Entscheidung aus Liebe 2
Entscheidung aus Liebe 2
Dieses Kapitel ist lang und deshalb in 6 Teile geteilt.
Sein Haar war etwas länger und strohblond. Er war deutlich jünger als Darren, aber die Art wie er sich bewegte, lies Kate wissen, das er bestimmt viel älter war, als sie selbst.
Seine Augen waren braun und seine gerade Nase war genau passend für sein Gesicht.
Er betrat das Zimmer und gab Darren die Schachtel, die den typischen Pizzageruch in ihre Nase trieb. „Kate, das ist Kai, mein Bruder!“
Während Kai Kate nicht aus den Augen lies, sagte Kate: „Hallo!“ und errötete leicht, da er sie so eindringlich musterte. „Kai hat dir die Pizza besorgt.”
„Danke!“ erwiderte sie schüchtern.
Kate nahm ein Stück von der heißen Pizza und biss hungrig hinein. „Hör auf sie anzustarren, Kai!“
„Ja, ist ja schon gut. Ich wollte sie nur …....” entschuldigte er sich grinsend und verließ darauf das Zimmer. Kate biss ein weiteres Mal, von der Pizza ab und dachte an Pat, die sich bestimmt riesige Sorgen machte. Sie würde sie anrufen müssen.
Wiedereinmal sah Darren Kate beim Essen zu. Wie üblich. Als Kate keinen Bissen mehr runter brachte, sagte sie zu Darren: „Ich muss Pat anrufen, sie wird erst ruhig sein, wenn sie mit mir gesprochen hat. Hast du ein Handy?”
Er gab ihr sein Handy und Kate wählte.
„Ich komme gleich wieder,” sagte Darren und ging aus dem Zimmer. Kate nickte und wartete, dass jemand den Hörer abnahm und sich Bennet melden würde.
Was sollte sie nur ihrer Tante sagen? Würde sie ihr die Geschichte abnehmen? Konnte sie ihre Tante so täuschen, um sie auch zu schützen. Jetzt war sie Teil davon und durfte mit niemanden darüber sprechen. Kate hatte damit kein Problem, aber die Menschen, die sie gut kannten, würden bemerken, dass sie ein Geheimnis hatte. Würde sie Jeff etwas vor machen können? Er war der derjenige, der sie, abgesehen von ihrer Mutter, am besten kannte. Er war ihr bester Freund. Es würde schwer werden, das wurde Kate nun bewusst. Obwohl die Wahrheit schon sehr abnormal war. Wahrscheinlich würde ihr niemand glauben. Aber eigentlich war es sehr leicht es zu sehen, wenn man genau hinsah und keine Scheu hatte, in anderen Dimensionen zu denken.
„Bennet!”
In Pats Stimme konnte Kate die Besorgnis erkennen. „Tante Pat, ich bin’s!”
„Kate, Kindchen, geht es dir gut? Was ist passiert?” Hätte sie noch schneller und ungeduldiger sprechen können, dann hätte sie es getan.
„Ganz ruhig, es geht mir gut! Es ist alles in Ordnung. Ich hab wohl zu wenig gegessen heute. Aber jetzt ist wieder alles gut.” sagte Kate zu Pat beruhigend.
„Gott sei dank waren die Noirs gleich zur Stelle. „Wo bist du jetzt?”
„Ich bin immer noch bei den Noirs und sie meinten auch ich solle die Nacht über hierbleiben, damit ich mich erholen kann, von dem Schreck.”
Kate hoffte ihre Tante würde nicht weiter bohren. „Ja, das ist auch sehr vernünftig. Also ich möchte auch, das du morgen nicht in den Blumenladen kommst. Erhole dich gründlich. Tu mir bitte den Gefallen. Ich hätte sonst wirklich keine ruhige Minute.” „Ja, ja ist schon in Ordnung, obwohl ich jetzt schon wieder fit bin.“ „Nein, Kate! Du darfst so etwas nicht unterschätzen. Gib deinem Körpeer einfach etwas Ruhe, Kate. Außerdem wird Mr. Noir schon wissen, was jetzt gut für dich ist. Er ist schließlich Arzt.“ „Vielleicht hast du Recht!“
„Bestimmt habe ich das.“
„Also Tante Pat, bis morgen.”
„Ja, bis morgen und ruf mich an. Ja?”
„Ja, bis morgen, Tante!”
Erleichtert, dass sie ihre Tante nicht wirklich das blaue vom Himmel hatte belügen müssen, drückte Kate auf den Knopf, der das Gespräch beendete.
Nachdenklich sah sie auf das Handy. Sie war wirklich sehr besorgt gewesen. Das tat Kate natürlich leid.
Die Tür flog auf und ein fröhlicher Darren kam herein. „Hey Süße, alles erledigt?” Er schien so gelöst und befreit. Es war schon neu ihn so zu sehen. Sein ganzer Körper strahlte und er schien sehr zufrieden zu sein.
Lächelnd darüber zu spüren, dass er glücklich war, lächelte sie ihn honigsüß an.
„Ja, sie war ziemlich erleichtert, dass ihr mir geholfen habt.” „Also, meine Familie sitzt unten im Wohnzimmer und fragt, ob du ihnen Gesellschaft leisten willst.” sagte Darren. Er hatte sich dabei auf die Bettkante gesetzt. Sie wollten mit Kate sprechen und Kate wusste auch warum. Sie wollten heraus finden, in wie weit sie ihr vertrauen konnten.
„Du brauchst keine Angst zu haben, meine Mutter liebt dich jetzt schon.”
„Ich habe keine Angst, Darren so lange du bei mir bist.” Liebevoll sah er sie an.
„Meinst du, du kannst aufstehen?” fragte Darren. Kate sah unter der Decke nach, was sie überhaupt an hatte. Als sie erst jetzt bemerkte, das sie eigentlich nur ein fremdes T-Shirt und sogar einen fremden Slip an hatte fragte sie:
„Willst du wirklich, das ich so deinen Eltern entgegen trete?” Darren bemerkte auf was sie anspielte und lachte breit. „Von mir aus kannst du noch weniger tragen, aber nur für mich. Das sind die Sachen meiner Schwester. Warte ich werde nach ein paar anderen Sachen noch suchen.” und schon war er wieder aus dem Zimmer gegangen.
Innerhalb von Sekunden war er auch schon wieder da und Kate war ganz überrascht, von seinen modischen Talenten. Diskret drehte er sich um, damit Kate sich umziehen konnte. Er hatte eine Jeans und ein enges rosa-farbenes T-shirt gefunden. „Fertig!” sagte Kate, die Sachen passten wie angegossen. Die Hose war zwar ein wenig lang, aber Kate krempelte sie ein mal um, damit sie nicht ständig auf den Saum trat.
„Ich werde dich tragen, Kate.”
„Nein, das brauchst du nicht, ich bin wieder fit genug, das ich ……!” Ohne auf sie zu achten hatte Darren sie mühelos hoch genommen. Kate wusste es hatte keinen Zweck, also blieb sie still und schlug ihre Arme um seinen Hals.
„Wo sind den eigentlich meine Sachen?” wollte sie wissen, als er sie aus dem Zimmer trug.
„Die werden gerade gewaschen und getrocknet, morgen kannst du sie wieder haben!”
Darren trug Kate einen langen Flur entlang. Sie gingen an vielen Türen vorbei und eins davon war sicherlich die Tür zu Darrens Reich.
Sie schmiegte sich an ihn und sog seinen süßen Duft ein. Sofort war sie leicht berauscht. Darren küsste sie während er die Treppen hinter lief. Normaler Weise hätte Kate bei solch einer Aktion Angst gehabt, aber sie wusste bei ihm war sie sicher. Er war der Mann mit den Superkräften.
Ihre Lippen lösten sich erst von einander, als sie unmittelbar vor dem großen Raum standen, als sie sich das zweite mal getroffen hatten. Darren setzte Kate behutsam ab und fragte: „Fertig?” Dann nahm er sie bei der Hand und gingen in das Wohnzimmer.
Das Ehepaar Noir saß auf dem weißen Ledersofa. Und Kai stand direkt neben dem Fenster, das zum Garten führte. „Kate!” sagte Katharina, stand vom Sofa auf kam Kate entgegen. „Wie schön, dass es dir wieder gut geht.” Sie nahm Kates Hände und führte sie zum Sofa.” Diesmal trug Katharina keine Handschuhe und Kate spürte die Kälte ihrer Hände. Jetzt war Kate auch klar, warum Katharina ständig Handschuhe trug.
Sie setzten sich. Darren setzte sich auf den gegenüber stehenden Sessel.
„Wie geht es Ihnen, Kate?” fragte Mr. Noir freundlich. Kate nickte. „Gut!”
„Schön, das freut uns. Wie sie jetzt wissen, sind wir nicht das, was die Menschen in Pleasentview über uns denken.” Mr. Noir hatte Kate eindringlich angesehen. Er sah unglaublich gut aus. Ein blasser Georg Clooney! Jetzt verstand Kate auch, warum ihre Tante so ins schwärmen kam.
„Ja, ich weiß!”
„Ich will nicht lang um den heißen Brei reden, Kate” sagte Mr. Noir. Kate wusste genau, was jetzt kommen würde, doch sie lies Darrens Vater aussprechen.
„Es ist immer gefährlich, wenn Menschen von unserer Existenz wissen. Ich will nur sicher stellen, die Menschen in Pleasentview nicht auf dumme Gedanken kommen. Wenn das passiert Kate, müssen wir für immer von hier weg. Sie müssen wissen, wir können immer nur ein paar Jahre an einem Ort bleiben, sonst würde unser Nichtaltern auffallen.”
„Ich bin mir dessen bewusst, Sir, ich verspreche alles zu tun, was ich kann, damit sie alle hier sicher weiter Leb …. Existieren können.” Alle im Raum fingen an zu kichern, über Kates kleinen Versprecher, einschließlich Mr. Noir.
Kate hatte großen Respekt vor ihm. Seine Blässe war stärker, als bei allen anderen. Durch sein ergrautes Haar wurde seine Blässe noch mehr betont. Seine Gesichtszüge waren weich und rund. Nur seine Augen waren stechend und klar, wie die eines Raubtieres. Kate hatte nur einmal gesehen, wie bei Darren sich die Augen Blutrot verändert hatten und konnte sich jetzt bei Mr. Noir ungefähr vorstellen, wie bedrohlich er wirken musste, wenn er im Rausch war. „Du brauchst dir keine Sorgen machen, Kate!” sagte Katharina, “wir Vertrauen dir. Darren hat uns viel über dich erzählt. James wollte dir nur klar machen, wie gefährlich es für uns alle ist, wenn irgendjemand je davon erfahren wird.”
„Ich würde nie etwas tun, was Darren oder euch schaden könnte.” sagte Kate und sah zu Darren, die sie liebevoll ansah. „Meiner Familie habt ihr ja schon eine harmlosere Geschichte erzählt und sie sind froh, dass sie mir geholfen haben, Mr. Noir.!” „James!“ verbesserte er sie. „Wenn du möchtest, ich heiße James!” „James!” wiederholte Kate seinen Vornamen. „Du gehörst jetzt zu Darren, aber das macht dich zu einem Teil dieser Familie.” sagte er schon fast feierlich. Kate wurde warm und griff sich ans Herz. Mit so viel Herzlichkeit unter Vampiren, hatte sie nicht gerechnet. Sie waren alle so ganz anders, als es doch von Filmen oder Büchern her kannte. „Du hast bestimmt 1000 Fragen.” fragte James und war gespannt. Er liebte es über den Vampirismus zu berichten. „Ja, …. also ich ,….es ist immer noch so surreal für mich …. und ich glaube, ich brauche noch Zeit. Aber was mich wundert, warum lebt ihr so … “normal”? Ihr habt fast ein normales Leben. Dein Vater ist Arzt, deine Mutter beschäftigt sich mit Kunst, dein Bruder geht normal zur Schule. Ihr wirkt fast wie eine normale Familie. Man würde eher an dunkle Gestalten, mit blutrünstigen Zähnen denken, wenn man an Vampire denkt.“
Katharina, Kai und Darren kicherten über ihre Frage. „Vergiss die Filme und die Geschichten über uns, die du gesehen und gehört hast.“ übernahm James das Wort. „Sie stimmen kaum oder gar nicht mit dem, was wirklich ist überein. Es ist einfach so, dass wir im Laufe der vielen Jahre, uns den Menschen anpassen mussten, um so ein Leben oder besser Dasein leben zu können. Versteht du? Man empfindet uns für seltsam und merkwürdig, weil wir anders aussehen und auch anders sind. Aber wir wollten schon immer, nicht die Monster sein, die in den Köpfen der Menschen sind.”
Kate nickte nachdenklich.
„Ich bin Arzt mit Leib und Seele. Schon immer habe ich mich dazu Berufen gefühlt. Als Arzt habe ich mit Menschen zu tun, die oft näher dem Tod sind, als ich es je sein werde. Ich liebe meinen Beruf und wollte schon immer nichts anderes tun, Sie hatten schwere Verletzungen, die ich nicht ertragen konnte, ohne in den Rausch zu fallen, in den ich mich von Zeit zu Zeit begeben muss. Aber ich wollte nie so ein Monster sein, deshalb entwickelte ich im Laufe der Zeit eine Theorie, an der wir alle bis heute festhalten.” „Gibt es noch mehr von euch?”
„Ja, die gibt es, aber sie leben anders als wir und ernähren sich auch nicht so wie wir. Wir morden nicht, Kate. Wir ernähren uns von Tierblut.” James sah Kate nachdenklich an. „Genug für heute! Wir sollten sie nicht überfordern!” sagte Katharina, als sie Kates Gesicht sah. Das Mädchen wird müde sein und wir wollen sie am ersten Tag nicht überfordern, James.” „Du hast recht Liebes! Wenn du möchtest Kate, morgen mehr, aber ich denke Darren kann dir auch ein paar Fragen beantworten.” Kate nickte und war beeindruckt, wie viel hinter diese ganze Familie steckte. Erfahrungen aus über 100 Jahren, wenn nicht noch länger. Sie war fasziniert davon, wie zivilisiert sie sich ihr Leben aufgebaut hatten. Nichts, aber auch gar nichts, deutete darauf hin, das hier etwas nicht stimmte. Abgesehen davon, das sie alle sehr bleich waren. Aber das waren andere Menschen auch, die nie in die Sonnen gingen.
„Wir ziehen uns jetzt zurück, Kinder, bis später.” sagte Katharina und ging mit James aus dem Zimmer. Nachdenklich sah Kate ihnen nach.
„Möchtest du etwas essen oder trinken, Kate ?” fragte Kai, der sich jetzt auf das Sofa setzte, wo vorher James saß. „Ich habe ein paar Sachen besorgt für dich!” sagte er und es klang, als wäre er von Lebensmittel angewidert. „Danke Kai, das ist lieb von dir! Aber im Moment brauche ich nichts.“ Sein blonder Schopf drehte sich zu dem Flachfernseher, der direkt an der rechten Wand hing.
„Hey, Darren. Hast du Lust auf ein Spielchen?“ Er nickte mit dem Kopf, Richtung der Playstation, die unterhalb des Fernstehers auf einem Regal stand!“
„Heute nicht, Bruder!“ sagte Darren und setzte sich zu Kate auf das Sofa. Er legte seinen Arm um ihre Schultern. „Verstehe!“ sagte sagte Kai grinsend, „lässt du mich auch mal an ihr schnuppern?“
„Lass die Witze, Kai!“ Darren sah seinen Bruder ernst an. „Schon gut, Darren, ich habe keine Angst vor ihm. Ich weiß, das er nur Scherze macht.” sagte Kate und legte Darren beschwichtigend eine Hand auf seinen Arm.
„Siehst du Bruderherz, sie versteht mich!” „Ja, ja stell du dich nur auf seine Seite Kate. Ist ja nicht zu fassen!” schnaubte er beleidigt, aber er lachte.
Kai stand im Tür rahmen.
„Also bis später, ihr zwei und nicht so laut, ja?“ Kai zwinkerte Darren zu!
„Hau ab du unverschämter Kerl, lachte Darren,“ nahm eine Zeitung vom Tisch und bewarf sie nach ihm. Kai´s lachen hörte man noch in der kleinen Eingangshalle.
„Seit ihr immer so nett zueinander?“ Kate hatte sich an seine harte Brust gelehnt und sah Kai nach.
„Er ist ganz schön frech! Findest du nicht?“ „Nicht mehr oder weniger, als andere kleine Brüder!“ Sie saßen eine Weile eng umschlungen auf dem Sofa. Kate hing ihren Gedanken nach.
Sie überlegte, wie das Leben eines Vampir´s aussehen musste. Nach außen hin schien die Familie Noir sich wirklich die größte Mühe zu geben, als normale Familie akzeptiert zu werden. Doch auch Peter und Jeff hatten die Augen verdreht und sie fragend an gesehen, als sie ihnen von ihren Date´s mit Darren erzählte. Schon da, hatte Kate gespürt, das man die Noir´s zwar für reich und einflussreich hielt, aber auch, das jeder sie als seltsam ansah. „Ich bringe dich wieder rauf in dein Zimmer, du wirst schrecklich müde sein!”
Kaum hatte Darren sich vom Sofa erhoben, da hatte er sie wieder im Arm und trug sie aus dem Zimmer.
„Also wirklich Darren, willst du mich in den nächsten Tagen überall hin tragen? Ich kann durchaus laufen.”
„Du hast recht. Aber ich liebe es, wenn du so Nah bei mir bist.” sagte er voller Sanftheit zu ihr. Sein Blick war golden und sie zerfloss förmlich dahin.
„OK, aber nur noch dieses einmal.” erlaubte Kate ihm. Er lächelte und trug sie langsam ins Obergeschoss. Dort setzte er sie sanft auf dem Bett ab, in dem sie vorher gelegen hatte. Kate hatte den Eindruck, dass er sich nun verabschieden wollte, damit sie schlafen konnte. Das wollte sie natürlich nicht. Er sollte bleiben. Was sollte sie allein nun in dem Bett. Schlafen würde sie nicht können. Zu viele Dinge waren geschehen, sie würde wahrscheinlich nur nachdenken und Darren schrecklich vermissen. Sie streckte ihre Hand nach ihm aus.
„Bleib bei mir heute Nacht, bitte!”
Darren sah sie eine Weile an. Natürlich wollte er, aber er wusste, dass er vielleicht auch mehr wollte und das könnte sie in Gefahr bringen.
„Bitte, ich bin ganz anständig, versprochen.” bettelte sie und legte ihr „kleine Hündchen-Blick“ auf, den er nicht widerstehen könnte. Lächeln nahm er ihre ausgestreckte Hand und legte sich zu ihr, in das große Bett.
Sie sahen sich von Angesicht zu Angesicht an und spürten beide dieses Gefühl, das sie immer stärker verband. „Bist du müde!” fragte Kate.
„Nein, ich schlafe nicht!”
„Du meinst du schläfst …?”
„Nein, wir schlafen niemals.”
„Was tust du dann den Tag über und die ganze Nacht?” wollte sie wissen.
„Oh, alles mögliche, ich lese viel und ich spiele Playstation.“ lachte er.
„Aber das kann doch nicht alles sein? Ich meine, du …. lebst ewig. Du musst doch irgend etwas tun, was dir Spaß macht, oder zumindest was dich erfüllt?“
„Du meinst, so was wie eine Leidenschaft für etwas haben?“ Kate nickte und stellte sich vor, was sie tun würde, wenn sie Ewigkeiten Zeit hätte.
„Also hauptsächlich beschäftige ich mich mit Autos. Ich liebe schnelle Autos. Ich sammle sie und bastle gern. Außerdem liebe ich Kunst. Wenn meine Mutter wieder einmal einen Künstler gefunden hat, dann helfe ich ihr eine Vernissage vorzubereiten.“ „Und deine Schwester? Was macht sie?“
„Liliana? Sie … reist sehr viel. Sie ist ein Model und fliegt um die ganze Welt. Aber auch das ist ein Streitpunkt zwischen uns.“ „Warum?“
„Das Problem ist, das wir nicht altern, Kate, und diesen Job nicht ewig machen kann. Das würde zu sehr auffallen. Die Menschen sind vergänglich. Und sie ist es nicht!“
Darren nahm eine Haarsträhne und umwickelte sie um seinen Finger. Er dachte darüber nach und Kate spürte sein Unverständnis. Deutlich las sie in seinem Gesicht, das dieses Thema nicht unbedingt zu seiner Lieblingsunterhaltung gehörte. Lange Zeit sprachen sie nicht. Sie dachten beide nach. „Wie ist das? Ich meine das Tierblut, schmeckt es so wie … Menschenblut?” fragte sie in die Stille hinein. „Nein, ist schwer zu erklären. Es ist einfach Blut, das uns am Dasein erhält. Wir jagen sie nachts!“
„Und was jagt ihr?” Darren grinste.
„Alles was sich bewegt, aber am liebten Bären, ihr Blut schmeckt ähnlich, wie das des Menschen.” Und sein Grinsen wurde noch breiter, als er Kate´s angewidertes Gesicht sah. „Du solltest aber mal einen Hirsch versuchen, die sind auch nicht schlecht,” scherzte Darren.
„Ich finde das gar nicht witzig!” sagte sie und schlug ihn leicht an seine Schulter. Er wollte sie damit ein wenig ärgern. „Darren, eine Sache wollte ich dich eigentlich schon den ganzen Abend fragen.”
„Was, mein Herz?”
Kate liebte es, wenn er sie mit verschiedenen Kosenamen ansprach. Es hinterließ ein warmes Gefühl in ihr.
„Du sagst, auf der einen Seite ist mein Duft so unglaublich verführerisch für dich und du musst dich zusammen reißen, mich nicht zu beißen. Aber auf der anderen Seite, hast du starke Gefühle für mich.” Er nickte.
„Was ist dann stärker? Der Drang nach Blut, oder die Gefühle?” Er überlegte lange, bevor er ihr antwortete. Darren richtete sich kurz auf, um seinen Kopf mit der Hand ab zustützen. „Ja, das ist eine schwere Frage. Wenn ich, zum Beispiel so wie jetzt in deiner unmittelbaren Nähe bin, dann spüre ich immer ein leichtes Brennen in meiner Kehle. Aber das kann ich kontrollieren. Noch! Aber dieses Brennen spüre ich auch, wenn ich durstig bin, aber es ist unterschiedlich stark. Die Geschmäcker sind verschieden. Bei einer Ratte zum Beispiel wird mir speiübel. Und bei dir ist das so eine Sache,“ sagte er nachdenklich.“ Meine Kehle brennt die ganze Zeit über, aber wenn wir uns küssen und zärtlich sind, dann steigert sich das Brennen, es wird unerträglicher. Und ich habe Angst Kate, das ich in den Rausch verfalle und ich keine Gewalt mehr über mich habe. Du hättest keine Chance. Es wäre dein sicherer Tod.” sagte er bitter.
Nun war Kate auch klar, wie er sich dabei fühlen musste, aber sie konnte sich nicht vorstellen, mit ihm zusammen zu sein, ohne Zärtlichkeiten oder ihm ganz nahe zu kommen. Sie brauchte ihn so sehr und diese Gefühle, die er in ihr auslöste. In ihren wildesten Träumen hatte sie sich vorgestellt, wie es für sie beide wohl sein würde, wenn sie miteinander schlafen würde. Und jetzt sagte er ihr, das es für ihn fast unmöglich sein würde, ohne sie dabei zu verletzten oder gar sie dabei zu töten. „Aber du hast gesagt, dass wir das üben könnten!” „Ja, das sagte ich, aber es ist nur eine Theorie, Kate.” Sie schwiegen eine Weile und dachten beide darüber nach. Er würde sich niemals ganz seiner Leidenschaft hingeben können. Für Kate war das nie ein Thema. Dafür jetzt umso mehr.
„Hast du den schon einmal Sex gehabt?” Sie blickte auf seine Lippen, als sie ihm diese persönliche Frage stellte. Natürlich grinste er wieder und war über ihre Neugier amüsiert.
„Ich bin ein Mann, Kate. Und das schon seit sehr, sehr langer Zeit.” „Und du?” Es war ihr ein wenig unangenehm. Sie war schon 23 Jahre alt und hatte keine Erfahrungen damit. Peinlich berührt schüttelte sie nur den Kopf und senkte ihren Blick, damit er ihre Scham nicht in den Augen lesen konnte.
Einen Augenblick sagte Darren nichts und war nachdenklich. Dann sagte er mit tiefer Stimme sanft:
„Du bist ein Geschenk, Kate!” Du brauchst dich für gar nichts zu schämen. Das ist selten. Warum hast du gewartet?” Sie sah ihn an und wusste genau warum.
„Auf dich!”
Er legte seine Finger auf ihre Wange und zog sie näher zu sich. Sie konnte sein Verlangen sehen und fühlte sich sofort von seiner Macht umhüllt. Ihr Puls raste und die Schmetterlinge flogen wieder einmal durch ihren Bauch.
„Lass uns üben, Kate!” hauchte er mit geschlossen Augen. Ihre Lippen waren nur noch Millimeter von einander entfernt. Auch Kates verlangen war groß und sie wusste, es würde auch bei ihr schnell ins unermessliche wachsen. Er schmeckte ihre Lippen und kostete sie mit seiner Zunge.
Sanft und vorsichtig glitt seine Hand ihren Nacken entlang. Die Berührung hinterließ bei Kate sofort das bekannte Brennen, das sich wie kleine Funken auf ihrer Haut bündelte. Sie griff in sein Haar und war total berauscht von seinem süßen Duft und den Gefühlen, die er in ihr auslöste.
Ihr Atem ging schneller und ein Stöhnen drang aus ihr. Was Darren noch leidenschaftlicher werden lies. Doch dann war der Wendepunkt schneller wieder da, als ihnen beide lieb war. Schnell und unerwartet lies er von Kate ab, aber diesmal blieb er bei ihr. Er drehte sich nur auf seinen Rücken und versuchte den Schmerz des Brandes kleiner zu halten. Sein Gesicht war schmerzverzerrt. Kate litt mit ihm. Er versuchte sich zu beruhigen. Sie sagte kein Wort. Sie wusste nicht, ob es besser für sie war oder nicht.
Sie beschloss ihm die Zeit zu geben, die er brauchte, um sie wieder anzusehen zu können. Es vergingen mehrere Minuten, bis Darren sich ihr wieder zuwendeten konnte.
„Es muss wirklich schlimm für dich sein.” „Wahrscheinlich nur halb so schlimm, wie für dich.” „Aber es gibt ja auch gute Nachrichten, Darren.” Fragend sah er sie an.
„Was meinst du?”
„Es war eine Steigerung,“ sagte sie triumphierend. „Gerade war es mehr im Vergleich zu heute Abend.” Er lächelte. „Ja, du hast Recht! Das bedeutet wirklich, du musst so lange mit mir üben, bis es eines Tages so weit sein wird.” sagte er zärtlich. „Es wird wundervoll sein, Darren, für uns beide.” Jetzt traute sich Kate wieder, sich in seine Arme zu legen und kuschelte sich bei Darren fest ein.
Langsam wurde es schwierig, ihre Augen offen zuhalten und sie wurde schläfrig.
„Wirst du die ganze Nacht bei mir bleiben?” „Ich werde bleiben, bis du tief schläfst. Damit wir weiter üben können, sollte ich heute Nacht jagen gehen. Aber ich werde schnell wieder zu dir kommen. Wenn du aufwachst liege ich wieder bei dir.” Er streichelte sie.
„So will ich es, für immer!” sagte sie noch, bevor Kate tief und fest einschlief.
Darren lag bei ihr und beobachtete, wie ihr Oberkörper sich langsam hob und senkte. So viele Jahre hatte er nach der großen Liebe, einer Gefährtin und einer Vertrauten gesucht. Endlich hatte er sie gefunden. Sie war ihm wichtiger, als irgend etwas sonst auf dieser Welt. Er wollte sie für immer, für die Ewigkeit. Doch Darren wusste, er hatte sie nur ihr Leben lang.
Ihr Leben lang, diese eine Liebe zu haben, war für ihn das Geschenk, das er immer suchte.
Sein eigenes Leben wurde ihm mit 28 Jahren genommen. Er war verdammt für die Ewigkeit. Und es war ein hartes Dasein. Er würde es sofort für ein Leben zusammen mit Kate tauschen, wenn er konnte. Doch er musste die Qual ertragen, das auch ihr Leben irgend wann zu Ende sein würde.
Er wusste zwar nicht wie er das aushalten sollte. Aber bis dahin hatte er noch Kates Lebenszeit. Er hatte sich entschieden. Für Kate. Er liebte sie, seit er sie das erste mal sah. Diese Liebe war größer und stärker als er es sich je hätte vorstellen können. Er würde solange bei ihr bleiben, bis sie ihn wegschicken würde. Plötzlich hatte alles einen Sinn gemacht, als er Kate traf. Sie schlief tief und fest. Sein Durst war groß und wurde mächtiger. Er musste dafür sorgen, damit er Kate nicht unnötig in Gefahr brachte. Vorsichtig, damit Kate nicht aufwachte, machte er sich von ihr los und verließ lautlos das Zimmer.
Kapitel 11
„Sie schläft!” sagte Darren zu Katharina. Die Noir´s befanden sich im Wohnzimmer.
„Geht es dir gut, Junge?”
„Ja, ich bin beruhigt. Wir haben alles geklärt!” „Du liebst sie sehr, nicht wahr, Darren?” wollte James wissen. Darren sagte nichts dazu. Doch Katharina kannte die Antwort. Sein Blick war hart und seine Mutter spürte, welche Last es für ihn sein würde, nicht zu weit zu gehen, um sie nicht in Gefahr zu bringen. Alle im Raum verstanden die Sorgen und Gedanken, die Darren sich machte. Es war nicht das erste mal das Thema gewesen. Immer, wenn die Noir´s mit Menschen zu tun hatten, mussten sie sehr bedacht und vorsichtig sein.
Erstens durften sie sich nicht so verhalten, das sie auffielen und zweitens, durfte nie ein Mensch, durch sie verletzt werden. Das war wie ein Kodex, an den sie alle hielten.
Das Liebesleben der Vampir war immer eine gefährliche und risikoreiche Sache, solange sie sich mit einem Menschen einließen.
Angestrengt dachte Darren darüber nach, welche Sicherheitsvorkehrungen er einhalten müsste, um Kate so weit zu beschützen zu können. Leicht unterschätzte man die Kraft, die die Vampire hatten. Deshalb war es unumgänglich, das Darren selbst, sehr aufpasste. Die Angst, Kate könnte etwas geschehen, würde ihn nie wieder los lassen.
„Dann verwandle sie!” mischte sich Kai ein. Er hatte von seiner Spielkonsole aufgesehen, als er die gedrückte Stimmung zwischen Darren und Katharina spürte.
Wütend sah Darren ihn an.
„Nein! Du weißt, was das für sie bedeuten würde. Glaubst du wirklich, ich würde ihr diese Existenz antun wollen? Sie hat ein Leben, und sie soll es behalten dürfen.” knurrte Darren. „Man bleib mal locker, wo ist das Problem? Du liebst sie, sie liebt dich, also was soll’s.”
„Kai, sei nicht so ungehobelt,” tadelte Katharina ihn, “du weißt, was es heißt, sein Lebens aufzugeben!”
„Also, wie machen wir es? Wer bleibt hier bei Kate und wer muss jagen?” fragte Kai um das Thema zu wechseln. Er hatte keine Lust, diese Diskussion weiter zu führen. Zu oft waren Darren, Katharina und James anderer Meinung, zu dem Thema, gewesen, wenn Liliana mal wieder einen neuen Lover an geschleppt hatte. Kai hatte nie verstanden, warum man sich die Ewigkeit so schwer machte, mit dieser Frage. Für ihn war klar, sollte er eine Freundin finden, die er von Herzen lieben würde, dann würde er wollen, das man sie zu dem machte, was er war.
Allen Vampiren war klar, dass Darrens Durst als erstes dringend gestillt werden musste.
„Geh du mit Darren, Kai, dann werden Katharina und ich hier bleiben.
Darren und Kai verließen das Haus und gingen gemeinsam in die Nacht hinaus. Darren würde übervoll sein, wenn er zurück kommen würde. Er wollte soviel Blut trinken, das ihm schon fast schlecht werden würde, damit er kein Risiko für Kate sein konnte. Der Mond leuchtete in dieser Nacht hell. Darren beeilte sich!
Die Nacht war zu Ende. Der Himmel war bewölkt und dicke Regentropfen prasselten gegen die Fensterscheibe. Kate suchte mit ihrer Hand nach Darren. Sie hatte ihre Augen noch geschlossen, als sie seinen kühlen zarten Körper spürte, der ruhig neben ihr lag. Dann berührte seine Hand ihre und sie war zufrieden. „Guten Morgen! Hast du gut geschlafen?” Er hatte um es menschlich aus zudrücken, sich den Magen voll geschlagen und lag schon eine ganze Weile wieder in dem Bett. Jetzt hatte er sich zu ihr gedreht und sah sie mit liebevollen Augen an.
„Himmlisch!”
Sie streckte sich und war mit einem Mal hellwach. „Hast du Hunger? Möchtest du etwas Frühstücken?” “mmh” gab sie nur zur Antwort und nestelte sich vom Bett. „Ich werde mich schnell duschen!”
„Komm einfach nach unten, ich mache dir Frühstück!” Er stand schon in der Tür, als Kate das Badezimmer betrat. Er hauchte einen Kuss in seine Handfläche und pustete ihn ihr zu. Kate stand in dem Badezimmer, das direkt an ihrem Gästezimmer lag. Sie wollte sich beeilen. So schnell wie möglich duschte sie sich. Als sie dann endlich zufrieden mit ihrem Spiegelbild war, ging sie die Treppen nach unten.
Sie folgte dem Geruch von frischem Omelett. Sie wusste, dass es solche Gerüche in diesem Haus selten waren. Wahrscheinlich kam es nicht so oft vor, das Darren das Frühstück zubereitete, seit er in Pleasantview lebte.
Die Noirs mussten sich auf ein normales Leben einrichten. Dazu gehörte auch eine Küche. Sie benutzten sie natürlich nie, aber es war wichtig eine Küche zu haben. Man würde natürlich Fragen stellen, wenn sie keine hatten.
Kate hatte die große Küche gefunden, aus der der Geruch von Omelett jetzt intensiv in die Nase stieg. Sie war groß hell und freundlich eingerichtet. Darren stand vor dem Herd. Als er sie erblickte, sagte er:
„Du kommst gerade richtig. Ich habe dir Omelett gemacht. Ich hoffe du magst das.”
Er nahm einen großen Teller und schöpfte ihr etwas von dem Eierkuchen. Dann stellte den Teller auf den Tisch und wies sie auf einen Stuhl. Nachdem er ihr das Besteck dazu gab, goss er in ein Glas Orangensaft ein.
Kate hatte solchen Hunger, das sie sofort anfing zu essen. Es schmeckte gut und Kate aß brav die ganze Portion auf ihren Teller auf, die Darren ihr geschöpft hatte.
„Guten Morgen, Kate wie geht es dir heute morgen?” Es war James, der gerade in die Küche kam. „Danke, sehr gut!” „Darf ich?” er nahm ihr Handgelenk und überprüfte ihren Puls. Einen Moment sagte er nichts, dann sagte er: „Ich denke du hast es überstanden!”
„Das glaube ich auch, jedenfalls fühle ich mich ganz normal und gut.”
„Gut!” er lächelte und dann wusste Kate, warum Pat ihr mal gesagt hatte, das die Frauen, in Pleasentview James hinterher schmachteten.
Er war etwas reifer, aber unglaublich attraktiv, wie alle Vampire und sehr sanft in seinen Bewegungen und in seiner Sprache. Er war freundlich und aufrichtig besorgt. Er schien immer auf alle Fragen eine Antwort zu haben. Er war liebevoll zu seiner Familie und er würde alles tun um sie zu schützen. Das wusste Kate. James war offen und hatte kein Problem damit, wenn Menschen in seiner Nähe sich aufhielten. Im Gegenteil, Kate hatte den Eindruck, das es ihm am aller wenigsten etwas ausmachte. Er war die Perfektion seiner Selbstbeherrschung.
Darren hatte, in der Zwischenzeit, die Küche wieder aufgeräumt und sie sah aus, wie eine Musterküche in einem Möbelgeschäft. „Komm ich zeige dir das Haus!” sagte er als James, nach einem kurzem Schwätzchen, wieder aus der Küche gegangen war. Hand in Hand gingen sie durch das Haus. Er zeigte ihr die verschiedenen Zimmer. Das Haus war riesig. Es hatte unglaublich viele Zimmer, die sie eigentlich auch gar nicht brauchten. Alles war geschmackvoll und mit viel Liebe zum Detail eingerichtet. Kate konnte in jedem Raum Katharinas geistige Handschrift lesen. Als er Kate das ganze Haus gezeigt hatte, führte er sie in sein Heiligtum. Die Garage.
Ein riesiger Kellerraum, voll mit Autos, die so aussahen, als würden sie in einem Autohaus stehen. Der Lack der Autos leuchtete hochglänzend und neu. Man ihnen sofort an, das die Autos teuer waren, das Kate erst mal schlucken musste. Kein Auto war weniger Wert, wie hunderttausend Dollar. Kate schätze die Menge mit ca. zwanzig Auto´s und alle waren ganz unterschiedlich. Doch sein Faible für Sportflitzer, war nicht zu übersehen. Von Porsche, bis Ferrari, war alles dabei.
„Wow!“ sagte Kate und es klang mehr wie ein, Oh, mein Gott! Der Anblick war beeindruckend.
„Das ist meine Schatzkammer!“
„Kammer ist gut! Ich würde eher sagen „Reich! Fährst du die alle?“ fragte sie und lief zwischen den einzelnen Wagen durch. Sie berührte mit ihrer Hand beim vorbei gehen den Lack der Autos. „Nein, ich habe meine Lieblinge, die ich fahre. Es würde zu sehr auffallen, wenn ich ständig mit so teuren Auto´s durch die Gegend fahre.“
„Aber ist es dann nicht raus geschmissenes Geld, wenn die Autos nur hier herum stehen?“
„Nein, Nachts fahre ich schon mal. Da sind nicht so viele Leute unterwegs.“
Kate wusste, das in Pleasantview, sich die wenigsten Leute so ein Auto hätte leisten können. Sie hatte keine Ahnung, das Darren so reich war. Geschweige den die Familie Noir. Klar sie hatten ein schönes, und bestimmt auch teures Haus, aber mit diesen Auto´s war Kate erst einmal sprach los.
„Such dir einen aus!“ sagte Darren und zeigte mit seiner Hand auf seine Sammlung.
„Was?“ erschrocken sah sie ihn an.
„Nein, um Gottes Willen, Darren! Du kannst mir doch nicht einfach so ein Auto schenken!“
„Und wieso nicht?“
„Ich kann noch nicht einmal, mit so etwas fahren, außerdem, würde es doch sehr auffallen, wenn ich plötzlich mit so einem teuren Luxusauto durch die Gegend fahren würde?“ kopfschüttelnd, winkte sie ab.
„Danke, aber ich lasse mich lieber von dir herum kutschieren.“ sagte sie lachend.
„Na gut, wie du willst!“
Sie verließen die Garage wieder.
Kate war den ganzen Vormittag mit den Noirs zusammen. Sie beobachtete die Vampire.
Sie fühlte sich keinen einzigen Moment unwohl oder in Gefahr, wie man denken würde. Im Gegenteil, sie fühlte sich bei ihnen wohl und wurde ihnen gegenüber immer sicherer. Die Noir´s benahmen sich auch nicht wie Vampire, eher wie eine ganz normale Familie. Sie spürte die liebevollen und mütterlichen Blicke von Katharina, die sie für Darren und Kai hegte. Auch wenn Kai mit Vorliebe, seine Familienmitglieder neckte und ärgerte, so war es doch schon fast normal für Kate, das sie keine Menschen waren. James und Katharina, gingen sehr liebevoll und fast zärtlich miteinander um. Kate fiel auf, wie sich James Stimme jedes mal veränderte, wenn er mit Katharina sprach. Sofort wich der Raue und dunkle Ton und wandelte sich in Sanftheit um. Kate spürte wie stark die Liebe James und Katharina sie verbannt. Es war so ähnlich wie bei Pat und Phil.
Mit den Eindrücken der Noirs und noch mehr Gedanken brachte Darren Kate am Nachmittag nachhause. Natürlich hatte er bemerkt, dass sie viel nachdachte. Aber schließlich waren die Erkenntnisse und die Wahrheit, die Kate in den letzten Stunden herausgefunden hatte, für einen Menschen schwer und viel zu verstehen. Und er wusste, dass sie Zeit brauchen würde.
Sie saßen noch im Auto, vor dem Haus der Bennets als Kate zu Darren sagte:
„Richte deiner Familie meinen Dank aus für alles.” Er zog sie zu sich. Roch an ihrem Haar und schloss dabei die Augen. Kate küsste ihn an seinem Hals.
„Wann sehen wir uns wieder?” fragte Kate. „So oft du willst, Liebling!”
„Dann bleib für immer!” Er grinste leicht.
„Ich glaube deine Tante hätte da noch ein Wörtchen mit zu reden. …. Aber geh schon, sie warten auf dich. Heute Abend sehen wir uns wieder!”
Kate löste sich widerwillig von ihm. Darren war schon aus dem Auto ausgestiegen und öffnete ihr die Tür.
„Also bis später!” sagte er und sah ihr nach, bis sie im Haus verschwunden war.
Als Kate die Haustür aufschloss hörte sie aus dem Wohnzimmer den Fernseher. Nachrichten liefen. Pfeifentabak vernebelte den Raum. Kate roch diesen leicht süßlichen nach Vanille und Holz duftenden Geruch gern.
„Hallo Onkel Phil, ich bin wieder da.”
„Kate?” fragte er erstaunt und stand sofort aus dem Sessel auf, in dem er sich es bequem gemacht hatte.
„Meine Kleine, du hast uns einen ganz schönen Schrecken eingejagt. Ist wieder alles gut?” Er nahm sie in seine Arme und drückte sie an sich.
„Ja, es geht mir gut! Dr. Noir hat sich sehr gut um mich gekümmert.” „Dr. Noir ist ein guter Arzt.“ sagte Phil.
„Ist Tante Pat im Laden?”
„Ja, ich soll dir sagen, dass du für heute Ladenverbot hast. Sie will dich dort nicht sehen. Du kennst sie ja. Sie ist fast gestorben vor Angst um dich! Sie hat sich große Sorgen gemacht!” „Ja, das kann ich mir vorstellen.” lachte Kate. Sie hatte gehofft, dass Onkel Phil sie nicht auf dieses Thema angesprochen hätte. Aber dies, würde ihr wohl nicht erspart bleiben. „Sie hat mir erzählt, dass es dir gestern im Laden wohl nicht so gut ging und dass du sehr durcheinander warst, als du den Laden verlassen hast. Ich will nicht neugierig sein, Kate! Aber was war den los? Hat es was mit diesen Da…. zu tun?” „Darren, Onkel Phil!” verbesserte sie ihn.
„Mein ich doch!”
Natürlich hatte er Fragen und wollte wissen, was das zu bedeuten hatte. Es tat Kate schon ein wenig weh, ihnen niemals die Wahrheit sagen zu können. Das war nun der Preis, den sie zahlen musste. „Ja, wir hatten einige Differenzen und ich bin zum ihm gegangen, um sie zu klären.” sagte Kate. Und das war zumindest nicht direkt eine Lüge.
„Aber jetzt ist alles geklärt und ich bin glücklich.” Phil sah sie an. Er bemerkte, wie sie strahlte. Mehr wollte er auch nicht wissen. Es reichte ihm, wenn er wusste, das es Kate gut ging und sie glücklich war.
„Na gut! Aber scheu dich nicht zu mir zu kommen, wenn du Probleme hast. Deine Tante und ich werden immer für dich da sein.” Kate drückte ihren Onkel einen Kuss auf die Wange. „Danke, das weiß ich.” Phil setzte sich zufrieden wieder in den Sessel und zog an seiner Pfeife.
In ihrem Zimmer, schmiss sie sich auf ihr Bett und sah zur Decke. Sie hatte das Geheimnis gelüftet und wusste nun über alles Bescheid.
Wenn sie an die Zeit zurück dachte, als sie noch allein in Portland in ihrem Haus war, war ihr Leben ihr eher langweilig und farblos ihr vorgekommen. Doch jetzt war alles anders. Sie hatte ein neues Leben begonnen. Und das war alles andere als langweilig. Farbe hatte Darren ihr gegeben.
Er war ein Vampir und sie liebten sich. Natürlich gab es jetzt andere Probleme für Kate, aber sie war im Moment einfach nur glücklich und sie wollte diesen Zustand einfach nur genießen. Sie wollte einfach von einer Zukunft mit Darren träumen. Darren hatte versprochen, das sie sich am Abend sehen würden und darauf freute sie sich sehr.
Als Pat etwas früher vom Laden nachhause kam musste sie ihr Antwort und Rede stehen. Aber es fiel ihr einfacher, als die gedacht hatte, die Wahrheit und Gründe vor Pat zu umgehen. Und als Pat endlich zufrieden war, mit der Geschichte, war Kate einfach nur erleichtert.
Nach dem Abendessen war Kate unruhig und nervös. Ständig blickte sie auf die Wohnzimmeruhr und fragte sich, wann Darren endlich kommen würde.
Dann endlich, um kurz nach neun klingelte das Telefon. Kate stürzte sich regelrecht ans Telefon. Kate und Phil grinsten sich vielsagend an. Kate war sehr verrückt nach Darren, das war den beiden sehr deutlich bewusst geworden. „Ja, hallo?”
„Meine Schöne, ich bin`s, komm in dein Zimmer!” sagte Darren. Jedes mal schaffte es Darren, ihr ein süßen Zucken im Bauch zu verursachen.
Schnell gab Kate Pat ein Zeichen, das sie in ihrem Zimmer weiter telefonieren würde und ging die Treppen hoch. „Wo bist du? Ich dachte wir sehen uns noch!” sagte Kate enttäuscht. Sie öffnete die Türe ihres Zimmers und schloss sie sorgfältig. „Das werden wir auch!“ sagte Darren. Kate konnte hören, wie er lachte. Dann drehte sie sich um, als sie Darren sah, wie er an ihrem Fensterbrett lehnte. Er stand ganz locker vor ihrem Fenster und telefonierte mit dem Handy mit ihr.
„Darren!” rief sie und war so überrascht ihn in ihrem Zimmer vorzufinden, das sie vergaß das Gespräch zu beenden. Sofort war sie bei ihm.
„Wie bist du hier herein gekommen?”
„Durchs Fenster!” sagte er und lachte sie heiter an. „Bist du verrückt, das ist Gefährlich, Darren.” „Du hast recht, verrückt bin ich, nach dir, aber gefährlich ist es für mich nicht!” hauchte er.
Dann zog er sie eng an sich und küsste sie. Darren war nur ein paar Stunden fort gewesen von ihr, aber sie hatte ihn schrecklich vermisst. Jetzt wo er wieder bei ihr war, war sie sofort wieder ruhiger innerlich.
„Und haben Phil und Pat sich beruhigen können?” „Ja, es war leichter, als ich erwartet hatte.” „Und was hast du sonst noch so getan?” wollte Darren wissen. „Nichts, die Stunden gezählt, bis du dich endlich meldest. Und du?” „Och, dies und jenes!” scherzte er. Er lachte als sie ihn anrempelte. „Schon gut! Ich konnte es auch nicht erwarten, wieder bei dir zu sein. Aber ich konnte erst in dein Zimmer klettern, wenn es dunkel war. Sonst hätte vielleicht noch jemand bemerkt, dass ich mehr als nur gut klettern kann.”
„Also was tun wir jetzt?” fragte sie und wollte eigentlich nur eine Sache mit ihm tun. Darren konnte es an ihrem Blick sehen. „Ich würde sagen, wir vergeuden keine Zeit und … üben!” Sie lies sich in seine Arme fallen und schon lagen seine Lippen wieder auf ihren.
Die Tage vergingen und Kate war nie glücklicher in ihrem Leben. Die arbeitete mit Pat im Blumenladen und sie hatten wirklich viel zu tun. Und ihre Abende verbrachte Kate mit Darren. Sie “übten” viel und es wurde tatsächlich immer leichter, für Darren. Aber er musste peinlich genau auf seinen Durst hören. Sobald das Brennen in seiner Kehle, nur ein wenig in die falsche Richtung ging, löste er sich von ihr und brauchte einige Zeit, bis es wieder nach lies. Nachts, wenn Kate schlief ging er jagen, damit er Kate nicht unnötig in Gefahr brachte. Oft war Darren bei Kate und Pat im Blumenladen. Er half Kate bei der Arbeit, so das Pat Kate oft früher gehen lies. Aber allmählich rückte der Maskenball immer näher. Kate musste bald fertig werden mit der Deko. Katharina wurde immer aufgeregter. Die Noir´s waren sowieso schon nervös genug, weil sich Menschen in ihrem Haus aufhalten würden. Einmal im Jahr hatten sie es sich zu einem gesellschaftlichen Ereignis gemacht, damit sie sich nicht ganz von der Bevölkerung von Pleasentview abhoben. Die Gefahr entdeckt zu werden war groß. Doch die Vorfreude darauf, einen Abend lang, fast normal mit Menschen zusammen zu sein, ließen sie in Erinnerung schwelgen, als sie selbst noch Menschen waren. Mit Jeff telefonierte Kate gelegentlich. Aber es lag etwas zwischen ihnen, das konnte Kate deutlich spüren. Und auch Jeff spürte es. Er wusste genau, dass es Darren war, der zwischen ihnen stand. Aber solange er nicht in Pleasentview war, konnte er auch nichts daran ändern.
Kate belastete die Spannungen zwischen ihnen, aber sie dachte, dass Jeff sich an diese Situation gewöhnen musste. Darren war jetzt ein Teil ihres Lebens, der zu gegebener Maßen, groß war. Sie liebte Darren so sehr, konnte sich nie wieder von ihm lösen. Er war die Liebe ihres Lebens und daran würde sich nichts ändern, auch die Freundschaft zu Jeff nicht.
Katharina war die einzige Person in ihrem Umfeld, die genau wusste, was sie für einander empfanden. Sie hatte es von Anfang an gewusst.
Die Noir´s waren froh, das Darren eine Partnerin gefunden hatten. Endlich schien er glücklich. Viele Jahre war er einsam und durch Kate veränderte er sich. Er strahlte und war voller Energie. James Noir hatte Kate mittlerweile sehr lieb gewonnen und er schätze sie. Auch er wusste wozu Liebe fähig war. Doch Kate hatte in seinen Augen ein kleines Wunder vollbracht. Sie hatte Darren wieder zum leben erweckt und er steckte das ganze Haus mit seinem Glück an. Das schätzte er an Kate. Die Tatsache, dass sein Sohn so glücklich war, stimmte ihn selbst glücklich. „Kate, hast du eigentlich schon ein Kostüm?” fragte Katharina, als sie gerade dabei waren einen Teil der Dekoration im Saal anzubringen. Katharina hatte alle möglichen Lieferservice in der Gegend beauftragt, um viele verschiedene Köstlichkeiten anbieten zu können. Überall im Haus waren Fremde, die alle sehr beschäftigt schienen. Mehrere Lieferwagen standen am Parkplatz und Tische wurden aufgebaut. Stühle standen aufeinander gestapelt in der großen Eingangshalle. Überall klapperte Geschirr und im Gartenbereich hörte man lautes Hämmern. Katharina hatte ein offenes, kleines Podium in Auftrag gegeben. Sie wollte es für ihre Malereien nach der Party nutzen. Doch für den Ball lies sie es zum Ruhepol umgestalten. Ihr war es wichtig, dass die Gäste sich vom Tanzen und der lauten Musik erholen konnten. „Oh, Mist! Daran hab ich gar nicht mehr gedacht.” sagte Kate, als sie die letzte große Bodenvase auspackte. Sie war so beschäftigt gewesen, das sie es total vergessen hatte. Jetzt tat es Kate leid, dass sie nicht früher daran gedacht hatte. Sie überlegte kurz und sagte:
„Ich werde im Kostümverleih heute noch vorbei fahren und mir etwas passendes Ausleihen!”
„Dazu ist es zu spät, da wirst du nichts mehr bekommen.” sagte Katharina und musterte Kate nachdenklich. „Was? Oh, nein!”
„Welche Größe hast du? Wahrscheinlich 36, das müsste dir passen.” Kate war klar, dass Katharina eigentlich nicht mit ihr, sondern mit sich selbst sprach. Doch dann sah sie Kate an und sagte: „Komm mal mit, ich habe vielleicht etwas für dich!” Die beiden Frauen gingen ins Haus und Kate folgte ihr, in ihr privates Zimmer. Das Zimmer war groß und hatte, wie überall Katharinas Stil. Sie liebte die Kunst und das sah man überall an den Wänden. Die meisten Werke hatte Katharina selbst gemalt. Es hingen auch Bilder von irgend welchen Künstlern, die Kate nicht kannte. Kate wusste, dass diese Bilder von unschätzbarem Wert sein mussten. Vielleicht hatte Katharina die Maler aus vergangenen Zeiten schon gekannt. Als Vampirin war dies schließlich möglich!
Sie ging zu einer Verbindungstür links neben der Wand. Dahinter befand sich ein begehbarer Kleiderschrank. Katharina ging hinein und kam kurze Zeit später mit einem großen Karton wieder. Sie stellte den Karton auf einem Tisch, der direkt neben dem Fenster stand. Sie öffnete ihn. Mehrere Lagen Seidenpapier schützten den Inhalt vor Staub. Als Katharina das Seidenpapier endlich beiseite gelegt hatte, kam etwas schwarzes zum Vorschein. Kate konnte nicht erkennen, um was es sich genau handelte. Aber es war ein kostbarer Stoff und fühlte sich himmlisch weich und fließend an.
Katharina nahm es aus dem Karton und hielt es in ihren Händen hoch.
Es war mehr eine Corsage, wie ein Kleid. Aber es war wunderschön. Noch konnte Kate sich nicht vorstellen, so halb nackt auf dem Maskenball zu tanzen. Den es war sehr aufreizend geschnitten. Katharina hielt es an Kate Körper und es schien wie für sie gemacht zu sein. Dann legte sie es über die Stuhllehne und ging nochmals in das Kleiderzimmer.
Sie kam mit riesige, schwarze Federflügel zurück. Sie bestanden aus schwarzen großen Federn und waren sehr flauschig. Sie hatten schwarze Gummibänder, sie man durch die Arme zog. Die Flügel saßen dann genau am Rücken, eben wie bei einem Engel. Ein weiteres schwarzes Stück Stoff hielt Katharina noch in ihren Händen. Kate hatte keine Ahnung, um was es sich handelte. Es sah aus, wie ein kleiner Umhang, den man sich um die Hüften band. Es verlängerte die Corsage etwas, so das daraus ein kleiner Minirock entstand.
Die Corsage an sich war verziert, mit winzig, kleinen Glitzersteinen, die bei jeder Bewegung funkelten und glitzerten. Die edle Spitze, die am Dekoltee eingearbeitet war, war sexy und edel zu gleich. Das Kostüm war unglaublich schön, sexy und hatte etwas geheimnisvolles.
Kate sollte als schwarzer Engel auf dem Maskenball gehen. Wow, dachte sie.
„Es wäre für dich gerade zu perfekt. Das passt auch, da du unser dunkles Geheimnis weißt.” sagte Katharina und lächelte Kate geheimnisvoll an.
Kate würde in dem Kleid einfach wunderschön aussehen. Mystisch, sexy und geheimnisvoll. Kate war so beeindruckt, von dem Kostüm, das sie es nur anstarren konnte.
„Komm, probiere es an!” Katharina wollte unbedingt sehen, wie das junge Mädchen darin aussehen würde.
Kate ging in das Kleiderzimmer und zog sich um. Als sie wieder zu Katharina ging fühlte sie sich zu nackt. Niemals konnte sie, mit nur einem Body bekleidet, die Party betreten. Nein, das würde sie sich nicht trauen. Katharina sah ihr Unbehagen und so gleich band sie die kleine glitzernde Schärpe um ihre Hüfte, die ihr knapp bis zu den Oberschenkeln hinunter hing. Ihre Brüste füllten die BH-Schalen voll aus und ihre schlanke Taile kam wunderbar zur Geltung.
Sie zeigte zwar viel Haut und war für Kate auch etwas zu sexy, aber mit der Schärpe könnte sie es vielleicht versuchen. Noch nie hatte Kate so viel von ihrem Dekolleté und von ihren Beinen gezeigt, außer vielleicht im Schwimmbad, doch das war etwas anderes.
Katharina war ganz entzückt.
„Du siehst unglaublich aus. Es ist gerade zu für dich gemacht, Kate. Sieh dich an! Wir drehen deine Haare zu leichte Wellen und dein Makeup sollte deine Augen dunkel und stark betonen. Du bist bestimmt die schönste und geheimnisvollste Frau an diesem Abend. Darren fallen bestimmt die Augen aus, wenn er dich so sieht.“ >Wahrscheinlich nicht nur Darren!> dachte Kate etwas ängstlich. Katharina schob sie bestimmend zum großen Spiegel, der neben der Tür stand.
Als Kate in den Spiegel sah, konnte sie nicht glauben, was sie sah. Eine Frau, die eine ziemlich gute Figur hatte und noch dazu viel zu sexy aussah. Nein, das konnte sie doch nicht sein! Ungläubig schüttelte sie den Kopf. Der Anblick war sehr ungewohnt. Kate hatte noch nie zuvor so etwas getragen. Kleid konnte man es ja nicht nennen.
Sollte sie so wirklich zum Maskenball gehen? „Bitte Kate, trage es! Du würdest mir eine große Freude damit machen.“
Katharina stand direkt hinter ihr und gemeinsam betrachteten sie Kate im Spiegel.
„Du bist so wunderschön, Kate. Sieh dich an! Eine besondere Frau, braucht ein besonderes Kostüm!“ sagte sie und zwinkerte ihr zu. Kate verstand nicht, was Katharina mit besonders meinte, aber das war jetzt auch egal, sie brauchte ein Kostüm und jetzt hatte sie eins und was für eins. Es gefiel Kate sehr gut, wenn sie nur nicht solche Hemmungen gehabt hätte.
„Was meinst du?” fragte Katharina und sah sie erwartungsvoll an. „Ja, es gefällt mir sehr, aber es ist zu wenig Stoff an den wichtigsten Stellen!”
„Paperlapap, trau dich ruhig. Du siehst hinreißend aus.”
“Wann kommst du am Samstag?” fragte Katharina und überlegte angestrengt.
„Ich werde schon am Nachmittag kommen, da ich noch die Dekoration fertig machen muss. Dann gehe ich wieder nachhause und bereite mich für den Maskenball vor.” „Wie wäre es, wenn du dann gleich hier bleibst und ich dir deine Haare mache und das Makeup?”
Kate sah Katharina überrascht an.
„Ja, hast du den überhaupt genug Zeit dafür?” Katharina lachte.
„Du weißt, dass auch ich nicht schlafen oder ausruhen muss! Dann ist das abgemacht? Du kommst am Nachmittag, machst die Dekoration und anschließend verwandele ich dich in die Königin der Nacht!” Kate lachte bei dem Ausdruck.
„Wenn dir das nicht so viel Umstände macht?” „Nein, du wirst sehen. Du wirst allen die Show stehlen!” „Das will ich aber eigentlich nicht, mir reicht es wenn ich Darren gefalle.” sagte sie leicht unsicher. „Darren werden die Augen aus dem Kopf fallen.“
„Kann ich dich mal etwas fragen, Katharina?” „Nur zu!” sagte sie und sah Kate an.
„Wie war das für dich damals? Dich zu entscheiden, das du ein Vampir werden wolltest?”
Katharina hatte gewusst, das Kate früher oder später so eine Frage stellen würde.
Als sie damals James kennenlernte, stand sie selbst auch, vor diesen und ähnlichen Fragen.
Doch sie wusste, das für Kate noch zu früh war, sich über dieses Thema Gedanken zu machen.
Kate bewunderte Katharina. Sie war ihre Heldin. Sie hatte ihr Leben für die Liebe aufgegeben. Das war das romantischste und gleichzeitig unglaublichste, was Kate je gehört hatte. So etwas kannte man nur aus Filmen. Oder es war ähnlich, wie bei Romeo und Julia.
Katharina lächelte vielsagend.
„Weißt du Kate, für mich war es klar, dass ich James liebe und ich für immer mit ihm zusammen bleiben wollte. Ich traf diese Entscheidung allein. Der Gedanke, dass der Tod uns trennen würde, war so abwegig, das ich keine andere Wahl hatte.” „Aber du hast doch bestimmt auch Familie gehabt, die du liebtest! Wie konntest du das für dich vereinbaren?” Katharina ging zum Fenster. Sie war sehr nachdenklich geworden. „Es war schwer zu gehen, Kate! Vor allem für meine Mutter. Es war die schwerste und schlimmste Entscheidung, die ich jemals treffen musste. Das war der Preis, den ich für die Ewigkeit mit James bezahlen musste.”
“Du hast sie bestimmt sehr vermisst!” fragte Kate und versuchte sich vorzustellen, wie es für Katharina sein musste.“ „Ja, aber ich habe es nie bereut. Es gab Zeiten, da war es schwer für mich, aber mit James war es einfacher. Die Liebe kann das, Kate. Doch glaub mir Kate, das war mein Leben und meine Entscheidung. Ich kann dir nicht raten, es mir gleich zu tun. So etwas muss gut überlegt sein. Außerdem hatte ich nur meine Mutter. Sie war schwer krank damals und überlebte ihre Krankheit nicht. Sie starb, nachdem ich verwandelt wurde.”
„Darren hat mir erzählt, das James dich verwandelt hat. Wie ist das?”
„Das Verwandeln?” fragte Kate und hatte sich wieder zu Kate gewandt.
„Es ist grausam und unglaublich schmerzhaft. Und die Verwandelung ist keine Garantie dafür, das dein Körper es auch verkraftet. Ich hätte auch sterben können. Wenn das Gift sich in deinem Körper ausbreitet, hast du das Gefühl das du verbrennst. Und es dauert lange. Bei mir hat es fast zwei Tage gedauert. Aber es ist ganz unterschiedlich. Es ist schwer das zu beschreiben. Wieso willst du das alles wissen, Kate?” Kate fühlte sich ertappt. Irgendwie hatte sie es interessiert. „Ich weiß nicht! Ich bin neugierig!” sagte Kate und hoffte Katharina würde nicht ahnen, was sie gerade dachte, doch da machte sich Kate etwas vor. Katharina wusste genau Bescheid, was in ihrem Kopf herum spukte.