Zwischen Irgendwo und Nirgendwo

Alina Hoenselaar · Kapitel 3 von 3

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Zwischen Irgendwo und Nirgendwo

Kapitel 3

 

„Was?“, sagte Lucita und sah sich verwirrt auf dem Platz um. „Es hat keiner etwas gesagt“, erwiderte Ochite verwundert und rutschte auf ihrer Schulter hin und her. „Ja, ich hatte das Gefühl, dass ich kommen müsste.“

„Da hat doch jemand etwas gesagt.“ Lucita sah sich wieder um, doch sie waren alleine. Die Stimme kam ihr so unglaublich bekannt vor, dass ihr Herz einen schmerzhaften Sprung machte. „Ist denn etwas mit meiner Tochter passiert?“

„Oh ja, sie zeigt nun endlich Reaktion auf ihre Umgebung.“

„Ich versteh das nicht“, rief Lucita und drehte sich um sich selbst. „Warum höre ich die Stimme meiner Mutter?“ „Ich höre nichts“, entgegnete Astis und verschränkte seine Arme. „Was für eine Veränderung?“ „Der Herzschlag verschnellt sich, Beispielweise. Genaueres weiß ich jedoch auch nicht, da müsste sie den Doktor fragen. Ich werde ihn gleich zu Ihnen schicken“.

Kurz herrschte Stille, bis die Stimme wieder ertönte. „Lucita, meine kleine Tochter. Wach doch bitte wieder auf. Wir vermissen dich alle so sehr. Selbst deine Tante ist aus Spanien angereist.“

„Mama“, wisperte Lucita und Tränen rannen über ihre Wange. „MAMA!“ „Mein armes Kind. “

Die Trauer aus der Stimme ihrer Mutter war deutlich zu heraus zu hören. „Da ist doch niemand“, sagte Ochite vorwurfsvoll. „Wieso rufst du nach deiner Mutter?“ „Lucita, du verpasst so viel im Moment. Bitte, wach doch aus dem Koma auf.“

Weinend sank Lucita auf die Knie. Tränen über Tränen rollten über ihre Wangen. „Ich tu doch was ich kann, ich tu doch was ich kann“, schluchzte sie. Mit ihren Fingernägeln hatte sie sich in ihren Knien festgekrallt. Dass Ochite und Astis verwirrt auf sie einredeten bekam sie kaum mit. Einzig die Stimme ihrer Mutter hallte in ihrem Kopf wieder. „Ich vermisse dich, mein Schatz.“

Ein lautes Krachen ertönte und sofort lösten die Pickies den Kreis und schwirrten davon. „Oh-oh“, rief Ochite und schlug sich die Pfoten vor den Mund. „Das sind die Schlafsender!“ Sie hatte recht. Drei Marionetten kämpften sich zwischen den dichten Bäumen hindurch, rissen sie aus der Erde und ließen sie einfach auf den Boden fallen. Ihr Mund klappte auf und wieder zu, während ihre großen Kulleraugen Lucita und ihre Reisegefährten fixierten. Wankend kamen sie auf den Platz und sofort verstummte die Stimme von Lucitas Mutter. „Wie besiegt man am Besten einen Schlafsender?“, fragte Lucita mit zitternder Stimme. Ihr Herz raste und ihre Augen tasteten jeden Winkel ab, auf der Suche nach einem möglichen Fluchtweg. „Wenn man eine gute Kampfausbildung genossen hatte“, antwortete Astis mit ebenso angsterfüllter Stimme. „dann hat man gute Chancen, aber wir … nun ja, wir sind wie Gras.“ „Was?“, rief Lucita und sah ihn verständnislos an. „Leichte Beute“, erklärte Astis und zuckte mit seinen Schultern. „Ist doch offensichtlich.“ Ein eiskalter Schauer lief über Lucitas Rücken, während sich die Schlafsender näherten. Der starke Geruch von gesundem Holz und ammoniakhaltiger Farbe stieg ihr in die Nase und ließ sie würgen. Da sie nun sicher war, dass dies bloß ein Traum war, bangte sie nicht um ihr Leben. Doch die kalten Klauen der Angst hatten sie fest im Griff. Was würde nun mit ihr passieren? „Lucita, nun mach doch was!“, kreischte das Stoffkaninchen und hüpfte panisch im Zick Zack umher. „Wir werden sterben. Wir sind zu Tode verurteilt!“ „Astis, hast du irgendeine Waffe dabei?“, fragte Lucita, bereit zum kämpfen. Vielleicht konnte sie nicht sterben, aber das Stoffkaninchen und der Fuchs konnten es. Auch wenn sie nicht real waren, so würde sie deren Tod nicht ertragen können. Nicht, solange sie eine minimale Chance hatte dies zu verhindern. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals, als Astis mit geweiteten Augen den Kopf schüttelte. „Ich habe nur Kompasse bei mir“, sagte er und wich dabei mehrere Schritte zurück. Der erste Schlafsender streckte seine hölzerne Faust nach den dreien aus und hätte dabei fast Lucita erschlagen. Mit einem Hechtsprung konnte sie sich retten, landete jedoch unsanft auf dem weißen Gestein. Sofort setzte der Schlafsender für einen neuen Angriff an. Er machte einen wackeligen Schritt vorwärts und zertrat dabei fast Ochite. Doch hoppelte sie mit großen Sprüngen zum anderen Ende des Platzes und versuchte sich hinter einer der Säulen zu verstecken. „Habt ihr Mistkerle denn gar keine Scharm mehr?“, rief Astis währenddessen wutentbrannt. „Dies ist ein heiliger Ort, für Könige und Untertanen. Wie könnt ihr es wagen ihn bereitwillig zu zerstören?“ Seine Pfote hatte er zu einer Art Faust geballt und streckte diese kämpferisch in die Luft. Lucita zerrte an seinem Rucksack, damit er aus der Reichweite des ersten Schlafsenders treten konnte. „Provoziere sie doch nicht noch mehr“, flehte sie. „VORSICHT!“, schrie Ochite. Doch konnten die beiden nicht mehr reagieren, bevor die Hand eines weiteren Schlafsenders sie traf und quer über den Platz schleuderte. Lucitas Körper schlug gegen den Brunnen und für wenige Sekunden verlor sie ihr Bewusstsein. Vor Schmerz hustend kam sie wieder zu sich und rappelte sich schwankend auf. Die Schlafsender versuchten Ochite zu erwischen, welche im Zick Zack zwischen deren Beine hoppelte. Mit angsterfüllten Augen versuchte sie sich vor den großen Händen und den noch größeren Füßen zu retten. Astis kauerte zwischen zwei Säulen und sammelte unzählige Kompasse ein, die aus seinem Rucksack gefallen waren. Einer der Schlafsender hatte sich mit seinen Händen an den Beinen eines anderen Schlafsenders verfangen und stürzte mit einem lauten Knall zu Boden. Sein Mund klappte unkontrolliert auf und zu, während er sich am Boden wand. Das Holz an seinen Armen war zersplittert. Das Kreischen von Metall auf Metall erklang und sofort sank der zweite Schlafsender zu Boden. Gefolgt von den abgetrennten Armen. Verblüfft blieb Ochite stehen und sah mit zuckendem Bommelschwanz die Überreste der Marionette an. Eine schlanke Gestalt kam wie aus dem Nichts und landete zwischen Lucita und dem letzten Schlafsender. Es stand mit dem Rücken zu ihr, weswegen sie nicht wusste wen sie vor sich hatte. Die Gestalt trug einen purpurfarbenen Umhang und einen schwarzen Zylinder. In seiner mit Handschuhen eingekleideten Hände hielt er sein Schwert. Noch bevor Lucita sich die Gestalt weiter ansehen konnte, rannte sie auch schon wieder los und sprang in eine unglaubliche Höhe, holte mit dem Schwert aus und schlug zu. Dem Schlafsender wurde der erste Arm abgetrennt und sofort gewann er an Schlagseite. Schwankend und mit dem anderen Arm rudernd, versuchte er sein Gleichwicht zu halten. Die Gestalt schlug mit dem Schwert auf sein Bein ein und sofort stürzte der Schlafsender zu Boden, noch immer mit dem Arm rudernd. Nachdem der aufgewirbelte Staub in alle Richtungen verschwand, stand die Gestalt alleine, mit gezogenem Schwert da. Den Zylinder schob sie nach oben. „Das ist ja der Herzog“, rief Ochite und sah ihn mit weit geöffnetem Mund an. Lucita nahm ihn nun wieder in Augenschein. Unter seinem Umhang lugte ein brauner Katzenschwanz hervor. Neben dem Zylinder stachen zwei ebenso braune Katzenohren in den Himmel. Je höher er den Zylinder schob, desto besser konnte sie sein Gesicht sehen. Es war das einer Katze, mit tiefgrünen Augen. Lange, weiße Schnurhaare wuchsen aus seinen Lefzen. „Astis, mein guter Freund“, sagte er mit einer flüssigen Stimme, die an Honig erinnerte. Elegant stolzierte er über den Platz und half dem Fuchs auf die Beine, da er noch immer Kompasse am auflesen war. Dabei achtete der Herzog darauf nicht sein Fell zu berühren. „Viel zu lange trafen sich nicht mehr unsere Wege.“ Astis lachte auf und hob den letzten Kompass auf, bevor er seinen Rucksack wieder schulterte. „Ihr sagt es, Nesbitt.“ „Danke Herzog“, rief das Kaninchen und hüpfte aufgeregt um den Herzog herum, wie der Mond die Erde umkreist. „Danke, dass Ihr uns das Leben gerettet habt. Nur Ihr traut Euch, Euch mit den Schlafsendern anzulegen. Ihr seid ja so mutig.“ Der Herzog lachte auf und ließ sein Schwert in die Scheide gleiten, welche sich als Gehstock entpuppte. „In Zeiten wir unserer muss man doch den anderen helfen.“ Sein Blick fiel auf Lucita, die noch immer vor dem Brunnen kauerte. „Na wer ist das denn?“ „Das ist Lucita“, erklärte Astis sachlich. „Sie ist eine Andernweltlerin und sie sucht den Weg aus unserer Welt hinaus.“ Mit Schmerz verzogenem Gesicht richtete sich Lucita auf und ging zögernd auf die drei Bewohner dieser Welt zu. „Guten Tag“, sagte sie und biss sich daraufhin auf die Unterlippe. Herzog Nesbitt verbeugte sich höflich und musterte sie ausgiebig. „Du reist mit einem von Astis’ Kompass?“ Lucita nickte bloß als Antwort und zeigte ihm das Holzkästchen. Er nahm es in seine Hand, die, wie Lucita beim näher hinsehen erkannte, eigentlich eine Pfote war. „Interessant. Astis, was ist die Aufgabe dieses Meisterwerks?“ „Er führt einem zu dem Ziel, nach welchem man sich am meisten sehnt“, erklärte der Fuchs. „Verstehe“, sagte der Herzog und gab Lucita den Kompass zurück. „Wenn du in deine Welt zurück willst, dann musst du bestimmt zu den Eulenbögen.“ Ochite hörte auf um ihn herum zu hüpfen und begann ihn anzustarren. „Die Eulenbögen?“ Astis räusperte sich und erklärte: „Diese Bögen sollen, so laut den Wächtern der Tempel, Wesen in eine fremde Welt führen können. Es gibt da nur einen Harken, sie müssen würdig für diese Reise sein. Ansonsten werden ihre Körper von den Geistern der Zeit verstümmelt. Lucita, in welche Richtung zeigt dein Kompass?“ „Nach Süden.“ „Dort befinden sich die Bögen“, sagte er Herzog und stützte sich auf seinen Gehstock. Lucitas Blick huschte zwischen dem Herzog und Astis hin und her. „Das heißt, entweder gelang ich in meine Welt zurück, oder ich kratzte ab?“ „Richtig“, sagte der Herzog. „Einen anderen Weg scheint es wohl nicht zu geben“, warf Ochite ein und kletterte wieder auf Lucitas Schulter. „Der Kompass ist wohl auch der Meinung, dass du dort hin musst. Aber es sieht so aus, dass er dich für würdig hält.“ „Ich werde euch zu den Engelsbogen führen. Der Wald ist tückisch und da ich förmlich hier lebe, kenne ich mich gut aus“, sagte der Herzog und schenkte Lucita ein aufmunterndes Lächeln. „Was werden Eure Frauen davon halten, wenn Ihr Euch nicht in Eurem Anwesen aufhaltet?“ Der Herzog begann zu lachen: „Sie werden froh sein auch mal ihre Ruhe zu haben.“ Nun zu viert verließe sie den Platz. Lucita mit einem wehmütigen Gefühl, da sie gerne noch Mal die Stimme ihrer Mutter gehört hätte. Immer wieder erkundigten sich der Herzog oder Astis nach dem Kompass und jedes Mal zeigte er in die Richtung, in der der Eulenbogen lag. Ochite hatte angefangen ein Reiselied zu singen, in welches der Herzog fröhlich mit einstimmte. Pickies gesellten sich vereinzelt zu ihnen und erhellten mit ihrem Licht die dunklen Stellen des Waldes. Nach gefühlten Stunden lichteten sich die Bäume und die Pickies zogen sich wieder tänzelnd in die Tiefen des Waldes zurück. Der Schotter wechselte zu einem gepflasterten Weg und der vertraute Geruch von Feuer streichelte Lucitas Nasenflügel, welche sie genüsslich aufblähte. Die Sonne war hinter dem Horizont verschwunden und der Himmel färbte sich in ein tiefes Azurblau. Die Mondsichel leuchtete hell und wirkte unnatürlich groß. Nachdem sie den Wald verlassen hatten, ragten nur noch vereinzelt Bäume neben dem Weg gen Himmel. An ihren dicksten Ästen hingen Laternen, welche sich, wie Ochite erklärte, bei Einbruch der Dunkelheit selbst entzündeten. Lucita war mehr als fasziniert. Ihr Herz machte einen schmerzhaften Sprung, als am Horizont ein großer, weißer Bogen auftauchte. Je näher sie kamen, desto besser konnte man die vereinzelten Verziehrungen und Statuen sehen, die diesem Ort eine gewisse Magie verliehen. Zwei Eulen – wie alle anderen Tiere standen sie aufrecht da –, mit jeweils einem Buch in den Flügeln und schlaffen Umhängen, standen wie Wächter wenige Meter vor dem Bogen. Dass helle Marmor schimmerte, sobald ein vereinzelter Pickie an ihm vorbei schwirrte. „Wir sind da“, sagte Herzog Nesbitt mit einem freundlichen Lächeln zu Lucita. Dieses hatte ihren Griff um den Kompass krampfhaft verstärkt, dessen Nadel starr auf den Bogen zeigte. Am Eulenbogen wuchsen Kletterpflanzen empor, weswegen dass weiße Marmor an manchen Stellen kaum noch zu sehen war. Bloß der höchste Punkt des Torbogens, wo eine kleine Statue einer weiteren Eule saß, war nicht von der Pflanze befallen. „Du musst einfach durch den Bogen gehen und dann bist du auch schon in deiner Welt“, erklärte Astis. Der Herzog hob Ochite von Lucitas Schulter, doch sträubte sich diese zunächst. Versuchte eine von Lucitas braunen Haarsträhnen zu packen. „Ich will nicht dass du gehst, schließlich habe ich noch immer kein zu Hause“, klagte das Stoffkaninchen. Der Herzog leckte sich mit seiner rauen Zunge über die Lefzen und musterte Ochite. „Du bist ohne Bleibe?“, fragte er, woraufhin Ochite unterwürfig nickte. „In meinen Länderreihen solltest du genug Platz für einen Bau haben und in den Feldern meines Anwesens kannst du dir Futter suchen. Ergo, warum lebst du nicht bei mir?“ Lucita begann frohgestimmt zu lächeln. „Siehst du, jetzt hast du ein zu Hause gefunden. Meine Schuld ist somit beglichen.“ Nun stand ihrer Abreise aus dieser bizarren Welt nichts mehr im Wege. Doch überkamen sie auf einmal Zweifel. War dies wirklich der Weg aus dem Koma heraus? Oder würde sie in einem neuen Traum landen? Ihr Herz schlug wie wild, als wolle es ihre Rippen zerbarsten. Ihre Kehle fühlte sich augenblicklich staubtrocken an und der Schweiß stand auf ihrer Stirn. „Ich kann das nicht“, keuchte sie schließlich und wich einen Schritt zurück. Der Herzog legte seine Hand auf ihre Schulter und lächelte sie aufmunternd an. „Du schaffst das. Denk dran, du willst in deine Welt zurück und das ist der einzige Weg.“ „Zumindest laut dem Kompass“, warf Lucita sofort ein. „Die Kompasse lügen nicht und verheimlichen auch nichts“, sagte Astis trotzig, als hätte sie ihn gerade beleidigt. Lucita sog die Luft scharf ein, bevor sie zögernd zum Eulenbogen trat. Ihr Herzschlag dröhnte in ihren Ohren und ihr Kopf schien leer zu sein. „Warte“, rief Astis und Lucita wirbelte hoffnungsvoll herum. „Du hast noch meinen Kompass.“ Etwas enttäuschte reichte sie ihm das Holzkästchen und warf Ochite einen kurzen Blick zu. Diese schaute auf ihre Hinterpfoten, welche mit ihren Spitzen leise auf dem Boden tippten. Langsam hob sie ihren Blick an. „Schade, dass du jetzt gehe musst, ich habe dich irgendwie lieb gewonnen und so hässlich bist du eigentlich gar nicht. Ich mein, wenn man dich länger Betrachtet “, sagte sie schließlich mit trauriger Stimme. Lucita ging vor ihr auf die Knie und hauchte dem Kaninchen einen sanften Kuss zwischen den Ohren. „Ich werde dich auch vermissen“, sagte sie und richtete sich wieder auf. Der Herzog hatte zwei Schritte auf sie zu gemacht und lächelte sie schon fast väterlich an. „Ich wünsche dir eine gute Reise, Lucita. Es war uns eine Freude, dich auf deiner Reise begleiten zu können.“ Leicht verneigte er sich, bevor er wieder zurück trat. Lucita verneigte sich ebenfalls. „Auf Wiedersehen“, sagte sie und hob ihre Mundwinkel zu einem eher Mitleid erregenden Lächeln an. „Ich geh dann jetzt.“ Ihre Stimme bebte mittlerweile. Auch wenn sie bloß wenig Zeit mit den dreien verbracht hatte, so hatten sie ihr in vieler Hinsicht das Leben gerettet und ihr Herz gewonnen. „Ich hoffe, dass die Reise in unsere Welt dir geholfen hat, zu dir selbst zu finden“, sagte Astis und verabschiedete mit seinem seltsamen Lächeln und einem höflichen Kopfnicken. Lucitas Mundwinkel zuckten und ein leises Auflachen entfuhr ihr. „Ja, so könnte man das auch nennen“, sagte sie und lächelte den Fuchs an. „Es freut mich, dass ich euch alle kennen lernen durfte. Ihr seid einfach wundervoll und danke, danke dass ihr mir geholfen habt meinen Weg zu finden. Meinen Weg durch das Irgendwo.“ Mit langsamen Schritten ging sie auf den Eulenbogen zu. „Komm uns irgendwann mal wieder besuchen“, sagte nun der Herzog. „Ich werde es versuchen“, erwiderte Lucita, welche nun unmittelbar vor dem Bogen stand. Die Landschaft, die sich hinter ihm erstreckte, begann zu verschwimmen. „Auf Wiedersehen“, sagte sie noch einmal und durchschritt dann das Tor. Alles um sie herum verblasste und wurde zu einem tiefen Schwarz. Doch bevor sie einen klaren Gedanken fassen konnte, erhellte sich alles um sie herum wieder. Ihr Körper fühlte sich auf einmal unglaublich schwer an, als würde etwas auf ihr liegen. Um sie herum war zwar noch alles unscharf und dennoch konnte sie aus dem Augenwinkel heraus rechts von sich ein Fenster identifizieren. Mehrmals musste sie blinzeln bis alles um sie herum an Schärfe gewonnen hatte. Das breite Gesicht mit der olivfarbenden Haut ihrer Mutter kam in ihr Blickfeld. Lucitas Herz machte einen freudigen Sprung und ihre Mundwinkel zuckten nach oben. Hinter ihrer Mutter saß Melena. Ihr zuvor langes Haar war nun zu einem Pixie geschnitten und sie sah älter aus, als Lucita sie in Erinnerung hatte. „Hallo, mein Schatz“, sagte ihre Mutter und strich ihr mit ihren langen Fingern übers Haar. Vereinzelte Tränen liefen über ihre Wange. „Endlich bist du wieder aufgewacht.“

Tag der Veröffentlichung: 24.07.2016

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Alina Hoenselaar

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