Ludwig Tieck's Schriften: Dreizehnter Band

Ludwig Tieck · Kapitel 26 von 32

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Ludwig Tieck's Schriften: Dreizehnter Band

König Rother. Fragment. 1806.

König Rother.

Fragment.

1806.

König Rother zieht einer Jungfrau die Schuhe an.

 

In der Kammer ward es stille,

Da sprach die Königinne:

O weh, Fraue Herlind,

Wie groß meine Sorgen sind

Um den Herren Dietheriche,

Den hätt’ ich sicherliche

Verstohlen gern gesehn,

Und möcht’ es füglich geschehn

Um den tugendhaften Mann,

Fünf Ringe lustsam

Die möchte ein Bothe schier

Um mich verdienen,

Der den Held balde

Brächte zu meiner Kammer.

In Treuen sprach Herlind:

Ich will mich heben geschwind,

Ich geh zu der Herbergen sein,

Es bringe Schaden groß oder klein,

Doch pfleget er solcher Zucht

Daß wir seyn dürfen ohne Furcht.

Herlind ging balde

Zu einer Kammer

Und nahm ein theuerlich Gewand,

Wie manche Fraue hat,

Darin zierte sie den Leib,

Da ging das listige Weib

Zu dem Herrn Dietheriche.

Er empfing sie frommliche,

Viel nahe sie zu ihm saß,

Dem Recken sie in das Ohre sprach:

Dir entbietet holde Minne

Meine Frau, die Königinne, Und ist dir mit Freundschaft unterthan,

Du sollt hin zu ihr gahn,

Dorten will die Magd

Dich selber wohl empfahn,

Nur um deine Ehre,

In allen Treuen Herre.

Du magst das wohl gewiß sein

An der Jungfrauen mein.

Also redete da Dietherich:

Fraue du versündigest dich

An mir elenden Manne,

Ich bin auch zu Kammern gegangen

Hievor da das mochte sein,

Warum spottest du mein?

Leider, so that man dem Armen ja,

Eure Fraue gedacht der Rede nie,

Hie sind so viele Herzogen

Und Fürsten in dem Hofe,

Daß ihr mit einem anderen Mann

Euren Scherz möchtet han,

Des hättet ihr minder Sünde,

Ihr verdienet die Abgründe

Daß ihr mich so thöricht wolltet han,

Ich bin ein so armer Mann,

Doch ehemals ich war

Daheim ein reicher Graf.

Herlinde sprach dem Herren zu,

Sie konnte ihre Rede wohl thun:

O nein, mein Herre Dietherich,

Nicht verdenke du also mich,

Ich habe dieses, weiß Gott, nicht gethan,

Mich hieß meine Fraue hieher gahn,

Es nimmt sie großes Wunder,

Daß du so manche Stunde

In diesem Hofe seiest gewest

Und sie doch niemals wolltest sehn,

Das ist doch selten nur gethan

Von einem so stattlichen Mann, Nur verweist mir die Rede nicht,

Der Königinne wäre lieb

Welche Ehre dir gescheh

Wie du sie auch nie gesehn,

Wolltest du aber hingehn

So thätest du nichts übeles daran.

Dietherich zu der Frauen sprach:

(Er wuste wohl, daß es ihr Ernst war)

Hie sind so viele der Merker,

Wer behalten will seine Ehre

Der soll mit Klugheit gahn,

Es wähnet der elende Mann

Daß er nimmer so wohl thu,

Daß sie es alle für gut

Halten, die in dem Hofe sein;

Nun sage der Jungfrauen dein

Meinen Dienst, will sie ihn nehmen,

Ich mag sie jetzt nicht sehen

Vor der Helle des Tages,

Ich fürchte, daß es erschalle

Lästerlich uns Beiden,

So verbietet mir das Reiche

Constantin der Herre,

So muß ich immermehre

Flüchtig sein vor Rothere

Und mag mich nirgend erretten.

Herlind wollte von dannen gahn.

Der Herre bat sie da bestahn

Und hieß schnell seine Goldschmiede

Zween silberne Schuhe giessen,

Und zween von Golde.

Als er sie geben wollte

Da bat er Asprianen,

Daß sie nur zu einem Fuße kamen,

Daß er die beiden nehme

Und sie der Frauen gebe,

Und einen Mantel viel gut,

Zwölf Ringe Gold roth:

So soll man wohl belohnen

Einer Königinne Bothe.

Da sprang die fröhliche

Von dem Herren Dietheriche.

Herlind kam balde

Zu ihrer Frauen Kammer

Und sagete ihr von dem Herren,

Er pflege seiner Ehren

Sehre fleißigliche:

Das wisset wahrliche,

Ihm ist die Huld des Königes lieb,

Er mag dich darum sehen nicht,

Weil es sich nicht will fügen,

Nun schaue an diese Schuhe,

Die gab mir der Held gut

Und that mir auch Liebes genug,

Und einen Mantel wohlgethan,

Wohl mir, daß ich je zu ihm kam,

Und zwölf Ringe die ich han

Die gab mir der Held lustsam,

Es mochte nie auf der Erden

Ein schönerer Ritter werden

Als Dietherich der Degen

Gott laß es mich erleben,

Ich gafft ihn an ohn’ danken,

Daß ich mich des immer mag schämen.

Es scheint wohl, sprach die Königinne,

Daß ich nicht seliglich bin,

Nun er mich nicht will sehen

Magst du die Schuh mir geben,

Um des Herren Hulde,

Schnell ward der Kauf gethan,

Sie zog den goldenen an,

Dann nahm sie den silbernen Schuh,

Der ging an denselben Fuß.

O weh! Sprach die schöne Königinn

Wie wir nun gehöhnet sind,

Denn mit den Schuhen lustsam Ist ein Missegriff gethan,

Ich bringe ihn nimmermehr an,

In Treuen du must zurücke gahn

Und bitten Dietheriche

Sehre gezogenliche,

Daß er dir den anderen Schuh gebe,

Und mich auch sehen wolle selber

Wenn er unter seinen Verwandten

Je gut Geschlecht gewanne.

O weh, sprach Herlind,

Wie doch der Schade nun ist

Fraue unser beiden,

Nun wisset es in Treuen

Sollt’ ich immer Schande han

Ich muß wieder zurücke gahn.

Da hub die Fraue wohlgethan

Ihr Kleid lustsam

Hoch auf an die Knie,

Denn sie gedachte der Zucht nicht,

Frauelichen Ganges sie vergaß,

Wie schnelle sie über den Hof gelaufen was

Zu den Herren Dietheriche,

Er empfing sie frommliche

In allen den Geberden

Als wenn er sie nie gesehen,

Da wuste der Held wohlgethan

Warume sie zurücke kam.

Herlind sprach zu dem Herren:

Ich must immermehr

In Botschäften gahn,

Mit dem Schuh ist Missegriff gethan,

Sie sind der Königinne

Gegeben um deinetwillen,

Noch sollten wir den einen haben,

Das heißt dich meine Fraue mahnen,

Daß du ihr den andern Schuh wolltest geben,

Und sähest sie auch selber

Wenn du unter deinen Verwandten Je gutes Geschlecht gewannst.

Ich thät’ es gerne, sprach Dietherich

Nur die Kammerere die melden mich.

Nein, sprach Herlind,

Mit Freuden sie in dem Hofe sind,

Die Ritter schiessen den Schaft

Da ist großen Spieles Kraft,

Ich will hin vor dir gahn,

Nun nimm zween deiner Mann

Und hebe dich viel balde

Nach mir zu der Kammer,

Mit dem großen Schalle

Vermissen sie dein alle.

Herlind wollte von dannen gahn,

Da sprach der listige Mann:

Nun warte des Kammerers,

Ich will nach dem Schuhe fragen.

Schnelle kam Asprian,

Er sprach: O weh, was habe ich dir gethan,

Die Wege ich nicht erleiden mehr mag,

Du bemühest mich diesen ganzen Tag

Immer mit neuen Mähren,

Mehr als du sonst thatest, Herre,

Ihrer war hier ein großer Theil geschlagen,

Die haben die Knechte zu tragen,

Nimm nach deinem Gefallen,

Ich bringe sie dir alle.

Da nahm Asprian

Die anderen Schuhe lustsam,

Und einen Mantel sehr gut,

Und auch zwölf Armkränze roth,

Und gab alles der alten Bothin,

Da ging sie also verstohlen

Viel sehre fröhliche

Von dem Herren Dietheriche,

Und sagete auch schnelle

Ihrer Frauen liebe Mähre.

Des Mägdleins Schauen war sehnlich.

Sich berieth der Herr Dietherich

Mit Berther, dem alten Mann,

Wie es mit Fuge möchte gahn.

Verständig sprach der Herzoge:

An dem versammelten Hofe

Will ich machen großen Schall,

Der zieht die Leute überall,

So bemerket dich kein Mann.

Er hieß die Riesen ausgahn,

Selber bedeckt er sein Roß,

Sich hub der Laut da auf dem Hof,

Da führte der alte Jüngeling

Tausend Ritter in den Ring,

Widolt mit der Stangen

Fuhr her mit Klange

In aller der Geberde

Als ob er thöricht wäre,

Da überwarf sich Asprian,

Der war der Riesen Spielmann,

Grimme hin zwölf Klafter sprang,

So thaten die anderen alle mit sammt,

Er griff einen ungefügen Stein,

Daß von den Merkeren kein

Mann Dietherich vernahm,

Da sie begunnten umher gahn.

In deme Fenstere die junge Königinne stund,

Schnelle kam der Held jung

Ueber Hof gegangen.

Da ward er wohl empfangen

Mit zween Rittern herrlich,

Hin ging der Recke Dietherich,

Da wurde die Kammer aufgethan,

Darein ging der Held wohlgethan,

Den hieß die junge Königinn

Selber willkommen sein,

Und sprach was er dort geböte

Daß sie das gerne thäten

Nach ihrer beider Ehren:

Ich habe dich gerne, Herre,

Um deine Biederkeit gesehn,

Und um etwas anderes ist es nicht geschehn,

Diese Schuhe lustsam

Die sollt du mir ziehen an.

Viel gerne, sprach Dietherich,

Nun ihr es geruhet an mich.

Der Herre zu ihren Füßen saß,

Viel schöne seine Gebärde was,

Auf sein Bein satzte sie den Fuß,

Es wurde nie Fraue besser beschuht.

Da sprach der listige Mann:

Nun sage mir, Fraue lustsam

Mähre auf die Treue dein

So wie du Christin wolltest sein,

Dein hat nun gebeten mancher Mann,

Wenn es in deinem Willen sollte stahn

Welcher unter ihnen allen

Dir am besten gefalle.

Das saget er, da sprach die Fraue:

Viel ernstlicher im Treuen

Herre, auf die Seele mein,

So wahr ich getaufet bin,

Der aus allen Landen

Die theuren Wigande

Zu einander hiesse gahn,

So würde doch nie kein Mann

Der dein Genosse möchte sein,

Das nehm ich auf die Treue mein

Daß niemals eine Mutter gewann

Ein Kind also lustsam,

Darum mit Züchten Dietherich

Mag ich lieben und ehren dich,

Denn du bist in Tugenden ein ausgenommner Mann,

Sollte ich aber die Wahl han;

So nähm’ ich einen Helden gut und stark

Dessen Bothen kommen her in dies Land,

Die noch hie leben In meines Vaters Kerker,

Der ist geheissen Rother

Und sitzet westlich über Meer,

Ich will auch immer Jungfrau gahn

Mir werde denn der Held lustsam.

Als das Dietherich vernahm,

Da sprach der listige Mann:

Willt du Rother minnen,

Den will ich dir balde bringen,

Es lebet in der Welt kein Mann,

Der mir so Liebes hätte gethan,

Er minderte ofte meine Noth,

Das lohne ihm noch Gott,

Wir genossen fröhliche das Land

Und lebten fröliche mitsamt.

Er war mir immer gnädig und auch gut,

Es hat mich auch nie vertrieben der Held gut.

In Treuen, sprach die junge Königinn,

Ich verstehe nicht die Rede dein,

Dir ist Rother also lieb,

Er hat dich auch vertrieben nicht,

Von wannen du auch fährest Held stark,

Du bist ein Bothe hergesandt,

Dir ist des Königes Huld lieb,

Nun verheele mir die Rede nicht,

Was du mir heute wirst anzeigen,

Das will ich immer verschweigen

Bis an den jüngesten Tag.

Der Herre zu der Frauen sprach:

Nun stell’ ich alle meine Ding

In Gottes Gnade und bei dir,

Ja, es steht dein Fuß

In Rotheres Schooß.

Die Fraue sehre erschrack,

Den Fuß sie aufzog

Und sprach zu Dietherich

Sehre freundlich:

Nun war ich doch nie so ungezogen,

Mich hat mein Uebermuth betrogen,

Daß ich meinen Fuß

Sazte in deinen Schooß,

Und bist du Rother so hehr

So möchte kein König nimmermehr

Bessere Tugend gewinnen,

Der ausgenommenen Dinge

Hast du von Meisterschaft List,

Welches Geschlechtes du aber auch bist,

Mein Herze sehnend,

Und hätte dich Gott nun hergesendet

Das wäre mir inniglicher lieb,

Aber ich mag dir doch vertrauen nicht

Du bescheinest mir denn die Wahrheit,

Und wär’ es dann aller Welt leid

So räumte ich sicherliche

Mit dir das Reiche,

So ist es aber ungethan,

Doch lebet kein Mann

So schöne, den ich dafür nähme,

Wenn du der König Rother wärest.

Also redete da Dietherich,

Sein Gemüthe war sehre listig:

Nun hab’ ich Freunde mehre,

An denen armen Herren

In dem Kerker,

Wann die mich sähen,

So möchtest du daran verstahn,

Daß ich dir wahr gesaget han.

In Treuen, sprach die Königinn,

Die erwerb’ ich von dem Vater mein

Mit adelichem Sinne,

Daß ich sie aus gewinne,

Er giebet sie aber keinem Mann,

Er muß sie denn auf den Leib han,

Daß ihrer keiner entrinne,

Bis man sie wieder bringe

In den Kerker,

Wo sie waren in Nöthen.

Des antwortete da Dietherich:

Ich will sie nehmen über mich

Vor Constantine dem reichen

Morgen sicherliche

Wann er wird zu Hofe gahn.

Die Fraue also lustsam

Küßte den Herren,

Da schied er von dann mit Ehren

Aus von der Kammern

Zu der Herbergen balde,

So wie Berther das ersah,

Wie schnell der Ring zerlassen war.

Da sagete der Herre Dietherich

Die Mähre also wunniglich

Dem theuerlichen Herzogen,

Des begunnten sie beide Gott loben.

Die Jungfraue lag über Nacht

Daß sie in vielen Gedanken war,

Als es zu dem Tage kam, Einen Stab sie nahm

Und kleidete sich in ein schwarz Gewand,

Als wollte sie pilgern über Land,

Eine Palme sie auf ihre Schulter nahm

Als wenn sie aus dem Lande wollte gahn,

So hob sie sich viel balde

Zu ihres Vaters Kammer

Und klopfete an das Thürlein.

Auf that da Constantin,

Als er das Mägdelein ansach

Wie listiglich sie zu ihm sprach:

Nun lebet wohl, Herr Vater mein,

Mutter, ihr sollt gesund sein,

Mir traumte in der Nacht

Es sende des hohen Gottes Gewalt

Seinen Bothen mir herab,

Ich muß in den Abgrund gahn

Mit lebendigem Leibe,

Daran ist gar kein Zweifel,

Dessen mag mich Niemand erwenden,

Ich will nun das Elende

Bauen immermehre

Zum Troste meiner Seele.

Traurig sprach da Constantin:

O nein, liebe Tochter mein,

Sage mir, was du wöllest,

Dich davon zu erlösen.

Vater, es bleibt immer gethan,

Mir würden denn die gefangenen Mann,

Die will ich kleiden und baden,

Daß sie Genade müssen haben

An ihrem armen Leibe

Ettelicher Weile,

Ich begehre sie nur auf drei Tage,

Dann sollst du sie wieder haben

Zu deinem Kerker.

Constantin der edle

Sprach, daß er das gerne thäte, Wenn sie einen Bürgen hätten,

Der die auf den Leib dürfte nehmen

Und sie ihm wieder möchte geben,

Daß ihrer keiner entrunne.

Da sprach die Magd, die junge:

Ich bitt’ es heute so manchen Mann

Daß sie ettelicher muß bestahn

Des Leib ist also tugendhaft

Deme du sie mit Ehren geben magst.

Da sprach Constantin:

Das thu ich gerne, Tochter mein.

Es war die Stunde

Nunmehr gekommen

Daß Constantin zu Tische ging,

Dietherich nicht unterließ

Er kam mit seinen Mannen

Vor den König gegangen.

Da man das Wasser nahm

Die Jungfraue lustsam

Ging um den Tisch flehend

Mit heissen Thränen,

Ob sie jemand so liebes hätte gethan,

Der die gefangnen Mann

Auf den Leib durfte nehmen;

Ihr keiner durfte sie des gewähren.

Die Herzogen, die reichen,

Entzogen sich allgeleiche,

Bis sie zu dem Recken kam,

Mit dem der Rath war gethan.

Da sprach die Magd herrlich:

Nun gedenke, Held Diethrich,

Aller deiner Güte

Und hilf mir aus den Nöthen,

Nimm die Bothen auf dein Leben,

Die heisset dir der König geben,

Verzaget sind meines Vaters Mann,

Sie dürfen sich des nicht unterstahn,

Doch soll die Eitelkeit dein Mit samt mir getheilet sein,

Daß ich der geniesse,

Und wenn du’s gerne liessest,

So erläst es dir nicht dein tugendhafter Muth,

Du sollst mir das gewähren Held gut.

Gerne, sprach Dietherich,

Was Du geruhest an mich

Das gehe mir nur an meinen Leib,

Doch werde ich dein Bürge schönes Weib.

Die Bothen gab da Constantin

Dietheriche auf den Leib sein,

Der Herre sie da übernahm,

Da folgeten ihm des Königes Mann

Zu dem Kerker,

Wo sie waren mit Nöthen,

Die elend Verhaften

Lagen in Unkräften

Und lebeten erbärmliche.

Berther der reiche

Stund und weinete,

Da er den Schall erhörete.

Den Kerker man aufbrach,

Darein schien da der Tag,

Schnelle kam ihnen das Licht,

Des waren sie gewöhnet nicht.

Erwin war der erste Mann

Der aus dem Kerker kam,

As ihn der Vater ansah,

Wie groß seine Herzens-Reue war,

Herum er sich kehrte

Und rang seine Hände,

Er durfte nicht weinen

Und war ihm doch nie so leide

Seit ihn seine Mutter trug.

Erwin der Held gut

War von dem Leibe gethan,

So wie mit Recht ein armer Mann.

Sie nahmen die Grafen zwölfe Her aus dem Kerker,

Und jegelich seine Mann,

Die Ritter sonst so lustsam,

Sie waren beschmuzt und schwarz,

Von großen Nöthen bleich gefarbt,

Leopold der Meister

Der hatte keine Kleider

Als nur ein dünnes Schürzelein,

Das wand er um den Leib sein,

Da war der edele Mann

Zum Erbarmen gethan,

Zerschunden und zerschwellt.

Dietherich der gute Held

Stund traurig von Leide

Und wollte doch nicht weinen

Um die gefangnen Mann.

Berther der alte Mann

Ging allenthalben

Die Gefangnen betrachtend,

Da reuete ihn keiner hier

Mehr als seine schönen Kind.

Dietherich der Herre

Hieß die Bothen edel

Führen zu den Herbergen sein,

Nur Leopold und Erwin

Die ließ man alleine gahn,

Zurücke blieb kein Mann.

Da sprach Erwin der edle:

Leopold, traut Herre,

Sahst du einen grauen Mann

Mit dem schönen Barte stahn,

Der mich beschauete

Und viel trauerte?

Herum er sich kehrte

Und rang seine Hände,

Er durfte nicht weinen

Und war ihm doch nie so leide;

Vielleicht daß Gott der gute

Durch seine Barmunge Ein groß Zeichen will begahn,

Daß wir kommen von dannen.

Das ist wahr, Bruder mein,

Es mag wohl unser Vater sein.

Da lacheten sie beide

Von Freuden und von Leide.

Die elenden Gäste

Waren frei nicht länger

Bis an den anderen Tag.

Die Jungfraue ihren Vater bat

Daß er sie dahin gehen liesse

Sie wollte ihnen selber dienen.

Urlaub ihr der König gab,

Wie schnelle sie über den Hof hintrat,

Zu dem Herren Dietheriche.

Da hieß man allzugleiche

Die fremden Ritter ausgahn,

Darinne blieb kein Mann

Als der Bothen Magen,

Die über Meer waren gefahren.

Denen gefangnen Mann

Legete man gut Gewand an

Und kleidete sie fleissigliche,

Das kam von Dietheriche,

Der Tisch war bereitet,

Berther der reiche

War Truchsaße,

Die weile seine Kind aßen.

Als nun die Herren saßen,

Ihres Leides ein Theil vergaßen,

Da nahm der Recke Dietherich

Eine Harfe, die war herrlich,

Und schlich hinter den Umhang,

Wie schnell eine Weise daraus klang.

Wellicher begunnte trinken,

Dem begunnt’ es nieder sinken,

Daß er’s auf den Tisch vergoß, welcher aber schnitt das Brod, Dem entfiel das Messer durch Noth, Sie wurden vor Freuden sinnelos,

Wie mancher sein Trauern verlohr.

Sie saßen alle und hörten

Woher das Spiel zu ihnen kehrte.

Laute die eine Weise klang,

Leopold über den Tisch sprang

Und der Grafe Erwin,

Sie hiessen ihn willekommen sein

Den reichen Harfner

Und küßten ihn sehr.

Wie rechte die Fraue da sah,

Daß es der König Rother war.