Die Braut von Messina

Friedrich Schiller · Kapitel 1 von 1

PDF-Seiten

Die Braut von Messina

Sie schlägt die Augen auf! Sie regt sich, lebt!

Diego.

Sie schlägt die Augen auf! Sie regt sich, lebt!

Isabella.

Sie lebt! Ihr erster Blick sei auf die Mutter!

Diego.

Das Auge schließt sie schaudernd wieder zu.

Isabella (zum Chor).

Weichet zurück! Sie schreckt der fremde Anblick!

Chor (tritt zurück). (Bohemund.)

Gern meid' ich's, ihrem Blicke zu begegnen.

Diego.

Mit großen Augen mißt sie staunend dich.

Beatrice.

Wo bin ich? Diese Züge sollt' ich kennen.

Isabella.

Langsam kehrt die Besinnung ihr zurück.

Diego.

Was macht sie? Auf die Kniee senkt sie sich.

Beatrice.

Ich, schönes Engelsantlitz meiner Mutter!

Isabella.

Kind meines Herzens! Komm in meine Arme!

Beatrice.

Zu deinen Füßen sieh die Schuldige.

Isabella.

Ich habe dich wieder! Alles sei vergessen!

Diego.

Betracht' auch mich! Erkennst du meine Züge?

Beatrice.

Des redlichen Diego greises Haupt!

Isabella.

Der treue Wächter deiner Kinderjahre.

Beatrice.

So bin ich wieder in dem Schooß der Meinen?

Isabella.

Und nichts soll uns mehr scheiden, als der Tod.

Beatrice.

Du willst mich nicht mehr in die Fremde stoßen?

Isabella.

Nichts trennt uns mehr, das Schicksal ist befriedigt.

Beatrice (sinkt an ihre Brust).

Und find' ich wirklich mich an deinem Herzen? Und Alles war ein Traum, was ich erlebt?

Ein schwerer, fürchterlicher Traum—O Mutter! Ich sah ihn todt zu meinen Füßen fallen!

—Wie komm' ich aber hieher? Ich besinne

Mich nicht—Ach, wohl mir, wohl, daß ich gerettet In deinen Armen bin! Sie wollten mich

Zur Fürstin Mutter von Messina bringen.

Eher ins Grab!

Isabella.

Komm zu dir, meine Tochter!

Messinas Fürstin—

Beatrice.

Nenne sie nicht mehr!

Mir gießt sich bei dem unglücksel'gen Namen

Ein Frost des Todes durch die Glieder.

Isabella.

Höre mich.

Beatrice.

Sie hat zwei Söhne, die sich tödtlich hassen;

Don Manuel, Don Cesar nennt man sie.

Isabella.

Ich bin's ja selbst! Erkenne deine Mutter!

Beatrice.

Was sagst du? Welches Wort hast du geredet?

Isabella.

Ich, deine Mutter, bin Messinas Fürstin.

Beatrice.

Du bist Don Manuels Mutter und Don Cesars?

Isabella.

Und deine Mutter! Deine Brüder nennst du!

Beatrice.

Weh, weh mir! O, entsetzensvolles Licht!

Isabella.

Was ist dir? Was erschüttert dich so seltsam?

Beatrice (wild um sich her schauend, erblickt den Chor). Das sind sie, ja! Jetzt, jetzt erkenn' ich sie.

Mich hat kein Traum getäuscht—Die sind's, Die waren Zugegen—Es ist fürchterliche Wahrheit!

Unglückliche, wo habt ihr ihn verborgen?

(Sie geht mit heftigem Schritt auf den Chor zu, der sich von ihr abwendet. Ein Trauermarsch läßt sich in der Ferne hören.)

Chor.

Weh! Wehe!

Isabella.

Wen verborgen? Was ist wahr?

Ihr schweigt bestürzt—Ihr scheint sie zu verstehn. Ich les' in euren Augen, eurer Stimme

Gebrochnen Tönen etwas Unglücksel'ges,

Das mir zurückgehalten wird—Was ist's?

Ich will es wissen. Warum heftet ihr

So schreckensvolle Blicke nach der Thüre?

Und was für Töne hör' ich da erschallen?

Chor. (Bohemund.)

Es naht sich! Es wird sich mit Schrecken klären. Sei stark, Gebieterin, stähle dein Herz!

Mit Fassung ertrage, was dich erwartet,

Mit männlicher Seele den tödtlichen Schmerz!

Isabella.

Was naht sich? Was erwartet mich?—Ich höre

Der Todtenklage fürchterlichen Ton

Das Haus durchdringen—Wo sind meine Söhne?

(Der erste Halbchor bringt den Leichnam Don Manuels auf einer Bahre getragen, die er auf der leer gelassenen Seite der Scene niedersetzt. Ein schwarzes Tuch ist darüber gebreitet.)

 

Vierter Auftritt.

 

Isabella. Beatrice. Diego. Beide Chöre.

Erster Chor. (Cajetan.)

Durch die Straßen der Städte,

Vom Jammer gefolget,

Schreitet das Unglück—

Lauernd umschleicht es

Die Häuser der Menschen,

Heute an dieser

Pforte pocht es,

Morgen an jener,

Aber noch keinen hat es verschont.

Die unerwünschte

Schmerzliche Botschaft,

Früher oder später,

Bestellt es an jeder

Schwelle, wo ein Lebendiger wohnt.

(Berengar.)

Wenn die Blätter fallen

In des Jahres Kreise,

Wenn zum Grabe wallen

Entnervte Greise,

Da gehorcht die Natur

Ruhig nur

Ihrem alten Gesetze,

Ihrem ewigen Brauch,

Da ist nichts, was den Menschen entsetze!

Aber das Ungeheure auch

Lerne erwarten im irdischen Leben!

Mit gewaltsamer Hand

Löst der Mord auch das heiligste Band,

In sein stygisches Boot

Raffet der Tod

Auch der Jugend blühendes Leben!

(Cajetan.)

Wenn die Wolken gethürmt den Himmel schwärzen, Wenn dumpftosend der Donner hallt,

Da, da fühlen sich alle Herzen

In des furchtbaren Schicksals Gewalt.

Aber auch aus entwölkter Höhe

Kann der zündende Donner schlagen

Darum in deinen fröhlichen Tagen

Fürchte des Unglücks tückische Nähe!

Nicht an die Güter hänge dein Herz,

Die das Leben vergänglich zieren!

Wer besitzt, der lerne verlieren, Wer im Glück ist, der lerne den Schmerz.

Isabella.

Was soll ich hören? Was verhüllt dies Tuch?

(Sie macht einen Schritt gegen die Bahre, bleibt aber unschlüssig zaudernd stehen.)

Es zieht mich grausend hin und zieht mich schaudernd Mit dunkler, kalter Schreckenshand zurück.

(Zu Beatrice, welche sich zwischen sie und die Bahre geworfen.) Laß mich! Was es auch sei, ich will's enthüllen! (Sie hebt das Tuch auf und entdeckt Don Manuels Leichnam.) O himmlische Mächte, es ist mein Sohn!

(Sie bleibt mit starrem Entsetzen stehen—Beatrice sinkt mit einem Schrei des Schmerzens neben der Bahre nieder.)

Chor. (Cajetan, Berengar, Manfred.)

Unglückliche Mutter! Es ist dein Sohn!

Du hast es gesprochen, das Wort des Jammers, Nicht meinen Lippen ist es entflohn.

Isabella.

Mein Sohn! Mein Manuel!—O, ewige

Erbarmung—So muß ich dich wieder finden!

Mit deinem Leben mußtest du die Schwester

Erkaufen aus des Räubers Hand!—Wo war

Dein Bruder, daß sein Arm dich nicht beschützte? —O, Fluch der Hand, die diese Wunde grub!

Fluch ihr, die den Verderblichen geboren,

Der mir den Sohn erschlug! Fluch seinem ganzen Geschlecht!

Chor.

Wehe! Wehe! Wehe! Wehe!

Isabella.

So haltet ihr mir Wort, ihr Himmelsmächte?

Das, das ist eure Wahrheit? Wehe Dem,

Der euch vertraut mit redlichem Gemüth!

Worauf hab' ich gehofft, wovor gezittert,

Wenn dies der Ausgang ist!—O, die ihr hier

Mich schreckenvoll umsteht, an meinem Schmerz Die Blicke weidend, lernt die Lügen kennen,

Womit die Träume uns, die Seher täuschen!

Glaube noch einer an der Götter Mund!

—Als ich mich Mutter fühlte dieser Tochter,

Da träumte ihrem Vater eines Tages,

Er säh' aus seinem hochzeitlichen Bette

Zwei Lorbeerbäume wachsen—Zwischen ihnen Wuchs eine Lilie empor; sie ward

Zur Flamme, die der Bäume dicht Gezweig ergriff Und, um sich wüthend, schnell das ganze Haus In ungeheurer Feuersfluth verschlang.

Erschreckt von diesem seltsamen Gesichte,

Befrug der Vater einen Vogelschauer

Und schwarzen Magier um die Bedeutung.

Der Magier erklärte: wenn mein Schooß

Von einer Tochter sich entbinden würde,

So würde sie die beiden Söhne ihm

Ermorden und vertilgen seinen Stamm!

Chor. (Cajetan und Bohemund.)

Gebieterin, was sagst du? Wehe! Wehe!

Isabella.

Darum befahlt der Vater, sie zu tödten;

Doch ich entrückte sie dem Jammerschicksal.

—Die arme Unglückselige! Verstoßen

Ward sie als Kind aus ihrer Mutter Schooß,

Daß sie, erwachsen, nicht die Brüder morde!

Und jetzt durch Räubershände fällt der Bruder, Nicht die Unschuldige hat ihn getödtet!

Chor.

Wehe! Wehe! Wehe! Wehe!

Isabella.

Keinen Glauben Verdiente mir des Götzendieners Spruch,

Ein beßres Hoffen stärkte meine Seele.

Denn mir verkündigte ein andrer Mund,

Den ich für wahrhaft hielt, von dieser Tochter:

"In heißer Liebe würde sie dereinst

"Der Söhne Herzen mir vereinigen."

—So widersprachen die Orakel sich,

Den Fluch zugleich und Segen auf das Haupt

Der Tochter legend—Nicht den Fluch hat sie

Verschuldet, die Unglückliche! Nicht Zeit

Ward ihr gegönnt, den Segen zu vollziehen.

Ein Mund hat, wie der andere, gelogen!

Die Kunst der Seher ist ein eitles Nichts,

Betrüger sind sie oder sind betrogen.

Nichts Wahres läßt sich von der Zukunft wissen, Du schöpfest drunten an der Hölle Flüssen,

Du schöpfest droben an dem Quell des Lichts.

Erster Chor. (Cajetan.)

Wehe! Wehe! Was sagst du? Halt ein, halt ein!

Bezähme der Zunge verwegenes Toben!

Die Orakel sehen und treffen ein,

Der Ausgang wird die Wahrhaftigen loben!

Isabella.

Nicht zähmen will ich meine Zunge, laut,

Wie mir das Herz gebietet, will ich reden.

Warum besuchen wir die heil'gen Häuser

Und heben zu dem Himmel fromme Hände?

Gutmüth'ge Thoren, was gewinnen wir

Mit unserm Glauben? So unmöglich ist's,

Die Götter, die hochwohnenden, zu treffen,

Als in den Mond mit einem Pfeil zu schießen.

Vermauert ist dem Sterblichen die Zukunft,

Und kein Gebet durchbohrt den ehrnen Himmel. Ob rechts die Vögel fliegen oder links,

Die Sterns so sich oder anders fügen,

Nicht Sinn ist in dem Buche der Natur,

Die Traumkunst träumt, und alle Zeichen trügen. Zweiter Chor. (Bohemund.)

Halt ein, Unglückliche! Wehe! Wehe!

Du leugnest der Sonne leuchtendes Licht

Mit blinden Augen! Die Götter leben,

Erkenne sie, die dich furchtbar umgeben!

(Alle Ritter.)

Die Götter leben, die Götter leben,

Erkenne sie, die dich furchtbar umgeben!

Beatrice.

O Mutter! Mutter! Warum hast du mich

Gerettet! Warum warfst du mich nicht hin

Dem Fluch, der, eh' ich war, mich schon verfolgte? Blödsicht'ge Mutter! Warum dünktest du

Dich weiser, als die Alles Schauenden,

Die Nah' und Fernes an einander knüpfen

Und in der Zukunft späte Saaten sehn?

Dir selbst und mir, uns allen zum Verderben

Hast du den Todesgöttern ihren Raub,

Den sie gefordert, frevelnd vorenthalten!

Jetzt nehmen sie ihn zweifach, dreifach selbst.

Nicht dank' ich dir das traurige Geschenk,

Dem Schmerz, dem Jammer hast du mich erhalten!

Erster Chor (Cajetan.) (in heftiger Bewegung nach der Thüre sehend). Brechet auf, ihr Wunden,

Fließet, fließet!

In schwarzen Güssen

Stürzet hervor, ihr Bäche des Bluts!

(Berengar.)

Eherner Füße

Rauschen vernehm' ich,

Höllischer Schlangen

Zischendes Tönen,

Ich erkenne der Furien Schritt!

(Cajetan.)

Stürzet ein, ihr Wände!

Versink, o Schwelle,

Unter der schrecklichen Füße Tritt!

Schwarze Dämpfe, entsteiget, entsteiget

Qualmend dem Abgrund! Verschlinget des Tages Lieblichen Schein!

Schützende Götter des Hauses, entweichet!

Lasst die rächenden Göttinnen ein!

 

Fünfter Auftritt.

 

Don Cesar. Isabella. Beatrice. Der Chor.

Beim Eintritt des Don Cesar zertheilt sich der Chor in fliehender Bewegung vor ihm; er bleibt allein in der Mitte der Scene stehen.

Beatrice.

Weh mir, er ist's!

Isabella (tritt ihm entgegen).

O mein Sohn Cesar! Muß ich so

Dich wiedersehen—O, blick her und sieh

Den Frevel einer gottverfluchten Hand!

(Führt ihn zu dem Leichnam.)

Don Cesar (tritt mit Entsetzen zurück, das Gesicht verhüllend).

Erster Chor. (Cajetan, Berengar.)

Brechet auf, ihr Wunden!

Fließet, fließet!

In schwarzen Güssen

Strömet hervor, ihr Bäche des Bluts!

Isabella.

Du schauderst und erstarrst!—Ja, das ist Alles

Was dir noch übrig ist von deinem Bruder!

Da liegen meine Hoffnungen—Sie stirbt

Im Keim, die junge Blume eures Friedens, Und keine schöne Früchte sollt' ich schauen.

Don Cesar.

Tröste dich, Mutter! Redlich wollten wir

Den Frieden, aber Blut beschloß der Himmel.

Isabella.

O, ich weiß, du liebtest ihn, ich sah entzückt

Die schönen Bande zwischen euch sich flechten! An deinem Herzen wolltest du ihn tragen,

Ihm reich ersetzen die verlornen Jahre.

Der blut'ge Mord kam deiner schönen Liebe

Zuvor—Jetzt kannst du nichts mehr, als ihn rächen.

Don Cesar.

Komm, Mutter, komm! Hier ist kein Ort für dich, Entreiß dich diesem unglücksel'gen Anblick! (Er will sie fortziehen.)

Isabella (fällt ihm um den Hals).

Du lebst mir noch! Du, jetzt mein Einziger!

Beatrice.

Weh, Mutter! Was beginnst du?

Don Cesar.

Weine dich aus

An diesem treuen Busen! Unverloren

Ist dir der Sohn, denn seine Liebe lebt

Unsterblich fort in deines Cesars Brust.

Erster Chor. (Cajetan, Berengar, Manfred.)

Brechet auf, ihr Wunden!

Redet, ihr stummen!

In schwarzen Fluthen

Stürzet hervor, ihr Bäche des Bluts!

Isabella (Beider Hände fassend).

O meine Kinder!

Don Cesar.

Wie entzückt es mich,

In deinen Armen sie zu sehen, Mutter!

Ja, laß sie deine Tochter sein! Die Schwester—

Isabella (unterbricht ihn).

Dir dank' ich die Gerettete, mein Sohn!

Du hieltest Wort, du hast sie mir gesendet.

Don Cesar (erstaunt).

Wen, Mutter, sagst du, hab' ich dir gesendet?

Isabella.

Sie mein' ich, die du vor dir siehst, die Schwester.

Don Cesar.

Sie meine Schwester?

Isabella.

Welche andre sonst?

Don Cesar.

Meine Schwester?

Isabella.

Die du selber mir gesendet.

Don Cesar.

Und seine Schwester!

Chor.

Wehe! Wehe! Wehe!

Beatrice.

O, meine Mutter!

Isabella.

Ich erstaune—Redet!

Don Cesar.

So ist der Tag verflucht, der mich geboren!

Isabella.

Was ist dir? Gott!

Don Cesar.

Verflucht der Schooß, der mich

Getragen!—Und verflucht sei deine Heimlichkeit, Die all dies Gräßliche verschuldet! Falle

Der Donner nieder, der dein Herz zerschmettert, Nicht länger halt' ich schonen ihn zurück—

Ich selber, wiss' es, ich erschlug den Bruder,

In ihren Armen überrascht' ich ihn;

Sie ist es, die ich liebe, die zur Braut

Ich mir gewählt—den Bruder aber fand ich

In ihren Armen—Alles weißt du nun!

—Ist sie wahrhaftig seine, meine Schwester,

So bin ich schuldig einer Gräuelthat,

Die keine Reu' und Büßung kann versöhnen!

Chor. (Bohemund.)

Es ist gesprochen, du hast es vernommen,

Das Schlimmste weißt du, nichts ist mehr zurück! Wie die Seher verkündet, so ist es gekommen,

Denn noch Niemand entfloh dem verhängten Geschick. Und wer sich vermißt, es klüglich zu wenden,

Der muß es selber erbauend vollenden.

Isabella.

Was kümmert's mich noch, ob die Götter sich

Als Lügner zeigen, oder sich als wahr

Bestätigen? Mir haben sie das Ärgste

Gethan—Trotz biet' ich ihnen, mich noch härter Zu treffen, als sie trafen—Wer für nichts mehr

Zu zittern hat, der fürchtet sie nicht mehr.

Ermordet liegt mir der geliebte Sohn,

Und von dem lebenden scheid' ich mich selbst. Er ist mein Sohn nicht—Einen Basilisken

Hab' ich erzeugt, genährt an meiner Brust,

Der mir den bessern Sohn zu Tode stach.

—Komm, meine Tochter! Hier ist unsers Bleibens Nicht mehr—den Rachegeistern überlass' ich

Dies Haus—ein Frevel führte mich herein,

Ein Frevel treibt mich aus—Mit Widerwillen

Hab' ich's betreten und mit Furcht bewohnt,

Und in Verzweiflung räum' ich's—Alles dies

Erleid' ich schuldlos; doch bei Ehren bleiben

Die Orakel, und gerettet sind die Götter.

(Sie geht ab. Diego folgt ihr.)

 

Sechster Auftritt.

 

Beatrice. Don Cesar. Der Chor.

Don Cesar (Beatricen zurückhaltend).

Bleib, Schwester! Scheide du nicht so von mir! Mag mir die Mutter fluchen, mag dies Blut

Anklagend gegen mich zum Himmel rufen,

Mich alle Welt verdammen! Aber du

Fluche mir nicht! Von dir kann ich's nicht tragen!

Beatrice (zeigt mit abgewandtem Gesicht auf den Leichnam).

Don Cesar.

Nicht den Geliebten hab' ich dir getödtet!

Den Bruder hab' ich dir und hab' ihn mir

Gemordet—Dir gehört der Abgeschiedne jetzt

Nicht näher an, als ich, der Lebende,

Und ich bin mitleidswürdiger, als er,

Denn er schied rein hinweg, und ich bin schuldig.

Beatrice (bricht in heftige Thränen aus).

Don Cesar.

Weine um den Bruder, ich will mit dir weinen,

Und mehr noch—rächen will ich ihn! Doch nicht Um den Geliebten weine! Diesen Vorzug,

Den du dem Todten gibst, ertrag' ich nicht.

Den einz'gen Trost, den letzten, laß mich schöpfen Aus unsers Jammers bodenloser Tiefe,

Daß er dir näher nicht gehört, als ich—

Denn unser furchtbar aufgelöstes Schicksal

Macht unsre Rechte gleich, wie unser Unglück. In einen Fall verstrickt, drei liebende

Geschwister, gehen wir vereinigt unter

Und theilen gleich der Thränen traurig Recht.

Doch wenn ich denken muß, daß deine Trauer

Mehr dem Geliebten als dem Bruder gilt,

Dann mischt sich Wuth und Neid in meinen Schmerz, Und mich verläßt der Wehmuth letzter Trost.

Nicht freudig, wie ich gerne will, kann ich

Das letzte Opfer seinen Manen bringen;

Doch sanft nachsenden will ich ihm die Seele,

Weiß ich nur, daß du meinen Staub mit seinem In einem Aschenkruge sammeln wirst.

(Den Arm um sie schlingend, mit einer leidenschaftlich zärtlichen Heftigkeit.)

Dich liebt' ich, wie ich nichts zuvor geliebt,

Da du noch eine Fremde für mich warst.

Weil ich dich liebte über alle Grenzen,

Trag' ich den schweren Fluch des Brudermords, Liebe zu dir war meine ganze Schuld.

—Jetzt bist du meine Schwester, und dein Mitleid Fordr' ich von dir als einen heil'gen Zoll.

(Er sieht sie mit ausforschenden Blicken und schmerzlicher Erwartung an, dann wendet er sich mit Heftigkeit von ihr.)

Nein, nein, nicht sehen kann ich diese Thränen— In dieses Todten Gegenwart verläßt

Der Muth mich, und die Brust zerreißt der Zweifel— —Laß mich im Irrthum! Weine im Verborgnen! Sieh nie mich wieder—niemals mehr—Nicht dich, Nicht deine Mutter will ich wieder sehen,

Sie hat mich nie geliebt! Verrathen endlich

Hat sich ihr Herz, der Schmerz hat es geöffnet.

Sie nannt' ihn ihren bessern Sohn!—So hat sie

Verstellung ausgeübt ihr ganzes Leben!

—Und du bist falsch, wie sie! Zwinge dich nicht! Zeig' deinen Abscheu! Mein verhaßtes Antlitz

Sollst du nicht wieder sehn! Geh hin auf ewig!

(Er geht ab. Sie steht unschlüssig, im Kampf widersprechender Gefühle, dann reißt sie sich los und geht.)

 

Siebenter Auftritt.

 

Chor. (Cajetan.) — — — — — — —

Wohl Dem! Selig muß ich ihn preisen,

Der in der Stille der ländlichen Flur,

Fern von des Lebens verworrenen Kreisen,

Kindlich liegt an der Brust der Natur.

Denn das Herz wird mir schwer in der Fürsten Palästen, Wenn ich herab vom Gipfel des Glücks

Stürzen sehe die Höchsten, die Besten

In der Schnelle des Augenblicks!

Und auch Der hast sich wohl gebettet,

Der aus der stürmischen Lebenswelle,

Zeitig gewarnt, sich heraus gerettet

In des Klosters friedliche Zelle,

Der die stachelnde Sucht der Ehren

Von sich warf und die eitle Lust

Und die Wünsche, die ewig begehren,

Eingeschläfert in ruhiger Brust.

Ihn ergreift in dem Lebensgewühle

Nicht der Leidenschaft wilde Gewalt,

Nimmer in seinem stillen Asyle

Sieht er der Menschheit traur'ge Gestalt.

Nur in bestimmter Höhe ziehet

Das Verbrechen hin und das Ungemach,

Wie die Pest die erhabnen Orte fliehet,

Dem Qualm der Städte wälzt es sich nach.

(Berengar, Bohemund und Manfred.)

Auf den Bergen ist Freiheit! Der Hauch der Grüfte Steigt nicht hinauf in die reinen Lüfte;

Die Welt ist vollkommen überall,

Wo der Mensch nicht hinkommt mit seiner Qual.

(Der ganze Chor wiederholt.)

Auf den Bergen u. s. w.

 

Achter Auftritt.

 

Don Cesar. Der Chor.

Don Cesar (gefaßter).

Das Recht des Herrschers üb' ich aus zum letzten Mal, Dem Grab zu übergeben diesen theuren Leib,

Denn dieses ist der Todten letzte Herrlichkeit.

Vernehmt denn meines Willens ernstlichen Beschluß, Und wie ich's euch gebiete, also übt es aus

Genau—Euch ist in frischem Angedenken noch Das ernste Amt, denn nicht von langen Zeiten ist's, Daß ihr zur Gruft begleitet eures Fürsten Leib.

Die Todtenklage ist in diesen Mauern kaum

Verhallt, und eine Leiche drängt die andre fort

Ins Grab, daß eine Fackel ander andern sich

Anzünden, auf der Treppe Stufen sich der Zug

Der Klagemänner fast begegnen mag.

So ordnet denn ein feierlich Begräbnißfest

In dieses Schlosses Kirche, die des Vaters Staub Verwahrt, geräuschlos bei verschloßnen Pforten an, Und Alles werde, wie es damals war, vollbracht.

Chor. (Bohemund.)

Mit schnellen Händen soll dies Werk bereitet sein, O Herr—denn aufgerichtet steht der Katafalk,

Ein Denkmal jener ernsten Festlichkeit, noch da, Und an den Bau des Todes rührte keine Hand.

Don Cesar.

Das war kein glücklich Zeichen, daß des Grabes Mund Geöffnet blieb im Hause der Lebendigen.

Wie kam's, daß man das unglückselige Gerüst

Nicht nach vollbrachtem Dienste alsobald zerbrach?

Chor. (Bohemund.)

Die Noth der Zeiten und der jammervolle Zwist, Der gleich nachher, Messina feindlich theilend, sich Entflammt, zog unsre Augen von den Todten ab, Und öde blieb, verschlossen dieses Heiligthum.

Don Cesar.

Ans Werk denn eilet ungesäumt! Noch diese Nacht Vollende sich das mitternächtliche Geschäft!

Die nächste Sonne finde von Verbrechen rein

Das Haus und leuchte einem fröhlichen Geschlecht.

(Der zweite Chor entfernt sich mit Don Manuels Leichnam.)

Erster Chor. (Cajetan.)

Soll ich der Mönche fromme Brüderschaft hieher Berufen, daß sie nach der Kirche altem Brauch Das Seelenamt verwalte und mit heil'gem Lied Zur ew'gen Ruh einsegne den Begrabenen?

Don Cesar.

Ihr frommes Lied mag fort und fort an unserm Grab Auf ew'ge Zeiten schallen bei der Kerze Schein; Doch heute nicht bedarf es ihres reinen Amts,

Der blut'ge Mord verscheucht das Heilige.

Chor. (Cajetan.)

Beschließe nichts gewaltsam Blutiges, o Herr,

Wider sich selber wüthend mit Verzweiflungsthat; Denn auf der Welt lebt Niemand, der dich strafen kann, Und fromme Büßung kauft den Zorn des Himmels ab.

Don Cesar.

Nicht auf der Welt lebt, wer mich richten strafen kann, Drum muß ich selber an mir selber es vollziehn. Bußfert'ge Sühne, weiß ich, nimmt der Himmel an; Doch nur mit Blut büßt sich ab der blut'ge Mord.

Chor. (Cajetan.)

Des Jammers Fluthen, die auf dieses Haus gestürmt, Ziemt dir zu brechen, nicht zu häufen Leid auf Leid.

Don Cesar.

Den alten Fluch des Hauses lös' ich sterbend auf, Der freie Tod nur bricht die Kette des Geschicks.

Chor. (Cajetan.)

Zum Herrn bist du dich schuldig dem verwaisten Land, Weil du des andern Herrscherhauptes uns beraubt.

Don Cesar.

Zuerst den Todesgöttern zahl' ich meine Schuld, Ein andrer Gott mag sorgen für die Lebenden.

Chor. (Cajetan.)

So weit die Sonne leuchtet, ist die Hoffnung auch, Nur von dem Tod gewinnt sich nichts! Bedenk' es wohl!

Don Cesar.

Du selbst bedenke schweigend deine Dienerpflicht! Mich laß dem Geist gehorchend, der mich furchtbar treibt, Denn in das Innre kann kein Glücklicher mir schaun. Und ehrst du fürchtend auch den Herrscher nicht in mir, Den Verbrecher fürchte, den der Flüche schwerster drückt! Das Haupt verehre des Unglücklichen,

Das auch den Göttern heilig ist—Wer das erfuhr, Was ist erleide und im Busen fühle,

Gibt keinem Irdischen mehr Rechenschaft.

 

Neunter Auftritt.

Donna Isabella. Don Cesar. Der Chor.

Isabella (kommt mit zögernden Schritten und wirft unschlüssige Blicke auf Don Cesar. Endlich tritt sie ihm näher und spricht mit gefaßtem Ton).

Dich sollten meine Augen nicht mehr schauen, So hatt' ich mir's in meinem Schmerz gelobt;

Doch in die Luft verwehen die Entschlüsse,

Die eine Mutter, unnatürlich wüthend,

Wider des Herzens Stimme faßt—Mein Sohn!

Mich treibt ein unglückseliges Gerücht

Aus meines Schmerzens öden Wohnungen

Hervor—Soll ich ihm glauben? Ist es wahr,

Daß mir ein Tag zwei Söhne rauben soll?

Chor. (Cajetan.)

Entschlossen siehst du ihn, festen Muths,

Hinab zu gehen mit freiem Schritte

Zu des Todes traurigen Thoren.

Erprobe du jetzt die Kraft des Blutes,

Die Gewalt der rührenden Mutterbitte!

Meine Worte hab' ich umsonst verloren.

Isabella.

Ich rufe die Verwünschungen zurück,

Die ich im blinden Wahnsinn der Verzweiflung Auf dein geliebtes Haupt herunter rief.

Eine Mutter kann des eignen Busens Kind,

Das sie mit Schmerz geboren, nicht verfluchen. Nicht hört der Himmel solche sündige

Gebete; schwer von Thränen, fallen sie

Zurück von seinem leuchtenden Gewölbe.

—Lebe, mein Sohn! Ich will den Mörder lieber sehn Des einen Kindes, als um beide weinen.

Don Cesar.

Nicht wohl bedenkst du, Mutter, was du wünschest Dir selbst und mir—Mein Pfad kann nicht mehr sein Bei den Lebendigen—Ja, könntest du Des Mörders gottverhaßtes Antlitz auch

Ertragen, Mutter, ich ertrüge nicht

Den stummen Vorwurf deines ew'gen Grams.

Isabella.

Kein Vorwurf soll dich kränken, keine laute,

Noch stumme Klage in das Herz dir schneiden. In milder Wehmuth wird der Schmerz sich lösen, Gemeinsam trauernd, wollen wir das Unglück

Beweinen und bedecken das Verbrechen.

Don Cesar (faßt ihre Hand, mit sanfter Stimme). Das wirst du, Mutter. Also wird's geschehn.

In milder Wehmuth wird dein Schmerz sich lösen— Dann, Mutter, wenn ein Todtenmal den Mörder Zugleich mit dem Gemordeten umschließt,

Ein Stein sich wölbet über beider Staube,

Dann wird der Fluch entwaffnet sein—Dann wirst Du deine Söhne nicht mehr unterscheiden,

Die Thränen, die dein schönes Auge weint,

Sie werden einem wie dem andern gelten,

Ein mächtiger Vermittler ist der Tod.

Da löschen alle Zornesflammen aus,

Der Haß versöhnt sich, und das schöne Mitleid Neigt sich, ein weinend Schwesterbild, mit sanft Anschmiegender Umarmung auf die Urne.

Drum, Mutter, wehre du mir nicht, daß ich

Hinuntersteige und den Fluch versöhne.

Isabella.

Reich ist die Christenheit an Gnadenbildern,

Zu denen wallend ein gequältes Herz

Kann Ruhe finden. Manche schwere Bürde

Ward abgeworfen in Lorettos Haus,

Und segensvolle Himmelskraft umweht

Das heil'ge Grab, das alle Welt entsündigt.

Vielkräftig auch ist das Gebet der Frommen,

Sie haben reichen Vorrath an Verdienst,

Und auf der Stelle, wo ein Mord geschah, Kann sich ein Tempel reinigend erheben.

Don Cesar.

Wohl läßt der Pfeil sich aus dem Herzen ziehn, Doch nie wird das verletzte mehr gesunden.

Lebe, wer's kann, ein Leben der Zerknirschung, Mit strengen Bußkasteiungen allmählich

Abschöpfend eine ew'ge Schuld—Ich kann

Nicht leben, Mutter, mit gebrochnem Herzen.

Aufblicken muß ich freudig zu den Frohen

Und in den Äther greifen über mir

Mit freiem Geist—Der Neid vergiftete mein Leben, Da wir noch deine Liebe gleich getheilt.

Denkst du, daß ich den Vorzug werde tragen,

Den ihm dein Schmerz gegeben über mich?

Der Tod hat eine reinigende Kraft,

In seinem unvergänglichen Palaste

Zu echter Tugend reinem Diamant

Das Sterbliche zu läutern und die Flecken

Der mangelhaften Menschheit zu verzehren.

Weit, wie die Sterne abstehn von der Erde,

Wird er erhaben stehen über mir,

Und hat der alte Neid uns in dem Leben

Getrennt, da wir noch gleich Brüder waren,

So wurd er rastlos mir das Herz zernagen,

Nun er das Ewige mir abgewann

Und, jenseits alles Wettstreits, wie ein Gott

In der Erinnerung der Menschen wandelt.

Isabella.

O, hab' ich euch nur darum nach Messina

Gerufen, um euch Beide zu begraben!

Euch zu versöhnen, rief ich euch hieher,

Und ein verderblich Schicksal kehret all

Mein Hoffen in sein Gegentheil mir um!

Don Cesar.

Schilt nicht den Ausgang, Mutter! Es erfüllt

Sich Alles, was versprochen ward. Wir zogen ein Mit Friedenshoffnungen in diese Thore,

Und friedlich werden wir zusammen ruhn,

Versöhnt auf ewig, in dem Haus des Todes.

Isabella.

Lebe, mein Sohn! Laß deine Mutter nicht

Freundlos im Land der Fremdlinge zurück,

Rohherziger Verhöhnung preisgegeben,

Weil sie der Söhne Kraft nicht mehr beschützt.

Don Cesar.

Wenn alle Welt dich herzlos kalt verhöhnt

So flüchte du dich hin zu unserm Grabe

Und rufe deiner Söhne Gottheit an;

Denn Götter sind wir dann, wir hören dich,

Und wie des Himmels Zwillinge, dem Schiffer Ein leuchtend Sternbild, wollen wir mit Trost

Die nahe sein und deine Seele stärken.

Isabella.

Lebe, mein Sohn! Für deine Mutter lebe!

Ich kann's nicht tragen, Alles zu verlieren!

(Sie schlingt ihre Arme mit leidenschaftlicher Heftigkeit um ihn; er macht sich sanft von ihr los und reicht ihr die Hand mit abgewandtem Gesicht.)

Don Cesar.

Leb wohl!

Isabella.

Ach, wohl erfahr' ich's schmerzlich fühlend nun, Daß nichts die Mutter über dich vermag!

Gibt's keine andre Stimme, welche dir

Zum Herzen mächt'ger als die meine dringt?

(Sie sieht nach dem Eingang der Scene.)

Komm, meine Tochter! Wenn der todte Bruder Ihn so gewaltig nachzieht in die Gruft,

So mag vielleicht die Schwester, die geliebte,

Mit schöner Lebenshoffnung Zauberschein Zurück ihn locken in das Licht der Sonne.

 

Letzter Auftritt.

 

Beatrice erscheint am Eingang der Scene. Donna Isabella. Don Cesar und der Chor.

Don Cesar (bei ihrem Anblick heftig bewegt sich verhüllend). O Mutter! Mutter! Was ersannest du?

Isabella (führt sie vorwärts).

Die Mutter hat umsonst zu ihm gefleht,

Beschwöre du, erfleh' ihn, daß er lebe!

Don Cesar.

Arglist'ge Mutter! Also prüfst du mich!

In neuen Kampf willst du zurück mich stürzen? Das Licht der Sonne mir noch theurer machen

Auf meinem Wege zu der ew'gen Nacht?

—Da steht der holde Lebensengel mächtig

Vor mir, und tausend Blumen schüttet er

Und tausend goldne Früchte lebenduftend

Aus reichem Füllhorn strömend vor mir aus,

Das Herz geht auf im warmen Strahl der Sonne, Und neu erwacht in der erstorbnen Brust

Die Hoffnung wieder und die Lebenslust.

Isabella.

Fleh' ihn, dich oder Niemand wird er hören,

Daß er den Stab nicht raube dir und mir.

Beatrice.

Ein Opfer fordert der geliebte Todte;

Es soll ihm werden, Mutter—Aber mich

Laß dieses Opfer sein! Dem Tode war ich

Geweiht, eh' ich das Leben sah. Mich fordert

Der Fluch, der dieses Haus verfolgt, und Raub Am Himmel ist das Leben, das ich lebe.

Ich bin's, die ihn gemordet, eures Streits

Entschlafne Furien geweckte—Mir

Gebührt es, seine Manen zu versöhnen!

Chor. (Cajetan.)

O jammervolle Mutter! Hin zum Tod

Drängen sich eifernd alle deine Kinder

Und lassen dich allein, verlassen stehen

Um freudlos öden, liebeleeren Leben.

Beatrice.

Du, Bruder, rette dein geliebtes Haupt!

Für deine Mutter lebe! Sie bedarf

Des Sohnes; erst heute fand sie eine Tochter,

Und leicht entbehrt sie, was sie nie besaß.

Don Cesar (mit tief verwundeter Seele).

Wir mögen leben, Mutter, oder sterben,

Wenn sie nur dem Geliebten sich vereinigt!

Beatrice.

Beneidest du des Bruders todten Staub?

Don Cesar.

Er lebt in deinem Schmerz ein selig Leben,

Ich werde ewig todt sein bei den Todten.

Beatrice.

O Bruder!

Don Cesar (mit dem Ausdruck der heftigsten Leidenschaft).

Schwester, weinest du um mich?

Beatrice.

Lebe für unsre Mutter!

Don Cesar (läßt ihre Hand los, zurücktretend).

Für die Mutter?

Beatrice (neigt sich an seine Brust).

Lebe für sie und tröste deine Schwester.

Chor. (Bohemund.)

Sie hat gesiegt! Dem rührenden Flehen

Der Schwester konnt' er nicht widerstehen.

Trostlose Mutter! Gieb Raum der Hoffnung,

Er erwählt das Leben, die bleibt dein Sohn!

(In diesem Augenblick läßt sich ein Chorgesang hören, die Flügelthüre wird geöffnet, man sieht in der Kirche den Katafalk aufgerichtet und den Sarg von Candelabern umgeben.)

Don Cesar (gegen den Sarg gewendet).

Nein, Bruder! Nicht dein Opfer will ich dir

Entziehen—deine Stimme aus dem Sarg

Ruft mächt'ger dringend als der Mutter Thränen Und mächt'ger als der Liebe Flehn—Ich halte

In meinen Armen, was das ird'sche Leben

Zu einem Loos der Götter machen kann—

Doch ich, der Mörder, sollte glücklich sein,

Und deine heil'ge Unschuld ungerächet

Im tiefen Grabe liegen?—Das verhüte

Der allgerechte Lenker unsrer Tage,

Daß solche Theilung sei in seiner Welt—

—Die Thränen sah ich, die auch mir geflossen, Befriedigt ist mein Herz, ich folge dir.

(Er durchsticht sich mit einem Dolch und gleitet sterbend an seiner Schwester nieder, die sich der Mutter in die Arme wirft.)

Chor (Cajetan.) (nach einem tiefen Schweigen).

Erschüttert steh' ich, weiß nicht, ob ich ihn

Bejammern oder preisen soll sein Loos.

Dies Eine fühl' ich und erkenn' es klar:

Das Leben ist der Güter höchstes nicht,

Der Übel größtes aber ist die Schuld.

Sie haben Die Braut von Messina zu Ende gelesen

Friedrich Schiller

Bücher wie dieses

Nach dem Buch

Seiten, die zu dieser Ausgabe gehören, hier zum Nachschlagen.

Hinweis von Project Gutenberg

*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, DIE BRAUT VON MESSINA ***

This file should be named 6496-8.txt or 6496-8.zip

Project Gutenberg eBooks are often created from several printed editions, all of which are confirmed as Public Domain in the US unless a copyright notice is included. Thus, we usually do not keep eBooks in compliance with any particular paper edition.

We are now trying to release all our eBooks one year in advance of the official release dates, leaving time for better editing. Please be encouraged to tell us about any error or corrections, even years after the official publication date.

Please note neither this listing nor its contents are final til midnight of the last day of the month of any such announcement. The official release date of all Project Gutenberg eBooks is at Midnight, Central Time, of the last day of the stated month. A preliminary version may often be posted for suggestion, comment and editing by those who wish to do so.

Most people start at our Web sites at: http://gutenberg.net or http://promo.net/pg

These Web sites include award-winning information about Project Gutenberg, including how to donate, how to help produce our new eBooks, and how to subscribe to our email newsletter (free!).

 

Those of you who want to download any eBook before announcement can get to them as follows, and just download by date. This is also a good way to get them instantly upon announcement, as the indexes our cataloguers produce obviously take a while after an announcement goes out in the Project Gutenberg Newsletter.

http://www.ibiblio.org/gutenberg/etext04 or

ftp://ftp.ibiblio.org/pub/docs/books/gutenberg/etext04

Or /etext03, 02, 01, 00, 99, 98, 97, 96, 95, 94, 93, 92, 92, 91 or 90

Just search by the first five letters of the filename you want, as it appears in our Newsletters.

Information about Project Gutenberg (one page)

We produce about two million dollars for each hour we work. The time it takes us, a rather conservative estimate, is fifty hours to get any eBook selected, entered, proofread, edited, copyright searched and analyzed, the copyright letters written, etc. Our projected audience is one hundred million readers. If the value per text is nominally estimated at one dollar then we produce $2 million dollars per hour in 2002 as we release over 100 new text files per month: 1240 more eBooks in 2001 for a total of 4000+ We are already on our way to trying for 2000 more eBooks in 2002 If they reach just 1-2% of the world's population then the total will reach over half a trillion eBooks given away by year's end.

The Goal of Project Gutenberg is to Give Away 1 Trillion eBooks! This is ten thousand titles each to one hundred million readers, which is only about 4% of the present number of computer users.

Here is the briefest record of our progress (* means estimated):

eBooks Year Month

1 1971 July

10 1991 January

100 1994 January

1000 1997 August

1500 1998 October

2000 1999 December

2500 2000 December

3000 2001 November

4000 2001 October/November

6000 2002 December*

9000 2003 November*

10000 2004 January*

 

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been created to secure a future for Project Gutenberg into the next millennium.

We need your donations more than ever!

As of February, 2002, contributions are being solicited from people and organizations in: Alabama, Alaska, Arkansas, Connecticut, Delaware, District of Columbia, Florida, Georgia, Hawaii, Illinois, Indiana, Iowa, Kansas, Kentucky, Louisiana, Maine, Massachusetts, Michigan, Mississippi, Missouri, Montana, Nebraska, Nevada, New Hampshire, New Jersey, New Mexico, New York, North Carolina, Ohio, Oklahoma, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, South Dakota, Tennessee, Texas, Utah, Vermont, Virginia, Washington, West Virginia, Wisconsin, and Wyoming.

We have filed in all 50 states now, but these are the only ones that have responded.

As the requirements for other states are met, additions to this list will be made and fund raising will begin in the additional states. Please feel free to ask to check the status of your state.

In answer to various questions we have received on this:

We are constantly working on finishing the paperwork to legally request donations in all 50 states. If your state is not listed and you would like to know if we have added it since the list you have, just ask.

While we cannot solicit donations from people in states where we are not yet registered, we know of no prohibition against accepting donations from donors in these states who approach us with an offer to donate.

International donations are accepted, but we don't know ANYTHING about how to make them tax-deductible, or even if they CAN be made deductible, and don't have the staff to handle it even if there are ways.

Donations by check or money order may be sent to:

Project Gutenberg Literary Archive Foundation

PMB 113

1739 University Ave.

Oxford, MS 38655-4109

Contact us if you want to arrange for a wire transfer or payment method other than by check or money order.

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been approved by the US Internal Revenue Service as a 501(c)(3) organization with EIN [Employee Identification Number] 64-622154. Donations are tax-deductible to the maximum extent permitted by law. As fund-raising requirements for other states are met, additions to this list will be made and fund-raising will begin in the additional states.

We need your donations more than ever!

You can get up to date donation information online at:

http://www.gutenberg.net/donation.html

 

***

If you can't reach Project Gutenberg, you can always email directly to:

Michael S. Hart <hart@pobox.com>

Prof. Hart will answer or forward your message.

We would prefer to send you information by email.

 

**The Legal Small Print**

 

(Three Pages)

***START**THE SMALL PRINT!**FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS**START*** Why is this "Small Print!" statement here? You know: lawyers. They tell us you might sue us if there is something wrong with your copy of this eBook, even if you got it for free from someone other than us, and even if what's wrong is not our fault. So, among other things, this "Small Print!" statement disclaims most of our liability to you. It also tells you how you may distribute copies of this eBook if you want to.

*BEFORE!* YOU USE OR READ THIS EBOOK By using or reading any part of this PROJECT GUTENBERG-tm eBook, you indicate that you understand, agree to and accept this "Small Print!" statement. If you do not, you can receive a refund of the money (if any) you paid for this eBook by sending a request within 30 days of receiving it to the person you got it from. If you received this eBook on a physical medium (such as a disk), you must return it with your request.

ABOUT PROJECT GUTENBERG-TM EBOOKS This PROJECT GUTENBERG-tm eBook, like most PROJECT GUTENBERG-tm eBooks, is a "public domain" work distributed by Professor Michael S. Hart through the Project Gutenberg Association (the "Project"). Among other things, this means that no one owns a United States copyright on or for this work, so the Project (and you!) can copy and distribute it in the United States without permission and without paying copyright royalties. Special rules, set forth below, apply if you wish to copy and distribute this eBook under the "PROJECT GUTENBERG" trademark.

Please do not use the "PROJECT GUTENBERG" trademark to market any commercial products without permission.

To create these eBooks, the Project expends considerable efforts to identify, transcribe and proofread public domain works. Despite these efforts, the Project's eBooks and any medium they may be on may contain "Defects". Among other things, Defects may take the form of incomplete, inaccurate or corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual property infringement, a defective or damaged disk or other eBook medium, a computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by your equipment.

LIMITED WARRANTY; DISCLAIMER OF DAMAGES But for the "Right of Replacement or Refund" described below, [1] Michael Hart and the Foundation (and any other party you may receive this eBook from as a PROJECT GUTENBERG-tm eBook) disclaims all liability to you for damages, costs and expenses, including legal fees, and [2] YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE OR UNDER STRICT LIABILITY, OR FOR BREACH OF WARRANTY OR CONTRACT, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR INCIDENTAL DAMAGES, EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH DAMAGES.

If you discover a Defect in this eBook within 90 days of receiving it, you can receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending an explanatory note within that time to the person you received it from. If you received it on a physical medium, you must return it with your note, and such person may choose to alternatively give you a replacement copy. If you received it electronically, such person may choose to alternatively give you a second opportunity to receive it electronically.

THIS EBOOK IS OTHERWISE PROVIDED TO YOU "AS-IS". NO OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, ARE MADE TO YOU AS TO THE EBOOK OR ANY MEDIUM IT MAY BE ON, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR A PARTICULAR PURPOSE.

Some states do not allow disclaimers of implied warranties or the exclusion or limitation of consequential damages, so the above disclaimers and exclusions may not apply to you, and you may have other legal rights.

INDEMNITY You will indemnify and hold Michael Hart, the Foundation, and its trustees and agents, and any volunteers associated with the production and distribution of Project Gutenberg-tm texts harmless, from all liability, cost and expense, including legal fees, that arise directly or indirectly from any of the following that you do or cause: [1] distribution of this eBook, [2] alteration, modification, or addition to the eBook, or [3] any Defect.

DISTRIBUTION UNDER "PROJECT GUTENBERG-tm" You may distribute copies of this eBook electronically, or by disk, book or any other medium if you either delete this "Small Print!" and all other references to Project Gutenberg, or:

[1] Only give exact copies of it. Among other things, this requires that you do not remove, alter or modify the eBook or this "small print!" statement. You may however, if you wish, distribute this eBook in machine readable binary, compressed, mark-up, or proprietary form, including any form resulting from conversion by word processing or hypertext software, but only so long as *EITHER*:

[*] The eBook, when displayed, is clearly readable, and does *not* contain characters other than those intended by the author of the work, although tilde (~), asterisk (*) and underline (_) characters may be used to convey punctuation intended by the author, and additional characters may be used to indicate hypertext links; OR

[*] The eBook may be readily converted by the reader at no expense into plain ASCII, EBCDIC or equivalent form by the program that displays the eBook (as is the case, for instance, with most word processors); OR

[*] You provide, or agree to also provide on request at no additional cost, fee or expense, a copy of the eBook in its original plain ASCII form (or in EBCDIC or other equivalent proprietary form).

[2] Honor the eBook refund and replacement provisions of this "Small Print!" statement.

[3] Pay a trademark license fee to the Foundation of 20% of the gross profits you derive calculated using the method you already use to calculate your applicable taxes. If you don't derive profits, no royalty is due. Royalties are payable to "Project Gutenberg Literary Archive Foundation" the 60 days following each date you prepare (or were legally required to prepare) your annual (or equivalent periodic) tax return. Please contact us beforehand to let us know your plans and to work out the details.

WHAT IF YOU *WANT* TO SEND MONEY EVEN IF YOU DON'T HAVE TO? Project Gutenberg is dedicated to increasing the number of public domain and licensed works that can be freely distributed in machine readable form.

The Project gratefully accepts contributions of money, time, public domain materials, or royalty free copyright licenses. Money should be paid to the:

"Project Gutenberg Literary Archive Foundation."

If you are interested in contributing scanning equipment or software or other items, please contact Michael Hart at: hart@pobox.com

[Portions of this eBook's header and trailer may be reprinted only when distributed free of all fees. Copyright (C) 2001, 2002 by Michael S. Hart. Project Gutenberg is a TradeMark and may not be used in any sales of Project Gutenberg eBooks or other materials be they hardware or software or any other related product without express permission.]

*END THE SMALL PRINT! FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS*Ver.02/11/02*END*