Die Liebesschmiede
Kapitel 5
Kims Gitarre schien von allein zuspielen. Ihre Gedanken wanderten zurück in die Vergangenheit. Ihre Finger wanderten flink über die Saiten ihrer abgenutzten Westerngitarre, ohne dass sie darüber nachdachte welchen Akkord sie als nächstes greifen würde. Die traurige Melodie erfüllte das idyllische Plätzchen.
Der Fluss plätscherte leise im Takt zu dem Lied. In der Ferne wiehrte eins von Bills Pferden.
Es war so wie damals gewesen, als sie hier mit Will gesessen hatte und er ihr die wild zerzausten Haare aus dem Gesicht gestrichen hatte. Sie bekam Gänsehaut, als sie daran dachte. Sie dachte an seinen Lippen, die so nah an ihren gewesen waren.
*
Will legte seinen starken Arm um die schmalen Schultern seiner besten Freundin. Sie lehnte sich an ihn und wünschte sich nie wieder diesen Ort verlassen zu müssen. Frieden und Geborgenheit pur.
„Die anderen vermissen uns bestimmt schon“, seine tiefe Stimme holte Kim in die Realität zurück.
„Sie vermissen dich, aber nicht mich“, antwortet sie trocken.
„Hör auf so etwas zu sagen. Du bist großartig! Warum denkst du immer so negativ von dir?“
„Jahre lange Prägung. Wenn dir immer gesagt wird, dass du nichts bist und nicht erwünscht bist, fängst du an selber daran zu glauben.“ Ihre Stimme war mit jedem Wort leiser geworden und drohte am Ende fast zu brechen.
„Hey“,hatte er geflüstert „Glaubst du mir?“
„Ja“ hatte sie gesagt, ihm aber nicht in die Augen geschaut.
„ Du bist die beste Freundin, die man sich nur wünschen kann und ich glaube an dich. Du wirst mal großartige Musik machen und tausende von Menschen mit reißen und es denen zeigen. Du bist was. Und zwar der großartigste Mensch, den ich kenne.“
„Das musstest du jetzt einfach sagen. Es ist ok. Du kannst ruhig sagen, dass ich ein Loser bin. Du brauchst dich nicht dafür schämen mit so jemanden befreundet zu sein.“ Sie hatte ihren leeren Blick in die Ferne gerichtet.
„Ich bin mit Losern befreundet das stimmt. Aber der Loser bist nicht du. Das sind die Anderen. Sie meinen, dass sie mit Party, ihrem Aussehen und ihrem Geld ihr Leben füllen können. Das ist so traurig und oberflächlich, dass es sie zu Losern macht. Aber du bist anders. Du hast Tiefgang, bist reflektiert, schön, aber auf eine ganz natürliche Art und Weise und vor allem bist du für deine Freunde und Mitmenschen da, wenn sie jemanden brauchen. Du willst mir sagen, das sind Eigenschaften von einem Loser?!“
„Vielleicht ist das für dich so, aber für den Rest der Welt bin ich trotzdem ein Loser.“
„Was interessiert dich der Rest der Welt?“
„Du bist so aufgewachsen und erzogen worden, dass du der Welt auf den Kopf spucken kannst, ich aber nicht ok?!“ Kim war wütend geworden und hatte sich aus seiner Umarmung befreit. „Die hassen mich doch. Alle sagen, dass du komisch geworden bist seitdem wir befreundet sind.“
„Und das ist doch gut. Ganz ehrlich ich hab mich vorher gehasst. Du hast mich wieder heil gemacht. Du hast mir gezeigt was es heißt wirklich lebendig zu sein. Du hast mir die wahre Schönheit gezeigt. Ich muss nicht mehr von einem Event zu dem Anderen laufen, weil ich mich sonst leer fühle. Ich kann mich einfach hier an den Fluss setzen und das Leben genießen. Und mir ist es egal, ob die Anderen mich komisch finden oder nicht. Ich will richtig Leben und genießen. Und du hast mir gezeigt, dass wir mit den einfachsten Dingen zufrieden und glücklich werden können.“ Er hatte ihr die ganze Zeit in die Augen geschaut. Es fiel Kim schwer ihre Tränen zu unterdrücken.
Sie war kein Loser. Sie wollte daran glauben, was Will ihr da erzählte. Aber es war so schwer. Sie wollte, dass es ihr egal war was die anderen über sie dachten, aber wie sollte das gehen?
„Ich glaube ich kann das nicht.“
„Was?“, hatte er ihr leise ins Ohr geflüstert. Ihr ganzer Körper durchströmte eine wollige Wärmewelle.
„Es ist so schwer durch das Leben zu gehen, ohne daran zu denken, was die anderen denken.“
„Du machst doch schon immer dein eigenes Ding.“
„Mach ich das?“, schniefte Kim.
Ja und gerade deshalb bin ich mit dir befreundet. Du bist einfach nur faszinierend. Trägst deine eigenen Stil, machst deine ganz eigenen Musik, stehst immer für deine Meinung ein und bist immer auf der Seite deiner Freunde, selbst wenn sich dann der Rest der Welt gegen dich wendet. Und das macht dich so besonders.“ Er strich ihr die, vom dem Wind, zerzausten Haare aus ihrem Gesicht und wischte ihr die Träne aus dem Gesicht, die sich einen Weg auf ihre Wange gebahnt hatte.
„Danke“, hatte sie geflüstert und ihren Kopf an seine starke Brust gelehnt. Ihr Herz bebte und drohte zu zerspringen.
„Du musst mir helfen daran zu glauben.“
„Jeden Tag“, hauchte seine tiefe Stimme zart ihn ihr Ohr. Er zog sie wieder ganz nah an sich heran, während seine große Hand langsam über ihren Rücken wanderte und bei ihr Gänsehaut am ganzen Körper verursachte. Sie hatte sich in ihren besten Freund verliebt.
„Will“, murmelte sie, „Ich hab Angst, dass das hier nur ein wunderschöner Traum ist und ich bald wieder aufwache.“
„Ich habe gerade das selbe gedacht. Eigentlich hab ich dich gar nicht verdient und denke immer daran, was passiert, wenn du es auch bemerkst.“
Sie lächelte seicht und strich ihm langsam über das markante Gesicht.
„Das wird nie passieren. Wir beschließen hiermit einfach nie aufzuwachen?“
„Oder ich beschließe das Märchen zu vollenden und dich wachzuküssen?!“
„Was?“
Doch es blieb Kim keine Zeit.
Wills Lippen berührten ihre weichen Lippen sanft. Er nahm ihr feines Gesicht in seine großen starken Hände während seine Lippen ihre auf eine wunderbare Art und Weise liebkosten.
Als Kim ihre Augen wieder öffnete, sah sie in ein strahlendes Paar dunkelblauer Augen.
„Davon hab ich schon seit Monaten geträumt“
„Ich hab das noch nie gemacht.“
„Du warst großartig“
Er bäugte sich wieder über sie und küsste sie noch einmal.
Kims Bauch war voller Schmetterlinge die sich in ihrem ganzen Körper verteilen
*
Warum konnte sie die Vergangenheit nicht einfach der Vergangenheit überlassen? Warum kam sie immer wieder hier her und ließ den Schmerz jedes Mal aufs Neue über sie hereinbrechen?
Er war nicht mehr hier. Tausende Kilometer weit weg und er hatte sich noch nicht einmal gemeldet. Hatte er sie vergessen?
Ihr blieb nichts anderes übrig als sich damit abzufinden.
Sie war nichts Besonders. Nur eine von vielen, die sein Leben interessanter gemacht hatte.
Plötzlich überfiel sie eine neue Idee für einen Songtext und sie griff zu ihrem vergilbten und vergriffenen Notizblock, und ließ ihrem ganzen Schmerz freien Lauf.
Tag der Veröffentlichung: 31.10.2012
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Anne De