Gedichte der Gefangenen: Ein Sonettenkreis

Ernst Toller · Kapitel 2 von 23

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Gedichte der Gefangenen: Ein Sonettenkreis

Schlaflose Nacht

 

Metallne Schritte in die Nächte fallen,

Die Posten buckeln durch die Höfe ohne Rast.

Oh, jeder Schlag ist Herzschlag ungeheurer Last,

Die uns bedrängt mit immer scharfen Krallen.

 

Wir lauschen schlaflos in das starre Hallen,

Ein schwarzes Schweigen wächst im schwarzen Glast,

Deß toter Atem fröstelnd uns umfaßt,

Zermartert Blicke an die Eisengitter prallen.

 

Warum, mein Bruder, feindlich durch die Höfe schreiten?

Uns alle band ein Schicksal an den gleichen Pfahl,

Uns alle eint der Kreaturen tausendjährge Qual,

 

Uns alle wirbelt dunkler Zwang durch die Gezeiten.

Oh, Fluch gesetzter Grenzen! Menschen hassen ohne Wahl!

Du, Bruder Tod, wirst uns vereint geleiten.