Transatlantische Reiseskizzen und Christophorus Bärenhäuter: Zweites Bändchen

Nicht sehr interessant, aber recht natürlich.

 

Der gute Creole hatte christlich an mir gehandelt. Als wir vor dem Hause des Friedenrichters anhielten, und ich ihm — er war bereits im Schlafrocke — die näheren Ursachen meines Ansuchens um Verhaftung Mister Bleaks eines weitern auseinander setzte, kam mir der gute Mann mit dem naiven Geständnisse entgegen: Wußte Alles, lieber Mister Howard, sonnenklar; sah jeden Ballen, um den er Sie bestahl, oder bestehlen wollte.

Aber um's Himmelswillen, Mann! fuhr ich heraus, warum ließen Sie dieses so angehen?

Weil es mich nichts anging, Lieber, versetzte er mir trocken.

Hätten Sie wenigstens meinen Anwald benachrichtigt.

Ging mich nichts an, war wieder die Antwort; doch plötzlich seine Augen starr auf mich richtend, fing er ziemlich derb an, mir eine Art Strafpredigt zu halten, auf die ich nichts weniger als gefaßt war. Ei, ei! begann er, die Schlafhaube aufs linke Ohr setzend, da kommt ihr jungen Herren mit eurem Dutzend Blakies aus dem Norden, werft dem County ein paartausend Dollars zu, glaubt dafür gemächlich den Absentee-Gentleman spielen zu können, und uns recht sehr zu beehren, wenn ihr uns die Mühe überlasset, euch die Dollars und Banknoten zusammenzuscharren und nachzuschicken, daß ihr sie oben oder gar außer Landes verzehren möget. Mir thut's beinahe leid, Mister Howard, daß Sie nicht sechs Monate später kamen.

Und so dem Wichte Zeit ließ, sich mit der Beute davon zu machen?

Er hat wenigstens gearbeitet, und hat Weib und Kind, und ist dem County und dem Lande nützlich geworden.

Ei der Teufel! fuhr ich dazwischen. Nun wirklich, für einen Friedensrichter haben Sie einen sonderbaren Codex.

Der weder von Boni, noch von Livingston, aber echt patriotisch ist, versetzte der Mann ernst, auf die Stirne deutend.

Ich sah ihn mit aufgerissenen Augen an; aber er mich auch. So unrecht hat er im Grunde nicht. Worin bestünde auch der Unterschied zwischen einem Louisianer oder Virginier, und einem irischen oder englischen Aristokraten? Bei uns ist jedoch noch nicht viel Gefahr vorhanden. Echt vornehme Reiseunternehmungen gedeihen nun einmal nicht; mich wenigstens hätte mein Versuch bei einem Haare dreitausend Dollars gekostet. So, wie die Sachen standen, waren sie jedoch gerettet: die Gelder noch in den Händen der Mst. G— s, die wahrscheinlich in diesem Punkte wie Squire Turnips dachten. Ich übergab dem Manne die nöthigen Vollmachten und Papiere, wünschte ihm eine gute Nacht, und wir schüttelten einander herzlich die Hände. Der Morgen graute bereits herauf, als wir das Dampfschiff zum zweitenmale verließen, um eine Carosse zu besteigen, die zwar schrecklich aus der Mode war, uns aber rasch fortbrachte. Eben hatte ich mich wieder dem lieblichen Morpheus in die Arme geworfen, als eine sanfte Stimme nicht zehn Schritte von uns rief: Les voilà! Ich blickte auf, rieb mir die Augen, — es war Louise, die jüngere Tochter des Creolen, die nun vor der Veranda stand und uns willkommen hieß. Welche von unsern lieben nordischen Evatöchtern würde wohl dahin zu bringen gewesen sein, des Papa willen um sechs Uhr ihr jungfräuliches Lager zu verlassen, und für uns schwarzen Kaffee bereit zu halten, damit die bösen Ausdünstungen nicht unsern Appetit verderben? Monsieur Menou schien jedoch in der hingebenden Aufopferung seines Töchterleins gar nichts Außerordentliches zu finden, und zögerte nicht, Erkundigung einzuziehen, ob die Leute bereits ihr Frühstück im Leibe und den Pflug und das Grabscheit in der Hand hätten. Auch über diesen Punkt wußte Louise Auskunft. Zugleich erwies es sich, daß sie in den vier und zwanzig Stunden ihres Daheimseins sich ziemlich tief in die Verhältnisse ihrer schwarzen Liege-Subjekte einstudirt habe. Tom hatte sich nämlich einen Splitter in den Fuß gerannt, Pompey hatte Augenweh, er schielte stark nach Sarah, und Curgy hatte eine neue Eroberung am Cato eines Nachbarn gemacht, — Alles Dinge, die zwar für Menou und Louisen sehr interessant sein mochten, mich aber sanft zum Gähnen brachten. So sah ich mich denn unterdessen im Speisesaale um, dessen Ameublement mir einen Vorgeschmack der hier existirenden Civilisirung geben sollte. Die Matten waren das Neueste, und sehr elegant; aber das sideboard war schrecklich aus der Mode. Tische, Sesseln und Sopha französisch, statt amerikanisch. An den Wänden hingen ein paar Kupferstiche; nicht die Schlacht von New-Orleans, oder die glänzenden Siege Perry's und Bainbridge's über die Britten auf den Champlain- und Erie-Seen; nein, ein paar Curiositäten aus Louis-Quinze und Seize Zeiten. Ueberhaupt hatte das Ganze einen ziemlich starken, oder vielmehr matten Beigeschmack vom ci-devant Franzosenthum, nicht dem republikanischen, oder kaiserlichen, oder restaurirt-jesuitischen, nein, dem verlorenen, verdorbenen alt-royalistischen.

Ja, die wahre comfortable Art zu leben und zu sein findet man nur beim echten Amerikaner oder Engländer, vorausgesetzt, er habe Batzen; der Ueberrest ist noch im Barbarenthum versunken: Prunk und Flitter im Schauzimmer, und Schmutz und Fäulniß im Schlafgemach und auf dem Leibe. Es ist eine arge Sache um unsern Stolz und Uebermuth und unser ewiges Kritisiren; aber wir können es nun einmal nicht lassen. Wir schauen so gerade zu und tief; der gute Pabst ist uns bloß ein alter Mann, und ein König ein anderer, wenn er nicht jung ist, und Menschen und Bücher sind vor uns aufgeschlagen, wie unser offenes Land, und wenn wir ja ein bischen spöttisch unsere armen transatlantischen Brüder in Adam durchhecheln, so wissen wir wohl, daß uns von ihnen auch nichts geschenkt wird. Wenn wir so einander in die Haare geriethen, wie würden sich die alten schleimig-schwammigten Legitimaten und ihre Laquaien freuen! — Doch genug; die stündige Relation ist vorüber, und wir erheben uns, um einen Blick auf das Aeußere zu werfen. Nun, das Haus laßt einmal sehen! Es lehnt sich an einen zuckerhutähnlichen Maulwurfshügel, den einzigen, den es für Meilen in der Runde herum geben soll. Gegen Süden, Osten und Westen ist es mit einem dichten Rahmen von Akazien- und Cottonbäumen eingefaßt; nur die Nordseite liegt offen für das Flüstern des Boreas, der bei uns ein wunderlieblicher Gast ist. Ein helles Bächlein (für Louisiana wenigstens) strömt seine Gewässer von der sanften Anhöhe in einen kleinen See, der, würde ein Yankee sagen, 180 Fuß lang, 80 breit, einen Fall von 45 Fuß hat, und so eine herrliche Gelegenheit zu Maschinenwesen darbietet, wenigstens zu einer Gerberei, ein sicheres Antidote gegen die Cholera. Wir hoffen, der Czar wird uns mit seinem Cadeau verschonen; wir sind ja seine besten Freunde, sagte die letzte Präsidentenbotschaft. Ich habe nichts gegen die Freundschaft des Czars, das ist ein feiner, artiger Mann; aber mit seinen stinkenden, loyalen Bojaren, da mag er uns in Ruhe lassen.

Doch, zu Monsieur Menou's Haus zurückzukommen. Es sind eigentlich drei Bauwerke, die, zu verschiedenen Zeiten von Großvater, Vater und Sohn gebaut, nun in eines vereint sind. Die Ursache dieser Vereinigung gereicht dem Herzen des Creolen zur Ehre: — Meine Kinder sollen sich stets erinnern, wie schwer es ihren Großeltern geworden, welche Mühseligkeiten sie zu erdulden hatten, um ihren Nachkommen bequemere Tage zu verschaffen. — »Ja, das sollen sie,« erwiederte eine Stimme hinter uns, gerade als wir vor dem Seechen standen. — Madame Menou, j'ai l'honneuer de vous présenter notre voisin, Monsieur Howard. — »Qui restera chez nous pendant long-tems,« frohlockten die beiden Mädchen. — Ich verbeugte mich pflichtschuldigst vor der Dame, und konnte kaum eine Antwort geben, als die beiden Geschöpfe mich, jede bei einer Hand ergriffen, und mich nolens volens ins Haus und durch ein halbes Dutzend Zickzack-Gänge und Gängchen zogen, um mir mein Zimmer zu zeigen, wobei ich nicht wenig Gefahr lief, mir Stirne und Knochen an den mannigfaltigen Ecken und Windungen zu zerschellen. Glücklich langten wir jedoch in einem achteckigen Gemache an, das sie mir als das wohnlichste bestimmt hatten, indem es unmittelbar über dem Wasser und so stets kühle sei. Und wieder zogen sie mich heraus, und hinunter ging es zu Pa und Ma. Die Ma war eine comfortable, behaglich aussehende, gute Dame, mit einem etwas flachen Gesichte, in dem jedoch ein Ausdruck von Gutmüthigkeit und laisser aller vorherrschend war, bei dem man sich recht wohl, so gleichsam zu Hause fühlte. Sie nahm mich so ganz als alten Bekannten auf, als wäre ich ihr seit Jahren erkohrener Schwiegersohn gewesen: keine Complimente, kein geschraubter Anstand; selbst ihre Gesichtszüge nahmen sich nicht einmal die Mühe, das bei Fremdenempfange gewöhnliche Feiertagskleid anzuziehen. — Doch siehe da! was hat dies zu bedeuten? Eine Dame mit zwei Gentlemen — augenscheinlich sind es Ausländer. Die Olivenfarbe des Einen verräth ihn als einen spanischen Abkömmling, der Andere ist jedoch schwerer zu definiren. Sie kommen von der Veranda herab und schließen sich an uns an, wie Hausgenossen. Sie wurden mir aufgeführt als Signor Silveira und Signor Pablo; die Dame ist die Gattin des Erstern. Eine edle Gestalt, Augen schwarz, Nase römisch, stolz und fein geformt, ein prachtvoller Mund mit herrlichen Reihen von Elfenbeinzähnen, ein Teint, brunett und zart, — das ganze Wesen hat für eine Ausländerin wirklich etwas Anziehendes. Ich habe bisher immer unsere nordischen Mädchen für die schönsten gehalten, selbst die Brittinnen nicht ausgenommen — diese könnte unsern ersten Prachtausgaben die Palme streitig machen. Doch softly — lieber Howard, Don Silveira, scheint es, behält seine Frau gerne für sich, und auch Louise ist ein wenig verstimmt über meine etwas zu republikanischen Blicke. Keine Gefahr! eheliche Galanterien sind mir verhaßt. Freiheit und Eigenthum! ist unser Wahlspruch, und Eheleute sind gegenseitiges Eigenthum. Ich halte mich zur Bouteille, die mir vom Dejeunertische herüberblinkt, an dem wir uns, dem Himmel sei Dank, niederlassen, denn es wird mir ganz curios zu Muthe — squeamish, wie wir in Virginien zu sagen pflegen. Unsere Gäste jedoch sind ganz ernst und solenn, essen wenig, und die steaks waren doch so vortrefflich, und die jungen quails unvergleichlich, und der Chambertin so wahrhaft napoleonisch. Wohl, was den letztern betrifft, so habe ich gar nichts dagegen einzuwenden; bleibt ja uns desto mehr übrig.

Wer sind diese Messieurs mit der Dame? fragte ich meinen Wirth, als sie von der Tafel sich erhoben und den Saal verlassen hatten.

Mexikaner, antwortete Menou; aber wer sie sind, könnte ich Ihnen unmöglich sagen.

Wie, Sie kennen sie nicht? fragte ich.

Ich kenne sie wohl, sonst wären sie nicht in meinem Hause; aber meine Familie, flüsterte er mir zu, kennt sie nicht.

Arme Teufel! dachte ich; auch Freiheitsopfer, die ihre sieben letzten Dinge am Altar der Göttin dargebracht, und zur Belohnung von Haus und Heimath vertrieben worden sind. In dem Mexiko sieht es noch wüste aus; Guerrero, Bustamente, Santa Anna obenan, und unten eine Race, der man nichts Besseres wünschen könnte, als einen echt moskowitischen genialen Treiber, so einen Peter, der sie so lange knutet, bis sie Raison lernen; meint Monsieur Menou nicht? aber ich. Ei die Freiheit! ja, sie ist ein göttlicher Funke, der leicht sprüht, aber nur dann fängt, wenn das erkannte Menschenrecht und der feste Wille, es aufrecht zu halten, in Millionen wie Stahl und Stein zusammenschlägt. Wo der Funke einzeln aufsprüht, da fängt er nicht im morschen Zunder des verjährten Despotismus; es müssen Millionen Funken sein, und dann brennen die morschen Trümmer lustig weg, und auf ihnen läßt sich allenfalls der Altar der Göttin bauen. Es wird lange währen, bis dieser miserable Sklavenhaufe sich aus dem Schlamm ganz erhebt; aber zum Theile hat er es schon gethan, und aus dem Chaos bildet der göttliche Funke ja seine Wunder!

Julie und Louise hatten sich mittlerweile in das anstoßende Zimmer begeben, um die dritte oder vierte Revue über die tausend und eine Wichtigkeiten zu halten, die sie von der Hauptstadt mitgebracht. Wer die Mama so sah, wie sie mit wahrer Herzensfreude den Vorsitz bei der Musterung führte, welche die Brüßler Spitzen, Gros de Naples, Indiennes, Gauze und tausend andere Dinge zu passiren hatten, konnte das Bild echt creolischer Comforts malen. Kein Schmollen über die endlosen Items; Alles war charmant, Alles hatte seine Bestimmung, und ich wunderte mich nur, an welchem Theile dieser drei Leiber die hunderte von Ellen figuriren sollten, die auf Tischen, Sesseln, Sopha's und Schränken ausgebreitet waren, und eine ganze Grafschaft von New-Jersey's Schönen in Prachtausgaben hätten umwandeln können. Die ganze Familie ist wahrlich ein Muster von fröhlich-harmlos glücklichen Wesen; eine gewisse ungekünstelte Natur, ein fröhlicher Muthwillen, der stets seine Gränzen kennt und nie dem Anstande zu nahe tritt. Jeder und Jede verrichten ihre Aufgaben in einem lachenden, fröhlich schäkernden Tone, der aber bei alle dem so wohl wie unser stattlich steifes Wesen zu gedeihen scheint; wenigstens ist die Ordnung im Hauswesen bewundernswerth, und das Dejeuner war deliciös. Selbst Mistreß Houston, die wegen ihrer Diners und Dejeuners berühmte Mistreß Houston hätte hier noch in die Schule gehen können, — und ich bin Kenner in diesem Punkte. Ich habe mich einmal sterblich, ich glaube, es war meine neunzehnte ernstliche Liebschaft, in ein Massachusets-Prachtexemplar verliebt, deren Lockenköpfchen, so wahr ich lebe, bereits drei Novellen entsprungen, so sentimental und phantastisch albern, sie hätten einer Deutschen Ehre gemacht. Ich war ganz rasend in sie versessen, bis es ihrer Ma unglückseliger Weise beifiel, mich zu einem dîner en famille zu bitten; da ruinirten die ledernen Hammel-Cotelets für zwei Tage meine Zähne, und für immer meine neunzehnte Liebe. Doch, versparen wir unsere weiteren Lobeserhebungen, bis wir mehr Salz mit den Leutchen gegessen haben. Unser Sprichwort ist: Love me a little, but love me the longer. Wir wollen die lieblichen Geschöpfe der Obhut der Ma überlassen, und mit Herrn Menou seine Pflanzung besehen. Sie ist so übel nicht; au contraire, die Lage gegen den Fluß hin, die Bewässerung durch Gräben, die Cotton- und Wälschkornfelder, prachtvoll. Der Mann hat über dreihundert Acker in Kultur und eine jährliche Ernte von zweihundert fünfzig Ballen, — ein hübsches Einkommen! Nur drei Kinder, die Pflanzung hat viertausend Acker — die Partie wäre nicht so übel. Was würde aber die Welt dazu sagen? Der aristokratische Howard mit einer vielleicht [8] half-breed-Creolin! Er hat jedoch sechzig Neger und Negerinnen, und eine ganze Herde von Nachwachs, und die Mädchen sind so übel nicht — Milch und Blut — besonders Louise. — Wollen sehen.

[8]: H a l f b r e e d, Schwarzhäute, oder h a l f b l o o d, Halbblütige, wird die durch

Vermischung mit den Indianern entstandene Caste genannt.

Apropos! fragte der Creole, als wir so durch die Feldergassen hinstrichen; Sie haben dreitausend Dollars bei G—gs?

Ich nickte.

Und achttausend bei Misthere Richards?

Woher wissen Sie dies, lieber Monsieur Menou?

(Per parenthesin! — Wir lieben es, den Franzosen und Ausländern, unsern Cousin John Bull ausgenommen, den Titel Monsieur zu geben. Es ist so ein Mittelding zwischen Herrn und Sklaven, während der Mister oder Master — der Meister — den freien selbstständigen Mann bezeichnet, und deshalb für uns vorbehalten wird.)

Monsieur Menou lächelte auf meine Frage. Woher weiß ich, sprach er, daß Misthere Howard fünfzehnhundert Meilen gereiset ist, um die schöne Emilie Warren zu sehen, die von seiner Ankunft wußte, und doch sich an Misthere Doughby vergab?

Und dabei ein Gesicht schnitt, wie eine wahre Iphigenie in Aulis, brummte ich.

Der Mann nickte. So etwas weiß man, sobald man den haut-ton der Hauptstadt in seinen Ohren sausen gehört.

Siehe da! Monsieur Menou, der schlichte Monsieur Menou also auch ein haut-ton-Mann, sprach ich beinahe ein bischen spöttisch, auf des Mannes ungebleichte Pantalons und Jacke und Strohhut schielend.

Meine Frau ist eine geborne M—y, mein Großvater war Parlamentspräsident zu Toulouse, war seine Antwort.

Ich verbeugte mich. Die indianische oder schwarze Race hat also zur Verjüngung des Samens nicht, wie ich argwohnte, beigetragen.

Und wirklich hat denn, fuhr ich fort, der arme Howard zum Theegespräche herhalten müssen?

Ja, sprach der Mann, und wenn ich der Mister Howard wäre, so wollte ich meinen lieben Freunden einen recht herrlichen Spaß spielen.

Lassen Sie doch hören.

Der Mann schüttelte den Kopf. Leuten Rath geben, die sich klüger dünken, und auch vornehmer, das thut Menou nicht.

Ich sah den Mann betroffen an. Er hat recht! Ein Sterling-Charakter, wie er, kann für eine Weile den Hohn Unsereines mit ertragen; aber die Geduld eines Job hatte auch ihr Ende.

Wir gingen eine Weile neben einander her. Wollen Sie meinen Vorschlag hören? fing er endlich wieder an.

Sehr gerne.

Und versprechen, daß mir die Ausführung überlassen bleibt?

Ich bedachte mich, und sagte dann zu.

So überlassen Sie mir von den eilftausend Dollars, die Sie so werthlos liegen gelassen, siebentausend zu freiem Schalten und Walten.

Und Richards? fiel ich ein.

Ist besser daran, wie Sie. Sein Sie großmüthig, wo es hilft und erkannt wird; aber Güte wegzuwerfen und sich selbst zu schaden, ist thöricht. Hier haben Sie das Recepisse für die Summe; ich werde Ihnen über die Verwendung Rechnung tragen.

Und mit diesen Worten überreichte er mir wirklich das schon fertig geschriebene Recepisse. — Der Mann hat ein kleines Plänchen mit mir, und griff mir ein wenig zu energisch in mein Sein und Handeln. Der Gedanke an Richards fing an mir schwer am Herzen zu liegen. Mein indolentes Wesen mit den albernen Begriffen von Generosität etc., die ich aus Wagenladungen von Romanen zusammengeschöpft, empörte sich gegen die Idee, dem Freunde gerade jetzt so mitzuspielen. Doch mein Wort war gegeben, und ich sagte zu. — Julie und Louise schienen mich kaum zu bemerken, als wir ins Haus traten. Die Eine hatte mit der Küche und dem Hauswesen alle Hände voll zu thun, die Andere schnitt und riß in den Ginghams und Indiennes herum, daß man es auf fünfzig Schritte krachen hörte; beim Souper jedoch ging das tolle Wesen los, das Schäkern nahm kein Ende. Es schien, als ob die Mädchen, nachdem sie die Tageslast abgeschüttelt, erst vor dem Schlafengehn zum eigentlichen Leben erwachten.

Die drei Fremdlinge mit ihrer Grandezza genirten sie nicht im mindesten. Gegen acht Uhr wurde die Ungeduld über das lange Sitzen zu rege. Sie wisperten und wisperten, und ehe wir es uns versahen, hatten sie die Tafel verlassen, und waren in den Salon geschlüpft.

Die Töne eines harmonischen Pianoforte wurden gehört.

Wir müssen eilen, sprach der Creole, sonst setzt es verdrießliche Gesichter. Und so gingen wir denn in den Salon.

Nun, dieser Salon ist wirklich elegant. Am prachtvollen Instrumente sitzt die fremde Dame, die einen Cotillon spielt, und Julie hat bereits mit dem Papa sich arrangirt; mir fällt Louise zu, und Don Silveira hat die Ehre des Hauses.

Und so ging es denn bis zwölf. Der Ball war just im besten Gange, als Menou lächelnd vor mich hintrat.

Voilà notre manière créole; mais c'en est assez. Das ist unsre Lebenswürze, fuhr er fort; Alles hat seine Zeit: Plappern, Scherzen, Tändeln, Arbeiten, Beten und Tanzen. Der wahrhaft Vernünftige weiß Alles so zu vereinigen, daß das Erste dem Letzten nicht Eintrag thut. Bloß auf diese Weise kann unser einsam häusliches Leben erträglich und glücklich werden; wir haben nie Langeweile. — Gute Nacht!