Träume eines Geistersehers, erläutert durch Träume der Metaphysik

Der erste Teil, welcher dogmatisch ist.

Der erste Teil,

 

welcher dogmatisch ist.

 

Erstes Hauptstück.

 

Ein verwickelter metaphysischer Knoten, den man nach Belieben

auflösen oder abhauen kann.

 

W enn alles dasjenige, was von Geistern der Schulknabe herbetet, der

große Haufe erzählt und der Philosoph demonstriert, zusammengenommen wird,

so scheinet es keinen kleinen Teil von unserem Wissen auszumachen.

Nichtsdestoweniger getraue ich mich zu behaupten, daß, wenn es jemand

einfiele, sich bei der Frage etwas zu verweilen, was denn das eigentlich vor ein

Ding sei, wovon man unter dem Namen eines G e i s t e s so viel zu verstehen

glaubt, er alle diese Vielwisser in die beschwerlichste Verlegenheit versetzen

würde. Das methodische Geschwätz der hohen Schulen ist oftmals nur ein

Einverständnis, durch veränderliche Wortbedeutungen einer schwer zu lösenden

Frage auszuweichen, weil das bequeme und mehrenteils vernünftige: I c h

w e i ß n i c h t, auf Akademien nicht leichtlich gehöret wird. Gewisse neuere

Weltweisen, wie sie sich gerne nennen lassen, kommen sehr leicht über diese

Frage hinweg. Ein Geist, heißt es, ist ein Wesen, welches Vernunft hat. So ist es

denn also keine Wundergabe, Geister zu sehen; denn wer Menschen sieht, der

sieht Wesen, die Vernunft haben. Allein, fährt man fort, dieses Wesen, was im

Menschen Vernunft hat, ist nur ein Teil vom Menschen, und dieser Teil, der ihn

belebt, ist ein Geist. Wohlan denn: ehe ihr also beweiset, daß nur ein geistiges Wesen Vernunft haben könne, so sorget doch, daß ich zuvörderst verstehe, was

ich mir unter einem geistigen Wesen vor einen Begriff zu machen habe. Diese

Selbsttäuschung, ob sie gleich grob genug ist, um mit halboffenen Augen

bemerkt zu werden, ist doch von sehr begreiflichem Ursprunge. Denn wovon

man frühzeitig als ein Kind sehr viel weiß, davon ist man sicher, späterhin und

im Alter nichts zu wissen, und der Mann der Gründlichkeit wird zuletzt

höchstens der Sophiste seines Jugendwahnes.

Ich weiß also nicht, ob es Geister gebe, ja, was noch mehr ist, ich weiß nicht

einmal, was das Wort G e i s t bedeute. Da ich es indessen oft selbst gebraucht

oder andere habe brauchen hören, so muß doch etwas darunter verstanden

werden, es mag nun dieses Etwas ein Hirngespinst oder was Wirkliches sein. Um

diese versteckte Bedeutung auszuwickeln, so halte ich meinen schlecht

verstandenen Begriff an allerlei Fälle der Anwendung und dadurch, daß ich

bemerke, auf welchen er trifft und welchem er zuwider ist, verhoffe ich, dessen

verborgenen Sinn zu entfalten.(1)

Nehmet etwa einen Raum von einem Kubikfuß und setzet, es sei etwas, das

diesen Raum erfüllt, d. i. dem Eindringen jedes andern Dinges widerstehet, so

wird niemand das Wesen, was auf solche Weise im Raum ist, g e i s t i g nennen.

Es würde offenbar m a t e r i e l l heißen, weil es ausgedehnt, undurchdringlich

und wie alles Körperliche der Teilbarkeit und den Gesetzen des Stoßes

unterworfen ist. Bis dahin sind wir noch auf dem gebähnten Gleise anderer

Philosophen. Allein denket euch ein einfaches Wesen und gebet ihm zugleich

Vernunft; wird dies alsdenn die Bedeutung des Wortes G e i s t gerade ausfüllen?

Damit ich dieses entdecke, so will ich die Vernunft dem besagten einfachen

Wesen als eine i n n e r e Eigenschaft lassen, vor jetzo es aber nur in ä u ß e r e n

Verhältnissen betrachten. Und nunmehro frage ich: wenn ich diese einfache

Substanz in jenen Raum vom Kubikfuß, der voll Materie ist, setzen will, wird

alsdenn ein einfaches Element derselben den Platz räumen müssen, damit ihn

dieser Geist erfülle? Meinet ihr, ja? Wohlan, so wird der gedachte Raum, um

einen zweiten Geist einzunehmen, ein zweites Elementarteilchen verlieren

müssen, und so wird endlich, wenn man fortfährt, ein Kubikfuß Raum von

Geistern erfüllet sein, deren Klumpe ebensowohl durch Undurchdringlichkeit

widerstehet, als wenn er voll Materie wäre, und ebenso wie diese der Gesetze

des Stoßes fähig sein muß. Nun würden aber dergleichen Substanzen, ob sie

gleich in sich Vernunftkraft haben mögen, doch äußerlich von den Elementen der

Materie gar nicht unterschieden sein, bei denen man auch nur die Kräfte ihrer

äußeren Gegenwart kennet und, was zu ihren inneren Eigenschaften gehören

mag, gar nicht weiß. Es ist also außer Zweifel, daß eine solche Art einfacher

Substanzen nicht geistige Wesen heißen würden, davon Klumpen zusammengeballet werden könnten. Ihr werdet also den Begriff eines Geistes nur

beibehalten können, wenn ihr euch Wesen gedenkt, die sogar in einem von

Materie erfüllten Raume gegenwärtig sein können;(2) Wesen also, welche die

Eigenschaft der Undurchdringlichkeit nicht an sich haben, und deren so viele, als

man auch will, vereinigt niemals ein solides Ganze ausmachen. Einfache Wesen

von dieser Art werden immaterielle Wesen und, wenn sie Vernunft haben,

Geister genannt werden. Einfache Substanzen aber, deren Zusammensetzung ein

undurchdringliches und ausgedehntes Ganze gibt, werden materielle Einheiten,

ihr Ganzes aber Materie heißen. Entweder der Name eines Geistes ist ein Wort

ohne allen Sinn, oder seine Bedeutung ist die angezeigte.

Von der Erklärung, was der Begriff eines Geistes enthalte, ist der Schritt

noch ungemein weit zu dem Satze, daß solche Naturen wirklich, ja auch nur

möglich seien. Man findet in den Schriften der Philosophen recht gute Beweise,

darauf man sich verlassen kann, daß alles, was da denkt, einfach sein müsse, daß

eine jede vernünftigdenkende Substanz eine Einheit der Natur sei, und das

unteilbare Ich nicht könne in einem Ganzen von viel verbundenen Dingen

verteilt sein. Meine Seele wird also eine einfache Substanz sein. Aber es bleibt

durch diesen Beweis noch immer unausgemacht, ob sie von der Art derjenigen

sei, die in dem Raume vereinigt ein ausgedehntes und undurchdringliches Ganze

geben und also materiell oder ob sie immateriell und folglich ein Geist sei, ja

sogar, ob eine solche Art Wesen als diejenige, so man g e i s t i g e nennet, nur

möglich sei.

Und hiebei kann ich nicht umhin, vor übereilte Entscheidungen zu warnen,

welche in den tiefsten und dunkelsten Fragen sich am leichtesten eindringen.

Was nämlich zu den gemeinen Erfahrungsbegriffen gehört, das pflegt man

gemeiniglich so anzusehen, als ob man auch seine Möglichkeit einsehe. Dagegen

was von ihnen abweicht und durch keine Erfahrung, auch nicht einmal der

Analogie nach, verständlich gemacht werden kann, davon kann man sich freilich

keinen Begriff machen, und darum pflegt man es gerne als unmöglich sofort zu

verwerfen. Alle Materie widerstehet in dem Raume ihrer Gegenwart und heißt

darum undurchdringlich. Daß dieses geschehe, lehrt die Erfahrung, und die

Abstraktion von dieser Erfahrung bringt in uns auch den allgemeinen Begriff der

Materie hervor. Dieser Widerstand aber, den Etwas in dem Raume seiner

Gegenwart leistet, ist auf solche Weise wohl e r k a n n t, allein darum nicht

b e g r i f f e n. Denn es ist derselbe, sowie alles, was einer Tätigkeit

entgegenwirkt, eine wahre Kraft, und da ihre Richtung derjenigen entgegensteht,

wornach die fortgezogne Linien der A n n ä h e r u n g zielen, so ist sie eine Kraft

der Z u r ü c k s t o ß u n g, welche der Materie und folglich auch ihren Elementen

muß beigeleget werden. Nun wird sich ein jeder Vernünftiger bald bescheiden, daß hier die menschliche Einsicht zu Ende sei. Denn nur durch die Erfahrung

kann man innewerden, daß Dinge der Welt, welche wir m a t e r i e l l nennen,

eine solche Kraft haben, niemals aber die Möglichkeit derselben begreifen.

Wenn ich nun Substanzen anderer Art setze, die mit andern Kräften im Raume

gegenwärtig sind, als mit jener t r e i b e n d e n Kraft, deren Folge die

Undurchdringlichkeit ist, so kann ich freilich eine Tätigkeit derselben, welche

keine Analogie mit meinen Erfahrungsvorstellungen hat, gar nicht in concreto

denken, und indem ich ihnen die Eigenschaft nehme, den Raum, in dem sie

wirken, zu e r f ü l l e n, so stehet mir ein Begriff ab, wodurch mir sonsten die

Dinge denklich sind, welche in meine Sinne fallen, und es muß daraus

notwendig eine Art von Undenklichkeit entspringen. Allein diese kann darum

nicht als eine erkannte Unmöglichkeit angesehen werden, eben darum weil das

Gegenteil seiner Möglichkeit nach gleichfalls uneingesehen bleiben wird,

obzwar dessen Wirklichkeit in die Sinne fällt.

Man kann demnach die Möglichkeit immaterieller Wesen annehmen ohne

Besorgnis widerlegt zu werden, wiewohl auch ohne Hoffnung, diese Möglichkeit

durch Vernunftgründe beweisen zu können. Solche geistige Naturen würden im

Raume gegenwärtig sein, sodaß derselbe demungeachtet vor körperliche Wesen

immer durchdringlich bliebe, weil ihre Gegenwart wohl eine W i r k s a m k e i t

im Raume, aber nicht dessen E r f ü l l u n g, d. i. einen Widerstand als den Grund

der Solidität enthielte. Nimmt man nun eine solche e i n f a c h e geistige

Substanz an, so würde man unbeschadet ihrer Unteilbarkeit sagen können, daß

der Ort ihrer unmittelbaren Gegenwart nicht ein Punkt, sondern selbst ein Raum

sei. Denn um die Analogie zu Hülfe zu rufen, so müssen notwendig selbst die

einfachen Elemente der Körper ein jegliches ein Räumchen in dem Körper

erfüllen, der ein proportionierter Teil seiner ganzen Ausdehnung ist, weil Punkte

gar nicht Teile, sondern Grenzen des Raumes sind. Da diese Erfüllung des

Raumes vermittelst einer wirksamen Kraft (der Zurückstoßung) geschieht und

also nur einen Umfang der größeren Tätigkeit, nicht aber eine Vielheit der

Bestandteile des wirksamen Subjekts anzeigt, so widerstreitet sie gar nicht der

einfachen Natur desselben, obgleich freilich die Möglichkeit hievon nicht weiter

kann deutlich gemacht werden, welches niemals bei den ersten Verhältnissen der

Ursachen und Wirkungen angeht. Ebenso wird mir zum wenigsten keine

erweisliche Unmöglichkeit entgegenstehen, obschon die Sache selbst

unbegreiflich bleibt, wenn ich behaupte, daß eine geistige Substanz, ob sie gleich

einfach ist, dennoch einen Raum e i n n e h m e, (d. i. in ihm unmittelbar tätig

sein könne), ohne ihn zu e r f ü l l e n, (d. i. materiellen Substanzen darin

Widerstand zu leisten). Auch würde eine solche immaterielle Substanz nicht

ausgedehnt genannt werden müssen, so wenig wie es die Einheiten der Materie sind; denn nur dasjenige, was abgesondert von allem und v o r s i c h allein

existierend einen Raum einnimmt, ist a u s g e d e h n t; die Substanzen aber,

welche Elemente der Materie sind, nehmen einen Raum nur durch die ä u ß e r e

Wirkung in andere ein, vor sich besonders aber, wo keine andre Dinge in

Verknüpfung mit ihnen gedacht werden, und da in ihnen selbst auch nichts

außereinander Befindliches anzutreffen ist, enthalten sie keinen Raum. Dieses

gilt von Körperelementen. Dieses würde auch von geistigen Naturen gelten. Die

Grenzen der Ausdehnung bestimmen die Figur. An ihnen würde also keine Figur

gedacht werden können. Dieses sind schwer einzusehende Gründe der

vermuteten Möglichkeit immaterieller Wesen in dem Weltganzen. Wer im

Besitze leichterer Mittel ist, die zu dieser Einsicht führen können, der versage

seinen Unterricht einem Lehrbegierigen nicht, vor dessen Augen im Fortschritt

der Untersuchung sich öfters Alpen erheben, wo andere einen ebenen und

gemächlichen Fußsteig vor sich sehen, den sie fortwandern oder zu wandern

glauben.

Gesetzt nun, man hätte bewiesen, die Seele des Menschen sei ein Geist,

(wiewohl aus dem vorigen zu sehen ist, daß ein solcher Beweis noch niemals

geführet worden), so würde die nächste Frage, die man tun könnte, etwa diese

sein: Wo ist der Ort dieser menschlichen Seele in der Körperwelt? Ich würde

antworten: Derjenige Körper, dessen Veränderungen m e i n e Veränderungen

sind, dieser Körper ist m e i n Körper, und der Ort desselben ist zugleich m e i n

O r t. Setzet man die Frage weiter fort: Wo ist denn d e i n Ort (der Seele) in

diesem Körper, so würde ich etwas Verfängliches in dieser Frage vermuten.

Denn man bemerkt leicht, daß darin etwas schon vorausgesetzet werde, was

nicht durch Erfahrung bekannt ist, sondern vielleicht auf eingebildeten Schlüssen

beruhet, nämlich daß mein denkendes Ich in einem Orte sei, der von den Örtern

anderer Teile desjenigen Körpers, der zu meinem Selbst gehöret, unterschieden

wäre. Niemand aber ist sich eines besondern Orts in seinem Körper unmittelbar

bewußt, sondern desjenigen, den er als Mensch in Ansehung der Welt umher

einnimmt. Ich würde mich also an der gemeinen Erfahrung halten und vorläufig

sagen: Wo ich empfinde, da b i n ich. Ich bin ebenso unmittelbar in der

Fingerspitze wie in dem Kopfe. Ich bin es selbst, der in der Ferse leidet und

welchem das Herz im Affekte klopft. Ich fühle den schmerzhaften Eindruck

nicht an einer Gehirnnerve, wenn mich mein Leichdorn peinigt, sondern am

Ende meiner Zehen. Keine Erfahrung lehrt mich einige Teile meiner

Empfindung von mir vor entfernt zu halten, mein unteilbares Ich in ein

mikroskopisch kleines Plätzchen des Gehirnes zu versperren, um von da aus den

Hebezeug meiner Körpermaschine in Bewegung zu setzen oder dadurch selbst

getroffen zu werden. Daher würde ich einen strengen Beweis verlangen, um dasjenige ungereimt zu finden, was die Schullehrer sagten: M e i n e S e e l e

i s t g a n z i m g a n z e n K ö r p e r u n d g a n z i n j e d e m s e i n e r

T e i l e . Der gesunde Verstand bemerkt oft die Wahrheit eher, als er die Gründe

einsiehet, dadurch er sie beweisen oder erläutern kann. Der Einwurf würde mich

auch nicht gänzlich irre machen, wenn man sagte, daß ich auf solche Art die

Seele ausgedehnt und durch den ganzen Körper verbreitet gedächte, so

ohngefähr wie sie den Kindern in der g e m a l t e n W e l t abgebildet wird. Denn

ich würde diese Hindernis dadurch wegräumen, daß ich bemerkte, die

unmittelbare Gegenwart in einem ganzen Raume beweise nur eine Sphäre der

äußeren Wirksamkeit, aber nicht eine Vielheit innerer Teile, mithin auch keine

Ausdehnung oder Figur, als welche nur stattfinden, wenn in einem Wesen v o r

s i c h a l l e i n g e s e t z t ein Raum ist, d. i. Teile anzutreffen sind, die sich

außerhalb einander befinden. Endlich würde ich entweder dieses wenige von der

geistigen Eigenschaft meiner Seele wissen oder, wenn man es nicht einwilligte,

auch zufrieden sein, davon gar nichts zu wissen.

Wollte man diesen Gedanken die Unbegreiflichkeit oder, welches bei den

meisten vor einerlei gilt, ihre Unmöglichkeit vorrücken, so könnte ich es auch

geschehen lassen. Alsdenn würde ich mich zu den Füßen dieser Weisen

niederlassen, um sie also reden zu hören: Die Seele des Menschen hat ihren Sitz

im Gehirne, und ein unbeschreiblich kleiner Platz in demselben ist ihr

Aufenthalt.(3) Daselbst empfindet sie wie die Spinne im Mittelpunkte ihres

Gewebes. Die Nerven des Gehirnes stoßen oder erschüttern sie, dadurch

verursachen sie aber, daß nicht dieser unmittelbare Eindruck, sondern der, so auf

ganz entlegene Teile des Körpers geschieht, jedoch als ein außerhalb dem

Gehirne gegenwärtiges Objekt vorgestellet wird. Aus diesem Sitze bewegt sie

auch die Seile und Hebel der ganzen Maschine und verursacht willkürliche

Bewegungen nach ihrem Belieben. Dergleichen Sätze lassen sich nur sehr

seichte oder gar nicht beweisen und, weil die Natur der Seele im Grunde nicht

bekannt gnug ist, auch nur ebenso schwach widerlegen. Ich würde also mich in

keine Schulgezänke einlassen, wo gemeiniglich beide Teile alsdenn am meisten

zu sagen haben, wenn sie von ihrem Gegenstande gar nichts verstehen; sondern

ich würde lediglich den Folgerungen nachgehen, auf die mich eine Lehre von

dieser Art leiten kann. Weil also nach denen mir angepriesenen Sätzen meine

Seele, in der Art wie sie im Raume gegenwärtig ist, von jedem Element der

Materie nicht unterschieden wäre, und die Verstandeskraft eine innere

Eigenschaft ist, welche ich in diesen Elementen doch nicht wahrnehmen könnte,

wenngleich selbige in ihnen allen angetroffen würde, so könnte kein tauglicher

Grund angeführet werden, weswegen nicht meine Seele eine von den Substanzen

sei, welche die Materie ausmachen, und warum nicht ihre besondere Erscheinungen lediglich von dem Orte herrühren sollten, den sie in einer

künstlichen Maschine, wie der tierische Körper ist, einnimmt, wo die

Nervenvereinigung der inneren Fähigkeit des Denkens und der Willkür zustatten

kommt. Alsdenn aber würde man kein eigentümliches Merkmal der Seele mehr

mit Sicherheit erkennen, welches sie von dem rohen Grundstoffe der

körperlichen Naturen unterschiede, und LEIBNIZENS scherzhafter Einfall, nach

welchem wir vielleicht im Kaffee Atomen verschluckten, woraus

Menschenseelen werden sollen, wäre nicht mehr ein Gedanke zum Lachen.

Würde aber auf solchen Fall dieses denkende Ich nicht dem gemeinen

Schicksale materieller Naturen unterworfen sein und, wie es durch den Zufall

aus dem Chaos aller Elemente gezogen worden, um eine tierische Maschine zu

beleben, warum sollte es, nachdem diese zufällige Vereinigung aufgehört hat,

nicht auch künftig dahin wiederum zurückkehren? Es ist bisweilen nötig, den

Denker, der auf unrechtem Wege ist, durch die Folgen zu erschrecken, damit er

aufmerksamer auf die Grundsätze werde, durch welche er sich gleichsam

träumend hat fortführen lassen.

Ich gestehe, daß ich sehr geneigt sei, das Dasein immaterieller Naturen in der

Welt zu behaupten und meine Seele selbst in die Klasse dieser Wesen zu

versetzen.(4) Alsdenn aber, wie geheimnisvoll wird nicht die Gemeinschaft

zwischen einem Geiste und einem Körper? Aber wie natürlich ist nicht zugleich

diese Unbegreiflichkeit, da unsere Begriffe äußerer Handlungen von denen der

Materie abgezogen worden und jederzeit mit den Bedingungen des Druckes oder

Stoßes verbunden sind, die hier nicht stattfinden? Denn wie sollte wohl eine

immaterielle Substanz der Materie im Wege liegen, damit diese in ihrer

Bewegung auf einen Geist stoße, und wie können körperliche Dinge Wirkungen

auf ein fremdes Wesen ausüben, das ihnen nicht Undurchdringlichkeit

entgegenstellet, oder welches sie auf keine Weise hindert, sich in demselben

Raume, darin es gegenwärtig ist, zugleich zu befinden? Es scheinet, ein geistiges

Wesen sei der Materie innigst gegenwärtig, mit der es verbunden ist und wirke

nicht auf diejenige Kräfte der Elemente, womit diese untereinander in

Verhältnissen sind, sondern auf das innere Principium ihres Zustandes. Denn

eine jede Substanz, selbst ein einfaches Element der Materie muß doch irgend

eine innere Tätigkeit als den Grund der äußerlichen Wirksamkeit haben, wenn

ich gleich nicht anzugeben weiß, worin solche bestehe.(5) Andererseits würde bei

solchen Grundsätzen die Seele auch in diesen innern Bestimmungen als

Wirkungen den Zustand des Universum anschauend erkennen, der die Ursache

derselben ist. Welche Notwendigkeit aber verursache, daß ein Geist und ein

Körper zusammen Eines ausmache, und welche Gründe bei gewissen Zerstörungen diese Einheit wiederum aufheben, diese Fragen übersteigen nebst