Die Liebesschmiede
Prolog
Anne De
Die Liebesschmiede
Prolog
Alles was einen Ruf und Namen hatte war in diesem schickem Restaurant versammelt. In einer Kleinstadt mitten in Montana. Da waren die Unternehmer und ihre aufgetakelten Frauen, Ölchefs , einpaar bekannte Cowboys und einige Musiker, zu denen auch Mallory Anderson gehört.
Das Open-Air Konzert für finanziel benachteiligte Kinder und Jugendlich hatte viel Geld eingebracht. Aber Mallory konnte nur den Kopf schütteln, als sie sich auf den Barhocker fallen ließ. Sie hasste After-Show-Partys. Vor allem solche dieser Art. Die Reichen und Schönen der Kleinstadt hatten sich versammelt um ihre Frauen, ihr Vermögen, und ihren ausgesprochen geschmacklosen Kleidungsstil zu präsentieren. Mal ehrlich, was haben hässliche Gucci, Prada und Channel Anzüge und Kleider mitten in Montana verloren. Das hier war keine Modenshow in New York, das hier war ein Kaffeklatsch mit alten Bekannten. Mallory würde wohl die Schönen und Reichen nie verstehen.
Man stellte seine großzügige Spende hier zur Schau. Aber wer von ihnen ist schon einmal in einem der Jugendzentren gewesen? Hatte sich je jemand an die Jugendzentren gewand, an die regelmäßig gespendet wurde, ganz zu schweigen davon, hatte sich noch nie jemand die überteuerten frisch manikürten Nägel dreckig gemacht. Jedoch lohnte es sich nicht sich darüber aufzuregen, denn an Veränderung war in dieser Stadt niemals zu denken. Wie soll man eine Jahrhundert geprägte Tradition der Ungerechtigkeit und Ungleichheit aufbrechen? Sie würde nach einer halben Stunde dieses Schauspiel verlassen.Sie würde einpaar alten Bekannten die Hand schütteln, den Organisatoren sagen wie hinreißend die Kulisse un die Bühne ausgesehen hatte und sich von den Heiratsanträgen der völlig betrunkenen Unternehmern, die bereits verheiratet waren, retten. Ihr Manager wäre zufrieden und sie müsste nicht länger mit diesen Heuchler in einem Raum hocken. Mal ehrlich was sind schon 2000 Dollar für einen zweifachen Millionär, der während der Übergabe seines Schecks einen Designeranzug im Wert von mindestens 25000 Dollar trägt? Diese reichen Snobs erkundigten sich nicht einmal wo das Geld eigentlich hinging. Es galt nur gesehen zu werden.
In ihren Gedanken versunken bestellte sie sich ein Wasser. Sie murmelte ein "Danke" als der Barkeeper ihr das Wasser gab. Sie wollte ihm gerade dankend anlächeln, (eine gute Angewohnheit: Begegne auch den Leuten freundlich dienur im Hintergrund arbeiten) als ihr plötzlich für einen kurzen Moment die Luft weg blieb.
"Matthew McDowells..", murmelte sie. "Das glaub ich nicht!" Der Barkeeper schaute verlegen auf den Boden. Er war es wirklich. Aber nun war er ein gestandener Mann, mit seinem Dreitagebart, den breiten Schultern und einem Tatoo auf dem Unterarm. Seine braunen Locken fielen immer noch wild ins Gesicht.Seine Augen besaßen immer noch dieses tiefe intensive Blau, sodass man dass Gefühl hatte in einem ruhigen Ozean zu schwimmen, wenn man ihm in diese schaute.
"Ich.. Ich bin Mallory ... Mallory Anderson", stotterte sie als sie sich aus seinen Augen befreien konnte.
"Ich weiß", sagte er. Sein Kopf lag etwas schief während er lächelte. So wie früher.
Diese Grübchen... Zum Glück saß Mallory auf dem Barhocker. Ihre Knie wurden ganz weich. Dass Sie Matthew noch einmal begegnen würden davon war sie ausgangen, denn schließlich war sie gerade in ihrer und seiner Heimatstadt. Aber mit welcher Wucht ihre Gefühlte jetzt auf sie einschlugen... damit hatte sie nicht gerechnet. "Ich... hab auf d.. dem Konzert gespielt", stotterte sie weiter. "Ich weiß. Aus deiner erwünschten Musikkaierre ist doch noch etwas geworden." Es klang gar nicht so abwertend wie Mallory es vielleicht erwartet hätte. Und seine Stimme war so unglaublich tief und melodisch. So wie früher auch schon. Mallory konnte sogar den sanften Klang, der in seiner Stimme mitschwang, hören. Sie hatte es damlas in ihrer Jugendzeit auch schon unglaublich attraktiv gefunden. Und sie musste sich, gegen ihren Willen, eingestehen, dass es heute auch noch eine starke Wirkung auf sie hatte.
"Was machst du so, außer abends an einer Bar in einem schicken Restaurant zuarbeiten?", fragte Mallory nachdem sie sich wieder ein wenig gefangen hatte. Es sollte möglichst locker klingen, aber stattdessen bebte ihre Stimme bei jedem einzelnem Wort. "Nichts, außer das ich auch Vormittags hier arbeite", war seine kurze Antwort.
Mallory war verwirrt: "Und dein Studium? Du wolltest doch in die Wirtschaft. Groß rauskommen und reich werden. Warum bist du wieder hier gelandet?" Ihre Stimme war jetzt fester, was wahrscheinlich daran lang, dass sie nicht nachvollziehen konnte wie ein so ehrgeiziger junger Mann, der große Pläne für sein Leben gehabt hatte, plötzlich hinter der Bar in einem Restaurant seiner Heimatstadt, die zudem noch eine Kleinstadt, ja fast ein Dorf war, landen konnte.
"Das Leben hat nicht immer das gleiche mit uns vor wie wir..." Mit diesen Worten drehte er sich um und wendete sich an andere Gäste. Zwei leicht angetrunkene Unternehmersfrauen, die versuchten mit ihm zu flirten. Mallory drehte sich angewidert zur Seite. Sie waren mit Sicherheit 20 Jahre älter als Matthew. Auf einmal ertappte Mallory sich dabei, wie sie unauffällig zu Matthew hinüber schielte und gespannte darauf wartet wie er darauf reagieren würde. Sie hatte ihrer großen Freundin neben ihr Platz gewährte. Der Eifersucht. Energisch schüttelte sie den Kopf und die Eifersucht von sich. Es war fast 10 Jahre her. Mallory hatte nie gedacht, dass das Wiedersehen mit ihrer Jugendliebe sie so emotional aufwühlen würde.
Er verdrehte die Augen, als er sich umdrehte um die Bestellung der Frauen zu servieren. Mallory musste grinsen und zu ihrem Erstaunen schnitt er eine Grimasse. Die beiden konnten sich nur schwer das Lachen verkneifen. Dieses freche Grinsen. Sie hatte es vermisst.
Als es an der Bar wieder ruhiger wurde, näherte er sich wieder Mallory.
"Und darf´s noch was sein?"
"Nein danke." Sie sahen sich lange einfach nur schweigend an. Es war als konnten sie sich nicht voneinander losreißen. "Du hast noch genau die selber unschuldigen Rehaugen", murmelte Matthew schließlich.
Normalerweise war Mallory eine schlagfertige Frau, aber irgendwie brachte sie keinen vernünftigen Satz auf die Reihe um darauf zu antworten. Deshalb sah sie verlegen zur Seite, wofür sie sich hätte ohrfeigen können.
"Wo waren wir vorhin stehen geblieben?", fragte sie stattdessen unbeholfen.
"Ich bin wieder hier, weil ich mein Studium abbrechen musste. Meiner Mum ging es nicht gut. Sie wollte in kein Pflegeheim weil meine Geschwister sonst bestimmt in ein Kinderheim gemusst hätten. Sie waren noch zu klein um für Mum da zu sein..." Sein Blick verlor sich in der Ferne. Es schien so, als ob er noch einmal die ganze Bilder genau vor sich sah.
"Das tut mir leid." Sie wusste genau wie viel ihm dieser Studiumplatz und das Stependium bedeutet hatten.
" Das ist schon okay..." Er nickte, so als müsse er sich selbst Mut zusprechen.
"Wie geht es ihr jetzt?" Aber Mallory hätte diese Frage nicht stellen müssen. Sie sah in seinen Augen die Antwort. Sie nickte nur traurig. Sie brauchten nicht reden. Sie verstanden sich ohne Worte. "Warum hast du nach ihrem Tod nicht weitergemacht?" Ihre Frage war mehr ein Flüstern als ein Reden. Sie hatte Angst ihm mit ihren Worten zu verletzten. So wie damals.
"Meine Geschwister brauchten mich. Jane war gerade mal sieben. Ich hätte sie nicht mitnehmen können und sie aus ihrem Leben rauszureißen erschien mir so egoistisch. Sie hatte schon so viel verloren." Das sah Matthew ähnlich. Er trug immer die Last der ganzen Welt auf seinen Schultern. Und man konnte ihm das auch nicht übel nehmen.
"Und das mit der Wirtschaft" Er grinste wieder "Das ist noch was geworden. Mein Restaurant läuft doch ganz gut oder?" Mallory staunte nicht schlecht. Das hier war sein Landen... "Ja das ist durchaus ein Erfolg."
"Ich muss wieder..." Er deutet auf ein paar wartende Gäste. Mallory nickte verständnisvoll.
Es wurde ein schöner Abend. Sie unterhielten sich über längst vergessene Zeiten und wenn Matthew sich um seine Gäste kümmern musste, dann beobachtet Mallory ihn. Er schien bei der Arbeit zu fliegen. Mit lockeren aber trotzdem geschmeidigen Bewegungen bereitete er die Drinks vor und hatte immer einen passenden Spruch für seine Gäste.
Wer hätte je gedacht, dass Matthew McDowells, der Jahrgangstufenbeste, jemals an einer Bar in seiner Heimatstadt arbeiten würde? Hätte man das vor zehm Jahren gehört, dann hätte jeder dir den Vogel gezeigt und vermutet, dass Matthew in zehn Jahren wahrscheinlich an der Wall Street in New York arbeiten würde.
Mallory jedoch hatte schon immer gewusst dass Matthew keine gute Wirtschafts Typen abgeben würde. Er war einfach zu selbstlos. Das Restaurant leerte sich langsam und aus der vorgenommenen halben Stunde waren vier Stunden geworden. Und als wäre es selbstverständlich fragte Matthew sie:" Wollen wir gleich noch ne Runde spazieren gehen?" Er hatte wohl noch nicht vergessen wie gerne Mallory spazierte. Die letzten Leute verließen das Restaurant. Die Angestellten fegten noch einmal durch. Schließlich war der Laden sauber und Matthew schloss ab. Des Restaurant lang perfekt. In einer kleinen Nebenstraße ganz in der Nähe der Einkaufsstraße. Von dort aus waren es nur 5 Minuten Fußweg bis zum Fluss. Wie selbstverständlich schlugen sie diesen Weg ein. Zuerst gingen sie mit einem gewissen Sicherheitsabstand zueinander und unterhielten sich über belanglose Dinge. Doch als sie den Fluss erricht hatten an dem sie schon zahlreiche gemeinsame Stunden verbracht hatten, zog Matthew Mallory liebevoll in seine Arme und fragte: " Warum haben wir uns noch einmal getrennt?"
Mallory lächelte, doch dann fiel es ihr wieder ein, als seine Lippen ihre berührten.
Sie schloss die Augen. Sie würden es schaffen, den Schmerz zu überwinden...