Romantische Lieder

Hermann Hesse · Kapitel 24 von 49

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Romantische Lieder

Der Toten.

 

I.

 

Die ganze Straße war in Ruh

Und nur Dein Fenster war noch rot,

In Deinem Zimmer warst nur Du,

Du und der Tod.

 

Die Nacht war wolkenschwarz und trieb

Verdorrte Blätter träg in Reihn.

Sie sprach zu mir: Ich hab Dich lieb,

Laß mich herein.

 

Dein Licht erlosch; ich war allein.

Da ward mein Fenster aufgemacht,

Und lange saßen wir zu zwein,

Ich und die Nacht.

 

II.

 

Jetzt kannst du’s nimmer hören,

Wenn ich mit leisem Strich

Den Bogen an die Saiten leg’

Und rufe Dich.

 

Jetzt kannst Du’s nimmer sehen,

Wenn spät nach Mitternacht

Mein Ämplein noch bei Blatt und Stift

Im Erker wacht.

 

Und kannst die schönen, weißen

Theerosen, die im Garten steh’n

Und die ich noch für Dich gepflanzt,

Auch nimmer seh’n.

 

Und doch, wenn meine Geige

Allein noch wach im Hause ist, Verspür’ ich’s oft, daß Du, mein Lieb,

Mir nahe bist.