Wir fanden einen Pfad: Neue Gedichte

Christian Morgenstern · Kapitel 5 von 25

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Wir fanden einen Pfad: Neue Gedichte

Der Kranke

"Wohl gibt es meinesgleichen, eingeweiht

in eure fürchterlichen Daseinsstufen ...

Doch ich bin's nicht. Nur wie verworrnes Rufen

erschreckt das Wort mich Eurer Zeitlichkeit.

 

"Laß mich mein Haupt verhüllen, bis du neu

mir wiederkehrst, so rein, wie ich dich liebe,

von nichts erfüllt als süßem Geistestriebe

und deinem Urbild wieder strahlend treu."

 

Der Kranke

 

Oft zu sterben wünscht ich mir ...

Und wie dankbar bin ich doch,

daß ich leb und leide noch

im gesetzten Nun und Hier.

 

Bleibt mir doch damit noch Zeit,

abzubauen manch Gebrest,

komm ich nimmer auch zum Rest,

werd ich besser doch bereit.

 

Wenn ich jetzt nichtwirken kann,

helf ich also doch dem Mir,

das dereinst nach Nun und Hier

wirken wird im Dort und Dann.'

 

Die Fußwaschung

 

Ich danke dir, du stummer Stein,

und neige mich zu dir hernieder:

Ich schulde dir mein Pflanzensein.