Gedichte der Gefangenen: Ein Sonettenkreis

Ernst Toller · Kapitel 17 von 23

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Gedichte der Gefangenen: Ein Sonettenkreis

November

 

Wie tote ausgebrannte Augen sind die schwarzen Fensterhöhlen

Im Dämmerabend der verhangenen Novembertage,

Wie Flüche wider Gott, hilflose Klage

Wider die Zwingherrn der verruchten Höhlen.

 

Die Städte sind sehr fern, darin die Menschen leben.

Ein Knäuel würgt die Kehle dir, ein Grauen

Betastet deine Glieder. Wer wird Freiheit schauen?

Wenn endlich wird sich dieses müde Sklavenvolk erheben?

 

Oh, niemand löscht die Stunden der Gefängnishöfe, die in wirren

Träumen uns gleich Fieberlarven schrecken, antlitzlosen,

Wir sind verdammt von Anbeginn, wir müssen wie Leprosen,

 

Unstete, durch die Jahre unsrer Jugend irren.

Was ist das Leben uns? Ein formlos farbenleer Verfließen ....

Und gnädig sind die Nächte, die wie Särge uns umschließen.