Ludwig Tieck's Schriften: Dreizehnter Band
Der Autor. Ein Fastnachts-Schwank. 1800.
Der Autor.
Ein Fastnachts-Schwank.
1800.
Der Autor in seiner Stube.
Wie mir’s in allen Gliedern liegt! Die Augen kann ich kaum erheben,
Bin durch und durch recht mißvergnügt
Und führe ein meschantes Leben.
Von allen geneckt, von keinem gefühlt,
Vergebens Poesie ausgespielt —
Da kommen sie dann und loben, wie’s scheint,
Ist eigentlich als Tadel gemeint,
Und drehn sich und winden sich närrisch herum, Sind überklug, deswegen unterdumm. — —
Wo bist du, herrliche Frühlingszeit?
Wie liegst du von diesen Mauern so weit!
Kommt Sonne über die Dächer geflossen,
Scheint mitleidsvoll in die Kammer herein: —
Ich habe noch keine frohe Stunde genossen,
Mich nicht ergangen im lieblichen Schein,
Statt aller frohen freien Natur,
Druckfehler um mich in Korrektur,
Gewöhne mich alles zu korrigiren,
Die ganze Welt zu rektifiziren,
Schau ich von der Höh hinab in die Thäler,
Seh ich allenthalben nur Schöpfungsfehler,
Und fange zu brummen an, endlich zu hassen,
Möchte bogenweis umdrucken lassen,
Kömmt mir alles nur wie Stümperwerk vor,
Und fühle recht gut, ich werd’ ein Thor. —
Warum seid ihr entschwunden
Ihr fröhlichen Jugendstunden,
Als noch Baum und Blume mit mir spielten,
Und Erd’ und Himmel mit mir fühlten,
Mich alle als ihres Gleichen hielten?
Jetzt bin ich unter der Presse
Und leide schlimmen Druck,
Verhandelt auf der Messe,
Und komme täglich weiter zuruck.
Da ist an keine Ergötzung zu denken,
Kein Volksfest, kein fröhlich Gelag,
Man muß sogar am Feiertag
Mit Sorgen sein Gemüth nur kränken.
Will ich zum Wald die Schritte lenken,
So folgt mir die Erinnrung nach,
Und alle Sorgen werden wach,
Will nichts mir die Erquickung schenken.
Kurzum, soll andre amüsiren,
Daß sie vergessen ihr prosaisch Leben,
Und muß mich selber ennuyiren,
Vor mir will keine Hoffnung schweben,
Und da hilft auch kein Sperren und Zieren,
Ich muß es nur so dulden eben. —
Es klopft.
Herein!
Ein Fremder tritt herein.
Fremder.
Verzeihen, daß ich so dreist gewesen,
Ich habe gar manches von Ihnen gelesen,
Du mußt auch sehn den Mann so dacht ich,
Betrachten ihn mit großem Fleiß,
Bin jetzt auf einer gelehrten Reis’,
Einen Umweg von einer halben Meile macht’ ich.
Autor.
Bin Ihnen trefflich obligirt.
Fremder.
Sie sind doch wohl nicht occupirt?
Autor.
Ich bin es niemals, oder immer.
Fremder.
Sie deuten auf das Frauenzimmer,
Das im Meister die schöne Rolle spielt,
Natalie, die nie oder immer Liebe fühlt:
Hab’ bei dem Buche gar manches gedacht,
Geschaudert, geweint, mich erfreut und gelacht, Es ist doch gar ein trefflich Werk,
Versteht man’s, ist überstiegen mancher Berg.
Autor.
Sie scheinen der Dichtkunst sehr ergeben.
Fremder.
Ich kann wohl sagen, sie ist mein Leben,
Doch lieb’ ich auch den Ernst daneben.
Autor.
Ganz Recht, der Ernst, den muß man lieben,
Treibt man ihn nicht, wird man von ihm getrieben.
Fremder.
Ach Lieber! es giebt so viel zu lernen,
Die Wissenschaften täglich um sich fressen,
Da darf man sich nur ein bischen entfernen,
Hat man das Beste gleich vergessen,
Und wenn man dann mit dem Zeitalter nicht geht, Kommt man nur allenthalben zu spät.
Autor.
Die Unruhe sich jetzt schneller regt,
Die volle Stunde häufger schlägt,
Da muß die Uhr wohl vorwärts kommen,
Das Repetirwerk ist herausgenommen,
Eine neue Feder hinein endlich kam,
Die alte war etwas gar zu lahm.
Fremder.
Sehr wahr, und werth, sich zu notiren, —
Ich darf Sie doch wohl auch zitiren,
Wann ich die Reisebeschreibung edire,
Und Sie dort namentlich aufführe?
Autor.
Sie werden mir dadurch viel Ehre erzeigen,
Doch mehr noch, wenn Sie gänzlich schweigen.
Fremder.
So wenig mein Werklein wird bedeuten,
Kommen Sie doch zu lauter ehrbaren Leuten.
Was haben Sie jetzo unter der Feder?
Autor.
Jetzt hat die Feder mich unter sich.
Fremder.
Es scheint, mein Herr, Sie scherzen entweder,
Oder ich bin ihnen hinderlich.
Autor.
Das Erste so wenig wie das Zweite,
Es ist nur meine Art so heute:
Doch weil sie’s wissen wollen zumal
Arbeite an einem Poetischen Journal,
Vielleicht ist’s Ihnen auch schon bekannt.
Fremder.
Ei! ei! das ist ja ganz charmant!
Poetisch? das heißt, wie ich es fasse,
So gleichsam Gedichte von Zeit zu Zeit,
Das Ganze wird aber in der Masse
Ganz unpoetisch weit und breit,
Wir haben der Journale längst genug,
Poetisch Journal ist ein Widerspruch.
Autor.
Es wird sich eben nach jedem bequemen, So wie er will, kann’s jeder nehmen.
Fremder.
So hab ich’s unter andern selber gern,
Der eine will die Schaale, der andre den Kern,
Müssen’s nur nicht am Interessanten fehlen lassen.
Autor.
Wenn man nur wüßte, was interessirt.
Fremder.
So intressirt zum Beispiel, über die maßen,
Was da und da für Komödien aufgeführt,
Wie der und der die Rolle genommen,
Was für Witz von Paris und London gekommen.
Autor.
In dergleichen Dingen bin ich unerfahren.
Fremder.
So müssen Sie sich mit andern paaren,
Um Korrespondenz und Konnexionen,
Karikaturen und Spionen,
Um Neuigkeiten, aus Wien und Berlin
Und dergleichen Amüsanten bemühn.
Autor.
Doch seh ich eben nichts Neues geschehen.
Fremder.
Man muß nur von sprechen, man kann es nicht sehn; Wer wird die Dinge so schwerfällig nehmen?
Man muß sich eben zum Glauben bequemen;
Wer fodert, daß Gilreys Bilder witzig wären?
Es handelt sich drum, sie zu erklären.
Autor.
Mein Herr, das ist mir nicht gegeben,
Zu führen ein solch erbärmlich Leben.
Fremder.
Ja ja, sie glauben wohl, was sie leisten,
Sind kaum ein Gilrey für die Meisten,
Und, Spaß a part, wie meinen Sie das,
Halten Sie denn ihren Spaß für Spaß?
Ihre Reime
Und Träume,
Dazwischen die Blumen und Bäume,
Und alles, man weiß nicht geht man,
Fällt, oder steht man,
Kein Silbenmaas, Rhytmus durchaus nicht,
Daß alles so bunt und kraus herausbricht,
Sammt den Aufputz vielerlei Plunders,
Das halten Sie wohl für was Besonders?
Autor.
Ihr Eifer bringt Sie in’s Parodiren.
Fremder.
Ei man muß sich leider wohl enthusiasmiren,
Wenn man sieht die Zeichen der Zeit,
Den unnützen Stolz, die Ueberklugheit,
Daß sie anfangen, brave Leute zu hassen;
Nein, selber leben und leben lassen!
Der eine schreibt Journale und kritisirt,
Der andre schreibt Journale und spintisirt,
Ein dritter fängt’s an und satirisirt,
Ganz gut, doch muß man keinen verachten,
Nicht meinen, das Gute für sich zu pachten,
Die andern zu verkleinern streben,
Die Menge der Leser muß den Ausschlag geben.
Autor.
Ich freue mich, daß ein Patriot
Sich annimmt seines Vaterlandes Noth.
Fremder.
Ei schön! Sehn Sie, wie gut der Rest
Von sanften Gefühlen ihnen läßt,
Das andre ist doch nur Saus und Braus,
Kommt nichts bei alle dem heraus.
Autor.
Sie sind wohl auch ein Schriftensteller.
Fremder.
Es liest jetzt keiner, er schreibe denn auch,
Das ist jetzt allgemein Gebrauch,
Nutzt überdies für Küch’ und Keller.
Autor.
Worauf ist ihr Bemühn gericht’t?
Fremder.
Mehr auszubreiten der Wahrheit Licht,
Doch fang ich’s sachtchen sachtchen an,
Bin sehr der Menschenliebe zugethan,
Suche zu befördern Lieb’ und Eintracht,
Geh nicht auf die Gegner als ob man ein Schwein schlacht, So daß man ihr Quieken gassenweit hört,
Denn dadurch wird selten einer bekehrt.
Sie werden bald manches in der Nationalzeitung Von aller meiner Bemühung finden,
Dann geb’ ich mir noch mehr Ausbreitung,
Such mich mit andern zu verbinden,
Die auch für die gute Sache glühen,
Und sich zu Deutschlands Besten bemühen:
So wirken wir dann zur Geselligkeit,
Wie die Verfasser der Ruhestunden,
Erzeigen Tausenden eine Gefälligkeit,
Die Nachwelt ist uns noch verbunden,
Erschnappen wohl gar, o Herrlichkeit,
Ein Bischen von deutscher Unsterblichkeit.
Ich empfehle mich Ihnen, hab’ sehr mich gefreut, — Muß gehn, besuche noch andre Leut. — Geht.
Autor.
Man sagt wohl: laß dich nicht erboßen,
Belache lieber die Narrenpossen,
Doch kömmt’s einem manchmal in die Glieder geschossen, Daß man möchte mit Prügeln und Knütteln
Diese Zartheit und Trefflichkeit durcheinander rütteln. Meinen sind Engel, und sind in der Regel
Beim Licht besehn gar ordinäre Flegel.
Man närrt sich nur, denn nimmer nie
Verstehn sie, fühlen sie Poesie. —
Was willst du nur das Geschriebne häufen,
Durch wunderbare Länder schweifen?
Denkst du die Meister zu übertreffen,
Deren Töne bei ihnen nicht wiederklingen?
Wie kannst du dich nur selber äffen?
Denkst du die goldne Zeit zurück zu bringen?
Wie war es denn, als noch die starre Brust
Geöffnet war den Schmerzen wie der Lust?
Welch Genius hat doch beflügelt
Den dunkeln Kerker ehemals entriegelt?
Jetzt sind sie zu, und kein Erwarmen,
Kein Sonnenschein dringt zu den Armen,
Sitzen drinn in ihrem dunkeln Haus,
Man hört sie aus der Ferne winseln,
Und ihre Liebesmelodien pinseln.
Gukt höchstens mal einer in der Schlafmütze raus, Und wundert sich, daß draussen auch Welt,
Die ihm aber wegen der Größe nicht gefällt.
Der Schlüssel zum Gefängniß scheint verloren,
Und wer weiß, wenn der Held einst wird geboren, Der sie aus ihrer Marterkammer hebt
Und sie zu Lust und Trauer neu belebt.
Sie denken nichts, sie fühlen nichts,
Sie wissen’s nicht und entbehren des Lichts,
Und auch die Sehnsucht ist ihnen versiegt,
Sie sind nicht verdrüßlich, noch wenger vergnügt. Was nutzt alles Dichten und Trachten,
Da sie’s so kecklich verachten?
Mit aller Kunst, o wahres Wort!
Man keinen Hund aus dem Ofen lockt.
O hätt’ ich Flügel mich himmelan zu schwingen, Könnt’ mir einer den flüchtigen Pegasus bringen, Damit in den blauen Luftrevieren
Mit aller Freude herum zu spazieren, Sonne und Mond und Sterne näher zu besehn,
Und hier in Qualm und Dampf nicht zu vergehn! Da klopft es schon wieder an meiner Thür.
Herein!
Die Muse tritt lächelnd herein.
Autor.
O Himmel! ich vergehe schier,
O du lieb holdes Angesicht,
So schau ich wieder dein Augenlicht?
Ich bin’s nicht werth, unwürdger Knecht,
Daß du den Weg zu mir gericht.
Muse.
Wie muß ich Dich in Unmuth finden,
Was konnte so Deine Sinne binden?
Autor.
Ich fühle die Schaam im neuen Erquicken,
Ich erkenne mich wieder im hohen Entzücken,
Dein Auge in mein Herz ’nein lacht,
Hat allen Frühling wieder gebracht.
Ich fühle mich jetzt von Geistern umgeben,
Die Kraft von Himmel und Erd’ um mich schweben, Und ihnen entgegen mein fröhliches Streben,
Es haben sich verjüngt die Stunden,
Die Vorzeit sich wieder mit mir verbunden,
Ich habe mich auf mich selbst besonnen,
Und richte wieder den Blick zur Sonnen.
Muse.
Ich hörte Dich schrein, wie ein mürrisches Kind, Du wolltest Dich nicht in der Einsamkeit sehn,
Drum kam ich Dich zu trösten geschwind,
Daß nicht in Aengsten möchtest vergehn.
Autor.
Du bist so gut und freundlich mir.
Muse.
Sei auch nur gut und freundlich Dir,
Bedenk, daß jeder der Nächste sich.
Autor.
Ergeben bin ich dir ewiglich,
Mein Herz, mein Sinn und all mein Blut,
Dient ewig dir mit treuem Muth,
Der Gedanke an dich mich hatte verlassen,
Drum fing ich an die Welt zu hassen,
Dein Gegenwart lößt die verworrenen Schatten,
Die dicht mich eingeenget hatten,
Wie fröhlich spielt Zukunft und Vergangenheit,
Daß es mich recht in’s Herz hinein freut,
Wie fühl’ ich zu Muth und Lachen mich tüchtig, Wie freun mich die grotesken Gestalten,
Die mich für ihres Gleichen halten.
Muse.
Nun geht, mein Freund, Dein Puls wieder richtig.
Autor.
Im Auge ist mir ein Aug’ entstanden,
Im innern Ohr ein neues Gehör,
Nun ist mir alles ganz recht um mich her,
Ich fühle, ich kam mir selbst abhanden.
Muse.
Du mußt nie selber werden ein Thor,
Rückst Du die Thorheit andern vor.
Autor.
Hat man auch noch so große Antipathie,
Und haßt das Gemeine von Herzensgrund,
So kommt doch plötzlich, man weiß nicht wie, Eine trübe armuthseelge Stund,
Sieh da, so hat man die Sympathie.
Muse.
Bleib nur der Fröhlichkeit ergeben,
Und thu nicht mit Dir selber grollen,
So fühlst Du schon das gute Leben
Wie alle Menschen es leben sollen.
Blick um Dich heiter und fühle Dich frisch,
Im Dichten kühn, und fröhlich bei Tisch,
Trink in Dich munter machenden Wein,
So wirst Du immer ein Weiser sein.
Autor.
Ja wärst du mir nur immer zur Seit,
Erlöschte wohl nie die Freudigkeit.
Muse.
O Thor, hast Du mich nicht besser erkannt?
Meinst wohl, ich sei in Gestalt gebannt?
Schau an umher das grünende Land,
Horch, wie der Vöglein Lieder klingen,
Wie süße Düfte zu Dir dringen,
Wie Hain und Flur, der Strom sich regt,
Im ewigen Leben mit Wellen schlägt,
Wie der Wind, ein Athem, niedergeht,
Erfrischend durch Laub und Kräuter weht,
Schau auf zum hohen Himmelssaal,
Erwäge die ewige Bläue zumal,
Ja in Dir, Dein eignes Herz erspäh
Und warst Du nur mein Schüler je,
So siehst Du mein Bild, wohin Du blickst,
Und Dich an meiner Lieb’ entzückst.
Autor.
So redlich willst du’s mit uns meinen?
Wer möchte sich so hart versteinen, Sich deinem Liebesdienst entziehen,
Nicht licht in deinem Herzen blühen?
Muse.
Ja, wer mich trägt in seinem Herzen,
Den will ich auch im Herzen tragen,
Er darf mir alle Wünsche sagen,
Ich schenk’ ihm Muth, das Höchste zu wagen,
Ich will eine Wagenburg um ihn schlagen,
Daß feig vor ihm entfliehn die Schmerzen,
Versöhnt um ihn mit bunten Freuden scherzen.
Autor.
Ich will auch künftig nie mehr lästern,
Gedenk nur mein mit deinen Schwestern.
Muse.
Verkünde unsern Dienst nur weiter,
Verzage nicht, es wird die Erde heiter,
Vernimm in allen Stunden unser Wort,
Und schau Dich um, Du hörst es da und dort.
In allen Zungen, in allen Sprachen:
Das neue Leben klingt durch alle Räume,
Und Stein und Fels und Abgrund tönen,
Und viel zum Fest, zur Blüthenzeit erwachen,
Es fliehn die schweren, dumpfen Träume,
Wie Thal und Wald sich rings in Frühlingspracht verschönen.
Autor.
Wenn ich in deiner Gegenwart mich fühle
So denk’ ich nur auf große Dinge,
Doch wenn ich dann die heilgen Spiele
Beginnen will, dünkt alles mir geringe,
Wo Jauchzen klang, ersteht ein todtes Schweigen, Es ist als bräche unter mir der Grund,
Dann fühl ich mich nicht froh und nicht gesund, Ich muß alsbald zur niedern Erde steigen, Die tönenden Geister fliehn, ich vernehme laut
Des Volks Geschrei, laut tobende Windsbraut.
Muse.
Du bist noch jung, wohn’ immer mehr im Schein, So wirst Du nur die Götter hören,
Das Irdische alsdann verschwören,
Und taub sein für des Pöbels Schrein,
Wer einmal hörte Sphären klingen,
Zu dem kann nie der Erde Wirrwarr dringen.
Autor.
In deinem Lichte bin ich ewig jung,
Zum Morgenroth wird alle Dämmerung,
Den Freuden bin ich hingestellt zum Ziel,
Leiden und Verdruß werden ein lustig Spiel,
Ich seh nur Masken um mich tanzen,
Ein fröhliches Possenspiel wird aus dem Ganzen. Doch daß du fühlen und merken mögest,
Wie einem oft zu Muthe wird,
Wie man von den Affen wird turbirt,
Wie wärs, wenn du dich zurücke zögest;
Begieb dich hinter dem Schirm derweile,
Es kömmt ein andrer schon wieder in Eile.
Die Muse verbirgt sich.
Ein Schauspieler tritt herein.
Schauspieler.
Ist mir lieb, daß Sie zu Hause geblieben,
Denn ich habe gar nöthig Sie zu sprechen. —
Hören’s, was haben’s da für ein Stück geschrieben?
Autor.
Scheint Ihnen was dran zu gebrechen?
Schauspieler.
Gar vielerlei; nur eins vor allen, Das mir im mindsten nicht will gefallen —
Nicht wahr, ich bin der erste Held?
Autor.
Wenn’s Ihnen einmal so gefällt
Den Mann als einen Helden zu nehmen,
Er wird sich wohl darnach bequemen.
Schauspieler.
Ei was! Sie müssen die Tragödie so zwingen,
Daß immer die Helden recht vorwärts springen,
Daß sie so recht, — Sie verstehn mich schon,
So tüchtig und kräftig, — ich will nur sagen,
Daß sich das Spielen doch dann verlohnt,
Und man kann Beifall von dannen tragen.
Autor.
Ich wollte gern, daß das Ganze rührte,
Nichts Einzelnes die Gemüther irre führte,
Daß Neubegier nicht unnütz spannte
Und so das höhere Interesse verbannte,
Es war mein Zweck, verschönert zu geben
Ein Bild von dem großen verworrenen Leben.
Schauspieler.
Nun seh mir ein Mensch nur solchen Zweck!
Ei gehn Sie mir doch damit weg!
Das Ganze, verstehn Sie, läuft darauf ab,
Ob aus dem Parterr erschallt: Klipp klapp!
Ob’s in die Hände, in die Beine fährt,
Das ist, was die guten und schlechten Dichter bewährt, Und werden Sie sich nicht anders richten,
So fürcht’ ich, Sie werden für die Beine dichten.
Autor.
Sie haben da eine eigne Theorie.
Schauspieler.
Mein Bester, die Praxis trügt uns nie,
Sie mögen sich wohl mit kuriosen Idealen,
Gar trefflich die Phantasie vollmahlen,
Doch wenn man die Wirklichkeit etwas kennt,
So hat’s damit gar bald ein End.
Autor.
Was ist denn aber die Wirklichkeit?
Schauspieler.
Sie ist wirklich und in der That
Nur auf dem Theater zur jetzigen Zeit,
Das meiste im Leben ist übertrieben,
Doch in der Kunst hält man noch Rath
Mit Enthusiasmus und mit Lieben. —
Ihrem Helden fehlts an großer Gesinnung,
Das paßt auch nicht in unsre Innung.
Autor.
Daran hab ich nicht Schuld gehabt,
Er war damit nicht mehr begabt.
Schauspieler.
Kurz, ändern sie ihn, daß er sich fügt,
Wenn Ihnen am Beifall des Zeitalters liegt,
Er muß sich ja doch nach Ihnen geniren.
Autor.
Doch wird dabei das Ganze verlieren.
Schauspieler.
Was haben Sie denn für ein Ganzes im Sinn?
Sie wissen’s ja selbst, kein Ganzes nicht,
Ein Stück ist’s, wie man immer spricht,
Vielleicht lag sonst ein Ganzes darin, Das war für die Dinger ein großes Glück,
Doch jetzt ist jedes nur ein Stück;
Man muß auch dran was spielen können,
Sonst wird es keiner ein Schauspiel nennen,
Kein Ganzes stellen wir nimmermehr dar,
Was ließe sich auch daran wohl spielen?
Die Zuschauer wollen was tüchtiges fühlen,
Denn dafür bezahlen sie richtig und baar;
Kämen wir nun mit einem Ganzen angestochen, Sie thäten wahrhaftig im Ganzen pochen.
Autor.
Ich habe mehr gedichtet für die Welt,
Auf Ihre Kunst nicht Rücksicht genommen.
Schauspieler.
Da sind Sie ganz in die Irre gekommen,
Die jetzige Welt ist immer das Geld,
Jemehr Geld man hat, jemehr auch Welt,
Welt ist nichts als eine falsche Aussprache,
Das andre aber bezeichnet die Sache.
Wollen Sie sich nun nicht korrigiren,
So kann ich den Helden ihres Stücks nicht entrepreniren.
Geht ab.
Muse.
Warum machst Du Dir solche Beschwer,
Stehst mit den Thoren in Verkehr?
Autor.
Ich that es nur, um auch im Weiten,
Im Volke deinen Dienst zu verbreiten.
Muse.
O laß sie nur in ihrem Eigenthume,
Denn sie sind fern von meinem Heiligthume.
Autor.
Man kann sich freilich übereilen,
Man wünscht doch für die Menge zu schreiben.
Muse.
Die Menge! gäb’ es eine Menge!
Doch ziehn sich tausend in die Enge,
Es scheint am Ende kaum noch Einer,
Beim rechten Licht besehn, gar keiner.
Ein Recensent tritt herein.
Recensent.
Ich bringe Ihnen das Buch hier wieder,
Es war mir doch zu sehr zuwider.
Autor.
Ich danke für Ihre Aufrichtigkeit.
Recensent.
Ja, lieber Mann, es thut mir leid,
Ich spräche gern, wie sich’s geziemt,
Ein wenig, wie man’s nennt, verblümt,
Aber Ihre Schriften sind gar zu schlecht,
Als daß man’s Ihnen nicht sollte sagen,
Vielleicht kann’s doch dazu beitragen,
Daß Sie sich kehren auf Wege, die recht,
Und nicht auf Pfaden so kreuz und quer:
Sie machen sich selber das Leben schwer.
Autor.
Wollen Sie’s mir nicht ein wenig erläutern?
Recensent.
Daran würde jede Bemühung scheitern,
Alles was Sie suchen ist excentrisch,
Alles was Sie wollen ist unverständlich, Alles was Sie schreiben ist ohne Verstand,
Und drum kann man nur vor der Hand
Sie warnen, daß Sie werden ein anderer Mann.
Leben Sie wohl, ich habe meine Pflicht gethan. Ab.
Muse.
Was bedeutet diese Kreatur?
Autor.
Er ist ein Wächter aller Poetischen Natur,
Er zieht sich alle Kunst sehr zu Gemüthe,
Und meistert verständig an jeder Blüthe,
Er studirt beständig Poesie,
Und glaubt doch, daß sie da sei, nie,
Hält all Bemühn zu dichten für verloren,
Poeten und Künstler sind ihm Thoren,
Doch wäscht er immer an diesen Mohren,
Er nimmt sich ihre Krankheit zu Herzen
Und möchte sie bleichen und entschwärzen,
Im gemeinen Leben man ihn nennt
Wenn von ihm die Rede, der Recensent.
Muse.
Dergleichen Erfindung ist gewiß modern.
Autor.
Sie nennen sich deine Priester gern
Und meinen, sind von der Bildung der Kern,
Ehemals gab es Prophetenschüler,
Jetzo hat man Recensirmühlen,
Was sie unter sich haben muß brechen oder biegen, Vom Großen und Starken, das sie mühlen,
Sagen sie stets: ich kann es nicht klein kriegen!
Denn klein muß alles sein, was sie fassen und fühlen, Kommt ihnen ein Tüchtiger unter die Hände,
Der sich nicht will verkleinern lassen,
So schimpfen sie auf ihn aus der Maßen, Beschließen ihr Urtheil so am Ende:
Ein Monstrum ist dieser, der Natur mißglückt,
Keiner kriegt ihn klein, er ist verrückt.
Muse.
Die Maschinerie ist nicht übel erdacht;
Aber werden diese Werkzeuge nicht verlacht?
Autor.
Das Lachen sich bei uns Menschen fast verliert, Wir fürchten, wir würden dadurch gethiert,
Und wenn man sich mit Gelächter beschwert,
So ist es meistens der Mühe nicht werth.
Sie wollen lachen mit Natur,
Und über eine Wahrscheinlichkeit,
Das Lächerliche soll aber nicht sein lächerlich pur, Sondern drinn stecken eine Erbaulichkeit,
Weil nun Recensenten ganz und gar lächerlich sind, Lacht über sie kein Menschenkind.
Muse.
Möcht einen Aristophanes unter sie schicken.
Autor.
Nein, Beste, sie rissen ihn warlich zu Stücken,
Denn er verletzt die feine Sitte.
Muse.
Was nennt ihr so, das sag’, ich bitte.
Autor.
Ach was! es ist ein dummes Wesen,
Du solltest es in den Büchern lesen,
Es ist eben das, was ihnen fehlt,
Und weil nun jeden das Gewissen quält,
Daß sie sich fühlen durch und durch gemein,
So wissen sie nicht wo aus noch ein, Und finden in jedem Scherz, in aller Lust,
Nur Spiegel ihrer verächtlichen Brust,
Sie erschrecken vor jedem spaßhaften Spaß,
Und schreien: pfui! indecent und kraß!
Sie fühlen den Scherz nicht, nur ihre Gemeinheit, Drum finden sie nicht Verbindung und Einheit.
Seitdem der Witz in den Brunnen gefallen
Sind Steine drüber gebaut von allen,
Nun warnt man jeden, nicht nahe zu gehn,
Viel wenger in den Brunnen zu sehn,
Es heißt: du könntest dich überpürzen,
Und ebenfalls wie der Witz ’nein stürzen,
So wärst du unten auf immer verloren,
Und wohntest zeitlebens bei dem Thoren,
Flieht was ihr könnt vor dem Witze weit!
Das nennen sie ihre Sittlichkeit.
Muse.
Du scheinst mir doch zu übertreiben,
Wird doch irgend wer was Lust’ges schreiben.
Autor.
Es giebt allerdings leichtfertige Vögel,
Denn Ausnahme leidet jede Regel,
Die haben gehört, daß geizige Leut
Verwerflich sind zu aller Zeit,
Das schildern sie denn, so wie den Neid,
Habsucht und ander dergleichen Gebrechen,
Wodurch sie diese Laster schwächen.
Dann giebt es welche, die gehn schon weiter
Und machen sich gleichsam ein Bischen breiter, Versuchen die Poesie höher zu führen,
Regenten aus der Ferne zu schikaniren,
Tadeln verblümt die und die Anstalten,
Halten sich aber immer aus dem Schuß,
Verschaffen dem Publikum großen Genuß
Und man muß sie für ungeheuer witzig halten.
Muse.
Ihr seid auf die Art im ganzen Land
Mit aller Lustigkeit abgebrannt.
Autor.
Gottlob! wir sitzen recht auf dem Sand.
Muse.
Leb wohl und behalte guten Muth,
So geht es Dir beständig gut.
Muse ab.
Autor.
O hätte sie doch länger verweilt,
So lange sie mich angeschaut
War ich recht durch und durch erbaut,
Da sie nun wieder hinweggeeilt,
So kommt die kleinliche Furcht zurücke,
Ich bange, wenn ich um mich blicke,
Die Häuser umher, die wankenden Gestalten
Mich drücken und keinen Trost enthalten,
Sie bedeuten nichts und wandeln todt einher,
Ich fühle die ganze Welt so leer. —
Ein alter Mann tritt herein.
Alter Mann.
Der junge Autor wohnt wohl hier?
Ich klopfte zweimal an die Thür,
Doch keiner rief, wie gebräuchlich: herein!
Drum trat ich ohne weitres ein.
Autor.
Verzeihn Sie mir, ich war zerstreut,
Es geht mir manches im Kopf rum heut.
Alter Mann.
A ha! wohl neue Plane gewiß?
Autor.
Ich weiß nicht recht, es war das und dies.
Alter Mann.
Ich muß Ihnen sagen, gegen dies und das
Hab’ ich eigentlich einen großen Haß,
Man muß beständig das Rechte wollen
Und auch die rechten Mittel ergreifen,
Denn wenn die schönen Wissenschaften reifen sollen Muß man nicht hie und dorthin schweifen,
Man muß auf ebnen Straßen bleiben,
Fein gründlich, doch verständlich schreiben,
Den Plan von allen Seiten überlegen,
So giebt nachher der Himmel seinen Segen,
Daß es die Leute lesen, verstehn und lieben,
Und so muß man sich weiter üben,
Und höher steigen und höher und immer höher noch, So kömmt man am Ende erstaunlich hoch.
Autor.
Das kann ich mir wirklich so ziemlich denken,
Es geht fast so, wenn sie einen henken,
Doch hat’s ein solcher noch keinem gedankt,
Wenn er zu solcher Höh’ gelangt.
Alter Mann.
Ich meine, mein Freund, in der Literatur,
Muß man durchmachen gar manche Kur,
Erleiden manche böse Stund,
Eh man sich glauben darf gesund.
Man muß die Jugend überstehn,
Eh man kann aus den Augen sehn,
Dann muß man wieder rückwärts gehn,
Dann wieder vorwärts ein’ge Schritte,
So bleibt man trefflich in der Mitte:
Das meiste ist doch die Bejahrung,
Das allermeiste die Erfahrung.
Haben Sie sich schon viel zu erfahren bemüht?
Autor.
Man sieht zuweilen das, was man sieht.
Alter Mann.
Ei Teufel einmal! wozu ist denn die Welt,
Wozu geschehn denn die trefflichen Thaten,
Da wenden Sie sich an Männer, die rathen
Von Herzen gern, wo’s Ihnen fehlt.
Autor.
Ich habe die Welt schon lange gesucht,
Doch scheint sie vor mir auf der Flucht.
Alter Mann.
Wo dachten Sie sie denn zu attrappiren?
Autor.
Ich wollte sie in meinem Innern spüren.
Alter Mann.
Da mußte sie Ihnen wohl echappiren.
Ich muß die Ehre haben, Ihnen zu sagen,
Im Innern spür’ ich nur den Magen,
Und außerdem die schreckliche Phantasie,
Und, wenn Sie wollen, ein Bischen Genie.
Autor.
Ich bitte, ich will Sie gar nicht geniren.
Alter Mann.
Doch all das Ding muß uns nicht irre führen,
Das muß man wissen zu bezähmen Und ihm sein wildes Feuer zu nehmen,
Man muß es gleichsam pulverisiren;
Geschieht diese Vorsicht nicht bei Zeiten,
So weiß ich manche, die ’s zu spät bereuten,
Man mußte sie nachher trepaniren,
Sie dachten, wie sich’s nicht wollte gebühren.
Autor.
Sie hielten sich immer wohl in den Schranken?
Alter Mann.
Ha Gnade Gott jedem rebellschen Gedanken,
Der nicht so denken wollte wie ich,
Zum Unsinn macht ich ihn unbesehn,
Das ist wohl tausendmal geschehn,
So hielt ich mich stets fein säuberlich.
Autor.
Doch mit der Phantasie ward es Ihnen sauer?
Alter Mann.
Im Anfang etwas, doch auf die Dauer
Kam ich auch bald mit ihr in Gang,
Auch sie begab sich unter den Zwang.
Autor.
Das ist sonst gegen ihre Natur.
Alter Mann.
Glauben Sie denn an die Kreatur?
Autor.
Sie haben mich erst in dem Glauben bestärkt,
Weil Sie sagten, Sie haben sie in sich gemerkt.
Alter Mann.
Sie lassen sich, mein Seel, leicht berücken,
Das ist nur eine Art sich auszudrücken.
Ich habe eine lebhafte Phantasie,
Und sehn Sie, darum bild’ ich mir ein,
Es müßte eine Phantasie in mir sein,
Hat aber dergleichen gegeben nie.
Was man so nennt, ist nur ein Spaß,
Hat eigentlich nie was damit gemeint,
Und damit es klingt nach irgend was,
Und es ein wirkliches Wesen scheint,
Hat man das Unding, wie bekannt,
Zum Zeitvertreibe Phantasie genannt.
Autor.
Was ist’s denn, was den Dichter macht?
Alter Mann.
Wenn ich Ihnen soll meine Meinung sagen,
(Ja, bitte, geben Sie jetzo Acht,)
So wär’ es wohl Zeit in unsern Tagen,
In denen man alle Sektirer veracht,
Daß man’s mit Dichtern eben also macht;
Sie sind doch alle nur schlechte Gesellen,
Und besser bei Fabriken anzustellen:
Ach Gott, da ist die Arbeit ohne Ende,
Fehlen leider noch immer thätige Hände.
Ich bin zwar selbst ein Dichter gewesen
Und wurde zu meiner Zeit gelesen,
Schreib’ auch noch mit unter was zum Spaß,
Doch trag ich gegen alle Dichter Haß,
Es giebt in der Welt so viel zu thun,
Da gilt kein Schwatzen, kein Müßiggehn,
Wer da will zuschaun oder ruhn,
Der muß von der Welt gar wenig verstehn,
Das Vaterland fordert auch unsre Pflichten,
Da ist nicht Zeit, dummes Zeug zu dichten.
Autor.
Sie sind aber warlich gar zu strenge
Und treiben die Dichter sehr in die Enge.
Sie sprechen von Welt, wo ist sie zu finden?
Ich möchte sie gar zu gern ergründen.
Alter Mann.
Man muß Welt haben, Welt anzutreffen,
Sonst ist das ganze Ding ein Aeffen,
Wie man muß einen Witz besitzen,
Um zu verstehn der andern Witzen.
Das ist überhaupt in der ganzen Welt
Gar absonderlich übel bestellt,
Daß alles, was gut ist und tüchtig,
Daß alles, was sauber geht und richtig,
Man nur in mir vereinigt findt,
Die andern Menschen sind alle blind.
Autor.
Das ist doch aber zum Erstaunen.
Alter Mann.
Es haben mir viele nicht glauben wollen,
Sogar meine besten Freunde raunen
Sich einer dem andern in die Ohren,
Daß mir davon die Ohren grollen,
Ich gehörte eigentlich selbst zu den Thoren:
Doch ist davon keine Silbe wahr,
Wie sie wohl selber denken können,
Man will mir meinen Ruhm nicht gönnen,
Doch krümmt mir alles das kein Haar.
Noch einmal von der Welt zu sprechen,
So thut’s der Welt itzt selbst an Welt gebrechen,
Es ist gar eine grobe Zeit,
Wo man mißhandelt die schönsten Leut,
Ja Mißhandel ist der ganze Handel,
Unwandel aller Handel und Wandel,
Die guten Köpfe sterben ab,
Und Schelme tanzen auf ihrem Grab, Kurzum, wenn ich, mein Lieber, nicht wäre,
So entstände eine gewaltige Leere.
Autor.
Mir ist noch nie ein Mann vorgekommen,
Der so wenig ein Blatt vor den Mund genommen.
Alter Mann.
Es geschieht auch in der That nur selten,
Daß einer so in sich vereint alle Welten.
Ich hab’s verkündigt und immer verkündigt,
Doch haben sich alle so schwer versündigt,
Daß keiner mir glaubt, noch nach mir hört,
So sehr mein Mund sie auch belehrt,
Will keiner an meine Bildung glauben,
Meinen, mir hingen zu hoch die Trauben;
So schwimm ich denn in Wassersnoth
Und droht mir stets der nahe Tod;
Will ich nur etwas oben bleiben,
Muß ich in jeder Messe schreiben,
Doch hilft mir nichts, daß ich vermessen,
Denn leider werd’ ich mit jeder Messen
Im Reich nur mehr und mehr vergessen.
Autor.
Wenn Sie nun sterben, wie wird’s da stehn?
Alter Mann.
Sonder Zweifel muß die Welt dann untergehn,
Gesprochen ganz aufrichtig und ehrlich
Kann ich die Sache darthun klärlich,
Dann widersetzt sich keiner der bösen Sache,
Und so kommt denn des Himmels Rache,
Verschlingt die Erde mit Mann und Maus,
Und dann ist alles zusammen aus.
Autor.
Freilich ist jetzt keiner ihrer Meinung,
Drum kommt sie so besonders heraus,
Es fehlt den Leuten jetzt an Vereinung.
Alter Mann.
Das ist der Punkt, mein werther Herr,
Darum ist was Gutes zu leisten so schwer,
Darum ist Kritik zurückgegangen,
Darum verstummen, die ehemals sangen.
Ja vormals waren andre Zeiten,
Da wollte die Sache mehr bedeuten,
Da ward sie geführt von andern Leuten,
Da galten noch die großen Männer,
Da gab es mich und andre Kenner,
Seitdem hat alles sich verkehrt,
Ist die Kunst keinen Schuß Pulver mehr werth.
O könnte nur Lessing wiederkehren,
Der zeigte den Leuten, wie dumm sie wären,
Und sie mich recht müßten verehren.
Lessing durch das Dach in einer Wolke.
Autor.
O weh! das Haus bricht in einander,
So muß ich’s lassen repariren.
Alter Mann.
O Lessing, großer Held, was kann Dich rühren,
Von jenseit zu uns herüber zu wandern?
Autor.
Bewirth’ ich einen so großen Herrn,
So trag’ ich auch die Kosten gern.
Lessing.
Ich komme durch die Wolken nieder,
Weil Ihr mir gar zu sehr zuwider,
Verschont doch meinen guten Namen,
Nie war ich eine Krücke für die Lahmen,
Nie nicht ein Esel für die Zahmen.
Alter Mann.
Bewahre! als wenn wir das nur glaubten,
Conträr, wir wollen deine Ehre behaupten.
Lessing.
Zum behaupten gehört noch stets ein Haupt,
Ihr aber, die ihr weder zweifelt noch glaubt,
Nicht selber denkt und andre nicht versteht,
Daß ihr so schändlich mit meinem Namen umgeht, Das erregt mir noch oben meinen Zorn,
Ist mir in der besten Seligkeit ein Dorn.
Die ihr nicht kriegen könnt, haltet Friede,
In der Dummheit Namen, seid ihr’s noch nicht müde, Das alte Spiegelfechten fortzuführen,
Bei jedem Quark meinen Namen zu zitiren?
Ihr behauptet kein noch so dummes Ding,
Keine Albernheit, sei sie noch so gering,
So wird die Schwerfälligkeit selber flink
Und schreit: grade so meint es Lessing!
Ihr Unmeiner, nein, ihr seid nicht die Meinen,
Nun ich todt bin, denkt ihr, ihr könnt es mir bieten, Ich kann nicht mehr bejahn, nicht verneinen:
Nun soll ich als eure Fahne erscheinen,
Euer Feldgeschrei im pöbelhaften Wüthen,
Und opfert mich auf, ihr barbarischen Scythen!
Wodurch verdiente denn mein großer Sinn,
Daß ich der Dummheit Heilger bin?
War dies von meinem ganzen Leben,
Von meinem kühnen mißverstandnen Streben,
Von meinem hohen Eifer der Beschluß,
Daß ich euch, Korporalen, zum Profose dienen muß? Ihr, die ihr nie das kleinste gefühlt,
Wohin ich mit meinen Pfeilen gezielt,
Die ihr nicht ahnden konntet, nicht fassen,
Wie ich eures gleichen mußte hassen,
Wie ich immer, wo nach ihr mit allen Sinnen trachtet, Herzinnig und tiefsinnig habe verachtet:
Nun sagt, was habt ihr denn mit eurem Geschrei? So redet dreist heraus und frei!
Alter Mann.
Ach lieber Himmel, ich bin verlegen,
Was kann dich nur so zum Zorn bewegen?
Auf Erden hab’ ich dich nie so schlimm gesehn; Kömmst scheltend aus der Seligkeit? das ist nicht schön!
Lessing.
Im Himmel lernt man erst das rechte Zürnen,
Weil es ist der Liebe erste That,
Hier unten, bezwungen von allen Gestirnen,
Wird oft der himmlische Zorn bald matt,
Das Irdische hält uns in seinen Schranken,
Ertödtet zu oft die Göttergedanken.
Alter Mann.
Ach wie denn, Freund? ich dachte nur Frieden
Sei uns dort oben auf immer beschieden.
Lessing.
Ja Frieden, den ihr nimmermehr kennt:
In wem kein unsterbliches Feuer brennt,
Wer hier nicht schon steigt zur Liebe hinan,
Wird dort in Krieg, in ewgen Bann gethan.
Alter Mann.
So wäre auch nicht die Vergebung aller Sünden
Da oben im Himmelreich zu finden?
Lessing.
Ja aller, außer wie die Schrift verheißt,
Der Sünde gegen den heilgen Geist,
Die ihr ohne Ruh und Rast begeht,
In der euer ganzes Wirken steht,
Ja Gott verfolgt ihr und seine Gerechte,
Und seid des Satans leibeigene Knechte.
Alter Mann.
Wir glauben eben an beide nicht
Und halten das für das wahre Licht,
Das andre ist Finsterniß, die uns sonst deckte,
Und meinten, du wärst von unsrer Sekte.
Lessing.
Wohl eurem falschmünzenden Stempel
Dient jedes Götterbild nur zum Gepräge,
Der Irrlehre nur zum neuen Exempel,
Jedweder Weg wird euch zum Irrwege;
Ja wohl brachte euch zu Tage nur,
Ein Tagelöhner der Natur,
Nicht Menschen, Christen oder Heiden,
Müßt ihr verzweifeln an allen Freuden,
Stumm bleibt’s in euch, wird nimmer wach,
Ihr ahmt zu schlecht die Menschheit nach.
Alter Mann.
Ich bitte dich, verfolg uns doch nicht,
Es hat dich keiner so sehr gepriesen,
Den Leuten so umständlich die Schönheit bewiesen, Die Trefflichkeit deiner dramatschen Gedicht.
Lessing.
Das ist es, was ihr von mir wißt,
Alles andre ist euch verborgen blieben.
Ich hatte immer ein heimlich Gelüst
Die Schöne der Poesie zu lieben,
Doch wollte sie mir ihren Genuß nicht gönnen,
Drum durft’ ich die Holde niemals erkennen.
Ich war eines Predigers Stimm’ in der Wüst,
Doch kehrte sich keiner an mein Ermahnen,
Ging jeder fort auf seinen Bahnen,
Ich wollte, wie vieles, die Poesie verkünden,
Ich wußte, sie mußte sich bald entzünden,
Drum tauft’ ich mit Wasser und mit Verstand
Einige Wesen, Schauspiele genannt.
Nach mir ist ein anderer größrer erschienen, Bestimmt als Priester den Musen zu dienen,
Der hat getauft mit Feuer und Geist,
Wie all sein Wirken und Dichten beweist,
Er wandelt unter euch in Göttlichkeit,
Doch wer erkennt sein strahlend Ehrenkleid?
Verstockten Herzens bleibt ihr stets in blöden Sinnen, Könnt weder Heil noch Trost, Verstand noch Vernunft gewinnen, So bleibt denn dumm, fahrt fort in eurem Zeitvertreibe, Doch bleibt honetten Leuten, absonderlich aber mir vom Leibe!
Die Wolke erhebt sich wieder und verschwindet mit ihm.
Autor.
Der Tausend! das ist ein gewaltiger
Und überaus gestrenger Herr!
Alter Mann.
Es ist nicht sein Ernst, er liebt das Uebertriebne, Das beweist so manches von ihm Geschriebne.
Er war ein ganz vorzüglicher Mann,
Doch wandelte ihn schon oft im Leben die Grobheit an, Daß er seine besten Freunde nicht wollte erkennen Und ihnen nicht auch die gehörige Größe gönnen; Da hatten wir manches auszubaden,
Doch kamen wir immer wieder zu Gnaden. —
Es ärgert mich nur, daß er mich hier blamirt,
Und leicht den jungen Mann irre führt.
Hören Sie, mein Freund, glauben Sie ihm kein Wort, Ich meine er war auch nicht mal hier,
Denn er ging plötzlich wieder fort,
Und die Decke ist ganz eben und schier,
Da müßte sich doch eine Oeffnung zeigen,
Drum mein’ ich, es war nur Lug und Trug,
Wollen gütigst den ganzen Vorfall verschweigen, Ich habe schon sonst der Geister genug
Gesehn in meinem verblendeten Sinn,
Wohlverstanden, wenn ich nicht bei mir selber bin, Denn sonst in meinen gesunden Tagen
Dürfte weder Geist noch Geistesgleichen es wagen, Mir nahe zu kommen in mein Revier,
Ich wies’ ihm augenblicks die Thür. Geht ab.
Autor.
Es scheint heut ein kurioser Tag,
An dem ich noch manches erleben mag,
Es ist als wär’ die Zeit in Gährung
Und trachtete nach einer seltsamen Gebärung.
Der Bediente kommt herein.
Bediente.
Mein Herr, es ist ein Fremder draus,
Der sagt, er spräche sie gar zu gern.
Autor.
So sag’ ihm nur, ich sei nicht zu Haus,
Es giebt sonst wieder neuen Lärm. Bed. ab. Ja wohl mag der ein Fremder sein,
Von mir und allem, was ich denke.
Da laufen sie in die Häuser herein
Und geben sich einen vornehmen Schein,
Thun noch als brächten sie einem Geschenke,
Daß man die Zeit mit ihnen verliert,
Daß sich auf sechserlei Art ennuyirt.
Bedienter kommt wieder.
Bedienter.
Der Herr sagt, er ginge nimmermehr,
Er sei ein zu großer Bewunderer,
Um eine Entschuldigung anzunehmen,
Sie müßten sich dazu bequemen
Ihn in Guten oder Bösen zu sich zu bitten,
Er ist auf einge Meilen umgeritten.
Autor.
Was ist es denn für eine Art von Mensch?
Bedienter.
Er scheint ein wenig wetterwendsch,
Hat feines Tuch zu seinem Kleide,
Er thut gewiß keinem Menschen was zu Leide.
Autor.
So sag’ ihm nur, er wär gebeten,
Gütigst zu mir herein zu treten.
Bediente ab, der Bewunderer tritt herein.
Bewunderer.
Ach mein werther Herr, ich bin darin so eigen,
Daß ich ein wenig neugierig bin,
Von Jugend auf stand darauf mein Sinn,
Schon als Knabe lief ich zu manchem Spektakel hin, Wo sich nur irgend was mochte zeigen.
Bitte ergebenst, sie wollen mir nicht verschweigen, Ob ich Sie in ihren Arbeiten störe,
Denn sonst hab’ ich sogleich die Ehre,
Mich wieder gehorsamst zu empfehlen,
Drum sein Sie so gut es nicht zu verhehlen.
Autor.
Man muß sich um die Zeit nicht quälen,
So lange man lebt, kann sie uns nicht fehlen,
Und dann kommt vollends die Ewigkeit,
So hat man dann noch mehre Zeit.
Bewunderer.
Ich freue mich also, daß ich Sie kennen lerne,
Ich hätte sie längst gekannt gar gerne,
Sie glauben nicht, wie ich mich an Ihren Schriften ergötzt, Wie sie mich in meine Jugend zurückversetzt.
Autor.
Sie haben sie also übersetzt;
Doch sind Sie auch jetzo noch nicht alt.
Bewunderer.
Ach nein, ich meine aber nur der Sternbald,
Ich schriebe dergleichen gar zu gerne,
Auch solche freie gereimte Lieder,
Sie tönen in meiner Seele wieder,
Vielleicht gelingt’s, daß ich auch Ferne
Einmal zusammenreime mit Sterne.
Autor.
Sie scheinen die Sache schon inne zu haben,
So kann es Ihnen nicht werden schwer.
Bewunderer.
Doch bleiben meine Gedichte so leer,
Mir ist’s, als fehlen mir die Gaben.
Autor.
Es findet sich alles, wenn man sich übt
Und nur das Gute recht innig liebt.
Bewunderer.
Auch fühl ich wohl, daß ich durch meine Talente Mit der Zeit was Großes leisten könnte,
Nur macht mir das die meisten Sorgen,
Daß es nicht geschieht heut’ oder morgen.
Autor.
Ja freilich ist es besser gethan,
Man wird alsbald ein großer Mann,
Die Geduld ist nicht allen gegeben,
So lange in der Mitte zu schweben.
Bewunderer.
Man muß nur jeden Vorsatz zur Religion machen, So kann man über die ganze Welt lachen, Und das Lachen muß wieder Religion werden,
Dazu die Natur, die wir haben auf Erden,
Und dies mit göttlicher Liebe verbunden,
Einge Blumen noch hineingewunden,
Und alles in Poesie verschmolzen,
Macht einen schon ziemlich zu einem Stolzen.
Autor.
Mein werther Herr, ich versteh’ Sie nicht.
Bewunderer.
Haben Sie das Verstehn nie bis zur Religion getrieben? Ich dächte denn doch das sei das wahre Blumen-Lieben. Die Natur ist immer natürlich,
So bin ich auch gleichsam figürlich,
Ach Gott! die Rose ist ein schönes Kind,
Mich entzückt zugleich die edle Lucind’.
Autor.
Sie scheinen sie nicht verstanden zu haben.
Bewunderer.
Ich habe so meine Art, mich dran zu laben,
Denn jedweder Mensch hat seine Gaben,
Ich verachte Gottlob! die Sittlichkeit.
Autor.
Doch hätten Sie dazu noch künftig Zeit,
Man fängt doch erst gelinde an.
Bewunderer.
Der erste, der’s denkt, mag’s also treiben,
Doch ich, der ich die Sachen lesen kann,
Muß nicht beim Anfang stehen bleiben,
Ich mache mir alles zur Religion,
Und sitze drin wie auf einem gepolsterten Thron.
Autor.
Doch wenn nun alle auf die Erfindung geriethen?
Bewunderer.
Das wäre freilich ein übler Umstand,
So hätte man gar nichts Eignes mehr.
Autor.
Das müßte Ihnen dann ein andrer vergüten,
Vielleicht verbreitet sich dann im Land
Schon wieder eine neue Lehre,
Sie können sich immer zur neusten bekennen,
Die Religion alsdann den andern gönnen.
Bewunderer.
Ich habe mir das so schön angewöhnt
Und finde, daß es ganz lieblich tönt,
Auch sind noch alle dagegen in Empörung
Und wie in allgemeiner Verschwörung,
So daß sie in selbstesten innersten Gemüthen
Im herzesten Herzen dagegen wüthen,
Da giebt es also noch keine Bekehrung.
Autor.
Das sagen Sie nicht, es findet wohl Beifall,
So hört man die Dinge dann überall.
Sie drücken sich aber kuriose aus.
Bewunderer.
Es muß immer aus dem innersten Gemüth heraus, Und oft will es nicht weichen und wanken,
Oft fehlen wohl selber die Gedanken,
Da muß man die Sprache recht bei der Wurzel kriegen, Aus dem Innersten sprechen, es mag brechen oder biegen. So ist es mir schon oft gelungen
Zu gerathen auf treffliche Vorstellungen.
Autor.
Es ist gewiß, die Welt thut jetzt große Schritte,
Sie hat die rechten Sieben-Meilen-Stiefeln angezogen, Meint man, man ist in der Bildung Mitte,
So ist man gewöhnlich sehr betrogen,
Sie rennt voraus und immer voraus,
Man wird verdrüßlich und geht nach Haus.
Bewunderer.
Somit wäre alsdann die Bildung aus,
Doch hoff’ ich, Sie schreiben für uns noch fleißig. Ich muß gestehn, ich ahme Sie nach,
Habe auch hier bei mir mitgebracht
Etliche artliche Lieder, an die hundert und dreißig.
Autor.
Ich bitte, daß Sie mich entschuldigen mögen,
Sie anzuhören geht über mein Vermögen.
Bewunderer.
Nur eins und das andre, Sie werden sich wundern, Denn meine Poesie ist ein wahres Kunterbuntern, Sie haben mich außerdem begeistert,
Drum wär’ ich gern von Ihnen gemeistert.
Er liest.
Stille, stille,
Wie die Welle,
In den Seen
Blumen stehen,
An dem Rande,
Sanfte Bande,
Und es flimmern
In den Schimmern,
Süße Töne,
Ach wie Schöne!
Komm und kröne
Mein Verlangen,
Denn dein Bangen
Ist so ferne
Wie die Sterne,
Liebesblicke,
All mein Glücke,
Binden Flammen,
Sich zusammen,
Daß sie schwammen,
Ach die schöne Zeit,
Weit! weit!
Autor.
Ich muß Sie bitten, hier inne zu halten,
Mir schwindelt vor den vielen Gestalten,
Die sich so ungenirt entfalten.
Bewunderer.
Nicht wahr, es geht recht kraus durch einander?
Man sieht gleichsam nur lauter Lichter wandern.
Autor.
Ein ungemein zarter Genius drinne haust,
Es paßt zusammen, wie auf’s Auge die Faust,
Da springen einem auch die Funken und Lichter Um so dichtrischer, als man darauf schlägt dichter, Daß einem Hören und Sehen vergeht
Und man sich doch vor purem Sehn nicht kann lassen: — Daß nichts in seinem Zusammenhange steht,
Das ist die Kunst es zusammen zu fassen.
Bewunderer.
Ganz recht, das ist’s eben, was ich von Ihnen lerne, Doch eh ich mich noch ergebenst entferne,
Will ich noch zur zweiten Lektüre schreiten
Und Sie dadurch zur dritten vorbereiten.
Er liest.
Wanke, wanke,
Mein Gedanke,
Tönt die Flöte,
Morgenröthe?
Nein verschwunden
Sind die Stunden!
Wiederkehren
Soll mir gewähren,
Was ich verloren
Eh’ ich geboren.
Autor.
Ich bitte Sie, ich sinke um,
Mir wird im Kopfe gar zu dumm.
Bewunderer.
Sie treiben wohl ihr Zuhören bis zur Religion?
Autor.
Ach nein, ich fühle mich krank und matt,
Mir ist, als müßt’ ich sterben schon,
Des Lebens bin ich völlig satt.
Bewunderer.
Ei! ei! das wäre ein großer Verlust!
So haben Sie’s wohl auf der Brust?
Autor.
Nein, nein, ich sterbe an meinen Liedern,
Sie fangen mir an, so zu zuwidern,
Sie sind mir eine so ekle Speis’
Daß ich mich nicht zu lassen weiß.
Bewunderer.
Treiben Sie Ihren Ekel bis zur Religion?
Erlauben Sie mir jetzt einen andern Ton,
Jetzt will ich Ihnen lesen, was im Spaßen
In ihrer Manier ich habe gethan.
Autor.
Ach nein, ich bin ein verlorner Mann,
Ich weiß durchaus mich nicht zu fassen,
Ich muß Sie bitten, mich zu verlassen.
Bewunderer.
Nun nun, ich komme wohl morgen wieder
Und lese Ihnen noch einige Lieder.
Früh, früh,
Ei sieh,
Durch den Wald,
Laut erschallt
Vöglein-Stimmen,
Die verschwimmen
Wie ein Flimmen
Durch Gesträuche
Und die Eiche
Sieht darein,
Als müßt’ es so sein.
Doch jetzt muß ich gehn, denn wenn ich bleibe
Ich das Abschiednehmen bis zur Religion treibe.
Verbeugt sich und geht ab.
Autor.
Ist das der Lohn von allem Bemühen,
Von allen Fackeln, die wir glauben zu zünden,
Daß wir dergleichen Blüthen erziehen?
Wie muß da alle Hoffnung schwinden!
Wenn man das Rechte will ergründen,
Und möchte dringen bis zum innern Kern,
Hingäbe der Gottheit sein Leben gern,
Die verlornen Geister mit schönem Bestreben,
Die erstorbne Welt sucht zu beleben,
So streut man nur Worte in den Wind,
Die nachher zum Mißbrauch gut genug sind.
O edler Freund, was strebtest du Lucinden,
Die Gluth dem Volke zu verkünden?
Sie laufen hinzu, und keiner dich kennt,
Und es hilft kein Rufen: „Rühre nicht, Bock, denn es brennt!“ Alle Mühe, alles ernste Ringen,
Glauben sie besser zu entbehren,
Sie meinen, es müsse im Schlaf gelingen,
Und stellen sich, als ob sie Titanen wären,
Und wissen, daß selbst Backen und Brauen
Sich nicht läßt mit dem Genie pur zwingen.
Ein Weltmann tritt herein.
Weltmann.
Ich komme zu Ihnen mit Freundes-Vertrauen,
Man hat mir gesagt, daß Sie mancherlei dichten, Wodurch Sie wollen die Welt bekehren,
Da muß man sich nach den Umständen richten,
Selbst lernen, will man andre belehren,
Sie führen aber scheint’s, ein eremitisch Leben,
Und sind wohl gar dem Spekuliren ergeben.
Autor.
Ich will nichts, und mag mir nichts vornehmen,
Es dient doch nur, es zu verfehlen,
Man muß nur sich und andre quälen,
Was hilft es, wilde Steine zähmen,
Die Zeit des Orpheus ist verflossen,
Man hält dergleichen jetzt für Possen.
Weltmann.
Und auch mit Recht, mein werther Freund,
Sie kennen die Welt nicht, wie es scheint,
Sie wollen mit Geisseln drunter schlagen,
Mit Posaunen wie zum jüngsten Tage blasen,
Doch muß man alles still gewähren lassen,
Und kommt die Zeit, wird man den Sieg von dannen tragen.
Autor.
Ich möchte mich lieber gleich in die Nichtigkeit ergeben, Denn ganz verdrüßlich fällt mir doch mein Leben.
Weltmann.
Ei warum das! das thut nicht noth,
Zeitig genug kommt immer noch der Tod,
Auch muß man schaffen und wirken und thätig sein, Denn dergleichen wird immer räthlich sein,
Nur nicht sich in sich zurücke ziehn,
Das ist die schädlichste Medizin.
Autor.
Ich verzweifle an allem, keiner versteht mich,
Unbefangen in der Poesie keiner ergeht sich,
Mir wird am Ende vor allen Worten bange,
Jeder Schritt wird mir sauer auf meinem Gange.
Weltmann.
Das macht, weil Sie die Welt nicht studiren.
Sich nicht auf gehörige Vielseitigkeit appliziren, Denn wenn Sie sich selber so eng borniren,
Das muß sie nothwendig irre führen.
Autor.
Die Irre! das ist das rechte Wort!
Wo ist denn nicht zu irren ein Ort?
Weltmann.
Nun, zum Beispiel, wenn man sich das Ganze vorhält, Und, wie schon gesagt, beobachtet die Welt,
Sich sucht von allen Seiten
In allen Kenntnissen und Gedanken zu verbreiten, In Politik, Statistik, neuer Geschichte,
Das sind die großen gewaltgen Gewichte,
Die die Uhr der Welt in Bewegung setzen,
Die Schleifsteine, die die Ingenia wetzen.
Autor.
Wenn ich die alte Welt mit der neuen messe,
So hat die neue für mich kein Interesse.
Weltmann.
Das ist es, wo Sie wieder irren,
Das macht, weil sie das Interesse verwirren,
Sie wollen kein reines Interesse haben,
Sich immer an einem poetischen laben,
Doch dauert das unmöglich auf die Länge,
Man kömmt dabei gewaltig in die Enge.
Autor.
Ach leider! bin ich schon in dem Gedränge,
Und sehe kein Mittel heraus zu kommen,
Denn mir ist aller Muth genommen.
Weltmann.
Ei, mein Werther, das muß sich alles fügen,
Ihr richtiger Verstand wird gewiß am Ende siegen, Man muß sich nur in die Zeiten schicken,
So kann es nicht anders, es muß uns glücken,
Einmal stolziren, und dreimal sich bücken,
Das glauben Sie mir, so wie nun die Welt ist,
Ist jetzt zumal das rechte Verhältniß.
Von allem, was da ist, ein wenig erhaschen,
Und damit anfüllen seine Taschen,
Und mit jedem, den man vorüber wandelt,
Ein bischen mit der vielen Kenntniß gehandelt,
Zur rechten Zeit Allmosen spendirt,
Und sich bescheiden dazu verneigt,
Als sollt’ es keiner sehn, doch daß man es zeigt, Dann wieder mit allen Vieren handthiert,
Gestoßen in Hoboen und Posaunen,
Daß rings umher die Leute erstaunen.
Doch niemals ohne Absicht gelobt,
Noch weniger drein mit Knütteln geschlagen,
Denn wer die gute Sache zu stürmen strebt,
Der kommt zu kurz in unsern Tagen.
Darum bezähmen Sie ihren Unwillen,
Oder schaffen Sie ihn lieber gänzlich fort,
Und glauben Sie mir nur auf mein Wort,
Schon dadurch wird sich manches erfüllen.
Nur frisch gelobt, so lobt man wieder,
Vereingen sich zum Band die Glieder.
Und hat man gar den Ruf von bescheiden,
So loben sie einen mit tausend Freuden,
Denkt jeder: hält dich der Mann doch für klüger, Am Ende bleibst du immer sein Besieger.
Hat man nun lange genug geschont,
So sieht man, wie man oben thront,
Von allen Seiten Feuerwerke brennen,
Und jung und alt dann unsern Namen nennen;
So ist die Welt, doch sind Sie grob,
Empört das Grobzeug sich darob,
Und wenn Sie vollends dabei satirisch,
Wird all das Mengelmus aufrührisch,
Und schreien: wir wollen ihn sämmtlich nicht lesen, So ist seine Macht auf Erden gewesen.
Ich bitte, Sie glauben, daß ich nicht scherze,
Und nehmen sich meinen Rath zu Herzen,
Nur hübsch der Vielseitigkeit sich beflissen,
Müssen scheinen so ziemlich um alles zu wissen, Dazu die liebe Humanität,
Die jetzt in allen Kalendern steht,
So kann es Ihnen bei meiner Seelen
In unsrer Welt gar niemals fehlen.
Geht ab.
Autor.
So will man mir denn alles rauben?
Soll ich an eine Welt noch glauben?
Wohl gar noch an die Psychologie
Und an ein nachahmendes Genie?
Mir fällt mein ganzes Bewußtsein um,
Steht auf den Kopf und macht mich dumm,
Da treten die Leute nur flugs herein, Und schreien mir zu: so sollst du sein!
Ich weiß mich nicht zu rühren und zu regen,
Ja wohl ist mir die Welt zu überlegen,
Ich kann an vielem nehmen kein Theil,
Tausend Dinge machen mir Langeweil,
Ich bin so unbeholfen und ungelenkisch,
Einseitig sehr, noch mehr altfränkisch. —
— Was kommt herauf die Treppe schollern,
Mit schwerem Tritt herauf sich kollern?
Warlich, der tritt nicht sänftlich nieder,
Es klingen alle Fenster wieder,
Es scheint, er trägt Stiefeln mit Eisen beschlagen, Wenn der in meine Thür eintritt,
So sprengt von ihm ein einzger Tritt
Die Wände wie die Pfosten ein;
Was wird der Wirth zu meinen Visiten sagen?
Da klopft das Ungethüm. — Herein!
Der Altfrank tritt herein.
Der Altfrank.
Einen guten Tag, mein junges Kerlein.
Autor.
Du lieber Gott, wer mag der Herr sein?
Mit diesem langen weißen Bart,
Mit dieser Mütz, seltsamer Art,
So wunderlich mit Schellen behängt,
Daß jede Bewegung wiederklingt,
Mit diesem langen tüchtgen Knüttel,
Den Dolch in seinem breiten Gürtel?
Der Altfrank.
Kennst mich wohl nicht, du kleiner Wicht?
Autor.
Zeitlebens sah ich kein solches Gesicht.
Der Altfrank.
Das weiß ich Dir gar wenig Dank,
So höre denn, ich bin, Gottlob, der Altfrank,
Der alte Franke, den sie nicht lassen ruhn,
Sondern wenn sie einmal was Gutes thun,
Sehn ihren Nächsten in tiefen Nöthen,
Zu Gott dem Herrn inbrünstig beten,
Wenn Kinder ihre Eltern lieben,
Die Söhne gehorchen, die Töchter in Tugend sich üben, So schreit das Volk, mit bösem Maule zänkisch: Ei seht doch Leute, wie sind sie da altfränkisch! Doch wer nach Huren fleißig geht,
Den Freund verläumdend auf dem Markte steht, Gott’s Wort nicht acht’t, die Kirchen verhöhnt,
Am liebsten begeht, was am schwersten verpönt, Geizt, wuchert, das Geld zusammenscharrt,
Der ist ein Kerl neumodischer Art,
Und endlich verzweifelnd stirbt im Tode,
Der ist ein artiger Mann nach der Mode.
Autor.
Wie bist du nur darauf gefallen
Mir deinen Besuch zu gönnen vor allen?
Der Altfrank.
Weil du mir immer warst gewogen,
Warst mir, ohne mich zu kennen, ergeben,
Magst gern das alte deutsche Leben,
Das hat mich nun zu dir gezogen.
Du bist nicht für das Moderne und Neue,
Du liebst in der Natur das Weite und Freie,
In aller Poesie das Volle und Tücht’ge,
In allem Scherz das Wilde und Flücht’ge.
Du hassest, was nicht redlich gemeint,
Du verehrst, was gesund und brav dir scheint,
Da hört’ ich dich nun aus der Ferne fluchen,
Das bewog mich denn dich zu besuchen.
Autor.
Du erzeigst mir warlich sehr viel Ehre,
Wenn ich nur aufgelegter wäre,
So steht es um meine Laune mißlich,
Ich bin verstimmt und fast verdrüßlich.
Der Altfrank.
Ach was, verstimmt! das ist dummes Gezeug,
Willst du nicht besser reden, so schweig!
Treibt über all’s in der Welt ein Räsonniren
Und kann seine eigne Laune nicht regieren?
Wer heißt dich doch von Laune sein?
Das soll auch so was Neumodsches sein.
Steht dir der Magen schief, auf frisch
Setz dich an einen vollen Tisch,
Ziehn dir die Leut ein schiefes Maul,
So sei zum Fratzenziehn auch nicht faul,
Will hündisch Volk dich wild anschrein
So denk: da schlag’ das Donnerwetter drein!
Autor.
So was zu denken ist aber unschicklich.
Der Altfrank.
So was dachten und sagten wir augenblicklich
Wann uns was Dumms in die Quere kam
Und sich zu viel heraußer nahm.
Autor.
Dafür sind wir auch besser erzogen.
Der Altfrank.
Halt’s Maul, denn das ist doch erlogen.
Autor.
Ihr seid ein rauher, barscher Mann,
Ich bitte ergebenst, fahrt mich nicht so an.
Ihr habt gar keinen geselligen Ton
Und seid der Grobheit zu sehr gewohnt,
Man kann doch friedlich und freundlich sein,
Und braucht nicht wie ein Bär zu schrein.
Der Altfrank.
So ist nun meine Art zu sprechen,
Ich thu die Zähne weit auseinander brechen,
Geh du mit deiner schwernoths Redensart,
Holunken nur die murmeln in den Bart.
Autor.
Treten Sie nur nicht meiner Ehre zu nah,
Sonst muß ich Sie bitten, sich zu entfernen,
Ich möchte nicht gerne mit Ihnen lärmen,
Weil ich Sie heut zum erstenmal sah,
Drum gehn Sie lieber fort im Stillen,
Hab’ außerdem schon meine Grillen.
Der Altfrank.
Die werden aus deiner Narrheit quillen.
So halt’ doch, Kerl, die Nase in die Höh!
Wann sah man einen Deutschen je
Also die Schuh besehn und granzen,
Auf so erbärmliche Weis’ gramanzen?
Hast ehrlichs Blut und bist kein Schuft,
Schau dreist hinein in die freie Luft,
Thu’ mit Beinen strampfen, mit Händen handthieren, Und steh nicht als gingst gewöhnlich auf Vieren, Als wär dein Aufrechtwandeln Ausnahme nur
Und gegen deine hündische Natur.
Die Sonn’ schaut auf dich, so schau sie auch an, Die Sterne betracht, so hast du wohl gethan,
Erwäge in deinem herzhaften Gemüthe,
Wie du und alles nur mancherlei Blüthe,
Und alles in einem großen Stamme steht
Zurück in Gottes Kräfte geht.
Doch bist du allzusehr verdrossen
Und steckst voll dummer irdscher Possen,
So steck die Nas’ in ein gutes Buch,
So wirst du wieder gesund und klug,
Da schau von unserm deutschen Mann
Das Gedicht vom Faust mal wieder an,
Da liegt für dich noch manch Verständniß,
Wovon viel Hundert nicht haben Kenntniß:
Und willst mal recht in die Tiefe schauen
In allen Sinnen dich erbauen,
Den Wein des Lebens schlürfen ein,
So recht im Frühling heimisch sein,
Wo aus allen Blüthen Nachtigallen
Und tausendfach Gesänge schallen,
Unendlichfach die Geister quallen,
So hab dir ja ein Buch erschlossen,
Wo schon manch Himmelsstunde hast genossen, So gab ich dir noch außer Göthe,
Auroram, jene Morgenröthe,
Von dem Propheten, den sie schelten,
Dem aufgeschlossen alle Welten,
Des heilger unentweihter Mund Der Gottheit Tiefe hat verkundt,
Den großen deutschen Jakob Böhme,
Daß er von dir die Schwermuth nähme,
Jedwedes Wort in ihm dir lacht,
Und all umzogen mit Glanz und Pracht,
Er hat durchaus sich gesponnen ein
In eitel Glori und Heiligenschein. —
Nun sprich, was fehlt in der Welt dir noch,
Daß du mürmelst und brümmelst verdrossen doch?
Autor.
Das alles will nicht recht erklecken,
Es fehlt mir noch an hundert Ecken,
Ich bin ungeschickt und ungewandt,
Interessire mich nicht für Welt und Land,
Bin immer auf meine Vorsätze erpicht
Und habe kein recht Welt-Interesse nicht,
Drum kann ich auch in meinem Leben
Nie so recht Red’ und Antwort geben,
Von vielen guten Wissenschaften
Will nichts in meinem Gemüthe haften,
Und kurz, ich bin mit meiner Seele
Auf so gar wenig eingeschränkt,
Worauf sie ewig sinnt und denkt:
Das ist es, worüber ich mich quäle.
Der Altfrank.
Ei was! das ist eine schlechte Art
In alles seine Nase zu stoßen,
Bei sich zu führen eine Taschen-Allgegenwart,
Und doch vom Kleinen wie von dem Großen,
Das Rechte nicht zu wissen und zu erkennen,
Und pur die Dinge mit Namen zu nennen.
Auch will es sich nicht schicken und fügen,
Das Universum in den Kopf zu kriegen,
Bleibt doch jeder nur sein eigen.
So schau die Bäume mit ihren Zweigen,
Schau Blumen an und alle Pflanzen, Sie sind die Theile des großen Ganzen,
Doch jedes prangt in seiner Schöne,
Ins Fremde kein’s hinüber schweift
Das Widerwärtge nie ergreift,
Für sich bestehn die mannichfaltgen Töne,
Wollte sich Natur in Eins einrühren,
Müßte dann das Chaos zurücke führen.
Die Schöpfung hat sich dadurch nur geboren,
Weil jede Kraft sich aus dem Ganzen verloren,
Und einzeln das Ganze figurirt:
Der Mensch ward aus allen Theilen formirt,
Innewohnend in ihm sind alle Geister,
Drum ist er der Natur auch Meister,
Doch hat er in sich einen Klang,
Der tief sein Wesen ganz durchdrang,
Wenn er den Ton nun wieder hört,
Wird gleich sein Innres ganz empört,
Alle Geister steigen auf in die Erinnrung,
Der Ewigkeit Strahlen fallen in die Dämmrung.
Er strebt in seine alte Wurzel zurück,
Und erhascht seines Lebens Silberblick:
So hat jedwedes in aller Natur
Seine eigne bestimmte Signatur.
Dich treibt es liebend zu umfassen,
Was die meisten um dich verachten und hassen,
So laß denn deinem Geiste Raum
Und bilde fertig deinen Raum,
Laß dir den Muth niemals entgehn,
Willst du nur sehn, so wirst du sehn,
Dann glänzet dir im süßen Geisterlichte,
Die du gewünscht, die himmlischen Gesichte.
Autor.
Und dann fühl’ ich mich wieder so verloren,
Daß ich mir diese Liebe auserkohren;
Hält nicht fast jeder mich für einen Thoren?
Sie wollen nichts von dergleichen Dingen wissen, Und weit entfernt, daß sie sind hingerissen, Noch mehr, daß sie sich sollten darnach sehnen, So sitzen sie nur und gähnen.
Wie soll das einen nun wohl stärken,
Wenn sie einen Autor gar nicht bemerken?
Das ist doch wohl noch zu verzeihn
Daß man will gern verstanden sein.
Der Altfrank.
Was nimmst du das nur so genau,
Ob sie heiß oder kalt sind, oder lau?
Kannst sie doch nicht bei Haaren ins Verständniß reißen, Nicht bei den Ohren hinüberzerrn?
Daß sich um dich nicht kümmern die meisten,
Das glaub’ ich dir von Herzen gern,
Allein das muß dich nicht bekümmern.
Schreib’s dir und deinem Sinne recht,
Thu dich des Besten stets befleißen,
Und sei den Musen ein würdger Knecht,
So mags dann funkeln oder flimmern.
Mögen sie dich tadeln oder loben,
Das Gute bleibt am Ende oben.
Autor.
So will ich mich denn niedersetzen
Und ohne weiters mich ergötzen,
Meine alte Arbeit wieder suchen,
Und nicht mehr auf die Zeiten fluchen.
Der Altfrank.
Das wird dir immer nützlich sein,
Auch will ich mich darüber freun,
Wann du zu Stande bringst was Tüchtigs,
Was Gutes, Großes und was Wichtigs;
Erwärme dein Herz in alter Liebe,
Erwecke in dir die alten Triebe,
Wenn dir die neue Zeit nicht gefällt
So gedenk der braven alten Welt,
Mit Andacht geh zu den alten Ruinen, Die auf den hohen Bergen verwittern,
Sie schaun dich an mit wehmüthigen Mienen
Und erzählen dir von Thaten und Rittern,
Besuche zumal die Wald-Kapellen,
Wo sich heilge Geschichten vor dich stellen,
Die alte katholische Religion,
Als sie noch schmückte ihren Thron,
Und schöner die Welt durchströmte,
Ein selger Tod die Märtrer krönte:
Als deutsche Freiheit noch stolzirte,
Vor ganz Europa hell pranchirte,
Das alles magst du kühnlich preisen
Verkündigen in vollen Weisen,
Was sonst erregte deinen Muth,
Beseligte in Adern dein Blut,
Lebt nicht noch alles in einzeln Spuren,
Wandelst nicht noch auf denselbigen Fluren?
Willst du ein Deutscher sein geacht’t,
Verkünd’ der Deutschen Stolz und Macht,
Laß all das eitle Gewäsch und Gramanzen
Den Welschen oder flüchtigen Franzen.
Sei stolz, wie’s einem Deutschen ziemt,
Der seines Vaterlands sich rühmt,
Der erkannt der alten Zeiten Adel,
Die großen Männer ohne Fehl und Tadel,
Thu dann, was du schon lang gewollt,
Was du auf mein Geheiß schon längst gesollt,
Versuch es in lebendgen Bildern
Die verwilderte Zeit zu schildern,
Die die letzte deutsche war,
Den heilgen Krieg der dreißig Jahr
Das theure Mutterland verheerte
Und seine letzte Kraft verzehrte,
Dies stell in mancherlei Schauspiel dar:
Daß du der Mitwelt mögest geben,
Erinnerung und Denkmal von deinem Leben.
Autor.
Deine Worte erwecken die alte Lust,
Den sonstgen Trieb in meiner Brust;
Den Vorsatz will ich treu bewahren,
Ich lasse Furcht und Zweifel fahren,
Magst du nur ferner mein gedenken,
Und mir, du treuer Mann, deine Liebe schenken.
Der Altfrank.
Du hattest immer zu mir begehrt,
Drum hab’ ich deinen Wunsch gewährt,
Du hast mich endlich mit Augen gesehn
Und darfst nun über mich Rede stehn;
Doch hör’ ich dich wieder aus der Fern
Wie ein Kindlein winseln, schrein und plärrn,
Ueber Recensenten und Kritiker klagen,
Dich mit Wehmuth und Demuth und Dummmuth plagen, So sag ich mich gänzlich von dir ab;
Dann magst du andre Freunde treffen,
Die mögen dich ängstigen oder äffen,
Und stoßen dich in die Grube hinab.
Dann such in der Aufklärung Schutz und Schirm, Und treib’ es wie das modernste Gewürm:
Sieh über das Bessere höhnisch hinweg
Und liege bei Memmen und Narren im Dreck.
Geht stampfend ab.
Autor.
Ein schwerer Fluch, den da der grobe Mann
Gesprochen hat, ein fürchterlicher Bann:
Muß denn das Alte grob stets sein?
Das will mir doch bei alledem nicht ein.
Er meint am Ende, die rechte Witzesart
Liege in dem verteufelt groben Fischart:
Und wollt’ ich davon das Bescheidenste schreiben, So würde mir kein honetter Leser bleiben. —
Das Feuer im Ofen brennt hell und knistert,
Als wollt es den ganzen Ofen sprengen:
Mir ist als ob es mit Stimmen flüstert, Als löste der Ofen sich in Gesängen:
Wenn alles Poesie und Musik noch wird,
Gestaltet sich die Welt doch zu verwirrt. —
Ich sehe den Ofen in seiner Basis wackeln,
Es springen, meiner Seel, die Kacheln,
Dampf und Gestank erfüllt das Zimmer
Und drinne steht ein Frauenzimmer.
Der falsche Ruhm tritt aus dem Ofen heraus.
Autor.
Wer bist du wunderbares Bild?
Sag an, was du von mir haben willt,
Mir steigt der Dampf in alle Sinnen,
Ich möchte fort, kann nicht von hinnen.
Falscher Ruhm.
Ich bin der Ruhm, der die Welt durchkreuzt,
Der alle Helden mächtig reizt,
Der Lohn für alle Arbeit,
Ich wohn’ in Licht und Klarheit,
Wo Feuer brennt, da brenn’ auch ich,
Drum kam ich aus dem Ofen säuberlich
Mit meinen Kränzen dir entgegen
Dir zu ertheilen meinen Segen.
Autor.
Doch deine Kränze, mit Verlaub,
Bestehn ja nur aus dürrem Laub.
Falscher Ruhm.
Du Thor, geht man durch Feuer risch,
So bleibt das grüne Laub nicht frisch.
Autor.
Wie kannst denn du der Ruhm doch sein?
Ich dachte, der wohnte im lichten Schein,
So kömmst du her in Qualm und Gestank, Das macht mir doch etwas mein Herze bang.
Falscher Ruhm.
Nicht viel gezweifelt; ich hasse das Licht,
Denn weil ich, leider, beim Lichte besehn,
So gar sehr reizend bin eben nicht,
So will ich lieber im Qualme stehn:
Was du Gestank thust böslich nennen,
Das ist ja eben mein Geruch,
Woran die Menschen mich erkennen,
Und der mir anzieht die Menge genug.
Nun sprich, ich habe nicht Zeit zum Hänseln,
Denn ich bin immer in Thätigkeit,
Hier und da zu krönen treffliche Leut,
Steht einer dir an von meinen Kränzen?
Autor.
Sie sind aber alle voll Staub und Aschen.
Falscher Ruhm.
Ich fülle den Kopf nicht, sondern die Taschen,
Geld mußt du haben, willst du was gelten,
Das Gold hat immer sehr gegolten,
Dann mögen sie um dich lärmen und schelten,
Eine volle Tasche wird nimmer gescholten.
Willst dich zu meinem Dienst bequemen,
So mußt dich weder erzürnen noch schämen,
Mußt nie an keine Herrlichkeit glauben,
Noch weniger dich mit Andacht verschrauben,
Die Menge ist deiner Gottheit Stimme,
Je dummer du mengst, je größer deine Menge,
Und stehst du recht dicht im großen Gedränge,
So fürchtest du dich vor keinem Grimme.
Schau an, wie lieblich jetzt die Welt,
In der Armuthseligkeit ist bestellt,
Es fehlt ihnen allen von Osten nach Westen,
Von Norden nach Süden an dem Besten,
Drum wer die Leute halbwege ergötzt, Wird gleich in alle Sprach übersetzt,
Noch niemals hatt’ es ein Dichter kommoder,
Fehlt ihm auch gänzlich der Menschenverstand, Sein Ruhm geht doch von der äußersten Oder
Bis an des Mittelmeeres Strand;
Es kommen gelaufen die Irren und Britten,
Der Poesie zu Enge Länder und demüthig bitten Sie dich und reichen genuine Guineen
Für sehr ungeniete Genien,
Und sprechen: sei unser Shakespeare,
Wir sehn, der unsrige ist ein Käsebier,
Flugs wirst der berühmte Shakspeare du,
Und wärst Du selber der Kotzebue.
Autor.
Das Ding ist wahrlich so übel nicht,
Wenn du mir hältst, was dein Mund verspricht.
Falscher Ruhm.
Du mußt nur, wenn es dir soll glücken,
Dein Vorurtheil gegen den Dampf ersticken.
Autor.
Wenn mich der Dampf nicht wird ersticken.
Falscher Ruhm.
Der muß dein Element ja werden,
Dann wandelst du auf dieser Erden,
Als der berühmte große Hans Dampf,
Und überstanden ist aller Kampf,
Die meisten halten’s doch für Rauch,
In dem ja lebten die Götter auch.
Autor.
Was hör’ ich oben für ein herrlich Singen,
Das durch das ganze Lustrevier erschallt?
Es ist, als ob die Töne widerklingen Aus einem grünen Vögelvollen Wald,
Und wie sie kommen süße Düfte schwingen
Hernieder sich, und gaukelnd mich umwallt
In allen trunknen Sinnen die Bemeistrung,
Ich möchte sagen fast, das ist Begeistrung.
Ich seh das Dach sich oben wieder spalten,
Das Haus muß heute wahrlich untergehn,
Wie sich die Bretter alle dort entfalten
Dringt durch sie her ein heller Lichtstrahl schön, Es brechen nieder mächtige Gestalten,
Und fahren aus dem lieblichen Getön,
Verwirrt weiß ich mich wahrlich nicht zu fassen, Wo soll ich alle die Besuche lassen?
Der wahre Ruhm schwebt von Genien getragen herunter.
Autor.
O holdes Bild, ich stürze in die Knie,
Und bete zu dir im andächtgen Schweigen,
Mein Herz erhebt sich, und noch nimmer, nie
Sah ich die Majestät, wie du sie zeigen
Mir willst in deinem Glanz, ich ehre sie
Und möchte gern dir zugehören eigen,
Mit Zittern ist das andre Bild entwichen,
Es ist vor deinem vollen Glanz erblichen.
Der Ruhm.
Nicht daß du wirst von Thoren laut gepriesen,
Nicht daß die Welt, die eitle, dich verehrt,
Nicht daß du Schmeichler siehst zu deinen Füßen, Daß man dein Lob von allen Zungen hört,
Nicht Lohn und Gold hat sich als Ruhm erwiesen, Es hat dein eignes Herz dich schon belehrt,
Daß nur im Innern dir der wahre Ruhm,
Ist dir dein Ziel und Streben Heiligthum.
Und wollen sie dich höhnen und verkennen,
Fällt dir auch nur ein mittelmäßig Loos,
Will auch die Welt nicht deinen Namen nennen, Dünkt sich der Thor auch über dir und groß;
Wird nur im Herzen dir die Flamme brennen,
Hegt dich die Andacht nur in ihrem Schooß,
So blüht im Herzen dir die goldne Blume,
Auch ungekannt wohnst du im hohen Ruhme.
Autor.
Die heut’gen Stunden will ich nie vergessen,
Sie sollen tief in meinem Innern blühen,
Nie will ich mich im Uebermuth vergessen:
Ja ewig will ich, heilge Kunst dir glühen,
Kein fremdes Bild soll in mir auferstehen
Und von der vorgesetzten Bahn mich ziehen.
Ich sehe vor mir wundervolle Höhen,
Nach ihnen sei der feste Schritt geleitet,
Und sollte rings um mich die Welt vergehen.
Was thuts, wenn Pöbel hinter mir auch schreitet,
Sein Wüthen mir den Weg verkümmern will,
Von einem süßen Licht bin ich geleitet.
Die ewgen Ströme werden nimmer still.
Der freche Hohn sinkt unter bald in Schweigen,
Die Nacht nimmt ihn in ihre schwarze Hüll’.
Bald muß das schöne Morgenroth sich zeigen,
Es dämmern schon die wolkigen Gestalten,
Die Finsterniß muß sich hinunter neigen. —
Dann bitt ich noch: nicht Spaß für Ernst zu halten.
Anmerkungen zur Transkription
Der Originaltext ist in Fraktur gesetzt. Im Original g e s p e r r t hervorgehobener Text wurde in einem anderen Schriftstil markiert. Textstellen, die im Original in Antiqua gesetzt sind, wurden in einem anderen Schriftstil markiert.
Die variierende Schreibweise des Originales wurde weitgehend beibehalten. Lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert, teilweise unter Verwendung weiterer Ausgaben, wie hier aufgeführt (vorher/nachher):
... standen auf den Tafeln, und eine schöne schöne Musik ...
... standen auf den Tafeln, und eine schöne Musik ... ... er legte ihn nun auch ein schönes Gebiß an, und putzte ...
... er legte ihm nun auch ein schönes Gebiß an, und putzte ... ... möchte, schlug ihm ein anderer von den Räthen zu Boden, ...
... möchte, schlug ihn ein anderer von den Räthen zu Boden, ... ... ich will dem tapfern Reinold die Steinkippe geben, ...
... ich will dem tapfern Reinold die Steinklippe geben, ... ... zum ehelichen Gemal geben, wenn er mir solches verpricht. ...
... zum ehelichen Gemal geben, wenn er mir solches verspricht. ... ... daß das Schloß Montalban heiße und Reinold angegehöre, ...
... daß das Schloß Montalban heiße und Reinold angehöre, ... ... und ging auf Reinhold zu. Er hatte weiße Haare und ...
... und ging auf Reinold zu. Er hatte weiße Haare und ... ... hatte, da fielen ihm seine goldene Sporen ein, die ihm ...
... hatte, da fielen ihm seine goldenen Sporen ein, die ihm ... ... Hab’ ich ihn doch von jeher nichts als lauter ...
... Hab’ ich ihm doch von jeher nichts als lauter ... ... die Malegys gebracht hatten, hielten sich sehr tapfer, ...
... die Malegys gebracht hatte, hielten sich sehr tapfer, ... ... sie flohen oder umkamen, und Risart war wieder frei, ...
... sie flohen oder umkamen, und Ritsart war wieder frei, ... ... so viel gute Worte ihn auch Reinold gab, worüber ...
... so viel gute Worte ihm auch Reinold gab, worüber ... ... fangen, denn es geht meinen Herzen gar zu nahe. Da ...
... fangen, denn es geht meinem Herzen gar zu nahe. Da ... ... Begebenheiten und große Thaten und den höchsten ...
... Begebenheiten und große Thaten zu den höchsten ... ... Reymond zu seinem Herrn Vetter sagte: wir sind in ...
... Reymund zu seinem Herrn Vetter sagte: wir sind in ... ... mit der größten Behendigkeit von Pferde herunter ...
... mit der größten Behendigkeit vom Pferde herunter ...
... Tafel gelesen hatte; konnte er sich nicht genug darüber ...
... Tafel gelesen hatte, konnte er sich nicht genug darüber ... ... daß der ganze Thurm erbebte und er soglich todt war. ...
... daß der ganze Thurm erbebte und er sogleich todt war. ... ... Sie Sind wohl auch ein Schriftensteller. ...
... Sie sind wohl auch ein Schriftensteller. ...
Sie haben Ludwig Tieck's Schriften: Dreizehnter Band zu Ende gelesen
Ludwig Tieck
Bücher wie dieses
Hinweis von Project Gutenberg
End of the Project Gutenberg EBook of Schriften 13: Märchen / Dramatische Gedichte / Fragmente, by Ludwig Tieck
*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SCHRIFTEN 13: MARCHEN *** ***** This file should be named 50845-h.htm or 50845-h.zip ***** This and all associated files of various formats will be found in:
http://www.gutenberg.org/5/0/8/4/50845/
Produced by Delphine Lettau, Jens Sadowski, and the Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
Updated editions will replace the previous one--the old editions will be renamed.
Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright law means that no one owns a United States copyright in these works, so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United States without permission and without paying copyright royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you do not charge anything for copies of this eBook, complying with the rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose such as creation of derivative works, reports, performances and research. They may be modified and printed and given away--you may do practically ANYTHING in the United States with eBooks not protected by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the trademark license, especially commercial redistribution.
START: FULL LICENSE
THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free distribution of electronic works, by using or distributing this work (or any other work associated in any way with the phrase "Project Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project Gutenberg-tm License available with this file or online at www.gutenberg.org/license.
Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm electronic works
1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to and accept all the terms of this license and intellectual property (trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.
1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be used on or associated in any way with an electronic work by people who agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works even without complying with the full terms of this agreement. See paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic works. See paragraph 1.E below.
1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the collection are in the public domain in the United States. If an individual work is unprotected by copyright law in the United States and you are located in the United States, we do not claim a right to prevent you from copying, distributing, performing, displaying or creating derivative works based on the work as long as all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope that you will support the Project Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with the work. You can easily comply with the terms of this agreement by keeping this work in the same format with its attached full Project Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.
1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in a constant state of change. If you are outside the United States, check the laws of your country in addition to the terms of this agreement before downloading, copying, displaying, performing, distributing or creating derivative works based on this work or any other Project Gutenberg-tm work. The Foundation makes no representations concerning the copyright status of any work in any country outside the United States.
1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg: 1.E.1. The following sentence, with active links to, or other immediate access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed, copied or distributed:
This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have to check the laws of the country where you are located before using this ebook.
1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived from texts not protected by U.S. copyright law (does not contain a notice indicating that it is posted with permission of the copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in the United States without paying any fees or charges. If you are redistributing or providing access to a work with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9.
1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted with the permission of the copyright holder, your use and distribution must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms will be linked to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the permission of the copyright holder found at the beginning of this work.
1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm License terms from this work, or any files containing a part of this work or any other work associated with Project Gutenberg-tm. 1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this electronic work, or any part of this electronic work, without prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with active links or immediate access to the full terms of the Project Gutenberg-tm License.
1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary, compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any word processing or hypertext form. However, if you provide access to or distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than "Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other form. Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm License as specified in paragraph 1.E.1. 1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying, performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided that
* You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he has agreed to donate royalties under this paragraph to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid within 60 days following each date on which you prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty payments should be clearly marked as such and sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in Section 4, "Information about donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
* You provide a full refund of any money paid by a user who notifies you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm License. You must require such a user to return or destroy all copies of the works possessed in a physical medium and discontinue all use of and all access to other copies of Project Gutenberg-tm works.
* You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the electronic work is discovered and reported to you within 90 days of receipt of the work.
* You comply with all other terms of this agreement for free distribution of Project Gutenberg-tm works.
1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm electronic work or group of works on different terms than are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing from both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and The Project Gutenberg Trademark LLC, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the Foundation as set forth in Section 3 below.
1.F.
1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread works not protected by U.S. copyright law in creating the Project Gutenberg-tm collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic works, and the medium on which they may be stored, may contain "Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by your equipment.
1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all liability to you for damages, costs and expenses, including legal fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH DAMAGE.
1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a written explanation to the person you received the work from. If you received the work on a physical medium, you must return the medium with your written explanation. The person or entity that provided you with the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a refund. If you received the work electronically, the person or entity providing it to you may choose to give you a second opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy is also defective, you may demand a refund in writing without further opportunities to fix the problem.
1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE. 1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance with this agreement, and any volunteers associated with the production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works, harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees, that arise directly or indirectly from any of the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of electronic works in formats readable by the widest variety of computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from people in all walks of life.
Volunteers and financial support to provide volunteers with the assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will remain freely available for generations to come. In 2001, the Project Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 and the Foundation information page at www.gutenberg.org
Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit 501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its volunteers and employees are scattered throughout numerous locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to date contact information can be found at the Foundation's web site and official page at www.gutenberg.org/contact
For additional contact information:
Dr. Gregory B. Newby
Chief Executive and Director
gbnewby@pglaf.org
Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide spread public support and donations to carry out its mission of increasing the number of public domain and licensed works that can be freely distributed in machine readable form accessible by the widest array of equipment including outdated equipment. Many small donations ($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt status with the IRS.
The Foundation is committed to complying with the laws regulating charities and charitable donations in all 50 states of the United States. Compliance requirements are not uniform and it takes a considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up with these requirements. We do not solicit donations in locations where we have not received written confirmation of compliance. To SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any particular state visit www.gutenberg.org/donate
While we cannot and do not solicit contributions from states where we have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition against accepting unsolicited donations from donors in such states who approach us with offers to donate.
International donations are gratefully accepted, but we cannot make any statements concerning tax treatment of donations received from outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation methods and addresses. Donations are accepted in a number of other ways including checks, online payments and credit card donations. To donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works. Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be freely shared with anyone. For forty years, he produced and distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
Most people start at our Web site which has the main PG search facility: www.gutenberg.org
This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, including how to make donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.