Angelika Diem

Erzählt wird aus Rattenperspektive, und die erste Auskunft lautet, dass eine königliche Speisekammer keineswegs das Paradies ist, für das die Menschen sie halten: ein Abfallhaufen wäre weit besser. „Rattenzauber“ trägt den Untertitel „Ironische Lebensbetrachtung eines Versuchstieres, das zu schlau wurde“, und genau darum geht es. Der Erzähler kommt hinter einem Fass Salzgurken im Schloss Noricand zur Welt, riecht sein Leben lang nach diesen Gurken, gerät in eine Drahtfalle und landet im alten Vogelkäfig des Zauberlehrlings Morinor. Der will einen neu gefundenen Spruch erproben, der Wissen und Verstand eines Lebewesens auf ein anderes überträgt, richtet ihn jedoch gegen seinen eigenen Meister Sebiond, und so bekommt eine Ratte den Wissensschatz eines Hofzauberers in den Kopf, samt der trockenen, spöttischen Stimme, die nun gegen ihren Instinkt anredet. Angelika Diem baut dazu eine eigene Magielehre: Die Zauberei stammt aus den Büchern des Goldenen Volkes, der Staub auf diesen Büchern verlängert das Leben seines Besitzers, und mächtig ist, wer die meisten Bände besitzt. Um die Ratte herum stehen Chefkoch Greinolf mit seinem Sauberkeitswahn, die Jagdhunde des Königs und der Goldene Turm als Lehrstuhl der Zauberei.

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