Gedichte der Gefangenen: Ein Sonettenkreis
Besucher
Die Augen sind vom Haßschrei der Gefängnismauern
Verstört gleich Tauben, die ein Marder überfiel,
Und die verschüchtert flattern ohne Ziel,
Erblindet vor den Zähnen, die in Blutdurst lauern.
Dann Mitleid scheu erblüht wie blauer Klang der Harfen,
Die Herzen klammern sich an des Gefangnen Hand —
Oh, viele bittre Nächte weinten wie verbannt,
Seit Waffenknechte den Empörer ins Gefängnis warfen.
Der aber wuchs aus Last erstarrter Zellen,
Und seine Seele ward entrückt dem Rhythmus kleinen Lebens,
Er lebt nach innen, lebt an Gottes Quellen —
Und der Besucher friert und fühlt, er kam vergebens.
Ein Pilger, der den Weg zum Freund verloren ...
Und tiefer noch vereinsamt, weint er vor geschloßnen Toren.