Reines Blut
Kapitel 2
Mein Kopf tat weh. Hatte ich gestern wirklich so viel getrunken? Ich lag in meinem Bett und zog mir die Decke über den Kopf, um wieder einschlafen zu können. Jedoch gelang es mir nicht. Langsam öffnete ich meine Augen und erstarrte. Das war nicht mein Zimmer und schon gar nicht mein Bett. Was war gestern nur passiert? Ich konnte mich nur daran erinnern, dass ich mit Kyle getanzt hatte und...NEIN das kann nicht sein. Ich hatte doch nicht...? Augenblicklich schaute ich unter die Decke und stellte erleichtert fest, dass ich bis auf die High-Heals noch all meine Klamotten an hatte. Also wenn ich nicht bei Kyle war, und da war ich mir sicher, da sonst auf jeden Fall nackt gewesen wäre, wo war ich dann? Langsam setzte ich mich auf und musterte das Zimmer. Es war sehr groß und modern eingerichtet. Ich saß auf ein riesiges Bett mit schwarzem Bettbezug. Die riesigen Schränke mir gegenüber, sowie auch die Kommode links von mir waren ebenfalls aus schwarzem und edlem Holz. Die Wände waren in Weiß gehalten, das dem Zimmer eine gewisse Härte und Kälte verlieh. Ich stand auf und ging zur Tür. Viellicht konnte ich mich ja raus schleichen ohne von jemanden bemerkt zu werden. Ich versuchte die Tür zu öffnen, doch sie gab nicht nach. Was sollte das? Hatte man mich hier etwa eingesperrt? Warum sollte das jemand tun? Plötzlich fiel mir wieder der unbekannte Adonis ein und dass er mich entführt hatte. Sofort begann mein Herz zu rasen. Ich wurde entführt! Was sollte ich jetzt machen? Schreien? Um Hilfe rufen? Nein, das wäre eher kontraproduktiv, ich sollte lieber eine Möglichkeit finden zu fliehen. Schnell laufe ich zu dem Fernsten auf der anderen Seite des Zimmers und schiebe die Vorhänge zu Seite. Verdammt, ich war im dritten Stock, da konnte ich niemals gefahrlos runter springen. Frustriert drehte ich mich um. Irgendwie musste ich doch hier auskommen! Ich konnte...Ja genau! Mit neu geschöpfter Hoffnung lief ich zum Bett und zog den Bettlacken von der Matratze. Zusammen mit den Vorhängen, die ich ebenfalls von den Stangen runter ziehe, musste die Länge reichen, wenn ich sie zusammen knotete. Als ich fertig war, betrachte ich mein Werk. Es musste einfach funktionieren! Ich ging zum Fenster und öffnete es. Jetzt musste ich nur noch ein Ende meines improvisierten Seiles an das Gitter fest binden und runter klettern. Als auch das erledigt war sammelte ich meinen ganzen Mut und kletterte über das Gitter. Mein Herz klopfte wild und unregelmäßig und meine Hände fingen an zu zittern. „Beruhige dich, Aria. Das schaffst du! Nur nicht nach unten schauen!“, ermutigte ich mich. Ich stemmte meine Beine gegen die Hauswand und hielt mich an den Laken fest. Langsam und Schritt für Schritt kletterte ich die Wand runter. Nach gefühlten Stunden hatte ich ein Stockwerk hinter mich gebracht. Jetzt waren es nur noch zwei. „Was soll das werden, wenn es fertig ist?“, hörte ich eine belustigte Stimme fragen. Vor Schreck schrie ich und rutschte aus. Zu spät verstärkte ich mein Griff um den Laken und verlor meinen Halt. Prompt begann ich zu fallen und ein weiterer Schrei verließ meine Kehle. Das werde ich nie überleben! Ich schloss meine Augen und akzeptierte mein Schicksal. Doch plötzlich spürte ich, das nicht mehr fiel. Einfach so. Wie...? Langsam öffnete ich meine Augen und blickte in das Gesicht meines Entführers. Er hatte mich aufgefangen. Aber wie? Ich war doch mindestens fünf Meter gefallen? „Wie...?“, begann ich, doch mehr brachte ich nicht über meine Lippen. Ich zitterte heftig und mein Herz raste immer noch unkontrolliert weiter. Ein besorgter Ausdruck tritt in das Gesicht des ziemlich gut aussehenden Mannes. „Du musst dich beruhigen, Kleines. Atme tief ein und wieder aus“, redete er beruhigend auf mich ein. Doch es bring nichts. Ich habe das Gefühl als würde mein Herz gleich aus meiner Brust springen. Tränen bildeten sich in meinen Augen und kullerten meine Wangen runter. „Verdammt! Konzentriere dich auf mich und tu es mir gleich. Tief ein und aus atmen“. Ich konzentrierte mich auf meine Atmung und versuchte mit meinem Entführer im gleich klang zu atmen. Ich sprühte wie er meine Atmung beeinflusste, um sie seiner anzupassen. Nach ein paar Minuten ging es mir tatsächlich besser. Jetzt wurde mir auch bewusst, wie nach mir mein Entführer war, der mich gegen seine Brust drückte. Sofort versuchte ich mich von ihm zu entfernen. „Lass mich los!“, meine Stimme sollte eigentlich fest und überzeugend klingen, doch sie hörte sich eher brüchig an. „Bist du dir sicher?“, fragte er amüsiert. „Ja. Lass mich los!“, entgegnete ich nun mit einer etwas festeren Stimme als zuvor. Wie gewünscht stellte der Adonis mich auf meine Beine und ließ mich los, nur um mich wieder aufzufangen, da meine Beine unter mir nachgaben. „Du stehst immer noch unter Schock und solltest dich lieber hinlegen“, sagt er und ein befehlender Ton mischte sich in seine Stimme. Ich versuchte mich wieder aus seinem Grifft zu befreien, doch anstatt mich loszulassen, nahm er mich wieder auf seine Arme und ging Richtung Eingangstür. „Nein, lass mich los! Was willst du von mir? Ich habe doch nichts getan! Ich weiß nicht einmal wer du bist! Lass mich los!“, ich wehrte mich so gut ich konnte, doch meine Bemühungen bleiben erfolglos. Frustriert stöhnte ich auf. So ein arroganter Arsch! Ich war einfach zu schwach. Mittlerweile standen wir vor einer Tür, die er mit einer kurzen Handbewegung öffnete und eintritt. Ich erkannte das Zimmer in dem ich aufgewacht war. Mein Entführer legte mich auf das Bett, schloss die Tür. Wütend setzte ich mich auf. „Wärst du mal so freundlich mir zu sagen was das Ganze soll, anstatt mich wie ein Neandertaler durch die Gegend zu tragen?“, fragte ich gereizt. „Neandertaler?“, fragte er belustigt zurück. „Ja, Neandertaler! Null Manieren, entführt Frauen, die ihm nichts getan haben und halten sie gegen ihren Willen fest!“, erwiderte ich. „Dieser Neandertaler, hat dir eben noch dein Leben gerettet“, meinte er, immer noch amüsiert. „Ich habe nicht danach gefragt, von dir gerettet zu werden!“ Finster starrte ich ihn an und wartete immer noch auf Antworten meiner Fragen. „Also würdest du lieber sterben, als von mir gerettet zu werden?“, fragte er mich und schaute mir dabei tief in die Augen. Mein Herz setzte einen Schlag aus. Unter seinem intensiven Blick hatte ich das Gefühl zu schmelzen. Was war denn bloß nur mit meinen Körper los? „Ich...ähm...Ich...“, stammelte ich. „Ja?“, fragte er mit einer verführerischen Stimme und kam mir dabei immer näher. „Ich...“, versuchte ich es erneut, doch ich brachte einfach keinen zusammenhängenden Satz zu Stande. Mittlerweile war mein Entführer mir so nahe, dass unsere Gesichter nur noch Zentimeter trennten. Sein unwiderstehlicher Geruch stieg mir in der Nase und ich atmete ihn tief ein. Ein zufriedenes Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus. „Ich glaube, ich sollte mich erst mal vorstellen, solange du nach einer Antwort suchst. Ich bin Damien. Es freut mich dich kennen zu lernen.“, den letzten Satz flüsterte Damien mir ins Ohr und verursachte damit ein Schaudern, der mir durch meinen ganzen Körper jagte. Ich war unfähig mich zu bewegen, doch ich zwang mich zur Vernunft. Er hatte mich entführt, ich darf nicht auf ihn stehen, geschweige für ihn Gefühle empfinden! Ich schüttelte entschlossen meinen Kopf und drückte meine Hände gegen seine Brust, unter der ich harte Muskeln ertaste, um etwas Abstand zwischen uns zu bringen. Jedoch bewegte er sich keinen Millimeter, weshalb ich von ihm wegrückte. „Was willst du von mir, Damien?“, fragte ich. „Dein Blut“, antwortete Damien mir unvermittelt. „W-was?!“, fragte ich entsetzt. Hatte ich richtig gehört? Er wollte mein Blut? War er irgend so ein kranker Psychopath? Oh man, in was war ich nur da rein geraten? „Wofür brauchst du mein Blut?“, fragte ich hinzu. „Ich bin nicht verrückt“, stellte Damien lachend klar. „Das habe ich auch nicht behauptet“, entgegnete ich. Woher weiß er, dass ich ihn für verrückt halte? Naja, jeder hätte ihn für verrückt gehalten, deshalb war nicht sonderlich abwegig, dass er davon ausgeht, oder? „Du bist, wenn du wütend bist, für mich wie ein offenes Buch, Aria. Du kannst vor mich nichts verheimlichen“, gab er selbstgefällig zurück. Was für ein arroganter Arsch und woher weiß er wie ich heiße? „Ach ja? Pass bloß auf, dass dein Ego dir nicht über den Kopf wächst und du dich nicht überschätzt. Das kann sehr schnell ziemlich blöd enden“, erwiderte ich. Seine grünen Augen blitzten auf bevor er sagte: „Und du solltest auf dein loses Mundwerk achten, denn das kann auch sehr schnell ziemlich blöd enden“. Seine Körperhaltung wirkte auf einmal sehr bedrohlich. Ich rückte noch etwas von ihm ab, doch ehe ich mich versah, lag ich ausgestreckt auf dem Bett und wurde von Damiens schweren Körper in die Matratze gedrückt. Unsere Gesichter trennten nur noch Millimeter. Durch seine plötzliche Nähe wurde mir schwindlig. „Denn du solltest mich nicht unterschätzen, Kleines. Ich bin gefährlich und das solltest du dir merken“, seine Stimmer war kaum mehr als ein Knurren. Mein Herz pochte wild in meiner Brust. Wenn das so weiter geht, bekam ich bald einen Herzinfarkt. „Was bist du?“, entfuhr es mir flüsternd, bevor mir klar wurde, was ich da überhaupt fragte. „Ich bin ein Vampir“, sagte Damien und währenddessen glühten seine Augen kurz auf. „Ein V-vampier? Das ist nicht möglich. Es gibt keine Vampire“, doch schon während ich sprach war mir bewusst, dass er die Wahrheit sagte. „Nicht?“, fragte er wieder in meinen Ohr flüsternd. Ein Schaudern durch fuhr meinen Körper. „Soll ich es dir beweisen?“, drohte er mir verführerisch. Mein Körper fühlte sich zunehmend schwächer unter seinen athletischen Körper an. Ich konnte mich kaum bewegen und somit auch nicht wehren. Ich war ihm hilflos ausgeliefert. „Ich kann hören wie schnell dein Herz schlägt. Auch rieche ich die Angst, die du im Moment verspürst und egal wie stark du dich wehrst, gegen mich kommst du nicht an. Also hör auf dich unter mir zu wehren, es wird dir nicht helfen“, sagte er mit einer tiefen bedrohlichen Stimme. Wie zum Beweis seiner Kräfte umklammerte er meine Handgelenke und hielt sie über meinen Kopf fest, damit ich sie nicht mehr gegen seinen Körper stemmen konnte. Auch seine Beine pressten meine Oberschenkel gegen die Matratze. Vorhin hatte ich mich schon kaum bewegen können, jetzt war es mir nicht mal möglich, mich einen Millimeter zu rühren. Was hatte er mit mir vor? Er konnte doch nicht wirklich ein Vampir sein, oder? Aber wie hätte er mich sonst so mühelos von einem Sturz aus dem zweiten Stock auffangen können? Langsam strich Damien mit seiner Nase meinen Hals entlang. Ich erzitterte unter seiner Berührung. „Mhhh, du kannst nicht glauben, wie gut du riechst. Nach Lavendel und Sonne...“, sagte er verführerisch und stieß ein tiefes Knurren aus. „Am liebsten würde ich...“, weiter kam er nicht, da er mit seiner Zunge über meine Halsschlagader leckte. Oh mein Gott, er wird mich beißen. Dieser verrückte Psychopath wird mich wirklich beißen. Ohne nachzudenken stieß ich einen lauten, gellenden Schrei aus.