Entscheidung aus Liebe 2

Any Cherubim · Kapitel 1 von 1 · Teil 1/6

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Entscheidung aus Liebe 2

Entscheidung aus Liebe 2

Dieses Kapitel ist lang und deshalb in 6 Teile geteilt.

Any Cherubim

 

KAPITEL 7

Pat war schon früh aufgestanden und in den Laden gefahren, als Kate an diesem Morgen zum Frühstück kam. Jeff und Phil saßen noch am Tisch. Kate hatte nicht gemerkt, wie er wach wurde und sich aus dem Bett gestohlen hatte. Er würde ihr fehlen, da war sie sich ganz sicher.

“Ich komme später in den Blumenladen und verabschiede mich von euch.” sagte Jeff.

Kate hasste Abschiede. Abschiede zogen immer das schleichende Gefühl von Verlust mit sich. Und das hatte sie in letzter Zeit schon zu genüge gefühlt.

Ein letztes Mal frühstückte sie mit Jeff und versuchte nicht zu sehr traurig zu sein, das sie ihren Freund ein Weile nicht sehen würde. Jeff hatte ihr den Autoschlüssel überlassen und Kate freute sich über die neu gewonnene Mobilität.

In Pleasentview kannte sie sich ja aus. Zumindest so weit, das sie nachhause finden würde.

Im Blumenladen wartete viel Arbeit auf sie. Sie hatte ganzen Tag über, alle Hände voll zu tun. Es kamen immer mehr Kunden, und Kate musste sich anstrengen, genug Blumensträuße und kleine Geschenke aus Blumen zu zaubern, während Pat sich im Büro um die Bestellungen kümmerte. Pat war fast ausschließlich am Telefon und nahm Aufträge an und bestellte neue Ware. Kate sah erstaunt auf die Uhr.

„Schon so spät?” dachte sie. Jetzt bald würde Jeff kommen, um sich zu verabschieden. Was sollte sie mit ihrer ganzen Freizeit anfangen, wenn Jeff nicht mehr da sein würde? Klar, sie hatte ja Pat und Phil, doch das war etwas anderes.

Mit Jeff konnte einfach über alles sprechen. Er war ihr Vertrauter und ihr Freund.

Als sie gerade den letzten Blumenstrauß gebunden hatte, klingelte die Ladentür. Jeff und Phil betraten den Laden und in Jeff´s Gesicht lag deutlich Anspannung. Pat bediente einen Kunden und lächelte Jeff mütterlich an.

Es versetzte Kate einen Stich, wenn sie nur daran dachte, ihn für mehrere Wochen nicht zu sehen. Schweigend nahm sie seine Hand in die ihre.

„Wirst du auf dich aufpassen?” fragte Jeff, als er sie im Arm hielt. Sie hatte einen solchen Kloß im Hals und konnte nur nicken. Hinter ihren Augen brannten Tränen, aber Kate versuchte sie nicht so weit hoch kommen zu lassen. Er würde ja wieder kommen, in ein paar Wochen. Doch diese Wochen konnten eine Ewigkeit dauern. Jeff drückte sie fest an sich und streichelte sanft ihre Wangen. „Lass es uns kurz uns schmerzlos machen, Kate. O.K.?” sagte er. Deutlich war ihm anzusehen, das es ihm sehr schwer fiel. „ … Ja, Pass auf dich auf. Hörst du? Und melde dich.” sagte sie und schluckte schwer.

„Ja, und du passe auf mein Auto auf!” scherzte er, als er sich von ihr löste. Dann sah er sie noch einmal liebevoll in die Augen und lies sie los.

Er verabschiedete sich von seiner Mutter, die in Tränen ausbrach. „Solange warst du noch nie von zuhause fort, Jeff!” sagte sie mit tränenreicher Stimme. Ruf an, wenn du gelandet bist, ja?” „Ja, Mom, mach dir keine Sorgen.” lächelte er und strich seiner Mutter über ihren Arm.

Dann war Jeff fort. Er hinterließ in Kate eine leere und ihr war ganz kalt.

Sie fegte die Blumenreste und die verschüttete Erde vom Boden auf, bediente weitere Kunden. Die Arbeit half ihr, sich abzulenken. Am Abend in ihrem Zimmer begann sie ein Buch zu lesen, doch dafür reichte die Konzentration nicht aus. Immer wieder im Laufe des Tages hatte sie über Jeffs Gefühle nachgedacht. Sie hoffte nur dass sich nichts verändern würde. Ihre Freundschaft stand schließlich auf dem Spiel.

Wie hatte das passieren können. Wann hatten seine Gefühle sich verändert? Hatte sie ihn vielleicht dazu ermutigt? Sie hoffte so sehr, das sich Jeff´s wieder normalisieren würde, wenn er zurück kam. Kate hatte keine andere Wahl, sie musste einfach darauf hoffen. Sie selbst hatte sich seit der letzten Begegnung mit Darren wieder fassen können. Sie verdrängte alles was nur mit ihm zu tun hatte und weigerte sich über ihn nach zudenken.

Die Tage vergingen und bald kamen die ersten Bestellungen für den Maskenball an und unweigerlich wurde sie an den jungen Mann erinnert, der sie so aus der Fassung gebracht hatte. Sie kam sich total bescheuert vor, wenn sie sich daran erinnerte. Sie nahm sich fest vor, das ihr das nicht noch einmal passieren sollte. Der Blumenladen lief besser den je und Pat überlegte schon, ob sie noch eine Aushilfskraft einstellen sollte. Das Auftragsvolumen stieg täglich. Und Pat hatte Angst, dass ihr das Volumen ihr über den Kopf wachsen würde.

Jeff rief fast täglich an. Das beruhigte Pat und auch Kate. Es ging ihm gut. Auch wenn sie nur kurz mit ihm sprechen konnten, weil die Telefoneinheiten so teuer waren, waren jedoch alle froh, wenn er anrief und helle Aufregung herrschte im Haus. Kate vermisste ihn und sie langweilte sich. Peter hatte in den letzten Wochen auch nicht viel Zeit. Beruflich war er auch fest eingebunden.Und außerdem war er frisch verliebt und kam am Wochenende nur zu einer kleinen Stippvisite bei seinen Eltern vorbei.

Es war Freitagnachmittag, als es im Laden schon einige Zeit ruhig war.

„Ich bin jetzt mal für eine Stunde im Büro, kommst du alleine klar, Schatz?” hatte Pat gefragt und war schon verschwunden. Die Ladentür klingelte. Kate war gerade im Kühllager, um frische Rosen zu holen.

„Einen Moment bitte, ich komme gleich!” rief Kate Richtung Verkaufsraum. Das Schnittblumenregal musste aufgefüllt werden. Als sie den Laden wieder betrat und sie nach dem Kunden sah, fielen ihr die Blumen aus den Armen. Wieder war das so verhasste Gefühl wieder da, wenn sich ein bestimmter Mann sich in ihrer Nähe aufhielt. Wieder musste sie sich zwingen sich aus seinem Blick zu lösen.

Aber diesmal gelang es ihr und das freute sie. Doch Darren hatte sie durchschaut und grinste ihr wieder frech ins Gesicht. „Hast du eigentlich jedes Mal vor, etwas fallen zu lassen, wenn du mich siehst?” grinste er schief.

Schnell hob sie die Blumen auf und ging ohne auf ihn zu achten zu dem Schnittblumenständer und steckte die Blumen sorgfältig in die Fassung.

Aus den Augenwinkeln heraus beobachtete sie ihn natürlich. Angestrengt sortierte Kate die Blumen, als sie mitten drin inne hielt und ihn fragte:

„Suchst du etwas bestimmtes?” Ihre Stimme klang gereizt. „Ja!” begann er, “ich bin aus zwei Gründen hier. Meine Mutter lässt fragen, ob sie einen Kostenvoranschlag bekommen könnte.” „Oh! Darüber kann ich dir keine Auskunft geben.” sagte Kate so gelassen wie nur irgend möglich. Langsam gewöhnte sie sich an seine Anwesenheit und ihr Körper reagierte wieder auf ihre eigenen Befehle, auch wenn es nur für den Augenblick war, war es immer hin schon ein kleiner Erfolg. Das ihr Herzrasen und ihre Pulsbeschleunigung und was sonst noch alles in ihr drin passierte, für andere nicht so offensichtlich war, beruhigte sie. „Und die zweite Sache?” fragte sie, immer noch bedacht darauf ihm nicht lange anzusehen.

„Ja,….die zweite Sache, ist …. “stammelte er, „ich möchte dich fragen, ob du Lust hast heute mit mir etwas zu unternehmen?” sagte er etwas peinlich berührt.

Mit großen erstaunten Augen sah sie ihn an. Sie konnte es einfach nicht glauben. Er wollte mit ihr etwas unternehmen! Und schon war es mit ihrer Selbstbeherrschung vorbei.

„Kate, wir hatten vielleicht nicht den allerbesten Start. Und das möchte ich wieder gut machen.” sagte Darren in einem ruhigen und sicheren Ton.

Natürlich waren ihre Wangen wieder total errötet und sie senkte verlegen den Blick.

„Ich habe mir gedacht, wenn wir uns etwas besser kennen lernen, dann könntest du vielleicht besser mit meiner Nähe umgehen.” sagte Darren so selbstsicher.

Also war er sich bewusst, was mit Kate passierte, wenn er in ihrer Nähe war. Wie arrogant von ihm, dachte Kate. Doch trotzdem musste sie zugeben, das sie sich geschmeichelt fühlte. Dann sah sie auf seine Hände und entdeckte, das sie ganz leicht zitterten. War er nervös?

Was für einen Grund sollte er haben nervös zu sein? Er war doch ständig Herr der Lage gewesen.

Dieses Wissen führte dazu, das sie sich sicher fühlen konnte. Endlich war sie mal dran, ungewisse Gefühle auszusenden. Um das noch etwas länger zu genießen, lies sie sich absichtlich noch etwas Zeit, mit ihrer Antwort.

Kate führte noch innere Kämpfe mit sich auszumachen, ob sie oder ob sie nicht mit ihm ausgehen sollte.

„Was hast du den vor?” fragte sie um etwas Zeit zu gewinnen. „Ich weiß nicht, wir könnten Essen gehen. Ich kenne ein Restaurant am St. Louis Bay es soll sehr lecker sein und anschließend könnten wir am Strand spazieren gehen. Wäre das in Ordnung für dich?” Noch zögerte Kate. Eigentlich wusste sie auch nicht warum sie das selbst wollte, aber das war die Gelegenheit, mehr über ihn und seine Familie zu erfahren.

„In Ordnung!” sagte sie noch etwas unsicher. Darren strahlte über das blasse Gesicht. Er freute sich offenbar wirklich, dachte Kate.

„Ist halb acht für dich O.K. ?” wollte er wissen. Kate nickte und lächelte ganz kurz, während sie sich wieder den Rosen widmete.

„Dann brauche ich noch eine rote Rose!” sagte Darren und ging jetzt auf Kate zu.

Sie nahm die schönste Rose und zeigte sie ihm. Einen Augenblick schauten sie sich länger in die Augen als nötig. Es schien als wäre sein Blick endlos. Doch lag ein Feuer in Augen, das Kate noch nie gesehen hatte. Sofort beschlich sie das Gefühl, das er wirklich ein Geheimnis hatte. Umso mehr war ihre Neugier geweckt. „Ist … diese in Ordnung?” fragte sie.

Immer noch sah sie gebannt in seine Augen. „Ja, wenn sie dir gefällt!” antwortete er sanft. Sie lief zu Kasse und spürte seinen Blick im Rücken. Kate hörte, wie er das Geld auf die Theke legte, während sie sich zu der Papierrolle gedreht hatte. Als Kate ein Stück des Papiers abgezogen und die Blume in das Papier einpacken wollte, konnte sie gerade noch hören, wie die Ladenglocke ertönte und Darren aus dem Laden gegangen war. Sie hatte noch nicht einmal mehr die Gelegenheit, ihn zu rufen. Kate stand immer noch da, mit der Rose in der Hand und konnte nicht glauben, dass er einfach gegangen war. Gedankenverloren sah sie die rote Rose an. Sie roch an ihr. Der süße Duft stieg ihr in die Nase.

Das Interesse, das sie an Darren hatte, konnte sie nicht leugnen. Auch das er ihr gefiel. Seine ganze Erscheinung war unglaublich. Seine Haut, seine Haare, seine Körper, und vor allem diese Augen, die ihr keine Ruhe mehr gelassen hatte, seit ihrer ersten Begegnung. Diese Gefühle, die er in ihr Auslöste, waren Kate fremd. Noch konnte sie sie nicht richtig einschätzen. Und das machte ihr Angst. Wenn sie an den heutigen Abend dachte, flogen zarte Schmetterling durch ihren Bauch und das machte sie nervös. „Kate?” Sie stand noch immer mit der Rose in der Hand da. „Kate?” hörte sie endlich Pat rufen, die jetzt neben ihr stand. Mit hoch gezogenen Augenbrauen und einem fragendem Gesichtsausdruck starrte sie Kate fassungslos an. Kate zuckte zusammen, als sie ihre Tante neben sich bemerkte. „Oh, ich hab dich nicht gehört, Tante.”

„Ja, das hab ich gemerkt.” sagte Pat mit einem lachendem Unterton. „Darren Noir war gerade hier. Seine Mutter wollte wissen, ob du den Kostenvoranschlag schon fertig hast.” sagte Kate so normal wie nur irgend möglich.

„Ah, ja, der Kostenvoranschlag liegt schon in der Post. … War das alles, was er wollte?” fragte Pat und blickte auf die Rose, die Kate noch in den Händen hielt. Kate zögerte. Es war ihr etwas unangenehm.

„Er will … heute Abend mit mir ausgehen.” Pat`s Augen wurden immer größer, als sie begriff. Abwechselnd sah Pat die Rose und in das Gesicht von Kate. „Die Rose gehört mir nicht. Er hat sie gekauft und … er musste wahrscheinlich dringend weg und hatte keine Zeit mehr sie mit zu nehmen, aber ich werde sie ihm heute Abend geben!“ erklärte Kate und sie spürte selbst, wie merkwürdig sich ihre Erklärung für Pat anhören musste. Pat grinste und lief ins Büro. Dabei rief sie Kate noch zu, dass sie Katharina anrufen würde.

Kate stellte die Rose in eine Vase und bediente den nächsten Kunden. Das plötzliche Verschwinden von Darren konnte sie sich nicht erklären. Aber sie würde ihn heute Abend darauf ansprechen. Sie würde ihm seine Rosen auf jeden Fall heute Abend geben. Schließlich hatte er ja auch dafür bezahlt. Den ganzen restlichen Nachmittag hatte Kate Schwierigkeiten bei einer Sache zu bleiben. Einzelne Handgriffe musste sie doppelt machen, so unkonzentriert war sie.

Pat hatte ihre innere und Zerstreutheit auch bemerkt, deshalb beschloss sie, Kate früher nachhause zuschicken. Dann konnte sie sich auch in aller Ruhe auf das heutige Essen mit Darren vorbereiten.

Dankbar das ihre Tante so viel Verständnis für sie hatte, fuhr Kate nachhause und überlegte, was sie anziehen sollte. Sie wollte sich nicht groß heraus putzen, damit er nicht den Eindruck bekam, dass sie ihm gefallen wollte. Deshalb wählte sie eine neue Jeans und ein neues Oberteil. Wie immer, wenn Pat etwas für sie ausgesucht hatte, eng anliegend und etwas zu sexy für Kates Geschmack. Sie zog es wieder aus und nahm ein normales T-shirt aus dem Schrank. Nein, das konnte sie auch nicht anziehen. Für ein Restaurantbesuch etwas zu …..!

Langsam musste sie aber entscheiden. Darren würde gleich da sein. Widerwillig zog sie das erste Oberteil an, was sie ausgesucht hatte. Ihr Haar trug sie offen. Es lockte sich leicht und fiel ihr sanft in den Rücken.

Je Näher der Zeitpunkt rückte, desto aufgewühlter wurde sie. Sie zog ihre Halbschuhe an, die zufällig zu ihrem Oberteil passten. Dann hörte sie es auch schon an der Tür klingeln. Pat, die auch erst Nachhause gekommen war, öffnete die Tür. ”Oh, Hallo Darren, Kate müsste gleich so weit sein. Komm rein!” Nervös strich Kate sich eine Haarsträhne hinter ihr Ohr und straffte ihre Schultern. Ein letzter Blick in den Spiegel. Dann ging sie zur Treppe.

Pat und Darren standen vor dem Treppenansatz im Flur und sahen zu Kate hinauf.

Ganze Schmetterling-Schwärme flogen durch Kates Bauch, als sie Darren erblickte. Wieder entdeckte sie dieses anzügliche Lächeln auf seinen Lippen.

„Kate, du siehst wunderschön aus!” sagte Pat bewundernd. Über Darren fiel Kate nichts weiter ein, sie war sprachlos. Er sah großartig aus. Das dunkelblaue Hemd passte hervorragend zu seinen Haaren. Seine dunkle Hose und die passende dunkle Jacke, ließen seine ganze Erscheinung männlich und markant wirken. Er sah aus wie ein Model. Fast unwirklich. Kate lief die Treppe hinunter und Pat nahm ihre Hände, die kühl waren vor Aufregung und tätschelte sie. Darren hatte immer noch seinen Blick auf Kate gerichtet und sah sie gebannt an. Doch dann löste er seinen Blick von Kate und sagte zu Pat:

„Wir fahren nach St. Louis Bau, Mrs. Bennet. Ich werde sie rechtzeitig wieder nachhause bringen.”

„Ja, ist in Ordnung! Ich wünsche euch einen schönen Abend und viel Spaß!” sagte Pat und sah zwinkernd zu Kate. Darren öffnete die Tür und führte Kate zum Auto. Kate hatte die Rose in ihrer Hand, die er vergessen hatte, aber er hatte sie noch nicht bemerkt. Ganz Gentleman öffnete er ihr die Tür und wartete, bis sie auf dem Beifahrersitz platz genommen hatte. Dann stieg er selbst ein und startete das Auto. Kate winkte noch mal ihrer Tante zu. Dann ließen sie das Haus und die Straße hinter sich.

Der Himmel war bewölkt. Die Wolken ließen keinen Mondschein zu. Aber es war ungewöhnlich mild, für diese Jahreszeit. Sie schwiegen beide. Keiner wusste genau was sie sagen sollten. Darren sah stur auf die Straße, genau wie Kate. Dann bemerkte sie die Rose wieder in ihrer Hand.

„Du hast deine Rose vergessen!” sagte sie, dankbar etwas gefunden zu haben, um ein Gespräch zu anzufangen. Er blickte erst Kate kurz an und dann die Rose.

„Oh, die Rose … ja, ich ….!” stotterte er.

„Ich habe die Rose nicht vergessen, Kate! Sie war für dich bestimmt!”

Fast hatte Kate es in Verdacht gehabt. Eigentlich hätte sie sich das denken können.

“Oh, Danke! Aber warum hast du sie mir dann nicht selbst gegeben?“ fragte sie und genoss es wieder einmal ein Stück ihrer Selbstsicherheit wieder bekommen zu haben. Sie spürte, wie er nach den richtigen Worten suchte.

„Hättest du sie den angenommen?“sagte Darren.

Vielleicht hätte er Recht. Vielleicht hatte er ihr die Rose nur deshalb nicht persönlich gegeben, um ihr diese peinliche Situation zu ersparen.

„Wieso bist du hier in Pleasentview?” startete er mit einer weiteren Frage und kam so auf ein anderes Thema. Eigentlich wollte sie ein paar Antworten von ihm und nicht umgekehrt.

„Meine Mutter,” begann sie zögernd, „sie ist vor kurzem gestorben.” „Das wusste ich nicht, tut … tut mir leid.” Kate fiel es immer noch schwer darüber zu sprechen.

„Aber wieso kamst du her?” wollte er immer noch wissen. Zögernd begann sie zu erzählen, wie sie nach Pleasentview kam, ohne dabei allzu persönlich zu werden. Um auch von diesem Thema abzulenken fragte sie:

„Ist es noch weit, bis wir im Restaurant sind?” Bevor Kate eine Antwort bekam, sah sie die Lichter der nächsten Stadt aufleuchten.

„Da vorn, ist es schon.”

Als sie am Parkplatz vor dem Restaurant ausstiegen, konnte Kate das Meer förmlich riechen. Der salzige Geruch war ihr vertraut aus Kindheitstagen. Jetzt erst wurde ihr klar, wie sehr sie das Meer liebte und wie sehr sie es vermisst hatte.

Darren führte sie ins Restaurant. Man kannte ihn hier. Eine Kellnerin, kam gleich grüßend auf ihn zu und sagte: „Guten Abend Mr. Noir, wir haben einen Tisch am Fenster für sie heute Abend, bitte folgen sie mir.”

Er nickte und sie folgten der Kellnerin. Fast alle Tische waren besetzt. Kate fiel auf, wie viele Blicke Darren auf sich zog vor allem weibliche. Was ja auch kein Wunder war, mit seinem Aussehen. Sie setzten sich beide. Die Kellnerin hatte geduldig gewartet, bis Kate und Darren saßen.

„Was möchtest du trinken?” fragte er ganz ruhig und gelassen. Alkohol wollte sie nicht trinken. Kate wollte den Abend ungetrübt erleben.

„Eine Cola!” sagte sie und sah dabei die Kellnerin an, die sofort auf einem kleinen Notizblock ihre Bestellung notierte. „Und Sie Sir?” fragte die Kellnerin Darren.

„Für mich ….. ein Wasser, und bitte die Karte.” sagte er knapp. Die Kellnerin verschwand, dann waren sie allein. Die Kellnerin verschwand sofort, nach dem sie die Bestellung entgegen genommen hatte und Darren faltete seine Hände zusammen und sah Kate lange an.

Krampfhaft versuchte Kate, die peinliche Stille zwischen ihnen, mit einem Gespräch aufzulockern, doch ihr fiel nichts ein. „Du bist nervös!“ sagte Darren und grinste sie dabei an. „Merkt man das?“ gab sie ehrlich zu.

Er antwortete nicht und sein Grinsen wurde breiter. Weiße, gerade Zähne kamen zum Vorschein, die Kate bewunderte. „Wer war die Frau, in dem Restaurant? Ist sie deine Freundin?“ fiel Kate ein.

“Das waren jetzt aber schon mehr als eine Frage!” lächelte er. “Wirst du mir sie alle beantworten,” fragte Kate und beide wussten, dass sie nicht nur die ausgesprochenen Fragen damit meinte. Dann wurden sie wieder unterbrochen, da die Kellnerin mit der Karte und der Cola kam. Sie stellte die Cola vor Kate und gab Darren die Karte.

“Darf ich für dich wählen?” fragte Darren Kate. Kate hatte keine bestimmten Vorlieben, ihr schmeckte fast alles. Als sie einverstanden nickte, blätterte er schon in der Karte. „Bist du mit einem Gemüseauflauf einverstanden?” „Ja!” Er gab der Kellnerin die Essensbestellung auf. „Und für Sie Sir?” fragte sie.

„Für mich bitte nichts!” gab er genauso knapp zurück, wie er es bei der ersten Bestellung getan hatte.

„Wieso isst du nichts?” fragte Kate verwundert und erinnerte sich auch das seine Mutter gestern zwar sich einen Kaffee eingeschenkt hatte, aber ihre Tasse unberührt geblieben war. Mit Kate`s Frage hat sie wohl einen wunden Punkt erwischt. Sie konnte etwas gequältes in seinen Augen sehen. Und er wich ihren Augen aus. „Ich … habe keinen Hunger.”

„Aber du lädst mich zum Essen ein, und ich muss nun allein essen?” Diesmal wollte Kate ihm nicht die Möglichkeit lassen, vom Thema abzulenken.

„Ich habe schon gegessen!” sagte er nur. Kate wusste, dass es schwer war für ihn. Sie sah es an seinem gequälten Blick. Deshalb bohrte sie nicht weiter. Aber mehr als merkwürdig fand sie das schon.

Die Kellnerin brachte das Essen. Kate hatte ja nur gefrühstückt, zu mehr hatte sie einfach keine Zeit gehabt. Deshalb hatte sie Hunger, begann mit großen Appetit zu essen.

Darren beobachtete sie während sie sich Gabel für Gabel in den Mund schob.

„Was? Warum starrst du mich so an?” fragte sie eine Spur zu gereizt.

„Ich weiß auch nicht, ich sehe dir gern beim Essen zu?” Kate wusste nicht, was sie davon halten sollte. Was hatte das zu bedeuten? Sie hatte ungefähr die Hälfte des Auflaufs gegessen, als sie keinen Appetit mehr hatte. Das war der merkwürdigste Restaurantbesuch, den sie je hatte. Noch nie hatte ihr jemand so intensive beim Essen zu gesehen.

„Möchtest du noch etwas?” fragte Darren. „Nein, Danke, ich habe genug. Ich hätte lieber ein paar Antworten auf meine Fragen. Du hast mir nämlich keine einzige davon beantwortet.” sagte sie spitz.

Darren lächelte und Kate merkte ihm an, dass seine Ablenkungsmanöver ihm langsam ausgingen. „Du willst viel wissen, auch von Dinge, über die ich dir keine Antworten geben kann.”

„Willst du mir keine Antworten geben, oder kannst du wirklich nicht.”fragte sie ungläubig.

„Um ehrlich zu sein Kate, …. Ich …” Dann wurden sie wieder unterbrochen, von der Kellnerin, die Kates Teller abräumte. Sie fragte, ob sie noch einen Wunsch hätten, doch Darren verlangte nur die Rechnung. Diesmal hatte ihn die Kellnerin wieder einmal gerettet. Kate nahm sich vor nicht locker zu lassen. Nachdem er bezahlt hatte, verließen sie das Restaurant. Sie liefen nebeneinander her.

„Lass uns zum Strand gehen, Darren. Ich war schon eine Ewigkeit nicht mehr dort. Ja?”

Er lächelte sie heiter an. Es war das erste mal, das sie unbefangen mit ihm sprach. Das erste mal, das sie ihn um etwas bat.

„Alles was du willst, Kate.”

„Ist es weit von hier aus zu laufen?”

„Nein, aber ich kenne eine schöne Bucht, die werde ich dir zeigen.“ Also fuhren sie mit dem Auto ein Stück weiter die Landstraße entlang, bis Kate den Strand von ihrem Fenster aus sehen konnte. Er lies das Auto in einer kleinen Parkbucht stehen. Darren suchte etwas im Kofferraum. Doch Kate hatte keine Lust auf ihn zu warten und ging voraus.

Das Meer hatte Kate schon immer fasziniert. Sie liebte den weichen Sand unter ihren Füßen. Sie zog ihre Schuhe aus, um den Sand zwischen den Zehen zu spüren. Es war ein herrliches Gefühl. Darren beobachtete sie. Er lehnte mit verschränkten Armen an seinem Auto und sah zu Kate, die wie ein kleines Kind sich freute am Meer zu sein. Sein Blick war sanft und gerade zu lieb. „Komm runter Darren, das ist großartig. Das musst du unbedingt auch fühlen.”

Jetzt konnte er sich ein halb lautes lachen nicht unterdrücken. In einem Arm hatte er eine Decke, die er aus dem Kofferraum geholt hatte. Er breitete sie aus. Dann zog er Socken und Strümpfe aus und ging zu ihr. Sekunden lang watteten sie still durch den Sand. Auch er schien das nasse, massierende Gefühl zu genießen. Dann sah Kate ihn fragend an.

„Du schuldest mir noch was, Darren.” Und als er “angeblich” nicht gleich verstanden hatte, was genau sie meinte fügte Kate hinzu: „Bitte, wenn du willst, dass wir uns besser kennen lernen und Freunde werden, dann musst du mir schon helfen.” Erstaunt über ihre Worte setzte er sich auf die Decke. „Was willst du wissen?“

Hoffentlich würde er nicht wieder ausweichen, dachte Kate. „Wieso wolltest zu mit mir ausgehen?”

Es war zwar schon dunkel, doch das Mondlicht schien gerade so hell durch die Wolkendecke, das sie sein Gesicht sehen konnte. Er lies sich Zeit mit seiner Antwort, doch Kate würde warten, auch wenn die Sonne schon wieder aufgehen würde. Sie konnte sehr geduldig und ausdauernd sein.

„Wir sollten uns beide nichts vormachen, Kate. Wir … fühlen uns beide stark von einander angezogen. Ich habe das Bedürfnis ständig in deiner Nähe sein zu wollen!” sagte Darren endlich und sah ihr dabei tief in die Augen. Mit so einer ehrlichen Antwort hatte Kate nicht gerechnet. Und er traf den Nagel auf den Kopf damit. „Du hast mich einfach verblüfft, mit deiner Art. Und ich wusste, ich musste dich kennen lernen, um heraus zu finden, was du für ein Mensch bist. Ich kann dich nicht durchschauen, Kate. Normalerweise kann ich das bei den meisten Menschen. Aber bei dir?”

Kate fühlte bei diesen Worten ein warmes, wohliges Gefühl in sich ausbreiten. Nie hätte sie erwartet so etwas von Darren Noir zuhören. Nie hätte sie geglaubt, dass so ein attraktiver Mann, sich für sie interessieren könnte. Ausgerechnet ich, die “Durchschnitts Kate“, dachte sie.

Immer noch sah er ihr in die Augen und Kate verlor sich darin. „Ich habe das Gefühl, das ich nie wieder von dir weg möchte, Kate!” gestand er.

„Dann … geh nicht!” flüsterte Kate.

Zu mehr war sie im Augenblick nicht in der Lage. Sie bemerkte eine innere Hitze, die ihr fremd war. In seinen Augen loderte das Feuer golden, wie beim letzten Mal. Seine Lippen waren so verlockend. Sie suchte nach der Kraft, die ihr helfen sollte endlich von seinen Augen los zu kommen. Verlangen konnte sie in seinem Blick lesen und spürte dieselbe. Ihre Hand wollte über seine Wange gleiten. Doch Darren zerstörte diesen Augenblick und wich zurück. „Nein, nicht?” Schnell zog sie ihre Hand wieder zurück und senkte den Blick. Sie schämte sich. Hatte sie sich das nur eingebildet, oder fühlte nur sie diesen Augenblick so?

„Verzeih mir, aber du verstehst das nicht. Du darfst dich nicht so auf mich einlassen!”

„Wieso nicht?” fragte sie traurig.

„Vielleicht dürfen wir uns überhaupt nicht auf einander einlassen!” sagte Darren gequält.

Jetzt verstand Kate gar nichts mehr.

„Also, ... du hast ein Geheimnis und ich soll dir nicht zu nahe kommen. … Wer verbietet es dir?” fasste sie nachdenklich zusammen.

„Kate, ich … kann dir das nicht sagen.”

Jetzt hatte ihre Neugier ganz die Oberhand. „Und wenn ich es selbst herausfinde?”

Er wusste sie würde niemals aufgeben und er sah keinen anderen Weg. Sie würde so lange Fragen stellen und alles genau beobachten, wie sie es schon die ganze Zeit gemacht hatte, bis sie es herausgefunden hatte.

„Ich mache dir ein Angebot Kate. Wir spielen ein Spiel.” „Ein Spiel?” fragte sie erstaunt. Du hast zwei Versuche das Geheimnis zu lösen. Für jede falsche Lösung schenkst du mir einen Tag mit dir.” Jetzt lachte Kate laut auf. War das vielleicht nur eine Masche von ihm?

„Und für die richtige Antwort?” fragte Kate. Falls du es wirklich heraus findest, werde ich dich in Ruhe lassen. Darren sah ihre Frage in ihren grünen Augen und bevor sie die Frage stellen konnte antwortete er: „Wenn du es heraus findest Kate, wird sich dein Leben ändern. Du wirst nicht mehr an das Glauben, was du jetzt noch glaubst.”

„Woher willst du das wissen?” fragte sie leicht trotzig. Er schwieg einen Moment, dann sagte Kate: „Ich habe aber zwei Bedingungen an dich, Darren.”

„Du bist wirklich ein starker Verhandlungspartner!“ lachte er. „Schieß los, welche Bedingungen sind es?”

“ 1) Ich darf dir Fragen stellen, die du auch beantworten musst. Ohne Irreführung oder so etwas!” Er lachte. „O.K., aber es wenn es fragen sind, die ich dir nicht beantworten kann, werde ich es geschickt umgehen müssen. Was ist die zweite Bedingung?”

„Die zweite Bedingung ist, wenn ich es heraus gefunden habe, darf ich selbst entscheiden, was danach werden wird.” Kate hatte keine Ahnung, wie stark der Schmerz in Darren Brust dröhnte, als sie das aussprach. Das konnte sie auch nicht, aber Darren war sich sicher, das sie das von selbst nicht mehr wollte, sobald sie es wusste. Deshalb war es auch nicht schwer für ihn auf die zweite Bedingung einzugehen.

„Abgemacht?” fragte Kate. Sie sah ihn erwartungsvoll an und wartete auf sein Einverständnis.

„Abgemacht!” und wann fangen wir an?” wollte Darren wissen.

„Ich würde sagen Morgen!”

„Lass uns noch ein paar Schritte gehen!” bat Kate. Sie standen beide auf und gingen direkt zum Wasser. Kate war nun zufrieden, weil sie jetzt eine Abmachung mit ihm hatte. Und das Beste war, diese Abmachung würde dafür sorgen, dass sie sich jeden Tag sehen würden.

Als Darren sie an diesem Abend nachhause fuhr, hatte Kate den Eindruck gehabt, dass das Eis zwischen ihnen gebrochen war. Sie hatte sich beinahe so frei gefühlt, wie bei Jeff. Nach ihrer Abmachung, hatten beide bewusst nicht mehr über das Thema, um das Geheimnis, gesprochen. Sondern sie unterhielten sich über alle möglichen Themen. Natürlich war in manchen Momenten ihr Herzschlag nicht so wie er sein sollte, doch sie spürte, deutlich, das es ihm nach seinem Geständnis ähnlich erging wie ihr. Ganz langsam konnte sie es auch an ihm erkennen. Das löste viele kleine Glückshormone in ihr aus. Und sie begann diese Momente zu genießen. Sie lernte Darren Noir kennen. Als das Auto in die kleine Auffahrt vor Kates Haus fuhr, war Kate beinahe schon traurig, dass der Abend vorbei war. Dabei war sie anfangs sehr schüchtern und unsicher gewesen. Doch das hatte sich alles in Luft ausgelöst. Sie wollte mit ihm befreundet sein, dessen war sie sich ganz sicher.

„Es war ein schöner Abend, vielen Dank.” sagte Kate. Er hatte sich leicht zu ihr gedreht und blickte sie an.

„Ich fand es auch sehr schön, mit dir.”

Sein lächeln berührte Kate immer wieder aufs Neue. Dann schwiegen sie beide einen Moment. Da gab es noch so viel, was unausgesprochen war, das spürten beide. „Eine Frage habe ich noch, Darren. Wenn ich dir täglich Fragen stellen darf, dann müssen wir uns aber jeden Tag sehen. Wie stellst du dir das vor? Ich arbeite fast den ganzen Tag bei meiner Tante im Blumenladen. Und ich kann schließlich nicht jeden Abend ausgehen.”

„Mach dir darüber keine Sorgen, morgen ist Samstag. Am Nachmittag hast du frei. Dann Sonntag ….. Und für die nächste Woche lasse ich mir was einfallen!”sagte Darren als wüsste er schon ganz genau.

„O.K., dann verlasse ich mich auf dich.” Er nickte und als Kate den Wagen öffnete um auszusteigen, rief er sie: „Kate?”

„Ja?”

„Du kannst dich immer auf mich verlassen.” Kate lächelte ihn an.

„Bis morgen Darren.“

„Bis morgen Kate.“

Sie war für ein paar Stunden glücklich gewesen. Und das hatte sie Darren Noir zu verdanken.

Als sie nur noch das Motorgeräusch von seinem Auto hören konnte, ging sie ins Haus.

Pat hatte auf sie gewartet, während Phil schon zu Bett gegangen war.

„Du bist schon wieder da?” fragte Pat verwundert. „Ich dachte, du kommst später nachhause! …. Na, wie war er?” Pat war so neugierig. Sie wollte unbedingt wissen, ob der Mann, der so ungeheuerlich gut aussah, auch nett war. „Es war wunderschön heute Abend, er hat mich zum Essen eingeladen, und anschließend waren wir am Strand.” Pat konnte Kates Augen leuchten sehen und war mit der Antwort sehr zufrieden. Auch Pat machte es glücklich, Kate so zu sehen. „Ich bin müde Tante, ich gehe gleich schlafen. Gute Nacht!” Sie drückte ihr einen Kuss auf die Wange und ging in ihr Zimmer. Schnell wusch sie sich, putze ihre Zähne und legte sich gleich in ihr Bett.

An Schlaf war natürlich nicht zu denken, denn dafür war Kate viel zu durcheinander. Darren mochte sie, das hatte sie begriffen. Aber die Sache mit der Abmachung ging ihr einfach nicht aus dem Kopf. Wieso sollte sie sich nicht mit ihm einlassen? Und wieso würde sie es von selbst nicht mehr wollen, wenn sie das Geheimnis gelüftet hatte? Hatte er etwas schlimmes getan? Nein, das konnte sie sich nicht vorstellen. Für Morgen musste sie sich eine gute Frage einfallen lassen. Oder wäre es besser, es nicht herauszufinden, was ihn quälte. Ja, das war eine kleine Spur. Darren litt unter irgendeiner Sache oder unter irgendwas. Sie müsste vorsichtig sein. Auf keinen Fall wollte sie, dass er durch sie noch mehr leiden würde. In ihrem Kopf hatte sie das Bild, als sie ihn berühren wollte. Die Art wie er sich ihr entzogen hatte. Als hätte er Angst davor. Ein kleiner Schmerz durchfuhr Kate bei dem Gedanken. Das würde sie noch mal probieren müssen. Vielleicht nicht so offensichtlich. Das nahm sie sich für die nächsten Tage fest vor. Eine zufällige Berührung, um zu sehen, wie er darauf reagieren würde. Kate schlief langsam ein und träumte wie fast jede Nacht. Doch jetzt hatten diese Augen einen Namen und ein Gesicht. Jetzt hatte er Persönlichkeit.

 

Kapitel 8

Am nächsten Morgen war Kate früh schon im Blumenladen gewesen, um an der Deko für Katharinas Maskenball zu arbeiten. Pat bediente schon den ganzen Morgen Kunden und Phil packte die Lieferungen aus, die am gestrigen Abend gekommen waren. In Gedanken war Kate ständig bei Darren und auch manchmal bei Jeff. Sie hatte gestern nicht mit ihm gesprochen. Sie wusste auch nicht, ob er angerufen hatte. Aber heute würde sie ihn bestimmt sprechen können. Falls nicht, würde sie ihm eine SMS schicken. Der Vormittag war schnell vorbei und das ersehnte Wochenende nahte.

Kate starrte ständig erwartungsvoll an die Ladentür, wenn es läutete, aber Darren tauchte nicht auf. Dabei war heute so ein schönes Wetter. Sie hatte sich vorgestellt, dass er sie am Nachmittag abholen würde, dann würden sie etwas schönes Unternehmen. Die Ladentür ging oft auf und zu, an diesen Samstagvormittag, doch von Darren war nichts zu sehen. Auch das Telefon klingelte verhältnismäßig oft. Doch es war nie für Kate bestimmt. Vielleicht würde er sie zuhause anrufen, wenn sie Feierabend hatte. Sobald Pat die Ladentür geschlossen hatte, konnte Kate nicht schnell genug nachhause kommen. Sofort sah sie auf den Anrufbeantworter. Auch dort auf dem Display stand eine Null, für Null Anrufe in Abwesenheit. Enttäuscht darüber, das Darren sich den ganzen Nachmittag nicht gemeldet hatte, hatte Kate beschlossen es sich im Garten in der Sonne bequem zu machen. Sie hatte sich eine Gartenliege in die Sonne geschoben. Mit geschlossenen Augen lag sie nun in der Sonne und tankte so viele warme Strahlen ein, wie sie konnte.

Das Telefon klingelte. Pat stand fast neben dem Telefon, also nahm sie auch ab. Sie sprach eine ganze Weile mit dem Anrufer, dann sagte Pat plötzlich ihren Namen. Sofort wurde Kate hellhörig und ein Schauer durchfuhr sie. Dann hörte sie wie Pat sie rief: „Kate! … Kate, Telefon.”

Als Kate binnen Sekunden am Hörer war, klopfte ihr Herz wie wild. „Ja, Hallo!?“

Es war Jeff. Der enttäuschte Unterton konnte Kate sich nicht verkneifen.

„He, du hörst dich aber nicht glücklich an mich zu hören.” „Doch, es ist nur….” Jetzt tat es ihr leid, das sie sich enttäuscht angehört hatte. Sie hatte Jeff vermisst und wollte ihm nicht das Gefühl geben, das sie eigentlich jemand anderen erwartet hatte. „Was macht der Laden, läuft alles noch? Fressen dir die Kunden immer noch aus der Hand?”

Sie konnte sein Lachen hören und freute sich, das er es ihr nicht übel nahm.

Es tat gut seine Stimme zu hören. Sie plauderte mit ihm über verschiedensten Dinge und erzählte ihm, was so los war. Das einzige was sie aus lies, war Darren. Das Gespräch ging leider nicht sehr lange, dann musste Jeff wieder auflegen. Sie versprachen sich, bald wieder von einander zu hören. Dann legte sie auf. Sie holte sich aus der Küche etwas zu trinken und ging wieder in die Sonne.

Warum hatte sie Jeff nichts von Darren erzählt? So wie die Dinge im Moment lagen, wollte sie Jeff nicht ….! Ja, was ….? Es war unfair von ihr, das wusste sie. Aber es hätte Jeff bestimmt verletzt. Vorallem nachdem sie wusste, was er für sie empfand. Das schlechte Gewissen, das sich in ihrem Herzen breit machte, würde mit jedem Telefonat, größer werden. Sie musste ihm davon erzählen. Das nahm sich Kate fest vor. Beim nächsten Anruf würde sie es ganz beiläufig erwähnen. Dann würde Jeff wissen, dass es außer ihm noch einen Mann gab.

War Darren überhaupt ein Mann für sie?

Gestern Abend hatte er gesagt, sie solle sich besser nicht auf ihn einlassen. Wie sollte das gehen? Ihr Körper reagierte ganz ungewöhnlich auf ihn und sie konnte sich plötzlich ganz andere Dinge vorstellen. Diese Leidenschaft war ihr neu. Viele Gefühle waren ihr neu.

Darren war neu. Darren und Jeff. Das waren zwei ganz Unterschiedliche Dinge. Das war nicht das gleiche. Mit Jeff verband sie tiefe Freundschaft und eine Geschwister-liebe, die ihr sehr wichtig war. Doch bei Darren war es anders. Sie wollte auch eine so tiefe Freundschaft mit Darren, doch sie spürte, dass sie noch etwas anderes wollte. Sie musste nur noch genau herausfinden, was. Sie lag in ihrem Gartenstuhl und langsam machte sich die Ungeduld wieder in ihr breit. Sie hörte Kinder in Nachbargärten spielen. Ab und zu fuhr ein Auto vorbei.

Dann hörte sie ein lautes Motorgeräusch, das von einem Motorrad kommen musste. Es wurde immer lauter. Das Motorrad fuhr schnell und kam direkt an der Tuja-Hecke, die den kleinen Gartenbereich ihrer Tante umzäunte, zum stehen. Sie konnte nichts Genaueres erkennen, durch die dichte Hecke.

Plötzlich flog etwas weißes zu Kate in den Garten und das Motorrad fuhr so schnell, wie es gekommen war, wieder weg. Neugierig, wie Kate nun einmal war, stand sie auf, um zu sehen, was der Motorradfahrer zu ihr in den Garten geworfen hatte. Es sah aus, wie ein Zusammengeknülltes Stück Papier. Sie hob es auf und entfaltete es.

Dann las sie: Heute Abend

nach Sonnenuntergang

Komm zur großen Apfelwiese

Ich warte dort auf Dich

Darren

Wieder begann ihr Puls zu rasen, als sie seinen Namen gelesen hatte. Warum konnte er ihr das nicht telefonisch mitteilen? Wieder eine seltsame Eigenart, die sie nicht verstand, doch die Vorfreude auf den Abend lies sie das schnell vergessen. „Kate, kommst du mal!” rief Pat nach ihr. Kate folgte Pat ins Wohnzimmer. Auf dem Wohnzimmertisch lagen mehrere Stapel Papiere, die Pat bearbeitet hatte.

„Siehst du Darre am Wochenende?”

„Ja?!“ zögerte sie, „ich denke schon, warum?” „Ich habe den Kostenvoranschlag für seine Mutter noch mal überarbeitet und wenn du ihn sowie so siehst, könntest du ihm den Umschlag gleich mitgeben.” sagte Pat.

Kate nickte und nahm den Umschlag entgegen. „Ach da fällt mir ein,” sagte sie beiläufig, „das hier war im Briefkasten für dich.”

Sie übergab Kate ein Brief.

„Was ist das?”

„Wenn du es öffnest, wirst du es erfahren. Es stand kein Absender drauf, nur ihr Name und das von handgeschrieben. Kate kannte niemanden mit so einer Handschrift. Sie öffnete das Kuvert und nahm einen gefalteten Brief heraus. Dann lass sie:

EINLADUNG ZUM DIESJÄHRIGEN MASKENBALL Am 29.03. 2010 um 20 Uhr findet unser diesjährige Maskenspektakel statt.

Alles steht unter dem Thema: HIMMEL UND HÖLLE

Es wird um entsprechender Kleidung gebeten.

 

Etwas bleich und leicht zittrigen Händen, starrte sie auf die Einladung.

„Kate, was ist?” fragte Pat, als die ihr Gesicht sah. Die Noirs haben mich zum Maskenball eingeladen, sagte sie etwas dünn. Damit hatte sie überhaupt nicht gerechnet. Ein Maskenball! Der Maskenball! Die ganze Stadt sprach schon darüber. Es war das Ereignis des Jahres. Unsicher sah Kate zu ihrer Tante. „Mach dir keinen Kopf! Phil und ich, wir sind auch eingeladen. Und Jeff eigentlich auch, aber er wird noch nicht da sein.” sagte Pat. „Als was möchtest du dich verkleiden?” fragte Pat. Kate bemerkte wie Pat jetzt schon aufgeregt war auf das Fest. „Ich hab keine Ahnung, Tante!”

„Das macht nichts, wir werden schon das Richtige für dich finden, wir haben ja noch etwas Zeit.” Sie hatten noch knapp 2 Wochen, bis zum Ball.

„Komm Schatz, setz dich einen Moment zu mir.” Kate setzte sich zu ihrer Tante auf das Sofa, auf dem Pat saß. „Was ist los, Kate?” begann sie.

„Nichts, was soll sein?”

„Doch du bist seit 2-3 Tagen so ….,“ sie suchte nach Worten, „…so in dich gekehrt. Hat es etwas mit Jeff zu tun?” „Nein Tante, mit Jeff ist alles klar!” log sie. Dann lag kurz stille zwischen beiden Frauen. „Du hast dich in Darren verliebt.” sagte Pat vorsichtig. „Nein, das hab ich nicht!” sagte Kate schnell, obwohl sie wusste, das etwas Wahrheit darin steckte.

„Ich … mag ihn!” sagte Kate langsam.

„Du bist ganz fasziniert von ihm, Kate. Das sieht sogar ein Blinder. Was ist das Problem?”

Natürlich, ihre Tante kannte sie gut genug um zu wissen, das irgendetwas mit ihr los war.

„Ich weiß nicht genau, was los ist. Ich erkenne mich manchmal selbst nicht mehr. Ich fühle so viele neue Dinge, ich kann nicht richtig sagen, was das genau ist. Die Gefühle sind so … tief, so voller Leben, so … anders.”

Jetzt erschrak Kate, gerade über ihre eigene Worte, die sie eigentlich nur denken wollte und nicht laut aussprechen wollte. Schnell stand sie auf und verließ fluchtartig, unter einen Entschuldigung zu ihrer Tante, das Wohnzimmer. Pat lächelte vielsagend. Phil kam gerade ins Wohnzimmer, als Kate an ihm vorbei rauschte. Fragend sah er Kate hinterher. „Was ist den los?” fragte er und ging zu Pat. Pat lächelte immer noch und sagte:

„Kate hat gerade herausgefunden, das sie verliebt ist!” „Da wird Jeff sich aber freuen, wenn er nach hause kommt.”sagte Phil und nahm seine Pfeife und begann sie mit Tabak füllen. Pat sah ihn entgeistert an.

„Ach Phil, du hast ja keine Ahnung.” sagte Pat vielsagend. „So? Von was habe ich den keine Ahnung?”

„Du hast keine Ahnung, was in deinem Haus so vor sich geht. Also: ……

Während Pat ihren Mann über die verschiedenen Dinge aufklärte, lag Kate in ihrem Bett und konnte nicht fassen, was Pat zu ihr gesagt hatte.

Hatte Pat recht? Hatte sie sich in Darren verliebt? War das eine Verliebtheit, oder war es mehr als das? Ihre Gedanken waren wirr und durcheinander. Ihre Augen waren schwer und sie schlief ein.

Als sie ihre Augen wieder öffnete war es schon dunkel draußen. Sofort war sie hell wach, als sie sich an ihre Verabredung mit Darren erinnerte. Sie ging ins Badezimmer, machte sich etwas frisch. Es war nun schon kühler geworden, deshalb nahm sie die rote Strickjacke mit. Dann ging sie nach unten und lies sich von Phil den Weg zur Apfelwiese erklären. Dann nahm sie den Kostenvoranschlag für Darrens Mutter mit und verließ eilig das Haus.

Die Apfelwiese war nicht weit, deshalb beschloss Kate das Auto stehen zu lassen. Sie war schon fast außer Atem, als sie die kleine Lichtung zu Wiese entlang kam. Sie sah niemanden und hörte auch nichts. Vielleicht war er noch nicht da, fragte sich Kate. Oder vielleicht war er da und ist wieder gegangen? Jetzt stand sie vor der verabredeten Wiese, doch nichts. Niemand! Das einzige was sie hören konnte war ihr Atem, der sich nur ganz langsam beruhigte.

Der Mond schien hell und dadurch konnte sie auch besser sehen. Aber sie sah niemanden.

Plötzlich spürte sie einen kühler Luftzug hinter sich. Ruckartig drehte sie sich um.

„Darren!” schrie sie. „Du hast mich erschreckt!” Er lächelte unwiderstehlich.

„Du bist spät dran,“ sagte er mit tiefer Stimme. Bei dem Klang seiner Stimme geriet ihr Blut in Wallung.

„Tut mir leid, nachdem du mich den ganzen Nachmittag hast warten lassen, bin ich eben eingeschlafen und erst vorhin aufgewacht.” Ohne die Augen von ihm abzuwenden hob sie ein wenig ihr Kinn, um zu zeigen, dass sie etwas beleidigt auf ihn war. Doch ein schmunzeln um ihren Mund verriet, das sie gar nicht sauer auf ihn war.

Darren lachte laut.

„Nicht böse sein Kate, ich konnte heute Nachmittag mich nicht mit dir treffen, selbst wenn ich wollte.” sagte er immer noch lachend. „So?” sagte sie schnippisch. „Was war den so wichtig?” Wie immer sagte er nichts dazu. Das hätte sich sich denken können, dachte Kate. Er ging ein paar Schritte auf die Wiese zu. Dann drehte er sich um.

„Komm!”

Sie folgte ihm. Kate lief zwei Schritte hinter ihm. Das Gras der Wiese war knöchelhoch und duftete frisch. Als sie etwa hundert Meter gegangen waren, sah Kate Licht. Eine Decke lag ausgebreitet auf der Wiese, umringt von brennenden Kerzen. Auf der Decke ein Picknickkorb.

„Oh, wie wunderschön!” sagte Kate und sah zu Darren. Wie liebevoll er sie jetzt damit überrascht hatte. Sie konnte es nicht glauben. „Als kleine Entschädigung für den Nachmittag,” sagte er und wies mit seiner Hand auf die Decke. Langsam ging Kate an ihm vorbei und setzte sich.

„Du hast bestimmt Hunger, sagte Darren und begann den Korb auszuräumen.

„Was möchtest du? Ich habe Sandwichs, Eier, kleine Tomaten und ein kleines Dessert habe ich auch für dich.” „An was du alles gedacht hast!” sagte Kate anerkennend. Darren hielt plötzlich in seiner Bewegung inne. „Ich habe den ganzen Tag nichts anderes gemacht, als an dich zu denken.”

Sein Gesichtsausdruck war ernst. Die Schmetterlinge waren wieder bei Kate und brachten alles durcheinander, was sie versucht hatte zu Ordnen. Sie brachte kein Wort heraus in diesen Augenblick. Er gab ihr ein Sandwich.

„Möchtest du Wein?”

Er nahm zwei Gläser und füllte Rotwein ein. Die Gläser klirrten und schon spürte Kate, wie der Alkohol warm ihre Kehle hinab rann. Sie unterhielten sich über lange Zeit. Und Kate erkannte, dass er nicht nur intelligent war, sondern das er auch sehr gebildet war. Er besaß einen großen Schatz an Wissen. Er schien erstaunlich gut über viele Themen Bescheid zu wissen.

Kate fragte sich, ob das etwas mit seinem Beruf zu tun haben könnte. Bisher wusste sie nichts von ihm. Einen Versuch er heraus zu finden, war es wert.

„Darren, was machst du beruflich?” fragte sie. Diese Frage schien ihm unangenehm zu sein. Er presste seine Lippen aufeinander und sah in sein Weinglas. „Im Moment, nichts bestimmtes, ich … habe keinen festen Job, wenn es das ist, was du wissen willst. Ich habe verschiedene Jobs. Manchmal helfe ich meinem Vater in der Klinik, dann arbeite ich auch mal mit meiner Mutter, an einem Kunstprojekt. Aber im Moment tue ich eigentlich nichts.”

sagte er. Deutlich konnte Kate erkennen, das ihm das Thema unangenehm war.

„Und möchtest du heute schon deinen ersten Tipp abgeben, was mich betrifft?” fragte er und lenkte so vom Thema ab. Kate überlegte und sagte: „Ich weiß nicht, ich habe nur einen Verdacht, aber ich weiß noch nicht genug über dich.” „Du hast einen Verdacht?” fragte er sichtlich amüsiert und natürlich auch neugierig.

„Erzähl mir mehr von deiner Familie“, begann sie und sofort wich das Lächeln aus seinem anmutigen Gesicht.

„Was genau willst du wissen?”

„Du hast Geschwister habe ich gehört.”

„Ja, habe einen Bruder und eine Schwester. Meine Schwester Liliana ist die Älteste. Wir mögen uns nicht besonders. Sie ist oft nicht zuhause. Sie reist sehr gern.

Dann gibt es noch meinen Bruder Kai, er ist …. 6 Jahre jünger als ich. Dann gibt es noch meine Mutter Katharina, die kennst du ja bereits. Sie liebt Kunst. Sie hat Kunst studiert. Und meinen Vater James. Er ist eigentlich Arzt, er gibt Unterricht hier an der Uni und arbeitet aber hauptsächlich im Krankenhaus, hier in Pleasentview. Das ist meine Familie!“ beendete er seinen kleinen Vortrag. Kate war ganz angespannt und hatte seiner Stimme so gerne zu gehört. Es war das erste Mal, das er so viel über sich und seine Familie preisgab. Doch Kates Wissensdurst war unersättlich.

„Warum verstehst du dich mit deiner Schwester nicht so gut, oder ist dir das unangenehm über sie zu sprechen?” Kate nippte an ihrem Wein und beobachtete ihn weiter.

„Sie ist sehr … Selbstsüchtig. Das hat früher oft zu Streit und Konflikten geführt, aber seit sie viel auf Reisen ist und nicht mehr als zu oft zuhause, ist es viel erträglicher geworden.” „Und dein Bruder? Verstehst du dich mit ihm?” wollte Kate wissen. „Ja, wir sind sozusagen beste Kumpel! So, aber jetzt bin ich wieder dran. Jetzt erzählst du mir von deiner Familie.” sagte Darren und war sichtlich froh, dass seine Fragestunde vorbei war. <O.K. Jetzt hat er mir ja ein paar Details aus seinem Leben erzählt, dann wird ich es auch tun, dachte Kate und erzählte von ihrer Kindheit, ihrem Leben in Portland, ihrer Mutter, Pat und auch von Jeff. Darren hörte aufmerksam zu und unterbrach sie nur, wenn er etwas noch näher wissen wollte. Er schenkte ihr Wein nach und beobachtete Kate, wie sie den Wein in ihrem Mund genoss. Deutlich konnte Darren den noch tiefen Schmerz in ihren Augen sehen, wenn sie von ihrer Mutter sprach. Das Verlangen sie zu trösten, war so groß in ihm, das er Mühe hatte seine zitterten Hände, vor Kate zu verbergen. Kate dagegen bemerkte nichts davon und erzählte von sich und Jeff, welche tiefe Freundschaft sie schon immer verband. Von Pat, die wie eine Mutter sich um sie sorgte und Phil, der wie ein Vater für sie war in allen den Jahren, indem sie keinen hatte. Irgendwann räumte Kate die Speisen in den Korb. Dann legte sie sich auf ihren Rücken und sah in den Himmel zu den Sternen. Darren tat es ihr gleich und sie schwiegen beide eine Weile. Ihre Blicke stur zum Himmel gerichtet. Kate spürte seine unmittelbare Nähe und wünschte sich, sie könnte noch näher an ihn heran. Dann fiel Kate ein, welche Gedanken sie hatte, als sie gestern in ihrem Bett lag. Die zufällige Berührung stand noch aus. Sie wusste zwar noch nicht, wie sie es anstellen sollte und sie musste sehr aufpassen, das er sie nicht durchschaute. In den letzten Tagen hatte er schnell gelernt in ihrem Gesicht zu lesen. Obwohl sie sich in seiner Gegenwart unbeschreiblich wohl fühlte, hatte sie doch Hemmungen. Eine leichte Unsicherheit auf seine vielleicht kommende Reaktion. Ihr Verlangen seine Hand zu berühren war übermächtig, so unbeschreiblich groß. Sie wollte ihn ganz nah bei sich haben. Kate musste das Risiko eingehen. Langsam bewegte sie ihre Finger suchend nach seiner Hand. Würde er es zulassen? Würde er ihr seine Hand entziehen? Kate schloss ihre Augen. Ganz sanft fühlte sie etwas kühles, hartes und doch sehr zartes. Sie war sich sicher es waren seine Finger. Er dreht den Kopf nun zu ihr und sah sie an. Sie sahen sich tief in die Augen und Kate konnte das goldene Feuer in seinen Augen sehen. Es brannte fast wie Glut. Seine kalte Hand hatte nur kurz gezuckt, als sie ihn berührte. Doch seine Finger berührten auch ihre. Die Stellen, die er berührt hatte, fühlten sich an, als würde sie verbrennen. Seine Berührungen waren kalt und doch so voller Hitze. Darren hatte erwartet, das Kate erschrecken würde, wenn sie heraus fand wie kalt seine Finger waren. Doch das Gegenteil war der Fall. Dann drehte er sich zu ihr und war dadurch noch näher bei ihr. Sein süßer Geruch vernebelte ihr die Sinne. Sie konnte kaum atmen. Immer noch hielten seine Augen ihre gefangen. Langsam berührte er ihre Wangen und strich ihr sanft darüber. Seine Berührung hinterließ bei Kate das gleiche brennen wie, an ihren Händen. Ihr Herz klopfte wie wild. Kate wollte mehr von Kälte, harte und so zarter Haut berühren. Vorsichtig nahm sie ihre Hand und strich langsam über seine Wangen. Darren schloss die Augen. Er fühlte und empfand wie Kate. Dann wanderten Kates Finger zu seinen Lippen. Genauso kalt, genauso hart und doch auf eine Art weich. Mit einem Finger strich sie darüber und dann hörte sie ein leises aufstöhnen von Darren. Er öffnete wieder seine Augen und hauchte flüsternd: "Nicht Kate, ... tu das nicht. Ich weiß nicht, wie lange ich mich noch zurück halten kann." Seine Stimme bebte. Er schien mit seinen letzten Willenskräften sich von ihr lösen zu können und er tat es. Minuten lang saß er neben Kate, die immer noch auf ihrem Rücken lag und in den Sternenhimmel sah. "Sei mir nicht böse Kate, aber du solltest dir im Klaren sein, das es ein gewisses .... Risiko mit mir ist!" Wieder sprach er von seinem dunklen Geheimnis, das Kate immer noch nicht durchschaut hatte. "Was kann an so viel schönem Falsch sein oder sogar ein Risiko sein?" fragte sie nachdenklich. "Möchtest du noch Wein?" fragte er. Natürlich, das war typisch Darren. Wieder einmal mehr versuchte er vom Thema abzulenken. Kate wusste, dass es keinen Zweck hatte tiefer zu bohren. "Nein, danke! Ich ...möchte dir jetzt gerne meine Frage stellen." sagte Kate und suchte wieder seinen Blick. Jetzt waren seine Augen schwarz wie die Nacht und Kate konnte nichts darin erkennen, was sie auf seine Stimmung schließen könnte. Dann sah er sie wartend an. "Du willst mir jetzt schon deine erste Frage stellen? Das ging aber schnell. "OK, dann schieß mal los. Aber ich warne dich, danach musst du mir deine Lösung sagen. Liegst du falsch, schenkst du mir einen ganzen Tag mit dir." Sie lächelte ihn an. "Wieso denkst du, würde es mir etwas ausmachen, mit dir einen ganzen Tag zu verbringen?" Und wieder wich er ihrer Frage aus. "Weißt du, es ist sehr anstrengend, ständig Fragen zu stellen und nie eine Antwort zu bekommen." "Nun, frag schon, ich bin sehr neugierig, was du in so kurzer Zeit über mich denkst!" sagte er. Kate befeuchtete mit ihrer Zunge ihre Lippen und überlegte, wie sie ihre Frage formulieren könnte. Dann sagte sie: "Bisher kenne ich nur deine Mutter. Und einmal habe ich deine Schwester gesehen. Ich glaube zumindest, dass es deine Schwester war. Was sofort auffällt, wenn man euch sieht, ist eure Schönheit und eure Blässe. Ich kenne ja deinen Vater nicht, aber ihr seht euch auch überhaupt nicht ähnlich. Zumindest siehst du deiner Mutter nicht ähnlich und soweit ich das gesehen haben auch nicht deiner Schwester. Seid ihr alle in der Familie so ... hell? Warum seid ihr so blass? Ja, das möchte ich wissen, warum seit ihr so?" Er lachte laut und sagte: "Das sind schon mehr als eine Frage, Kate! Die letzte Frage werde ich dir beantworten und ich sage dir gleich, dass du enttäuscht sein wirst. Mit großen Augen sah sie ihn an und konnte seine Antwort nicht mehr erwarten. "Die Wahrheit ist, wir vertragen das Sonnenlicht nicht. Es ist eine Art Allergie!" Mit halboffenem Mund starrte Kate Darren an. "Das ist alles?" "Ja!"sagte er und zuckte mit den Schultern. "Was hast du erwartet?" Natürlich war Kate enttäuscht und natürlich hatte sie mehr erwartet. "Das ist ...." stotterte sie. "So, nun möchte ich deinen Lösung hören!" sagte Darren selbstsicher. Kate musste erst mal diese Antwort von ihm schlucken. Denn in Wahrheit hatte sie keine Ahnung was er für ein Geheimnis hatte. Zu viele Dinge waren seltsam und scheinbar ließen sich viele seltsame Dinge simple erklären. "In Ordnung, aber du darfst wenn ich falsch liege, mich nicht auslachen. Abgemacht?" Darren nickte. Er konnte seine Vorfreude nicht unterdrücken. Kate lag mit Sicherheit falsch das wusste er. "Komm schon, ich bin so gespannt, was du für eine Lösung hast." "Ja, ja immer mit der Ruhe, ich muss wirklich versuchen die richtigen Worte zu finden. Also: .... Gehörst du und deine Familie ... zu ......... einer Sekte?" fragte Kate ernst und sah ihn auch genauso ernst an. Vielleicht etwas zu ernst, den Darren starrte sie an und als er merkte, wie ernst es ihr damit war, konnte er sich nicht mehr halten und lachte lauthals. Er konnte sich gar nicht beruhigen. "Hey, das ist unfair, du hast versprochen nicht zu lachen."

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