Die ungleichen Schalen

Jakob Wassermann · Kapitel 7 von 7

PDF-Seiten

Die ungleichen Schalen

Hockenjos

 

Personen:

Karinkel, Bürgermeister

Bienemann, Redakteur

Mettenschleicher, Bildhauer

Hockenjos

Hannewickel, Stadtrat

Abendrot, Amtsschreiber

Binder, Kommissär

Ein Amtsdiener, ein Kellnerbursche

Spielt in einer kleinen süddeutschen Stadt.

 

Kanzlei des Bürgermeisters. Rechts und links Türen. Hinten zwei Fenster mit Aussicht auf einen von altertümlichen Häusern umgebenen Platz, in dessen Mitte das noch umhüllte Denkmal steht.

 

A b e n d r o t

(schlägt mit einem Aktenheft Fliegen tot)

Hin muscht werde! Pardon gibt’s net ... hätt’scht es vorher überlegt, mei Schätzle ... hin muscht werde, sag’ ich ...

 

K a r i n k e l

(ein untersetzter, glattrasierter, eiliger Mann, kommt; er ist im Frack)

Was treiben Sie denn da, Abendrot?

 

A b e n d r o t

Die Fliege schlag’ i tot, Herr Bürgermeischter.

 

K a r i n k e l

Die Fliegen schlagen Sie tot? Sind Sie verrückt, Mensch? Wo wir bis an den Hals in Arbeit stecken!

 

A b e n d r o t

Ich hab’ ja bei der Denkmalsenthüllung nix zu tun, Herr Bürgermeischter.

 

K a r i n k e l

Scheren Sie sich an die Arbeit. Und wenn Sie nichts zu tun haben, dann tun Sie wenigstens so, als ob Sie was zu tun hätten. Das fordert die Würde des Amtes. Der Professor Mettenschleicher muß jeden Moment kommen, – was soll er sich denken, wenn Sie Allotria treiben.

 

A b e n d r o t

Isch scho guet, Herr Bürgermeischter ...

 

K a r i n k e l

Keine Widerrede! Diese Biederkeit, diese ewige Treuherzigkeit! wie sie mir auf die Nerven geht! Ich weiß nicht, wo mir der Kopf steht, und der Mensch schlägt Fliegen tot. (Es klopft.) Herein!

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

(tritt ein; ein großer, würdevoll aussehender, schwarzbärtiger, seriöser Mann, ebenfalls

im Frack)

Guten Morgen.

 

K a r i n k e l

Guten Morgen, lieber Professor. Wie geht’s? wie steht’s? Gut geschlafen? gut geträumt? Hat unser bescheidenes Hotel Ihren Ansprüchen genügt? Oder haben Sie irgend welche Rekriminationen? Ich lege großen Wert darauf, daß es Ihnen bei

uns gefällt.

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

Danke, ich bin zufrieden. In so einem Städtchen wird mir immer behaglich zumut.

 

K a r i n k e l

Na, na, Professor ... Städtchen ...

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

Nun ja, es ist doch eine sehr kleine Stadt ...

 

K a r i n k e l

Eine sehr kleine Stadt? – Eine kleine Stadt, das eher. Aber es ist gut, daß Sie sich wohl fühlen. Man hat nicht oft die Freude, einen so berühmten Meister bewirten zu dürfen. Noch dazu bei so feierlichem Anlaß ...

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

(steif)

Zu viel Ehre.

 

K a r i n k e l

Sagen Sie mal, verehrter Professor, um unser gestriges Gespräch fortzusetzen ... (Zögert, da er sich der Gegenwart Abendrots erinnert.) Gehen Sie hinüber in den Schwan, Abendrot, und bestellen Sie mir ein Gabelfrühstück. Fragen Sie, – aber fragen Sie Herrn Gumpelmaier selber – was man haben kann. Etwas Warmes natürlich. Am liebsten etwas vom Kalb.

 

A b e n d r o t

Oder vielleicht Schweinsrippche?

 

K a r i n k e l

(tiefsinnig)

Schweinsrippchen ... nicht übel. Schweinsrippchen oder Kalbsherz. Auch saure Nieren wäre eine Idee. Beraten Sie sich nur mit Herrn Gumpelmaier, der kennt meinen Geschmack. Der Kellner soll laufen, damit die Sache unterwegs nicht kalt wird. Dann gehn Sie in die Redaktion des Tagesboten und fragen Sie Herrn Bienemann, ob er meine Rede schon fertig hat. Er soll sich sputen, um zwölf Uhr kommt der Prinz, da muß alles auf dem qui vive sein.

 

A b e n d r o t

Isch guet, Herr Bürgermeischter. (Ab.)

 

K a r i n k e l

(seufzend)

Du lieber Gott, bis man so der schwerfälligen Welt Beine macht, Professor –! (Knipst, eilig zur Tür, ruft.) Hallo! – Abendrot! – Abgebratene Kartoffel soll er mitschicken! Wie? Sie Esel! Der Schwanenwirt natürlich. (Kehrt zurück, abermals seufzend.) Ein Mann, der nur für sich selber verantwortlich ist, ist ein glücklicher Mann.

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

Wir dienen alle dem öffentlichen Wohl, Verehrtester. Jeder auf seine Weise.

 

K a r i n k e l

Aber nicht auf jeden sind beständig die Augen des Publikums gerichtet, teurer Freund. So wie auf Sie und auf mich. Wenn ich noch einmal auf die Welt käme, – wissen Sie, wonach es mich gelüsten würde? (Ausdrucksvoll.) Es würde mich darnach gelüsten, das Leben eines einsamen, unverheirateten Privatgelehrten zu führen. Was brauchte ich da Belobungen? Anerkennung von unten oder von oben? – Da hätte man sein Genügen in sich selber, da hätte man keinen Orden nötig. In meiner Position freilich muß ich dergleichen haben, um meinen Mitbürgern den Beweis zu liefern, daß ich ihres Vertrauens würdig bin.

M e t t e n s c h l e i c h e r

Zweifellos. Sie sind ja auf dem besten Weg –

 

K a r i n k e l

(erregt)

Es besteht also Aussicht –?

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

Gewiß. Man muß es nur delikat behandeln ...

 

K a r i n k e l

Wissen Sie, was ich mir überlegt habe, Professor? Ich könnte ja, falls man mir den Michaelsorden verweigert, auch mit dem Friedrichsorden vorlieb nehmen.

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

(vornehm belustigt von solcher Unwissenheit)

Der Friedrichsorden steht keineswegs niedriger im Rang als der Michaelsorden, mein lieber Bürgermeister. Der eine wie der andere wird nur dann verliehen, wenn sich der Betreffende in hervorragender Weise verdient gemacht hat.

 

K a r i n k e l

(in wachsender Erregung)

Seit zwanzig Jahren mache ich mich verdient, Professor. Ich tue ja überhaupt nichts anderes. Ich habe eine elektrische Beleuchtung, eine Wasserleitung, ein Findelhaus, einen Veteranenverein geschaffen; ich habe die Fortschritte der Sozialdemokratie nach Kräften aufgehalten, ich habe niemals und nach keiner Seite hin Anstoß erregt, weder bei der Geistlichkeit, noch bei der Regierung, – aber man kann sich doch nicht ausbieten! – Man hat doch seinen Stolz! Man wirkt in der Stille – und hofft, daß es bemerkt wird.

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

Alterieren Sie sich nicht, lieber Freund.

 

K a r i n k e l

Ich würde mich nicht beklagen, wenn es mir an loyaler Gesinnung gefehlt hätte. Denn ich begreife, daß die höchsten Kulturtaten nicht ins Gewicht fallen, wenn die loyale Gesinnung mangelt –

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

Freilich. Die loyale Gesinnung, die wird vorausgesetzt. Wohin kämen wir denn sonst!

 

K a r i n k e l

Das sagt sich leicht –: vorausgesetzt. Aber bis man sie erwirbt, bis man sie sozusagen einkeltert, damit sie süß und schmackhaft bleibt in all den Jahren, das ist nicht so einfach. Und nun habe ich noch dieses Denkmal gebaut –

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

Eben. Das war dringend nötig. Es gibt kaum mehr eine deutsche Stadt, die nicht ihre marmorne Attraktion hätte, wenn ich mich so ausdrücken darf. Man ist höhern Orts sehr geneigt, solche Bestrebungen, soweit sie sich auf die Kunst beziehen, zu unterstützen. Sie sänftigen die Sitten, sie lenken die Instinkte des Volkes nach ungefährlichen Regionen.

 

K a r i n k e l

Ehrlich gesagt, es ist ein Sorgenkind, dieses Denkmal –

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

Warum denn? Lassen Sie sich nur nicht irre machen ...

 

K a r i n k e l

Sie haben mich ja so weit gebracht, Professor ... Ihrer Energie haben wir es ja zu danken, daß ...

M e t t e n s c h l e i c h e r

Nun ja, ich fand es dringend geboten, daß auch Sie in diesem stillen Winkel Ihr Scherflein beitragen zur Vermehrung der nationalen Ideale.

 

K a r i n k e l

Das klingt sehr hübsch –

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

Erlauben Sie, das sind tiefste Lebensüberzeugungen!

 

K a r i n k e l

Allerdings –

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

Heraus mit der Farbe! Weshalb sind Sie so kleinlaut, heute, an Ihrem großen Tag?

 

K a r i n k e l

Es wird von gegnerischer Seite behauptet, – haben Sie nicht den Ochsenfurter Anzeiger gelesen? Da steht es drin –

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

Ich lese solche Käsblätter nicht. Was steht drin?

 

K a r i n k e l

Daß wir dem Hockenjos das Denkmal nur aus Wichtigtuerei errichtet haben ...

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

Das ist der Neid.

 

K a r i n k e l

Und daß es eine Blamage sei.

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

Die Wühler muß man wühlen lassen.

 

K a r i n k e l

Und daß der Hockenjos gar nicht in Neuguinea gewesen ist und daß er gar nicht bei der Expedition des Doktor Rittersteig war und daß er infolgedessen auch nicht von den wilden Papuanern erschlagen worden ist. Im Gegenteil, so behaupten diese Schurken, er sei in einer australischen Matrosenkneipe bei einem Raufhandel umgekommen.

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

Leeres Geschwätz.

 

K a r i n k e l

Na ja, ein Säufer w a r ja der Kerl. Der Wahrheit die Ehre.

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

Es ist vollkommen gleichgültig, was der Hockenjos w a r . Die Hauptsache bleibt, daß er tot ist. – Was sagt denn Bienemann zu diesen Sudeleien? Er hat doch damals die Nachricht von dem Ende des Hockenjos zuerst gebracht ...

 

K a r i n k e l

Ach, mit dem Bienemann weiß man nie, wie man dran ist. Ich fürchte, er glaubt gar nicht an das Genie von dem Hockenjos.

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

Es ist das Kennzeichen eines guten Journalisten, daß er in einem solchen Fall eine Sache umso überzeugender vertritt.

 

K a r i n k e l

Und ich selbst habe auch meine Zweifel ...

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

Glauben Sie denn, lieber Freund, daß der Ruhm anders fabriziert wird als auf diese Art? Neun Zehntel unserer Berühmtheiten verdanken ihren Glanz dem Notizenmangel einer Zeitung oder dem Hang nach Redensarten, der in den Leuten von der Feder steckt. Es ist nicht meines Amtes, das wirkliche Verdienst vom erlogenen zu trennen. Ich denke, es liegt eine viel höhere Sendung darin, die häßliche Realität in einen angenehmen Schein zu verwandeln. Je verworfener, unwürdiger und unfähiger dieser Hockenjos in Wirklichkeit war, desto mehr Grund für uns, der Welt ein so trauriges Faktum vorzuenthalten und sein Bild zu veredeln. Wenn man einem Menschen wie Hockenjos ein Denkmal setzt, geschieht es nur, um seine wirkliche Gestalt zu verschleiern. Dadurch eben bereichert man den Bestand an nationalen Idealen.

 

K a r i n k e l

Na ja, seine Gestalt mögen Sie am Ende verschleiern, aber die Bilder, die der Kerl gemalt hat, die können Sie nicht verschleiern. Wir haben ja eine Ausstellung veranstaltet, und was ich da von den hiesigen Damen zu hören bekommen habe, – wahrhaftig, der ganze Appetit auf die Kunst ist mir vergangen. Schamlose nackte Weiber hat er gemalt. Die können Sie doch nicht verschleiern.

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

Wenn ein Künstler tot ist, verlieren seine Arbeiten den moralischen Charakter, wenn ich mich so ausdrücken darf. Schamlos waren die Weiber eigentlich nicht, nur nackt waren sie. Aber wer wird schließlich darnach fragen, was für Bilder der Hockenjos gemalt hat, wenn er vor seinem Denkmal steht? Keine Katze wird darnach krähen.

 

K a r i n k e l

Kein Hahn, meinen Sie ...

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

Kein Hahn, natürlich. Sie können sich in diesem Punkt getrost meiner Erfahrung überlassen, lieber Bürgermeister. Der Umstand, daß Hockenjos tot ist, verschafft ihm einen unbeschränkten Kredit an guter Meinung. Ich kannte eine ganze Reihe von Idioten, die bloß dem Zufall, daß sie gestorben waren, Bewunderer und Anhänger zu verdanken hatten. Dem Publikum sind nämlich die Künstler so ungeheuer gleichgültig, daß man ihm, wenn einer stirbt, weismachen kann, was man will.

 

K a r i n k e l

Ich verstehe nicht viel von der Kunst, aber das eine muß man doch von ihr fordern: daß sie den Menschen bessert und erhebt.

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

Das ist richtig, hat aber mit unserer Angelegenheit momentan nichts zu schaffen. Sie müssen stark sein, lieber Freund. Sie dürfen sich in Ihrer Überzeugung nicht erschüttern lassen.

 

K a r i n k e l

In welcher Überzeugung meinen Sie?

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

In I h r e r Überzeugung. Ein Mann hat doch nur eine.

 

K a r i n k e l

(etwas stupid)

So. – Im allgemeinen bin ich ja stark. Aber einen Menschen muß man doch haben, dem man sein Herz eröffnen kann. (Es klopft.) Herein!

 

B i e n e m a n n

(kommt; schmaler gelbgesichtiger Mann von etwa dreißig Jahren. Tartarenbart,

Zwicker. Er hat das Phlegma intelligenter Leute, die viele überflüssige und langweilige Dinge reden müssen. Hinter diesem Phlegma verbergen sich Neugier, Bosheit, Resignation und Menschenverachtung).

 

K a r i n k e l

Guten Morgen, Bienemann! Sind Sie schon fertig?

 

B i e n e m a n n

Guten Tag, meine Herren. – Ja, ich wollte noch einige Punkte mit Ihnen besprechen ...

 

K a r i n k e l

Darf ich die Herren miteinander bekannt machen, Redakteur Bienemann, Professor Mettenschleicher von der königlichen Akademie der bildenden Künste.

 

B i e n e m a n n

Freut mich, freut mich.

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

Ich bin Ihnen für den schmeichelhaften Artikel im Tagesboten sehr zu Danke verpflichtet, Herr Doktor.

 

B i e n e m a n n

Noch nicht, Herr Professor, noch nicht.

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

(verdutzt)

Was –? was, – noch nicht?

 

K a r i n k e l

(ebenso)

Ja ... was – noch nicht?

 

B i e n e m a n n

Noch nicht Doktor, meine ich. Die Honoris causa ist noch nicht gegeben. Bienemann, ganz schmucklos Bienemann.

Karinkel und Mettenschleicher

(sehen einander an).

 

K a r i n k e l

(mit dem Daumen über die Schulter weisend)

Stolz? wie? Demokrat! Ganz schmucklos Bienemann! (Lacht.) Ausgezeichnet!

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

(geniert)

Na, na! (Klopft Karinkel mit fürstlicher Leutseligkeit auf die Schulter.)

(Klapperlärm. Ein Kellner kommt mit einer Platte, auf der das Frühstück in zwei Tellern dampft. Ein Amtsdiener eilt geschäftig voraus und säubert den Tisch. Beide entfernen sich wieder. Karinkel setzt sich mit strahlendem Gesicht, bindet die Serviette um den Hals und vergißt alle Sorgen.)

 

B i e n e m a n n

Mein Artikel hat Ihnen also gefallen, Herr Professor?

 

K a r i n k e l

(kauend; taktlos)

Na, hören Sie, Bienemann, wenn mir so viele Elogen gemacht würden, wäre ich auch nicht unzufrieden. Es war famos. Und sehr aktuell.

 

B i e n e m a n n

Das schon; einige giftgeschwollene Schlangen können sich nämlich nicht darüber beruhigen, daß das Denkmal so rasch fertiggestellt worden ist. Vor sechs Wochen hatten wir die Todesnachricht in der Zeitung, und heute thront bereits der Marmor da draußen. Es ist ja wirklich die reine Hexerei.

 

K a r i n k e l

(kauend)

Was geht die Leute das an? – Diese geschmorten Stückchen da sind köstlich. Wollen Sie nicht zugreifen, Professor? Nein? Schade.

 

B i e n e m a n n

(tut verlegen)

Freilich, das sag ich auch. Aber ein Mensch wie ich besteht aus lauter Ohren. Und so hör ich denn unter anderm das blödsinnige Gerücht, daß das Denkmal schon vorher fertig gewesen ist.

 

K a r i n k e l

Wieso? Vor dem Tod des Hockenjos? Mit solchen Dummheiten sollten Sie uns nicht kommen, Bienemann. Ich verstehe ja nichts von der Bildhauerei, aber unser verehrter Meister hier konnte doch nicht die Unsterblichkeit des Hockenjos voraussehen.

 

B i e n e m a n n

Das sag ich auch; es sei denn, man macht Denkmäler auf Lager. Was meinen Sie, Herr Professor?

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

(windet sich)

Ich will nicht hinterm Berg halten ... es hat mit dieser Sache eine eigene Bewandtnis. Ich hatte doch, wie Ihnen vielleicht erinnerlich ist, den Auftrag, ein Monument für den verstorbenen Sanitätsrat Ulfinger zu schaffen –

 

B i e n e m a n n

(roh)

Der die Schweinereien gemacht hat ...

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

Schweinereien ist eine etwas starke Bezeichnung. Er war ein bedeutender Gelehrter, lebte aber leider Gottes über seine

Verhältnisse, und ein halbes Jahr nach seinem Tod kamen die gefälschten Wechsel zum Vorschein. Es geschah alles, um den Skandal zu vermeiden, schließlich drang die Geschichte doch an die Öffentlichkeit, und das Denkmal konnte nicht aufgestellt werden. Meine ganze Arbeit war umsonst, der Marmor lag da –

 

B i e n e m a n n

Außerordentlich interessant!

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

Und da traf ich gerade unsern Freund Karinkel, der den noch unbestimmten Plan hegte, etwas zur Verschönerung des hiesigen Stadtbildes zu tun.

 

B i e n e m a n n

Aha! und weil der Hockenjos eben das Zeitliche gesegnet hatte –

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

Ja, so kamen wir überein –

 

K a r i n k e l

(dankbar)

Sie waren es, teurer Meister, der mir die Idee gab!

 

B i e n e m a n n

Wirklich, eine Fügung des Himmels, dieses Zusammentreffen der Umstände! Da hat also der gute Hockenjos quasi ein von Herrschaften abgelegtes Denkmal bekommen.

 

K a r i n k e l

(zornig)

Witzeln Sie nicht, Bienemann.

 

B i e n e m a n n

Aber Sie mußten doch Ihrem marmornen Sanitätsrat einen andern Kopf aufsetzen –?

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

War merkwürdigerweise überflüssig. Die beiden Leute hatten eine gewisse Ähnlichkeit. Beide groß, ziemlich fett, langbärtig ... Außerdem, ein Denkmal ist doch ein Symbol.

 

B i e n e m a n n

Toll! einfach toll! Man lernt nie aus.

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

Ich rechne selbstverständlich auf Ihre Diskretion. Außer Ihnen beiden weiß nur noch mein erlauchter Freund, der Prinz Albert, davon, ohne dessen Rat und Zustimmung ich etwas Derartiges überhaupt nicht unternehmen würde.

 

B i e n e m a n n

Das ist derselbe, der heute zur Enthüllung kommt?

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

Derselbe. Er liebt die schönen Künste. Sie können sicher sein, daß er auch auf Sie ein Auge haben wird.

 

B i e n e m a n n

(verbeugt sich)

Oh! Danke sehr. – Müssen Sie nicht auf den Bahnhof, Herr Bürgermeister?

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

Seine königliche Hoheit trifft ja erst um zwölf Uhr ein.

 

K a r i n k e l

Ja, aber um viertelzwölf kommt der Regierungspräsident. Weiß

der Stadtrat Hannewickel, daß er sich mit den Ehrenjungfrauen aufzustellen hat?

 

B i e n e m a n n

Die Ehrenjungfrauen und der Veteranenverein sind schon in vollem Wichs.

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

Noch einen Vorschlag, meine Herren. Wie wäre es, wenn man heute noch ein Extrablatt drucken ließe, durch dessen Inhalt das Volk einige Aufklärung über die künstlerischen Verdienste des Malers Hockenjos erhielte?

 

K a r i n k e l

Nicht schlecht ...

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

Es ist in dieser Beziehung vieles versäumt worden –

 

K a r i n k e l

Und man könnte die Verleumder damit zum Schweigen bringen. Nicht schlecht. Was meinen Sie, Bienemann?

 

B i e n e m a n n

Ein ziemlich teurer Spaß. Es fragt sich, ob die Interessen, die dabei im Spiele sind, eine solche Ausgabe fordern.

 

K a r i n k e l

Es sind i d e a l e Interessen, mein Lieber. Dafür ist nichts zu teuer.

 

B i e n e m a n n

Ideale Interessen? Entschuldigen Sie, meine Herren, aber an ideale Interessen glaub ich nicht. Sie auch nicht. Das Publikum

auch nicht. Das ist eben das Heikle mit den idealen Interessen, daß niemand daran glaubt, weil zu viele ihren Vorteil daraus ziehen.

 

K a r i n k e l

Pfui, Bienemann! Beständig gießen Sie Ihr nüchternes Öl in die Wogen unserer Begeisterung.

 

B i e n e m a n n

Das ist mein Beruf.

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

Ein trauriger Beruf.

B i e n e m a n n

Sie dürften damit den Nagel auf meinen Kopf getroffen haben, Herr Bürgermeister. Wer mit Papier gefüttert wird, dem wachsen keine Blumen auf der Zunge.

 

K a r i n k e l

Wenn Ihnen an meinem ferneren Vertrauen gelegen ist, so unterstützen Sie uns jetzt mit allen Ihren Kräften, Bienemann.

 

B i e n e m a n n

Ich soll also gewissermaßen die öffentliche Meinung beruhigen ...

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

Ja ... wenn Sie es so betrachten ... obwohl, – öffentliche Meinung gibt es nicht.

 

K a r i n k e l

(bürstet seine Kleider)

Die öffentliche Meinung sind wir.

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

Öffentliche Meinung ist die Konspiration der Dummköpfe.

 

B i e n e m a n n

Die Herren sind entschlossen, wie ich sehe. Allen Respekt. Nun, was an mir liegt, soll geschehen. Die Druckerpresse hat schon ganz andere Dinge gerechtfertigt als Denkmäler. Die Ingredienzen, aus denen man den Brei der Zeitungsunsterblichkeit kocht, sind billig zu haben. Die Hauptsache ist der Superlativ. Das ist das Universalrezept. Der Superlativ ist für den Leser, was neunzigprozentiger Fusel für einen Gewohnheitstrinker ist. Leider nützen sich die Superlative jetzt so stark ab, daß eine neue Steigerung, ein Über-Superlativ

eine wahre Wohltat für die Menschheit wäre.

 

K a r i n k e l

Das ist mir zu hoch, davon versteh ich nichts.

 

B i e n e m a n n

Na, schön. Ich will Ihnen einen Hockenjos hinstellen, der sich gewaschen hat. Ich werde Ihnen mit einer Verklärung aufwarten, daß der Mann in seinem Grab noch Lust zu einer Himmelfahrt bekommt. Ich tue einfach, als ob Tizian ein Zimmermaler und Feuerbach der kleine Moritz gegen ihn wäre.

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

Ich hoffe, daß diese Übertreibungen nur Ausflüsse einer momentanen Laune sind.

 

B i e n e m a n n

Nein, Herr Professor. Sie kennen den Abonnenten nicht. Wenn man dem Abonnenten einen neuen Mann glaubhaft machen will, muß man erst einen alten in Stücke reißen. Der Abonnent ist grausam, er will Blut sehen.

 

K a r i n k e l

Ich denke, wir überlassen Bienemann da am besten seinem Genius.

 

B i e n e m a n n

Keinesfalls werde ich etwas davon wissen, daß der arme Hockenjos in unserer Mitte beinahe verhungert ist. Daß er mit Hohn abgefertigt wurde, als er sich vor vier Jahren um das Staatsstipendium bewarb. Apropos, waren Sie es nicht selbst, Herr Professor, der diese Sache damals hintertrieb –?

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

(ärgerlich)

Mein Gott ja, ... ich kann nicht leugnen ... der Mann war mir

p e r s ö n l i c h unsympathisch.

 

K a r i n k e l

(ebenso)

Wozu kramen Sie denn die alten Sachen aus?

 

B i e n e m a n n

Ich werde auch davon schweigen, daß das Publikum vor seinen Bildern Lachkrämpfe bekam und der Magistrat ihm das Atelier auf der Schanze kündigen ließ, aus Gründen, die der Anstand zu erwähnen verbietet.

 

K a r i n k e l

(wie oben)

Das war wegen der Modelle. Aber die Kunst, lieber Bienemann, wie soll ich sagen, die Kunst braucht eben keine Moral.

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

Na! na! Da muß ich bitten –

 

K a r i n k e l

Das heißt, ich meine: die Moral braucht keine Kunst.

 

B i e n e m a n n

Um seine Auswanderung plausibel zu machen, werde ich sagen, daß ihn malerische Probleme in die Tropen zogen.

 

K a r i n k e l

Sehr gut.

 

B i e n e m a n n

Und während er das Gefieder der Paradiesvögel studierte, um bisher unerhörte Farbenmischungen für seine Palette zu

gewinnen, haben ihn die Eingeborenen erschlagen und verspeist.

 

K a r i n k e l

(der sich die Zähne stochert, erschrocken)

Verspeist –?

 

B i e n e m a n n

Höchstwahrscheinlich.

 

K a r i n k e l

Wissen Sie was? Setzen Sie sich gleich hier an meinen Schreibtisch und fangen Sie an. (Das Telephon klingelt, er eilt hin.) Hier Karinkel! Ja? Ja. Bitte. – In der Redaktion will man Sie sprechen, Bienemann. (Während Bienemann zum Apparat geht.) Für uns ist es jetzt Zeit, lieber Professor.

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

Also gehen wir.

 

B i e n e m a n n

(am Telephon)

Hier Bienemann. (Pause.)

 

K a r i n k e l

(setzt sich den Zylinder auf)

Ich bin neugierig, ob der Präsident eine Rede halten wird.

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

Er kann Seiner königlichen Hoheit nicht vorgreifen.

 

B i e n e m a n n

(am Telephon)

Unsinn! – Wie? Gesehen worden? Wo? In Aßmannshausen? Da lebt ja die Frau jetzt? So. Einen Liebhaber. So. Natürlich.

Durchgeprügelt? Nein! Nicht möglich! Da hat man Ihnen einen Bären aufgebunden. Einen Bä–ren! Das wäre ja unerhört.

 

K a r i n k e l

Was ist denn los?

 

B i e n e m a n n

(am Telephon)

Ich gebe nichts auf solche Gerüchte. Schicken Sie einen verläßlichen Menschen hin. Schluß! (Läutet ab.) Recht heiter. Der Hockenjos soll in Aßmannshausen gesehen worden sein.

 

K a r i n k e l

(wie erstarrt)

Um Gottes willen, Mensch, was reden Sie da!

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

Das fehlte nur noch!

 

B i e n e m a n n

Er soll seine Gattin mit einem Viehhändler erwischt und den Galan windelweich geschlagen haben.

 

K a r i n k e l

Aber lieber Bienemann, – das ist ja um den Verstand zu verlieren ...

 

B i e n e m a n n

Ich halte das Ganze für einen blinden Alarm.

 

K a r i n k e l

Sie nehmen mir einen Stein vom Herzen.

 

B i e n e m a n n

Man will uns ins Bockshorn jagen.

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

Eine Frivolität sondergleichen.

 

B i e n e m a n n

Kümmern wir uns nicht darum.

 

K a r i n k e l

Wenn aber doch was Wahres dran ist ...

 

B i e n e m a n n

Bah! meine Informationen waren immer verläßlich. Wenn der Tagesbote jemand als tot meldet, dann ist er tot.

 

K a r i n k e l

Es ist höchste Zeit. Wir müssen zur Bahn. Machen Sie sich nur gleich an die Arbeit, Bienemann. Lassen Sie uns nicht im Stich.

 

B i e n e m a n n

Auf Wiedersehen, meine Herren.

 

K a r i n k e l u n d M e t t e n s c h l e i c h e r

(ab).

 

B i e n e m a n n

(setzt sich vor den Schreibtisch, zündet eine Zigarre an; behaglich)

Was der Sybarit für einen weichen Lehnsessel hat! Wenn ich nicht Bienemann wäre, möchte ich Karinkel sein. (Legt das Papier zurecht.) Los also! Her mit euch, ihr bebänderten Adjektiva und geschniegelten Substantiva! ihr großmäulichen Interjektionen und schmetternden Exklamationen! ihr Metaphern, Hyperbeln und Epitheta! Ich rühr euch zusammen wie Mandeln und Rosinen in einem Kuchenteig, von dem die ganze Welt Verdauungsbeschwerden kriegt.

A b e n d r o t

(tritt mit verstörtem Gesichtsausdruck unter die Türe; winkt)

Herr Bienemann! – Herr Bienemann!

 

B i e n e m a n n

Was gibt’s? Ich habe keine Zeit.

 

A b e n d r o t

(flüsternd)

’s isch was Schreckliches passiert, Herr Bienemann ...

 

K a r i n k e l

(kommt im Sturmschritt zurück, den Zylinder schief auf dem Kopf)

Bienemann, wir sind verloren!

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

(seine Würde mühsam bewahrend, ist Karinkel gefolgt)

Eine Katastrophe!

 

K a r i n k e l

(mehr heulend als redend)

Der Abendrot hat ihn zuerst gesehen. In der Bahnhofsstraße hat er ihn gesehen. Mitten unter den Leuten.

 

B i e n e m a n n

Und hat ihn jemand erkannt?

 

A b e n d r o t

Noi, noi ...

 

B i e n e m a n n

War er allein?

 

A b e n d r o t

Ganz alleine.

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

Was für Maßregeln gedenken Sie zu treffen?

 

K a r i n k e l

Er muß auf der Stelle fort.

 

B i e n e m a n n

Ist bis jetzt etwas unternommen worden?

 

K a r i n k e l

Kommissär Binder ist mit zwei Wachleuten ausgerückt. Hoffentlich gelingt es, den Kerl festzuhalten.

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

Es ist eine entsetzliche Blamage.

 

K a r i n k e l

Ich lasse ihn einsperren.

 

B i e n e m a n n

Überlegen wir die Sache gut, meine Herren, sonst kann’s uns an den Kragen gehn.

 

K a r i n k e l

(wild)

Lassen Sie mich in Frieden mit Ihrem Kragen, Sie, Sie ... Unerschütterlicher!

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

Es gibt nicht viel zu überlegen, hier heißt es handeln.

 

B i e n e m a n n

Also handeln wir.

 

K a r i n k e l

Tun Sie mir nur den Gefallen, lieber Professor, und empfangen Sie den Präsidenten. Der Zug muß ja jeden Moment eintreffen. Irgend ein Würdenträger muß ihn doch begrüßen. (Das Telephon klingelt.) Großer Gott, was ist denn das schon wieder? (Bienemann eilt zum Telephon.)

 

M e t t e n s c h l e i c h e r

Gut ich gehe. (Ab. Ein Polizist tritt unter die offene Tür.)

 

B i e n e m a n n

(am Telephon)

Ja? – Ja! Eine Stunde früher? Danke. Schluß. (Läutet ab.) Der Hoftrain mit dem Prinzen trifft also um eine Stunde früher ein.

 

K a r i n k e l

(der mit dem Polizisten gesprochen hat)

Also der Kommissär Binder hat den Hockenjos verhaftet und ihn gleich in einen Wagen setzen lassen. Er ist jetzt in der Wachtstube.

 

B i e n e m a n n

Dort kann er nicht bleiben.

 

K a r i n k e l

Wie sagten Sie? Der Hofzug kommt um eine Stunde früher? Dann ist ja kein Augenblick mehr zu verlieren. Es ist elf Uhr. Mir ist ganz wirblig im Kopf. Wenn ich nur wüßte, wer an alledem schuld ist! (Ausbrechend.) Sie sind schuld, Bienemann! Sie haben seinerzeit die schwindelhafte Todesnachricht in die Zeitung gebracht.

 

B i e n e m a n n

Ich weise Ihre Anschuldigungen zurück. Meine Pflicht ist zu schweigen und zu schreiben, aber nicht den Sündenbock zu machen.

 

K a r i n k e l

Sie sind ein ganz gefährliches Subjekt.

 

B i e n e m a n n

(verdrossen)

Ich bin kein Subjekt, ich bin ein Prinzip.

 

K a r i n k e l

Großer Gott, warum hast du mir das angetan! Bienemann, liebster Herzensbienemann, laufen Sie schleunigst auf die Wache. Sehen Sie zu, daß keine Dummheit begangen wird. Keine Menschenseele darf dem Hockenjos nahe kommen. Niemand darf mit ihm sprechen. Nehmen Sie noch ein paar Polizeileute zu Hilfe. Nötigenfalls lassen Sie ihn binden –

 

B i e n e m a n n

In Ketten legen –

 

K a r i n k e l

Was Sie wollen ... (Man vernimmt Glockenläuten.) Um Himmels willen, mir scheint, der Hofzug fährt schon ein. Ich komme zu spät. (Ab.)

 

B i e n e m a n n

Es ist am besten, wir lassen den Delinquenten hierher transportieren. Hier ist er am sichersten.

 

A b e n d r o t

Da hawe Se recht, Herr Bienemann.

 

B i e n e m a n n

Rennen Sie hin und sagen Sie es dem Binder.

 

A b e n d r o t

(zur Tür, lauscht, kehrt um)

Er bringt ihn schon von selber, der Kommissar ...

 

B i e n e m a n n

Na, der Mann denkt wenigstens. Denkende Menschen ersparen einem immer Laufereien. (Hockenjos und Kommissar Binder kommen.)

 

B i n d e r

So, Meister Hockenjos. Jetzt habe ich Ihren Wunsch, Sie aufs Bürgermeisteramt zu führen, erfüllt, nun müssen Sie sich aber auch ganz ruhig verhalten.

 

H o c k e n j o s

(großer, breitschultriger Mann. Haar und Bart sind stark ergraut. Er spricht schwer, aber nachdrücklich, in tiefem, meist humoristisch sordiniertem Baß; trägt vernachlässigte Kleider, einen breitrandigen Filzhut)

Der Teufel soll Sie holen, Mann! Können Sie auf eine anständige Art erklären, weshalb Sie mich wie einen Sträfling behandeln, he?

 

A b e n d r o t

P–scht! p–scht!

 

B i n d e r

Sie müssen sich den behördlichen Anordnungen fügen.

 

H o c k e n j o s

Ich füge mich, weil es mir paßt. So steht die Sache. In die Suppe werd’ ich euch schon spucken, darauf könnt ihr euch verlassen. Aber anders als ihr denkt. Wo ist denn der Oberkoch? Ah, Herr Bienemann! Freut mich, Sie zu sehen, Herr Redakteur. Sind Sie jetzt avanciert, weil Sie in der Bürgermeisterkanzlei sitzen?

B i e n e m a n n

(schmunzelnd, süßlich)

Sprechen wir nicht von mir, Meister Hockenjos. Die interessante Person sind Sie. Wie kommen Sie denn her? von wo? Sie erscheinen ja wie ... wie ...

 

H o c k e n j o s

Wie das Gespenst am Hochzeitstag, jawohl. Aber ich fühle mich gar nicht gespensterhaft. Zunächst will ich mich mal – unaufgefordert, Sie verzeihen schon – hier niederlassen. So. Hier sitze ich, ich kann nicht anders.

 

B i e n e m a n n

Bitte sehr. Ruhen Sie sich nur aus. (Zu Abendrot, leise.) Suchen Sie den Bürgermeister auf und sagen Sie ihm, daß ich ihn hier in Gewahrsam halte. Aber Vorsicht! – (Zu Binder.) Sie brauchen nicht hier zu bleiben. Es genügt, wenn Sie im Korridor einen Polizeidiener als Wache aufstellen. Es soll niemand hereingelassen werden. (Während Binder und Abendrot abgehen.) Wie ich aus Ihrem Verhalten schließen darf, ist Ihnen also die ganze Komplikation schon bekannt, Meister?

 

H o c k e n j o s

Komplikation nennen Sie diese Schurkerei? Auch recht.

 

B i e n e m a n n

Nun, man meint es gut mit Ihnen. Man sorgt für Ihren Nachruhm.

 

H o c k e n j o s

Hanswurste seid ihr.

 

B i e n e m a n n

Unterschreib ich unbesehen.

H o c k e n j o s

Aber mit meinem Leichnam werdet ihr nicht so kurzen Prozeß haben wie mit meinem lebendigen Korpus.

 

B i e n e m a n n

Ich fürchte. Ich fürchte. Sie waren also in Aßmannshausen bei Ihrer Frau?

 

H o c k e n j o s

Reden Sie meinetwegen von meinem Nachruhm, Herr, obwohl das ein Gemüse ist, das keinem mehr schmeckt, wenn man’s ihm auftischt, aber von meinem Weib reden Sie nicht. Die Fäuste tun mir noch weh, und das ist alles, was ich an Erinnerung behalten will. Ich sage Ihnen, ein Vieh ist der Mensch. Allerwegen treibt’s ihn zum Stall zurück. Und wenn draußen die beste Weide ist, er denkt bloß an den Stall. Das schönste Futter läßt er liegen, das ihm der Herrgott spendet, und rennt zur Krippe, wo der Bauer spart und mit der Peitsche knallt.

 

B i e n e m a n n

(echt)

Ja, zum Henker, warum sind Sie denn nicht dort geblieben in den wilden Gegenden, wenn es Ihnen schon nicht gefallen hat, das Zeitliche zu segnen? Es wäre besser für Sie und für uns. Jetzt haben wir bloß die Scherereien.

 

H o c k e n j o s

Glauben Sie, ich hätte den Ehrgeiz, Ihnen Scherereien zu ersparen? Im Gegenteil. Sie werden Ihre blauen Wunder erleben.

 

B i e n e m a n n

(resigniert)

Na, wohl bekomm’s.

 

H o c k e n j o s

Wie flink ihr seid, einen Toten leben zu lassen, während ihr dem lebendigen Menschen die Haut abzieht!

 

B i e n e m a n n

Mein Gott, die Zivilisation bringt eben manchen Übelstand mit sich. Sind Sie denn nun eigentlich dort unten gewesen bei den wilden Völkern?

 

H o c k e n j o s

Und ob, mein lieber Herr, und ob! War dabei, wie sechzig wackere Burschen aufgerieben worden sind von den braunen Satansbrüdern, und wäre nicht ein malaiisches Mädchen gewesen, das mich auf Gebirgswegen zur Küste führte, dann könnt ich heute eure Kirchweih dahier nicht stören.

 

B i e n e m a n n

Sie betrachten unsere Angelegenheit etwas zu vergnügt, scheint mir. Da haben Sie wohl große Strapazen erlitten? Aussehen tun Sie ja wie der leibhafte Odysseus.

 

H o c k e n j o s

Was wollen Strapazen schließlich bedeuten? Ist eine Herrlichkeit, wenn einem die Sonne immerfort bis in den Magen leuchtet. Dort ist der Mann ein Mann. Von Polizei nirgends die Spur. Und Blumen! und Vögel! und Bäume! Da weiß man erst, was Gott der Herr erschaffen, und warum er am siebenten Tag ausgeschnauft hat. Hier guckt einer dem andern auf die Finger, und schockweis fressen sie aus demselben Tiegel. Und ein Eifer, und ein Fleiß, und eine Wichtigkeit, aber ist’s denn irgend jemandem Ernst? Tinte schwatzen sie.

 

B i e n e m a n n

Ganz meine Meinung.

 

H o c k e n j o s

Sie sind auch so ein Kalfakter.

 

B i e n e m a n n

Verurteilen Sie mich nicht. Ich diene dem Gemeinwohl.

 

H o c k e n j o s

Gemeinwohl ... ein richtiges Tintenwort.

 

B i e n e m a n n

Durchaus nicht.

 

H o c k e n j o s

Möchten Sie mir nicht erklären, was Sie unter Gemeinwohl verstehen?

 

B i e n e m a n n

(trocken)

Gemeinwohl ist das, was viele tun müssen, um einen einzelnen zu fördern.

 

H o c k e n j o s

Der Tausend! Mensch, Sie sind ja ein Zyniker!

 

B i e n e m a n n

Gott sei Dank, das bin ich. Diese Eigenschaft hab ich mir im Umgang mit Leuten erworben, die sich dadurch von mir unterscheiden, daß sie den Begriff Gemeinwohl anders definieren. (Stimmenlärm von der Straße.)

 

H o c k e n j o s

Jetzt geht’s los da drunten.

 

B i e n e m a n n

Ja. Ich bin nur neugierig, was wir mit Ihnen da oben anfangen

werden.

 

H o c k e n j o s

Ich auch.

 

B i e n e m a n n

Sie haben also keine bestimmte Vorstellung über Ihre zukünftige Rolle bei dieser immerhin ungewöhnlichen Verwicklung?

 

H o c k e n j o s

Ich? Nein. Ich habe nur nicht die Absicht, mir meinen Platz in der Welt so ohne weiters wegstibitzen zu lassen. Wenn’s auch nur ein ganz lumpiger Platz war, so ein Fünfzigpfennigplatz, auf dem Olymp ...

 

B i e n e m a n n

Das kann ich Ihnen nachfühlen. Als deklarierter Toter lebt sich’s nicht sehr bequem.

 

H o c k e n j o s

Und noch dazu auf solche Manier deklariert ... (Erregt sich.) Wenn ihr wenigstens das Denkmal von einem anständigen Kerl hättet machen lassen. Aber von diesem Zuckerbäcker, dem Mettenschleicher! diesem Pfründner, der von der Kunst ungefähr so viel versteht wie ich vom Koloratursingen, diesem Eunuchen, der mit seiner Nase immer an den unanständigsten Gegenden prinzlicher Personen schnuppert, – daß ihr mich von dem habt verewigen lassen, das wurmt mich.

 

B i e n e m a n n

Wir haben halt Pech mit Ihnen. Jetzt ist es zu spät.

 

H o c k e n j o s

Mir wird schon übel, wenn ich das Zeugs da unter den Hüllen sehe. Wahrscheinlich so ein Marzipan-Engel, was?

B i e n e m a n n

Natürlich, was glauben Sie denn! Wir werden uns doch die Muse nicht entgehen lassen, die den Künstler auf die Stirne küßt!

 

H o c k e n j o s

Und mit zwei Flügeln, was?

 

B i e n e m a n n

Zwei Flügel. Ganz richtig. Wie sich’s gehört.

 

H o c k e n j o s

O, du Schuft!

 

B i e n e m a n n

Achtung, jetzt hör ich den Bürgermeister kommen.

 

K a r i n k e l

(stürzt in höchster Eile herein)

Das ist er also! (Starrt Hockenjos an.)

 

H o c k e n j o s

(ironisch)

So echauffiert, Herr Bürgermeister?

 

K a r i n k e l

Sie spotten wohl? Mir ist gar nicht spötterisch zumut.

 

H o c k e n j o s

(brüsk)

Was steht dem Herrn zu Diensten?

 

K a r i n k e l

(wischt den Schweiß von der Stirn)

Es wird Ihnen doch bekannt sein, daß wir eben im Begriff sind, die Enthüllung Ihres Denkmals zu feiern.

 

H o c k e n j o s

Jawohl. Ist mir zu Ohren gekommen. Das ist auch der Grund, weshalb ich da bin.

 

K a r i n k e l

(einschmeichelnd)

Sie werden doch einsehn, lieber Meister, daß Sie unmöglich in der Stadt bleiben können.

 

H o c k e n j o s

Sehe ich ohne weiters ein.

 

K a r i n k e l

(hocherfreut)

Das lob ich mir. Sie sind ein prächtiger Mensch.

 

H o c k e n j o s

Gewiß. Man muß bei mir nur den Herzpunkt treffen.

 

K a r i n k e l

Es wäre ja auch ein Mord, lieber Freund, ein moralischer Mord.

 

H o c k e n j o s

Ei wieso denn?

 

K a r i n k e l

Sehr einfach. Jeder, der über diesen Platz an diesem Denkmal vorübergehen wird, eifert Ihnen nach, schaut zu Ihnen hinauf, bringt ebenfalls Großes hervor und nützt so wieder seinen Mitbürgern und der Stadt.

H o c k e n j o s

Das leuchtet mir beinahe ein.

 

B i e n e m a n n

Es ist so klar wie zweimalzwei.

 

K a r i n k e l

(immer eifriger)

Sie sind heute ... wie alt sind Sie?

 

H o c k e n j o s

Vierundfünfzig.

 

K a r i n k e l

Vierundfünfzig. Wie alt wird der Mensch? Siebzig. Sagen wir fünfundsiebzig.

 

H o c k e n j o s

Gut. Sagen wir fünfundsiebzig.

 

K a r i n k e l

Wegen dieser erbärmlichen zwanzig Jahre wollen Sie Ihre Unsterblichkeit aufs Spiel setzen?

 

H o c k e n j o s

Hm ... Finden Sie nicht, daß ein Sperling in der Hand besser ist –

 

K a r i n k e l

Nein, nein, nein, vom idealen Standpunkt nein.

 

B i e n e m a n n

Durchaus nicht.

H o c k e n j o s

Was habe ich also nach Ihrer Ansicht zu tun?

 

K a r i n k e l

Sie müssen fort.

 

H o c k e n j o s

Es haben mich aber doch einige Leute gesehen ...

 

K a r i n k e l

Das macht nichts; wir geben Sie für Ihren Doppelgänger aus. Wir bringen in der Zeitung eine kleine scherzhafte Notiz. Nicht wahr, Bienemann? Wir nennen ihn Mister Koch aus Pennsylvanien. Hahaha!

 

B i e n e m a n n

Das geht, das geht. »Ein heiteres Spiel des Zufalls fügte es« – und so weiter.

 

K a r i n k e l

Sie müssen Deutschland verlassen.

 

H o c k e n j o s

Mit Vergnügen.

 

K a r i n k e l

Sie müssen Europa den Rücken kehren.

 

H o c k e n j o s

Mehr kann ich aber unmmöglich für Sie tun.

 

K a r i n k e l

(glücklich)

Sie sind ein Engel von einem Mann. Mit Ihnen kann man ja ausgezeichnet reden. Da sieht man erst, wie schlecht man im Leben einander kennen lernt.

 

H o c k e n j o s

Langsam, langsam, bester Herr –

 

K a r i n k e l

Sie fahren also nach Amerika. Sie benutzen den Schnellzug, der um drei Uhr hier hält. Die Reisekosten –

 

H o c k e n j o s

Langsam. Jetzt komme ich.

 

K a r i n k e l

Die Reisekosten zahlen wir selbstverständlich –

 

H o c k e n j o s

So billig denken Sie mich loszuwerden?

 

K a r i n k e l

Na ja, man kann noch ein Übriges tun ...

 

B i e n e m a n n

(aus dem Hinterhalt hetzend)

Ein kleines Douceur ...

 

H o c k e n j o s

Ihre Propositionen haben Sie gemacht. Jetzt will ich die meinen machen.

 

K a r i n k e l

(ängstlich)

So ... Sprechen Sie nur frei von der Leber weg.

H o c k e n j o s

Wie viel hat Sie der Marmorhaufen da draußen gekostet?

 

K a r i n k e l

Viel Geld; schändlich viel!

 

H o c k e n j o s

Na ... dreißigtausend –?

 

K a r i n k e l

Mehr!

 

H o c k e n j o s

Also. Ich verlange nur so viel.

 

K a r i n k e l

(wie mit der Nadel gestochen)

Was? Sie sind toll!

 

H o c k e n j o s

Kommt denn das gegen die Unsterblichkeit in Betracht, verehrter Bürgermeister?

 

K a r i n k e l

Mensch, es handelt sich ja um I h r e Unsterblichkeit!

 

H o c k e n j o s

Mit der S i e ein Geschäft machen wollen. So viel wie Sie für mein Denkmal ausgegeben haben, lieber Herr, habe ich mein ganzes Leben lang mit meiner Hände Arbeit nicht verdient. Ich verkaufe Ihnen meinen Leichnam für weniger Geld als Sie für seine Glorifikation ausgegeben haben. Ist das nicht kulant? Sie haben ja eine Ausstellung meiner Bilder veranstaltet. Sie haben ja allen möglichen blumeranten Quatsch darüber schreiben

lassen. Die Bilder gehören Ihnen. Bezahlen Sie sie mir, so daß ich endlich einmal leben kann, denn hierzulande hab ich bis jetzt kein Leben geführt.

 

K a r i n k e l

(jammernd)

Aber, Mann! was kümmern mich Ihre Bilder!

 

H o c k e n j o s

Endlich ein Wort aus dem Herzen. Also kurz und bündig, Herr: ist Ihnen meine Willfährigkeit so viel wert oder nicht? Den Hanswurst spiel ich nimmer länger.

 

K a r i n k e l

(verzweifelt)

Wo soll ich so eine Menge Geld hernehmen? Bienemann helfen Sie mir doch! Überreden Sie ihn doch –

 

H o c k e n j o s

(greift nach seinem Hut)

Genug geredet. Ich werde jetzt eine kleine Unterhaltung mit meinem – Doppelgänger führen.

 

K a r i n k e l

Halt! halt! Ich will ja ... genügt eine Sicherstellung des Kapitals?

 

H o c k e n j o s

Die genügt. (Sehr ernst.) Wenn ich nur was Sicheres habe. Was Sicheres brauch ich jetzt. Brot! Und Frieden.

 

K a r i n k e l

(das Folgende sehr rasch)

Man muß eine Anleihe aufnehmen.

 

B i e n e m a n n

Gibt es keine geheimen Fonds?

 

K a r i n k e l

Wenn wir nur ein paar reiche Juden hätten ... (Beißt sich in die Finger.)

 

B i e n e m a n n

Zu überlegen ist keine Zeit.

 

K a r i n k e l

Ich habe eine Idee. Ich beantrage im Gemeinderat den Bau eines Hockenjos-Museums, und das Geld verwend’ ich einstweilen, um den Mann zu befriedigen.

 

B i e n e m a n n

Vortrefflich. Rechnen Sie auf mich.

 

H o c k e n j o s

(am Fenster, mit Blick gegen das Denkmal)

Da faseln sie von Kunst. Von Kunst faseln sie, die Hunde. Ruhm! Ha. Mich verlangt nach keinem Ruhm. Selbst wenn’s ernst damit wäre. Alle Vorbehalte gehn dabei flöten. Ich will meine Vorbehalte haben. Will nicht von jedem Narren angesturt werden. Da ist man ja wie das Tor von einem Pfandhaus. Ich pfeif auf die Kunst. Sie ist viel zu groß für den schwachen Schädel. Kannst du den Großen groß sein? Die wandeln im Elysium, während du im Dreck kutschierst. Nützlich muß man sein. Und kaltblütig. Adieu, Städtchen! Dieses Amerika ist ja bloß ein paar Stunden weit von hier. Am Samstag, eh ich sterbe, komm ich mal übern Sonntag herüber.

 

K a r i n k e l

(hat die Tür geöffnet, Abendrot hereingewinkt und mit ihm lebhaft geflüstert. Abendrot nickt mehrmals und geht wieder hinaus, Karinkel zu Hockenjos)

Vom Fenster weg, um aller Heiligen willen!

H o c k e n j o s

(gemächlich)

Aber lieber Herr, wer denkt denn da drunten an mich!

 

K a r i n k e l

Also, es wird alles geordnet. Nur noch eine Bedingung habe ich zu stellen.

 

H o c k e n j o s

Die wäre –?

 

K a r i n k e l

Sie müssen sich den Bart abrasieren lassen.

 

H o c k e n j o s

Wenn es sein muß – (Abendrot kommt mit einer Seifenschüssel, Pinsel und Rasiermesser.)

 

K a r i n k e l

Es muß sein. Ich habe schon mit Abendrot gesprochen. Er versteht sich auf die Hantierung. Wir dürfen keinen Fremden mehr ins Vertrauen ziehn.

 

K o m m i s s ä r B i n d e r

(kommt)

Herr Bürgermeister, es ist die höchste Zeit. Der Herr Professor Mettenschleicher führt soeben Seine königliche Hoheit zum Festplatz.

 

K a r i n k e l

Ich komme.

 

B i e n e m a n n

(am Fenster)

Das Volk ist schon versammelt.

 

K a r i n k e l

Geben Sie mir das Konzept meiner Rede, Bienemann.

 

B i e n e m a n n

Jaso, die Festrede. Hier. (Reicht ihm das Manuskript.)

 

K a r i n k e l

Wie seh ich aus?

 

B i e n e m a n n

Tadellos.

 

K a r i n k e l

Ist es wahr, Binder? Keine Flecken?

 

B i n d e r

Da am Knie ist ein Spritzer ... (Bückt sich, reibt.)

 

B i e n e m a n n

Von der Bratensauce.

 

K a r i n k e l

Schnell, schnell. Kommen Sie, Binder. Und Sie Bienemann, bleiben hier und passen gut auf. (Ab mit Binder.)

 

A b e n d r o t

Wolle Se gefälligst Platz nehme, Herr?

 

H o c k e n j o s

(setzt sich; zu Bienemann)

Sie sind also der Verfasser der Festrede?

B i e n e m a n n

Jawohl. Ich bin des Bürgermeisters Tintenfaß. Er verschwendet geradezu meinen Geist. Eines Tages werde ich wegen Gehirnschwund der Armenkasse zur Last fallen. Vielleicht bekomm ich dann auch einen Denkstein. Die Inschrift wird lauten: Dem treuen Hohlkopf Bienemann sein väterlicher Blutegel Karinkel.

 

H o c k e n j o s

Der Mann ist sehr strebsam.

 

B i e n e m a n n

Strebsam, ja; das ist er. Für mich ist er vorbildlich. Geradezu ein Gattungsbegriff. Er war ein einfacher Schneider.

 

H o c k e n j o s

(bereits mit abgeschnittenem Bart)

Davon hat er was beibehalten.

 

B i e n e m a n n

Die ganze Stadt könnte man Karinkelei nennen. Der Schneider siegt auf der ganzen Linie.

 

H o c k e n j o s

Sie sind bitter.

 

B i e n e m a n n

Bitter und (mit Blick auf Abendrot) unvorsichtig. (Musiktusch von draußen.) Aha, der Prinz!

 

H o c k e n j o s

Na, Abendrot, was denken denn Sie bei dem Rummel?

 

A b e n d r o t

(einseifend)

Ich hab mer nie Gedanke gemacht über meine vorgesetzte Behörde.

 

S t a d t r a t H a n n e w i c k e l

(tritt ein; ein schlottriger, schwerhöriger Greis)

Entschuldige die Herre, ich möcht mir die Festlichkeit von owe ansehe. (Stutzt.) No, no, was isch denn das?

 

B i e n e m a n n

(ihm ins Ohr schreiend)

Ein berühmter Zeitungsberichterstatter aus Amerika, Herr Stadtrat. Hat Eile, will dem Prinzen vorgestellt werden. Muß sich hier rasieren lassen. Mister Koch – Herr Stadtrat Hannewickel.

 

H a n n e w i c k e l

Merkwürdig, merkwürdig ...

 

H o c k e n j o s

How do you do, Sir?

 

B i e n e m a n n

(ihm ins Ohr)

Er erkundigt sich nach Ihrem Befinden.

 

H a n n e w i c k e l

Dank schön. Dank schön. (Geht ans Fenster, öffnet es.)

 

S t i m m e K a r i n k e l s

Zum ersten Mal tritt die hohe Aufgabe an uns heran, dem Namen eines Mitbürgers zu huldigen, eines Mannes, der in unserem engsten Kreis gestrebt und geschaffen hat, eines großen, gottbegnadeten Künstlers.

A b e n d r o t

Sie müsse den Kopf e bissele rechts halte ...

 

S t i m m e K a r i n k e l s

Wir sehen noch im Geist seine herrliche Gestalt durch unsere Gassen schreiten, wir können sein feuriges Auge nicht vergessen, wir spüren noch mit Ehrfurcht den Hauch seiner Gegenwart, die uns erhoben und über den Alltag entrückt hat ...

 

H o c k e n j o s

Daß dich der Satan beiße ...

 

A b e n d r o t

Nu müsse Se ’n Kopf e bissele links halte ...

 

H a n n e w i c k e l

(zu Bienemann)

Wie heischt jetz der Künschtler, dem Se’s Denkmal g’setzt hawe?

 

B i e n e m a n n

(schreit ihm ins Ohr)

Hockenjos!

 

H a n n e w i c k e l

Richtig. Ich hab halt gar koi Gedächtnis mehr. Drei Sachen kann i mir überhaupt nimmer merke. Erschtens Zahlen. Zweitens Namen. Drittens ... Herrjeses, ’s dritte haw’ i vergessen.

 

K a r i n k e l s S t i m m e

Der Ruhm seines lichtstrahlenden Pinsels wird durch die Zeiten schimmern und unsern Söhnen ein Vorbild sein – – – –

 

(Der Vorhang fällt.)

Anmerkungen zur Transkription: Dieses elektronische Buch wurde auf Grundlage der Erstausgabe erstellt. Die nachfolgende Tabelle enthält eine Auflistung aller gegenüber dem Originaltext vorgenommenen Korrekturen.

S. 021: sind die Geschehnisse wie Träume .. → ...

S. 021: Erzähle, Fedor Alexandrowitsch .. mir → ...

S. 050: die um Iwan wissen .. → ...

S. 062: Gleich darauf → (Gleich darauf)

S. 076: Die schönste die vornehmste → schönste, die vornehmste

S. 098: Händen anf dem Rücken → auf

S. 099: konnt’ es doch nicht durft’ es doch nicht kommen → nicht, durft’

S. 173: geht nruhig auf und ab. → unruhig

S. 174: Pünklichkeit → Pünktlichkeit

S. 193: Herrlicheit → Herrlichkeit

S. 277: Begriff Geweinwohl → Gemeinwohl

 

Transcriber’s Note: This ebook has been prepared from scans of a first edition copy. The table below lists all corrections applied to the original text.

p. 021: sind die Geschehnisse wie Träume .. → ...

p. 021: Erzähle, Fedor Alexandrowitsch .. mir → ...

p. 050: die um Iwan wissen .. → ...

p. 062: Gleich darauf → (Gleich darauf)

p. 076: Die schönste die vornehmste → schönste, die vornehmste

p. 098: Händen anf dem Rücken → auf

p. 099: konnt’ es doch nicht durft’ es doch nicht kommen → nicht, durft’

p. 173: geht nruhig auf und ab. → unruhig

p. 174: Pünklichkeit → Pünktlichkeit

p. 193: Herrlicheit → Herrlichkeit

p. 277: Begriff Geweinwohl → Gemeinwohl

 

End of Project Gutenberg's Die ungleichen Schalen, by Jakob Wassermann

Sie haben Die ungleichen Schalen zu Ende gelesen

Jakob Wassermann

Bücher wie dieses

Nach dem Buch

Seiten, die zu dieser Ausgabe gehören, hier zum Nachschlagen.

Hinweis von Project Gutenberg
*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE UNGLEICHEN SCHALEN *** ***** This file should be named 19940-h.htm or 19940-h.zip ***** This and all associated files of various formats will be found in:

http://www.gutenberg.org/1/9/9/4/19940/

Produced by Markus Brenner, Marina Lukas and the Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net

Updated editions will replace the previous one--the old editions will be renamed.

Creating the works from public domain print editions means that no one owns a United States copyright in these works, so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United States without permission and without paying copyright royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you do not charge anything for copies of this eBook, complying with the rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose such as creation of derivative works, reports, performances and research. They may be modified and printed and given away--you may do practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is subject to the trademark license, especially commercial redistribution.

 

*** START: FULL LICENSE ***

THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE

PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free distribution of electronic works, by using or distributing this work (or any other work associated in any way with the phrase "Project Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project Gutenberg-tm License (available with this file or online at http://gutenberg.org/license).

Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm electronic works

1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to and accept all the terms of this license and intellectual property (trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8. 1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be used on or associated in any way with an electronic work by people who agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works even without complying with the full terms of this agreement. See paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic works. See paragraph 1.E below.

1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the collection are in the public domain in the United States. If an individual work is in the public domain in the United States and you are located in the United States, we do not claim a right to prevent you from copying, distributing, performing, displaying or creating derivative works based on the work as long as all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope that you will support the Project Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with the work. You can easily comply with the terms of this agreement by keeping this work in the same format with its attached full Project Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.

1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in a constant state of change. If you are outside the United States, check the laws of your country in addition to the terms of this agreement before downloading, copying, displaying, performing, distributing or creating derivative works based on this work or any other Project Gutenberg-tm work. The Foundation makes no representations concerning the copyright status of any work in any country outside the United States.

1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg: 1.E.1. The following sentence, with active links to, or other immediate access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed, copied or distributed:

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at www.gutenberg.org

1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived from the public domain (does not contain a notice indicating that it is posted with permission of the copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in the United States without paying any fees or charges. If you are redistributing or providing access to a work with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9.

1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted with the permission of the copyright holder, your use and distribution must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms will be linked to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the permission of the copyright holder found at the beginning of this work.

1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm License terms from this work, or any files containing a part of this work or any other work associated with Project Gutenberg-tm. 1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this electronic work, or any part of this electronic work, without prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with active links or immediate access to the full terms of the Project Gutenberg-tm License.

1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary, compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any word processing or hypertext form. However, if you provide access to or distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than "Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other form. Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm License as specified in paragraph 1.E.1.

1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying, performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.

1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided that

- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from

the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method

you already use to calculate your applicable taxes. The fee is

owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he

has agreed to donate royalties under this paragraph to the

Project Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments

must be paid within 60 days following each date on which you

prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax

returns. Royalty payments should be clearly marked as such and

sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the

address specified in Section 4, "Information about donations to

the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies

you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he

does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm

License. You must require such a user to return or

destroy all copies of the works possessed in a physical medium

and discontinue all use of and all access to other copies of

Project Gutenberg-tm works.

- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any

money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the

electronic work is discovered and reported to you within 90 days

of receipt of the work.

- You comply with all other terms of this agreement for free

distribution of Project Gutenberg-tm works.

1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm electronic work or group of works on different terms than are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing from both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread public domain works in creating the Project Gutenberg-tm collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic works, and the medium on which they may be stored, may contain "Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by your equipment.

1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all liability to you for damages, costs and expenses, including legal fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE PROVIDED IN PARAGRAPH F3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH DAMAGE.

1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a written explanation to the person you received the work from. If you received the work on a physical medium, you must return the medium with your written explanation. The person or entity that provided you with the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a refund. If you received the work electronically, the person or entity providing it to you may choose to give you a second opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy is also defective, you may demand a refund in writing without further opportunities to fix the problem.

1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any provision of this agreement shall not void the remaining provisions. 1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance with this agreement, and any volunteers associated with the production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works, harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees, that arise directly or indirectly from any of the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.

Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of electronic works in formats readable by the widest variety of computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg-tm's goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will remain freely available for generations to come. In 2001, the Project Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.

Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit 501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered throughout numerous locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact information can be found at the Foundation's web site and official page at http://pglaf.org

For additional contact information:

Dr. Gregory B. Newby

Chief Executive and Director

gbnewby@pglaf.org

Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide spread public support and donations to carry out its mission of increasing the number of public domain and licensed works that can be freely distributed in machine readable form accessible by the widest array of equipment including outdated equipment. Many small donations ($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating charities and charitable donations in all 50 states of the United States. Compliance requirements are not uniform and it takes a considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up with these requirements. We do not solicit donations in locations where we have not received written confirmation of compliance. To SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any particular state visit http://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition against accepting unsolicited donations from donors in such states who approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make any statements concerning tax treatment of donations received from outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation methods and addresses. Donations are accepted in a number of other ways including checks, online payments and credit card donations. To donate, please visit: http://pglaf.org/donate

Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.

Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be freely shared with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.

Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper edition.

Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

http://www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, including how to make donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.