
Angela Borgia
Als die Angetraute des Erben von Ferrara, welche die Tochter des Papstes und Donna Lukrezia genannt war, von ihrem Gatten, Don Alfonso von Este, im Triumph nach ihrer neuen Residenz geholt wurde, ritt sie in der Mitte des glänzenden Zuges auf einem schneeweißen Zelter unter einem purpurnen Thronhimmel, beginnt Meyers Novelle: Die Professoren der Universität hielten ihr den Baldachin zu Häupten, und der Professor der Naturgeschichte erforschte die seltene Farbe ihrer hellen Augen und fand sie unbestimmbar, während der Professor der Moralwissenschaften sich ernstlich fragte, ob ein so frohes und sorgloses Geschöpf vor dem unheimlichen Hintergrund ihrer Vergangenheit überhaupt eine menschliche Möglichkeit sei. Der dritte, ein Mathematiker und Astrolog, hielt die Fürstin für ein natürliches Weib, das nur durch seltsame Konstellationen aus der Bahn getrieben worden sei, während ein vierter, ein Jüngling mit krausem Haar, die ganze schwebende Gestalt mit der Flamme seines Blickes verzehrte.






