Vom älter werden, vom gesund und lebenstüchtig bleiben und vom Spaß am Leben
Vom aelter werden, vom gesund und lebenstuechtig bleiben und vom Spass am Leben
Dieses Kapitel ist lang und deshalb in 3 Teile geteilt.
Ob sie auch schoen sind, die Reichen, wie es oft heisst, ist aus dieser oberflaechlichen Recherche nicht abzuleiten. Fakt aber ist, dass Geld und Reichtum ungleich verteilt sind, und dass dieser Umstand taeglich und in oft provozierender Art und Weise vorgefuehrt wird. Fuer mich ist das hochgradig asozial und ich bringe kein Verstaendnis auf fuer diesen gewaltigen Unterschied zwischen arm und reich in Deutschland und die Weigerung der politischen Parteien, diesen Umstand ueber die Steuergesetze zumindest zu entschaerfen. „Leistung muss sich wieder lohnen“ sagte Guido Westerwelle 2010, und er meinte, dass Arbeitsnehmer mehr Geld bekommen muessten als arbeitslose Hartz IV-Empfaeger. Spaeter wurde der missverstaendliche und provokante FDP-Slogan in „Arbeit muss sich wieder lohnen“ umformuliert. Ich meine, die Arbeit in den unteren und mittleren Einkommensbereichen muss sich – ueber niedrigere Steuersaetze – besser lohnen als bisher; die Steuersaetze fuer hohe und hoechste Einkommen muessen zum Ausgleich angehoben und die Erbschaftssteuer wieder eingefuehrt. Aber wie ich schon weiss: auf mich hoert ja keiner.
Geld und Besitz teilen:
siehe „Teilen und sich mitteilen“
Gemeinwohl:
In verscheidenen Sprachen gibt es das den Begriff „Gemeinwohl“ nicht, in den entsprechenden Laendern ist das, was wir im Deutschen „Gemeinwohl“ nennen, nicht bekannt und wird oft auch nicht praktiziert. Im Unterschied zu vielen Strukturen, in denen sich eine Nachbarschaft, eine Berufsgruppe, eine Glaubensgemeinschaft oder Menschen aus dem gleichen Herkunftsland zusammenfinden, bezieht sich das „Gemeinwohl“ auf ein ueber-individuelle Gemeinwesen. Urspruenglich auf einen staedtischen Raum bezogen, meint Gemeinwohl heute etwas Groesseres: nicht Deutschland als Staat, nicht Potsdam als Stadt, nicht Hessen als Bundesland und nicht die Goethstrasse in Moetzingen als Nachbarschaft. Das Gemeinwohl betrifft ein Gemeinwesen, ein Lebensraum, eine Umwelt, in der ich und allen anderen in einem faieren Miteinander ihre Interessen vertreten und ausbalancieren koennen. Fuer Gemeinwohl zu sorgen, setzt Initiative voraus, Eigenverantwortung, Aufmerksamkeit, Buerger- und Gerechtigkeitssinn und Selbstbewusstsein. Gemeinwohl kann man nicht an staatliche oder kommunale Verwaltungen deligieren, dafuer muss man selbst eintreten und selbst etwas dafuer tun.
Gesundheit:
„Ohne Gesundheit ist alles nichts.“ „Gesundheit ist die Abwesenheit von Krankheit.“ „Gesundheit ist ein wichtiger persönlicher und gesellschaftlicher Wert.“ Es ist nicht einfach zu bestimmen, was Gesundheit, und – die Kehrseite der Medaille – was Krankheit ist. Aber einiges steht fest: welche Einschränkungen mit dem Verlust von Gesundheit verbunden sind, wird uns fueher oder spaeter bewusst gemacht, manchmal erst im Alter, durch eigene Erkrankungen, durch Krankheiten im Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis, durch den eigenen mehr oder weniger bewusst erfahrenen Alterungsprozess.
Auch einige andere Dinge zum Thema „Gesundheit“ gelten als gesichert: Frauen sind meist gesundheitsbewusster als Männer, Wohlhabende gesünder als Arme - der Abstand zwischen diesen beiden Bevoelkerungsgruppen hat in den letzten zwanzig Jahren immer mehr zugenommen. Und: die praeventive Medizin – die Förderung und die Erhaltung von Gesundheit - erfordert einen geringeren finanziellen Aufwand als der Versuch der kurativen Medizin, angegriffene Gesundheit wieder herzustellen. Viele körperliche Faktoren entscheiden mit, ob wir gesund bleiben oder krank werden:
Vererbung: durch genetische Faktoren;
Nahrung: gesunde, frische, vielseitige Nahrung, reich an natuerlichen Vitaminen, Spurenelementen und Mineralien, durch das Verzehren von Obst, Gemüse, Getreide, Milch, Kartoffeln, Hülsenfrüchte etc.;
Bewegung: Gymnastik, Sport, auch Uebungen wie z.B. Yoga, Tai Chi, Chi Gong;
natuerliche Umwelt: Luft, Wasser, Boeden, Licht, Luftdruck, Luftfeuchtigkeit;
zivilisatorische Umwelt: Wärme, Unterkunft, Hygiene, Kleidung, Geborgenheit, Schutz vor Gefahren, Zuwendung, Fürsorge - frei von Aufputsch- und Suchtmitteln;
soziale Beziehungen: gute Beziehungen in Familie, Freundes- und Bekanntenkreis und zu Arbeitskollegen;
Entspannung, Ausgeglichenheit: ausreichend viel Schlaf, Phasen von Entspannung, Ruhe und Erholung, wenig Hetze, wenig Stress; erfuellte Sexualität: freiwillig, partnerschaftlich, befriedigend; Arbeit: keine dauernde Über- oder Unterforderung, gutes Betriebsklima, faire Kollegen, faire Vorgesetzte, faire Bezahlung, faire soziale Leistungen;
Viele seelisch-geistige Faktoren entscheiden mit, ob wir gesund bleiben oder krank werden:
Liebe: Lebenspartner, Kinder, Familie, Mitmenschen lieben und von ihnen geliebt werden, faehig sein zu Ausgleich, Freundlichkeit, Kontaktfähigkeit, sozialer Kompetenz;
Selbstachtung, Selbstvertrauen: Erfolg, Anerkennung, Bestätigung finden, Kritik und Lob konstruktiv nuetzen, Fähigkeit, sich als Individuum gegenueber anderen behaupten und abgrenzen zu können;
Sicherheit: Grundgefühl der Geborgenheit; Sicherheit, bezogen auf Einkommen, Nahrung, Kleidung, Wohnen; Sicherheit der politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen;
Freiheit: Gestaltungsmöglichkeiten für das eigene und das gesellschaftliche Leben, lohnende Ziele, Gedankenfreiheit, Redefreiheit, Freiheit zu veroeffentlichen, Pressefreiheit, freie Orts-, Berufs- und Partnerwahl, Freiheit fuer schöpferische Betätigung (Kreativität); Mobilitaets- und Reisefreiheit; Verbundenheit: mit Partner, Familie und Freunden, mit dem Gemeinwohl; Konfliktfähigkeit und Faehigkeit zur Aussöhnung, Erlebnisse haben und Erfahrungen mit Erinnerungswert machen. Viele materielle Faktoren entscheiden mit, ob wir gesund sind oder krank werden:
ein Leben ohne uebermaechtige Schulden; eine befriedigende Wohnsituation;
ausreichend soziale Sicherheit;
Zugang zu sauberem Trinkwasser;
Zugang zu genügend gesunder Nahrung. (Der Text basiert im Wesentlichen auf einem Eintrag in Wikipedia)
Gott:
„Geld, Glueck, Gott“, sagte jemand, darum drehe sich alles im Leben. Was soll man dazu sagen? Ueber Geld zu schreiben mag ja noch angehen, ueber Glueck zu schreiben wird schon schwieriger. Aber ueber Gott? Ich habe mich seit meiner Kindheit immer in irgendeiner Form mit Gott beschaeftigt, zwischendurch sehr intensiv, nach ihm gesucht, ein Zipfelchen davon erhascht, wieder losgelassen, dann verloren. Ich hab’s aufgegeben.
Gutmensch:
Beim Lesen fiel mir haeufiger ein Begriff auf, den ich bislang nicht kannte: der „Gutmensch“
. Erstaunt stellte ich fest, dass das nicht die abgekürzte Form war für „ein guter Mensch“ oder „ein Mensch, der Gutes im Sinn hat“ oder „ein Mensch, der vorhat, Gutes zu tun oder Gutes tut.“ Nein, der Gutmensch ist eine offenbar nicht ganz ernst zu nehmende Unterart der Gattung Mensch: auffällig und merkwürdig. Seine Leitbilder scheinen Begriffe wie Anteilnahme, Ausgleich, Gerechtigkeit, Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit, Verantwortungsbewusstsein, Treue, Fairness, Loyalität, Unrechtsbewusstsein und Nachgiebigkeit zu sein; vielleicht gehoeren sogar Ansätze von Nächstenliebe dazu. Der Gutmensch ist eher weltfremd, nicht un-, sondern anti-modern, nicht auf der Höhe der Zeit, sozusagen. Alles miteinander Begriffe, die das Ich in einen positiven Zusammenhang mit einem Du
oder sie
bringen. Der Gutmensch wird aber dargestellt als jemand, der nur geringe Erfolgsaussichten in Aufstiegs-, Konsolidierungs- und Überlebenskämpfen in den diversen Berufs-, Freizeit und Konsumwelten und Beziehungskonstrukten hat. Eher bedächtig als smart, eher Romantiker als Realist, ist er eher ein Verlierer als ein Sieger. Auf gut Deutsch: ein „Looser“
.
Da hat sich in der sogenannten Wertewelt anscheinend etwas heftig geaendert. Ich erinnere mich: der Typ Mensch, dessen Handeln beispielgebend für alles Handeln ist, stand frueher mehr im Mittelpunkt – trotz aller Unterlassungen, Übertreibungen, Mängel oder Deformationen. Wie die Karotte vor dem Maul des Esels hing der Kant’sche Imperativ manchmal ganz direkt vor unseren Nasen. Und da hängt er noch heute, mehr denn je, grösser denn je, bedeutsamer denn je – aber anscheinend unerreichbarer denn je. Fuer mich gilt immer noch als das oberste Ziel meines Handeln: tu nur das, was den anderen gut tut. Trotz der offensichtlichen Vergeblichkeit, dieses hoch gesteckte Ziel auch nur annaehernd erreichen zu koennen. Aber dieses Ziel nicht aus den Augen verlieren, mich auch auf Dauer nicht entmutigen lassen, mein Beharrungsvermoegen und Stehvermögen verbessern, mich keinen unqualifizierten Hoffnungen hingeben – da will ich dranbleiben. Und weiterhin Eigenschaften entwickeln und pflegen, wie Anteilnahme, Ausgleich, Gerechtigkeit, Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit, Verantwortungsbewusstsein, Treue, Fairness, Loyalität, Unrechtsbewusstsein und Nachgiebigkeit zu sein, vielleicht sogar Ansätze von Nächstenliebe. Es immer wieder zu probieren – das kann nicht schaden. Denn: Wir können die Welt nicht ändern, ohne uns selbst zu ändern.
Habgier
„Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.“ – Mahatma Gandhi –
Ein Ehepaar aus dem Wuerttembergischen baut mit Fleiss und Umsicht ein Imperium aus Drogeriefilialen auf. Die Geschaeftsidee ist gut, die Kunden kaufen die Ware trotz der aermlich Ausstattung der Laeden und dem kleinen Sortiment, die Profite wachsen zu satten Vermoegen. Dem Ehepaar genuegt dieser Erfolg nicht. Es muessen mehr und noch Filialen und mehr und noch mehr Laendern werden. Die Profite muessen noch mehr gesteigert werden. Das geht nur, wenn man die Mitarbeiter noch mehr ausbeutet: schlechte Einarbeitung, schlechte Loehne, schlechte Sozialleistungen, Misstrauen ueberall, Kontrolle ueberall, moeglichst keine Gewerkschaften, moeglichst keine Mitbestimmung, moeglichst viel Druck auf die/den einzelnen MitarbeiterIn. Gewerkschafter alarmieren, Mitarbeiter alarmieren, ein Gericht verurteilt das Ehepaar wegen nicht bezahlter Tarifloehne zu einer Geldstrafe von 1 Million Euro, und einer Freiheitsstrafe je 10 Monaten auf Bewaehrung. Das Image des Konzerns leidet darunter. Die Kunden solidaren sich mit den Mitarbeitern, gehen auf Abstand, werden weniger, kaufen weniger. Viele wenden sich ganz ab und kaufen bei anderen Drogerie-Discountern. Filialen werden dichtgemacht. Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz. Jetzt hat der Konzern eine sogenannte Plan-Insolvenz angemeldt. Man wird sehen, wozu das fuehrt. Mehr Menschen verlieren ihre Arbeit. Eine Marke ist schwer beschaedigt. Und die Familie aus dem Wuerttembergischen verfuegt noch immer ein Privatvermoegen? Habgier
und Geiz
gehoeren zu den sieben sogenannten Todsuenden.
Hingabe:
Den Begriff Hingabe kennen wir aus dem Relioesen: sich bis zur Ekstase an einen Gott hingeben, sich hingeben als Diener eines Gottes: den Schleier nehmen, ein Geluebde ablegen, auf „irdische Genuesse“ ganz verzichten, Askese leben. Mit dem Begriff Hingabe verbinden wir immer etwas Totales, Hundertprozentiges; Hingabe erfordert Fokussieren, das heisst, ungeteilte Aufmerksamkeit, moeglichst frei von Ablenkungen. Die Ablenkung ist der Gegenpieler die der Hingabe, Versuchung und Verfuehrung sind ihre Feinde. Hingabe funktioniert auch ohne den urspruenglich religioesen Hintergrund. Hingabe hat nichts Wahnhaftes. Etwas mit Hingabe tun, mit ungeteilter Aufmerksamkeit – das macht nicht muede, sondern erfrischt, macht satt und zufrieden. Manchmal fuehrt sie auch zur Ekstase. Das kann beim Arbeiten passieren. beim Sex, beim Lernen, beim Musizieren, beim Putzen oder beim Tanzen. Hingabe schafft den Zugang zu einer anderen Ebene von Lebensqualitaet, und wer sich hin und wieder ganz hingeben kann, hat die Chance, eine volles und reiches Leben zu leben und nicht nur ein kruemelndes Schnittchen davon.
Humor:
Im Flugzeug sitzt ein Mann neben einem kleinen Mädchen. Er wendet sich an das Maedchen und fragt: "Wollen wir uns ein wenig unterhalten? Dann vergeht die Zeit schneller.“ Das kleine Mädchen, das gerade in einem Buch liest, schlaegt das Buch zu und fragt den Fremden: "Über was möchten Sie denn mit mir reden?" "Oh, ich weiss nicht", antwortet der Fremde. "Vielleicht über Atomstrom?"
"OK", sagt das Maedchen. "Das ist ein interessantes Thema. Aber darf ich Sie zuerst etwas fragen?“ „Na klar.“ „Also: ein Pferd, eine Kuh und ein Reh fressen alle gruenes Gras. Aber das Reh scheidet kleine Kügelchen aus, die Kuh Fladen und das Pferd macht Bollen. Warum, denken Sie, ist das so?" Der Mann denkt nach und sagt schliesslich: "Nun, ich habe keine Ahnung." Darauf antwortet das kleine Mädchen: "Fühlen Sie sich wirklich kompetent genug, mit mir über Atomstrom zu reden, wenn Sie nicht einmal über Scheisse Bescheid wissen?"
Soweit der Witz. Ich finde ihn uebrigens gut. Humor ist natuerlich mehr, als Witze zu erzaehlen oder ueber Witze zu lachen. In „Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten“ untersuchte Sigmund Freud Technik und Tendenzen des Witzes und kam zu dem Ergebnis, dass Witze Konflikte entschaerfen helfen und zu Lustgewinn fuehren (siehe „Lachen“).
Humor ist ein eher geheimnisvolles Phoenomen – es gibt bis heute keine Definition dafuer. Und: die meisten wollen Humor haben und die wenigsten haben ihn - sie sind humorlos. Grundsaetzlich scheint Humor nur im Spannungsfeld zwischen dem Individuum und dessen Aussen- oder Umwelt zu existieren. Das fast immer selbstbezogene und selbstverliebte „Ich“ und die Welt da draussen, die staendig dafuer sorgt, dass ich fuer dieses „Ich“ sorgen und mich um es kuemmern muss, sind sich nicht gruen, sozusagen. Eine einfache Methode, diesen immerwaehrenden Konflikt zu loesen, waere ein sich voelliges Abkapseln von der Welt. Das klappt aber weniger leicht, als es sich anhoert. Ein zweiter Weg waere, die Umwelt zu kontrollieren und sie in den Griff zu bekommen. In einem grossen Feldversuch ueber viele Jahrzehnte haben Kommunisten das versucht – schlussendlich wurde nur mehr getrunken als gelacht. Eine dritte Moeglichkeit ist vielleicht die beste: die Welt und ihre Menschen in ihren ganzen Eigen- und Unarten zu akzeptieren und einen Schutz zwischen eben dieser Welt und sich selbst zu errichten: „Humor ist, wenn man trotzdem lacht.“ Das koennte der Schutz sein.
Lachen an sich ist gut und heilsam - kommt in unserem Leben aber nur hin und wieder vor. Humor aber ist eine Qualitaet, die unsere Sicht auf die Welt ausdrueckt und wie wir als Individuen mit den unaufloesbaren Spannungen in unserem Dasein zurechtkommen -jeden Tag, ohne Zynismus, ohne Diskriminierung und ohne Verhoehnung. Denn: traurige Menschen koennen gefaehrlich werden, heitere, humorvolle Menschen bringen Licht ins Dunkel.
Informationsgesellschaft:
Zu diesem Thema ist im Grunde alles gesagt und geschrieben worden. Aus eigener Erfahrung – als jemand, der auf Bali ueber das Internet taeglich drei deutsche online-Zeitungen liest, mails empfaengt und schreibt, den Wechselkurs des Euro verfolgt, beim Verfassen von Texten googelt und Wikipedia intensiv nutzt – bin ich zu einigen Ansichten gekommen:
1. es ist richtiger, „Mediengesellschaft“ anstelle von Informationsgesellschaft zu sagen;
2. intensive Mediennutzung macht suechtig; 3. Medienkonsum fuehrt zur falschen Annahme, Leben in all seinen Facetten sei durchschaubar, erfahrbar und kontrollierbar; 4. alle Medien sind interessengebunden und profitorientiert; 5. es gibt einen Unterschied zwischen oeffentlicher und veroeffentlichter Meinung;
6. Menge und Inhalte der veroeffentlichten Informationen schaffen Desinformation;
7. Informationen dienen oft nur dazu, Werbung zu transportieren; 8. „Facebook ermöglicht es dir, mit den Menschen in deinem Leben in Verbindung zu treten und Inhalte mit diesen zu teilen.“ Frage: Welche Qualitaet haben diese Verbindungen? Vermitteln soziale Netzwerke wie „facebook“
ihren Mitgliedern nicht die Illusion, Teil einer community
(Gemeinschaft) von Freunden zu sein / werden zu koennen? 9. soziale Netzwerke im Internet sammeln Benutzerdaten und entwickeln Nutzerprofile, die an die Werbewirtschaft verkauft werden;
10. soziale Netzwerke im Internet fuehren zum entprivatisierten, manipulierbaren, vereinnahmbaren Typus Mensch; 11. „Wer die Medien kontrolliert, kontrolliert die Menschen“, hiess es einmal. Stimmt nicht mehr: elektronische Medien kann man auf Dauer nicht kontrollieren/zensieren. Elektronische Medien werden einer staatlichen Kontrolle immer einen Schritt voraus sein.
Integritaet:
Jeder von uns hat Werte und Standards – Dinge, die er tut, tun will, auf keinen Fall tut oder tun will. Viele unserer Werte und Standards tragen wir nur wie Fahnen vor uns her und schmuecken uns damit. Moeglichst viele der als wichtig bezeichneten persoenlichen Werte und Standards in den Alltag zu integieren und im Alltag, also jeden Tag, tatsaechlich zu leben - das bezeichne ich als Integritaet.
Koerperuebungen, Bewegung und Sport:
Gesunde Menschen bewegen sich gerne; kranke Menschen koennen durch Koerperuebungen, Bewegung und Sport gesuender werden – eine einfache und einfach nachvollziehbare Formel. Von Aerobic bis Langlauf, von Gymnastik bis Badminton, von Schwimmen bis Schuettel-Meditation, von Radfahren bis Basketball, von Yoga bis Fast Walking – die Moeglichkeiten sind riesig, die Kosten von gering bis teuer, der Zugewinn an Lebensfreude und Selbstwertgefuehl kann gross sein. Verlierer ist in jedem Fall der „innere Schweinehund“, der uns zaeh und einfallsreich immer wieder davon abhaelt, fuer unseren Koerper, fuer unsere Gesundheit, fuer unsere Psyche etwas Gutes zu tun.
Mit jeder Koerperuebung, mit jeder Bewegung und jedem Sport, den wir betreiben, uebernehmen wir das Kommando ueber uns selbst. Und das alleine hilft uns bereits, unsere Gesundheit zu erhalten bzw. wieder gesund zu werden.
Konzentration:
Focusieren, Hingabe, Flow, Konzentration – das sind die Mitglieder eines Teams, das sich gegenseitig unterstuetzt, um gemeinsam ein Ziel zu erreichen. Das Ziel ist, eine Aufgabe in einer angemessenen Zeit bestmoeglich zu loesen. Dabei macht es grundsaetzlich keinen Unterschied, was das fuer eine Aufgabe ist: einen Kuchen backen, neue Vokabeln lernen, ein Projekt planen, mit den Kindern ins Schwimmbad gehen oder einen Dorn zu entfernen, der sich im Fuss unter die Hornhaut geschoben hat. Sich zu konzentrieren macht es notwendig, seine Aufmerksamkeit auf nur eine einzige Sache zu richten, den Blickwinkel zu verengen, Ablenkungen zu beschraenken oder ganz ausschalten.
Konzentration setzt die Bereitschaft voraus, sich tatsaechlich konzentrieren und ein Vorhaben verwirklichen zu wollen, und sie setzt die Erwartung voraus, dass sich durch konzentriertes Handeln ein hoeherer Lustgewinn einstellt.
Kundalini-Meditation:
In Poona lernte ich die „Kundalini Meditation“ kennen: ein starkes Stueck. Bhagwan Shree Rajneesh hat sie angeblich entwickelt, um den meditationswilligen Westlern die Moeglichkeit zu verschaffen, ihre Aussenorientierung erst einmal auszuagieren, ehe sie zu einer „stillen Meditation“ ueberhaupt faehig sind. Keine schlechte Idee, finde ich (siehe auch „Dynamische Meditation“).
Die Kundalini-Meditation ist im Vergleich zur Dynamischen Meditation sanfter. Sie ist ebenfalls aufs Bewegen ausgerichtet, aber eher so, dass sie hilft, aufgestaute koerperliche und emotionale Spannungen zu verringern, also ohne eine kathartische Zuspitzung. Sie ist deshalb eine Meditation fuer den Nachmittag oder den Abend. Das Bild von der Kundalini, der Schlange, die zusammengerollt in unseren Sexzentrum liegt, ist ein Ausdruck fuer die Core-, die Kern-oder Basis-Energie. Die Kraft dieser Schlange soll durch die Kundalini-Meditation erweckt und genutzt werden. Das drueckt sich durch eine hoehere Herzfrequenz und eine staerkeren Durchblutung aus, dann im Verlauf der Meditation durch niedrigere Herzfrequenz und Blutdruck, durch eine aktivere Taetigkeit der Alpha- und Thetawellen im Gehirn, durch hoehere Aufmerksamkeit und eine entspanntere Muskulatur. Die Kundalini-Meditation soll helfen, unsere Aussenorientierung zu verringern und den Weg zu mehr Innenschau (Introspektion) zu finden.
Georg Chaitanya Deuter
(Chaitanya Hari)
hat die Musik zur Kundalini-Meditation komponiert und produziert. Sie gliedert die einstuendige Meditation in vier gleichlange Phasen: Schuetteln – Tanzen – Meditation – Stille. Die Musik ist auf CD erhaeltlich.
Lachen:
“Dir wird das Lachen schon noch vergehen“, habe ich als Kind und Heranwachsender immer wieder zu hoeren bekommen. Das war Drohung und Warnung in einem. Wo doch das Leben eine so komplizierte und ernste Angelegenheit ist! Gerade deshalb waere eigentlich mehr Lachen angesagt. Hier auf Bali erlebe ich das genaue Gegenteil: wie Kindern suchen und finden erwachsene Balinesen staendig Anlaesse zum Lachen. Oft unterbrechen sie das, was sie gerade tun und lachen ueber sich selbst, ueber eine merkwuerdige Geschichte oder eine in ihren Augen komische Begebenheit. Und wie die Kinder wehren sie lachend ab, entlasten sich und sind deutlich schadenfroh, wenn jemand ein Missgeschick oder ein kleiner Unfall passiert ist. Kein Teller zerdeppert am Boden, ohne dass darueber gelacht wird - dieses Lachen soll verharmlosend wirken und die Spannung abbauen helfen. Und ich? Ich „ernsthafter“ Deutscher noergle in mich hinein: „Was die schon wieder zu lachen haben.“
Dabei muesste ich eigentlich wissen, dass Lachen tatsaechlich gesund ist, dass es eine natuerliche menschliche Reaktion auf alle moegliche komische Situationen ist, dass es entlastet, Spannungen und Aengste abbaut und moeglichen Konflikten die scharfe Spitze nimmt. Wie schade, dass sich die Ankuendigung “Dir wird das Lachen schon noch vergehen“, in unserem Leben so oft erfuellt. Dabei hat das Lachen eine ausserordentlich positive Wirkung auf unseren Organismus (wenn man einmal vom beruechtigten Lachkrampf absieht): unsere Herzfunktion und unsere Kreislauf werden angeregt, der Blutdruck erhoeht sich ebenso wie der Sauerstoffgehalt im Blut, das Innere des Unterbauchs kommt heftig in Bewegung – so sehr, dass die „Wenig-Lacher“ unter uns vom Lachen einen Muskelkater bekommen koennen. Die Lungen werden gestaerkt, Cholesterin verbrannt, das Immunsystem wird gestaerkt, Stresshormone nehmen ab, die Verdaung wird angeregt. Und nach dem Lachen entspannt sich der Organismus und die Herzfrequenz und der Blutdruck werden wieder normal. Das klingt wie ein ganzes Buendel fein aufeinander abgestimmte Massnahmen, um uns gesund so erhalten und unser Wohlbefinden zu steigern. Und das ist es auch. Und das Schoenste zum Schluss: herzliches Lachen passiert vor allem in Gesellschaft mit anderen Menschen, laesst ein Gemeinschaftsgefuehl entstehen und verstaerken. Also werden wir ab sofort keine Gelegenheit mehr auslassen, um das Erheiternde einer Situation zu erfassen und dann mit anderen darueber von Herzen lachen – bis uns, ja, bis uns die (Gluecks)Traenen kommen.
Massenkultur und Individualitaet:
Koennen wir uns den Alltag und das Lebensgefuehl der Menschen vorstellen, als die gesamte Weltbevoelkerung nicht mehr als drei Millionen Menschen ausmachte? Das war vor etwa 25.000 Jahren. Nein, das koennen wir wahrscheinlich nicht. Und was passierte dann? Weiler - Dorf - Kleinstadt - mittelgrosse Stadt - Grossstadt - Staedtekonglomerat - Megapolis - die Tendenz ist klar: die meisten unserer Vorfahren lebten auf dem „flachen Land“, aus dem die vergleichsweise wenigen groesseren Staedte wie Tuerme herausragten. Heute lebt der groessere Teil der Menschheit in Staedten - die Aussicht auf bessere Verdienstmoeglichkeiten, eine bessere Grundversorgung, auf Kultur und Unterhaltung hat zu einer Verstaedterung der Weltbevoelkerung gefuehrt.
Eine Weltbevoelkerung von einer Milliarde Menschen zaehlte man 1804 – es dauerte also etwa 27.000 Jahre, bis die sich die Zahl von drei Millionen auf eine Milliarde erhoehte. Von da an begann ein rasantes Wachsen der globalen Bevoelkerung. Trotz Hungersnoete, Naturkatastrophen, Kriege oder Epedemien nahm ihre Zahl auf sieben Millarden im Jahr 2011 zu, acht Milliarden sollen es 2025 sein und 9,2 bis 10 Milliarden bis 2050. Fuer nicht wenige Beobachter ist damit der Zustand der Ueberbevoelkerung bereits eingetreten. Was auf jeden Fall bereits auf den Weg gebracht ist, ist die strukturelle Veraenderung des Menschen vom einem in ueberschaubaren Strukturen lebenden Individuum hin zum Massenmenschen, der in mehr und mehr undurchsichtigen Strukturen lebt und zugerichtet ist auf Massenproduktion und Massenmarkt und Massenkonsum in einer Massenkultur.
Ironischerweise versucht der moderne Massenmensch durch massenhaften Konsum von Massenprodukten aus dem Massenmarkt innerhalb der Massengesellschaft zu seiner Individualitaet zurueckzufinden. Globale Strategien in der Produktentwicklung und der Informations-, Medien-, Marketing- und Werbeindustrie bereiten ohne Unterbrechung Schein-Entscheidungen vor, mit deren Hilfe sich der moderne Mensch sein scheinbar individuelles Selbstbild zusammensetzen kann. Ist es laecherlich oder traurig, wenn Milliarden Menschen ueberzeugt vor sich hinsingen: „I do it my Way.“? Welch ein Selbstbetrug. Jenseits der globalen Probleme von Ernaehrung, Trinkwasser, Energie, Bodenschaetze, Gesundheit oder bezahlter Arbeit, stellt sich die Frage, in wieweit Menschen den negativen Auswirkungen ihrer Vermassung in all ihren Lebensbereichen etwas entgegensetzen koennen, wollen oder sollen. Ich fand inzwischen heraus, dass es eine Menge von Taetigkeiten gibt, die eine tatsaechliche Individualisierung erlauben. Interessanterweise sind sie alle in den Bereichen Selbstversorgung oder Tun-um-des-Tuns-wegen (l’art pour l’art) angesiedelt. Sie fuehren uns in die Zeit vor der industriellen Revolution zurueck und haben haben mehrheitlich mit Handarbeit zu tun - ohne die Verwendung aufwendiger Maschinen aus den Baumaerkten und ohne vorfabrizierte Produkte aus den Hobbyabteilungen von Einkaufszentren. Diese Taetigkeiten spekulieren nicht auf einen Kaeufermarkt oder haben das Ziel, beruehmt zu werden. Sie sind bescheiden und halten sich im Hintergrund. Sie benoetigen Geschick, Hingabe, Konzentration, Geduld und erlauben uns, unsere Faehigkeiten zu erkennen, sie auszuloten und auf die Probe zu stellen und zu trainieren. Unsere Sinne, unser Verstand und unsere Gefuehle werden gefordert und damit wir als Ganzes - als ganzheitliche Menschen. Das kann ein gutes - und nicht teures -Gegengewicht zur Entpersoenlichung sein und zum Verlust an Individualitaet. Unsere Art zu wirtschaften und unser Gesellschaftssystem und die damit verbundenen Arbeits- und Lebensbedingungen koennen wir kaum aendern – unsere innere Einstellung dazu aber schon, und vor allem das, womit wir unsere freie Zeit verbringen.
Hier eine ganz bestimmt unvollstaendige Liste von Taetigkeiten, die zu einer echten
Individualisierung zurueckfuehren koennen: - Kleidung und Textilien fuer den Haushalt selbst entwerfen und schneidern;
- nach der Natur zeichnen und malen oder Gedanken und Erinnerungen bildnerisch festhalten;
- Gedanken und Gefuehle in Gedichten ausdruecken; - im Vorgarten, auf dem Balkon oder den Fensterbrettern Kraeuter, Gemuese und Blumen ziehen;
- Gegenstaende des taeglichen Bedarfs schreinern; - mit biologischen Lebensmitteln neue Gerichte ausprobieren; Rezepte erfinden und aufschreiben;
- praktische Gegenstaende toepfern (in Aufbautechnik oder mit Hilfe einer Toepferscheibe);
- Holzschnitzen oder Bildhauern (in Stein oder Holz); - aus gesunden Zutaten Brot, Broetchen, Kuchen und suesse Teilchen backen;
- Obstsaefte und Marmeladen einkochen; - an einem Tagebuch, an Reiseberichten, der Familiengeschichte, einem Roman, Erzaehlungen,
Kinderbuechern oder Kurzgeschichten schreiben. Wem diese Aufstellung zu albern oder hausfrauenmaessig erscheint – wie das Bemalen einer Seidenkrawatte fuer Ottos Geburtstag –, hat noch nie versucht, ein ultmitives Gewuerzregal selbst zu entwerfen und zu bauen. Er kann sich aber auch einen schrottreifen Oldtimer kaufen und diesen im Lauf der Zeit auf Hochglanz bringen. Die Ambition, der Ernst und die Hingabe machen den Unterschied aus zwischen Zeit totschlagen und echter Kreativitaet und individueller Selbstverwirklichung.
Meditation:
Es gibt viele verschiedene Arten von Meditation. Es hängt davon ab, was man mit Meditation beziehungsweise einer Meditations-Praxis erreichen will.
Sich einfach versenken, über etwas konzentriert, in Ruhe und unabgelenkt nachdenken? Das würde man eher als Kontemplation bezeichnen.
Das Bewusstsein erweiternde Drogen einnehmen? Hier werden die Ränder zwischen Rausch, Flucht und Meditation schnell unscharf. Drogenkonsum kann Meditation und eine spirituelle Haltung nicht ersetzen.
Yoga kann im Spirituellen wurzeln und deshalb Meditation sein; Yoga kann aber auch einfach Übung zur Erhaltung der körperlichen Beweglichkeit sein.
Autogenes Training ermöglicht Entspannung, stellt aber keine Meditationsform dar.
Geh- und Tanzmeditationen, Mantra- und Musikmeditationen, Tantra, Aktive-, Martial Art- und Arbeits-Meditationen - das sind Meditationspraktiken, die zum Teil sehr alt sind und in denen die Sinne, Bewegungen und körperliche Betätigung als Mittel zum Erreichen meditativer Zustände genutzt werden. Dabei werden auch Atem- und Energietechniken, Trance und Ekstase im Sinn von Meditation angewandt. Osho (Bhagwan Shree Rajneesh) zum Beispiel, entwickelte für zappelige Westler die Kundalini-Meditation, die Dynamische Meditation, die Nataraj- und die Nadabrahma-Meditation - das sind Meditationsformen, die helfen sollen, seelische und körperliche Spannungen abzubauen, um die eigentliche, die stille Meditationsphase vorzubereiten.
Stille und ruhige Meditationen werden grundsätzlich als spirituelle und religiöse Praxis verstanden. Zen, Zazen, Rosenkranz oder die Tafeln von Chartres sind stille Meditationen. Dabei versucht man, die Gedankenfabrik im Kopf weniger zu nähren, sie in ihrer Aktivitaet zu verlangsamen und - Ziel der Meditation - ganz abzuschalten. Um Momente zu erleben, die frei von Gedanken und Denken sind und eine innere Leere oder Stille bedeuten. Man kann Achtsamkeit, Konzentration, Versenkung, Selbstbeherrschung, Ruhe, Glück - alles durchaus meditative Zustände - durch Übungen erreichen, die helfen, das Denken einzuschraenken und dem Denken die dominierende Kraft zu nehmen.
Ziel von Meditation ist die Erleuchtung. Erleuchtung wird beschrieben als das Eins-Sein mit dem Ganzen. Das Ganze kann gleichgesetzt werden mit dem Eins-Sein mit der Natur. Mit dem Eins-Sein mit der Schöpfung. Mit dem Eins-Sein mit Gott. Aber nicht auf der Grundlage religiöser Dogmatik, sondern als spirituell-religiöse Selbsterfahrung.
Muellvermeidung:
Deutsche Haushalte, egal ob Singels oder Familien, sind offenbar Weltmeister in der Muelltrennung. Das weltweite etablierte System sich selbst verkaufender Waren – das SB-Warenhaus (SB fuer Selbstbedienung) – braucht bunt bedruckte Verpackungen, die gleichzeitig ueber die eingeschlossene Ware informieren und fuer sie werben. Verkaufspersonal wird ausserdem eingespart. Frische- und klimaschuetzende buntbedruckte Packungen fuer Snacks und vorgefertigte Lebensmittel ermoeglichen es den Herstellern, ihre Produkte ueberall zu vetreiben. Gut fuer die Produzenten und den Handel, und gut fuer die Verpackungsindustrie. Nicht so gut fuer die Umwelt. Die kostenlose Muelltrennung in deutschen Haushalten schont Produzenten, Handel und Verpackungsindustrie.
Wir spielen das Spiel mit, obwohl jeder von uns weiss, dass nur in der Muellvermeidung die Loesung der Probleme liegen kann, die die Beseitigung unseres Wohlstandsmuells mit sich bringen.
Multitasking:
Die Ausbeutung verwertbarer menschlicher Arbeitskraft ist so alt, wie es Arbeitsverhaeltnisse gibt. Das Entstehen von Reichtum durch die Ausbeutung von Sklaven, auch das ist uns bekannt. Ebenso, wie die Schoepfung von Mehrwert durch die Ausbeutung von Arbeitnehmern. Dabei bedient sich „die Wirtschaft“ heute subtilerer Methoden als frueher. Ein neues Modell von Ausbeutung und Selbstausbeutung ist das Multitasking. Multitasking bezieht sich urspruenglich auf Mediennutzer, die Informationen von mehreren unterschiedlichen Quellen nutzen – „Urbandictionary.com“
beschreibt das so: „Ein Multitasker ist jemand, der seinem iPod lauscht, die Zeitung liest und das Telefon beantwortet, waehrend er auf dem Klo sitzt.“ Weiter fortgefuehrt geht das dann in etwa so: „Du kannst/musst mit mehr als einem oder zwei Baellen jonglieren!“ „Du kannst/musst auf mehr als einem Spielfeld spielen!“ „Du kannst/musst mehr als eine Aufgabe zur gleichen Zeit loesen“ „Sie muessen in der Lagen sein, sieben verschiedene Projekte gleichzeitig zu betreuen!“ Die Leistungsgesellschaft verlangt 1.) von jedem Mitarbeiter noch mehr zu leisten, damit 2.) die Zahl der Mitarbeiter verringert und der Kostenfaktor Arbeit gesenkt werden kann, um 3.) die Unternehmens-, die nationale und die internationale Wettbewerbsfaehigkeit gesteigert oder zumindest aufrechterhalten werden kann. Dass ein solches System auf die Dauer krank macht, ist leicht zu durchschauen. Aber die Krankheitskosten werden auf alle Versichterten und alle Steuerzahler ueberwaelzt. Am System von Ausbeutung durch Ueberforderung aendert sich nichts.
Mut:
„Ich bin voller Selbstvertrauen. Ich bin mutig. Ich habe keine Angst. Ich bin stark, unabhaengig von den Umstaenden.“
Diese vier Kraftsaetze habe ich auf einem kleinen Kaertchen stehen, das mit Fuehrerschein, Visa-Card und einer Patientenkarte in meinem Portemonnaie steckt. Nicht, dass ich behaupte, dass meine Eigenschaften und meine Lebensfuehrung diesen vier Aussagen bereits entspraechen: in Wirklichkeit sind das Ziele, die ich im Leben erreichen moechte: Vertrauen, Mut, Angstfreiheit, Staerke. Manchmal verfuege ich mehr darueber, manchmal weniger, machmal mache ich mir vor Angst fast in die Hosen, manchmal platze ich fast vor Selbstvertrauen.
Immer aber weiss ich, dass fuer mich der Mut im Mittelpunkt steht: der Mut, einen Fehler einzugestehen; der Mut, die Wahrheit zu sagen; der Mut, mich nach einer Niederlage wieder aufzurappeln und weiterzumachen; der Mut, „Nein“ zu sagen; der Mut zum Ungehorsam; der Mut, zu konfrontieren und Widerstand zu leisten; der Mut zur Zivilcourage.
Denn: Wenn man genau hinschaut, reduziert sich das Leben oft eine Mutfrage.
Und wenn ich eines Tages mutig bin ohne hysterisch zu werden, ohne zu uebertreiben und ohne jemand zu beleidigen – ja, dann weiss ich, dass das Kaertchen mit den vier Kraftsaetzen nur noch einen Erinnerungswert hat.
Panta Rhei – alles fliesst:
Diese Feststellung, die Heraklit zugeschrieben wird (um 550 bis 480 vuZ.), wuchs sich ueber zweieinhalb Jahrtausende zu einer der grossen innerhalb der Sammlungen von Weisheiten und Kalenderspruechen aus - ein populaer-philosophischer Bestseller, die ultimative Feststellung zum Thema „ewiges Werden und Vergehen“. Und was da alles fliesst, wenn alles fliesst! Und doch ist es so schwer, dieses „alles fliesst“, „alles ist in Bewegung“, „alles veraendert sich ununterbrochen“, wirklich zu begreifen und ins eigene Leben zu integrieren. Die Erkenntnisse aus der Teilchenphysik lassen uns moderne und aufgeklaerte Menschen wissen, dass nicht einmal die Tischplatte aus massivem Hartholz ein wirklich fester Koerper ist, sondern die Summe von Teilchen – staendig in Bewegung, auf und ab, hin und her. Wie fatal und wie schwer zu begreifen. Mir ist ganz uebel geworden, als Fritjof Capra in einem Workshop erklaerte, dass es sich genau so verhaelt. Mir schwankte der Boden unter den Fuessen. Denn da ging es ploetzlich nicht mehr um Teilchen-Physik, von der ich ohnehin nur ein Teilchen verstand, sondern um einen wichtigen Aspekt meines Lebenskonzeptes, naemlich um mein geradezu zwanghaftes Beduerfnis, alles und jedes kontrollieren zu wollen. Auf einmal kam alles ins Fliessen - da standen sich ohne Vorwarnung das Fliessen, das Fliessenlassen und das Kontrollieren, das Kontrollierenmuessen als fundamentale Gegebenheiten des Lebens unversoehnlich gegenueber. Verbunden mit der Aufforderung, mit dem Leben mitzufliessen. Diesen Konflikt habe ich bis heute nicht geloest - trotz der einfacheren Lebensumstaende auf der Insel Bali. Ich erwaehne Bali deshalb, weil sich, auf viele Bereiche bezogen, fast taeglich Vergleiche zwischen Ost und West, zwischen Indonesien und Deutschland, anstellen lassen und wie sich die Unterschiede im Denken und Handeln auswirken. Bei einem von Kindesbeinen an „zwangsbewirtschafteten“ Menschen aus Deutschland – Saeugling, Kleinkind, Schueler, Lehrling, Berufstaetiger, Widerpart von Vorschriften und Verwaltungserlassen, Oponent gegen Behoerden, Polizei, Steuerpruefern, Radio- und Fernsehgebuehr-Eintreibern usw. - kommt mancher Fluss ins Stocken. Die Hindernisse, Daemme und Reglementierungen auf Bali/Indonesien hingegen sind weniger zahlreich und werden weniger effizient kontrolliert. Da hat es das Fliessen noch etwas leichter.
Plan B:
Der beruehmte Plan B.: Halten Sie nach Moeglichkeit immer eine gut durchdachte und finanziell abgesicherte Alternative bereit – egal fuer welche Lebenssituation. Das macht Sie unabhaengiger und freier.
Rechthaben:
Um des Kaisers Bart zu streiten
bedeutet, sich um Dinge zu streiten, die des Streitens nicht wert sind, oder die sich vielleicht auch gar nicht entscheiden lassen. Die Redensart kommt von dem Streit, der um Friedrich I., Barbarossa und dessen Bart gefuehrt wurde. „Von des Kaisers Bart“
heisst ein Gedicht von Emanuel Geibel zum Thema. Am Schluß heißt es da: „Zankt, wenn ihr sitzt beim Weine, nicht um des Kaisers Bart!“
Waehrend seiner Aufzucht verweilt ein Mensch extrem lange bei Mutter, Vater und anderen erwachsenen Bezugspersonen. Vom ersten Tag an erlebt der neugeborene Mensch die Ueberlegenheit der Erwachsenen. Er erlebt, dass Erwachsene immer Recht haben; er erlebt, dass Autoritaeten immer Recht haben. Gegen diese rechthaberische Erwachsenenwelt gerichtete Bestrebungen verpuffen, weil sie sich innerhalb der Grenzen des bereits ausgeformten Systems von Ueberlegen- und Unterlegenheit, von Macht und Ohnmacht, von Recht- und Unrechthaben bewegen. Die Geschichte beweisst, dass Revolutionen nur Konterrevolutionen fuehrten, zu mehr nicht.
Der Wunsch, sich dem ewigen Rechthaben der Erzieher aus den Tagen von Kindheit und Jugend wenigstens im Erwachsenenleben erfolgreich zu widersetzen und sich sogar dafuer zu raechen, ist oft die Ursache fuer ausgesprochen aggressive oder sogar kriegerische (Ersatz)Handlungen, bei Normalbuergern oft der Weg ueber die Nachbarschaftsklage vor Gericht. Nach der Devise: wenigstens ein Mal Recht bekommen.
Es heisst, dass der Zwang zum Rechthaben in unterschiedlichen Laendern unterschiedlich ausgepraegt ist. In Deutschland, heisst es, sei dieser Zwang besonders stark.
Reisen:
Einmal im Jahr sollte man an einen Ort gehen, an dem man vorher noch nie war, sagte der Dalai Lama XIV. Ist das schon Reisen? Ja, denn mit offenen Sinnen und neugierig an einen fremden Ort gehen, kann eine groessere Reise sein, als mit Vorurteilen beladen und gelangweilt eine Fernreise nach Asien oder Suedamerika zu unternehmen. Andere Menschen und deren Lebenswirklichkeit erleben, andere Sprachen, Religionen und Braeuche kennenlernen, hilft unter anderem den Gedanken staerken, dass wir Menschen uns in unseren Wuenschen und Beduerfnissen viel aehnlicher sind, als wir das im Alltag wahrhaben und akzeptieren wollen. Auch zwei anderer Gedanken werden bestaetigt: es eine Welt
ist, die wir gemeinsam beleben und bewohnen; wir tragen gemeinsam
die Verantwortung, diesen Lebensraum zu schuetzen und langfristig zu bewahren. Wenn wir uns auf Reisen solchen Gedanken gestatten, erleben wir, dass Reisen tatsaechlich den Horizont erweitert.
Schuettel-Meditationen:
Das Schuetteln ist eine traditionelle Form bioenergetischer Arbeit. Es braucht nicht viel dazu, das Schuetteln zu praktizieren: ein „geschuetzter“ Raum wie bei den meisten Meditationen, leichte Kleidung, ein CD-Player, eine CD mit rhythmischer Musik. Es geht auch ohne Musik, aber die Musik stimmuliert und man beginnt, sich im Rhythmus der Musik zu schuetteln,
nicht zu tanzen: Unterbeine, Knie, Oberschenkel, Becken, Oberkoerper, Arme, Nacken, Kopf – alles wird kraeftig durchgeschuettelt. Es ist gut, dem Koerper das Schuetteln selbst zu ueberlassen: die Bewegungen, das Tempo, die Intensitaet. Je weniger der Verstand den Koerper kontrolliert, desto besser. Waehrend des Schuettelns sollen sich - wie bei anderen bioenergetischen Uebungen auch - koerperlich verfestigte seelische Blockaden geloest werden. Blockaden, die sich in unserem Koerper als laehmend festgesetzt haben. Das Schuetteln soll helfen, diese Energieblockaden aufzuloesen und einen meditativen, von Gedanken freien Raum entstehen zu lassen. Einen Raum, in den dann wieder der teilweise unterbrochene Strom aus sich selbst schoepfender „Lebensenergie“ einfliessen kann. In einem solchen Zustand kann es gelingen, zu seinem „inneren Selbst“ in Kontakt zu kommen: zur Summe aus Angst, Wut, Verzweiflung, Schwaeche, Resignation - aber auch Staerke, Optimismus, Lebensfreude, Lust. Das ganze Spektrum unserer Gefuehlswelt kann sich entfalten. Schuetteln mit vollem Bauch ist nicht zu empfehlen, also vor einer Mahlzeit schuetteln - am besten vor dem Fruehstueck oder vor dem Abendessen. 20 bis 30 Minuten am Tag – sechs bis siebenmal in der Woche helfen, einen auf laengere Sicht angelegten Prozess in Gang zu setzen und am Laufen zu halten..
Selbstoptimierer:
Auf den deutschen Schriftsteller Dr. Gustav Grossmann ist es zurueckzufuehren, dass heute Dinge wie »Chronoplan«, »Time/System« oder »Filofax« als Planungsinstrumente im Handel sind. Grossmanns »Planmäßiges Handeln« ist der Ursprung aller heute gaengigen Theorien und Methoden vom effizienten Umgang mit sich selbst.
„Erst das Ziel erarbeiten, - dann die Mittel zum Ziel - durch den klug und sorgfältig durchdachten Plan, - der jede Teil-Aufgabe durchführungsreif macht und - das exakte Durchführen des Wieplans mit Hilfe des Glückstagebuchs«, so steht es bei Grossmann. Beabsichtigt ist, alle Kraefte zu mobiliseren und zu buendeln: fuer eine bessere Arbeitsfaehigkeit, mehr Erfolg im Beruf, hoeheres Einkommen, mehr Lebensglueck. Eine systematische, auf ein jedes, wirklich jedes Detail, bezogene Unterteilung aller Taetigkeiten sollten – gewissermassen buchhalterisch – erst erfasst und dann abgearbeitet werden, bis sie mit einem „Erledigungsvermerk“ zuende gebracht waren.
Aufbauend auf Grossmanns Erkenntnissen und den praktischen Erfahrungen mit sich selbst und seinen zahlreichen – mitunter auch prominenten – Schuelern, entstand eine Industrie des Selbstoptimierens. Unsere Wettbewerbs- und Ellenbogengesellschaft, das Rennen um die besten Jobs und die Hoffnung, durch und aus sich selbst heraus ein besserer, gluecklicher und selbstverstaendlicher wohlhabenderer Mensch werden zu koennen, hat das Selbstoptimieren zu einem integrierten Teil unserer Arbeitswelt werden lassen. Auch ueber den Bereichen Partnerschaft, Freizeit, Sport oder Gesundheit steht nicht das Credo, „Du musst
dich aendern“, sondern: „Du kannst
dich aendern.“
Sex im Alter:
Mein Lieblingsthema. Als ich zweiundzwanzig war und von vorehelichem Sex nicht genug kriegen konnte, noetigte uns unser Chef und Meister gewissermassen Einblicke in sein Sexualleben auf. Er war zwanzig Jahre aelter als ich, also 40. Ich war schockiert: wie kann ein so alter Mensch noch Sex haben? Heute bin ich achtundsechzig, mein frueherer Chef lebt nicht nicht mehr, und was soll ich sagen zum Thema „Sex im Alter“? Es macht noch immer Spass! Obwohl es doch im Grunde immer das Gleiche ist. Oder vielleicht doch nicht? Was im zunehmenden Alter weggefallen ist, ist die Gier, die Geilheit, das Draengende, die Selbstsucht. An Stelle dessen trat mehr und mehr der Wunsch nach Naehe, nach Zaertlichkeit und nach einem tatsaechlichen Miteinander. Von mir aus kann das noch viele Jahre so weitergehen. „Sexuelle Energie ist Lebensenergie und Lebensenergie ist sexuelle Energie“, habe ich frueher immer und ueberall hinausposaunt. Und stelle heute zufrieden fest: so ganz Unrecht hatte ich damit nicht. Wie bei jeder guten Sache spielen Hingabe, Erfahrung, Geduld und Gelassenheit eine wesentliche Rolle. Aber gerade ueber diese Eigenschaften sollte man im Alter mehr verfuegen als in jungen Jahren.
Standards:
Wie oft sehe ich Balitouristen bald nach ihrer Ankunft nach Luft schnappen: der Verkehr, die Mopeds, der Muell, der Laerm, die Unordnung, die Luft, die Schwindler, die Luftfeuchtigkeit, die Strassen, der Bauboom. Und: die Freundlichkeit, die Heiterkeit, die Bescheidenheit, das Lachen, das Plaudern, die Musik, die Taenze, die Waerme, die Preiswuerdigkeit, die Geschaefte, die Tempel, die Feste, die Kinder ...
Dass es zu oft unterschiedlichen Betrachtungsweise und Wertungen kommt, hat direkt mit unseren Standards zu tun - die wir wie in einem Rucksack mit uns schleppen, wohin wir auch gehen. Diese Standards sind hilfreich und ermoeglichen uns schnelle Orientierungen und schnelle Entscheidungen, manchmal aber sind sie nur Last. Auf jeden Fall hindern sie uns oft daran, offen und ganz ohne Vorurteile auf das zu schauen, was tatsaechlich da ist.
Teilen und sich mitteilen:
1999 fuhr ich nach Mailand und besichtigte das eben fertig restaurierte „Letzte Abendmahl“ von Leonardo da Vinci. Selbstverstaendlich war ich beeindruckt. Neben vielen anderen, ueber Jahrhunderte hinweg beschriebenen Details und Besonderheiten des weltberuehmten Wandbildes, finde ich es wert, die uns allen bekannte Grundsituation in den Mittelpunkt der Betrachtung zu ruecken:
Jesus teilt, und er teilt sich mit. Mit Maennern, die nach ihrer Bedeutung und Bestimmung weit unter ihm stehen, sitzt er an einem Tisch, nimmt ein Brot, bricht es, also zerteilt und verteilt es, teilt mit ihnen den Wein aus einem Becher. Und er teilt mit ihnen das Wissen um seine, und damit auch um ihre Zukunft. Das Teilen, das Brotbrechen und Weintrinken, das Brot und der Wein als Symbole fuer den Leib und das Blut Jesu, wird zur Erinnerung in allen christlichen Glaubensgemeinschaften als „Abendmahl“, als „Eucharistie“ rituell wiederholt. Das Teilen und sich Mitteilen als Einheit, als eine in sich geschlossene Handlung, halte ich fuer den Kern der Botschaft, die von den Autoren der Bibel auf uns gekommen ist. Eine eindeutige Botschaft und ein kraeftiger Appell.
Traegheit:
Kurz und buendig: geistige und koerperlich Traegheit fuehren zu einem frueheren Tod – geistige und koerperliche Beweglichkeit halten laenger jung.
Ueberprogrammieren:
Wir lassen uns oft von Aengsten beherrschen: die Angst vor dem Alleinesein, vor sozialem Abstieg, vor Krankheiten, Langeweile, vor Uebergewicht, Mittelmaessigkeit und so weiter. Und anstatt mit Vernunft und Gelassenheit auf diese Aengste zu reagieren und zu versuchen, ihren moeglichen Ursachen auf den Grund zu gehen, beschreiten wir oft den genau umgekehrten Weg: den Weg der Vermeidung. Dazu stellen wir Programme auf, die uns helfen sollen, ueber die Ursachen hinweg die laestigen oder schmerzhaften Symptome aus der Welt zu schaffen. Wir trainieren uns zu Meistern im Erstellen von Tages-, Wochen-, Monats-, Jahres-, Fuenfjahres-und Lebensplaenen und wundern uns zwischendurch, dass wir gehetzt und unzufrieden sind. Dabei sind wir schlichtweg ueberprogrammiert und finden keine Moeglichkeit mehr zu Entspannung, Muse und Gelassenheit.
Programme haben ihren Sinn, und etwas gegen die laehmende Langeweile zu unternehmen macht auch Sinn. Ein Zuviel davon aber ist kontraproduktiv und den bereits vorhandenen Aengsten wird eine weitere hinzugefuegt: die Angst, die selbstgesetzten Programmpunkte nicht erfuellen zu koennen. Das gilt auch fuer Eltern, die – in bester Absicht – ihre Kinder zu Hoechstleistungen foerdern moechten, im Sport, in der Musik, in Sprachen und in naturwissenschaftlichen Faechern. Vielleicht waeren weniger Programm und mehr Kind, weniger Arbeits- und mehr Liebesbeziehung foerdernder?
Uebung und Einuebung:
In „Du musst dein Leben ändern“ beschreibt Peter Sloterdijk den Menschen als Übenden, als sich durch Übungen selbst erzeugendes Wesen. Die Aktivitäten des Menschen wirken unablässig auf ihn zurück: die Arbeit auf den Arbeiter, die Kommunikation auf den Kommunizierenden, die Gefühle auf den Fühlenden. „Du musst dein Leben ändern“ ist eine unterhaltsame und erhellende Beschreibung von Übungen, die erforderlich sind, ein Mensch zu werden und zu sein.
Urvertrauen:
Urvertrauen ist Gefuehl und Wissen um die Lebenswirklichkeit, dass man „dazugehoert“ - zu einer Person (nah verwandt) oder zu mehreren Personen (Familie, Ersatzfamilie, Gruppe). Urvertrauen, das Gefuehl des Dazugehoerens, sind etwas Selbstverstaendliches; es muss nicht erworben werden und es bleiben zeitlebens vorhanden. Urvertrauen bildet sich in den ersten Tagen und Wochen nach der Geburt aus, vielleicht wird es bereits waehrend der Schwangerschaft angelegt. Urvertrauen ist die Voraussetzung fuer ein gelingendes, zufriedenes Leben. Hat sich ein Urvertrauen nicht gebildet, leidet der Betroffene ein Leben lang unter diesem Defizit. Anstelle der Selbstverstaendlichkeit des Dazugehoerens tritt der Zwang, das Dazugehoeren erwerben zu muessen. Ein Mensch ohne Urvertrauen hat kein Vertrauen zu sich selbst und zu seinen Mitmenschen. Er wird immer wieder Situationen schaffen, die dieses Misstrauen rechtfertigen – er wird zum Erbauer und Zerstoerer von Beziehungen (Freundschaften, Paarbeziehungen, Ehen).
Weil er von jeder Beziehung die Aufloesung seines Mangels an Urvertrauen erwartet, also die Rettung seiner selbst, instrumentalisiert er jede Beziehung und bringt sie deshalb zum Scheitern. Er ueberfordert sein Gegenueber und ist enttaeuscht, dass er nicht bekommt, was er sich wuenscht. Menschen ohne Urvertrauen muessen sich immer wieder neu beweisen. Sie sind fleissig, leistungsfixiert, haeufig zielorientiert, dominant. Sie neigen zu Ueberheblichkeit, Rechthaberei, Besserwisserei. Sie stecken sich hohe Ziele, erreichen diese manchmal auch, koennen aber den Erfolg nicht geniessen. Es faellt ihnen schwer, sich endgueltig auf eine Beziehung oder auf eine Sache einzulassen. Menschen ohne Urvertrauen sammeln gerne – Gegenstaende, Menschen, Aufenthaltsorte.
Vegetarische Ernaehrung:
„Vegetarier sind gesünder. Vegetarier weisen günstigere Blutdruck-und Cholesterinwerte auf, haben weniger Gewichtsprobleme und sind weniger infektionsanfällig. Ihre Harnsäurewerte liegen niedriger. Unter den Vegetariern gibt es wenig Gicht-Patienten und sehr selten Diabetiker. Das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall ist geringer. Es gibt weniger Gallenstein-Patienten. Auch das Risiko für Brust-und Dickdarmkrebs ist weitaus geringer. Und mancher, der zum Vegetarier wurde, hat binnen zwei bis drei Jahren seine Pollenallergie besiegt.
Bei Vegetariern liessen sich im Schnitt mehr Antioxidantien nachweisen als bei anderen Menschen. Menschen mit einem hohen Antioxidantien-Anteil in der Haut sehen jünger aus und haben weniger Falten.
Vegetarische Kost macht schlank. Wer sich vegetarisch ernährt und zudem Fett nur in Maßen zuführt, nimmt pro Woche rund ein Pfund ab - und das, ohne hungern zu müssen. Denn: fleischlose Kost wird viel eher in Wärmeenergie als in Fett umgewandelt.“ - So steht es in der Nutrition Reviews Nr. 4, aus dem Jahr 2006.
Ja, das Internet vergisst nichts.
Verpflichtung, Selbstverpflichtung, Commitment:
Pflicht – schon allein das Wort ruft oft Unbehagen hervor. Vielleicht verwenden wir deshalb neuerdings das angelsaechsische Wort „Commitment“. Wie gerne moechte man manchmal all seine Verpflichtungen loswerden, die Selbstverpflichtungen da und dort aufweichen und an deren Stelle die Freiwilligkeit setzen oder eine relative Gleichgueltigkeit. Aber gerade Verpflichtung, Selbstverpflichtung oder Commitment sind es, die unserem Leben Struktur und Sicherheit verleihen - besonders in Situationen, in denen alles drunter und drueber zu gehen scheint. Die Verpflichtung zum Leben, die Selbstverpflichtung fuer unveraeusserbare Werte oder das Commitment, eine bestimmte Haltung unter keinen Umstaenden aufzugeben, koennen Trost und Staerke sein. Auch unter dem Gesichtspunkt, dass wir aus der Menschheitserfahrung wissen, dass die meisten von uns an einem bestimmten Punkt aufgeben und sich selbst und ihre Verpflichtungen verraten.
Visionen:
„I Have a Dream“.
Das ist die beruehmte Ueberschrift zu der bewegenden Rede, die Martin Luther King am 28. August 1963 vor dem Lincoln Memorial in Washington D.C. hielt. In „I Have a Dream“
beschreibt Martin Luther King seine Vision von der uneingeschraenkte Gleichstellung der Afroamerikaner in den USA, ausgehend von der Grundannahme, dass alle Menschen gleich erschaffen sind. Es war diese Vision Kings, die der Buergerechtsbewegung der 1960er Jahre und spaeter einen Namen und eine Richtung gab. Fast fuenfzig Jahre spaeter wissen wir, dass sich diese Vision bislang nur zu einem Teil verwirklicht hat, aber den Gleichstellungsprozess der Afroamerikaner doch unumkehrbar vorangebracht hat und inzwischen tief im Bewusstsein der Menschen verankert ist.
„I Have a Dream“ ist ein Urbild einer Vision. Das Wort Vision kommt vom Lateinischen visio,
und bedeutet Anblick oder Erscheinung. Das Wort Vision wurde ueber die laengste Zeit ausschliesslich im Zusammenhang mit religioesen Erscheinungen angewendet. Heute bezeichnet man mit Visionen in die Zukunft gerichtete Bilder von einer sich ins Positive wandelnden Welt: ein friedlich vereintes Europa, Deutschlands Aussoehnung mit dem Osten, ein Welt ohne Hunger, blauer Himmel ueber der Ruhr, Frieden schaffen ohne Waffen, Fair Trade, Chancengleichheit an Schulen und Hochschulen. Visionen sind verwirklichbare Traeume. Traeume, die groesser sind, als wir selbst. Die etwas in die Welt bringen, was es vorher so noch nicht gegeben hat. Etwas, das allen zugute kommt, nicht nur einer Einzelperson oder einer kleinen privilegierten Gruppe. Visionen richten sich nicht gegen, sondern stehen fuer etwas.
Visionen stehen fuer das Erschaffen von Neuem und Nachhaltigem und nicht fuer das Verwalten von etwas Vorhandenem. Visonaere traeumen von einer besseren und gerechteren Welt.
Ohne Visionen und ohne Visionaere ist alles nichts.
Vorbilder und Meister:
Geistige Fuehrer, Mentoren, Wegbereiter, die auf einen zukommen, die man sich auswaehlt, von denen man sich angezogen fuehlt, bei denen man spuert, dass sie einem etwas geben koennen und wollen – das sind Vorbilder und Meister. Oft sind sie unerreichbar weit weg, manchmal ganz nah. Ich bekenne mich gerne zu Jesus, Wolfgang, Osho, Werner, Dalai Lama.
Wuensche:
Jeder weiss es – kaum einer befolgt es: Wuensche haben ist der sicherste Methode, enttaeuscht zu werden. Eine Wunscherfuellung ist meist an eine Bedingungen gebunden. Wie einfach waere alles, wenn wir die Herren ueber unsere Wuensche werden koennten.
Zeit und Zeitmanagement:
Ich habe ueber Jahrzehnte ein recht gutes Zeitmanagement praktiziert: Tages-, Wochen-, Monats-, Jahreskalender fuehrte ich gewissenhaft und hielt mich an meine Zeitplanung. Ging etwas schief damit, stand ich dafuer ein und brachte die Geschichte durch noch mehr Ueberstunden oder unbezahlte Arbeit wieder in Ordnung. Ich war effizient und bekannt als termintreu. Zwei gute Eigenschaften fuer einen Selbstaendigen. Jetzt, mit 68 und quasi als Rentner, haften mir diese Eigenschaften noch immer an. Im Prinzip. Aber viel von der gelebten Rigiditaet in Sachen Zeitmanagement hat sich in den letzten Jahren, besonders auf Bali, abgeschliffen. Die Zeit als solche und ihre Bedeutung fuer mein Leben ist mehr in den Vordergrund getreten, ihr Management ist zwar noch wichtig, aber nicht mehr so.
Zukunft:
Wir muessen die Zukunft anders gestalten, weil die Kultur der Verschwendung und der Produktion von Müll und Umweltgiften keine erstrebenswerte und lebenswerte Zukunft ist. Nicht wir sollen oder wir muessten – nein, wir muessen andere Wege finden. Auch und gerade wir Alten.
Wir haben unsere Ellenbogen ausgelebt. Wir haben unsere Niederlagen verarbeitet. Wir hatten Gluecksmomente und wir waren so ungluecklich, dass wir schreiend die Waende hochgehen wollten. Wir haben uns Wissen angeeignet und wir haben Erfahrungen gesammelt. Wir wissen im Prinzip was geht und was nicht. Und wir wissen, dass wir alle miteinander gewaltige Fehler gemacht haben, Fehler, die nicht mehr rueckgaengig gemacht werden koennen. Gerade wir Alten sind ein unschaetzbar wertvolles Potenzial und wir verfuegen ueber ein unschaetzbar wertvolles Potenzial an Wissen und Erfahrung, an notwendiger Distanz, an Geduld und Gleichmut. Dieses Potenzial muessen wir unseren Mitmenschen, unseren Kindern und Enkelkindern zur Verfuegung stellen: in der Hausgemeinschaft, in der Nachbarschaft, im Stadtviertel und im Dorf, in der Stadt und im Land. Vor lauter Angst vor der sich so schnell veraendernden Welt da draussen muessen wir nicht nach innen fluechten. Eine Kreuzfahrt kann ein Genuss sein, aber wir muessen unser Alter nicht auf den Meeren verbringen. Die wirklichen Abenteuer passieren da, wo wir mitarbeiten koennen, die Zukunft zu gestalten; wo wir mitarbeiten koennen, eine Kultur des Miteinander und Fuereinander, der Bescheidenheit und der Nachhaltigkeit zu schaffen.
Mehr faellt mir zu dem Thema im Moment nicht ein.
Texte: Adi Bachmann
Bildmaterialien: Christian Dekelver
Alle Rechte vorbehalten.
Tag der Veröffentlichung: 07.04.2012
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Sie haben Vom älter werden, vom gesund und lebenstüchtig bleiben und vom Spaß am Leben zu Ende gelesen
Adi Bachmann