Gedichte der Gefangenen: Ein Sonettenkreis

Ernst Toller · Kapitel 1 von 23

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Gedichte der Gefangenen: Ein Sonettenkreis

Gedichte der Gefangenen

GEDICHTE

 

DER GEFANGENEN

 

E I N S O N E T T E N K R E I S

 

V O N

 

E R N S T T O L L E R

 

(Nr. 44)

 

Kamerad,

in jeder Stadt, in

jedem Dorf begleitet dich

ein Gefängnis

 

K U R T W O L F F V E R L A G M Ü N C H E N

B Ü C H E R E I „ D E R J Ü N G S T E TA G “ B A N D 8 4

GEDRUCKT BEI E. HABERLAND IN LEIPZIG

 

COPYRIGHT 1921

BY KURT WOLFF VERLAG A.-G. MÜNCHEN

Den

namenlosen Toten

deutscher Revolution

 

Wer die Pfade bereitet,

stirbt an der Schwelle.

Doch es neigt sich vor ihm in Ehrfurcht

der Tod.

AN DIE FREUNDE.

Was ist ein Jahr und was ist eine Stunde,

Im Acker Zeit, der brach zu unsern Füßen liegt.

„Es kann nichts entsetzlicher sein, als daß die Handlungen eines Menschen unter dem Willen eines andern stehen sollen.“

Kant, Fragmente VIII.

„Trotzdem sie nur von Gesetzen reden: auch das Gesetz ist nicht frei von Menschlichkeit. Das Gesetz ist für uns Menschen nicht dazu gemacht, andern Menschen durch Ekel oder Schmerz das Leben zu nehmen.“

Kleist

 

Geschrieben in den Gefängnissen München

(Militärarrestanstalt Leonrodstraße; Polizeigefängnis;

Neudeck; Stadelheim),

Würzburg, Eichstätt, Neuburg,

Niederschönenfeld.

1918-1921