Die Liebesschmiede
Kapitel 4
Der Kamin knisterte. Das geräumige Wohnzimmer schimmerte orange rot. Jane deckte den großen markanten Holztisch. Ihr orangen Haare leuchtete so hell wie das Feuer im Kamin und umspielten ihr feines Gesicht. Sie war eine junge Frau geworden und eine Schönheit, die sich in der Kleinstadt kaum vor den Jungen retten konnten. Matthew hatte seine Mühe seine kleine Schwester so einfach der stürmenden Männermassen zu überlassen, aber sie war schließlich schon 17 Jahre alt und er musste lernen seine kleine Schwester loszulassen und ihr die Freiheit zu geben, erwachsen zu werden.
Es klingelte. Jane öffnete die schwere verschnörkelte Holztür des alten Bauernhauses.
"Jane meine Liebe. Lass dich drücken." Mallory stand vor der Tür und nahm die kleine Schwester ihres Verlobten, die gar nicht mehr so klein sondern einen ganzen Kopf größer als sie war, fest in den Arm.
"Hey Mallory! Wie geht´s dir?"
"Super, es kann einem doch nicht besser gehen, wenn man wieder zu Haus ist oder?"
"Ich kann mit schöneres vorstellen", kam es trocken zurück. Jane wünschte sich nichts mehr als in eine riesen Metropole zu ziehen und dort so richtig durchzustarten. Mallory überhörte den Kommentar einfach großzügig, weil sie sich nicht schon wieder auf eine 15 minütige Diskussion mit den 17-Jährigen einlassen wollte, in der groß und breit die Vorteile eine Großstadt und die Nachteile einer Kleinstadt hervorgehoben würde. Die kleine hatte nämlich schlicht und einfach keine Ahnung von was sie da sprach.
"Soll ich dir beim Decken helfen?"
"Ja. Weißt du wo Matthew schon wieder ist? Er wollte pünktlich zum Essen da sein..."
"Er muss bestimmt noch das Restaurant schmeißen."
"Dafür hat er doch Angestellte."
"Jane meine Liebe. Ich sag es wirklich ungern aber du redest gerade wie ein Snob."
"Hmm." Sie kaute gelangweilt auf ihrem Kaugummi, aber in ihren Augen konnte Mallory lesen, dass Jane ein schlechtes Gewissen hatte.
Die anderen Geschwister trudelten ein und schlussendlich auch Matthew. Es gab Kartoffelspalten und ein Hähnchen-Sahne- Auflauf. Und zum Nachtisch selbstgemachte Creme Bruele. Alles von Jane selbst hergestellt. Allein das zeugte davon, dass sie kein Snob war. Es schmeckte vorzüglich.
Mallory liebte es im Familienkreis der McDowells zu sein. Sie selbst war ein Einzelkind gewesen. Ihr Eltern hatten keine Kinder kriegen können, und adoptierten Mallory als sie noch ein Baby war. Ihre richtigen Eltern hatte sie nie kennen gelernt. Es hieß, dass keiner wüsste wer diese seien. Ob Mallory irgend wo in der großen weiten Welt da draußen Geschwister hatte, wusste sie also auch nicht.
Desdo mehr genoss sie es mit ihren "Fast"-Geschwistern zu essen. Fünf wilde McDowells auf einem Haufen waren immer lustig. Sie waren alle hier geblieben. Hatten hier ihre große Liebe gefunden geheiratet, oder einfach nur ein eigenständiges Leben aufgebaut. Lucy und ihr Mann Jeremy hatten sogar schon eine Tochter. Wenn ihre Mutter sie alle heute noch mal sehen könnte wäre sie so unglaublich stolz auf ihre Kinder.
"Mallory Liebes, Lucy hat dich was gefragt." Matthew stupste seine Verlobte liebevoll in die Seite.
"Oh... ähm entschuldige, ich war gerade in Gedanken versunken."
"Wer in Gedanken versunken ertappt wird, der muss erzählen an was er gerade gedacht hat", forderte Lucy Mallory heraus.
"Eine alt bekannte McDowells Tradition", mischte sich auch Jonathan ins Gespräch ein.
"Und da du jetzt bald eine von uns bist...", zwitscherte Jane.
"Okay, okay, Ich hab gerade gedacht: Wenn eure Mutter jetzt hier sein könnte, wäre sie so stolz auf euch."
Es wurde ruhiger in der Runde.
"Ich meine schaut euch doch mal an. Jane ist eine richtige Lady geworden, Jonathan hat mit seinen 21 Jahren schon seine eigene Autowerkstatt und eine bezaubernde Freundin" Sie zwinkerte dem verliebten Paar zu. "Sara ist Lehrerin an der besten Schule in der Stadt und ist laut den Schülerumfragen auch eine total geniale Lehrern und oben drein noch mit dem Footballtrainer der Schule verheiratet und Lucy und Jeremy haben eine wunderbare Tochter."
Mit ihrer kleinen Ansprache hatte Mallory allen ein Lächeln auf die Lippen gezaubert und selbst die kleine Sophie klatschte in ihre kleinen dicken Händchen.
"Und was ist mit mir?", fragte Matthew frech.
"Du hast mich. Reicht das nicht?", antwortet Mallory genauso frech zurück, wofür sie einen kurzen aber liebevollen Kuss von Matthew erntete.
"Unsere Mutter wäre auch stolz auf so eine tolle Frau für Matthew gewesen, wie du sie bist", fügte Sara der Rede noch hinzu, während alle McDowells ebenfalls in Gedanken versunken nickten.
"Sie war schon damals stolz auf mich als ich dich in der High School gefischt hab." Matthew grinste über beide Ohren, während Mallory ihm einen gespielten vorwurfsvollen Blick zuwarf.
"Und genauso enttäuscht, als du sie dann gehen gelassen hast", warf Lucy vorwurfsvoll ein.
"Und deshalb wäre sie jetzt doppelt so stolz auf dich, wenn sie wüsste, dass du sie wieder zurück erobert hast.", warf Sara aber direkt wieder ein.
"Ja das stimmt wohl", gab Lucy sich geschlagen.
Die Verlobten lagen sich im Arm und lächelten sich verträumt an. "Okay Leute jetzt wird es zu romantisch", bemerkte Jonathan, aber erntete direkt einen bestrafenden Blick von seiner Freundin Zoe.
"Okay, okay, schön dass ihr euch liebt" Er warf seine Hände entschuldigend in die Höhe, aber es schien ihm keiner so richtig abzunehmen.
"Jonathan, wenn du willst dass deine schöne Zoe dir nicht eines Tages wegläuft musst du romantisch sein, sonst ist sie ganz schnell weg vom Fenster", bemerkte Ian, der Footballtrainer. " Glaub mir Kumpel ich musste, das auch lernen, aber hey jetzt hab ich ne glückliche Frau."
Jonathan seufzte und gab sich geschlagen. "Alles klar ich habs kapiert. Ich bin eben Mechaniker und nicht ein romantischer Deutschlehrer der Liebesgedichte schreibt."
"Hey ich bin Footballtrainer. Glaubst du ich bin so der Typ Mann der sich jeden Morgen denkt: Oh meine Frau möchte jetzt einen Kaffee haben mit Karamellsirup und dann noch Frühstück im Bett und dann sollten da am besten auch noch rote Rosen bei sein. Nein Mann, aber da muss man sich eben mal zusammen reißen und seine Frau glücklich machen."
"Okay es ist angekommen."
"Das will ich aber mal hoffen. Ich will die Zoe schließlich noch mit nem fetten Verlobungsring am Finger sehen, und der soll nicht von nem anderen sein. Und schon gar nicht von nem romantischen Deutschlehrer, der in seinen Freistunden Gedichte schreibt, die sind nämlich meistens echt ätzend, das willst du Zoe nicht antuen."
"Alles klar Liebling ich glaub meine kleiner Bruder hat es gecheckt", sagte Sara und legte ihre Hand auf seine Oberschenkel um ihn aus seiner Achterbahnfahrt über die romantischen Pflichten eines Mannes wieder runter zu holen.
Alle McDowells lachten und wieder klatschte die kleine Sophie klatschte wieder in ihre Hände. Inzwischen war sie auf Janes Schoss gelandet, die sich rührend um ihre niedliche Nichte kümmerte.
Was gab es eigentlich schöneres als in dieser fast perfekten Familie zu Abend zu essen und einfach nur das Leben zu genießen? Mallory viel gerade nichts besseres ein