hilfe, wenn sich etwas Widriges ereignen sollte.
Da die von Madame Meier den Reisenden eingehändigten Briefe aus Stuttgart
noch immer von Gefahr der Auslieferung sprachen und die möglichste Verborgenheit empfahlen, so wurde der Name Ritter, den Schiller bisher geführt, in Doktor Schmidt umgewandelt und er von den Anwesenden in Gegenwart des herbeigerufenen Wirtes also gleich mit diesem Titel angeredet. Auch hier wurde der Betrag für Kost und Wohnung auf den Tag bedungen und Madame Meier ersucht, die in Mannheim gebliebenen Koffer und das Klavier den Reisenden übermachen zu wollen. Der eintretende Abend schied die Gesellschaft. Die Freunde, nun wieder ganz auf sich eingeschränkt, begaben sich auf das ihnen angewiesene Zimmer, wo sie aber nur ein einziges Bett vorfanden, mit dem sie sich begnügen mußten.
Da man die täglichen Kosten des Aufenthaltes wußte, so ließ sich leicht
berechnen, daß die Barschaft auf höchstens drei Wochen ausreichen könne, in welcher Zeit Schiller seine Arbeit zu beendigen hoffte. Allein es ließ sich leicht voraussehen, daß dieses nicht der Fall sein würde, indem er viel zu sehr mit seinem neuen Trauerspiel beschäftigt war und schon am ersten Abend in Oggersheim den Plan desselben aufzuzeichnen anfing. Gleich bei dem Entwurf desselben hatte er sich vorgenommen, die vorkommenden Charaktere den eigensten Persönlichkeiten der Mitglieder von der Mannheimer Bühne so anzupassen, daß jedes nicht nur in seinem gewöhnlichen Rollenfache sich bewegen, sondern auch ganz so wie im wirklichen Leben zeigen könne. Im voraus schon ergötzte er sich oft daran, wie Herr Beil den Musikus Miller so recht naiv-drollig darstellen werde und welche Wirkung solche komische Auftritte gegen die darauffolgenden tragischen auf die Zuschauer machen müßten. Da er die Werke Shakespeares nur gelesen, aber keines seiner Stücke hatte aufführen sehen, so konnte er auch noch nicht aus der Erfahrung wissen, wie viele Kunst von seiten des Darstellers dazu gehöre, um solchen Kontrasten das Scharfe, das Grelle zu benehmen, und wie klein die Anzahl derer im Publikum ist, welche die große Einsicht des Dichters oder die Selbstverleugnung des Schauspielers zu würdigen verstehen.
Er war so eifrig beschäftigt, alles das niederzuschreiben, was er bis jetzt
darüber in Gedanken entworfen hatte, daß er während ganzer acht Tage nur auf Minuten das Zimmer verließ. Die langen Herbstabende wußte er für sein Nachdenken auf eine Art zu benützen, die demselben eben so förderlich als für ihn angenehm war. Denn schon in Stuttgart ließ sich immer wahrnehmen, daß er durch Anhören trauriger oder lebhafter Musik außer sich selbst versetzt wurde, und daß es nichts weniger als viele Kunst erforderte, durch passendes Spiel auf dem Klavier alle Affekte in ihm aufzureizen. Nun mit einer Arbeit beschäftigt, welche das Gefühl auf die schmerzhafteste Art erschüttern sollte, konnte ihm nichts erwünschter sein, als in seiner Wohnung das Mittel zu besitzen, das seine Begeisterung unterhalten oder das Zuströmen von Gedanken erleichtern könne.
Er machte daher meistens schon bei dem Mittagtische mit der bescheidensten Zutraulichkeit die Frage an S.: »Werden Sie nicht heute abend wieder Klavier spielen?« – Wenn nun die Dämmerung eintrat, wurde sein Wunsch erfüllt, während dem er im Zimmer, das oft bloß durch das Mondlicht beleuchtet war, mehrere Stunden auf und ab ging und nicht selten in unvernehmliche, begeisterte Laute ausbrach.
Auf diese Art verflossen einige Wochen, bis er dazu gelangte, über die bei Fiesco zu treffenden Veränderungen mit einigem Ernste nachzudenken; denn so lang er sich von den Hauptsachen seiner neuen Arbeit nicht loswinden konnte, so lange diese nicht entschieden vor ihm lagen, so lang er die Anzahl der vorkommenden Personen und wie sie verwendet werden sollten, nicht bestimmt hatte, war auch keine innere Ruhe möglich.
Erst nachdem er hierüber in Gewißheit war, konnte er die Anordnungen in dem frühern Trauerspiel beginnen, wobei er aber dennoch den Ausgang desselben vorläufig unentschieden lassen mußte. Daß dieser Ausgang nicht so sein dürfe, wie er durch die Geschichte angegeben wird, wo ihn ein unglücklicher Zufall herbeiführt, blieb für immer ausgemacht. Daß er tragisch, daß er der Würde des Ganzen angemessen sein müsse, war ebenso unzweifelhaft. Nur blieb die schwierige Frage zu lösen, wie, durch wen oder auf welche Art das Ende herbeizuführen sei? Schiller konnte hierüber so wenig mit sich einig werden, daß er sich vornahm, alles Frühere vorher auszuarbeiten, die Katastrophe durch nichts erraten zu lassen und obige Zweifel erst, wenn das übrige fertig wäre, zuletzt zu entscheiden.
Beinahe ein Monat war verflossen, und Fiesco noch immer nicht vollendet; ja wäre der Dichter nicht gezwungen gewesen, alles zu versuchen, um sich aus seiner Verlegenheit zu retten, so wäre dieses Stück sicher erst dann umgearbeitet worden, wenn er das bürgerliche Trauerspiel ganz fertig vor sich gesehen hätte.
Nur diejenigen, welche nicht selbst Fähigkeit zu Arbeiten haben, wobei Begeisterung und Einbildungskraft beinahe ausschließend tätig sein müssen, können diese Unentschlossenheit, diese Zögerungen Schillers eines Tadels würdig finden. Zu Werken des ruhigen Verstandes, der kalten Überlegung läßt sich der Geist leichter beherrschen, sogar öfters nötigen; da im Gegenteil Dichter oder Künstler auf den Augenblick warten müssen, wo ihnen die Muse erscheint, und diese, so freigebig sie auch gegen ihre Lieblinge ist, sich doch alsobald mit Sprödigkeit wegwendet, wenn die dargebotenen Gaben nicht augenblicklich erhascht werden. Aus diesen Gründen lassen sich bei einem Jüngling, dessen Trieb zur Dichtung so vorherrschend ist, daß alle übrigen Eigenschaften bloß diesem zu dienen bestimmt sind, Ideen, die sein Inneres aufgeregt haben, so wenig abwehren, daß, wenn er es auch versuchen wollte, sie doch immerdar den Hintergrund seiner Gedanken bilden würden und er nicht früher zur Ruhe gelangen könnte, bis er nicht wenigstens die Zeichnung entworfen hätte.
Daß Schiller unter diesen Hochbegünstigten Apollos einer der vorzüglichsten
war, dafür spricht jede Zeile, die er niederschrieb. Aber auch ungerechnet die Verhinderungen, welche ihm sein eignes Talent in den Weg brachten, konnte die Ursache, wegen welcher er den Fiesco gerade jetzt beendigen mußte, für ihn nichts weniger als erfreulich sein. Denn so hoch er die Gaben des Himmels achtete, so gleichgültig war er gegen diejenigen, welche die Erde bietet, und es war gewiß nicht ermunternd, zur Erwerbung der letzteren sich gezwungen zu wissen. Der Aufenthalt in Oggersheim war in dem feuchten, trüben Oktobermonat gleichfalls nicht erheiternd.
Mochten auch die nach Mannheim und Frankenthal führenden Pappelalleen
anfangs recht hübsch aussehen, so fand man doch bald, daß sie nur darum angepflanzt seien, um die flache, kahle, sandige Gegend zu verbergen; daher waren die Reisenden um so früher an der mageren Aussicht gesättigt, als sie von zarter Jugend an an die üppigen Umgebungen von Ludwigsburg und Stuttgart gewöhnt waren, wo, besonders bei letzterer Stadt, überall Gebirge das Auge erfreuen oder schon die ersten Schritte aus den Stadttoren in Gärten oder gut gepflegte Weinberge führen.
Im Hause selbst war der Wirt von rauher, harter Gemütsart, welche seine Frau
und Tochter, die sehr sanft und freundlich waren, öfters auf die heftigste Art empfinden mußten. Nur der Kaufmann des Orts war ein Mann, mit dem sich über mancherlei Gegenstände sprechen ließ, da er ein sehr großer Freund von Büchern und, zu seinem nicht geringen Nachteil, ein wahrhaft ausübender Philosoph war. Wollte Schiller mit Meier oder Herrn Schwan sich unterreden, so konnte er nur um die Zeit der Dämmerung in die Stadt gehen, wo er dann über Nacht bleiben mußte und erst bei Anbruch des Tages zurückkehren konnte. S. war, was diesen Umstand betraf, viel freier, weil er für sich keine Gefahr befürchten zu dürfen glaubte. Er war manchen halben Tag daselbst, um Bekanntschaften anzuknüpfen, die ihm in der Folge sehr nützlich wurden.
Der Oktober nahte sich seinem Ende und mit diesem auch die Barschaft, welche beide mit hieher gebracht hatten. Es blieb kein anderes Mittel, als daß S. noch einmal nach Hause schrieb und seine Mutter bat, ihm den Rest des ihm nach Hamburg bestimmten Reisegeldes hieher zu schicken, indem er wahrscheinlich genötigt sein werde, in Mannheim zu bleiben, wenn sich das Schicksal Schillers nicht so vollständig verbessere, als beide erwarteten.
Endlich war in den ersten Tagen des Novembers das Trauerspiel Fiesco für das Theater umgearbeitet und ihm der Schluß gegeben worden, welcher der Geschichte, der Wahrscheinlichkeit am angemessensten schien. Man darf glauben, daß die letzten Szenen dem Dichter weit mehr Nachdenken kosteten als das ganze übrige Stück, und daß er den begangenen Fehler, die Art des Schlusses nicht genau vorher bestimmt zu haben, mit großer Mühe gut zu machen suchen mußte. Aber in welchen unruhigen Umständen befand sich der unglückliche Jüngling, als er dieses Trauerspiel entwarf! Und wie war die jetzige Zeit beschaffen, in welcher er ein Werk ausführen sollte, zu dem die ruhigste, heiterste Stimmung erfordert wird, die durch keine Bedrückung des täglichen Lebens, keine Beängstigung wegen der Zukunft gestört werden darf, wenn die Arbeit zur Vollkommenheit gebracht werden soll! Seine lebhafte, kühne Phantasie, sonst immer gewöhnt sich mit den Schwingen des Adlers in den höchsten Regionen zu wiegen, wie stark war diese von der traurigen Gegenwart niedergehalten! Mit welchen schweren bleiernen Gewichten zu dem Gemeinen, Niedrigen des Lebens herabgezogen! – In den verflossenen neun Jahren durfte er seinem leidenschaftlichen Hang zur Dichtkunst nur verstohlenerweise einige Minuten, höchstens Stunden opfern; denn er mußte Studien treiben und Geschäfte verrichten, die mit seinen Neigungen, seinem mit poetischen Bildern überfüllten Geist in dem härtesten Widerspruch standen; und es gehörten so reiche Anlagen wie er besaß dazu, um über die vielen stets sich erneuernden Kämpfe nicht in Wahnsinn zu verfallen, sowie sein weiches, zartes Gemüt, um sich allen Anforderungen zu fügen. Ohne eigne Erfahrung hätte er in späterer Zeit seinen poetischen Lebenslauf in der herrlichen Dichtung »Pegasus im Joche« unmöglich so getreu darstellen, so natürlich zeichnen können, daß derjenige, der mit seinen Verhältnissen vertraut war, recht wohl die Vorfälle deuten kann, auf die es sich bezieht. Laßt uns den Dichter wegen der Mängel, die sich in Fiesco, in Kabale und Liebe finden, nicht tadeln; vielmehr verdient es die höchste Bewunderung, daß er bei den ungünstigsten äußern Umständen die Kräfte seines Talentes noch so weit bemeistern konnte, um zwei Werke zu liefern, denen, um ihrer vielen und großen Schönheiten willen, die späte Nachwelt noch ihre Achtung nicht versagen wird.
Mit weit mehr Ruhe und Zufriedenheit als früher begab sich Schiller nach der
Stadt, um Herrn Meier das fertige und ins Reine geschriebene Manuskript einzuhändigen. Da er alles geleistet, was der Gegenstand zuließ, oder von dem er hoffen konnte, daß es den Wünschen des Baron Dalberg sowie zugleich den Forderungen der Bühne angemessen sei, so glaubte er auch, daß seine Bedrängnisse bald beendigt sein würden und er das Leben auf einige Zeit mit frohem Mute werde genießen können. Es verging jedoch eine ganze Woche, ohne daß der Dichter eine Antwort erhielt, die ihm doch auf die nächsten Tage zugesagt worden. Um der Ungewißheit ein Ende zu machen, entschloß er sich an Baron Dalberg zu schreiben und sich noch einmal zu Herrn Meier zu begeben, um eine Auskunft über das, was er erwarten könne, zu erhalten.
Es war gegen die Mitte Novembers, als Schiller und S. des Abends bei Herrn
Meier eintraten und diesen nebst seiner Gattin in größter Bestürzung fanden, weil kaum vor einer Stunde ein württembergischer Offizier bei ihnen gewesen sei, der sich angelegentlich nach Schillern erkundigt habe. Herr Meier hatte nichts gewisser vermutet, als daß dieser Offizier den Auftrag habe, Schillern zu verhaften, und demzufolge beteuert, daß er nicht wisse, wo dieser sich gegenwärtig befinde. Während dieser Erklärung klingelte die Haustür und man wußte in der Eile nichts Besseres zu tun, als Schiller mit S. in einem Kabinett, das eine Tapetentür hatte, zu verbergen. Der Eintretende war ein Bekannter vom Hause, der gleichfalls voll Bestürzung aussagte: er habe den Offizier auf dem Kaffeehause gesprochen, der nicht nur bei ihm, sondern auch bei mehreren Anwesenden sehr sorgfältig nach Schillern gefragt habe; allein er seinerseits hätte versichert, daß der Aufenthalt desselben jetzt ganz unbekannt wäre, indem er schon vor zwei Monaten nach Sachsen abgereist sei. Die Geflüchteten kamen aus ihrem Versteck hervor, um die Uniformsaufschläge und das Persönliche des Offiziers zu erforschen, weil es vielleicht auch einer von den Bekannten Schillers sein konnte; allein die Angaben über alles waren so abweichend, daß man unmöglich auf eine bestimmte Person raten konnte. Noch einigemal wiederholte sich dieselbe Szene durch neu Ankommende, die mit den andern voller Ängstlichkeit um die beiden Freunde waren, weil diese mit Sicherheit weder in der Stadt übernachten, noch auch nach Oggersheim zurückgehen konnten.
Wie aber der feine, gewandte Sinn des zarteren Geschlechtes allezeit noch Auswege findet, um Verlegenheiten zu entwirren, wenn die Männer – immer gewohnt nur starke Mittel anzuwenden – nicht mehr Rat zu schaffen wissen, so wurde auch jetzt von einem schönen Munde ganz unerwartet das Mittel zur Rettung ausgesprochen. Madame Curioni (mit Dank sei heute noch ihr Name genannt) erbot sich, Schillern und S. in dem Palais des Prinzen von Baden, über welches sie Aufsicht und Vollmacht hatte, nicht nur für heute, sondern solange zu verbergen, als noch eine Verfolgung zu befürchten wäre. Dieses mit der anmutigsten Güte gemachte Anerbieten wurde mit um so lebhafterer Erkenntlichkeit aufgenommen, da man daselbst am leichtesten unerkannt sein konnte und sich auch niemand in der Absicht, um jemand zu verhaften, in dieses Palais hätte wagen dürfen. Auf der Stelle wurden die nötigen Anstalten zur Aufnahme der verfolgt Geglaubten getroffen und sie dann sogleich dahin geleitet. Herr Meier hatte versprochen, am nächsten Morgen zum ersten Sekretär des Ministers Grafen von Oberndorf zu gehen, um diesen, da er ihn sehr gut kenne, zu fragen, ob der Offizier in Aufträgen an das Gouvernement hier gewesen sei?
Das Zimmer, welches den beiden Freunden als Zuflucht angewiesen worden, war sehr schön und geschmackvoll, mit Notwendigem sowie Überflüssigem ausgestattet. Unter den zahlreichen Kupferstichen, mit denen die Wände behangen waren, befanden sich auch die zwölf Schlachten Alexanders, von Lebrun, welche den Betrachtenden bis spät in die Nacht die angenehmste Unterhaltung gewährten. Gegen zehn Uhr des andern Morgens wagte sich S. aus dem Palais, um sich zu Herrn Meier zu begeben und zu vernehmen, ob etwas zu befürchten sei? Diesen aber hatten seine eignen Sorgen schon in aller Frühe zu dem Sekretär des Ministers getrieben, von dem er die Versicherung erhielt, daß der Offizier keine Aufträge an Graf Oberndorf gehabt und sich auch aus dem Meldezettel des Gastwirt ergebe, daß er schon gestern abend um sieben Uhr abgereist sei. Nach einigen kurzen Besuchen begab sich S. sogleich zu Schillern, um ihm diese beruhigende Kunde zu überbringen und ihn aus seinem schönen Gefängnis zu befreien, welches er auch sogleich verließ, um sich zu Herrn Meier zu verfügen.
Hier wurde nun die unsichere Lage des Dichters umständlich besprochen, welche der unnützen Angst von gestern ungeachtet, ebenso gefährlich für ihn selbst als für jeden, der Anteil an ihm nahm, beunruhigend schien. Schiller mußte zugeben, daß er für jetzt nicht in Mannheim verweilen könne, so willkommen es ihm auch gewesen wäre, für das Theater wirksam zu sein und zugleich durch Anschauung der aufgeführten Stücke seine Einsicht in das Mechanische der Bühne zu erweitern. Daher wurde mit allgemeiner Zustimmung seiner Freunde von ihm beschlossen, daß, sobald die Annahme seines Fiesco entschieden sei, er sich sogleich nach Sachsen begeben wolle. Daß er, aller etwa anzustellenden Nachforschungen ungeachtet, daselbst einen sichern, von allen Sorgen befreiten Aufenthalt finden könne, dafür hatte er glücklicherweise schon in Stuttgart Anstalten getroffen. Frau von Wolzogen, die ihn sehr hoch achtete, und deren Söhne mit ihm zugleich in der Akademie erzogen worden, hatte ihm, als er ihr nach seinem Arrest den Vorsatz, von Stuttgart entfliehen zu wollen, vertraute, feierlich zugesagt, ihn auf ihrem in der Nähe von Meiningen liegenden Gute – Bauerbach – solange wohnen und mit allem Nötigen versehen zu lassen, als er von dem Herzog eine Verfolgung zu befürchten habe. Dieses in einer guten Stunde erhaltene Versprechen wollte jetzt Schiller benützen und schrieb sogleich an diese Dame nach Stuttgart, wo sie sich aufhielt, um die nötigen Vollmachten, damit er in Bauerbach aufgenommen werde.
Gegen Ende Novembers erfolgte endlich die Entscheidung des Baron Dalberg
über Fiesco, welche ganz kurz besagte: »Daß dieses Trauerspiel auch in der vorliegenden Umarbeitung nicht brauchbar sei, folglich dasselbe auch nicht angenommen oder etwas dafür vergütet werden könne.«
So zerschmetternd für Schiller ein Ausspruch sein mußte, der die Hoffnung,
das quälende, seine schönsten Augenblicke verpestende Gespenst einer kaum des Namens werten Schuld von sich zu entfernen, auf lange Zeit zerriß – so sehr er es auch bereute, daß er sich durch täuschende Versprechungen, durch schmeichelnde, leere, glatte, hohle Worte hatte aufreizen lassen, von Stuttgart zu entfliehen – so ungewöhnlich es ihm scheinen mochte, daß man ihn zur Umarbeitung seines Stückes verleitet, die ihm nahe an zwei Monate Zeit gekostet, all sein Geld aufzehrte und ihn noch in neue Schulden versetzte, ohne ihn auf eine entsprechende Art dafür zu entschädigen oder auch nur anzugeben, worin denn die Unbrauchbarkeit dieses Trauerspiels bestehe – so sehr dieses alles sein großmütiges Herz zernagte, so war er dennoch viel zu edel, viel zu stolz, als daß er sein Gefühl für eine solche Behandlung hätte erraten lassen. Er begnügte sich gegen Herrn Meier, der ihm diese abweisende Entscheidung einhändigen mußte, zu äußern: er habe es sehr zu bedauern, daß er nicht schon von Frankfurt aus nach Sachsen gereist sei.
Um jedoch den Leser zu versichern, daß die Mitglieder des
Theaterausschusses, denen Fiesco zur Prüfung vorgelegt worden, die Meinung ihres Chefs nicht völlig teilten, werde schon jetzt das Votum eines derselben, das Schiller ein Jahr später in dem Protokoll des Theaters fand, angeführt.
»Obwohl dieses Stück für das Theater noch einiges zu wünschen
lasse, auch der Schluß desselben nicht die gehörige Wirkung zu versprechen scheine, so sei dennoch die Schönheit und Wahrheit der Dichtung von so ausgezeichneter Größe, daß die Intendanz hiemit ersucht werde, dem Verfasser als Beweis der Anerkennung seiner außerordentlichen Verdienste eine Gratifikation von acht Louisdor verabfolgen zu lassen.«
Unterzeichnet war: Iffland.
Allein Se. Exzellenz Freiherr von Dalberg konnten diesem Gutachten, das noch heute Iffland die größte Ehre bringt, ihren Beifall nicht schenken, sondern entließen den Dichter eben so leer in Börse und Hoffnung aus Mannheim, wie er vor zwei Monaten daselbst angekommen war.
Das nächste, das einzige und letzte, was nun zu tun war, unternahm Schiller sogleich, indem er zu Herrn Schwan ging und ihm Fiesco für den Druck anbot. Herr Schwan, der als Gelehrter und Buchhändler den Ruf eines vortrefflichen Mannes mit vollem Rechte genoß, übernahm dieses Stück mit großer Bereitwilligkeit und bedauerte nur, als er es durchlesen, daß er die vortreffliche Dichtung nicht höher als den gedruckten Bogen mit einem Louisdor honorieren könne, da ihm durch die überall lauernden Nachdrucker kein anderer Gewinn übrig bleibe, als den er von dem ersten Verkauf ziehe.
Was Schillern aber unter allen diesen Widerwärtigkeiten am schmerzlichsten fiel, war der Gedanke, daß er seinen Freund S. in sein böses Schicksal mit verflochten, indem dieser all das Geld, das er zu der vorgehabten Reise nach Hamburg hätte verwenden sollen, in der Hoffnung, daß der Dichter in Mannheim reichliche Unterstützung finden müsse, aufgeopfert hatte, und nun an keinen Ersatz zu denken war. Schon im August hätte S. nach Wien reisen sollen, wo ihn eine Aufnahme erwartete, die ihn zwar jeder Sorge für seine Bedürfnisse überhoben, aber in seiner Kunst nicht weiter gefördert hätte. Er zog es also vor, seine jungen Jahre nicht müßig zu vergeuden, sondern lieber nach Hamburg zu gehen, um, wenn es auch mit den größten Entbehrungen geschehen müßte, sich in der Musik so viel als möglich auszubilden; worin ihm auch Schiller, dem er diese Sache schon früher vertraut hatte, vollkommen beistimmte. Nun konnte S. weder in den einen noch in den andern Ort gelangen, indem seine Mutter nicht wohlhabend genug war, um ihm sogleich wieder neue Hilfe zukommen zu lassen. Nach allen Meinungen schien es das beste zu sein, daß er vorderhand in Mannheim bleibe, weil noch mehrere Mitglieder der kurfürstlichen Kapelle daselbst wohnten, deren Unterricht oder Beispiel er benützen konnte, wozu die Herren Schwan, Meier und seine Freunde alles beizutragen versprachen. S. ergab sich in das, was vorläufig nicht zu ändern war, viel williger, als daß er jetzt schon in die Stadt ziehen und Schillern noch acht bis zehn Tage in Oggersheim allein lassen sollte. Allein es mußte sein. Beide hatten sich aufgezehrt; im Gasthof war es zu teuer, und ihre Not war schon so groß geworden, daß der Dichter seine Uhr verkaufen mußte, um nicht zu vieles schuldig zu bleiben. Die letzten vierzehn Tage mußte man aber dennoch auf Borg leben, wo man dann auf der schwarzen Wirtstafel recht säuberlich mit Kreide geschrieben sehen konnte, was die Herren Schmidt und Wolf täglich verbraucht hatten.
Der arme Dichter erhielt für Fiesco gerade so viel, um besagte Kreidenstriche
auslöschen zu lassen, um einige unentbehrliche Sachen für den Winter anzuschaffen und um seine Reise bis Bauerbach ohne Furcht vor neuem Mangel bestreiten zu können. Der Antritt dieser Reise war auf den letzten November bestimmt. Da Schiller mit dem Postwagen über Frankfurt, Gelnhausen usw. nach Meiningen gehen, sich aber auf der Post in Mannheim nicht zeigen wollte, so kam Herr Meier mit ihm überein, ihn mit S. und einigen Freunden in Oggersheim abzuholen und von da nach Worms zu bringen, wo er dann den nächsten Tag mit dem Postwagen abfahren könne.
An dem bestimmten Tage fuhren die Freunde nach Oggersheim, wo sie
Schiller gerade beschäftigt fanden, seine wenige Wäsche, seine Kleidungsstücke, einige Bücher und Schriften in einen großen Mantelsack zu packen. Bei einer Flasche Wein, die er reichen ließ, wurde alles besprochen, was ihn über die Zukunft beruhigen oder seine Munterkeit befördern könnte. Allein bei ihm war dies gar nicht so nötig, als wohl bei den meisten Menschen, denen ihre Hoffnungen fehlschlagen, der Fall ist. Nur die Erwartung, die Ungewißheit einer Sache hatte für sein Gemüt etwas Unangenehmes, Beunruhigendes. Sowie aber einmal die Entscheidung eingetreten war, zeigte er all den Mut, den ein wackerer Mann braucht, um Herr über sich zu bleiben. Er übte – was wenige Dichter tun – seine ausgesprochenen Grundsätze redlich aus und befolgte den Vorsatz des Karl Moor »die Qual erlahme an meinem Stolze« bei Umständen, in welchen jeden andern die Kraft verlassen hätte.
Von Oggersheim brach die Gesellschaft bei einer starken Kälte und
tiefliegendem Schnee nach Worms auf, wo sie gerade noch zur rechten Zeit ankam, um in dem Posthause, wo sie abgestiegen waren, von einer wandernden Truppe Ariadne auf Naxos spielen zu sehen. Daß die Aufführung ebenso ärmlich als lächerlich sein mußte, ergibt sich schon daraus, daß an dem Schiffe, welches den Theseus abzuholen erschien, zwei Kanonen gemalt waren, und daß der Donner, durch welchen Ariadne vom Felsen geschleudert wird, mittels eines Sackes voll Kartoffeln, die man in einen großen Zuber ausschüttete, hervorgebracht wurde. Meier und seine Freunde fanden hier eine reiche Ernte für ihre Lust alles zu belachen und zu verspotten. Schiller aber sah mit ernstem, tiefem Blick und so ganz in sich verloren auf das Theater, als ob er nie etwas Ähnliches gesehen hätte oder es zum letztenmal sehen sollte. Auch nach beendigtem Melodram konnten die Bemerkungen der andern ihm kaum ein Lächeln entlocken; denn man sah es ihm an, daß er nicht gerne aus der Stimmung trete, die sich seiner bemächtigt hatte.
Das Nachtessen, bei dem auch Liebfrauenmilch nicht fehlte, machte ihn jedoch etwas heiterer, so daß man endlich ganz wohlgemut aufbrechen konnte, um nach Mannheim zurückzukehren und dem allen wert gewordenen Dichter das Lebewohl zu sagen. Meier und die andern schieden sehr unbefangen und redselig.
Allein was konnten Schiller und sein Freund sich sagen? – Kein Wort kam über ihre Lippen – keine Umarmung wurde gewechselt; aber ein starker, lang dauernder Händedruck war bedeutender als alles, was sie hätten aussprechen können!
Die zahlreich verflossenen Jahre konnten jedoch bei dem Freunde die wehmütige Erinnerung an diesen Abschied nicht auslöschen; und noch heute erfüllt es ihn mit Trauer, wenn er an den Augenblick zurückdenkt, in welchem er ein wahrhaft königliches Herz, Deutschland edelsten Dichter, allein und im Unglück hatte zurücklassen müssen!
Die außerordentlich strenge Kälte, welche in den ersten Tagen des Dezembers herrschte, ließ um so weniger für den Dichter eine angenehme Reise erwarten, da er ohne schützende Kleidung, nur mit einem leichten Überrocke versehen, einige Tage und Nächte auf dem Postwagen zubringen mußte, dessen (damaliger) Schneckengang selbst in einer bessern Jahreszeit die Stunden zu Tagen ausdehnte.
Seine Freunde beklagten ihn sehr, und ihre zu spät erwachte Gutmütigkeit erinnerte sich jetzt an manches Entbehrliche, womit ihm die rauhe Witterung weniger empfindlich hätte gemacht werden können; und je mehr die Mittel hierzu sich fanden, um so ernstlicher wurde bedauert, daß man nicht früher daran gedacht oder deshalb gemahnt worden.
Ebenso natürlich war es auch, daß dieselben Menschen, welchen die Versprechungen, die Schillern gemacht worden, bekannt waren, und die ihm die Hoffnung, daß sie erfüllt würden, ganz unbezweifelt darstellten, jetzt auch ihren scharfen Tadel über seine Flucht äußerten und solche für ebenso leichtsinnig als unbegreiflich erklärten.
Daß er, um dem bisher erlittenen, unerträglichen Zwange zu entgehen, das
Äußerste gewagt – daß er durchaus nicht Arzt, sondern Dichter sein wollte – daß er, um sich dem so reizend scheinenden Stande mit ganzer Kraft widmen zu können, eine sehr kümmerliche Besoldung aufgeben konnte, schien ebenso unüberlegt, als es wenige Kenntnis der Welt und ihrer Verhältnisse anzeigte.
Man berechnete sorgfältig den Reichtum berühmter Ärzte und verglich damit
die Einkünfte deutscher Dichter, die, wenn sie auch den größten Ruhm sich erworben, dennoch in einer Lage waren, welche man wahrhaft ärmlich nennen konnte.
Auch fürchtete man, daß die Erwartungen, die Schiller durch sein erstes
Schauspiel erregt, viel zu groß wären, als daß er dieselben durch nachfolgende Werke befriedigen oder seine Kräfte in gleicher Höhe erhalten könnte.
Der einzige, aber auch sehr warme Verteidiger unseres Dichters war Iffland,
der, den Beruf zum Schauspieler in sich fühlend, in noch jungen Jahren bloß mit etlichen Talern in der Tasche und nur mit den am Leibe tragenden Kleidungsstücken versehen, seinem wohlhabenden Vater entfloh, um sich zu Ekhof zu begeben und in dessen Schule zu bilden. Iffland allein wußte die Lage Schillers gehörig zu würdigen, indem er aus eigner Erfahrung beurteilen konnte, wie unerträglich es ist, ein hervorstechendes, angebornes Talent unterdrücken, die herrlichsten Gaben vermodern lassen zu müssen und nur das gemeine Alltägliche tun zu sollen, oder gar durch Zwang zu dessen Ausübung angehalten zu werden. Nicht nur gab er dem mutigen Entschlusse Schillers seinen völligen Beifall, sondern machte auch mit dem ihm reichlich zu Gebote stehenden Witze den Kleinmut derer lächerlich, die es für ein Unglück halten, einige Meilen zu Fuß reisen zu müssen oder zur gewohnten Stunde keinen wohlbesetzten Tisch zu finden. Seine treffenden Bemerkungen ließen die Verhältnisse des Dichters in einem mehr heiteren Lichte erscheinen. Vorläufig konnte man sich insofern beruhigen, als er doch auf einige Zeit wenigstens gegen Mangel oder Verfolgungen gesichert war.
Nur wurde nicht mit Unrecht bezweifelt, ob seine dramatischen Arbeiten in
gänzlicher Abgeschiedenheit gefördert werden könnten, oder ob sein Geist, von allem erheiternden Umgang abgeschnitten und bei Entbehrung der nötigen Bücher, nicht in kurzer Zeit abgestumpft würde. Sein tiefes Gefühl, seine frische, jugendliche Kraft ließen letzteres zwar nicht so bald befürchten; indessen vereinigten sich doch alle Wünsche dahin, daß ein glücklicher Zufall eintreten und für ihn die günstigsten Umstände herbeiführen möchte.
Seine Freunde waren auf die Nachrichten von seiner Ankunft sehr gespannt und wurden durch nachstehenden Brief an S. vollkommen beruhigt.
Bauerbach, den 8. Dezember 1782.
Liebster Freund!
Endlich bin ich hier, glücklich und vergnügt, daß ich einmal am
Ufer bin. Ich traf alles noch über meine Wünsche; keine Bedürfnisse ängstigen mich mehr, kein Querstrich von außen soll meine dichterischen Träume, meine idealischen Täuschungen stören.
Das Haus meiner Wolzogen ist ein recht hübsches und artiges
Gebäude, wo ich die Stadt gar nicht vermisse. Ich habe alle Bequemlichkeit, Kost, Bedienung, Wäsche, Feuerung, und alle diese Sachen werden von den Leuten des Dorfes auf das vollkommenste und willigste besorgt. Ich kam abends hieher – Sie müssen wissen, daß es von Frankfurt aus 45 Stunden hieher war – zeigte meine Briefe auf und wurde feierlich in die Wohnung der Herrschaft abgeholt, wo man alles aufgeputzt, eingeheizt und schon Betten hergeschafft hatte. Gegenwärtig kann und will ich keine Bekanntschaften machen, weil ich entsetzlich viel zu arbeiten habe. Die Ostermesse mag sich Angst darauf sein lassen.
Schreiben Sie mir doch, wo Sie gesonnen sind zu bleiben. Halten
Sie sich, wenn Sie zu Mannheim bleiben, nur immer fleißig an Schwan, Meier und meine Freunde. Besser Sie bleiben aber nicht dort und verfolgen Ihren ersten Anschlag, der mir immer der vernünftigste schien.
Was Sie tun, lieber Freund, behalten Sie diese praktische Wahrheit
vor Augen, die Ihren unerfahrnen Freund nur zu viel gekostet hat: Wenn man die Menschen braucht, so muß man ein H...t werden oder sich ihnen unentbehrlich machen. Eines von beiden oder man sinkt unter.
Wenn Sie Ursache hätten nicht nach Wien zu gehen, so könnte ich
Ihnen allenfalls einen anderen Ausweg anraten, der mir von mehreren Seiten besehen, nicht gar verwerflich scheint. Sie sind jung, weit genug in Ihrer Kunst, um brauchbar zu sein, halten Sie
sich an einen Meister in einer großen Stadt, von dem Sie wissen, daß
er viele Geschäfte hat, lassen Sie sich auch zu dem
Handwerksmäßigen Ihrer Kunst herab, machen Sie sich ihm
nützlich, so finden Sie erstlich Gelegenheit den Mann zu studieren,
finden Brot, und wenn Sie weggehen Empfehlung. Der große Titian
war Raffaels Farbenreiber. Weit gefehlt, daß ihm das schimpflich
wäre, macht es seinem Namen nur desto größere Ehre.
Empfehlen Sie mich bei Schwan, Meier, Cranz, Gern, Derain,
dem Steinschen Hause, auch auf dem Viehhof. Schreiben Sie mir,
was sich von dem Offizier, der mich aufsuchte, bestätigt hat.
Noch etwas: bei dem neulichen schnellen Aufbruche von
Oggersheim haben wir beide vergessen, die Zeche im Viehhof zu
bezahlen. Ich will nicht haben, daß Sie in Schaden dabei kommen.
Sie werden also, weil das Geld zu wenig beträgt, um 65 Stunden
geschickt zu werden, eine Anweisung dafür und für andere
abgelegte Kleinigkeiten an Schwan bekommen, der mir, weil Fiesco
gewiß mehr als 10 Bogen stark wird, noch Geld herauszahlen wird.
Jetzt muß ich eilen, das ist bereits der fünfte Brief, und wenigstens
noch soviel hab' ich zu schreiben.
Leben Sie recht wohl, lieber Freund, vergessen Sie mich nicht und
sein Sie vollkommen versichert, daß ich tätig an Sie denken werde,
sobald sich meine Aussichten verschönern, welches, wie ich hoffe,
nicht lange mehr anstehen soll. Noch einmal leben Sie recht wohl.
Wenn Sie mir schreiben, legen Sie den Brief bei Schwan oder Meier
nieder.
Ohne Veränderung ihr aufrichtigster
Schiller.
Da wir jetzt unseren so lang in ängstlichen Sorgen und Ungewißheit lebenden
Dichter geborgen wissen und, nach seinen eignen Äußerungen, mit seinen Lieblingsarbeiten und in einer Idyllenwelt lebend vermuten dürfen, so sei es erlaubt, die Personen, denen er empfohlen zu sein wünscht, dem Leser etwas näher bekannt zu machen und mit einer kurzen Erklärung vorzustellen. Die Herren Schwan und Meier sind schon früher erwähnt worden. Herr Cranz – damals auf Kosten des Herzogs von Weimar in Mannheim, um sich bei Fräntzel auf der Violine und bei Holzbauer in der Komposition auszubilden – war bei Herrn Meier Kostgänger, sah also Schiller sehr oft daselbst, der ihn auch wegen seines biederen, obwohl sehr trockenen Charakters wohl leiden mochte. Herr Gern, der ältere, war ein braver, überall brauchbarer Schauspieler sowie ein ausgezeichnet guter Baßsänger. Er betrat in Mannheim zuerst die Bühne, war täglich im Meierschen Hause und wurde dann später auf das Theater nach Berlin berufen.
In dem kleinen Oggersheim war Herr Derain der einzige Kaufmann, welcher sich aber weit mehr mit Politik, Literatur, besonders aber mit Aufklärung des Landvolkes als mit dem Vertrieb seiner Waren beschäftigte.
Seinen Eifer für das Wohl der Landleute, die bei ihm Zucker, Kaffee, Gewürz oder andere entbehrliche Sachen kaufen wollten, trieb er so weit, daß er ihnen oft recht dringend vorstellte, wie schädlich diese Dinge sowohl ihnen als ihren Kindern seien, und daß sie weit klüger handeln würden, sich an diejenigen Mittel zu halten, welche ihnen ihr Feld, Garten oder Viehstand liefern könne. Daß solche Ermahnungen die Käufer eher abschreckten als herbeizogen, war ganz natürlich. Aber Herr Derain, als lediger Mann zwischen 40 und 50 Jahren, der ein kleines Vermögen besaß, kümmerte sich um so weniger hierüber, je seltener er durch das Geklingel seiner Ladentür im Lesen oder in seinen Betrachtungen gestört wurde. Das Gemüt des Mannes war aber von der edelsten Art, und eine große Bescheidenheit machte seinen Umgang äußerst angenehm. Er brachte auf eine sonderbare Art in Erfahrung, wer denn eigentlich die Herren Schmidt und Wolf seien, die in seiner Nähe wohnten, und deren Bekanntschaft er schon lange gewünscht hatte.
Es wurden nämlich bei der gänzlichen Abänderung des Fiesco die früher geschriebenen Szenen gar nicht mehr beachtet, sondern wie jedes unnütze Papier behandelt. Mit diesen sowie mit vielen Blättern, worauf die Entwürfe zu Luise Millerin verzeichnet waren, wurde nun nichts weniger als schonend verfahren, was dann die Gelegenheit gab, daß die Frau Wirtin – die mit einer sehr großen Neigung zum Lesen eben so viele Neugier für alles Geschriebene verband – diese Blätter, deren Sprache ihr ganz neu und ungewöhnlich schien, sammelte und solche zu Herrn Derain brachte, welchen sie öfters sprach, um ihm ihre häuslichen Leiden zu klagen oder durch ein geliehenes Buch sich Trost und Vergessenheit zu verschaffen. Dieser zeigte den Fund seinem Verwandten, Herrn Kaufmann Stein in Mannheim, der eine sehr reizende und in allen neueren Werken der Dichtkunst ganz einheimische Tochter hatte.
S. war von Stuttgart aus Herrn Stein empfohlen. Die Blätter seines Reisegefährten wurden ihm vorgezeigt, und dasjenige, was mit der größten Standhaftigkeit jedem Manne verleugnet worden wäre, wußte das schmeichelnde Mädchen allmählich herauszulocken. Herr Derain, dem unter Gelobung der tiefsten Verschwiegenheit dieses Geheimnis auch anvertraut wurde, unterließ bei dieser Gelegenheit nicht, seine hohe Achtung für ausgezeichnete Dichter oder Schriftsteller auf das herzlichste kund zu geben. Mit wahrem Eifer bat er um Erlaubnis, die Bekanntschaft eines noch so jungen und schon so berühmten Mannes machen zu dürfen, und erhielt solche um so williger, als für Schiller und seinen Freund eine zerstreuende Unterhaltung in den trüben, nebligen Novemberabenden eine wahre Erquickung war. Die Freundschaft und Achtung für Herrn Derain erhielt sich auch noch in den nächstfolgenden Jahren.
Der Offizier, dessen Erscheinung Schiller und seine Freunde in den größten
Schrecken versetzte, war nach einem Schreiben von Schillers Vater an Herrn Schwan kein Verfolger, sondern ein akademischer Freund, der bei einer Reise ausdrücklich den Umweg über Mannheim machte, um den Dichter zu sprechen, welches aber, wie oben erwähnt, auf die sorgsamste Weise verhindert wurde.
Und hier ist auch der Ort, um den Leser zu versichern, daß der Herzog von