Romantische Lieder

Hermann Hesse · Kapitel 6 von 49

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Romantische Lieder

Chopin.

 

I.

 

Schütte wieder ohne Wahl

Über mich die bleichen, großen

Lilien Deiner Wiegenlieder,

Deiner Walzer rote Rosen.

 

Flicht darein den schweren Hauch

Deiner Liebe, die im Welken

Duft verstreut, und Deines Stolzes

Schaukelschlanke Feuernelken.

 

II.

( G r a n d e v a l s e . )

 

Ein kerzenheller Saal

Und Sporengeläut und Tressengold.

In meinen Adern klingt das Blut.

Mein Mädchen, gieb mir den Pokal!

Und nun zum Tanz! Der Walzer tollt;

Erhitzt vom Wein mein Brausemut

Nach aller ungenossnen Lust begehrt —

 

Vor den Fenstern wiehert mein Pferd.

Und vor den Fenstern hüllt die Nacht

Das dunkle Feld. Es trägt der Wind

Von fern Kanonendonner her.

Noch eine Stunde bis zur Schlacht!

— Tanz’ rascher, Schatz; die Zeit verrinnt,

Es wiegt der Sturm die Binsen hin und her,

Die nächste Nacht mein Bette sind —

 

Mein Totenbett vielleicht. — Juchhe, Musik!

In durstigen Zügen trinkt mein heißer Blick

Das junge, schöne, rote Leben ein,

Und trinkt sich nimmer satt an seinem Licht.